Im Iglu - wie die Eskimos

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

Veronika Meyer, Uettligen BEBilder 115 bis 120

Bericht über eine Igluwoche « Die Innentemperatur wird gleichbleiben -um o°, selbst wenn es draussen 20° unter Null hat oder der Sturm brüllt. Hier ist der Alpinist weder den beklemmenden, atemraubenden Windstössen ausgesetzt noch dem ohrenbetäubenden Brausen des Orkans, diesen häufigen Ursachen der Ermüdung: der Iglubewohner geniesst tiefen Frieden. » Beim Lesen der Ankündigung einer « Igluwoche » entsinne ich mich dieser Worte von Gaston Rébuffat. Welche Verlockung! Welch intensives, ja intimes Gebirgserlebnis würde da möglich! Aber: Anpassungsvermögen, Härte und Kondition werden gefordert, was auch verständlich ist, wird man doch Material und Verpflegung für eine ganze Woche von Realp in die Rotondohütte schleppen müssen, dann Iglus bauen - ob das wohl schwierig istund schliesslich darin « wohnen » — das könnte noch schwieriger sein. o° ist nicht so kalt, oder doch? Zudem könne es in Iglus unangenehm feucht werden, wird mir versichert. Da drohen Bronchitis, Blasenentzündung und Rheuma!

Doch Abenteuerlust und der Wunsch, dem winterlichen Hochgebirge die Möglichkeit des Überlebens abzutrotzen, überwiegen. Ich melde mich an und erwäge sorgfältig die notwendige Ausrüstung, obige Bedenken vor Augen. Aus Gewichtsgründen verzichte ich auf die empfohlenen Moonboots als Zweitschuhe und entschliesse mich für Daunenfinken und Langlaufüberzug-schuhe. Als Schlafunterlage versuche ich es mit zwei Lagen Noppenfolie und einer Astronautendecke. Jedes überflüssige Gramm muss gespart werden. Als einzigen Luxus packe ich ein Thermometer in den Rucksack. Endlich interessiert mich, ob das mit den o° wirklich auch stimmt.

1.März In Realp treffen sich elf Leute, die sich mehrheitlich nicht kennen; es herrscht eitel Sonnenschein und Schneeglanz. Jan, unser Leiter - er hat als einziger von uns schon Iglus gebaut - hat alle Esswaren eingekauft. Nun ist der Boden übersät mit schweren Schachteln und Säcken, und wir betrachten diese sorgenvoll. Nun, mein Rucksack ist nicht allzu schwer, so ergreife ich einen unförmigen, nicht gerade leichten Plastiksack und zwänge ihn zwischen Rucksackdeckel und Schlafsack. Einige Langläufer bestaunen unser Expeditionsmaterial. Sollen die doch tragen helfen! Von der Gruppe scheinen alle ihr Bestes geben zu wollen: jeder packt in oder auf seinen vollen Rucksack, soviel ihm nur möglich ist. Im Nu ist alles verteilt, ohne dass Jan einen Befehl hätte erteilen müssen. Nach elf Uhr heben wir einander die drückenden Säcke auf die Schultern und ziehen los.

Doch schon nach wenigen Schritten merke ich, dass meine Last ganz schief hängt.

Auch Hanspi hat Schwierigkeiten. Unser Brot-vorrat sucht sich die richtige Stelle aus, schlüpft aus den Riemen von Hanspis Rucksack, stürzt sich über eine Mauer ins Bachbett und schwimmt davon. Eine Rettungsaktion wird nötig. Glücklicherweise ist das geschnittene Walliserbrot gleich zweifach in Plastik verpackt, und kein Tropfen Wasser kann ihm etwas anhaben.

Der Hang bei Ober Chäseren scheint uns schrecklich steil und macht uns zu schaffen. Was nützt uns da das herrliche Panorama! Der Rucksack zieht grässlich an den Schultern, und nach Überwindung eines Hügels kommt gleich der nächste. Endlich wird es wieder flacher, Gelegenheit für eine ausgiebige Rast. Jan hat an alles gedacht und viele Sandwichs und einen Sack Äpfel für den Aufstieg mitgenommen. Einziges Thema ist die Strecke, die noch vor uns liegt, nur Jan schwärmt vom Corned Beef, von dem er offenbar Unmengen eingekauft hat.

Wir müssen uns weiterquälen, Schritt für Schritt. Die prächtige Pyramide des Lucendro dominiert das hintere Witenwasserental. Die Distanzangaben an den Stangen, welche den Winterweg zur Rotondohütte markieren, mag ich nicht so recht studieren; denn es geht noch viel zu weit, und mein Tempo ist nicht gerade das übliche. Ob ich den blöden Futtersack nicht einfach stehenlassen soll? Aber nein, bis zum nächsten Halt werde ich es schon noch schaffen.

Dort kann ich tatsächlich den Verpflegungs-sack gegen den Schlafsack von Andreas tauschen. So erleichtert, schaffe ich die letzten 350 Meter Höhendifferenz zur Hütte ohne übermässige Mühe. Wie ich diese endlich zum erstenmal erblicke, steht sie eben im letzten Sonnenschein. Es wird aber 17.15 Uhr, bis ich dort oben die Ski lösen und den ungeliebten Rucksack in eine Ecke stellen kann.

2. märz Dasselbe strahlende Wetter wie gestern. Ich räkle mich noch etwas in den Wolldecken: ob es im Iglu auch so gemütlich sein wird?

Wir steigen, nur mit dem persönlichen Material beladen, Richtung Leckipass. In einer kleinen Mulde auf 2700 Meter hat Jan vor einer Woche ein kleines Iglu gebaut, zum erstenmal ganz allein. Wir bewundern das hübsche Schneehaus, das nun als Vorbau zu einem grösseren Iglu dienen soll. Bruno und Heinz schaufeln den Eingang frei und brechen ein zweites Loch durch die gegenüberliegende Wand. Zusammen mit Marianne beginnen sie den grossen Anbau. Silvia, Ulli, Andreas und Christoph bauen das zweite, Stöpsu, Hanspi und ich das dritte Iglu. Ich habe den wasserdichten Sturmanzug zuoberst im Rucksack bereitgelegt und ziehe ihn jetzt an.

Die Grundfläche des Baus soll ein Kreis von drei Metern Durchmesser sein. Da unser Platz am Hang liegt, müssen wir ihn zuerst ausebnen. Auf der Hangseite muss so tüchtig gegraben werden, dass das Loch schliesslich gut einen Meter tief ist. Talseitig ergibt sich dadurch ein Niveau von etwa 40 Zentimetern unter der Schneeoberfläche. « Das ist eine irrsinnige Ausgangslage! » ruft Jan begeistert. Gewiss, aber es macht uns schon jetzt Sorge, ob wir über einer so grossen Fläche ein Gewölbe werden schliessen können. Einige Schritte entfernt legen wir das « Bergwerk » an. Nach dem Abräumen der obersten Schicht stossen wir hier auf phantastischen Schnee. Mit den Ski stechen wir Blöcke aus, die gewiss zehn Kilo wiegen. Wir beschliessen eine Aufgabenteilung: Stöpsu fabriziert Schneeblöcke, Hanspi, der kräftigste, schleppt sie zum Bauplatz, und ich stehe im Rund, halte, wenn nötig, den letztplazierten Block fest und bereite die Mauer für den nächsten vor.

Ein Iglu lässt sich offenbar auf mehrere Arten bauen. Wegen der Hanglage kann kein klassischer Kuppelbau mit spiralig ansteigenden Block-reihen errichtet werden. Zunächst werden talseitig einige Reihen Blöcke aufeinandergeschichtet. Dabei sollen die Schneewürfel nicht gekippt oder umgedreht, sondern in ihrer normalen Lage mit der jüngsten Schneeschicht nach oben eingemauert werden. Es lohnt sich, die aufeinanderstossenden Flächen mit einem grossen Messer möglichst gut aneinanderzupassen: der Zusammenhalt ist besser, und die Isolierfähigkeit nimmt zu. Trotzdem sind Löcher und Spalten nicht ganz zu vermeiden, so dass ich unermüdlich mit Schnee verstopfen muss. Mit einer waagrechten Mauerkrone zu arbeiten, scheint bedeutend einfacher als mit einer nach innen geneigten; damit dennoch ein Gewölbe entsteht, werden die Blöcke so weit wie möglich, manchmal beängstigend weit, gegen innen geschoben. Mit der Schaufel schräge ich sie nach unten ab. Je glatter und gleichmässiger die Mauer wird, desto weniger wird das Iglu später tropfen.

Gegen Mittag graben Hanspi von aussen und ich von innen einen schönen vertieften, syphonar-tigen Eingang. Als ich hinauskrieche, kann ich in Ruhe unsere Bauplätze betrachten und muss mir eingestehen, dass die Iglus noch nicht gerade weit gediehen sind. Weiter an die Arbeit!

Jan muss überall mit Rat und Tat zur Seite stehen. Schliesslich hilft er bei Silvia, Ulli und Chri- stoph und schickt dafür Andreas zu uns. Stöpsu sticht Blöcke en gros ab, Hanspi schleppt bis zum Umfallen, ich halte die Mauer fest, bis ich am liebsten loslassen möchte, und Andreas mauert. Zweimal bricht die mühsam aufgebaute Wand ein, und wir haben Mühe mit Flicken. Ich sehe längst nicht mehr über den Rand, und so überrascht mich ein Geschrei, das die Vollendung des ersten Iglus verkündet. Bruno kommt hinüber, bewundert unsere schönen Mauern und erteilt Ratschläge. Die Sonne verschwindet bereits hinter dem Leckihorn, aber immerhin wird das Loch in der Kuppel stets kleiner. Nachdem auch Iglu Nummer zwei fertig aufgerichtet ist, hilft uns der grosse Baumeister Jan beim Fertigstellen. Das Gewölbe ist jetzt schon so hoch, dass ich es nicht mehr stützen kann, aber es hält auch so. Ich krieche hinaus und schaue zu, wie Jan mit dem mächtigen Schlussblock auf das Iglu steigt und ihn perfekt einsetzt.

Wir haben sechs Stunden hart gearbeitet. Das Iglu, von aussen ein Schneehaufen, da auch Hanspi immer wieder tüchtig Löcher und Ritzen verstopfte, zeigt innen eine schöne Struktur. Selbst Stöpsu mit seinen knapp zwei Metern kann ohne weiteres darin aufrecht stehen. Die Grundfläche ist ein Oval von drei auf dreieinhalb Metern - Platz genug für vier Personen; so zieht Jan bei uns ein.

