Himalaya 1935/36

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Tufi A O-WVOn MarCel KurZl

Mil 4 BUaem.tUberieijt von Paul Montandon. ) In der Himalaya-Chronik werden 1935 und 1936 wichtige Daten bleiben. Sie bezeichnen ohne Zweifel eine Änderung in der Taktik der Erforschung jener Gebirge und bedeuten den Triumph der klein organisierten Unternehmungen über die grossen. Leichtkarawanen, bescheiden ins Werk gesetzt, unternahmen Angriffe auf Gipfel unter 8000 m und errangen erstaunliche Erfolge, währenddem den grossen Expeditionen ( Everest und Karakoram ) der Erfolg versagt blieb. 1936 wird besonders hervorragen: niemals wie in jenem Jahre konnte man Schlag auf Schlag so unerwartete Siege verzeichnen. Sie rufen für den Himalaya die goldene Zeit des Alpinismus in Erinnerung. Als Beweis gelte jenes « Himalayan Journal » von 1937, welches durch seinen Umfang, die Reichhaltigkeit und Wichtigkeit seines Inhaltes an die besten alpinen Bergaufsätze des vorigen Jahrhunderts und dessen grosse Siege erinnert. Aber damals waren die Karawanen in der Regel durch Schweizerführer geleitet. Heute ziehen unsere Bergsteiger vor, Kinematographen, Geologen, Topographen und sogar europäische Köche in Dienst zu nehmen. Die Unternehmungen werden jedes Jahr zahlreicher, insbesondere die kleineren, denn die grossen erheischen eine Unzahl Kulis, besonders die sogenannten « Tiger« 2 ).

In Deutschland wurde eine « Deutsche Himalaja-Stiftung » gegründet, welche beabsichtigt, jedes Jahr eine Mannschaft nach dem « Playground » Asiens auszusenden. 1935 und 1936 sahen wir zahlreiche englische Expeditionen, ferner eine deutsche, eine französische, eine schottische, eine anglo-amerikanische, eine holländische, eine schweizerische ( kleinste von allen ) und sogar eine japanische Expedition. Zum erstenmal gelangten Franzosen und Japaner im Himalaya in Konkurrenz.

Everest 1935 * ).

In unserer letzten Studie ( Januar 1936 ) berichteten wir über den vierten Versuch ( 1933 ), unternommen unter der Leitung von Hugh Ruttledge. Die früheren Angriffe erfolgten 1921, 1922 und 1924. Im Jahre 1935 traf die Erlaubnis des Dalai Lama zur Ausreise zu spät ein, um vor Beginn des Monsuns eine grosse, offizielle Expedition ins Werk setzen zu können. Da aber jene Erlaubnis, « den Mount Everest anzugreifen », für ein Jahr gültig war, Juni 1935 bis Juni 1936, beschloss man, hievon Vorteil zu ziehen, um wenigstens eine Erkundungsfahrt vorzunehmen und den eigentlichen Angriff von 1936 nach Möglichkeit vorzubereiten. Diese « Rekognoszierung » — eine nun veraltete Bezeichnung — wurde Eric Shipton übertragen, dessen grosse Leistungen in Garhwal bekannt sind. Er hatte die Aufgabe: a ) die Schneeverhältnisse während und nach dem Monsun zu studieren, was in diesem Landesteil bloss einmal ( 1921 ) geschehen war; b ) die Möglichkeit anderer Zugangswege, besonders von Südwesten, ausfindig zu machen und c ) erweiterte stereophoto-grammetrisch-topographische Aufnahmen auszuführen.

Auf Grund seiner persönlichen früheren Erfahrungen berechnete Shipton, mit £ 200 pro Teilnehmer auskommen zu können, was in Anbetracht früherer riesiger Ausgaben sehr wenig scheint. Seine Begleiter waren H. W. Tilman ( sein Gefährte in Garhwal ), L. W. Bryant ( bester neuseeländischer Alpinist ), Edwin Kempson, Charles Warren ( Arzt der Marco Pallis-Expedition am Leo Pargial, 1933 ) und E. H. L. Wigram, stud. med. Alle diese waren Kandidaten für den folgenden grossen Angriff und hatten dafür die Untersuchung zu gewärtigen. Die stereophotogrammetrischen Aufnahmen wurden Michael Spender anvertraut. Er verfügte über zwei Phototheodolite ( einen Wild und einen Zeiss ) und kombinierte auch einen leichten Wattstheodolit mit einer Leicakamera.

Die Expedition versammelte sich in Darjiling am 21. Mai 1935 und verreiste drei Tage später mit etwa 15 der besten Tiger. Zu dieser Jahreszeit ist der Umweg durch das Chumbital glücklicherweise unnötig, und die Karawane konnte daher direkt über Lachen und den Kongra La, 5200 m, in Tibet eintreten. Sie beabsichtigte keineswegs, sogleich gegen den Everest vorzustossen, sondern wollte zunächst den Nyönno Ri, 6750 m, in der Gyangkarkette auskundschaften, die Captain Noel entdeckt hatte. Nach Ankunft in Lawu, dem ersten Kloster jenseits des Kongra La, zog sie deshalb westwärts und folgte der Südgrenze Tibets. Damit blieb sie stark südlich des gewöhnlichen Weges über Kampa Dzong.

