In der Abgeschlossenheit der grossen Couloirs des Tacul

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Gaetano und Romain Vogler, Genf

I. DIE GROSSE STUFENLEITER Es ist Frühling - die beste Zeit, um die grossen, verschneiten Couloirs des Mont Blanc du Tacul zu begehen. Das Massiv wurde in der Tat von den > Der Blanc d' Upernivik wurde früher schon über unsere Abstiegsroute begangen, wahrscheinlich 1976 von einer englischen Expedition.

Es bleibt nachzutragen, dass wir mehrere - leider erfolglose - Versuche am Ostgrat der « Schwarzen » unternommen haben, wo es mit Sicherheit eine interessante Führe zu eröffnen gibt.

Massen noch nicht entdeckt, und über das prächtige Vallée Blanche gelangt man bequem zum Fusse des Couloirs.

Unsere Tour beginnt um Mitternacht in den finsteren Gängen ( aus Beton !) der Aiguille du Midi-Station. Nach einer kurzen, mühsamen Nacht auf unseren Biwakmatten, die nur ein sehr mageres Polster zwischen unserem Lager und dem darunter liegenden Steinboden abgaben, nehmen wir rasch das Frühstück ein. Der Ort hat wahrlich nichts Poetisches an sich; der Geruch, der aus unserem « Schlafzimmer » entweicht, ist nicht der Duft von Rhododendren oder Anemonen. Wir haben die Nacht nämlich in den Toiletten zugebracht. Dies ist jedoch der wärmste Ort hier und der einzige, wo man geduldet ist!

Nach der Durchquerung des Eistunnels gelangen wir zur fast gespenstischen Abfahrt, die zur normalen Route gehört. Um Mitternacht hat sie ihre besondere Atmosphäre zurückerlangt, die bei Tagesanbruch von den Horden von Skiläufern, die das Vallée Blanche hinunterfahren, erneut zerstört wird. Nach einigen Kurven erscheint mir die Aiguille mit ihren erleuchteten Zinnen wie eines jener Märchenschlösser, von denen ich als Kind träumte. Im Augenblick lassen wir jedoch das Träumen lieber sein ( trotz der Nacht und unserer Müdigkeitträumen können wir vorher oder nachher, jedoch kaum während einer Besteigung. Im Augenblick, vom allzu schweren Rucksack unangenehm behindert, bemühe ich mich, meine Ski nicht zu kreuzen. Unsere Stirnlampen geben nur einen sparsamen Ausblick auf die verschneite Welt, die uns umgibt. Wir sind nur noch kleine Lichtchen, die sich in einem Meer der Finsternis im Zickzack vorwärtsbewegen.

Wir halten auf ein etwas verborgenes und geheimnisvolles Couloir zu. Es trägt den furchtbaren Namen dessen, der die Menschen seit Urzeiten hat erzittern lassen: Der Teufel. Wir wechseln hier die Ausrüstung, was ein guter Vorwand ist, einen ersten Halt einzuschalten und uns ein wenig zu verpflegen. Wir tauschen die Skischuhe gegen Bergschuhe, Überschuhe und Steigeisen aus. Es herrscht eine beissende Kälte, aber der kurze Marsch bis zum Schrund hat uns sehr rasch warm werden lassen. Wir sinken bis zu den Knien ein.

Der Anblick des Bergschrundes — einer kurzen, überhängenden und schwierigen Mauer - versetzt uns mit einem Schlag in die richtige Stimmung für das Couloir. Ein eisiger, von feinem, aufgewirbeltem Pulverschnee durchmischter Wind fegt von den Gipfeln herunter und nimmt uns den Atem. Wir beginnen nun die lange Stufenleiter zu schlagen, die uns zum Gipfel des Couloirs führt. Der Schnee, in den unsere Schuhe zur Hälfte eindringen, ist ausgezeichnet. Die Spur muss indessen gesucht werden, und wir übernehmen alle drei abwechslungsweise die Spitze der Seilschaft. Dabei geht es nicht darum, langsam und regelmässig voranzukommen, wie die Alpini-sten-Handbücher dies empfehlen. Der erste steigt vielmehr mühevoll und langsam auf, bis er nicht mehr kann, während die Nachfolgenden sich in seinen Stufen ausruhen können. Dann übernimmt der zweite die Spitze und so fort. In einem Couloir ist das Seil nicht von grossem Nutzen; es stellt eher ein Hindernis dar, da man ständig darauf achten muss, es nicht mit den Steigeisen zu beschädigen. Wir behalten es jedoch an, sei es aus Aberglaube, aus Bequemlichkeit ( keiner von uns hat grosse Lust, es zu tragen ) oder vielleicht, weil es das Symbol unseres guten Einvernehmens darstellt.

