Klettern im Paklenica-Gebiet (Jugoslawien)

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Paklenica-Gebiet ( Jugoslawien )

Claude und Yves Remy

Dieser Beitrag wurde vor den politischen Ereignissen verfasst, die Jugoslawien destabilisiert haben. Kletterer, die sich nach Paklenica begeben möchten, muss deshalb aus Sicherheitsgründen dringend empfohlen werden, sich vorgängig möglichst umfassend über die zur Zeit anzutreffende Lage zu informieren. Die Red.

Riesenkarabiner am Beginn der Mosor- Route ( Anica Kuk ) Die Landschaft der dinarischen Gebirgskette entlang der jugoslawischen Adriaküste ist faszinierend und ausserordentlich wild. Abseits der Pfade, im Dickicht und zwischen rasierklingenscharfen Steinen, hat man das Gefühl, am Ende der Welt zu sein. Dazu die Gegenwart wilder Tiere wie Wolf, Bär und in der Höhe Geier- man begreift bald, wie klein und hinfällig der Mensch ist. Da und dort auf dem öden Land sind an erstaunlich einsamen Orten Bauernhöfe zu sehen; viele sind verlassen, ihre Bewohner in weniger rauhe Gebiete abgewandert.

Unter den zum Meer führenden Schluchten ist die von Paklenica die schönste im Land, ausserdem befindet sich dort das bedeutendste Klettergebiet Jugoslawiens. Doch alles weist daraufhin, dass es andere, nicht verzeichnete, aber vielleicht noch bedeutendere Gebiete gibt. Der Name Paklenica ist allgemein bekannt geworden, als 1949 die Region zum Nationalpark erklärt wurde. Die Region verfügt zum Glück nicht über die für einen Massentourismus notwendige Infrastruktur. Die Schlucht von Velica Paklenica beginnt an den Hängen der 1757 m hohen Velebit-Berge und verläuft von Nord nach Süd. Durch sie fliesst ein Bach gleichen Namens, stellenweise ein Wildbach, der sich dann zwischen Debeli Kuk und Anica Kuk hindurchschlängelt und anschliessend ins Meer mündet. Der Höhenunterschied ( 1700 m bis 0 m ) schafft in der Schlucht ein Mikroklima, in dem eine sehr reiche Fauna und Flora gedeiht. Soweit es sich ums Klettern handelt, sei darauf hingewiesen, dass der ausgezeichnete Kalkfels manchmal von charakteristischen Furchen und Rinnen ( Karren ) durchzogen ist, die von weitem gut sichtbar sind. Man findet im Klettergebiet von Paklenica alle möglichen Schwierigkeitsgrade ( vom 4. bis zum 8. Grad ), und zwar sowohl in den Kurzrouten, die sich vorwiegend am Eingang der Schlucht befinden, als auch in den langen Routen am Anica Kuk. Noch vor wenigen Jahren galt Paklenica als zu heiss, um dort im Sommer zu klettern. Wer heute dorthin geht, ist nicht mehr dieser Meinung, denn man kann mehrere Sportarten miteinander verbinden, zum Beispiel Wassersport und Klettern.

Kurze Geschichte des Kletterns in diesem Gebiet In der Vergangenheit haben sich die jugoslawischen Alpinisten -wie auch alle andern -vorwiegend richtigen Gebirgen, zum Beispiel den Julischen Alpen oder den Dolomiten, zugewendet. Die Schlucht von Paklenica liess man beiseite, obgleich von ihrem Grund eine 300 m hohe Wand aufragt, die in einem Gipfel endet: dem Anica Kuk. 1938 fanden die ersten Versuche in dieser Nordwestwand ein tragisches Ende. Zwei Jahre später vollendeten die besten kroatischen Kletterer jener Zeit, S. Brezovecki und M. Dragman, diese Route ( Brahm-Route ).

1957 stiegen B. Kambic und B. Kulic in derselben Wand ( aber im mittleren Teil ) über eine herrliche Route auf, die zu Recht die schönste klassische Route des Anica Kuk wurde ( Mosor-Route ). Wenn man sie mit einer Route in den Alpen vergleichen sollte, würde man an den Miroir d' Argentine in den Waadtländer Alpen denken.

In den sechziger Jahren beginnt eine bedeutende Periode im Gebiet von Paklenica, sagenhafte Routen werden bezwungen, so die Velebit-Route ( 1961 ) und die Klin-Route ( 1966 ). Diese Erkundung neuer Möglichkeiten intensivierte sich in den siebziger Jahren. Die damaligen Routen wurden in einer zu jener Zeit üblichen Methode, einer Mischung aus künstlicher und freier Kletterei, durchstiegen.

