Nach drei Jahren Höllochforschung

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Mit einem Plan und 6 Bildern ( 70—75Von H(Jgo N„n|Ist ( Luzern ) Das Höllbachsystem ( Muotatal ) ist derart verzweigt, dass die Erforschung auf Jahre hinaus nicht beendet werden kann. Um den Fortschritt zu fördern und Doppelspurigkeiten zu vermeiden, haben die Société suisse de spéléologie ( SSS ) und die SAC-Höllochforschung im Winter 1951/52 eine Arbeitsgemeinschaft gebildet. Nach unsrer siebentägigen Forschungswoche 1, zwischen Weihnacht und Neujahr, begaben sich welsche Speläologen 2 für fünf Tage ins Hölloch, wonach sie wegen des Kleinen Höllbachs, der die Senke unter der Alligatorenschlucht anfüllte, unter Zurücklassung der Vorräte flüchten mussten. An Fasnacht brachten wir nochmals fünf Tage im Innern zu 3, so dass diesen Winter unsrerseits über 7750 m entdeckt und vermessen wurden.

Die Welschen errichteten ihr Lager, wie im Winter zuvor, im Domgang und verfügten über eine Drahtverbindung mit der Aussenwelt. Es gelang ihnen, den Himmelsgang durch mühsame Kriechstollen mit unserm Titanenabschnitt zu verbinden. Uneingeweihte ahnen kaum, welch grosse Bedeutung wir dieser Entdeckung beimessen, hatten wir doch unser Lager im Titanengang aufgeschlagen, weit östlich des Styxsees, also hinter einem gefährlichen Staubecken, das rasch den Rückzug abschneiden kann. In diesem Fall wäre es uns jetzt möglich, durch Isisstollen, Lackgang, Trait d' Union und Himmelsgang den Riesensaal zu gewinnen. Es ist ein aufreibender Umweg, der immerhin die Flucht aus der Falle des Titanenabschnittes gestattet, sich aber nicht zum Anmarsch mit schweren Lasten eignet.

Deshalb entschlossen wir uns auch im Februar, wiederum vom Riesensaal durch Joch- und Styxgang vorzustossen. In einem Schlauchboot, das uns A. Grobet, Zentralpräsident der SSS, zuvorkommend auslieh, setzten wir über den finstern Styxsee und stapften hernach durch einen unbeschreiblichen 1 Leitung: O. Hegnauer, Zug.

2 Leitung: A. Grobet, Sion.

3 Leitung: Dr. A. Bögli, Geomorpholog ( S. Mythen ), und der Verfasser.

Morast. Jenseits des fünften Teiches folgte noch eine aalglatte Rutschbahn. Man klammerte sich ans verschmierte Seil und keuchte empor. Ein Gefährte glitt zuoberst aus und stürzte den Plattenschuss mit ausgelöschtem Licht hinab — ohne sich zu verletzen. Es hätte tödlich enden können. Nach zehn Stunden befanden wir uns zum zweitenmal im SAC-Biwak, das auf Sandboden und in windgeschützter Ecke des Titanengangs eingerichtet ist. Leider erlebten wir auch hier eine böse Überraschung: der brennende Benzinkocher zerknallte. Der Raum blitzte sonnenhell auf. Ein Gefährte wurde weggeschleudert und blieb eine Weile bewusstlos liegen. Die Luftdruckwelle löschte am Felsensee, 400 m von uns entfernt, zwei Karbidlampen. Der Verletzte, mit Brandwunden an Gesicht und Händen, hielt einen Tag bei den Forschungen durch, musste aber in der folgenden Nacht, begleitet von den Zürchern Otto Schneider und Peter Hunger, die Höhle verlassen.

Der Plan SAC-SSS. Das gemeinsame Werk erstreckt sich nun auf den gesamten bisher erforschten Raum des Höllochs und enthält die Vermessungen der Sektion Wallis SS S ( Hauptgang, Unteres Stockwerk und Himmelsgang ), ferner den Gang der Sektion Sursee SSS beim Wasserdom sowie die Ergebnisse der SAC-Höllochforschung im reichgegliederten Titanengang.