Bei der Ersteigung eines Couloirs ist das Eindrücklichste die Stimmung. Anders als bei der Felskletterei, hängen Freude und Begeisterung nicht von der Harmonie der Bewegungen ab, sondern vielmehr von Grosse und Erhabenheit der Umgebung, vom Vollmond, von den nach unten fliehenden Linien der umliegenden Felsen, vom Steilhang, der sich nach und nach abzeichnet, vom Gletscher, der immer weiter wegrückt, vom Morgengrauen und von den ersten Sonnenstrahlen, die den Schnee in tausend Farben erglänzen lassen.

Zuoberst auf dieser Riesenrutschbahn hat uns die Sonne immer noch nicht eingeholt. Wir hauen eine Plattform ins Eis und warten den Tagesanbruch ab, um den Gipfel zu erklimmen. Kurzer Augenblick des Zweifels: Hat uns der Teufel gar einen Streich gespielt? Hat er uns mit ewiger Nacht umgeben, weil wir ihm sein Reich entweiht haben? Nein... der Tag bricht an, und wir können in Ruhe zum Gipfel aufsteigen.

Wenn das Couloir du Diable auch weniger gerade und in seinen Formen weniger klar angelegt ist als das Couloir Gervasutti, so ist es dafür eleganter und führt direkt zum höchsten Punkt des Tacul, der von den Bewunderern des benachbarten und bekannteren Gipfels gerne vernachlässigt wird. Wir stellen uns die armen Kletterer vor, die im Juli im Gervasutti-Couloir Schlange stehen werden und erst noch eine bereits geschlagene Spur werden benützen müssen - und das in der sengenden Julisonne! Welch völlig andere Weise, diese Couloirs zu erleben! Gewiss nicht die angenehmste.

II. DER EISKORRIDOR Die Nacht überrascht uns just über dem ersten Absatz, d.h. nach vier Längen Blankeis mit einem Neigungswinkel von 80 °. Der Aufstieg in verhältnismässig festem Schnee war weniger anstrengend, als wir angenommen hatten, und die Seillängen am Gervasutti-Pfeiler hatten uns mit Begeisterung erfüllt, ungeachtet unseres « winterlichen » Schuhwerks. Immerhin wäre die Tour in Kletterfinken beinahe zu leicht gewesen, um noch echte Freude darüber zu empfinden.

Das Couloir ist zwischen zwei senkrechte Pfeiler eingezwängt. Dies betont die Strenge der hier herrschenden Atmosphäre, den abweisenden Charakter und den Eindruck, eingekesselt zu sein. Unsere kleinen Lampen vermögen die Nacht mit ihrem spärlichen Lichtschein kaum zu durchbohren; sie gleichen Leuchtkäferchen auf einer grossen Wiese. Bei dieser künstlichen Beleuchtung zeigt das Eis einen ungewöhnlichen, fast rosaroten Schimmer. Vom Pickel gelöste Eissplitter fallen, hier und dort aufschlagend, ins Leere. Plötzlich sind wir in eine Sackgasse geraten: eine vertikale Eiswand richtet sich vor uns auf. Doch genau hier muss es weitergehen! Wir sind mit Leib und Seele dabei, und die Kletterpartie wird zu einem unglaublich schönen Erlebnis. Die zwei « Chacals»-Pickel sind einfach wundervoll. Das Gelände ist heikel, doch wir kommen stetig voran. Ich wage kaum, richtig ins Eis zu schlagen, vor lauter Angst, ich könnte den Berg aus seinem ewigen Schlaf wecken. Auf den Zehenspitzen gewinne ich noch einige Meter. Da durchzuckt mich unvermittelt der Gedanke: was suche ich eigentlich hier, an diesem so glatten, so steilen und so kalten Ort?