Am 8. Juni erreichte die Gesellschaft Sar, etwa 30 km nordnordöstlich von Tashirak, und teilte sich nun, um die Gruppe des Nyönno Ri zu erforschen. Deren Gipfel sind interessanter, als es die Trostlosigkeit ihrer unmittelbaren Umgebung erwarten lässt. Sie gewähren sogar lehrreiche Ausblicke nach dem Everestmassiv. Shipton gibt an, dass damals ( Juni 1935 ) der Monsun den berühmten Berg noch nicht erreicht hatte und dass die Gipfel frei in einen fast wolkenlosen Himmel emporragten, beinahe ohne Wind. Die Aussichten wären also sehr günstige gewesen. Der Nyönno Ri selber wurde nicht erreicht, hingegen dessen ganze Umgebung ausgekundschaftet. Am 20. Juni waren alle Teilnehmer in Sar zurück. Spender hatte fünf Stationen bedient und die ganze Ostseite der Kette photographiert. Shipton hätte sich gern auch die Südseite angesehen, aber die Tibetaner stellten sich dem entgegen, und die Engländer hatten den Eindruck, es sei besser, nicht darauf zu bestehen. Die Expedition wurde übrigens von den Einheimischen in jeder Beziehung sehr gut empfangen.

Am 26. Juni, als der erste Regen einsetzte, verliess die ganze Karawane die tibetanische Oase und reiste direkt in neun Tagemärschen nach demRongbuk- Kloster, wo sie am 4. Juli eintraf. Dort begrüsste sie der liebenswürdige Lama, Shiptons guter Bekannter. Es herrschte prachtvolles Wetter, von dem Vorteil zu ziehen war. Etwa 40 Träger wurden im Dorfe Chodzang angeworben. Dann erreichte die Expedition in zwei Tagen ( 8. Juli ) das Lager III. Ganz in der Nähe fand sie die Leiche Maurice Wilsons, von dessen einsamem Versuch wir 1934 berichtet haben. Er ist wohl eher der Erschöpfung und der Kälte als dem Hunger erlegen, denn er hatte eine Proviantablage der 1933er Expedition ausfindig gemacht. Die zwei Kulis, welche 1934 vergeblich auf ihn gewartet hatten, waren übrigens mit Shipton und konnten einige Mitteilungen machen. Wilson ist wohl in seinem Zelt gestorben, und dieses ist vom Wind weggetrieben worden. Gemäss Tagebuch hat Wilson nicht einmal den Nordcol erreicht, trotz mehrmaligen Versuchen.

Shipton stellte erstaunt fest, dass die Nordseite des Everest gänzlich schneefrei war und ebenso felsig-dunkel wie 1933 vor dem Monsun. Die Tage waren warm und windstill — die Nächte klar und kalt: also beste Verhältnisse für einen Angriff.

Am 12. Juli, weniger als eine Woche nach ihrer Abreise von Rongbuk, finden wir Shipton, Kempson und Warren sowie neun Sherpas auf dem Nordcol im Camp IV eingerichtet, mit Proviant für zwei Wochen. Nie vorher war man so schnell dorthin gelangt, offenbar ein Beweis für die Überlegenheit kleiner Expeditionen.

Leider hatte das Wetter seit dem 9. Juli umgeschlagen, es windete und schneite. Drei Tage lang wartete die Karawane geduldig auf Besserung, die nicht eintreten wollte. Schliesslich Hess sie den grössten Teil ihres Gepäcks zurück und machte sich am 16. Juli an den Abstieg zum Lager III. Trotz schlechtem Wetter war während 3—4 stürmischen Tagen nicht mehr als etwa 10—15 cm Schnee gefallen. Aber welche Überraschung für Shipton, als er den grossen Nordhang betrat und feststellte, dass die ganze Oberschicht, eine sechs Fuss dicke Schneedecke, in einer gewaltigen, mehrere hundert Meter breiten Lawine abgestürzt war! Diese Lawine musste in der Nacht vorher gefallen sein, und auf dem Nordcol hatte man nichts davon gehört I Nach langer Unschlüssigkeit beschloss man, den Abstieg in der Lawinenbahn selber zu wagen, und gelangte auf diese Weise heil zum Lager III.

Nach dieser eindrucksvollen Erfahrung entschied Shipton, während des Monsuns nicht mehr zum Nordcol aufzusteigen und alles Hinaufgenommene oben zu lassen. Er glaubt folgern zu müssen, dass in einer Höhe von 7000 m und höher der Schnee während des Monsuns überhaupt in schlechter Verfassung und lawinengefährlich sei. Uns scheint dieser Schluss einigermassen zu weitgehend. Auch sollte man die Lage und Richtung der Hänge in Betracht ziehen, wie in den Alpen zur Winterszeit. Was den Everest anbetrifft, so glaubt Shipton, dass die einzige, vernünftige Chancen bietende Jahreszeit die kurze Schönwetterperiode vor Beginn des Monsuns sei, welche übrigens 1933 gar nicht eingetreten ist.

Zwei Tage später erklomm dieselbe Karawane den Karthapu, 7205 m. In der Zwischenzeit hatten Tilman und Wigram zwei namenlose Gipfel von 6700 m bestiegen und Spender seine Aufnahmen fortgeführt. Die Gesellschaft vereinigte sich hierauf, um sich dann wiederum zu trennen: Spender, Kempson und Warren erforschten die Region nordöstlich des östlichen Rongbukgletschers, währenddem die übrigen diejenige rund des Camp II auskundschafteten. Diese erstiegen den « Kellas Rock Peak », ca. 7000 m, im Osten, sowie den schönen Gipfel 6882 m im Westen, unmittelbar über dem Lager. Hernach besuchten sie das Tal im Osten des Basislagers sowie zwei weitere Gipfel von 6400 m.

Am 31. Juli vereinigte sich die ganze Gesellschaft wiederum beim Rongbuk-Kloster und erlaubte sich zwei Ruhetage und Tafelfreuden. Ein Teil der Expedition war vom Wetter weniger begünstigt gewesen als der Shiptons. Immerhin hatte Spender zahlreiche topographische Stationen machen können. Währenddessen bestiegen Kempson und Warren den Kharta Changri, 7030 m, einen schönen, isolierten Berg, und zwei andere über 6700 m hohe Gipfel. Kempson musste nun nach Europa heimreisen.

