Neue S. A. C.-Hütten ? - Hochalpine Unterstände!

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1. Das Grundsäijliche.Von Qjkar Hug Vor gut Jahresfrist hat John F. Michel, Präsident der Hüttenbaukommission der Sektion Genf, in « Die Alpen » x ) eine knappe Übersicht über einige Projekte für den eventuellen Neubau der Chanrionhütte gegeben. Aus den dem Bericht beigefügten Skizzen ist ohne weiteres ersichtlich, dass es sich um « silhouettes nouvelles », um « quelques tendances modernes » handelt. Bei diesen interessanten, neuzeitlichen und vielfach durchaus sympathischen Projekten handelt es sich aber um einen — relativ gesprochen — Grosshüttenbau, wie das für das grosse Chanriongebiet nicht bloss verständlich, sondern geradezu notwendig ist.

Dieses Beispiel sowie die zahlreichen Hüttenbaubesprechungen anlässlich der Delegiertenversammlungen der letzten Jahre zeigen deutlich, welche Richtung der S.A.C. für die Zukunft einzuschlagen gedenkt, bereits eingeschlagen hat. Sie lautet: Keine Neubauten mehr — nur mehr Ausbau, Umbau, Vergrösserungen bereits bestehender Hütten. Diese Tendenz ist ohne Zweifel richtig und berechtigt; sie entspricht dem Wunsch der Mehrzahl unserer C. Bergsteiger. Auch ich bin durchaus dafür, dass unsere « Basis-Camps » geräumig, bequem und recht angenehm sein sollen. Ich würde fast noch etwas weiter gehen, was zweifellos damit zusammenhängt, dass ich auf meinen Frühlingsskiwanderungen in den Tauern, im Zillertal, im Ortlergebiet bereits ordentlich « östlich » verwöhnt bin. Doch gibt 's hier ja ein gutes Gegenmittel: Geh im Sommer in die Westalpen, ins Dauphiné usw., und der Ausgleich ist zur Genüge hergestellt. Gerade dieser Vergleich unserer Verhältnisse mit jenen im Osten und Westen zeigt uns, dass wir die Mitte einhalten, wohl weil es so für uns am zweckmässigsten ist. Bei diesem Wort « zweckmässig » möchte ich nun einsetzen, das Gespräch ein bisschen weiter führen.

Die Zweckmässigkeit soll der oberste Grundsatz für unsere zukünftigen Hüttenbautendenzen sein. In dieser Richtung hat meiner Ansicht nach der S.A.C. noch nicht seine volle Aufgabe erfüllt. Ich hoffe nun, dass die folgenden Vorschläge an den entsprechenden Orten etwelches Gehör finden mögen.

Wohl kein richtig bergsteigender C. Mann wird mich der Pietät-losigkeit und Bergfeindlichkeit anklagen, wenn ich ihm offen erkläre, dass ein sonntäglicher Gang zu mancher Hütte für viele heute ein Ding der Unmöglichkeit geworden ist. Wenn ich eine Hütte aufsuche, so ist sie mir Mittel zum Zweck, also Ausgangspunkt für eine Bergfahrt, Nächtigungsort vor oder nach derselben. Das ist auch der ursprüngliche Sinn einer Hütte. Nun gibt es nicht nur Bergsteiger, sondern auch Bergwanderer. Diesen ist die Hütte meistens Ziel. Das ist ihr volles Recht, gibt es ihnen doch das Vergnügen und die Entspannung, die sie suchen und wünschen. Die Lebensweise der Bergsteiger und Bergwanderer in den Hütten ist aber sehr oft eine recht verschiedene, was auch begreiflich ist, da der Erstere infolge des noch nicht erreichten Zieles mit seinen Kräften und Äusserungen stark zurückhält, während der Letztere, manchmal aus lauter Freude ob des bereits erreichten Zieles, manchmal aus anderen Motiven oder Triebregungen, mehr aus sich heraus-zugehen pflegt, als oft wünschbar ist. Diese Tatsache führt zu vielen Ungereimtheiten, welchen aus dem Wege zu gehen für viele Bergsteiger an manchen Orten zur Notwendigkeit geworden ist aus dem einfachen Grund, weil sie in diesen Hütten dann in der Minderzahl sind, also nicht mehr rich-tungangebend sein können. Beispiele anzuführen, dürfte wohl kaum notwendig sein. In Standorten wie Hohtürlihütte, Albert-Heimhütte, Bovalhütte, Silvrettahütte, Ramberthütte usw. sind diese Zustände fast zur Regel geworden.