Mit einemmal wird der linke Pfeiler in ein fahles Licht getaucht. Gibt es hier Geister oder zeigt sich irgendwo die Mondsichel? Wir müssen uns mit Vermutungen zufriedengeben. Von unserm abgrundtiefen Schlund aus lässt sich nichts Genaueres feststellen.

Endlich legt sich das Couloir zurück. Bei Tageslicht und klarer Sicht wird unser Geheimnis rasch enthüllt. Die Faszination ist gebrochen, und wir verspüren jetzt die Müdigkeit. Die Wirklichkeit überwältigt und blendet uns. Wir müssen nun über weitere Schneehänge hinaufsteigen. Aber die Zeit verrinnt rasch: Während der Mond noch am nächtlichen Himmel langsam dahingleitet, geht am Horizont schon die Sonne auf. Die Schneepartien werden jetzt von kombiniertem Gelände abgelöst, das wiederum nicht enden will. Als unser kleiner Kocher summt, vollzieht sich das Wunder: der Schnee verwandelt sich in einen Zaubertrunk. Der heisse Tee schmeckt herrlich und gibt uns unsere Lebensfreude wieder. Die letzten Längen auf der Pfeilerkante wecken unsere Lebensgeister endgültig. Dieses Stück bietet uns eine reine Kletterpartie, wohl schwieriger, aber doch weniger ermüdend. Endlich erreichen wir den Gipfel: ein einmaliger, von der Sonne überfluteter Fleck Erde, der majestätisch aus dem goldenen Nebelmeer ragt. Aber bald frieren wir schon wieder und beeilen uns deshalb, in die Nordwand abzusteigen.

Bei meiner Rückkehr werde ich wenig vom Su-per-Couloir erzählen, das uns durch seine Länge doch sehr beansprucht hat. In diesem Augenblick aber haben wir es hinter uns, während das letzte und anstrengendste Stück noch geschafft werden muss: der Aufstieg zur Aiguille du Midi. Je näher wir kommen, desto weiter weg scheint sie zu rücken! Ein Linienjet fliegt über uns hinweg. Bei seinem Anblick kommen mir Visionen von Orangensaft im kühlen Glas. Glücklicherweise vergisst man später die ganze Müdigkeit, und es bleibt nur die Erinnerung an einen schönen Aufstieg in einer nicht weniger schönen Nacht.

Aus dem Französischen übersetzt von E. Blaser, Bern Einige nützliche Hinweise zu den Eisrouten am Mont Blanc du Tacul ( 4248 m ) 1. Normalroute ( und üblicher Abstieg ) über die Nordwand: WS, 2 Std., 700 Meter. In gewissen Jahren wird der Aufstieg durch grosse Spalten erschwert. Achtung! Die Beschaffenheit des Geländes kann sich innert wenigen Wochen ändern.

2. Nordsporn: ZS, 2-3 Std., 400 Meter. Schöne Aussicht auf die Eisabbrüche zur Linken.

3. Gervasutti-Couloir: S-, 3 Std., 800 Meter. Der Ausstieg nach links ist nicht ratsam, da er leider dem Eisschlag ausgesetzt ist.

4. Teufelscouloir ( Couloir du Diable ): S, 4-5 Std., 800 Meter. Durchschnittliche Steilheit 45-55 °.

5. Goulotte Chèré: SS-, 3 Std., 300 Meter.Gute Einführung in steile Eisbesteigungen mit ausgezeichneten Standplätzen. Abstieg über die Schneefelder zur Rechten oder mittels Abseilens.

6. Goulotte Albinoni-Gabarrou: SS/SS+, 5 Std./8 Std., 600 Meter, wovon 4 Seillängen sehr steil sind ( 80-85 ° ), aber durch Haken, Schlingen und Schrauben auch gut abgesichert werden können.

7. Super-Couloir: AS, 14-17 Std., 800 Meter. Vollständige Route mit 15 Seillängen in steilem Eis, wovon 2 zu 85/90 °, to Seillängen im Fels ( IV und V ) sowie etwas kombiniertes Gelände und Schnee.

Material1 -4: klassischer Pickel, Steigeisen, einige Schrauben für den « Notfall ».

- 5-7: zwei Pickel für Zugtechnik, Steigeisen, etwa to Eisschrauben ( konisch, mit Dorn oder tubenförmig ), Helm.

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