1. Der Südteil des Titanenabschnittes umfasst das Gebiet zwischen Styx-, Innominata-, Titanen- und Himmelsgang.

a ) Der Elefantenstollen x zweigt östlich des Styxsees ab und endet in einem Wasserloch. Leicht ansteigend, niedrig, mit Bachrinnen und einem wunderlichen Elefantenkopf aus Tropfstein an der Decke.

b ) Der Biwakstollen 2, südlich des SAC-Lagers, fällt 70 m weit als Kluftspalte zur Tiefe. Zuletzt unergründliches Wasserloch.

c ) Der Polypgang 3 steigt hinter dem 1. Obelisken nach Süden an und wechselt oft die Gestalt. Zunächst breit und niedrig, dann schmal und hoch. Wunderschöne Sinterbänke, Tropfsteine und Lehmablagerungen. Kriechen und Klettern an guten Griffen führen in den Dreitordom. Von da an wendet sich eine Klufthöhle nach Westen. Man wandert auf 3-9 m breitem Boden zu Abstürzen, die zweimal unter sich selbst durchziehen ( Spirale ). Es folgt ein angenehmer Gang, 4 m breit, 2 m hoch und mit Borkenlehm bedeckt. Nun jäh abwärts in ein Dreckloch unter einem Überhang ( Polyp im Schrattengang ). Die zwei Äste des Polypgangs:

d ) Der Blankstollen * streicht als saubere Felsröhre steil aufwärts. Scharfkantige Rinne und ein rötlicher, 1% m hoher Stalagmit. Nach einem Querbruch und Trümmerwerk stufenförmige Schlucht mit Grünsandstein an der Decke und Schrattenkalk am Boden. Als Abschluss ein Tosbecken mit schwierig erkletterbarem Schlot. Der Kriechdom wurde von Dr. Bögli erforscht.

1 B. Baur ( JO Pilatus ), W. Burkhalter, H. Gygax ( beide JO Rossberg ) und Verfasser 1951.

2 H. Schmid, Zug/Verfasser 1951.

3 Baur/Burkhalter; Dr. Bögli/Prof. P. Vogel ( S. Pilatus)/J. Scherer ( Hitzkirch ) 1952. 1 Baur/Burkhalter 1952.

e ) Der Altarstollen x ist zu Beginn 5-8 m breit. Nach 50 m hoher Schlot ( Damoklesschwert ), der zweifellos in den Hallengang weist. Der Gang wird dann sintrig und lehmig. Eine Sinterkonsole sieht einem Altar ähnlich. Zuoberst nasser Schlick und hübsche Tropfsteine. Lichte Höhe zuletzt 0,4 m.

f ) Der Kluftstollen 2 erhebt sich im Zickzack über den Titanengang und schliesst nach 30 m mit Versinterungen ab.

g ) Die Kletterschlucht3 stellt eine Folge von flachen Schichtgängen und hohen Kluftspalten dar. Eine Wand erfordert drei Haken und Seilwurf um einen Stalagmiten. Hernach Abstieg in einen Hohlraum mit Sinterstreifen ( Schwartengruft ), wo sich zwei Schächte in die Tiefe öffnen. Nach 20 m herrliches Klettergelände. Auf der Höhe ein Haken zum Abseilen in die Schlucht. Stotzige Platten münden in den Schlitzgang hinauf.

h ) Die Galerie du Ruisseau Rouge* wird fast gänzlich auf den Knien bewältigt, ist aber lehrreich. Gelber Tuffrosenboden, wasserüberronnen, endet an einem Tropfsteinvorhang, der alles abriegelt. Die Welschen öffneten sorgfältig diese Passage de Sésame und krochen bäuchlings durch einen Weiher. Jetzt zeigt sich Wunder an Wunder. Im Untergeschoss ein langer, mit Tuff-roseninseln geschmückter Teich ( Lac des Naïades ). Darüber eine Wendeltreppe zum Château des Fées, wo wir wie Kinder eine Märchenwelt bestaunten: Das Seelein fast voller Kalzitrosen, das senkrechte Ufer mit Tuffrosen ausgekleidet, an der Decke Tropfsteinwimpel, auf dem Grund Stalagmiten, die dünne krumme Stäbe aussenden. Wir genossen ein bezauberndes Bild, das nicht von dieser Erde schien. Ehre dem, der nicht um des Raubes willen diesen Ort aufsuchtDer anschliessende Lehm- und Geröllstollen steigt zu einer Hohlkugel, zum Hairachen, an. Der Luftzug lenkte uns durch den Tropfsteinbart in den Verbindungsgang. Leider verfolgten wir damals die untere Fortsetzung nicht mehr. Wer hätte gedacht, dass es sich um den Trait d' Union handelt! Einige Tage später gelang es der S SS, vom Himmelsgang her hier einzutreffen und dadurch das Rätsel Himmelsgang-Titanengang zu lösen.

i ) Der Schlundstollen 5, als obere Hälfte des Verbindungsgangs, wirkt düster, entfaltet aber im Kristalldom mit Kalzitrosetten eine funkelnde Pracht. Zuhinterst ein fast bodenloser Schacht. Steine fielen in freiem Fall wohl 70 m tief.