Am 3. August machten sich Shipton, Tilman, Wigram und Bryant auf, um die Südwestseite des Everest zu erforschen. Spender war unwohl und wollte mit dem Arzt Warren später nachfolgen. Auch die Haupttruppe teilte sich. Shipton und Bryant erstiegen den westlichen Rongbukgletscher sowie zwei Schneegipfel. Auf einem derselben, dem Lingtren Nup, 6282 m, gelang ihnen eine photogrammetrische Rundsicht. Sie erreichten hernach den Schneesattel östlich des Pumori, schlugen ihr Lager auf und verbrachten dort zwei stürmische Nächte. Dieser Sattel war schon am 19. Juli 1921 von Mallory besucht worden. Wie dieser, so stellte Shipton fest, dass dessen Nepalseite kaum begehbar ist. Es wurde also in der Richtung des Everest bloss photographiert. Die Photos zeigen aber die oberen Teile des Khumbugletschers nicht vollständig und auch nicht den Zugang zum Südgrat über den westlichen Cwm 1 ). Am folgenden Tag erklommen sie den höchsten Punkt des Lingtren, 6623 m. Im Laufe des Abstiegs entgingen sie nur wie durch ein Wunder dem Zusammenbruch einer Wächte und hernach einer Lawine. Shipton beabsichtigte eigentlich, seine Erkundung noch weiter westwärts auszudehnen und sogar die Besteigung des Cho Oyu, 8154 m, vorzunehmen. Er hatte sich aber leider verbindlich gemacht, am 14. August wieder im Rongbuk-Kloster zurück zu sein, und andererseits fürchtete er, die tibetanischen Behörden zu verletzen, wenn er die Bestimmungen des offiziellen Passes nicht genau befolge. Um den Fuss des Cho Oyu zu erreichen, hätte er den Nup La, 5915 m, überschreiten und die Firnfelder der nepalesischen Seite betreten müssen. Shipton entsagte also seinem schönen Traum und kehrte nach Rongbuk zurück, im Glauben, dass die andere Karawane mittlerweile den westlichen Cwm erkundet habe. Dies war aber leider nicht der Fall. Tilman und Wigram sind nicht weiter als bis zum Lho La vorgedrungen, so dass also das Rätsel der Nepalseite bestehen bleibt, wenn man in den Aerobildern des Houstonfluges nicht solche findet, welche die Frage in sicherer Weise lösen. Wir kennen aber keine solchen.

Nach zwei Tagen Ruhe in Rongbuk begab sich die ganze Expedition ins Lager II hinauf, um die Besteigung des Changtse 2 ) oder Nordpeak, 7537 m, zu versuchen. Merkwürdigerweise war dieser so nahe beim Nordcol gelegene Gipfel bisher nicht besucht worden, und doch musste er einen einzig guten Überblick über den Nordhang des Everest bis in die kleinsten Einzelheiten gewähren. Um dem Nordcol und seinen Gefahren zu entgehen, verfolgte Shipton den grossen, gebogenen Grat, welcher das Westufer des östlichen Rongbukgletschers bildet. Dieser Grat erheischte drei harte Arbeitstage und drei Lager, so schlecht waren die Umstände geworden. Nahe unter dem Gipfel musste verzichtet werden, und es konnten anscheinend keine guten Bilder in der Richtung des Everest aufgenommen werden, was sehr schade ist.

Die folgenden 15 Tage wurden dazu verwendet, das Massiv des Kharta Changri genau zu erforschen und eine Art Hochweg zwischen dem östlichen Rongbukgletscher und dem Doya La oberhalb Kharta festzustellen. Dieses Gletschergebiet ist viel offener und zugänglicher als die eigentliche Everestregion und könnte mit Leichtigkeit auf Ski befahren werden.

Am 8. September erreichte die Expedition Kharta. Von da kehrte sie über den Chöten Nyima La nach Darjiling zurück. Sie scheint in der Dodang Nyima-Kette noch einige Besteigungen ausgeführt zu haben, worüber Shipton sich aber ausschweigt * ).

Obwohl das Ergebnis dieser fünften Everestexpedition noch nicht vollständig aufgestellt ist, kann es doch als beträchtlich gelten. Dank der intelligenten Verteilung der verschiedenen Aufgaben und der ununterbrochenen Tätigkeit aller Teilnehmer, dank auch besonders des in der Regel günstigen Wetters wurden zwei Dutzend neue Gipfel von über 6000 m erklommen und zahlreiche Pässe überschritten. Was die topographischen Ergebnisse anbelangt, so ist zu hoffen, dass deren Veröffentlichung nicht zu lange auf sich warten lasse.

Karakorami 1935 2 ).

Im April 1935 stellte James Waller seine Expedition zusammen, derselbe Waller, welcher im Jahre vorher den Nun Kun erforscht hatte. Er verliess sich auf die Mithilfe von fünf anderen Engländern, von denen aber zwei nicht erschienen und durch zwei Tiger aus Darjiling ersetzt wurden. Schliesslich bestand die Karawane aus James Waller als Leiter, J. S. Carslaw als Arzt, John Hunt und Rowland Brotherhood mit Palten und Da Tondrup, welche sich 1933 am Everest und 1934 am Nanga Parbat hervorgetan hatten.

Sie verliessen Srinagar anfangs Mai 1935, überschritten den Zoji La und gelangten in zwölf Tagen durch die Täler des Indus und des Shayok nach Kapalu. Ihr Ziel war der Peak 36, 7742 m, höchster des Saltoromassivs. Die Peaks 35 und 36 stehen ganz nahe beieinander im Hintergrund des Dong Dong-Gletschers, zwischen den Becken des Kondus und des Siachen, etwa 10 km westlich des Bilafond La.