Man versucht nun, diesen Unbequemlichkeiten dadurch zu begegnen, dass man diese Hütten periodisch umbaut, respektive vergrössert. Damit wird aber keine qualitative Veränderung hervorgerufen, sondern für kürzere Zeitspannen nur eine quantitative. Ich lehne mich nun absolut nicht gegen diese Tatsache auf und glaube auch nicht, dass es zweckdienlich sei, sie zu beseitigen. Wir benötigen solche Abzugskanäle und sollen sie im Interesse der Bergsteiger bestmöglich offenhalten. Damit wird der S.A.C. allen jenen Menschen gerecht, die ihre Freude am Gebirge in etwas anderer Form äussern, als wir es für uns gewohnt sind, und die sich mit geringerem Leistungs-grad begnügen. Gleichzeitig nimmt damit der S.A.C. aber die moralische Verpflichtung auf sich, den Wünschen der Bergsteiger der strafferen Form ebenfalls ein aufmerksames Ohr zu leihen. Von diesen Wünschen wollen wir hier daher kurz sprechen.

Der S.A.C. ist ein grosser lebender Körper, und als solcher wird er wohl auch dreidimensional formiert sein. Er hat eine Breite: das ist seine quantitative Entwicklung; er hat eine Tiefe: das ist sein Geist, die Art seiner Mentalität, seine Auffassung; er hat eine Höhe: das ist seine Qualitätsförderung. Diese letztere interessiert uns in unserem konkreten Beispiel. Unter Qualitätsförderung verstehe ich hier die Erziehung und Ausbildung der S.A.C. Mitglieder zu richtigen und leistungsfähigen Bergsteigern. Nun ist es ja zur Genüge bekannt, dass die grosse Mehrzahl der Bergsteiger, denen eine überdurchschnittliche Leistung Sinn und Ziel ihres Handelns ist, ihre Ausbildung weniger in Kursen erhält, als sie vorwiegend auf autodidaktischem Wege sich aneignet. Diese sind also zu wesentlich geringerem Teil Nutzniesser der mannigfaltigen Einrichtungen des S.A.C. als die viel zahlreichere Unter-Mittel-kategorie. Das einzig wertbeständige Positivum, von dem sie Nutzen ziehen, sind die Hütten. Nun wird aber, wie oben angetönt, eine immer grösser werdende Anzahl von Hütten — und gerade die bestgelegenen — von der Wan-derergruppe beschlagnahmt. Diese Orte sind für sie also zum Teil ausgeschaltet. Es findet demnach ganz automatisch eine Art Verdrängungsprozess der Qualitätsgruppe statt. Dass ein solcher Vorgang unerwünscht ist, wird wohl niemand bestreiten, denn der Fortschritt und der Unterhalt des Bestehenden liegt nicht im Streben zur Abflachung, sondern im Fördern gesunder Spitzen-bildungen.

Es kommt aber noch ein weiterer Faktor hinzu: die sehr merkbare Aufwärtsverschiebung dessen, was wir Leistung nennen. Einige Beispiele mögen das beleuchten. Die Ersteigung des Bernina über den Biancograt, des Schreckhorns via Schrecksattel, des Zermatter Weisshorns über den Ostgrat galten vor 30 Jahren als ganz erstklassige Bergfahrten. Heute werden sie bereits in Gruppenformation als Sektionsturen bewältigt. Eine Meije-Überschreitung, eine Monte Rosa-Ostwandbesteigung, eine Dent Blanche-Er-klimmung über den Vieresel- oder Ferpèclegrat wurden vor drei Jahrzehnten als ausserordentliche und seltene Leistungen bewertet. Heute ist das anders. Vor drei Jahren überschritten wir gleichzeitig mit 17 andern Herren und zwei Damen die Meije; anfangs dieses Jahres waren wir vier Partien, welche gleichzeitig zur Dufourspitze von Osten anstiegen. Wohlverstanden, ich rede hier nur von eigentlichen klassischen Bergen und Bergfahrten und nicht von Kletterei-spezialitäten, deren es heute ja eine Unmenge gibt. Die Situation ist also heute so, dass mehr und mehr Gräte und Bergflanken, die früher unberührt, unbekannt oder, weil abseitig gelegen, unbesucht waren, ins Tätigkeitsgebiet der Bergsteiger fallen. Nicht ihre Schwierigkeit — die oft gar nicht vorhanden ist — reizt, sondern ihre Abseitslage und die Sicherheit, dass man dort das findet, was die frühere Generation auf den Normalwegen antraf: Ruhe, Beschaulichkeit, Einsamkeit, ungestörtes Bergerlebnis.

