Monte della Disgrazia

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Von S. Walcher

Mit 1 Bild ( 19Wien ) Erwachen Um den Südgrat des Piz Bernina ziehen Nebel; aber es sind jene hellen, sonnenlichtdurchdrungenen Schleier, die als letzte Hülle vor einem Bilde schweben, dessen Schönheit und Erhabenheit das Herz bereits ahnt und dem es in freudiger, ja seliger Erwartung ehrfurchtsvoll entgegenschlägt. Licht und Schatten gleiten über den Schneehang, der furchtbar steil hinunterschiesstzum Gletscher, makellos weiss ist er, wie nur ein Schneehang sein kann nach einer Reihe von Tagen, da Stürme um die Berge brausten und Silbersterne vom Himmel fielen, während im Tal der Regen aus grauer Wolkendecke floss.

Und Sturm, Schnee und Sonne bauten den Weg, den wir zum Gipfel schreiten. Kein Künstler vermöchte so viel Eleganz, Weichheit und doch Bestimmtheit in eine Linie zu legen wie sie, die Elemente. Zwei Werke sind es, an welchen sich der Schwung und die Harmonie einer Linie am tiefsten offenbart, beides erhabenste Schöpfungen der Natur: der vollendete Frauen-körper und der im Sonnenlicht mattgold und silberblau glänzende Firngrat hoher Berge.

Seltsam aber, und noch nie geschaut, war das Gebilde, das da vom dunklen Felsturm eine Brücke baute hinüber zum schleierumwallten Gipfel. Das war eine ungeheure, aufrechtstehende Eis-, Firn- und Schneeplatte, deren obersten Rand Wind und Sonne so zugeschärft hatten, dass durch die glas-dünne Schneide das Licht der Sonne huschte, wenn es die über uns noch brauenden Nebel auf Sekunden freigaben.

Schwierig war es, da den Weg zu bahnen, schwierig, weil es schmerzte, diese wundersamen Gebilde mit harten Schlägen zerstören zu müssen, und schwierig, weil ich nicht wusste, wie es anfangen, diese meterhohe Blatt-schneide für den Fuss begehbar zu machen.

Was aber nützt alle Schönheit der Welt, wenn der Menschen willebejahter Trieb erwacht ist und rücksichtslos nach seinem Ziele greift? « Zwei Seelen wohnen, achl in meiner Brust! » Leise weinte die eine um der Schönheit begierdeloses Glück, als mein Pickel mit wuchtigen Schlägen den Zauber dieses Märchen weges brach, und laut jubelte die andere, als sie sah, wie Hindernis um Hindernis in die Tiefe sank und Tritt an Tritt sich reihte hinauf zum Ziel.

Schwer ist es der exakten Wissenschaft zu glauben, dass es keine Geister geben soll, keine Mächte, die über aller Materie, aller Stoffe Einheit und Vielheit walten, am schwersten aber wohl dann, umfängt dich der Zauber einer begnadeten Stunde hoch oben über der Täler bunten Tiefe, in Himmelsnähe, umgeben von weisser, strahlender Herrlichkeit. Einfach und klar ist alles, was dich umgibt und worauf du stehst, wovon du dich aber trotz aller Sehnsucht nie lösen kannst. Und einfach und klar ist auch, was sich über dir wölbt in unendlicher Weite, wonach du greifen möchtest mit tausend Händen und das du doch nie erreichst. Symbol ist das Land, wo sich in höchster Höhe das Weiss des fleckenlosen Schnees mit dem Blau des reinsten Himmels schneidet, Symbol für Wissen, Erkennen und Glauben. Am höchsten bist du gekommen, o Mensch, in deines Lebens Wanderfahrt, stehst du da oben, und am tiefsten hat sich dann zugleich auf dich des Himmels heiliges Licht gesenkt.