Nach dem Einräumen fahren wir in die Hütte hinunter, wo eine schmackhafte Mahlzeit zubereitet wird, und geniessen nochmals Tisch und Bank. Nach dem Essen werden die Lebensmittelvorräte gedrittelt, jedem Iglu seinen Teil, und wir packen das meiste in die Rucksäcke. Im Dunkeln tappen wir der Spur entlang zu unserem Lagerplatz. Ich bin sehr müde und habe nur noch einen Wunsch: « heim » ins Iglu! Dort ziehe ich die Skischuhe aus, lege die Windjacke auf den Schlafsack und krieche in die Daunen. Meine Kleider sind eigenartigerweise nicht verschwitzt, das ist ein Vor-teild es kalt-trockenen Klimas, sodass ich gar nichts wechseln mag. Im Schlafsack ist es nicht ungemütlich, dennoch ziehe ich Daunenfinken und Daunenjacke an und schiebe meine unentbehrliche Sitzunterlage samt einem Stück Styropor unter den Rücken, nehme auch den Photoapparat und eine Feldflasche mit Wasser an die Wärme, stecke die Hände in die Taschen und schlafe sehr schnell ein. Jan als guter Hausvater verschliesst den Eingang mit unseren Rucksäcken.

3. märz In der Nacht bin ich mehrmals aufgewacht und habe stets mit Verwunderung festgestellt, dass die Blockstruktur des Iglus sogar in der Dunkelheit erkennbar ist. Anfangs hatte ich etwas kalt, später immer wärmer. Als Jan zu rumoren beginnt und ich erstmals auf die Uhr schaue, ist es - acht Uhr! Der beste Beweis, wie gut ich geschlafen habe und wie wohl mir ist. Es ist so gemütlich im Schlafsack, dass ich noch nicht hinauskrieche. Erst einmal konsultiere ich das Thermometer, welches -2° zeigt. Auch Hanspi und Stöpsu stecken noch in den Schlafsäcken. Zum Porridge gibt 's Kaffee, und das Menü wird mit Butterbrot und Speck abgerundet.

Der Iglubewohner ist tatsächlich fast hermetisch von der Umwelt abgeschlossen. Kein Geräusch dringt herein - es sei denn, jemand würde direkt neben dem Iglu aus Leibeskräften schreien. Der Raum ist hell und licht, aber man kann daraus nicht auf das Wetter draussen schliessen. Bevor man nicht nachgeschaut hat, weiss man also nicht, ob der Tag sonnig, neblig, stürmisch, warm oder kalt ist oder ob es gar schneit.

Heute sind wir im Nebel; der aufkommende Wind zerreisst ihn aber bald. Wir beschliessen, das Grosse Leckihorn zu besteigen. In gemütlichem Tempo folgen wir der vorgezeichneten Spur. Bis zum Leckipass sind ja nur 200 Meter Höhendifferenz zu überwinden. Das Panorama weitet sich, zugleich wird der Wind stärker und stärker. Nebelfetzen jagen über den Witenwasserenpass. Das Gipfelkreuz des Leckihorns grüsst, und sein Nordosthang zeigt windgepresste Schneestrukturen in gotischer Strenge. Schliesslich wird der Wind so heftig, dass wir noch unter dem Leckipass umkehren müssen. Die Abfahrt und die tollen Stürze von Heinz geniessen wir trotzdem.

Im Iglu fühlen wir uns so richtig geborgen und kochen Suppe, was immer viel Zeit braucht, weil Schnee geschmolzen werden muss. Dadurch bleibt viel Musse für Gespräche, wir schauen nicht mehr auf die Uhr, Aggressionen kommen gar nicht erst auf, und alle werden hilfsbereit und friedlich.

Nachmittags unternehmen wir zu siebt eine letzte Expedition zur Hütte, um die restlichen Nahrungsmittel zu holen. Wir fahren nicht direkt, sondern über den Witenwasserengletscher, der leider im dicken Nebel steckt. In steilem Aufstieg erklimmen wir den Hüttenfelsen. Währenddessen bauen Christoph - als angehender Architekt -, Andreas, Ulli und Silvia phantastische vertiefte und gewundene Eingänge zu den Iglus eins und zwei. Dort war es letzte Nacht offenbar viel kälter als bei uns, weil die Eingangslöcher ebenerdig angelegt waren. Iglu zwei erhält sogar einen richtigen Schacht mit Skiraum und Torbogen obendrauf.

Bei der nächsten Kocherei - Tee, Teigwaren und Fleischkonserven — gibt 's wieder eine Stichflamme, an die wir uns nachgerade gewöhnen müssen. Auch die beiden anderen Gruppen klagen über Schwierigkeiten mit den Kochern. Diese unheimlichen Dinger rühre ich nie an; da lobe ich mir meinen alten Tuckerer - er tuckert immer so gemütlich, wenn er im Schuss ist —, auch wenn damit die Schmelzerei etwas länger dauert als mit diesen modernen Brennern, bei denen man nie weiss, wann sie explodieren.

Später will Jan sogar noch Benzin im Iglu um-füllen, wie schon gestern abend. Man müsse nur kurz die Kerzen löschen, meint er. Nun reicht es mir aber, und ich protestiere aufs heftigste. Der Gestank wäre ja noch auszuhalten, doch will ich nicht mit dem Iglu in die Luft fliegen; da gehe ich lieber selber hinaus und fülle das Benzin draussen um. Auf diese Art von Risiko bin ich schon von Berufes wegen allergisch.

Ich zwänge mich gerade in dem Augenblick nach draussen, als der Mond genau hinter der Spitze des Lucendro aufgeht. Glück und Frieden erfüllen mich. Es war richtig, hierherzukommen.

4. märz Diese Nacht hatte ich weniger kalt als letzte. So gewöhnt man sich schliesslich ans Igluleben, zumal es am Morgen im « Bett » am gemütlichsten ist. Wohl ist der Schlafsack etwas feucht, aber im Lauf des Tages trocknet er vollständig. Das kalt-trockene Klima behagt mir sehr. Es scheint gesünder zu sein als der ständige Wechsel von trocken-warmen Innenräumen zu kaltfeuchtem Nebelwetter in der winterlichen Zivilisation.

Jan hat vielseitig eingekauft; jetzt brutzelt er Rührei mit Speck. Wir schlemmen und sind sehr zufrieden. Doch das Unheil kriecht in der Gestalt von Marianne in das Iglu. Sie hat bei der luftigen Toilette Hanspis Schlafsack weit unten auf dem Witenwasserengletscher entdeckt. Er hat ihn in der Annahme ziemlich windstillen Wetters zum Trocknen an die Sonne gelegt. Nun hat ihn doch eine Böe mitgenommen. Ob er noch weiterfliegen wird? Jan und Hanspi zwängen sich verwünschend in die Skischuhe, und weg sind sie.

Nach geraumer Zeit kommen sie zurück, Hanspi schleppt keuchend Schlaf- und Biwaksack hinter sich her. Ich habe unterdessen im Iglu aufgeräumt. Nun ist es aber höchste Zeit, Richtung Lucendro zu starten. Wir fahren über herrlich weite Hänge nach Oberstafel hinunter, wo der Aufstieg beginnt. « Jetzt ist es elf Uhr, um halb zwei sollten wir auf dem Gipfel sein », meint Jan. Christoph führt und legt eine angenehme Spur. Weiter oben machen wir einen Harscheisen- und Feldflaschenhalt. Heinz will nicht länger warten; er spurt gegen die Ywerberlücke zu. Der letzte Hang ist so hart und steil, dass Harscheisen wahrlich kein Luxus sind. Auf dem Lucendrogletscher bleibt Heinz stehen. « Ich war schon mehrere Male hier, aber noch nie auf dem Gipfel. Gipfel interessieren mich nicht! » klärt er mich auf. Also bei mir ist das gerade umgekehrt. « Es geht wohl noch eine halbe Stunde? » frage ich ihn. « Ja, aber die strengste halbe Stunde. » Von den Anwesenden will niemand mehr weitergehen. Mir auch recht, denn nichts ist mir lieber, als allein auf dem Gipfel zu stehen. Jetzt kann mich nichts mehr halten. Den steilen Hang da vorne möglichst hoch nach links traversieren ( am Abend wird Jan meine Spur loben. Ich sonne mich ), so der Entschluss, doch er wird immer steiler. Der Blick über die Schulter nach oben täuscht eine aufbäumende Woge aus Schnee vor. Bei der wartenden Gruppe ist jetzt auch Jan angekommen. Ob er mein Ausreissen überhaupt billigt? Der Hang wird nun doch flacher. Unten haben sich tatsächlich einige entschlossen zu folgen. Bald stehe ich auf einem kleinen Plateau unter dem Gipfelgrat, wo ich die Ski ablege und den Grat hinaufstürme. Aber Vorsicht! Die alte Trampelspur nützt nicht mehr viel, weshalb schöne Tritte für die Nachkommenden gemacht werden müssen. Der Grat neigt sich, und ich eile auf die höchste Kuppe. Hier bläst der Wind stark, der Himmel im ganzen, weiten Rund wolkenlos. Ein inniges Glücksgefühl in mir ist aber stärker als das Interesse an der Aussicht. Hier ist der Mittelpunkt der Welt, alles andere versinkt in Belanglosigkeit. Der Gipfel ist der Ort, wo alle Knoten sich lösen, sagt Reinhold Messner. Es stimmt!

Nachdem auch Jan hinaufgekommen ist und am Skidepot Ueli und Christoph erscheinen, ist es höchste Zeit, abzusteigen. Am Depot werden Felle und Harscheisen verpackt, noch ein dankbarer Blick zurück auf den Gipfel, und schon geht es eher vorsichtig denn brillant über den Steilhang ab. Erst unten am Meschitollerberg machen wir ausgiebig Rast und geniessen die Sonne.

Der Schnee ist an diesen Hängen herrlich, und die Abfahrt wird zum Genuss. Christoph zeigt sogar einige Saltos. Der tiefste Punkt ist leider allzu schnell erreicht, und wir müssen seufzend die nahezu 500 Meter Aufstieg zum Lagerplatz unter die Felle nehmen. Unsere Spur führt nicht an der Rotondohütte vorbei, sondern gut 100 Meter tiefer, dem Witenwasserengletscher entlang. Dort, wo der Hüttenweg abzweigt, wollen einige nicht mehr folgen. « Warum wollt ihr in die Hütte? » ruft Jan zurück. Die Antworten sind vage: man müsse dort noch etwas holen, oder man wolle dort Wasser kochen, weil der Kocher nie so recht funktioniere. Der wahre Grund ist klar, auch wenn er nicht ausgesprochen wird: In der Hütte gibt 's ein WC, lies ein Jaucheloch mit Sitzgelegenheit, welches entsetzlich scharf nach Ammoniak stinkt. So spaltet sich die Gruppe in zwei Lager: die einen ziehen den Gestank vor, die anderen einen kalten Hintern bei der Freiluft-Toilette.