Diese Gegend war seit dem Besuch der Bullock Workman in Siachen ( 1912 ) nicht mehr betreten worden. Deren Karte und Photos erlaubten kaum, eine praktische Angriffsroute festzustellen. Wenn man von Kapalu das Saltorotal bis nach Dansam und hernach dasjenige von Kondus hinaufsteigt bis zum Dong Dong-Gletscher, gelangt man zum Südwestfuss des Peak 36, angesichts des Gipfels. Nach drei unabhängigen, gleichzeitigen Erkundungen beschloss man, über den zweiten Gletscher südlich des Dong Dong emporzusteigen. Dieser Gletscher trägt den Namen Likah und erscheint auf keiner Karte.

Am 24. Mai verliess die Expedition Korkondus, das oberste Dorf, mit etwa 50 einheimischen Kulis. Von Anfang an zeigten sich diese als sehr undiszi-pliniert und verursachten Verzögerungen und Ärger ohne Ende. Der Likah-gletscher war sehr zerrissen und konnte nicht direkt erstiegen werden, man musste sich an die Seitenhänge halten. Um den Hauptgletscherbruch zu vermeiden, musste man auf seinem rechten ( N-)Ufer einen Seitenpass von 5500 m übersteigen. Dieser Übergang komplizierte den ohnehin schwierigen Gepäcktransport ungemein. Das Wetter war ganz schlecht. Während 36 Stunden blieb die Karawane zerstreut und unter schlechten Zufluchtstätten blockiert. Schliesslich wurde das Basislager auf dem oberen Gletscher am Fuss des Südostgrates des Peak 36 aufgeschlagen.

Während man dieses Lager instand stellte, querten Hunt und Waller ( teilweise auf Ski ) die leichteste Senkung des Südostgrates und stiegen über die oberen Firnhänge des « Peak-36-Gletschers » ( Seitengletscher des Siachen ) ab. Sie überzeugten sich dann, dass der Osthang ihres Berges viel leichter ist als der beabsichtigte Südostgrat. Dagegen besteht keine direkte Verbindung zwischen diesem Gletscher und dem Bilafond La. Nun beabsichtigte Brotherhood, ihnen Nahrungsmittel zuzutragen über einen seitwärts gelegenen Pass, welcher den Bilafond mit dem « Peak-36-Gletscher » verbinde. Dieser Pass sieht auf der Bullock Workman-Karte sehr leicht, auf derjenigen Cal-ciatis sehr schwierig aus. In der Wirklichkeit ist er für Kulis ungangbar.

Nachdem Brotherhood seine Lasten von der Höhe dieses Passes abgeworfen, wobei zwei vom Bergschrund verschlungen wurden, sah er sich genötigt, zurückzukehren und den ganzen Umweg über Goma zu unternehmen. Das bedeutete zwei Wochen Zeitverlust. Erst am 13. Juni traf er wieder im Basislager ein. Unterdessen war das Wetter nicht besser geworden, und die Stimmung wurde täglich schlechter. Endlich, am 14., überschritt die ganze Truppe den Südostgrat, indem sie dazu zwei kleine Pässe von 6100 m benützte, und schlug ihr Lager IV am Ostfuss des Berges auf, in etwa 5500 m Höhe. Erst am 17. Juni konnte der eigentliche Angriff beginnen, wobei das Lager V in 6100 m Höhe auf einer kleinen Gletscherterrasse bezogen wurde. Hunt behauptet, über einen Hang von 60—65° in Neuschnee bis zur Hüfte hinaufgestiegen zu sein. Dies würde beweisen, dass der Schnee im Karakoram ganz anderen Stabilitäts-gesetzen gehorcht als bei uns?

Am 19. Juni wurde bei prachtvollem Wetter das Lager VI nicht ohne Schwierigkeit errichtet. Der Arzt musste wegen Krankheit wieder absteigen. Nach einer eisigen Nacht ( vermutlich —28° C. ) verliessen Waller, Hunt und Brotherhood das Lager VI um 7 Uhr. Irregeführt durch ihr Aneroid, unterschätzten sie den Höhenunterschied zum Gipfel. Erst um 13 Uhr erreichten sie nach regelmässigem Aufstieg den Südostgrat. Tiefer Schnee gestaltete den Marsch mühsam. Der Gipfel war in Sicht, aber sie fühlten sich beinahe erschöpft, und das Wetter ward wiederum schlecht. Sie verzichteten und kehrten um. Am gleichen Abend bezogen sie wiederum das Lager V und am folgenden Tage ihre Basis während eines Schneesturmes, der bis zu ihrer Rückkehr nach Dansam, am 24. Juni, anhielt.

Trotz sehr schlimmer Umstände ist diese Expedition ihrem Ziele sehr nahe, wahrscheinlich bis 7470 m, gekommen. Keinerlei objektive Hindernisse schienen sie vom Gipfel zu trennen. Hunt macht für die Niederlage einzig das schlechte Wetter verantwortlich, das fast stets abscheulich war. Die « Abkürzung » über den Likahgletscher war allerdings eine zweifelhafte Spekulation, welche die Kräfte der Teilnehmer zu stark in Anspruch nahm. Es wäre besser gewesen, den Umweg über den Bilafond La und den Siachen zu wählen, um den Südostfuss des Berges zu gewinnen.