k ) Der Lackgang 5, zwischen Verbindungsgang und Isisstollen, enthält lackartige, glänzendrote Krusten.

l ) Der Isisstollen 5 weist eine Kammer mit Gipskristallen im Lehm auf. In der Südostecke des schutterfüllten Raumes folgt die Lackhalle, an deren Eingang ein dicker Stalagmit als Wächter amtet. Auch hier Kristalle. Der grossgewordene Gang stösst dann auf die Lochhalle. Gleich einer Hydra strahlen hier die Arme aus, zum Teil in die Tiefe. Klemmblöcke, brüchiges 1 Dr. Bögli/Prof. Vogel/Scherer 1952.

2 Burkhalter/Gygax/Verfasser 1952.

3 Baur/Burkhalter/Gygax 1951.

4 SSS Februar 1951. Vermessung und Verbindung mit Lackgang durch Burkhalter/ Gygax/Verfasser 1951.

6 Dr. Bgli/Baur 1951.

Dolomitenhalle Eingang ( 740)-.V; Saxer-G.

Sinter-G.

Erklärung:

Unleres Stockwerk 1Teufelswand 2Hades 3Otterkamin Schinderstollen 1Orkusmund 2Absturzhalie Styxgang 1Styxsee 2 « Sehne 3Rutschbahn Ratssaal Hölloch-Höhle im Muotatal Grundriss Plan SAC-SSS 1952 erstellt von Prof. Dr. A. Bögli, Hitzkirch Skorpion 100 m Polypgang 1 - Spirale Blankstollen Altarstollen t = Altar Kletterschlucht 1 = Schwartengruft Galerie du Ruisseau Rouge 1Passage de Sésame 2Lac des Naïades 3 = Château des Fées 4 = Hairachen Schlundstollen Trait d' Union 1 = Pas de TEchelle Schlundstotlen 1 = Krislalldom Hallengang 1Kreuzdorn 2Haldensaal 3Labyrinthsaal 4Sinterdom 5 = Damoklesschwert Marterstollen ì =Ge!slersea Anubisgang 1Lochstollen 2Hakengang Rabengang 1Picknicksee 2Gerümpelkai Seilgang 1 ™ Abseilwand Gestein, Hohlräume. Nach gefährlichem Abwärtsklettern errichtete Baur im Einsamkeitsdom ein Steinmannli.

m ) Der Hallengang 1 beginnt westlich der Gipskammer Wir bestaunten eine ovale Badewanne aus Sinter, die im Kreuzdom auf Brusthöhe an der Wand klebt. Der kopfhohe Gang überbrückt die Galerie du Ruisseau Rouge und den Trait d' Union. Hinter der Labyrinthhalle ein herrlicher Kalzitrosen-teich. Östlich des Sinterdoms bricht eine Kluftspalte ( Damoklesschwert ) senkrecht zum Altarstollen ab. Zwei Hauptäste des Hallengangs:

n ) Der Marterstollen 2 zweigt östlich des Labyrinthsaals nach Süden ab, endet nach 69 m Steigung beim Geistersee und ist offenbar mit dem Halden-saal durch einen verstürzten Zweig verbunden.

o ) Der Schlitzgang 2 reicht vom Hallengang zu einem tiefen. Schlitz, der das weitere Vordringen verhinderte.

2. Der Nordteil des Titanenabschnittes.

a ) Der Schwarzstollen 3 senkt sich hinter einem Kieswall des Osirisgangs ziemlich niedrig nach Osten. Auffallend sind schwärzliche Eisenoxydschollen, die wie Moospolster umherliegen. Ein Bach murmelt hinab, zum Teil unter den Bodenplatten. Eine Kletterstelle vor dem Ende, dem Grünsee.

b ) Der Anubisgang 4 strebt breitausladend, mit Blockfelsen übersät, vom Osirisgang zur Oase. Dort blitzsauberer Boden, dann Eisenoxydstücke, Staugeröll und ein 5 m tiefer Abbruch mit Schlot von oben. Wir seilen in die Sargkammer ab: verlehmte Felsen, finstere Gewölbe. Wasser klatscht laut von einer Deckenkluft und rinnt auf bleichem Tuffrosengrund den Gang hinab. Eine schräge Schichtspalte mit mächtigen Deckenstürzen wird liegend zurückgelegt. Jetzt steht man in einem der wuchtigsten Gänge, der sich Stotzig und rund 10 m breit zur Höhe 665 senkt. Welch ein See! Eine 20 m lange Wasserstrasse, dahinter ein ausgedehntes Becken, wohinein Wasser rauscht. Hier befindet sich eine Schlüsselstelle zu Vorstossen. Nun die vier Hauptzweige des Anubisgangs:

c ) Der Lochstollen 5 wirkt trostlos bis zum Wasserschlund.