Im Iglu wird der gelungene Tag mit einem Gelage gefeiert. Aus Kartoffeln, die wir nur klein-schneiden können, Cervelats, Speck, Mehl, Salz, Paprikaund viel Schnee wird eine herrliche Gulaschsuppe gekocht. Auf dem Tuckerer braue ich währenddem Tee. Diese doppelspurige Kocherei hat einen wahren Waschküchendampf zur Folge, und im Iglu wird es sichtlich wärmer. Draussen messen wir um igUhr-i2° bei starkem Wind. Wir laden Ulli zum Gulasch ein, sie stiftet uns dafür drei Brausetabletten, welche uns als Abwechslung im Getränkesektor hochwillkommen sind.

Ich bin des Lobes voll über den heutigen Tag. Gut schlafen, gut essen, gute Kameradschaft und eine beglückende Tour auf einen neuen Gipfel -was will ich mehr? Nur Stöpsu ist nicht so recht munter. Er hat sich wohl etwas erkältet, auch trug er eine zu helle Sonnenbrille, was ihm nun Kopfschmerzen bereitet.

5. märz Das war bisher die allergemütlichste Nacht! Jan ist wie immer als erster aufgestanden und kocht Hörnli mit Speck und Eiern. Zu Hause fände ich das komisch, aber hier ist ein warmes und kräftiges Frühstück genau das Richtige.

Das Iglu bereitet uns nun langsam Sorgen. Solange man darin nicht kocht, würde es sich nur langsam senken und gewiss wochenlang stehen. Aber gestern abend hatten wir ja die reinste Sauna. Jetzt tropfen die Wände, und ostseitig, wo wir die Statik schon beim Bau etwas strapazier- ten, macht die Mauer eine nicht mehr zu ver-harmlosende Wölbung nach innen statt nach aussen. Hier wird der Schnee auf Zug belastet, was eigentlich nicht möglich ist, und das Iglu müsste einstürzen. Wir beruhigen uns damit, dass es noch steht, also wird es auch länger stehen, und dass Jan noch nie ein Iglu hat zusammenfallen sehen.

Draussen bietet sich uns ein einmaliges Naturschauspiel: Über den Passo di Cavanna ergiesst sich vom Tessin her der Nebel ins Witenwasserental wie ein riesiger, lautloser Wasserfall. Die Bise schenkt uns dank unermüdlichem Auflösen der stürzenden Fluten einen sonnigen Tag.

Aufbruch zum Leckipass! Nur Christoph will hierbleiben und ein WC-Iglu bauen, denn er ist endgültig vom Schnee als architektonischer Herausforderung gepackt.

Die ersten Schritte fallen schwer - grosse Müdigkeit in den Beinen, obschon man sie zu ignorieren versucht. Hanspi .klagt über rasenden Puls und hat auch Mühe. Die gestrige Tour konnte man ja kaum streng nennen, aber die Umstellung aufs Igluleben fordert offenbar eine grosse Portion Lebensenergie. Stöpsu geht es noch schlechter als uns beiden, und er kehrt bald einmal um.

Auf dem Leckipass muss die Entscheidung über das Tourenziel fallen. Für das Gross Muttenhorn müsste man von hier 400 Meter über den schönen Muttengletscher abfahren und hätte dann einen Aufstieg von 600 Metern zu bewältigen. Dagegen benötigte man für den restlichen Aufstieg aufs Gross Leckihorn auch bei gemütlichstem Tempo kaum eine Stunde. Ambitionen sind uns heute fern, so dass die Wahl auf das bescheidene, wenn auch nur wenig tiefere Gross Leckihorn fällt.

Beim Gipfelkreuz tragen wir uns ins Buch ein und können uns nicht mehr so genau erinnern, wie man « Expedition » schreibt - haben wir schon alle zivilisatorischen Fähigkeiten vergessen? Steile Platten führen auf den Gipfelgrat, wo wir es uns bei Windstille und Sonnenschein gemütlich machen können. Oh, der Rundblick! Im Süden liegt ein riesiges Nebelmeer, aus dem nur der Campo Tencia herausragt; im Westen der Monte Rosa, der Dom, das Weisshorn und der Mont Blanc, dann folgen die Berner Alpen, die von Finsteraarhorn und Schreckhorn dominiert werden, die Urner Alpen mit dem Galenstock, schliesslich Glarner, Tessiner und Bündner Berge. Der Rotondo ist zum Greifen nahe. Das Lager liegt zu unseren Fussen weiss in der weissen Landschaft, so dass man es kaum wahrnimmt.

Bei diesem glücklichen Verweilen und Staunen meint jemand, dass hierdurch die Kontinental-wasserscheide Rhone/Rhein verläuft. Wir können uns also rittlings auf den Grat, den Rücken Europas, setzen und auf beide Seiten hinunterspuk-ken. « Die treffen sich nie wieder! » meint Jan.

Erst nach zwei Stunden wird abgestiegen. Ausschau nach guten Skihängen, aber der Schnee ist leider fast überall Verblasen. Halb unten angelangt, wollen sechs noch das Klein Leckihorn besteigen. Die Rucksäcke werden bei einigen Felsen deponiert, und los geht 's dem neuen Ziel zu. Im hartgepressten Schnee wollen die Kanten nicht recht greifen, obwohl ich Schlusslicht bin und von den Spuren der Vorhergehenden profitieren kann. « Es sind ja nur ein paar Meter », tröste ich mich, aber der Schnee ändert sich auf der ganzen Traverse nicht. Durch ein Couloir mit Trittschnee erreiche ich nun zu Fuss den Grat und von dort mit einigen Schritten den Gipfel.

Bei der Abfahrt entdeckt Jan einen Hang mit gutem Schnee, der zum Witenwasserengletscher hinunter führt. « Irrsinnig! » schreit er in Ekstase hinauf. Ich lasse die Skinarren fahren, wohin sie wollen, und bögle mit Andreas gemütlich ins Lager. Dort kommt mir Hanspi gleich mit heissem Tee entgegen. Herrlich!

Stöpsu ging am Mittag in die Hütte hinunter, weiss Christoph zu berichten. Er selbst arbeitet immer noch am hübschen WC-Iglu und benötigt schliesslich sechs Stunden im Alleingang für diesen Bau.

Zum Nachtessen kochen wir Reis mit Fleischkonserven. Hanspi schüttet souverän den Reis aus der Schachtel in die Pfanne, ohne etwas abzumessen. Nach einer halben Stunde hat der Reis alles Wasser aufgenommen und ist gargekocht. Man lernt nie aus, meinte ich doch immer, man müsse beim Reis das Wasser mit der Tasse abmessen! Nach dem Essen muss der Schneevorrat zum Kochen ergänzt werden. Als Vorratsbehälter dient ein grosser Kehrichtsack aus Plastik, der voll Schnee geschaufelt wird.

6. märz Um dem ständigen Tropfen Einhalt zu gebieten, wurde gestern der Eingang nicht verschlossen. Die eindringende Kälte liess die Wände gefrieren, aber mich begann es zu frösteln. Als es zu unangenehm wurde, bat ichjan, das Loch wieder zu verstopfen. Mehr als die Kälte aber störte mich, dass die Astronautendecke auf dem Schnee haltlos rutschte und ich mich daher lieber nicht zuviel im Schlafsack drehte. Ganz ohne Ärger geht 's wohl nicht, sagte ich mir und schlief trotzdem gut.

Am Morgen haben die drohenden Wolken bereits den Hüenerstock verhüllt. Es ist Zeit wegzugehen, solange die Sicht noch gut ist. Bald einmal ist zusammengeräumt und eingepackt, unser gemütliches Iglu wird zur kahlen Höhle. Draussen blendet der Sonnenschein, und gleichzeitig packen uns heftige Böen. Eine der vier Lawinenschaufeln ist verschwunden; nach kurzem Suchen geben wir auf. Die Rucksäcke sind ohnehin immer noch schwer genug für die lange Abfahrt. Wehmütig nehme ich Abschied. Das Igludorf wird wohl noch einige Wochen stehenbleiben.

Hinter Oberstafel beruhigt sich der Wind und mit ihm auch meine Gemütslage. Der von der Vernunft doch nicht ganz bezwungene Ärger über die vorzeitige Abreise macht der Dankbarkeit Platz. Wir erlebten glückliche Tage ohne Misstöne und ohne Unfall. Ich bin nicht krank geworden, im Gegenteil, und ärgerte mich einzig über eine Astronautendecke. Die ganze übrige Ausrüstung bewährte sich bestens. Am tiefsten beglückt mich jedoch das einmalige Erlebnis des winterlichen Hochgebirges mit Wind, Kälte, Schnee, Nebel und strahlenden Gipfeln. « Alle grossen Dinge sind einfacher Art » ( Goethe ).

In der Westwand des Dru

Claude und Yves Remy, Bossière VD Bilder 121 bis 126 Vor uns liegt ein grosser Photoposter, den Philippe von seinem Stammplatz-nämlich, zu unserer nicht geringen Überraschung, von der WC-Tür seiner Wohnung — heruntergenommen hat. Aufmerksam untersuchen wir mit Hilfe einer Lupe das Gelände Meter um Meter.

Nach dem Essen plätschert unsere Unterhaltung munter dahin: Es scheint keine Probleme zu geben, nicht einmal in unsern ehrgeizigsten Plänen, und sogar die Westwand des Dru wirkt einladend. Warum also nicht? Allerdings schliessen wir aus den fünf Routen, die in dieser Wand verzeichnet sind, dass es wohl kaum ratsam sei, es einfach an einem schönen Wochenende mit altem Material und etwas Dörrobst im Rucksack zu versuchen.

Mein Bruder Yves fugt in allem Ernst hinzu, die wichtigste Vorbereitung sei doch wohl psychologischer Art, denn es handle sich bestimmt um eine Tour, die viel Durchstehvermögen verlangen und sechs bis zehn Tage dauern werde. Wir haben vor, eine Führe zu erschliessen, die vom untersten Punkt der Wand direkt zum oberen Terrassengürtel vorstösst, dann einer Linie durch die Felsüberhänge zur Linken der Direttissima folgt und schliesslich über die seit 1952 bekannte Standardroute zur sogenannten Terrasse des Allemands1 führt. All unsere Pläne beruhen auf ein paar Angaben über diesen Berg und dem Photoposter, den wir zur Verfugung haben.

