In Queenslands Grünen Bergen

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

VON GEORGE J. BERGMAN, ASHFIELD NSW

Mit 2 Karten und 2 Bildern ( 101-102 ) Es war im Mai des Jahres 1770. Kapitän James Cook, der berühmte Seefahrer, segelte in Seiner Britischen Majestät Barke « Endeavour » die unbekannte Westküste Australiens entlang. Dichte Wälder bedeckten das Küstenland, das im allgemeinen nur mit flachen Hügeln gezeichnet war. Doch plötzlich, als er die Höhe erreicht hatte, auf der jetzt die Grenze zwischen den Staaten Neu-Süd-Wales und Queensland liegt, wurden Berge sichtbar. Cook griff zu seinem Fernrohr und sah im Inland, nicht weit von der Küste entfernt, einen spitzigen Berg, den er « Mount Warning » nannte.

Viele Jahre sollten vergehen, bevor man sich dieses Berges, den Cook in seinem Reisebericht 1 beschrieben hatte, wieder erinnerte.

1828 machte sich der englische Naturwissenschafter und Forschungsreisende Allan Cunningham mit seinem Freund Kapitän Logan, der die Strafkolonie Moreton Bay ( heute Brisbane, Queenslands Hauptstadt ) befehligte, auf, um Cooks Mount Warning zu suchen.

Dabei entdeckten sie eine lange, dicht bewaldete Bergkette, welche Cunningham zu Ehren eines sonst unbekannten Majors im 39. englischen Regiment, das damals in Neu-Süd-Wales stationiert war, « McPherson Ranges » nannte.

Die McPherson Ranges sind vulkanischen Ursprungs. Sie bilden die nördlichen Überreste eines grossen zentralen Vulkans, dessen Krater sich etwa 2000 Meter über dem von Cook erwähnten Mount Warning erhob und nördlich der Ranges, noch auf Gebiet von Neu-Süd-Wales, befand.

Gigantische vulkanische Tätigkeit hob ein Bergplateau aus dem Erdinnern, auf dem später ein Wald wuchs, der dann nach Jahrtausenden unter einem zweiten grossen Vulkanausbruch begraben wurde. Die letzte vulkanische Periode bestand aus einem gleich einer Welle sich ausbreitenden Kra-terausfluss, dessen Lavamasse eine Fläche von über 110 Kilometer von Mount Warning aus über-flutete.Verwitterung folgte und förderte reiches Pflanzenleben in den fruchtbaren Böden des erloschenen Vulkans.

Der Hauptteil dieser Berge liegt heute im Staate Queensland. Sie bilden lange Ketten von Plateaus, die nach NW, N und NO ausstrahlen und durch Bachläufe und tiefe Schluchten, in die glitzernde Wasserfälle stürzen, aufgeteilt werden.

Geologisch sind sie hauptsächlich aus basaltischer Lava zusammengesetzt, in deren Mitte sich auch ryolitischer Tuffstein findet2.

Während die Quelle der basaltischen Lava in Mount Warning direkt zu suchen ist, brachen an manchen Stellen Tuffstein und Mischgesteine aus den Öffnungen in den Flanken des vulkanischen 1 James Cook, Journal of the proceedings of H. M. S. Bark Endeavour on a voyage around the world, commencing the 25th of May 1768. ( Im Public Record Office, London. ) 2 The Geology of Queensland, herausgegeben von D. Hill und K. Denmead im Journal of the Geological Society of Australia, Band 7, Seiten 356 if.

Schildes hervor. Der sogenannte « Egg Rock », so nach seiner Form benannt, ist ein typisches Beispiel für diese Gesteinsart. Tertiäre Elemente sind an manchen Stellen in der Lava zu treffen.

Die plateauformenden Felsen der McPherson Ranges sollen ihren Ursprung im Pliozän besitzen. Tiefer liegende Basaltschichten werden in das Eozän und überschobener Ryolitstein und Oberer Basalt in das Oligozän verlegt.

Nahezu 100 Jahre blieben diese Waldberge seit dem ersten Viertel des letzten Jahrhunderts unberührt. Die in den Tälern lebenden Ureinwohner hatten im allgemeinen den schwer zugänglichen Urwald gemieden. Sie waren schon lange bevor die Ansiedler und Holzfäller in diese Berge vordrangen, um Urwald zu roden und Nutzholz, die gewaltigen Bergbuchen und Zedern, zu schlagen, in abgeschiedene Täler gewichen. Hier hausten sie in Höhlen und Balmen. Noch heute kann man Gebeine der letzten Eingeborenen in weitabgelegenen Höhlen, die als Begräbnisplätze dienten, finden.