Vom geographischen Standpunkt aus ist es jedoch wertvoll, dass die Expedition diesen gänzlich neuen Zugang wählte statt denjenigen des Bilafond, welcher ein alter Handelsweg ist. Der Juni 1935 scheint im Baltoro aussergewöhnlich ungünstig gewesen zu sein. Praktisch ist nun die Zugänglichkeit des Peak 36 genügend erwiesen, aber wahrscheinlich wird es lange dauern, bis wieder jemand sich die Mühe nimmt, die Besteigung zu Ende zu führen. Waller und seine Begleiter hätten besseres Wetter verdient, denn sie haben grosse Energie bewiesen, und ihre Unternehmung ist ein grosser Fortschritt gegenüber der zum Nun Kun, an welcher Waller im vorigen Jahre teilgenommen hatte x ).

Shaksgam 1935.

Wir wissen eigentlich sehr wenig von der vierten ( 1935 ) Visser-Expedition im Karakoram. Unser Clubkamerad Rudolf Wyss in Bern, welcher die Visser neuerdings als Geologe begleitet hat, versprach uns einige Eindrücke hier wiederzugeben, hat aber offenbar zurzeit wichtigere Obliegenheiten in Ordnung zu bringen. Inzwischen benützen wir eine kurze redaktionelle Notiz im Himalayan Journal 1936.

Wiederum war Visser von seinem getreuen Topographen Afraz Gul Khan und dessen Assistenten begleitet. Die Expedition beabsichtigte die Erforschung und Topographie der oberen Seitentäler des Shayok und des Shaksgam auszuführen. Das Shaksgam war selbstverständlich das anziehendste und ist übrigens das einzige, über welches wir einige Ergebnisse besitzen. Es wurde 1889 von Younghusband, 1926 von Mason, 1929 von Balestreri und Desio ( Expedition des Herzogs von Spoleto ) erforscht. 1926 und 1929 hatte man die topographischen Aufnahmen auf der Höhe des Kyagargletschers angeschlossen.

Nach ihrer Erforschung des oberen Shayok verliessen die Visser den Karakorampass in Daulat-beg-öldi, begaben sich nach den Quellen des Yarkand, überschritten einen leichten Pass und gelangten ins obere Shaksgam. Am 11. Juli befanden sie sich am Kyagarsee, welcher vom Gletscherdamm gleichen Namens gebildet wird, erstes seitliches Hindernis auf dem linken Ufer des Shaksgam. Dort war 1926 Mason mit seinen unglücklichen Ponies aufgehalten und gegen den Aghil abgewiesen worden. Dann waren Desio und Balestreri hieher gelangt und hatten Masons Signale gefunden. Visser scheint diese Signale nicht gesehen zu haben, entdeckte aber das von Mason auf dem See zurückgelassene Schiff und konnte sich dessen, nach Reparatur, sogar bedienen. Rudolf Wyss benötigte drei volle Tage, um durch die verwickelten Seraks des Kyagar einen Durchgang zu finden. Mit den beiden Topographen und den vier Kulis scheint er den Abstieg ins Shaksgam ohne Visser ausgeführt zu haben.

Die Überschreitung des zweiten Gletschers, des Singhi ( oder Singie ), war leichter und erforderte nur sechs Stunden. Sie wurde 2 oder 3 km oberhalb der Zunge ausgeführt. Diese zwei oberen Gletscher findet man auf der grossen Karte ( 1: 75,000 ) des Herzogs von Spoleto. Dagegen bleibt der dritte Gletscher, der Staghar ( oder Stagar, analog zu Kiagar ), auf der italienischen Karte gänzlich weiss und scheint auch durch die Visser-Expedition nicht topographiert worden zu sein. Zurzeit gelangt man ohne Schwierigkeit zwischen seiner Zunge und dem Hauptstrom des Shaksgam hindurch. Gemäss Afraz Gul wäre er bloss 18 km lang gegenüber den 30 km des Singhi ( 20 km auf der Spoletokarte ).

Wyss scheint stets auf dem Südufer des Shaksgam geblieben zu sein. Zwischen dem Singhi und dem Stagar waren schwierige Wasserläufe zu überqueren. Der folgende Urdokgletscher, welcher schon 1889 von Younghusband begangen worden und auf der italienischen Karte verzeichnet ist, wurde von Afraz Gul neuerdings aufgenommen, währenddem sein Gehilfe den Gasherbrum überschritt, um sich dem Sarpo Laggo zuzuwenden.

Aber am 12. August begannen die Nahrungsmittel spärlich zu werden, und die Ströme, durch eine enorme Schmelze angeschwellt, drohten die Truppe von ihrer Basis abzuschneiden, so dass ein schneller Rückzug notwendig wurde. Derselbe erfolgte nicht ohne Schwierigkeiten, und einer der Männer wurde von den wütenden Fluten beinahe verschlungen. Die Expedition behauptet, über 1000 Quadratmeilen nur im Shaksgam aufgenommen zu haben. Aber es bleiben ohne Zweifel noch viele Einzelheiten ins Reine zu bringen, besonders im Norden, Nordosten und Nordwesten des K2. Es ist uns bekannt, dass Shipton und Tilman im Frühling 1937 abgereist sind, um diese Region aufzusuchen.

Gangotri 1935 1 ).

Am 3. Oktober 1935 verreisten J. B. Auden ( Geologe, den wir 1933 am Biafogletscher antrafen ) und D. G. Macdonald von Massuri ( Mussooree ) mit 3 Tigern und 25 einheimischen Kulis. Über Deosar und durch das Bagiratital gelangten sie nach Harsil 2 ).

Sie verliessen Harsil am 12. Oktober, und bald nachher teilte sich die Karawane. Macdonald zog gegen den Kedarnathgletscher, um ein Lager einzurichten. Auden ging gegen Gaumukh, 3950 m, um eine Messtischaufnahme der Gangotrigletscherzunge herzustellen3 ). Er bewunderte die von Pallis « Matterhorn » getaufte Pyramide, welche in Wirklichkeit Soneroparbat, ca. 6700 m, heisst. Das Bild davon ruft das Matterhorn kaum in Erinnerung, und der BergSiehe Himalayan Journal, VIII ( 1936 ), 96—102 ( J. B. Auden: An Excursion to Gangotri ).