Wir wären also bereit. Yves und ich verzichten auf eine interessante Expedition im Ausland und konzentrieren uns gemeinsam mit unserem Freund Philippe nur noch auf dieses Projekt für den Sommer 1980. Um uns möglichst gut vorzu- 1 Diese Bezeichnung geht auf eine Rettungsaktion im Jahr 1966 zurück.

bereiten, absolvieren wir gemeinsam Trainigstou-ren und ein paar Besteigungen.

Das katastrophal schlechte Wetter im Frühling und Anfang Juni haben uns ein wenig pessimistisch gestimmt. So haben wir uns auf eine erste Kletteretappe von vier Tagen geeinigt, denn wir sind überzeugt, dass das schöne Wetter nicht länger anhalten würde. Dies wird uns auch erlauben, weniger Lebensmittel mitzunehmen und leichtere Rucksäcke zu packen, die man zu Beginn einer schwierigen Klettertour ohnehin immer als viel zu schwer empfindet.

Als wir die Bergstation der Drahtseilbahn von Grands Montets verlassen, setzt sich der dichte, zähe Nebel schon bald feucht auf unsern T-Shirts nieder. Die Spur führt uns ans obere Ende des kleinen, steilen Couloirs, durch das man zum Nant-Blanc-Gletscher absteigt. Der Schnee, in dem sich tiefe Fussstapfen abzeichnen, bietet eine sichere Unterlage, so dass wir uns nicht anseilen müssen. Ab und zu lichtet sich der Nebel etwas und gibt den Blick frei auf eine herrliche, wenn auch strenge Winterlandschaft: die Flanken der Aiguille Verte, der Aiguille Sans Nom und die Nordwand des Dru. Die Rucksäcke schwingen auf dem Rücken sanft hin und her, während wir ein paar Lawinenkegel überqueren und uns langsam dem Rognon du Dru nähern.

Dort errichten wir unser « Lager », ein einfaches Zelt, das Yves mit viel Mühe wohnlich und bequem ausstattet. Dann traversieren wir mit einer umfangreichen Ausrüstung ( die keinen Zweifel an unseren Absichten aufkommen lässt ) den kleinen Dru-Gletscher und erreichen den Fusspunkt der Westwand.

Unsere geschmeidigen Schuhe fest zugeschnürt, bereiten wir uns zum Angriff vor.

« Diese Verschneidung können wir frei durchklettern », freut sich Philippe. Ohne Zögern beginnt er, sich durch den ersten, senkrecht aufragenden Abschnitt emporzuarbeiten.

Eine heikle Traverse über Platten führt uns nach links zu einer leichten Rampe. Ein Stück weiter oben, am Ende der Verschneidung, die zu den überhängenden Dächern emporführt, stossen wir auf die ersten Schwierigkeiten: Zwei kleine Vorsprünge, die keinen allzu sicheren Eindruck erwecken, münden in eine Platte, die vollkommen glatt aussieht und zu allem Überfluss auch noch von Wasser trieft. Dieses Hindernis hält unsern Vormarsch auf. Philippe geht zögernd weiter, riskiert eine unvorsichtige Bewegung und kehrt schon im nächsten Augenblick tropfnass zu uns zurück, wo er sich seines nutzlos gewordenen Magnesiumsacks entledigen muss. Ein zweiter erfolgloser Versuch...

Auf meinem Standplatz packe ich unsere « Trickkiste » aus, deren Inhalt zu benützen wir uns nicht schämen, und reiche Philippe eine Trittleiter.

Nach einigen Augenblicken ist dieses Hilfsmittel trotz unsicherer Unterlage bereit, und wir können das Hindernis bewältigen. Darüber stossen wir auf eine Spalte, die wir mit einem erstklassigen, athletischen Dülfer überwinden. Mit Felshaken, Holz- und Klemmkeilen arbeiten wir uns weiter empor. Am obern Ende der Verschneidung entdecken wir zu unserer Verwunderung ein paar Blümchen - ein echtes Naturwunder in diesem kargen Fels.

Unsere Route führt durch eine senkrechte, nasse Felspassage weiter. Es ist schon eine merkwürdige Jahreszeit: erst werden wir tüchtig begossen, und wenn uns die Sonne dann während einer kurzen Aufhellung etwas erwärmen könnte, bringt sie gleichzeitig den Schnee zum Schmelzen, und schon prasselt wieder von allen Seiten Wasser auf uns nieder.

Über uns macht Philippe sich Sorgen: « Sag mal, Claude, soll das Kabel dieses kleinsten Stoppers wirklich halten? » « Er ist so konstruiert, dass er mindestens das Gewicht eines leichten und vor allem ruhigen Bergsteigers aushält. Es kommt in erster Linie drauf an, wie man ihn benützt !» « Gut! Das ist meine Angelegenheit! Ich muss einen Überhang bewältigen, und oben werde ich den grössten Holzkeil einlegen müssen.

« Wahrscheinlich beinahe A2 !» Rasch lege ich die folgende, nicht frei zu bewältigende Länge zurück und berge die Haken. Etwas überrascht stelle ich fest, dass einige der Winkelhaken ( Haken in V-Form ) nicht sehr wider-standfähig sind und einfach brechen. Nass bis auf die Knochen, erreiche ich auf Steigeisen den Standplatz, wo auch Philippe vor Kälte mit den Zähnen klappert.

Trotzdem verspüren wir Befriedigung über unsern ersten Kontakt mit einem nassen und abweisenden Dru. Wir wollen möglichst rasch absteigen, doch müssen wir uns natürlich bemühen, unser Seil an Partien anzubringen, die nicht vom nassen Element beansprucht werden. Wir seilen uns ungefähr 90 Meter weit ab und stehen schon wieder am Fuss der Wand, wo wir feststellen müssen, dass wir an diesem Tag kaum hundert Meter geschafft haben.

Rasch befreien wir unsere vom Wasser aufge-quollenen Füsse aus den eng gewordenen Kletterschuhen, ziehen unsere Bergschuhe an und erreichen in wenigen Minuten den Rognon, wo Yves schon eine vollständige Mahlzeit vorbereitet hat!

Zufrieden und gesättigt, machen wir es uns in unserem Biwak gemütlich und träumen schon vom Erfolg unseres Unternehmens am Dru. Etwas bereitet uns aber dennoch Sorgen: Wir verfügen nur noch über ungefähr zwanzig Lamellen-haken, aber die Hälfte unserer Winkelhaken ist unbrauchbar. Ausserdem könnten wir auch noch ein paar weitere Klemmkeile gebrauchen. Also beschliesst Philippe, am nächsten Morgen nach Chamonix hinunterzugehen, um weiteres Material und - auch der Magen verlangt sein Rechtein paar Süssigkeiten einzukaufen.

Wenn man ein Seil in einer Wasserrinne anbringt, und dies erst noch in einer Höhe, wo die nächtliche Kälte mit Sicherheit für Eisbildung sorgt, dann ist das eine Dummheit, die durchaus ein paar Tritte in den Hintern verdienen würde: In der Tat bedeutete es mehr als ein Problem, mit Steigeisen an einem Seil hochzuklettern, dessen Durchmesser dank einer dicken Eisschicht mehr als das Doppelte beträgt! Man könnte nun geduldig warten, bis die Sonne am Nachmittag auch die Westwand erwärmt; man könnte aber auch selbst etwas unternehmen und den Gaskocher zu Hilfe nehmen! Mühselig kratzen mein Bruder und ich mit Hilfe eines Hakens das Eis ab und brechen dabei nicht selten in wahre Fluchtiraden aus, besonders wenn unsere Steigeisen von Zeit zu Zeit ruckartig und überraschend am Seil abgleiten. Mit Mühe und Not erreichen wir schliesslich wieder durchnässt ( heute aber vom Schweiss ) den Standplatz, den wir am Tag zuvor eingerichtet haben.

Wir befinden uns unterhalb der Überhänge, die Yves am Vortag durch den Feldstecher ausgemacht hat. In diesem Zusammenhang sei doch auf die Vorteile dieses Instruments hingewiesen, das es uns ermöglicht hat, hinter einem Sporn auf der rechten Seite unserer Führe einen Riss in weniger steilem Gelände zu entdecken. Und doch bringe der Feldstecher nur immer noch mehr und grò ssere Schwierigkeiten, schrieb der grosse Bergsteiger Georges Livanosin in seinem Buch Au-delà de la verticale. Das war vor 1952, und der berühmte Alpinist unternahm eben einen Versuch, die noch unberührte Westwand des Dru erstmals zu besiegen.

Für uns geht es jedoch darum, einer überhängenden Zone auszuweichen und nicht allzu viele Haken einschlagen zu müssen. Also hoffen wir, dass der Feldstecher uns helfen wird.

Mein Bruder steigt erneut in eine horizontale Traverse nach rechts ein. Geschickt arbeitet er sich an einem Überhang entlang und erreicht dann über eine Platte mit oberflächlichen, vertikalen Rissen und mit Hilfe eines kurzen Pendel-manövers den Sporn. Dann setzt er, an einem guten Haken gesichert, zu einem neuen Pendel an, der ihn glücklich zu jenem begehrten Riss hinübersetzen lässt.

Steif vor Kälte verlasse auch ich meinen Standplatz. Endlich kann ich mich bewegen. Mit anfangs ziemlich ruckartigen Bewegungen versuche ich mich zu erwärmen; ich klopfe die Finger ge- geneinander, gegen die Felswand oder gegen die Haken, die ich berge. Wie ein Seiltänzer lege ich die Traverse zurück und bin sehr froh, als ich meinen Bruder und die Sonne erreiche.

« Von hier aus können wir frei weiterklettern, » verkündet er.

Diesmal halte ich mich gern an die Gesetze der Mechanik, um den schönen Riss und die Verschneidung hinter mich zu bringen, die uns auf eine Felsterrasse unweit der direkten Route der Amerikaner führt. Jetzt klettern wir in der Sonne weiter, über glatte, nicht allzu steile Platten, die aber doch grosse Aufmerksamkeit erfordern. Über ein Band und eine Rampe nach rechts erreichen wir schliesslich in stufenförmigen Abschnitten das obere Ende des Sockels.

Schon vorher hatten wir zur Rechten des schwärzlichen Vorsprungs ( der rechts neben dem Dülfer der Direttissima liegt ) ein System von parallelen Rissen und Verschneidungen ausgemacht, die zu den oberen Terrassen in der Mitte der Wand hinaufführen. John Harlin und Lito, Téjada und Florès sind 1964 bei einem direkten Besteigungsversuch hier vorbeigekommen und haben unmittelbar unterhalb des typischen Überhangs die obern Terrassen auf der rechten Seite erreicht.