Landhungrige Ansiedler waren in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auf den fruchtbaren Boden der McPhersons aufmerksam geworden, und 1911 siedelte sich die Familie O'Reilley, irische Einwanderer, im nordwestlichen Teil der Ranges an.

Gleichzeitig begannen enthusiastische Naturfreunde in Queensland ihren Kampf, die McPherson Ranges der Nation als Nationalpark zu erhalten. R.M. Collins, ein Mitglied des queensländischen Parlaments, hatte die Idee eines Nationalparks schon 1878 anlässlich eines Besuchs in den Vereinigten Staaten gefunden, wo er den Yosemite-Nationalpark gesehen und bewundert hatte, und begann schon damals für diese Idee zu werben. Er hatte hart gegen die Interessen der Holzfäller zu kämpfen, und als er 1913 starb, schien wenig Aussicht zu bestehen, dass sein Traum in Erfüllung gehen würde. in R. W. Lahey, dessen Familie Land und Sägemühlen in diesem Bezirk besass, fand er jedoch unerwarteterweise einen würdigen Nachfolger. Lahey, ein naturbegeisterter Mann, der noch dazu grosse politische Verbindungen besass, sah ein, dass, wenn dem weiteren Vordringen der Siedler und dem rücksichtslosen Abholzen nicht Einhalt getan würde, diese herrlichen Waldberge bald in kahle Graskuppen verwandelt sein werden.

Seinem Einfluss gelang es schliesslich, gegen grosse Widerstände, die Regierung von Queensland zu veranlassen, am 2.Juli 1915 eine Fläche von rund 200 Quadratkilometern als « Lamington National Park » x zu erklären. Dies war wahrscheinlich nur etwa ein Zwanzigstel der ursprünglichen Urwaldfläche.

Die Siedler hatten nachzugeben, die O'Reilleys begnügten sich mit dem Land, das sie urbar gemacht hatten, und wandelten ihre Wohnstätte zu einem Unterkunftshaus um. O'Reilleys « Green Mountains » ist heute einer der zwei Stützpunkte im Lamington-Nationalpark 2.

1927 kam Arthur Groom, der sich als Forscher im Inneren Australiens einen Namen gemacht hatte 3 in den Lamington-Nationalpark. Er durchforschte die Berge von einem Ende zum andern und siedelte sich schliesslich auf einem freistehenden Plateaukamm an, am nordwestlichen Eingang zum Nationalpark. Hier baute er unter grossen Schwierigkeiten ( in Australien herrschte damals eine grosse Wirtschaftskrise ) mit Hilfe von Freunden eine bewirtschaftete Schutzhütte, die er « Binna Burra », « wo die Buchen wachsen », nannte4.

Beide Unterkunftshäuser sind heute leicht mit Autobus von Brisbane oder besser noch vom Badeort Southport an der « Goldküste » Queenslands aus in wenigen Stunden zu erreichen. Ja, 1 Nach Lord Lamington, der 1896 in Queensland Statthalter war, benannt. a Bernard O'Reilley, Green Mountains and Cullenbenbong, Brisbane 1949.

3 G.F. J. Bergman, Wunderberge im Herzen Australiens. « Die Alpen », Quartalsheft 3,1957.

4 Arthur Groom, One Mountain after another, Sydney 1949.

selbst von Sydney ist es nicht mehr weit, da man sich jetzt um 9 Uhr in ein Düsenflugzeug setzen, 1 !/2 Stunden später in Coolangatta an der Goldküste aussteigen und in Binna Burra bereits zu Mittag essen kann!

Übersichtskarte von Südost-Queensland mit der Lage des Lamington Nationalparks 18,5 10 37 km 20 Miles Die beste Zeit, um den Lamington-Nationalpark zu besuchen, ist im Frühling, und so kam auch ich an einem schönen Oktobertage nach Binna Burra. Frische Bergluft grüsste mich, als ich aus der heissen Küstenebene in die Berge hinaufkam. Freundlich wurde ich von Frau Groom und ihren Söhnen, die nun Binna Burra bewirtschaften3, empfangen, und schnell machte ich es mir in einer der kleinen « log cabins » ( Holzhütten, die Groom aus breiten Buchenbrettern erbaut hatte ) bequem. Am flackernden Holzfeuer im grossen Speisesaal des Haupthauses schliesst man rasch Freundschaf- 1 Arthur Groom starb 1953.

ten. Und am nächsten Morgen ging ich mit neuen Bekannten bereits auf Wanderschaft. In « Binna Burra » gibt es immer « Stammgäste », häufig Mitglieder des Naturfreundekonsortiums, denen Haus und Land gehören, die sich gern als « Führer » zur Verfügung stellen. Nach dem Frühstück ziehen dann alle in kleinen Gruppen, wohlversehen mit einem guten Imbiss - selbst Rucksäcke und der berühmte australische « billy » ( Teekessel ) werden zur Verfügung gestellt - zu einer Tageswanderung aus. Damit man ja nicht fehlgehen kann, bekommt man sogar eine Wanderkarte des Parks mit auf den Weg.