Es gibt keine Geister, aber sie waren doch um uns, als wir den Gipfel betraten. Heiss floss plötzlich der Sonne Licht durch das Blut, und langsam, in ungeheurer Ruhe und Grosse, sanken die Nebel in die Tiefe und formten sich zum silberblinkenden Meer, das alles Land deckte, so weit das Auge reichte. Und tiefer sank das Gewoge und höher wuchs aus ihm, was vorher nur des Meeres höchste Wellenkämme waren, und immer länger weilte mein Blick auf einem Punkte, bis plötzlich das Herz in heller Freude jubelte und von den Lippen sich leise ein Name löste: Disgrazia.

O sonderbares Menschenherz 1 Soeben zittertest du noch im Ubermass der Freude, die die Schönheit des Weges weckte und das Erreichen des Gipfels in dir aufklingen liess, und schon wieder greift dein Blick ruhelos verlangend hinüber nach dem fernen Berg im Westen, den sie Monte della Disgrazia nennen und aus dessen unheilkündendem Namen doch so viel Schönheit, Stolz und Erhabenheit klingen. Weit weg stehst du von mir, aber nichts trennt mich von dir als silberschimmerndes Gewoge und abgrundtiefe Bläue. Aber siehe, was uns trennt, es ist auch die Brücke, über die ich sie schreiten sehe, sie die Grosse, Keusche, Ewige, sie aller Berge Seele. Was anderes könnte es sein, das die Menschen suchen ihr ganzes Leben lang, was anderes, das uns Bergsteiger den Berg erst zum Berg macht, ohne den selbst die vollendetste Gestalt, die kühnste Form, alle Grosse und Erhabenheit, nur Masse wären, nur Erde, Fels, Eis und Schnee.

Wir ziehen von Berg zu Berg, wir ringen mit Mühen und Gefahren, wir setzen das Leben als Einsatz für das Ziel des Willens, nicht einmal, oft und oft im Laufe der Jahre; alles Tun aber, welchen Sinn hätte es, suchten wir nicht in all dem Wandern, Steigen, Kämpfen, in aller Lust und allem Leide immer wieder nur sie. Und was wäre alles Erreichte, wäre es nicht durchströmt von ihres reinen Feuers heiligem Schein? Mögen tausendfach sich wandern Form und Gestalt, Ort und Zeit und des Geschehens Art und Weise, immer ist es nur eines, was wir suchen, was kommt und geht, des Lebens heiligster Funke, sie, die Liebe.

Werden Die ganze Nacht tobte der Sturm um die kleine Hütte; spät war es schon, als wir sie verliessen. Neuschneelawinen rauschten neben uns in die Tiefe, als wir den steilen, gefährlichen Hang hinabstiegen zum Oberen Scerscengletscher. Am frühen Nachmittag erreichten wir die Marinelli-Hütte. Wunderbare Gegend, heroische Landschaft! Drohende Düsterkeit lag in dem Gletscherwinkel, den Roseg und Scerscen umstehen, hell und freundlich aber war der Blick hinaus in die grüne Tiefe des Malenco-Tales.

Freundliche Menschen, ein prächtiger Hüttenwirt, Fröhlichkeit und Scherz empfingen uns beim Betreten der Hütte und machten, dass die Bilder dieser Stunden der Lauf vieler Jahre nicht verlöschen konnte. Und unver-löschbar sind auch die Bilder, die uns der lange Weg des nächsten Tages schenkte. Auf der Bocchetta della Forbici stehen wir. Noch herrscht des Morgens graues Licht. Mächtige Gletscher liegen in der Tiefe, wild zerrissen und zerklüftet stürzen sie über felsige Rampen. Dunkelgrüne Seeaugen liegen zwischen dem braunen Gestein, und leise klingt durch die tiefe Stille das Rauschen der Gletscherbäche. Jenseits der Bocchetta ist der Boden grün und sinkt langsam hinab zur noch grüneren Alp Musella. Über dunkle Vorberge gleitet der Blick hinaus in die blaue Ferne, wo goldene Wolkenberge am Morgenhimmel hängen. Auf weichem Wiesenboden steigen wir abwärts zur Alpe. Rasch nähern wir uns dem Walde. Wildzerzauste Zirben machen den Anfang. Zahlreiche kleine Hütten stehen unter ihnen, aus unbehauenen Steinen gefügt und mit grossen Platten gedeckt. Durch den steilen Wald steigen wir hinunter und kommen in ein kleines, wundersames Tal zu den Hütten von Campascio. Herrliche Lärchen stehen rundherum und zwischen ihnen liegen hausgrosse, bemooste Blöcke eines Bergsturzes. Italienische Frauen, mit Körben und Säcken schwer beladen, kommen uns entgegen; scheu erwidern sie unseren freundlichen Gruss und blicken uns lange nach. Und dann kommt Franscia. Inbegriff aller Romantik. Bänke und Tische aus mächtigen Platten des mattgrünen, seidenglatten Serpentingesteines stehen vor dem alten Haus, in dessen Küche unter einem grossen kupfernen Kessel das Feuer knistert und, o Wunder, Ordnung und Sauberkeit herrschten, wohin man sah.