Wir haben im Sinn, das linke System zu benutzen, um an den Rand der Terrassen zu gelangen. Für heute ist es aber genug. Wir deponieren unser Material in einem Kamin und behalten nur, was wir für den Abstieg unbedingt brauchen. Wir nehmen uns aber Zeit, einen letzten Blick auf die herrliche Landschaft zu werfen, die im klaren Licht eines aufgehellten Spätnachmittags noch prächtiger wirkt! Der Dru enthüllt uns - so glauben wir wenigstens - seine schwachen Stellen, aber auch seine Grösse und unvergleichliche Schönheit. Wie reizvoll wirken doch diese eindrücklichen Vertikalen - unter einem strahlenden Himmel!

In mehreren Etappen seilen wir uns über den Sockel ab und kehren dann über die kleine Rippe zum Rognon zurück.

Wie üblich haben wir das Mittagessen ausgelassen. Wir bereiten uns deshalb ein Abendmahl, das eines ausgehungerten - und müden Kriegers durchaus würdig gewesen wäre. Mit ein paar Biskuits « à la maison » beenden wir unser Festmahl.

Auf die Gefahr hin, Naturfreunden eine üble Enttäuschung zu bereiten, müssen wir doch zugeben, dass wir unser Essen und die letzten Strahlen der untergehenden Sonne liebend gern mit einem hard rock very heavy begleitet hätten, mit jenen holpernden Rhythmen, welche Fanatiker und Kenner wie wir ganz besonders zu schätzen wissen. In Ermangelung von Musik plaudern wir halt über Gruppen, die zur Zeit ganz hoch im Kurs stehen, über Motorhead, ACDC, Van Haien, Scorpions, Judas Priest, die neuen Saxon und vor allem über Ted Nugent, der Ende August dieses Jahres in Genf ein Konzert geben wird. Hoffen wir, dass wir bis dahin vom Dru losgekommen sind!

Einer unserer Vorzüge ist, dass wir die Ruhe der andern respektieren können; anderseits lieben wir es gar nicht, früh aufzustehen. Und so bemerken wir nicht vor acht Uhr am folgenden Morgen - und auch dann noch mit schlafverschleierten Augen -, dass uns die Sonne über den Aiguilles von Chamonix und über einem lichtstrahlenden Mont Blanc einen herrlichen Tag ankündigt.

Nur ungern schlüpfen wir aus unsern Daunen-Schlafsäcken, die wir auf doppelte Matratzen gelegt haben, um uns besser vor dem kalten und harten Boden zu schützen.

Unter lautem Getöse donnert eine « Bombe » den Nant-Blanc-Gletscher hinunter.

Bald kommt Philippe an, schweissüberströmt. Er bringt das Material, aber auch zwei grosse Dosen Schokoladecreme. Sofort verschieben wir den Aufbruch, damit die drei grossen Schlemmer noch ihrer grossen Leidenschaft frönen können.

Doch dann ist es soweit: Yves und Philippe machen sich zu ihrem « Tag im Berg » auf. Ich selbst bleibe im Lager zurück und verfolge ihren Weg, der durch das Couloir in der rechten Seite der Westwand und dann im Zickzack zum Sockel hinaufführt.

121 Westwand des Dru 122 Passage im Dülfersitz ( am Fuss der Westwand des Dru ) 123 Am Fuss des Dru: Freie Kletterei 124 Schöne Verschneidung am Fuss der Westwand Herrlich entspannt bereitet es mir grosses Vergnügen, das Spiel von Licht und Schatten und tausend andere Einzelheiten zu beobachten, die einem normalerweise während der Anstrengungen des Kletterns entgehen.

Bald entdecke ich zwei stämmige Gestalten ( Tschechen oder Polen ?), die von Montenvers heraufkommen. Ihre riesigen Rucksäcke machen ziemlichen Eindruck auf mich. Kleidung und Ausrüstung sind aber eher mangelhaft: sie tragen Turnschuhe, führen keine Karabiner mit und nur « Schnürchen ». Ohne zu zögern, schlagen sie den Weg ein, der zum Ausgangspunkt der Direttissima führt2. Im Fels kommen sie langsam, aber sicher voran. Überrascht und anerkennend stelle ich fest, dass der Führer der Seilschaft seinen Rucksack nie abstellt, nicht einmal an einem Standplatz.B.eide scheinen zu grossen Leistungen fähig. Zweifellos haben sie ein anderes Verständnis von Alpinismus und andere Gewohnheiten, aber auch ihnen bereitet es sicherlich ein grosses Vergnügen, einen Gipfel zu erreichen.

Mit dem Feldstecher suche ich das Gelände weiter oben ab und entdecke Philippe und meinen Bruder mitten in der Wand. Meiner Meinung nach kommen sie nur langsam vorwärts, aber das mag an den Schwierigkeiten des Geländes liegen. Von Zeit zu Zeit können wir ein paar Worte wechseln, und ich glaube zu verstehen, dass sie frei klettern können. Das ist eine gute Nachricht.

Danach erledige ich eine typisch schweizerische Arbeit: ich reinige den Rognon von Abfällen. Die Dosen räume ich unter einen grossen Stein ( was das Abfallproblem an und für sich natürlich nicht löstdie übrigen Abfälle sammle ich in einem grossen Plastiksack, den wir mit ins Tal hinunternehmen werden. Eine schöne Arbeit! Der Rognon wird angenehmer, aber die unangenehmen Gerüche kann ich nicht vertreiben. Es ist klar, dass man in ein paar Tagen wie- 2 Es sei daran erinnert, dass die Direttissima im Jahr 1965 von J. Harlin und R. Robbins eröffnet worden ist ( s. « Die Alpen » 1967, 173-179: John Harlin, Voie directe à la face ouest du Petit Dru ).

125 Die letzten Sonnenstrahlen vergolden die Felswand. Im Vordergrund rechts: Der Bonatti-Pfeiler 126 Freie Kletterei über den oberen Plateaus ( rechts: Verlauf der Verschneidung der eindrücklichen Direttissima, erstmals gemeistert von John Harlin und Royal Robbins im Jahre'965 ) Pholos: Claude Ri-my. Bossim- iVD ) der von vorne beginnen könnte, denn der Dru ist zur Zeit in Mode, und die Direttissima lockt zahllose Berggänger an, die auf grosse Routen erpicht sind, aber weniger Wert aufdie Sauberkeit unterwegs legen.

Plötzlich höre ich einen mächtigen Jodler: es ist Yves, der seine Ankunft unter dem rechten Rand der obern Terrassen ankündigt. Durch den Feldstecher nehme ich ihre grossen Gesten wahr, dann beobachte ich, wie sie den Abstieg antreten. Was mich angeht, so verliere ich keinen Augenblick mehr und mache mich an die Vorbereitung einer kräftigen Mahlzeit.

Die beiden stürzen sich gierig aufdie Getränke und Speisen, erklären mir unter heftigem Kauen aber trotzdem die Route in allen Einzelheiten. Mein Bruder verrät mir, dass es nur ein paar wenige Passagen sind, die künstlich bewältigt werden müssen. Der Dru scheint sich also doch leichter besiegen zu lassen, als es ursprünglich ausgesehen hatte! Oder hat er für uns noch ein paar Überraschungen bereit?

Der im Zeichen des Materialtransports stehende vierte Tag kündigt sich mit herrlichem Sonnenschein an. Mit hochbeladenen Rucksäcken folgen wir der seit 1952 bekannten sogenannten « Normalroute » durch die Westwand. Das erste Couloir kommt uns trotz seiner angenehmen Steigung von nur 50 Grad sehr lang vor, doch könnte der momentan geringe Steinschlag doch so gross werden, wie er in den Beschreibungen geschildert ist, die diesen Ort als gefährlich bezeichnen.

Aufgeht's! Schluss mit diesen Übertreibungen! Schliesslich befinden wir uns im Berg und dürfen uns von ein paar Kieselsteinen nicht abschrecken lassen! Ausserdem tragen wir sehr starke Schutz-helme! Also...

Endlich verlassen wir unsere « Eisbahn » und dringen unterhalb der ersten schmalen Felsterrassen in den Fels ein. Der Anblick des bröckligen Granits ist ungewohnt und nicht eben vertrauenerweckend. Philippe, der nie unter Mangel an Ideen leidet, macht den Vorschlag, es im Winter 127 La paroi est du Mont Rose, vue du refuge Eugenio Sella, situé près de la Cima di Jazzi, sur le versant italien ( 302g m ) 128 La paroi est du Mont Rose, vue du Jägerhorn wieder zu versuchen, wenn das Ganze durch Eis etwas gefestigt wäre. Mein Bruder und ich haben aber solide Gründe, uns hier nicht in der kalten Jahreszeit einfrieren zu lassen: Wir müssen arbeiten!

Das Gelände bietet keine besonderen Schwierigkeiten, erfordert aber konstante Aufmerksamkeit. Dieses « Steinbruchs » überdrüssig, lassen wir Ausrüstung und Lebensmittel am linken Rand der Felsbänder zurück. Alles ist sorgfältig in Plastikhüllen verpackt und in einem Sack zum Hochziehen untergebracht.

Wir ziehen es vor, das Weite zu suchen, bevor die Sonne in diesem Couloir den üblichen, täglichen Steinschlag auslöst. In grossen Etappen steigen wir rasch ab und befinden uns endlich wieder in Sicherheit auf dem Gletscher, von wo wir weiter ins Tal absteigen. Schade, dass wir unser Vorhaben aufgeben müssen, wo der Berg so schön und das Wetter so sicher ist.

Wir sind zurückgekehrt...

Dort unten, über dem Tal, scheint sich das Wetter aufzuhellen. In unserer Nähe aber wälzen sich schwarze Wolken mit grosser Geschwindigkeit vorüber und hüllen bald alle Gipfel ein. Der heftige Wind vermag sogar Steinchen aufzuwirbeln.

In eigensinniger Sturheit vertrauen wir darauf, dass die Sonne sicher wieder zum Vorschein kommt, und so steigen wir weiter durch das Couloir auf, einem Dru entgegen, der uns feindlich wie noch nie gesinnt scheint.

Seit drei Tagen herrscht ununterbrochen schlechtes Wetter. Aber heute morgen um 7 Uhr hat uns der Meteorologe von Chamonix angekündigt, dass eine unmittelbare Wetterbesserung bevorstehe. Seine Unterlagen liessen sogar erwarten, dass es vollständig aufklaren würde.

