Korsika: Besteigung des Monte Rotondo

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HorstTher, D-Ulm

Welch herrliche Tage an der berüchtigten korsischen Westküste im urwüchsigen Golf von Porto! Unaufhörlich rollen gewaltige, weissaufgischtende Brecher gegen den kies-rauhen Strand, uns kaum die Chance eines erfrischenden Bades lassend. Aber um so beschaulicher erscheinen uns die Abende bei den über der märchenhaften Meeresbucht thronenden roten Felsen der Calanche. Doch das eigentliche Ziel unserer Reise bleiben die Berge Zentralkorsikas, vor allem der stolze Monte Rotondo im wilden Herzen der Heimat Bonapartes.

Hoch über der Spelunca-Schlucht schlängelt sich nun die kühn angelegte Strasse hinauf zum verschwiegenen Bergnest Evisa. Tief unten die Schlucht, die wir vor einigen Tagen durchstreift und deren mit kristallklarem Wasser gefüllte Becken uns zu textilfreiem Baden herausgefordert haben. Jetzt steuern wir weiter ostwärts gegen Corte, der einstigen Hauptstadt Korsikas und dem noch heute pulsierenden Mittelpunkt der Insel.

Camping U Sognu, ein idyllischer Platz unter der stolzen Zitadelle der Stadt, bietet uns für die nächsten Tage Unterkunft. Hier herrscht ein ständiges Kommen und Gehen von jungen Leuten, die, mit gewaltigen Rucksäcken beladen, Korsika auf Schusters Rappen südwärts haltend durchqueren. Meine Achtung gebührt dabei nicht zuletzt den jungen Damen, die sich den Strapazen dieses korsischen Fernwander-weges unterziehen. Nun, in den Genuss derartiger Aktivitäten wollen wir demnächst auch gelangen. Schliesslich muss man auf Korsika, wenn man ein grösseres Unternehmen plant, mit Biwaks rechnen. Unterkunftshäuser im Sinne unserer alpinen Hütten gibt es nämlich keine. Unsere Passivität am Meeresstrand wird damit ein Ende haben und der tätige Ur-laubsteil endlich beginnen können.

Das sich verwegen dahinwindende Strässchen durch die Restonica-Schlucht, die den Zugang zum Monte Rotondo darstellt, muss man als Automobilist einfach befahren haben, vor allem wenn man ein Vehikel mit entsprechenden Ausmassen sein eigen nennt. Wehe, es kommt einer entgegen. Das erfordert - eingezwängt zwischen dräuenden Abgründen und senkrecht aufstrebenden Felswänden -Massarbeit im Zentimeterbereich. Man muss sich eigentlich wundern, dass in den tosenden Schluchten der Restonica keine Autowracks liegen. Aber möglicherweise werden sie je- weils von den ungestümen Frühjahrshochwassern ins nahe Meer gespült.

Schweres Gewölk verdüstert den Himmel. Wir erleben damit einen jener kostbaren Tage des äusserst regenarmen korsischen Sommers, die von den Einheimischen als Geschenk des Allmächtigen betrachtet werden. Durchdringende Feuchtigkeit verbreitend, verfangen sich die träge dahinfliessenden Nebelschwaden in den hochstämmigen Kiefern. Selbst die den Aufstiegsweg säumenden massigen Granitblöcke werden zu schemenhaften Gebilden.

Endlich die Bergerie Timozzu. Wahrlich kein Berghotel! Nein, nur ein paar Steinmauern, eine Quelle, ein kläffender Hund, eine mit groben Platten überdachte Kate, aus der spärlicher Rauch quillt und wo einige wenige Hirten ihr karges Leben fristen. Das ist alles. Ein holpriges Viereck zwischen zwei Trockenmäuerchen gestattet es knapp, unsere zwei Biwakzelte aufzuschlagen. Bald danach setzt ein feiner, anhaltender Nieselregen ein. Wir hoffen deshalb, dass die Hirten in ihrer erbärmlichen Behausung nichts dagegen haben, wenn wir ihnen einen Besuch abstatten, um so weniger, als wir so auch den mitgebrachten mit ihnen teilen werden.

Die heroische Landschaft Korsikas, verbunden mit einer nicht weniger heroischen Vergangenheit, haben den Bewohnern eine Eigenart verliehen, die sie von der Bevölkerung des benachbarten Festlandes, wo der Fremdenverkehr zu unschönen Begleiterscheinungen geführt hat, unterscheidet. Obwohl die Korsen wegen der eher prekären wirtschaftlichen Lage der Insel alles andere als mit Reichtümern gesegnet sind, wird die Gastfreundschaft gross geschrieben. Besonders in den einsamen Berggebieten kommt der Fremde oft in den Genuss einer grenzenlosen Gastlichkeit.