Dann sind wir unten im Tal und wandern auf der Strasse hinaus nach Chiesa. Langsam wird die Gegend belebter. Schon tauchen italienische Sommerfrischler auf, gehüllt in bunte Kleider, und wie die Menschen verlieren auch die Häuser ihre Ursprünglichkeit und werden modern.

Mittag war es, als wir die vollen Fleischtöpfe des Albergo Bernina in Chiesa verliessen und des Weges zweiten Teil in Angriff nahmen. Ein voller Bauch studiert nicht gern, aber noch weniger Freude scheint ihm das Aufwärtssteigen zu machen. Reichlich floss der Schweiss und stark krümmte sich der Rücken, als wir langsam nach Lago hinaufstiegen. Aber je höher wir kamen, um so leichter wurde unser Gemüt und um so wohler wurde uns ums Herz.

Schon lag die Alpe Airale hinter uns, und immer grossartiger wurde die Gegend, durch die wir schritten. Bei einer kleinen, sehr einfachen Wegtafel rasteten wir noch einmal. Zwei Wege standen uns zur Verfügung. Durch den Grund des Tales wiesen rote Tupfen, und zum Lago della Cassandra zarte rote Striche die Richtung, die wir einhalten mussten, um die neue Desio-Hütte am Passo di Corna Rossa zu erreichen. Wir entschlossen uns für den Grund des Tales und tauchten unter in ein Gewirr von Riesenblöcken. Staunend schritten wir durch diese steinerne Stadt, und Stein um Stein wanderte in meine Tasche; nie noch entdeckte ich eine ergiebigere Fundgrube für Mineralien.

Beim Sammeln und Aufwärtssteigen war es allmählich Abend geworden, und suchend hielt das Auge Ausschau nach der Hütte. Lange konnten wir nichts erspähen, bis wir dann, schon ziemlich hoch oben, ein primitives Mauerwerk entdeckten, aus dem uns ein dunkles Loch, vermutlich die Tür, entgegengähnte. Aber der Schein trügte. Als wir die Hütte erreichten, fanden wir einen netten, soliden Steinbau, dessen innere Einrichtung nichts zu wünschen übrig liess. Selten noch sind wir auf einer Hütte herzlicher begrüsst worden als hier. Der Hüttenwirt, Maestro Mitto aus Torre Santa Maria, war die Aufmerksamkeit selbst und seine junge, hübsche Frau die Fürsorglichkeit in Person. Selbst Doggo, dem Hüttenhund, war die Freude in die Beine gefahren.