Gut! Wir möchten schon, aber hier, in diesem Couloir des Dru, sieht die Lage etwas anders aus. Wir versinken wadentief im Schnee, und das ist nicht übertrieben! Der Regen wird nicht auf sich warten lassen, und unsere Kleidung ist nicht dazu beschaffen, den Unbilden solchen Wetters zu trotzen. Unser Vertrauen lässt schlagartig nach, als 129 Le refuge Damiano Mannelli ( 3060 m ) 130 L' ancienne cabane Margherita sur la Pointe Gnifetti, le plus haut refuge d' Europe ( 4554 m ) Photos: l' eresio Valse der Regen einsetzt und ein wahres Maschinengewehrfeuer von Kieselsteinen durch das Couloir hinunterdonnert.

« Los, Kameraden », schreit Philippe, « nach Chamonix hinunter! Ich werde diesen erbärmlichen Wetterfrosch erwürgen! Die Spuren meiner Finger werden noch in vier Tagen auf seinem Hals zu sehen sein! » Nicht eine einzige Wolke steht am Himmel, als mein Bruder und ich am frühen Nachmittag des 21. August von der Bergstation der Drahtseilbahn aufbrechen. Leider konnte Philipp aus beruflichen Gründen nicht mit uns kommen.

Diesmal ist das Couloir, das zum Nant-Blanc-Gletscher hinunterführt, in sehr schlechtem Zustand, und der Gletscherschrund ist weit offen. Vorsichtshalber seilen wir uns an.

Vom Rognon aus beobachten wir die Westflanke des Dru, eine vollkommene Wand eines nicht weniger vollkommenen Berges. Wir machen uns auf den Weg. Auf der linken Seite drüben entdecken wir ein paar Seilschaften in der Direttissima.

Einmal mehr steigen wir rasch durch das Couloir auf und stehen schon bald auf den untern Felsbändern, wo wir unser Material deponiert hatten. Wir lassen auch unsere Eisausrüstung und unsere Bergschuhe zurück; wir werden sie auf dem Rückweg wieder an uns nehmen.

Mit drei grossen Seillängen erreichen wir einen verwitterten Geländeabschnitt. Hinter uns her ziehen wir unsern Sack, auf dem ich törichterweise eine Anzahl von Klemmkeilen befestigt habe. Man kann sich leicht vorstellen, was passiert wäre, wenn sich einer dieser Keile in einem Riss verfangen hätte! Ah, einmal noch, wie schwer er ist, dieser Sack!

Schliesslich haben wir die oberen Terrassen erreicht. Vorsichtshalber haben wir ein paar Liter Wasser mitgenommen, aber zu unserer grossen Freude entdecken wir - natürlich keinen Wasserhahn, sondern in einer Spalte drin ein dünnes Band aus schwärzlich schimmernden Eis, das uns der befürchteten Sparmassnahmen enthebt.

Yves spielt den Erdarbeiter, ich den Koch. Bald entsteht eine hübsche, kleine Plattform, und ein appetitanregender Duft nach Risotto mit Zwiebeln und Käse steigt von unserem Biwakplatz auf. Alles deutet auf einen angenehmen Abend hin: die Temperatur ist erträglich, und die Natur beschert uns einen einzigartigen Sonnenuntergang, dessen Erhabenheit wir kaum fassen können, wahrscheinlich weil wir mit zum Dekor gehören. Die mächtige Wand über uns verfärbt sich gelb, dann rot und schliesslich braun, bevor sie sich in düstere Schattentöne hüllt. Der Himmel schraubt seine Lichtquellen auf Sparflamme.

Bevor wir einschlafen, richten wir ein kleines Gebet an all die Steine und Felsblöcke über uns, die loszubrechen drohen, und empfehlen ihnen, doch an ihrem Platz auszuharren.

Erst am nächsten Morgen wird uns richtig klar, welche Bedeutung die Dächer und Überhänge auf der Direttissima wirklich haben. Angesichts der unglaublichen Route, welche R. Robbins und J. Harlin in nur vier Tagen erschlossen haben, versinken wir in stille Bewunderung.

In unserer Zeit, in der sich so viele Bergsteiger mit all free, all nuts, all yellow sowie mit Schwierigkeitsgraden von VII und VIII brüsten ( und dabei gewisse Hilfen einfach « vergessen » !), sollte man die Passagen vielleicht neu einstufen, und zwar im Verhältnis zu einer wirklich schwierigen Passage, wie dies zum Beispiel die Direttissima durch die Westwand des Petit Dru darstellt. Auf diese Weise könnte man wieder dafür sorgen, dass die Kirche im Dorf bleibt. Die Route, die Harlin und Robbins im Jahr 1965 ohne fixe Seile und raffinierte Hilfsmittel bezwungen haben, zeugt von ungeheurer Kühnheit, und ihre Einstufung ( EDwertet diese in keiner Weise ab!

Aber kommen wir wieder auf « unsere » Route zurück: Die überhängende Zone unmittelbar über uns erweist sich - aus der Nähe betrachtet -als ungesunder Fels. Sie gleicht einen gewaltigen « Pianoflügel », der jeden Moment das Gleichgewicht verlieren und auf uns hinunterstürzen kann. Deshalb geben wir den Gedanken auf, wei- ter in diese Richtung vorzustossen. Eine andere Route, die näher an der Direttissima liegt, scheint guten Fels zu bieten. Eine nähere Erkundung, mit dem Feldstecher lässt uns aber auch von diesem Plan abgehen: Auf den Riss, den wir durchklettern könnten, folgt eine ziemlich lange, glatte Platte, die wir nur mit Hilfsmitteln bewältigen könnten. Und diese hatten wir nur für den äussersten Notfall mitgenommen. Wir wollen nicht nur schlechten Felspartien, sondern nach Möglichkeit auch Klettereien mit technischen Hilfsmitteln ausweichen.

Schliesslich fesselt eine andere, aber kürzere ( dafür nicht auf den Gipfel führende ) Route unsere Aufmerksamkeit: sie führt senkrecht nach oben, und dank schöner Risse könnten wir den eingeklemmten Felsblock erreichen. Es scheint, als ob diese Passage frei durchklettert werden könne.

Mit leichter Ausrüstung - zwanzig Felshaken, einer Anzahl von Klemmkeilen und je einem Steigeisen — arbeiten wir uns auf der linken Seite der Risskante der Normalroute empor.

Eine herrliche, freie Kletterei! Nur drei Passagen ( eine davon überhängend ) zwingen uns zum Einsatz künstlicher Hilfsmittel.

Wrir erreichen eine prächtige, von der Sonne beschienene Verschneidung. Zu unserer Linken entdecken wir eine Seilschaft am Bonatti-Pfeiler: die Bergsteiger sind winzig klein, aber was für ein Anblick!

Wir wählen einen ziemlich unbequemen Riss auf der linken Seite der Verschneidung. Mit Hilfe der Füsse muss man sich mit aller Kraft an Rändern emporziehen, die man mit den Fingern, manchmal mit den Händen formt. In solch schwierigen Momenten pflegt mir folgende berühmte Regel durch den Kopf zu gehen: Man muss mit dem Kopf, den Füssen und auf dem Rücken zusammengebundenen Händen klettern! Ich möchte zu gerne das Gesicht desjenigen sehen, der diesen Blödsinn von sich gegeben hat!

Herrliche Umgebung, athletische Passagen, unvergleichlicher Granit und drei schwierige, aber schöne Seillängen bilden das Ende einer Besteigung im Sonnenschein. Was könnten wir uns noch mehr wünschen?

Auf unseren Klappsitzen ( in Wirklichkeit der eingeklemmte Felsblock ) geniessen wir den Augenblick in vollen Zügen. Müde, aber glücklich, scheint es uns gelungen zu sein, mit dem Paradies Bekanntschaft zu machen!

Aus der Wand dringen Rufe zu uns herauf: Es ist Philippe, der zusammen mit einem Freund das Biwak erreicht hat. Später erklärt er uns, er habe sich noch am gleichen Morgen von seiner Arbeit freimachen können und habe gehofft, noch rechtzeitig zu uns zu stossen.

Wir sind bereit zum Abseilen. Doch wir lassen uns Zeit, denn wir werden uns heute abend nicht Ted Nugent anhören, auch wenn er sein einziges Konzert in Genf gibt.

Eine herrliche Tour hat also ihr schönes Ende gefunden. Dennoch sind wir nicht ganz mit uns zufrieden: wir sind nicht bis zum Gipfel vorgestossen und haben unser Ziel nicht in einer Etappe erreicht. Wir bedauern, nicht einmal davon geträumt zu haben. Aber wir sind entschlossen, es ein anderes Mal zu versuchen, dann aber mit einer Einstellung, die besser den Pionieren der grossen Routen entspricht.

Übersetzung aus dem Französischen von Dieter Portmann, Zug II y a vingt-cinq ans...

Le couloir Mannelli et la traversée du Liskamm

Marcelle Zappelli-Durieu, Fribourg Photos 12J-130 Montagne, musique. Je ne conçois pas l' une sans l' autre, c'est-à-dire qu' en écoutant certaines symphonies de Beethoven ou de Bruckner, je les associe invariablement à la puissance architecturale de telle ou telle paroi de haute montagne. Toutes deux représentent un absolu, cet absolu qu' il est humainement impossible d' atteindre dans le domaine du sentiment.

On médira encore beaucoup de la femme alpiniste et, doublement, de la femme alpiniste mère de famille. On lui posera cent fois la question du pourquoi de cette passion apparemment si peu en relation avec la conception conventionnelle que l'on se fait de la femme. Or ce pourquoi restera sans réponse totalement satisfaisante, car il n' existe pas de mots pour exprimer le besoin de cette recherche spirituelle, la vision de ces portes ouvertes sur un domaine qui échappe totalement à ceux qui ne sont pas initiés.

Revient aussi toujours le pourquoi des arêtes difficiles, alors que le même sommet peut être atteint par une voie facile. Mais cette voie facile est maintenant hantée par tant de profanes! A celui ou à celle qui aspire à la solitude en haute montagne, cette solitude qui, seule, lui permet de se retrouver, il faut l' arête ou la paroi dont les difficultés effraient la masse. Et surtout, comment nier la valeur d' un but acquis au prix de luttes et d' efforts constants? La signification d' une victoire, acquise avec peine, est la même dans tous les domaines.

De même que l'on peut préférer une symphonie de Schubert à un concerto de Bach, on peut aussi choisir de parvenir au sommet du Mont Rose par son arête normale ou par son versant oriental.