Ist es nun unbescheiden, wenn wir Bergsteiger der strengeren Form heute dem S.A.C. unseren Wunsch unterbreiten, die Turen der obgenannten Art uns zugänglicher zu machen, aber zugänglich in einer Form, wie wir es wünschen, d.h. mit ganz bestimmten Beschränkungen, die verhindern sollen, dass diese Gebiete das regelmässige Ziel und Objekt der Hüttenbummler werden? Für diese Letzteren ist heute ausreichend gesorgt, nicht aber für den beschaulichen und ruhigen Bergsteiger.

Worin bestehen nun die Beschränkungen, die ohne weiteres masseabhaltend wirken?

1. In erster Linie soll weder Weg noch Markierung die Lage der Hütte angeben. Der Standort soll an einem für Bergsteiger markanten Ort ( z.B. T. A. Punkt 2978 am Westgrat des Berges X ) bekanntgegeben werden. Das genügt! Die Hütte muss also selbst gefunden werden. Nicht ein gut ausgetretener Weg mit roten Punkten und Strichen soll zu ihr führen.

2. Die Lagerplätze der Hütte sollen durchaus begrenzt sein: 10, 12 bis allerhöchstens 15.

3. Die Einrichtung soll auf das strikte Minimum reduziert werden. Das Notwendige soll vorhanden sein; jeglicher Komfort soll vermieden werden.

4. Die Hütte soll keinen Holzbestand enthalten, das Brennmaterial soll von jeder Partie selbst mitgebracht werden.

5. Die Hütte soll auch in ihrer äusseren Aufmachung und Form anzeigen, dass wir es nicht mit eigentlichen Clubhütten zu tun haben, nicht mit « basis camps », sondern mit camps IL, I I I. Ordnung, mit Unterständen, mit einer Art verbesserter und dauerhafter bivacchi fissi, wie sie neuerdings die Italiener im Mont Blanc usw. erstellen.

6. Der Preis pro Hütte soll nicht über Fr. 5-8000 gehen, in ganz seltenen Fällen mit ausgedehnten Transportkosten bis Fr. 10,000. Der Typus soll einheitlich sein: ein Steinbau in von der heutigen Hüttenform abweichendem Stil und innen mit Holz ausgeschlagen. Das Material für den Steinbau ( mit Ausnahme des Zementes usw. ) soll am Standort der Hütte gewonnen werden; der zum voraus bekannte hölzerne Innenbau samt Ausrüstung soll fix und fertig ab Lager bezogen werden können. Damit weiss man zum voraus, wieviel der Unterstand kostet; berechnen muss man jeweilen nur den Transport, der natürlich im Preis je nach der Höhe des Standortes und der Wegstrecke variabel sein wird.

7. Die Unterstände sollen auch, soweit die Lage sich hiezu eignet, dem skifahrenden Hochturisten zweckdienlich gemacht sein.

8. Grundsatz im Bau soll sein: reine Zweckmässigkeit. Der Unterstand soll dem Besuchertypus und der Leistungstendenz angepasst sein. Es stellt sich nun sofort die Frage, wo solche Unterstände eventuell erwünscht wären. Ich habe mir die Mühe genommen, fürs Berner Oberland, das mir am besten bekannt ist, diejenigen Standorte festzustellen, die hiefür in Frage kommen Es sind dies folgende Punkte:

1. Am unteren Ende des Südostgrates des Steinlauenenhorns, etwa bei P. 2498 ( westliches Handeggebiet ). Turen: Klein und Gross Diamantstock, Hühnertälihorn, Steinlauenenhorn, Ritzlihorn ( Ärlengrätli ). Auch ski-turistisch interessant.