« Binna Burra Lodge » steht auf einer vorspringenden Klippe mit herrlicher Aussicht, hoch über dem Coomera-, Canungra- und Numimbah-Tal. Doch braucht man nur wenige Minuten zu wandern, vorbei am Monument, das Freunde dem Andenken Arthur Grooms errichtet haben, und schon umfängt einen der subtropische Wald.

Es ist ein leichtes Gehen in diesem Nationalpark. Seine wohlangelegten Wege sind ein Wunderwerk, das in solcher Ausgedehntheit und so gut gepflegt kaum irgendwo anders in Australien zu finden ist. Während im übrigen Australien die Nationalparke meistens von sogenannten « trusts », staatlich anerkannten Privatorganisationen, verwaltet werden, denen trotz Staatsunterstützung oft das nötige Geld für den Ausbau eines guten Wegenetzes fehlt, unterstehen in Queensland die Nationalparke dem staatlichen Land Department, das heisst dem Unterdepartment Forstverwaltung. Von 1936 an hat diese Behörde keine Kosten gescheut, den Park mit einem ausgezeichneten und zu allen bedeutenden Plätzen, Aussichtspunkten, Wasserfällen usw. führenden und untereinander verbundenen Wegenetz zu versehen. Dieses Netz wird ständig weiter ausgebaut. Wegweiser und Meilensteine sind vorhanden, und die Wege sind so gut markiert, dass, als vor einigen Jahren einige Mitglieder des « Sydney Bushwalker Clubs » den Park besuchten, sie ihn anfänglich « zu zivilisiert » fanden, da sie gewohnt waren, in der Umgebung von Sydney im offenen Buschgelände ihren Weg selber suchen zu müssen. Sie merkten jedoch sehr bald, dass sie sich getäuscht hatten. « Crosscountry »-Buschwandern kann man wohl im meistens leichtbewachsenen « Bush » des Sydney-Distrikts, aber nicht im subtropischen Jungle der « Rain-forests » von Queensland!

Oft wandern wir im Halbdunkel. Nur schwer finden die Sonnenstrahlen ihren Weg durch das Dschungeldickicht. Schlingpflanzen hängen von den Bäumen, und hohe Farne und Moose bedecken den Boden längs der Wege. Riesige, verfaulende Baumstämme, welche die Holzfäller vor vielen Jahren einmal schlugen, aber nicht abschleppen konnten, machen ein Abweichen vom Weg fast unmöglich. Oft trifft man aber Pfade, welche die Soldaten der nahegelegenen Dschungelkampf schule, im Canungra-Tal, bei einer Übung geschlagen haben.

Die vielen Baumarten - ich zählte einmal 26 verschiedene Arten auf rund 2 km Distanz - vermögen den Naturfreund immer wieder aufs neue zu begeistern. Den Wegen entlang hat die Forstverwaltung die bedeutendsten Baumarten mit Namensschildern versehen, was deren Kennenlernen wesentlich erleichtert. Alle Baumarten Nordost-Australiens sind vertreten, so die mächtigen Roten Zedern ( Cedrela Australis ), die australischen Buchen, vorab die Seidenbuche ( Villaresia Moorei ), die verschiedenen Eukalyptusarten, Tamarinten ( Diptoglottis Cunninghamii ), die südliche Seideneiche ( Orites excelsa ), der Buschmahagoni ( Geissois Benthanii ), Küsten-Satinasch ( Eugenia Smithii ), Weisser Walnussbaum ( C ryptocaria oborata ), Grauer Persimmon ( Diospyros pentamera ), geruchloses Rosenholz ( Synoum glandulosum ) und viele andere mehr. Besonders ins Auge fällt der Watkins-Feigenbaum ( Ficus Watkinsinia ) eine Baumart, die andere riesige Bäume umrankt und zum Absterben zu bringen vermag. Als wir eines Tages in ein entlegenes Seitental kamen, das mit Recht « Hidden Valley », das « verborgene Tal », genannt wird, überraschte uns ein ganzer Wald von Piccabeenpalmen ( Archontophoenix Cunnighamii ). Hoch oben aber, nahe der höchsten Erhebung im Nationalpark, dem 1176 m hohen Mount Hobwee auf der Grenzkette zwischen Neu-Süd-Wales und Queensland, trifft man die 3000 Jahre alten « Antarctic Beech Trees » ( Notofagus Moorei ), eine Buchenart wie ein riesiger Überrest vergangener Epochen. Moos-bedeckt von den Wurzeln bis zu den Gipfeln, oft wie eine « Baumfamilie » aus einem uralten Wurzelstock ausstrahlend, tragen diese uralten Buchen die schöne Last der wundervollen weissen Baumorchideen ( Dendrobium falcorostrum ).