Le couloir Mannelli - un nom prestigieux aimantant notre imagination vers des couloirs de glace vertigineux on dévalent des pierres meurtrières. Si l' ascension du Mont Rose par les glaciers débonnaires de sa voie dite normale ne m' a jamais tentée, cet été-là ( 1955 ), mes pensées reviennent souvent au couloir Mannelli. Je n' aurais certesja-mais osé y songer si, à l' arête Young du Breithorn, je ne m' étais déjà familiarisée et adaptée avec la technique qu' exige le port de crampons sur un rocher recouvert de glace, sur des pentes exposées de glace recouvertes d' une mince couche de neige. Et pourtant, l' angoisse et la ferveur se mêlent étrangement en moi, ce soir inoubliable qui précède mon départ de Zermatt pour l' Italie. Un concert de musique de chambre donné dans le petit ci- néma de Zermatt me permettra d' accueillir avec une plus profonde sérénité les journées qui m' at, journées encore pleines d' inconnues puisque notre désir, mûrement élaboré, consiste à gravir le Mont Rose par le couloir Mannelli, et, après une nuit passée à la cabane Margherita, à traverser le Liskamm. A l' entracte, je sors scruter le ciel... longuement... Je me sens l' âme légère, légère.

Comment dire toute la signification d' une grande course? D' abord, elle est « pensée » longuement, pesée en toute conscience, et puis, elle est désirée comme le plus pur des joyaux. Alors seulement, l' esprit revenant sur terre, elle est préparée minutieusement, jusque dans ses plus petits détails d' ordre pratique.

Rien n' est plus grisant que ces heures qui précèdent l' action. L' évasion vers les sommets est toujours plus intense avant, en pensée, qu' au moment de l' action, car la tension aiguë créée par la perception du danger occupe alors trop l' esprit. Oui, dans ce train qui nous emporte, de bonne heure le matin, de Zermatt, un rêve est près de prendre forme, il n' est pas déjà réalisé. Tout mon être est ouvert à la poésie alpine.

Voyage rapide, mais aussi changement rapide d' atmosphère, du charme pimpant de Zermatt à la banalité de la gare de Brigue, de l' air exquis du Haut-Valais à l' air raréfié et empesté des wagons en traversant le Simplon. A Domodossola, un taxi nous mène, le long d' une vallée pleine de pittoresque, jusqu'à Macugnaga, qui me ravit. Le temps est orageux sur cette paroi qui nous accueillera demain. Pourtant, d' un accord tacite, nous voulons laisser aussi peu que possible s' infiltrer dans nos propos, dans notre espoir, dans ce merveilleux enthousiasme qui va nous conduire là-haut, l' an du mauvais temps. Plus même, nous voulons voir dans cet orage qui sévit maintenant sur nous l' augure d' un ciel clair pour le lendemain.

Le repas hâtivement pris, nous nous élevons par le téléphérique jusqu' à l' ultime station, très joyeusement peuplée, ce dimanche-là. Ensuite, à mesure que nous progresserons vers le refuge Ma- nnelli, les touristes se feront plus rares et infiniment moins bruyants. Entre le promeneur dominical italien, jacasseur et fracasseur - répandu à profusion entre la station terminus du téléphérique et le refuge zamboni - et le membre d' une section du Club alpin italien descendant, paisible et absorbé dans ses pensées, de la cabane Mannelli où il a passé des heures sereines, il y a un monde; or ce monde, nous l' avons franchi dans l' espace d' une heure, après avoir quitté le refuge Zamboni surpeuplé de jeunes Italiens avides de cartes postales. Là, cesse la foule; le sentier, peu à peu, se perd dans les blocs; ensuite, il devient raide. Enfin loin du bruit, nous nous sentons saisis d' un coup par l' at unique de la montagne, nous avons conscience que maintenant seulement commence notre aventure solitaire, car nous serons seuls au refuge Mannelli en cette fin de saison, et seuls à progresser le jour suivant le long du couloir. La montée est rude, l' après-midi très chaude. Mon sac me paraît si pesant, mais que dirais-je de celui de Gottlieb qui transporte toute une batterie de cuisine, une pharmacie, nos crampons, la plus grande partie de nos provisions et bien d' autres objets? Les quelques alpinistes qui reviennent d' une journée vécue à la cabane Mannelli nous souhaitent bonne chance en nous croisant, et je les sens ensuite nous suivre un moment d' un regard fraternel. Toutes nos pensées ne vont qu' à la paroi.

Accotée au roc même, dans un paysage on ne peut plus sauvage, sombre et chaotique, la cabane Mannelli m' apparaît, vers cette fin d' après, comme le « refuge » au sens le plus profond du mot. C' est une simple casemate dont la façade est percée d' une étroite ouverture et, sur le côté, d' une porte grossière. L' intérieur répond en tous points à l' idée que je pouvais me faire de ce refuge: aucune concession au moindre confort et je me rends compte alors combien vont nous être utiles les ustensiles trimbalés avec nous. Sur le sol de planches grossières et mal ajustées, une table, un banc chancelant appuyés au dortoir, sorte de plancher surélevé où voisinent quelques matelas ultra-plats et de vieilles couvertures élimées. Point de bois, pas d' eau, mais une humidité de cave. Pourtant je ne voudrais pas que cela fût différent: ce délabrement correspond si bien à ma propre humilité vis-à-vis de la montagne... Nous sortons, munis de fiasques vides et allons chercher l' eau nécessaire. Il fait une pluie de bruine, tout est gris et noirâtre autour de nous, la source me semble lointaine... Mon guide, lui, en pleine forme, saute d' un roc à l' autre. Nous revenons, tenant nos bouteilles d' eau comme si elles contenaient du vin du meilleur cru.

Encore un moment, sur le pas de la porte, nos yeux errent là en bas, sur les lumières du refuge Zamboni et, beaucoup plus lointaines, de Macugnaga. Et, la porte fermée sur le monde extérieur, la minutieuse préparation de notre frugal repas commence, car il faut d' abord que veuille bien s' allumer notre lampe à alcool... Une heure plus tard, quelle saveur a notre soupe dans les gros bols de faïence! Très tôt, nous nous étendons, mais le sommeil ne vient guère. Un peu après minuit, mon compagnon se lève pour préparer le the. Je m'oblige à avaler quelques biscottes. A i h 30, la cabane mise en ordre, nous sortons de notre repaire, le cœur gonflé de joie à la vue du ciel absolument pur et de la belle lune qui nous éclairera.

Nous traversons sur la gauche, au milieu des roches déjà parcourues hier soir à la recherche de la source; il fait délicieusement frais et limpide. Nous atteignons le premier couloir de glace où dévalent souvent de terribles chutes de pierres; or, cette nuit, tout est calme. Il a beaucoup neigé et les pierres sont retenues dans leur gaine de neige durcie par le froid. Néanmoins, la perception du danger possible étant intense, nous ne nous attardons pas dans ce passage périlleux et abordons une partie médiane faite d' éboulis, de mauvaises roches: nous nous élevons rapidement dans la fraîcheur de la nuit, et c' est enfin le couloir Mannelli: une longue et très vertigineuse bande de glace... Les crampons sont fixes. Gottlieb, d' un geste mesure, régulier, taille des marches: un véritable escalier céleste. Je me sens merveilleusement à mon aise. Le décor est d' une splendeur sauvage qu' au cun terme ne peut traduire. L' éclat lunaire rend d' autant plus fascinantes ces masses glaciaires comme suspendues dans le ciel, dont la beauté architecturale me fait rendre grâce au Créateur. Les yeux voudraient tout capter, tout retenir. Les impressions en montagne, les émotions aussi, se superposent à une telle cadence qu' elles se fondent immédiatement en nous, enrichissant notre esprit. Nous progressons verticalement, tout en opérant de façon régulière des conversions pour nous permettre de changer de pied et éviter une fatigue musculaire redoutable. J' admire la technique parfaite de mon guide qui donne une impression de grande aisance et de sécurité, même dans les passages de glace les plus scabreux. Sa maîtrise, son assurance, son calme véritablement olympien dans les moments très dangereux se communiquent à moi d' une manière très profonde. Ainsi, j' arrive à affronter les traversées les plus délicates « presque » sans angoisse. La valeur morale de cette domination constante de nos petites et grandes lâchetés humaines, comment la nier? En haute montagne, malgré la fatigue, face aux difficultés et au danger, je sens croître en moi des forces insoupçonnées et une grande sérénité. Là seulement, je me sens pleinement moi-même.

Sur l' Italie, d' énormes nuages, plus noirs que le ciel encore sombre à l' horizon, suggèrent à mon esprit l' éclatement d' une bombe atomique. Bientôt, autour de nous, l' aube donnera un aspect nouveau et féerique à la paroi, puis le soleil viendra couronner le pur enchantement qu' est la naissance d' une belle journée en haute montagne. Pour vivre ces heures, pour cela seulement, cette lutte épuisante que l'on doit livrer parfois là-haut vaudrait déjà mille fois la peine d' être affrontée.

Vers 06 h 30, nous nous trouvons au pied de l' éperon rocheux qui mène à la pointe Dufour. Nos regard descendent, le mien un peu incrédule, tout au bas de cette vertigineuse paroi de neige et de glace. Ainsi, c' est de là que nous venons...

Le rocher qui nous attend est miraculeusement sec. Nous quittons donc nos crampons: ils en augmenteront le poids des sacs. Le piolet va l' alourdir encore et je commence à sentir une douleur lancinante entre les omoplates. La roche est excellente: transition sympathique, bien-être de sentir le rocher sec, chaud de soleil, après ces longues heures de contact avec la neige, avec la glace. Nous sommes à 4300 mètres environ, ma forme physique n' est plus aussi brillante; elle a fait place à un état désagréable que je peux attribuer à l' altitude. Cela me fait souffler et ralentit ma progression dans le rocher.

A 09 h 30, nous sortons de la paroi sur la Grenze. Les derniers cent mètres m' ont coûté beaucoup d' efforts. Je trouve une dalle chaude contre laquelle je m' appuie avec délice. L' arrivée au sommet est une chose enivrante et pourtant teintée de tristesse, car le sommet marque inévitablement le point extrême de notre euphorie. C' est l' absolu qui ne peut plus être dépassé. Parce que ces sensations profondes emplissent mon âme, je n' arrive jamais à manifester alors ma joie. Je ne le pourrais pas. Il me paraîtrait rompre un charme, déchirer l' enveloppe de rêve qui m' entoure, de la même manière qu' il m' est impossible, en plaine, d' exté immédiatement ma reconnaissance aux musiciens qui viennent de m' enchanter. D' abord le recueillement, ensuite seulement l' allégresse. Mon compagnon prend quelques photos; nous nous désaltérons. Sur la pointe Dufour, très près de nous, un groupe d' alpinistes parvenus au sommet par la voie normale échangent quelques mots avec Gottlieb qui les prie de rassurer les nôtres à Zermatt.