Unter dem Einfluss von Francek Knez, einem aktiven Kletterer und Alpinisten, beschleunigte sich alles, er erkundete das Gebiet von Paklenica systematisch und eröffnete zahlreiche Routen. Von internationalem Rang, doch sehr zurückhaltend, entwickelte er eine überaus grosse Aktivität und eröffnete mehr als 500 Routen in der ganzen Welt ( Eiger, Marmolada, Trango-Türme, Südamerika ). In seiner Nachfolge tauchten slowenische Alpinisten auf, unter ihnen Torno Cesen, Silvo Karo, Janez Jeglic.

Nach der Grosszahl neuer Routeneröffnungen war das Ziel der Kletterer in Paklenica zunächst die Wiederholung dieser Routen ( es sei daran erinnert, dass sie noch nicht definitiv ausgerüstet waren ), dann ihre Wiederholung in möglichst kurzer Zeit. Der Fall der Klin-Gratroute ist kennzeichnend: 1973 von B. Aleraj und M. Cepelak in acht Tagen eröffnet, A3/A4 bewertet und durch zahlreiche Überhänge führend, wird sie im selben Jahr in vier Tagen wiederholt; 1977 ist noch ein einziger Tag nötig; 1980 wird sie schliesslich in vier Stunden durchstiegen!

Im Jahr 1982 sind ausserordentliche Aneinanderreihungen von Touren Mode. J. Sa-bolek und J. Skok verbinden in neun Stunden eine ganze Anzahl von Routen am Anica Kuk mit 1600 m Höhenunterschied miteinander. Eine andre Möglichkeit: äusserst gewagtes Klettern mit künstlichen Hilfsmitteln, mit und Mini-Haken, um kompakte Platten oder gewaltige Überhänge, wie je- Erstbegehung der Route am Anica Kuk nen, der El Condor dominiert, zu bezwingen. Es handelt sich dabei um Leistungen von Silvo Karo, die den grossen Erstbegehungen am Cerro Torre vorangingen.

Das Verdienst der Einführung des Freikletterns auf hohem Niveau kommt zweifellos I. Tomazin zu, der auch schöne und grosse Routen im Massiv eröffnet hat, so 1979 zusammen mit M. Ivnik Albatros und El Condor Pasa. Im Jahr 1978 besuchte I. Tomazin verschiedene Gebiete in den USA und lernte den Stil der lokalen Kletterer schätzen. Wieder heimgekehrt, förderte er das Freiklettern, veröffentlichte Artikel und schritt zur Tat.

Seine ersten Leistungen sind nicht wirklich markant. Das Material ist noch nicht für diese Technik geeignet, es besteht eine psychologische Blockierung und zugleich kommt es zu einer - vorübergehenden - Polemik zwischen den Traditionalisten und den an der Erreichung höherer Schwierigkeitsgrade interessierten Neuerern. Ausländer-Italiener, Österreicher, Deutsche-sorgen für eine Beschleunigung der Entwicklung. 1983 kommt es in der Schlucht von Paklenica Die Felsen des Tulove Grede zu einer Änderung, und zwar anlässlich der freien Erstbegehung der Klin-Route ( 6c/7a ) mit einer Sicherung durch vorhandenes Material ( Haken, Bohrhaken ) von fragwürdiger Qualität.

Im Jahr 1986 wird der Klin-Grat, die berühmte, in acht Tagen eröffnete technische Route, frei begangen: 7b, aber immer noch mit fragwürdiger Sicherung.

Durch ein letztes Ereignis wird das Gebiet buchstäblich populär: das Bekanntwerden von Kurzrouten, vorwiegend - zumindest im Augenblick - am Eingang der Schlucht. Die Auswahl ist gross, es gibt darunter gut ausgerüstete wie Safety first ( 6a ) und andere, bei denen das weniger der Fall ist ( die Dichte der Sicherungspunkte ist gut vom Einstieg aus festzustellen ). Für Kletterer mit kräftigen Armen sei auf die Kurzroute von Maurizio Za-nella gen. Manolo, hingewiesen; er durchkletterte 1987 II Maratoneta ( 8b, an der sich andre ausgezeichnete Kletterer vergeblich versucht hatten. Um in guter Form zu sein, war Manolo von Triest aus angelaufen ( 300 km in einigen Tagen ), daher der Name der Route.