Sein Wolkenlos hängt der Himmel über dem Wunderreich der Berge. Nur wenige Schritte sind es von der Hütte hinauf zur Passhöhe. Nun stand er vor uns, der stolze Berg, in seiner ganzen Schönheit. So mächtig wirkte seine Erscheinung auf uns ein, dass wir in grossen Sätzen hinabsprangen zum Gletscher, unruhevoll und mächtig verlangend nach dem Gipfel, der da über dem weiten Gletscherland hoch oben hing am blauen Himmel. Aber wir hasteten nicht. Langsam stiegen wir auf dem spaltenreichen Preda Rossa Gletscher zum Piodasattel hinauf. Nun waren wir am Beginn des Grates. Wunderbar schwang er sich empor zum blauen Himmel; dunkler Fels und blendendweisser Schnee.Vielerlei Fels hatte ich schon in den Händen, keiner aber war so wundervoll zu greifen wie dieses seidenfeine, dunkelgrüne Serpentingestein. Immer näher rückt der Gipfel. Absichtlich verlangsame ich das Tempo, um die Köstlichkeit der Minuten vor der Sekunde der Erfüllung voll auskosten zu können. Erreicht. War es nicht seltsam, dass mein erster Blick vom Gipfel jenem Grossen im Osten galt auf dessen Silberhöhe unser Weg begonnen hatte? Und wieder war nichts zwischen mir und ihm als die Tiefe der Täler, die Höhe des Himmels und das Glück der Stunde. Müssiges Beginnen, zu erklären, was wir empfinden, betritt unser Fuss den Gipfel eines Berges, der oft viele Jahre lang Wunsch und Wille war. Nur jene können den Zauber dieses Augenblickes erfassen, denen unser Tun nicht fremd ist, die selbst auf Berge steigen und in deren Herz die gleiche Liebe brennt.

Aber hören wir einmal, was einer von jenen darüber sagt, die dieses Berges Gipfel als erste Menschen betraten. Kein Geringerer als E. S. Kennedy ist es, dessen Stimme wir jetzt vernehmen: « Was war unser erster Gedanke?

War es der, wie wir von da wieder hinunterkommen, oder ,Wie herrlich ist doch die Aussicht ', oder ,Wo ist der zuoberst liegende Stein ich muss ihn mitnehmen ', oder .Gibt es da Steine aus denen wir zum Gedenken ein Gipfelzeichen bauen können? ', oder ,Was haben wir zum Essen und zum Trinken mit? ', oder ,Wer hat den Tabakbeutel? ', oder ,Wo ist das Barometer oder das Siedethermometeroder war es — wenn man das überhaupt einen Gedanken nennen kann — einfach das passive Bewusstsein des errungenen Erfolges? Der Abstieg ist eine schlimme Sache, um die ich mich gerne drücken würde. Die Aussicht ist prachtvoll, und ich geniesse sie. Der höchste Stein ist etwas überaus Begehrenswertes, und ich will ihn der Nachwelt zum Angedenken mitnehmen. Der Steinmann, der kommenden Geschlechtern unsern Sieg verkünden soll, schmeichelt dem Mannesstolz, und ich beteilige mich bei seiner Erbauung. Gierig verschlinge ich das Brot, denn es verleiht neue Kräfte. Der Wein schmeckt wie echter Nektar, ich schlürfe ihn mit Lust. Seine Pfeife hat ein jeder, aber mich ekelt es vor ihr. Die Anstellung wissenschaftlicher Beobachtung ist von der grössten Wichtigkeit, und ich sehe mit ungeheuchelter Befriedigung zu, wie andere trachten, ihre Hände warm zu halten, während sie herummanipulieren. Aber in meinen Augen ist die Befriedigung, die man aus allen diesen Beschäftigungen zusammen schöpfen kann, belanglos, verglichen mit dem erhebenden Bewusstsein, dass Beharrlichkeit über alle Schwierigkeiten zum Sieg geführt hat1. » Also alles belanglos gegen das erhebende Gefühl des Sieges! Soll man da noch immer daran zweifeln, dass der Mensch vor allem doch « Eroberer » ist? Täuschen wir uns nicht selbst durch schöne Redensarten. Wir sind und bleiben, auch als Bergsteiger, nur Wesen, die dann ihres Lebens höchstes Gefühl empfinden, wenn sie im Ringen mit etwas, das ihr Verlangen reizte, Sieger geblieben sind, was immer auch es sei. Hier gibt es nur Unterschiede des Grades, aber nicht der Art. Nicht das « Was » entscheidet, das ist wohl für alle gleich, sondern das « Wie ». Dieses « Wie » aber betrachte ich als Zeichen, ob in dem ringenden Wesen nur Tier ist oder auch Mensch, nur Mensch oder auch noch — etwas mehr. Als wir am Rande des Gletschers das nasse Seil lösten, kam uns der Maestro mit seinem Hunde entgegengesprungen, nahm uns die Säcke ab und geleitete uns hinauf zu seinem einsamen Heim, in dem die Wirtin freundlich lächelnd neben einem wohlgedeckten Tische stand. Er erzählte, dass er uns während des ganzen Aufstieges mit seinem Fernrohr beobachtete, und schloss immer wieder mit « molto bravo », wobei seine Augen vor Freude leuchteten. Ich war von der Aufrichtigkeit dieser Freude überzeugt und konnte sie auch verstehen, denn selten nur kommen, wie ich hörte, Bergsteiger zu seiner Hütte.