2Siehe meine orographische Karte des Garhwal in « Alpinisme » 1934, gegenüber Seite 382.

3Siehe die untere orographische Skizze in « Die Alpen », Januar 1936.

Die Alpen — 1937 — Les Alpes.34 erscheint als weder grotesk noch unnahbar. Die senkrechten Wände der Satopanthkette bestehen aus reinstem Granit.

Nach Eieendigung seiner Aufnahmen vereinigte sich Auden mit Macdonald auf dem Kedarnathgletscher in der Hoffnung, einen der gleichnamigen Gipfel südlich des Gletschers versuchen zu können. Vom Kuaripass aus gesehen zeigen diese Berge durchaus abweisende Wände, so dass man annehmen möchte, die andere ( N- ) Seite sei leichter. Sie ist allerdings weniger steil und schneeiger. Das Lager wurde in 4570 m Höhe auf der östlichen Seitenmoräne des Ke-darnathgletschers aufgeschlagen. Wenig oberhalb zog sich ein Wall von Seraks von einem Ufer zum andern, auf beiden Seiten von glatten Felswänden eingefasst. Der Karawane gelang es nicht, dieses Hindernis zu überwinden. Es scheint, dass sich der Gletscher oberhalb zu einer nach Südwesten orientierten Bucht erweitert und die Felsen daselbst schwieriger sind, als man es voraussetzte.

Nach Gangotri zurückgekehrt, verfolgte die Gesellschaft den Bagirati 3 km abwärts und stieg hierauf im Süden das erste Tal zur Linken hinauf. Dasselbe trägt den hübschen Namen Rudagaira Gad, ist zunächst steil und mit Deodarzedern bewachsen, höher oben gedeihen Ahorn und Birke. Dieses ganze Massiv besteht hauptsächlich aus Granit und birgt vier Gletscher, deren grösster den besten Zugang zu diesen Gangotrigipfeln zu bieten scheint. Leider ist die Karte so falsch, dass Auden nicht imstande war, einen einzigen Gipfel zu identifizieren. Im übrigen war er nicht glücklicher in seinen Besteigungsversuchen. Seine Aufnahmen tun dar, dass diese Berge weniger schön und anziehend sind als die von Badrinath. Auch hier brachte der Oktober 1935 relativ schönes Wetter.

Erste sichere Besteigung des Kabru, 7315 m.

Im Oktober 1883 behauptete W. W. Graham, den Kabru bestiegen zu haben. Aber sein Bericht kann mit der Topographie der Gegend nicht in Übereinstimmung gebracht werden; er muss den Kabru mit einem andern Gipfel der Nachbarschaft verwechselt haben 1 ). Im Oktober 1907 gelangten die Norweger C. W. Rubenson und Monrad Aas sehr nahe zum Gipfel, mussten aber wegen heftiger Kälte den Abstand erklären 2 ). Der Berg wurde noch früher und auch später einige Male in Angriff genommen, so durch die Bullock Workman 1898 und durch Kellas 1921. Fast alle diese Versuche erfolgten im Herbst, weil man sich überzeugt hatte, dass in dieser Region die langen Schönwetterperioden in der Regel nach Ende September beginnen.

1935 endigte der frühe Monsun eher als gewöhnlich, und der darauf folgende Herbst war besonders schön und trocken. Das günstige Wetter dauerte sogar bis zur Jahreswende. G. R. Gooke, ein Gründungsmitglied des Himalayan Club, beschloss hievon Vorteil zu ziehen, um die winterlichen Zustände im Himalaya zu studieren. Zu diesem Zwecke unternahm er seine Expedition zum Kabru. Er wählte sich einen einzigen Begleiter, den Schweizer G. Schoberth, ebenfalls in Indien wohnhaft, dessen alpine Erfahrung wertvoll sein sollte.

Mit 4 Tigern und 40 Kulis verliessen sie Darjiling am 10. Oktober 1935, verfolgten den Singalilakamm ( Grenzlinie zwischen Sikkim und Nepal ) und » ) Alpine Journal, XII, 25; siehe auch Alpine Journal, XXXIV, 37/38.Alpine Journal, XXIV, 63 und 310.

erreichten am 18. den Zusammenfluss des Ratong und Churung. Bis auf die sechs besten wurden die Träger nun entlassen. Zwei Tage später errichteten sie das Basislager in 4785 m Höhe im Ratongtale. Jede Woche sollte von Darjiling aus frische Nahrung heraufgebracht werden. Bis jetzt war das Wetter veränderlich gewesen, ohne stärkere Niederschläge, gewöhnlich neblig, in der Höhe windig, mit einer nächtlichen Mitteltemperatur von —10° Celsius.

Der Kabrugletscher bildet einen der schönsten Eisstürze des Himalaya. Alle Schwierigkeiten seiner Besteigung liegen in diesem sogar von Darjiling aus gut sichtbaren Gletscherbruch. Vom Ratongtale aus erscheint er riesenhaft und ist es auch. Seine Höhe beträgt ca. 1600 m und seine mittlere Neigung ca. 45°. Andere Zugänge zum Kabru gibt es nicht, und alle Karawanen haben diesen Weg verfolgt oder versucht.