d ) Der Hakengang 3 ist gross und steinig, hernach niedrig und voll feuchten, aufgewühlten Lehms ( Staugebiet ). Ein Ast mündet in die Oase.

e ) Das Niltal3 erstreckt sich vom Osirisgang zur Oase. Niedrig. Die untere Hälfte hat beidseits hohe, feuchte Lehmböschungen. Dazwischen sauberes Bächlein in glattem Bett, das als Pfad dient.

e ) Das Sargtal5 steigt lehmüberzogen von der Sargkammer nach SO. Überall Wurmhäufchen und Würmer. Erst weit oben muss man sich etwas bücken. In einer schutterfüllten Halle ein Zettel: Hegnauer-Schmid, die im Dezember 1951 diesen Ort von der Sphinx aus erreicht hatten. Für uns war 's ein seltener froher Augenblick!

1 Dr. Bögli/Verfasser 1951.

2 Dr. Bögli/Prof. Vogel/Scherer 1952.

3 Dr. Bögli/Verfasser 1951.

4 Dr. Bögli ( bis Sargkammer)/Gygax/Verfasser 1951/52. 6 Gygax/Verfasser 1952.

f ) Der Rabengang x läuft 4-6 m breit und 2 m hoch rund 900 m nach Nordosten. Hinter dem Picknicksee reichliches Blockwerk, daher der Name Gerümpelkammer. Beim Sternsaal strahlen 6 Gänge aus, wovon einer unbegehbar ist. Alles ist lehmverschmiert. Der Hauptgang, bis 7 m breit und 4 m hoch, schrumpft vor dem Ratssaal zu einem Schlauch zusammen, zeigt sich dafür sauber und hell. Der Ratssaal, 12 m breit, 20 m lang und 3-5 m hoch, sendet eine kleine Fortsetzung zu einem Schlot aus. Durch den geräumigen Rabengang gelangt man zu einem Absturz ( rechts sichtet man eine Terrasse und 3 Röhren mit Staulehm ), klettert über die griffige Kreuzbergwand abwärts und erreicht mit Seilhilfe über schlipfrige Platten das Ende des Ganges auf 677 m Höhe. Ein kleiner, steiler Stollen zieht dort aufwärts.

g ) Der Blockstollen 2 ist das südliche Ende des Rabengangs mit vielen Deckenstürzen.

h ) Der Kiestunnel 8 setzt beim 2. Obelisken an. 40 m weit Stauwall aus Kies, dann verengert sich der Gang. Blöcke verstopfen ihn fast. Drei Abstürze führen im Skorpion zu Tümpeln und Pflastergebieten. Er scheint in einem Schlot zu enden, der ein Eisenoxydband aufweist. Die Lage des Schotters bestätigt auch hier die Vermutung, dass das Wasser stollenauf-wärts geflossen ist.

i ) Der Folterstollen * beginnt 4 m breit, zwingt aber sofort zum Kriechen. Alles wegen des Bächleins feucht oder nass. Die westliche Abzweigung hat Tropfsteine und trifft auf den Kiestunnel. Der Folterstollen wurde leider aufgegeben, mündet aber in den Skorpion.

k ) Das Tuffrosental5 windet sich vom 3. Obelisken zur Engelsburg und enthält eine tiefe Bachrinne mit gelbem Tuffrosengrund. Schade, dass der Stollen sehr niedrig ist, man benützt das Bachbett zum Gehen. Die einzige Abzweigung, die Tuffrosenschlucht, vereinigt sich nordwestlich mit dem Titanengang.

l ) Der Seilgang*. Der Titanengang bildet hinter der Engelsburg6 eine 100 m lange und sehr hohe Kluftspalte zu einem lotrechten Wandsturz, den die SSS als erste im Februar 1951 erreicht hat. Mit Mühe liess sich ein Haken eintreiben, wonach wir in den Abgrund abseilten. Es folgte die Böse Wand mit Steilrinnen und Klemmblöcken. Vorsichtiges Hinunterklettern brachte uns auf uralten Lehmboden, der mit einem langen See abschloss. Bengallicht vermochte nicht den Hintergrund auszuleuchten. Die Rauchschwaden lagerten dicht und schwer um uns, so dass wir den Aufstieg fast ertasten mussten. Ein schlimmes Zeichen für den Seilgang! Wenn es nicht gelingt, jenseits des Sees zu landen, schwindet die Hoffnung, hier die Verwerfungszone gänzlich zu überwinden.