Die Zukunft? Es bleibt noch eine gewaltige Zahl von Kurzrouten und grossen modernen Routen zu eröffnen, aber dafür wären viele Bohrhaken und eine Bohrmaschine nötig. Wir hoffen aber, dass alle, die sich neu in das Abenteuer stürzen, nicht mit diesen Mitteln Missbrauch treiben, um das erforderliche Engagement in den bereits bestehenden und in vorbildlicher Freikletterei begangenen Routen zu verringern.

Praktische Hinweise Paklenica Starigrad ist ein kleines Dorf an der Küste, 45 km nördlich der Stadt Zadar. Es gibt dort ein Verkehrs- und Wechselbüro, Läden, Campingplätze, Übernachtungsmöglichkeiten bei den Einheimischen ( praktisch und nicht teuer ), eine Tankstelle, ein Postbüro usw.

Die Paklenica-Schlucht und das Klettergebiet sind 3 km vom Dorf und vom Meer ent- Am Eingang der Anica-Kuk-Schlucht fernt, eine kleine Strasse führt dorthin. Es sei daran erinnert, dass man sich in einem Nationalpark befindet: Camping ist verboten! Fauna und Flora sind zu respektieren, und man verhalte sich zurückhaltend.

In der ersten Maiwoche ( Tag der Arbeit ) treffen sich fast alle jugoslawischen Kletterer in Paklenica, ebenso am 29. November, dem Nationalfeiertag ( Stimmung garantiert ).

Unter den klassischen Routen am Anica Kuk ( 712 m; Nordwestwand, 350 m ) seien genannt: Albatros ( 6bc, 6a obligatorisch ) Velebit ( 6ab, 5+ obligatorisch ), El Condor Pasa ( 6bc, 6ab obligatorisch ), Klin ( 6c bis 7a, 6a obligatorisch ), Mosor ( 5 bis 5, Brahm ( 5.

Wanderungen Die Velika Paklenica aufwärts bis zur Bori-sov-dom-Hütte. Nach Südosten queren und durch die Mala ( kleine ) Paklenica, einen andern, zum ersten parallelen, aber engeren und wilderen Arm der Schlucht zurückkehren ( Klettern ist dort streng verboten: Schutzgebiet für Vögel und auch grosse Raubvögel ). Man kommt in Senne, am Meer, in der Nähe des Ausgangsortes wieder heraus. Marschzeit ungefähr 5 Std., der Weg ist markiert.

Das etwas südlich von Paklenica gelegene Massiv von Tulove Grede ist unbedingt einen Besuch wert, sei es auch nur bei einer Wanderung. Man fährt etwa 20 km nach Süden und schlägt kurz vor Obrovac die Richtung S.V. Rock ein. Die nicht geteerte Strasse führt zu einem Pass mit ungewöhnlich geformten Felsspitzen in paradiesischer Umgebung. Mehr sei nicht verraten.

Bibliographie und Informationsmöglichkeiten Der erste Paklenica-Topo-Führer erschien 1968. Die von S. Gilic besorgte Ausgabe von 1982 ist praktisch, 57 Kletterrouten sind gut beschrieben, und zwar entsprechend dem alten, gemischt technisch/freien Stil.

Der italienische Topo-Führer von 1987 bietet ein Dutzend Routen und eine Auswahl von Kurzrouten. Sehr beschränkt.

Der deutsche Topo-Führer von 1989 ist praktisch; er beschreibt fast alle Kurzrouten, die langen klassischen Routen und behandelt auch das nahe Massiv von Tulove Grede.

Glücklicherweise kümmern sich auch die Einheimischen um ihr Massiv: Weihnachten 1990 ist der komplette Paklenica-Topo-Füh-rer von Ines Bozic und Janez Skok erschienen. Unbedingt zu empfehlen.

Zeitschriften Mountain 1967, Nr. 50 ( kurze Vorstellung des Gebiets ) Rivista della montagna, Juli 1987 ( nicht sehr interessanter Beitrag von A. Boscacci ) ALP, Juni 1988 ( ausgezeichneter Artikel, der auch die Geschichte berücksichtigt, von I. Bozic und J. Skok; mit Routenbeschreibungen ) Wir danken Ines Bozic, Janez Skok, Silvo Karo und Torno Lesen herzlich für ihre Hilfe.

Im Aufstieg zum Tulove Grede

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