Die Hirten von Timozzu bitten uns dann auch im Schein einer Gaslaterne auf ihre Steinzeitterrasse; einer entfaltet eine Plastikfolie und wirft sie über ein paar noch vorhandene Sparren, womit wir nun einigermassen im Trockenen sitzen. Korsischer Rotwein macht sofort die Runde, rauher Gesang er- tönt. Dazu trommelt der Regen hernieder, und alsbald fühlen wir uns aufgehoben wie unter altbekannten Freunden. Es wird ein unvergesslicher Abend. Schwer fällt es uns dann, Abschied zu nehmen, um in der Dunkelheit unser feuchtes Quartier aufzusuchen und in die bereits völlig durchnässten Schlafsäcke zu kriechen. ( Herrlich ), endlich wieder so schlottern zu dürfen wie in einer echt hochalpinen Biwaknacht!

Wer ist deshalb nicht froh, als der Morgen graut, die Selbstkasteiung ihr Ende findet und wir den sich 1100 Meter über Timozzu erhebenden Monte Rotondo, den zweithöchsten Berg Korsikas, angehen können. Zu dessen Besteigung sind wir schliesslich hierhergekommen.

Regen und Wolken haben sich verflüchtigt. Nur mehr unsere triefenden Habseligkeiten erinnern an das nächtliche Zwischenspiel einer sich versehentlich so weit nach Süden verirrenden Regenfront. Schon hoch über Timozzu auf einer von Heidekraut bewachsenen Terrasse kochen wir unseren morgendlichen Tee. Tief unten ahnt man die Restonica und weit draussen den Talkessel von Corte im Dunst des jungen Tages.

Widerspenstiges, übermannshohes Erlen-buschwerk, das den Vormarsch beschwerlich macht, verbarrikadiert die unteren Regionen des Monte Rotondo. Verliert man den Pfad, der sich verschiedenerorts nur auf Grund abgebrochener und abgeschabter Äste früherer Begehungen auffinden lässt, so kann das verhängnisvoll werden. Denn entsprechend der undurchdringlichen Macchia in den Niederungen, erstrecken sich hier beinahe unübersehbare Flächen von dichtestem Unterholz.

Nach Überwindung dieses Buschgürtels gelangen wir auf das schon über 2000 Meter befindliche Plateau mit dem sich zauberhaft ein-schmiegenden Lac de l' Oriente. Hier, auf dem samtenen Terrain zwischen glasklaren Rinnsalen und angesichts des schneedurchsetzten Rotondo-Massivs, bieten sich Zelt- und Biwakplätze in Hülle und Fülle an. Gewaltige, wasserüberronnene, von Buschgürteln und Schneeflecken unterbrochene Plattenschüsse, dazwischen hausgrosse Granitblöcke, weisen uns den Weg zu den zersägten Graten des Monte Rotondo. Mächtige Felstrümmer und eine steile Schlucht leiten uns schliesslich zum Grat, der sich gutgestuft zum Gipfel aufschwingt, wo sich auch eine Biwakschachtel findet.

Wolken sind aufgekommen, die nun -scheinbar reglos - am Himmel verharren. Wir sitzen auf den groben Urgesteinsbrocken unseres Berges und blicken hinaus in die absolute Unberührtheit der korsischen Wildnis, über der ein grenzenloses Schweigen liegt. Tiefblaue Seen, teilweise noch von Eisschollen bedeckt, schimmern augengleich aus dräuenden Tiefen. Weit draussen am Horizont zwischen Sommerdunst und den träge dahinziehenden Rauchschwaden eines Buschfeuers lässt sich das Meer erahnen. Von solchen Eindrücken übermannt, wird manch einer wortkarg. Das verliert sich erst wieder, als wir uns Gewaltige, wasserüberronnene, von Buschgürteln und Schneeflecken unterbrochene Plattenschüsse weisen uns den Weg zu den zersägten Graten des Monte Rotondo.

lösen müssen von der eben erlebten und gefühlten Raum- und Zeitlosigkeit - von den Traumgebilden, denen man sich auf dieser hohen Warte zu nähern scheint.

Dann steigen wir hinab über Granitquader, über Schutt, Firn und glattgeschliffene Platten, wühlen uns durch das widerspenstige Buschwerk bis zu den hitzeflimmernden Tiefen der Restonica.

Ja, so haben wir sie erlebt, die Tage am Monte Rotondo, geprägt von der alles erfassenden Eigenart Korsikas. Die bizarr geformte, alpine Gebirgswelt, der Fels, der Firn, der Duft der Vegetation und nicht zuletzt die Bergerie Timozzu mit ihren gastfreundlichen Hirten, dies alles ist unverwechselbar korsisch.

Uns bleibt jetzt nur noch ein letzter Blick zurück und die Erinnerung während der Fahrt von Corte nach Bastia. Von hier wird die Auto-fähre hinausstampfen, um uns auf den Alten Kontinent zurückzubringen.

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