1 Dr. Bögli/Prof. Vogel/Scherer 1952.

2 Dieselben.

3 Baur/Burkhalter/Gygax 1951.

4 Burkhalter/Gygax/Verfasser 1952. 6 Dr. Bögli/Verfasser/Baur 1951.

:'Vermessung: Hegnauer/Schmid 1951.

Die Alpen - 1952 - Les Alpes16 3. Schlussbetrachtungen. Die Vermutung, der Isisstollen leite zum Himmelsgang, hat sich bewahrheitet. Dagegen wird der Titanengang nicht mehr vom Höllbach durchflössen; Papierzeichen und Spuren des letzten Jahres beweisen es. Um jedoch zur Silbern vorzurücken, darf man den Weg des Höllbachs nicht verlieren. Nun senken sich alle Zweige des Titanengangs nach Norden und enden, wie der Riesengang, meist steil in Seen auf Punkt 665. Es handelt sich noch nicht um Grundwasser, da der Abfluss des Anubisgangs deutlich in die Tiefe strömt. Die abtauchende Trägerschicht aber grenzt das Titanengebiet fast geradlinig ab und drängt bei Hochwasser die Fluten südwärts. Diese Stauwirkung lässt sich in sämtlichen Nordzweigen des Titanengangs verfolgen. Der Hauptstrom, der Grosse Höllbach, durchzieht Anubis-, Osiris- und Riesengang, hernach Seen- und Hauptgang.

Die Forschungen hinter der Nordkammer ermöglichen es vielleicht, in den Raum Schloss-, Riesen- und Osirisgang einzudringen. Es gelang nämlich, über ein ausgesetztes Gesims der Nordkammer den Schindergang 1 zu durchkriechen; eine schräge, mehr als 30 m breite und 0,6 m hohe Schichtspalte führt zum Orkusmund, zu einem schlimmen, grifflosen und schlipfrigen Schluf von nur 0,3 m Höhe. Luftströmung. Im Orkus Gabelungen, Schächte, ein auffallender Schlammtrichter und die Absturzhalle, wo schlickige Platten einen glücklich verlaufenen Unfall verursachten. Die löstündige Erkundungsfahrt stellt eine kühne Leistung der beiden jungen Zuger dar, die in die geheimnisvolle Verwerfungszone Nordkammer—Rabengang eingedrungen sind.

Auch im Osten verriegelt eine Verwerfungszone unter der Alp Gschwend einstweilen jeden Vorstoss. Es kostet noch manches Abenteuer zum Entdecken von Schlüsselstellen für die drei weitern Räume: Bödmernwald, Bödmernalp und Silbern. Bis heute sind 25 000 m Gänge auf der Karte SAC-SSS eingetragen, ein Bruchteil nur der vorhandenen, aber noch unbekannten Stollen. Da Gewitter über der Silbern den Höllbach erzeugen, bestehen gewiss durchgehende Verbindungen. Luft und Wasser ziehen hindurch. Ob es auch dem Menschen gelingen wird?

In diesem Zusammenhang erforschte die Gruppe Zug 2 mehrere Schächte, so den Schlüssellochschacht und den von Dr. Bögli entdeckten Pragelschacht, der 70 m in die Tiefe führte. Wir erwähnen noch, dass Fledermäuse in einer Grotte neben dem Eingang gesichtet wurden 3; diese ist 100 m lang und steht ziemlich sicher im Zusammenhang mit dem Untern Stockwerk.

Es ist wohl gut, dass wir alle von einer Art Höhlenfieber erfasst wurden, von einer Leidenschaft, die uns stets wieder hineintreibt in die unwirtlichen Gebiete unter den Bergen. Sie gibt mir die Kraft, in diesen schwarzen Räumen auszuharren und die bisherigen 450 Stunden Aufenthalt nicht zu bereuen. Ein herzliches Dankeswort gebührt meinen Höhlengefährten, ohne deren Hilfe weder Plan noch Aufnahmen noch Berichte möglich wären. Und noch jemand sei ehrend genannt: Martin Lindauer, Schwyz, ein gewiegter Hölloch- 1 Hegnauer/Burkhalter Oktober 1951.

2 Leitung: O. Hegnauer sen. ( S. Rossberg ) und Hegnauer jun.

3 Hegnauer/O. Schneider ( S. Uto ).

ganger, der vor vielen Jahren die Leitern an der Bösen Wand und in der Alligatorenschlucht sowie die Seile über den Drahtsee im Seengang, auch zu unserm Vorteil, angebracht hat.

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