2. Am Lauteraarsattel 3156 m. Prächtiger Ausgangspunkt für Nässi-hörner, Andersongrat, Schreckhorn Ostflanke, Berglistock-Ankebälli. Ski-stützpunkt.

3. Am Abschwung bei P. 2677 oder weiter oben am Südwestende der Lauteraar Rothörner.

4. Beim Seeli « In den Disteln » am Südfuss des Distelgrates ( Klein Wannehorn ) ca. 2000 m.

5. Am Schmadrirück ca. 2400 m für die Nordaufstiege von Lauterbrunner Breithorn, Grosshorn, Mittaghorn.

6. Im « Rämi », möglichst hoch oben am Südfuss des Bietschhorns.

Ein Grosshüttenbau kommt heute auf mindestens Fr. 50-60,000 zu stehen. Die Erstellung einer solchen Hütte — wofür übrigens gar kein Bedürfnis mehr vorhanden ist — belastet die Zentralkasse und die einzelne Sektion ausserordentlich. Mit dem gleichen Geld kann man alle obgenannten « Unterstände » finanzieren. Das kann auf mehrere Jahre verteilt werden und belastet so weder die Zentral- noch die betreffenden Sektionskassen in sehr fühlbarem Masse. Der Vorteil auch in finanzieller Richtung liegt also auf der Hand. Ich möchte aber dringend abraten, dass man bei solchen eventuellen Bauten nicht plötzlich « grosszügig » werde. Damit ginge der Grundgedanke: die strikteste Einfachheit, und der eigentliche Zweck: Standort nur für Bergsteiger, sofort verloren.

Um nun dem hier geäusserten Gedanken der Errichtung von C. Unterständen auch eine positive Unterlage zu geben, habe ich meinen Berg-und Skikameraden, Architekt F. Brun in Zürich, Mitglied der Sektion Engelberg des S.A.C., gebeten, einige fachtechnische Skizzen und Erläuterungen zu schaffen, welche dem geäusserten Gedanken eine praktisch-sichtbare Gestalt geben sollen.

2. Bauliches., JÄ,

Von Fred G. Brun.

Der Gedanke des hochalpinen Unterstandes ist in obiger Ausführung von Oskar Hug so klar entwickelt, dass darin das Bauprogramm bereits enthalten ist.

Um dessen Anforderungen hinsichtlich Anpassung, Grosse, Einrichtung und Preis zu genügen, habe ich versucht, von den primitivsten Formen des Steinhüttenbaues auszugehen.

Ich habe aus verschiedenen Erwägungen das Spitzbogengewölbe gewählt und erinnerte mich dabei an die Wellblechunterstände während des Krieges. Dieses Gewölbe kann auch von einem einfachen Maurer ohne Ge-rüstung leicht aufgeführt werden. Die Aussenschicht wird je nach dem vorhandenen Gestein verschieden ausgeführt werden, sei es mit übereinanderliegenden Platten oder mit zugehauenen und ausgefugten Steinen oder auch als Betonschicht. Die Innenschicht ist in einem gewissen Abstande durch eine geeignete Isolierplatte verkleidet.

Die Bauart soll die für solche Unterstände sehr hohen Transportkosten auf ein Minimum reduzieren. Der Unterstand besteht aus einem Raum, der durch Anordnung der Lager in Schlafraum, Essraum und Kochnische aufgeteilt wird.

Die Kochnische wird vom kleinen Lager, welches unten zwei und oben einen Schlafplatz besitzt, durch ein Geschirrgestell getrennt, während gegen den Tischplatz die Waschhänge eine variable Separation bildet.

Der grosse Lagerplatz besteht unten aus fünf und oben aus vier Schlafstellen. Bei diesem Fassungsvermögen von ca. 12 Personen erhalte ich bloss einen umbauten Raum von 360 m3, was als ein Minimum betrachtet werden muss.

Die Erstellungskosten für einen solchen Unterstand bei einer Transport-distanz von ca. 4—5 Stunden betragen ca. Fr. 8000—10,000.

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