Vergehen Schwer fiel es uns am nächsten Tag, von der kleinen Hütte Abschied zu nehmen. Lange sahen uns der Maestro, seine Frau und Doggo der Hund nach, bis wir ihren Augen entschwanden. Heute haben wir Zeit. Den Grund des 1 Nach: R. L. C. Irving, The Romance of Mountaineering. Deutsch von Dr. Paul Kaltenegger, Wien 1949. Verlag Holzhausen.

Tales kennen wir schon, so folgen wir den roten Strichen und steigen zum Lago della Cassandra hinab. Aus einer weiten, steinigen Mulde grüsst ein tiefgrünes Seeauge und über eine plattige Felswand stürzt rauschend und schäumend das klare Wasser in die Tiefe.

Zu Mittag sind wir wieder in Chiesa und bald darauf saust das Auto mit uns hinaus nach Sondilo. Abend. Verschönt und ohne Räuberbart spazieren wir durch die Stadt des Südens. Magischer, blauer Schein dringt aus dem geöffneten Tor der Kirche, mächtig braust die Orgel durch die hohe Halle und eine buntgekleidete Menge singt kniend ihr Lied.

Am nächsten Tag aber umrau sehen uns die Wellen des Comer Sees. Nun sind wir in einer anderen Welt. Wo sind Eis, Firn und Schnee? Wo die himmelstürmenden dunklen Felsen und wo das Leuchten des Gipfels im ersten und letzten Licht der Sonne? Ein Paradies ist es, in dem wir weilen. Mild und weich die Luft, Blumen und Blüten in reichster Fülle, alles bunt und heiter, nichts mahnt an den Ernst des Gebirges, aus dem wir kommen—und das doch unsere Heimat ist.

Leise plätschern die Wellen und schlagen an die Marmorstufen des Hotels, die vom Garten hinunterführen zum See. Das samtweiche Dunkel der Nacht ist über den See gebreitet. Auf seiner unruhigen Fläche zittert der Schein vieler Lichter, und aus einer Blütenlaube klingt leise aus Frauenmund ein altes Liebeslied.

0 Einsamkeit der Berge, was bist du gegen die Einsamkeit eines Menschenherzens! Du bist Fülle, Licht, Bewegung, jeneandere aberist Armut, Düsterheit und Stille. Klagend und sehnsuchtsvoll klingt das Lied über den See; nichts ist bei ihm als das heisse Verlangen eines Herzens nach Liebe und Glück und der Töne weiches Umschmeicheln, die sanft sich von den Saiten einer Laute lösen.

Über den Berninapass eilt der Zug. Fort ist die weiche Luft des Südens, herb und frisch umweht der Wind wieder die Stime, und im Sonnenschein leuchten Fels, Firn und Eis. Zauberischer Süden, lockender Ruf! Wer hört ihn nicht — und folgt nicht gerne? Willig beuge ich dir das Knie, aber Heimat des Herzens ist doch nur das Land der Berge, und am nächsten dem Himmel, wer über ihre Höhen schreitet im Leuchten der Firne und im Glänze der Sterne.

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