Wir kamen zur richtigen Zeit, denn im Oktober, im Frühling Australiens, sind die Blumen und insbesondere die Orchideen in voller Blüte. Wir fanden die lilafarbige Sonnen-Orchidee ( Thely-mitra Arista ) und bei den Aussichtspunkten längs der steilen Klippen, die ins Numimbah-Tal abfallen, die kleinen weissen und grünen Felsorchideen mit den feinen'« Glöckleinblüten ».

Der süsse Duft des Gewürzbusches erfüllt die Luft. Die grossen Helmholtzia-Lilien versperren die Schluchten mit ihren schwertartigen, scharfkantigen Blättern, und ihre delikaten blassrosa Blütendolden erscheinen wie Blumenkronen vor den farnbesetzten Klammen.

Die Tierwelt der McPhersons ist, wenn man von der Vogelwelt absieht, nicht sehr reichhaltig. Hier und da sieht man einige Wallabis, eine kleine Känguruh-Art, die am frühen Morgen oder in der Abenddämmerung auf einer kleinen Wiese beim Groom-Denkmal Nahrung suchen. In der Nacht treiben die Opossums ihr Wesen und kommen oft auch ins Haus, um sich ein paar Leckerbissen zu sichern. Schlangen, die giftige « Schwarze Schlange » ( Pseudechis Porphyriacus ) und die harmlose « Carpet Snake » ( Morelia Argus Variegata, Teppichschlange ), eine Pythonart, sowie kleine, grüne Baumschlangen begegnen einem häufig, kriechen jedoch meistens davon, wenn ein Mensch naht. Wer im australischen Busch wandert, muss auf solche Überraschungen gefasst sein. Man geht daher am besten in leichten, langen Hosen und, wenn möglich, mit Gamaschen. Todesfälle infolge Schlangenbisses sind in Buschwandererkreisen nahezu unbekannt.

Die Vögel des halbtropischen Dschungels bieten jedoch eine niemals endende Abwechslung, sind sie doch sehr verschieden von all den Vogelarten, die man in Europa findet. Da sind z.B. die « Bower Birds », welche sich nicht nur Nester, sondern sogar « Spielplätze » bauen. Diese Vögel errichten an zwei Seiten ihres Nestplatzes etwa 10 Zentimeter hohe « Mauern » aus kleinem Geäst. Diese Gebilde, die sein « Bower » bilden, « malt » der Vogel an, wobei er von einem seltsamen Interesse an allem, was blau ist, erfasst zu sein scheint, so dass er alle Gegenstände und Blumen, die blaufarbig sind, in seine « Laube » schleppt. So haben wir nicht nur blaue Streichholzschachteln, sondern auch blaues Glas, blaue Federn und die blauen Blüten des wilden Tabakstrauches, der hier nahe dem Schutzhause blüht, in seinem Gehäuse gefunden.

Der « Satin Bower Bird » ( Ptilonorhymhus violaceus ) ist der beste Baumeister. Oft sahen wir die die schwarzblauen Männchen ( das Weibchen ist dunkelgrün ) dieses amselgrossen Vogels nahe dem Schutzhaus und fanden schliesslich mit Hilfe des Rangers, des Aufsehers im Nationalpark, seine « Laube » hinter einem mächtigen Holzstamm, nur fünf Minuten vom Haus entfernt.

Ein prächtiger Angehöriger dieser Vogelart ist der « Regent Bower Bird » ( Sericulus Mryso-cephalus ) mit orangegoldenem Gefieder, der jedoch kein so guter Handwerker ist wie der Satin Bower Bird. Die Bower Birds sind aber nicht nur Baumeister, sondern auch Schauspieler. So imitieren sie nicht nur die Stimmen anderer Vögel, sondern auch alle möglichen Geräusche, wie das Bellen der Hunde, das Pfeifen der Kaninchen, ja selbst das Abbrechen von Zweigen.