Auf den Rat Schoberths benützte die Karawane einen Nebengletscher auf der Seite des Doms, und so gelang es ihr am 2. November ihr erstes Lager in 5335 m Höhe auf einer Schneeterrasse aufzuschlagen. Am folgenden Tage griffen sie den Hauptgletschersturz an und bauten ihr Lager II in ca. 5545 m. Die Nacht war des Windes wegen unangenehm, die Temperatur —22° C. Die Expedition wartete hier einige Tage auf den Proviantnachschub und setzte dann den Aufstieg durch die Seraks fort, die Lager immer höher verlegend. Am 14. November war sie in 6100 m Höhe, und von nun wurde das Wetter — den kalten Nachtwind ausgenommen — ausgezeichnet.

Nach den letzten Seraks landeten sie auf leichten Firnfeldern, welche zum Fuss des Gipfels selbst führten. Wenig nach rechts sich wendend, erreichten sie den breiten, kaum eingeschnittenen Sattel zwischen dem Kabru-Nordgipfel und dem Dom, ca. 6550 m, und genossen nun plötzlich die grossartige Aussicht, welche sich vom Kangchendzönga zum Chomolhari ausbreitet. An jenem Tage ragten nur die höchsten Gipfel aus dem Nebelmeer, das ganz Sikkim zu bedecken schien. Das oberste, VI. Lager, ca. 6860 m, wurde am Fuss der Gipfelwand bezogen. Diese Wand ist zum Teil felsig und hat eine Maximalhöhe von beinahe 500 m.

Am 18. November verliessen die zwei Freunde ihr Lager eine Stunde nach Sonnenaufgang. Wie jeden Morgen blies ein eisiger Wind. Schoberth war von einem so quälenden Husten befallen, dass er am Fuss der Felsen verzichten musste. Ein hartes Opfer so nahe am Ziel. Cooke stieg daher allein weiter, bald über leichte Felsen, bald über steile, hartgefrorene Schneehänge, wo er Stufen hacken musste. Er betrat schliesslich den Hauptgrenzgrat an der Stelle, wo dieser einen Schneesattel bildet. Hier empfing ihn ein starker Westwind. Nach dem Tiefblick in den Abgrund von Yalung im Nepal folgte er nun dem bequemen Schneegrat, überschritt eine erste Kuppe, wich der zweiten aus, und auf der dritten stand er ca. 400 m nördlich der Stelle, wo er die First zuerst betreten hatte. Dieser Punkt muss dem P. 7315 meiner Karte und dem NNO-Gipfel des Kabru entsprechen. Dessen Höhe ist fast gleich derjenigen des S SW-Gipfels, 7316 m. Diese zwei Schneekuppen verändern sich übrigens von einem Jahr zum andern. Ein wenig weiter und tiefer auf dem Hauptgrat gewahrte Cooke eine vierte Kuppe, etwa 100 m niedriger. In seinem Bericht verwechselt er sie mit dem Punkt 7395 meiner Karte und zieht den Schluss, diese Kote sei falsch. Nun ist aber der Punkt 7395 auf der Photo, welche Cooke vom Gipfel aus aufnahm, gut sichtbar. Es ist nicht der « von Darjiling aus sichtbare Eiszacken » ( dieser Gendarm steht auf der Photo im Vordergrund ), sondern der Talung Peak selber, welcher in der nämlichen Rieh- tung sich auf den Firnen des berühmten Hufeisens des Kangchendzönga ( Yalungseite ) abzeichnet * ).

Allein auf dem Gipfel des Kabru wird Cooke an diesem 18. November 1935 einige unvergessliche Minuten erlebt haben. In eisiger Grosse stand ihm der enorme Kangchendzönga gegenüber, « looking more deadly than ever ». Doch viel zu schnell musste der Einsame an die Rückkehr denken. Dabei unternahm er ein unvorsichtiges Rutschen, das in einen Sturz ausartete, und es ist ein Wunder, dass er beim Aufschlag gegen die ersten Felsen ohne ernste Verletzung davonkam. Nach anderthalb Stunden war er wiederum im Lager VI.

Schoberth machte am folgenden Tag einen zweiten Versuch in Begleitung eines Tigers, kam aber nicht über 7165 m hinaus. Am 20. November, während er das Lager aufhob, versuchten Cooke und Ang Tsering ( einzig Überlebender der 1934er Tragödie am Nanga Parbat ) die Besteigung des Dom, ca. 6550 m, vom breiten Sattel aus, der ihn vom Kabru trennt. Von diesem Sattel aus ist man zunächst genötigt, einen ersten Schneegipfel zu überschreiten, der etwa 60 m höher ist als der Dom selber. Der Grat, welcher diese Erhöhung mit dem Dom verbindet, bildet einen Bogen, dessen konkave Seite gegen Nordosten gerichtet ist, und hat eine bedeutende Länge. Nachdem ihn Cooke auf ca. 600 m verfolgt hatte, verzichtete er weiter zu gehen, in der Befürchtung, nicht rechtzeitig das Lager IV erreichen zu können.

Am 23. November war jedermann im Basislager zurück. Das Wetter blieb schön. Schoberth photographierte die Umgebung; Cooke und Ang Tsering besuchten noch den Ratong La, welcher Pass schon 1920 von Raeburn bei seiner Rückkehr von Yalung überschritten worden war.

Dank ihrer sozusagen arktischen Ausrüstung litt die Expedition nicht unter der Kälte, und Cooke klagt nicht darüber. Währenddem im Oktober 1907 Rubenson —30° C. als Minimaltemperatur festgestellt hatte, waren im November 1935 die Witterungsverhältnisse so günstig, dass das Thermometer nie unter —-24° C. sank, bei wenig Wind.

Am 2. Dezember rückte die Gesellschaft wieder in Darjiling ein. Sie kann sich rühmen, allen Vorteil gezogen zu haben von einer der schönsten Wetterperioden, an die man sich in dieser Region erinnert2 ).

Everest 1936 3 ).