Par des roches recouvertes de neige, nous rejoignons le col où nous faisons une courte halte avant de gravir la pointe Zumstein. Le ciel n' est plus aussi pur et nous nous réjouissons encore une fois des splendides conditions du matin. Au sommet de la Zumstein, je suis éblouie par la beauté glorieuse du décor somptueux. Mon compagnon fait un tracé imaginaire sur la face nord du Liskamm qu' il a escaladée y a quelques semaines. Plus loin, le Breithorn s' étale: en pensée, muets, nous revivons chaque instant, chaque passage émouvant de notre ascension de Parke Young au Breithorn.

De là, la cabane Margherita, notre dernier but pour aujourd'hui, ne semble pas trop lointaine. Mais la fatigue, à cette altitude, se fait doublement ressentir. Du sommet de la Zumstein, nous descendons au col; il fait très, très chaud, c' est le milieu du jour, la neige est toute ramollie et un soleil ardent s' abat sur nous. Lorsque nous remontons vers le refuge Margherita, sorte d' observatoire perché à 4560 mètres ( le plus haut refuge d' Eu ), ma lassitude est à son comble. Le refuge, plaqué de tôles qui le rendent hermétique, semble désert... Fausse impression, car il y règne une animation particulièrement bruyante. Des ouvriers mettent à neuf le sol de la petite salle commune, et les coups de marteau vont se répercuter dans nos têtes tout l' après. Le dortoir est une pièce rectangulaire où trois rangées de couchettes superposées sur trois étages emplissent l' espace, l' air et la lumière. Etendue sur une très étroite couchette à peu de distance du plafond, je cherche à déchiffrer les innombrables inscriptions dont il est grave, à coups de couteau ou de crayon. Des noms illustres d' écrivains, de poètes, de prêtres côtoient ceux de simples alpinistes... c' est infiniment sympathique. Au cours des heures, le dortoir s' emplit d' alpinistes venus de la cabane Bétemps' ou rentrant de la pointe Nord. Chacun fait sécher ses guêtres, ses souliers, ses chaussons, et la pièce répand l' odeur si particulière des dortoirs de ca-bane.Vers 18 heures, descendue de ma nacelle, je trouve la salle commune achevée et m' efforce d' avaler quelques cuillerées de potage. Gottlieb m'inspecte du coin de l' œil, désolé de ma pietre forme. Je le sens déçu puisque nous voulions le lendemain tenter la traversée du Liskamm. Nos compagnons de chambrée arrivent les uns après les autres. Nous bavardons avec de jeunes Italiens auxquels nous avions indiqué de loin, ce matin, la voie conduisant à la pointe Nord. Ils sont sympathiques. J' aime la détente de ces propos d' après l' ef. De l' autre côté de la table, des Allemands mangent dans un silence opaque. Tous ont l' in- 1 Ou Monte Rosa.

tendon, comme nous-mêmes, de traverser le Liskamm le lendemain, mais les conditions atmosphériques les rendent sombres et plutôt pessimistes. Ils ne connaissent pas la région et ne veulent partir que si le temps est sûr.

Avant 19 heures, nous rejoignons nos couchettes et, malgré leur inconfort et les allées et venues de nos nombreux compagnons, je sombre, pour ma part, dans un sommeil inespéré, car, à cette altitude, il est très courant de passer de fort mauvaises nuits. Cette exception que je fais à une règle bien désagréable me permettra, sans doute aucun, de me sentir assez gaillarde, le lendemain, pour m' aventurer à suivre un compagnon des plus stimulants.

Une main secoue mon bras avec gentillesse. J' ouvre les yeux sur la tignasse blonde de Gottlieb. De toute la chambrée encore profondément endormie et gisant dans une atmosphère opaque et peu parfumée, c' est lui le seul à conserver son optimisme et son enthousiasme. Dehors, il neige, pa-raît-il, mais, de la passerelle qui ceinture la cabane, il a déjà scruté longuement le temps et son pronostic n' est pas mauvais. Il m' encourage et je me laisse tomber du haut de mon perchoir nocturne. Ouf! qu'il fait bon se remuer! L' air frais ravigote délicieusement, mais, à moi, le temps me semble très, très... neigeux... Préparation du thé, en silence, tous nos gestes sont lents, comme engourdis par cette longue nuit, par toute cette blancheur autour de notre refuge. Je n' ose prétendre être en forme, loin de là, mais cette nuit m' a redonne des forces. Nous nous étions fait une telle joie de cette traversée, de ce complément magnifique à notre ascension de la paroi orientale du Mont Rose, que nous ne voulons pas ce matin-là perdre tout espoir... Nos camarades de nuit apparaissent, hirsutes et endormis. Le temps ne leur dit rien qui vaille. Ils ne connaissent pas assez la région pour oser se hasarder aujourd'hui. Je sens qu' ils nous trouvent un peu trop téméraires de nous risquer dans cette traversée, mais ils ignorent la sûreté de mon guide et surtout sa parfaite connaissance de cet itinéraire. Nous décidons de pous- ser jusqu' au col et de faire demi-tour sur la cabane Bétemps si les conditions sont décidément trop mauvaises. Vers 8 heures, nous quittons la cabane Margherita. Par prudence, par amitié aussi, Gottlieb m' a délestée du contenu le plus pesant de mon sac.

La neige a cessé de tomber. Nous cheminons lentement dans ce paradis blanc, pareil à un désert. Tout est ouaté, la neige on nous enfonçons, la brume autour de nous, le ciel sur nous. Seule, et le brouillard s' épaississant, je sens que je pourrais tourner des heures en rond, tant ce qui m' entoure me semble irréel. Mais mon guide, lui, sait parfaitement on il se dirige.

Le ciel s' éclaircit et notre espoir grandit. Nous croisons des cordées se rendant de la cabane Gnifetti à la Margherita. Ils sont équipés comme pour une expédition polaire. Au Lisjoch les conditions ne nous semblent pas si défavorables. L' arête de neige est là, devant nous. Je sens que je devrai économiser mes forces dès maintenant si je veux tenir. Mon compagnon ne paraît pas se rendre compte exactement de ma vitalité, diminuée d' une bonne moitié. Si je n' étais atteinte de ce mal de montagne sournois et destructeur, je serais encore plus émerveillée par l' atmosphère toujours plus irréelle qui nous entoure: de brusques déchirures dans le brouillard nous révèlent la beauté saisissante de cette arête sinueuse on il me semble progresser comme dans un rêve, un rêve qui se fait cauchemar si j' essaie d' accélérer ma minable cadence. A chaque effort fourni pour allonger mon pas, je sens mon cœur battre la chamade, mes jambes fléchir dangereusement et un malaise total m' envahir.

Etrange ascension dont l' entourage brumeux accentue encore la sensation de se mouvoir sur une couche de nuages. Nous progressons néanmoins et, vers 11 heures, touchons le premier sommet. Tout ce qui nous entoure est blanc, nous voguons sur l' écume. Une éclaircie nous permet de voir pointer, là-bas, encore très loin, le sommet ouest.

Aujourd'hui, à la suite de la forte chute de neige de cette nuit et de ce matin, la traversée du Liskamm n' est faite que d' une succession ininterrompue de corniches effilées, extrêmement étroites, traîtreusement belles, fragiles, où mon guide taille des marches qui me semblent prêtes à s' effondrer, avant même que je n' ose y poser un pied rendu le plus léger possible.

Rarement comme en ce moment, je ressens la perception aiguë du danger, mais, en même temps, un calme inouï m' habite, une impression inoubliable de planer et de m' en remettre entre les mains de Dieu, d' être détachée de tout sentiment de pesanteur, de tout lien terrestre. Alors que je suis en pleine extase, un brusque sursaut de la corde me plonge dans la réalité: une corniche a cédé et mon guide a été projeté sur plusieurs mètres de l' autre côté de l' arête; d' un réflexe rapide, il a fiche son piolet profondément dans la neige pour enrayer sa chute. Etrange, mais je n' ai eu le temps de ressentir aucune frayeur. Cette lenteur de réaction et cette absence de sentiment de conservation ( pourtant si puissant chez l' homme ) sont-elles le fait d' une diminution physique?Je ne sais pas, mais pour Gottlieb, l' alerte a été chaude, et nous échangeons un regard des plus significatifs. Je me vois reprocher, avec raison, de n' avoir pas sauté immédiatement de l' autre côté du point de sa chute, ce qui aurait été de la plus élémentaire prudence.

Les conditions de neige extrêmement délicates nous font avancer avec lenteur, et cette traversée, que Gottlieb m' avait annoncée comme une promenade ( en comparaison des difficultés et de l' ef fourni au couloir Mannelli ) demande d' hui une concentration constante. Le temps est instable, et nous scrutons souvent le ciel.

Nous atteignons le sommet ouest avec un immense sentiment de soulagement. Enfin détendus, nous osons nous avouer notre pesante angoisse réciproque à l' attaque de ces corniches qui se présentaient sans cesse, les unes après les autres, dangereusement exposées et trompeuses sous leur apparence élégante. Nous savourons cet instant de détente avant de hâter notre descente vers le col.

Le ciel est maintenant complètement bouché. Depuis ce matin, je n' ai pu avaler aucune nourriture, et je me sens de plus en plus faible. Il faut que je tienne bon des heures encore, je le sais. Le retour sur la cabane Bétemps est une longue marche, fastidieuse et pleine d' embûches, où nous contournons sans cesse de larges crevasses bleutées avant d' arri sur le glacier dominant la cabane, et dont la surface est faite de blocs de glace recouverts de fine caillasse. Décor triste, monotone, après la splendeur de la neige du sommet. Mon guide, allègrement, saute d' un bloc à l' autre et... j' essaie de le suivre, mais l' élan n' y est plus. Les genoux plies, la gorge desséchée et le regard constamment fixé dans la direction de la cabane, je me sens misérable. Tout à coup surgit devant nous un gamin que le gardien, qui suivait notre descente à la jumelle, a envoyé à notre rencontre avec une gourde de the. Cela m' apporte un réconfort inouï, tout à fait en disproportion avec le contenu de la gourde, mais représente, après ces journées d' efforts soutenus et d' évasion dans ces hautes sphères, le symbole de la solidarité humaine...

Clopin-clopant, je suis mes compagnons montagnards, bien plus alertes que moi, et nous rejoignons le refuge vers 18 heures. Une halte à la fontaine me rafraîchit délicieusement et je peux ainsi gravir les quelques marches qui mènent à la cabane sans marquer trop de fatigue. Comme toujours après les grandes courses, nous sommes muets; nous sentons si fort et si profondément ce que nous avons vécu pendant ces quarante-huit heures que nous n' éprouvons pas le besoin de l' ex par des paroles.

Feedback