Als wir durch den Dschungel wanderten, horchten wir immer wieder auf, denn wir glaubten, das Weinen eines Kindes zu hören. Ist hier, dachten wir zuerst, ein Kind verlorengegangen? Aber nein, auch hier war ein Vogel am Werk, der grüne « Cat Bird », der Katzenvogel ( Ailuroedus Cras- sinostris ). Er « miaut » wie eine Katze, oft klingt es aber mehr wie die Wehklage eines kleinen Kindes, und eine Kolonie von Katzenvögeln kann einen zur Verzweiflung bringen.

Das sind nur einige der seltsamen Vogelstimmen im Dschungel Queenslands. Da lacht der dem Europäer von der Briefmarke her bekannte Kookaburra ( Dacelo Gigas ), der « lachende Hans », dessen Treiben ja in vielen Büchern über Australien beschrieben wurde. Da klingt wie eine Glocke der Gesang des « Bell Birds » ( Oredica Gutturalis ), und wie ein Peitschenknall das Rufen des « Whip Birds » ( Rsophodes olivaceus ). Waldtauben schwirren umher und natürlich auch viele der australischen Papageienarten, die grossen schwarzen Kakadus und die kleinen bunten Lorikets, die schönen « King Parrots » ( Aprosmictus scapularis ) und die roten « Rosella Papageien » ( Platy-cercus elegans ).

Am Abend kamen von den Hängen unter dem Schutzhaus die grossen « Brush Turkeys » ( Alee-tura Lathamii ), eine Truthahnart, auf die kleine Wiese herauf, auf der während des Tages die « Faulenzer » sich in der Sonne die begehrte braune Farbe erwerben, und liessen sich füttern. Für Abwechslung ist hier gesorgt.

Eines Nachts stand ich um 3 Uhr auf und wanderte allein etwa eine Meile weit zu einem Aussichtspunkt, der bezeichnenderweise « Bellbird Lookout » genannt wird. Alles war still im Wald, nur hier und da sprang ein « Wallabi » auf oder ein « Shrub Turkey » flog aufgescheucht auf einen niederen Ast. So kam ich denn zum « Lookout » und wartete auf den Sonnenaufgang. Kaum war das erste Licht erschienen, als es im Dschungel unter mir lebendig wurde. Millionen von Vögeln begannen ihr Morgenkonzert. Es war nur von kurzer Dauer, aber ein unvergessliches Erlebnis.

Wir rasten an Wasserfällen, an denen die Forstverwaltung Feuerplätze erbaut hat, und kochen Tee in unseren « Billicans », in Australien 10 Uhr morgens und 3 Uhr nachmittags eine unerlässliche Zeremonie.

In den Blauen Bergen von Neu-Süd-Walesx hat die Verwaltung Wasserfälle, Aussichtspunkte und so weiter nach längst vergessenen Stadtverordneten benannt. Nicht so im Lamington-National-park! Hier wurden passende Namen aus der Sprache des einst hier lebenden Wangerriburra Stammes gewählt, wie z.B. Yarrabilgong Fall = Singende Wasser; Garragoolba = Platz, wo die grossen Bäume wachsen; Milunba Lookout = Wo die Adler horsten; Yaborogura Lookout = Ich sehe das Meer. Das Meer, den Stillen Ozean, sieht man wirklich von fast allen Aussichtspunkten der Numimbah-Tal-Seite des Parks aus.

Kletterer können ihre Fähigkeiten an einigen alleinstehenden Felsen, wie dem « Egg Rock » ( Eierfels ) oder dem « Turtle Rock » ( Schildkrötenfels ) im Numimbah-Tal versuchen, müssen sich aber, um zum Einstieg zu gelangen, durch den Dschungel einen Weg erkämpfen.

Gut trainierte Wanderer können den rund 32 km langen Marsch über den « Main track » ( Haupt- weg ), der dem Grenzkamm der McPhersons folgt und zu O'Reilleys Unterkunftshaus führt, unter die Füsse nehmen.

Zehn Tage lang zog ich so jeden Tag aus, immer bei prächtigem Wetter, und jeden Tag gab es etwas anderes zu sehen.

Freilich, es gibt hier keine grossen Gipfel, die den Alpinisten in diesen immer noch recht einsamen Bergen zu grossen Taten locken. Jeder naturverbundene Wanderer wird in diesen « Grünen Bergen », den kühlen Dschungelbergen Queenslands, aber eine Quelle von seltenen Erlebnissen und lehrreichen Tagen finden.

1 Dr. G.F. J. Bergman, Die Erschliessung der Blauen Berge ( Blue Mountains ) in Neu-Süd-Wales. « Die Alpen » 1955, Heft 8.

Feedback