Ohne abergläubisch zu sein, könnte man wirklich annehmen, dass ein Fluch auf den Everest-Unternehmungen laste und dass dieser Berg von Dämonen verteidigt werde. Als überzeugte Buddhisten glauben die Tibetaner, ihr Gott betrachte diese Expeditionen mit keinem günstigen Auge und dass sie ihrem Land nur Unglück zuziehen: 1924 und 1933 waren die Ernten sehr schlechte. Es ist wirklich verdriesslich, zu konstatieren, dass 1935 alle Aussichten günstig gewesen wären, währenddem 1936 gerade das Umgekehrte der Fall war. Was diese letzte Expedition charakterisiert, ist der deutliche Gegensatz zweier extremer Kräfte: einerseits eine erstklassige Mannschaft, beseelt von stärkstem Willen, und andererseits die schlechtesten meteorologischen Verhältnisse, die je getroffen wurden. Ergebnis: ein vollständiges Fiasko.

Die Mannschaft wurde mit der grössten Sorgfalt ausgewählt, nach fortgesetzten Versuchen 1933 und 1935 im Himalaya und in den Alpen.

Die von Hugh Ruttledge geleitete Expedition verreiste später als die von 1933, verfolgte jedoch eine viel direktere Route. Sie verliess Gangtok, Hauptstadt des Sikkim, am 19. März, blieb einige Tage im Resthouse von Tangu, 3660 m, um sich an die Höhe zu gewöhnen, dann querte sie den Kongra La am 2. April und gewann dabei mindestens fünf Tage gegenüber dem Umweg über Chumbi. Die Querung der tibetanischen Hochebenen geschah bei ziemlich angenehmem Wetter, weniger rauhem als 1933. Am 25. April Ankunft in Rongbuk. Der Everest schien in ausgezeichneter Verfassung zu sein, immerhin blies heftiger Nordwestwind.

Die Basis wurde im Lager I am 30. April eingerichtet, wo der erste drahtlose Bericht schlechtes Wetter ankündigte! Am gleichen Tage kleidete sich der Everest, welcher bis dahin schwarz und trocken geblieben war, in Weiss und blieb so bis zum Ende, also in Abwehrstellung.

Am 7. und 8. Mai entstand Lager III, unmittelbar am Fusse des Nordsattels. Dieser wurde am 13. auf grossem Umweg, aber ohne erhebliche Schwierigkeiten erreicht. Bis hier war alles viel schneller vor sich gegangen als 1933. Jedermann war in bester Verfassung, und die Aussichten schienen sehr günstige zu sein. Aber es sollte plötzlich eine andere Wendung nehmen. Es schneite nicht stark, doch nahm die Schneemasse jeden Tag zu, da beinahe kein Wind wehte. Die Luft hatte sich erwärmt, ein Ausnahmezustand in solcher Jahreszeit.

Am 18. Mai lagen bereits zwei Fuss Neuschnee auf dem Nordsattel. Smythe, der zweite Leiter, betrachtete die Lage als aussichtslos und stieg mit seiner Abteilung zum Lager III ab. Von dort zog die Expedition zur Basis ( I ) zurück, um sich zu erholen und die Zeit totzuschlagen. Schon am 20. wurde der Monsun telegraphisch angekündigt und daher das Lager III schnellstens wieder bezogen, in der Hoffnung, wenigstens einen Angriff wagen zu können. Aber am gleichen Tage ( statt nach zwei bis drei Wochen !) überfiel der Monsun den Everest — ein Phänomen, das bisher niemals beobachtet worden. In Wirklichkeit kam der Monsun drei Wochen zu früh, während er 1935 drei Wochen nach der normalen Zeit erschienen war.

Am 28. Mai ging die ganze Expedition bei Schneesturm zum Lager I zurück, um am nächsten Tage bei Nordwestwind neuerdings zum Lager III aufzusteigen. Aber alle weiteren Versuche wurden durch das schlechte Wetter und die Lawinengefahr vereitelt. So wurde am 17. Juni gepackt und nach Darjiling abgereist.

Merken wir uns, dass zum erstenmal ein ernster Versuch gemacht wurde, den Nordsattel von der Westseite her zu erreichen. Auch dieser Versuch wurde durch das schlechte Wetter und die miserablen Schneeverhältnisse vereitelt, lieferte aber doch den Beweis, dass die Westseite weniger Gefahr bietet als der Nordhang. Wahrscheinlich wird man dies anlässlich der nächsten Unternehmung von 1938 in Betracht ziehen.

Nach dem Versuch am Everest, kurz nach Überschreiten der tibetanischen Grenze am Kongra La, verliessen Shipton und Kempson den Haupttrupp. Sie richteten ein Biwak ein am Südufer des Gordamasees ( Pümakangtso ), in der Nordostecke des Sikkim, am Nordfuss des Kangchenjhau-Massivs. Am folgenden Tage stiegen sie über den Gletscher empor, der vom Sattel zwischen dem Kangchenjhau und dem Gordama Peak herabkommt. Sie biwakierten in 5600 m Höhe.Von Norden gesehen, scheint dieser Pass grosse Schwierigkeiten zu bieten. Trotzdem erreichten sie seine Höhe am 3. Juli 1936 auf einem geringen Umweg, jedoch etwas zu spät, um eine klare Aussicht zu geniessen. Nachdem sie im Süden eine vergletscherte Erhöhung umgangen hatten, welche das Plateau des Sattels teilt, führten sie ihren Angriff über den Westgrat des Gordama weiter und erreichten den Gipfel, 6765 m, um 13 Uhr. Die Verhältnisse in Schnee und Eis waren die besten. Am gleichen Abend bezogen sie wiederum ihr Lager am Gordamasee x).Schluss folgt. )

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