Noch einmal die Badile-Nordkante.

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Noch einmal die Badile-Nordkante.

Das erste Heft der « Alpen » 1925 enthielt einen Bericht von Alfred Zürcher über seine Erstbesteigung des Badile über die Nordkante mit Walter Risch als Führer. Am 18. Juli dieses Jahres führten die Unterzeichneten diese Kletterfahrt auch aus. Da wir eine andere Route als Risch befolgten, sei uns erlaubt, noch einmal auf die Badile-Nordkante zurückzukommen.

Wir verliessen die Sciorahütte um 3.30 Uhr. Den Einstieg vermittelte ein sehr brüchiges Felscouloir, welches unterhalb des ersten plattigen Grat- Cengalo und Badile.

Unser Einstieg ist nicht sichtbar.

1. Einstieg Risch und Zürcher.

2. Platte mit Überhang.

3. Erstes Ausweichen nach Westen.

4. Zweites Ausweichen nach Westen.

5. Scharte und Band in die Nordostwand ( deutlich sichtbar wegen des Schnees ).

aufschwunges auf die Kante führt. Der leicht kenntliche Schneefleck, über welchen Risch und Zürcher die Kante gewannen, schien uns nicht ganz sicher. In der Tat, als wir am folgenden Tag über den Bondopass zurückkehrten, konnten wir feststellen, dass seine ganze obere Hälfte eingestürzt war. Nach einem kurzen Aufstieg erreichten wir die Stelle, wo die Erstersteiger den Grat betraten. Das Seil der italienischen Filmgesellschaft befindet sich noch dort. Hier zog ich die Kletterschuhe an, während Freund Roch die ganze Fahrt über in den Nagelschuhen blieb. Die Schuhe und die beiden Pickel wurden in unserm einzigen Sack verstaut und über den ganzen Berg geschleppt. Bis auf eine Höhe von etwa 3000 m ist nun unser Anstieg leicht zu finden. Es heisst einfach: auf dem Grat bleiben und 29 sich unter keinen Umständen in die Nordwest- oder Nordostwand drängen lassen.

Zunächst kommt man mit leichter Kletterei rasch vorwärts. Bald aber wird der Fels plattig, und die Griffe werden klein. Man erreicht schliesslich eine markante Stelle, nämlich eine 30 m lange Platte, begrenzt von einem kleinen Überhang. Sie wird hart an der Kante gegen den Nordostabsturz hin in Angriff genommen. Griffe sind fast keine vorhanden, aber die Rauhigkeit des Gesteins bietet den Kletterschuhen genügend Halt. Der Überhang ist nur klein, aber sein oberer Rand grifflos. Der Vorangehende muss von hier aus noch weitere 30 m zurücklegen, bis er eine Stelle zum Sichern erreicht. Er bewegt sich dabei auf der Nordostseite der Kante, ohne sich mehr als zwei bis drei Meter von ihr zu entfernen. Die spärlichen Griffe findet man in der Fallrichtung des Grates. Die oben erwähnte Sicherungsstelle ist ein geräumiger Gratabsatz. Von hier aus schwingt sich der Grat etwas steiler auf. Die ersten 40 m sind brüchig. Dann wird der Fels wieder besser und der Grat noch steiler. Man beobachtet hier wieder eine Art Karrenbildung. Rinnen ziehen sich in der Fallirne den Grat hinunter und bieten einen etwas zweifelhaften Halt. Man erreicht in exponierter Kletterei einen Riss zwischen dem Grat und einem davon abgesprengten Block ( gute Sicherung ). Wir stemmen uns wieder auf den Grat und stehen nun vor steil aufragenden Gratzacken ( ca. 3000 m ). Sie werden westlich umgangen ( man bewegt sich aber immer steil aufwärts ). Der Grat nimmt einen ganz anderen Charakter an. Er bietet hier anstrengende Rissklettereien und Überhänge, dafür ist man aber nicht mehr so exponiert. Nach einigen Seillängen gewinnt man wieder den Grat, muss aber von neuem in die Westwand ausweichen. Nach weiteren 100 m erreicht man den Grat in einer Scharte.Von hier führt ein Band etwa 10 m in die Nordostwand zum Fusse eines Kamins, durch welches man leicht wieder auf die Kante klettert. Dieses Kamin ist von der Scharte aus nicht sichtbar.

Der folgende Teil des Nordgrates gleicht wieder seinem Anfang. Er ist plattig und arm an Griffen. Unangenehm sind die Flechten, welche hier den Fels in dicken Schichten bedecken und den Fingerbeeren übel mit-spielen.Gegen den Westgipfel zu wird der Grat schärfer. Wir erreichten denselben um 12.30 Uhr, also 9 Stunden von der Sciorahütte, wovon 7 Stunden Gratkletterei.

Den Abstieg nahmen wir über den gewöhnlichen Weg. Um 16.30 Uhr kamen wir in der Badilehütte an. Am folgenden Tage kehrten wir über den Bondopass in die Sciorahütte und ins Tal zurück.

Der Artikel Alfred Zürchers wirkt eher etwas abschreckend; der grosse Aufwand von Zeit, Mauerhaken und Seelenkräften ist nicht gerade einladend. Wir möchten aber die Nordkante als den schönsten Aufstieg auf den Badile für den Kletterer empfehlen. Verschiedene Gründe sprechen dafür. Erstens ist dies eine sehr genussreiche und befriedigende Kletterei, weil sie hohe und vielerlei Anforderungen stellt, sowohl an Technik als auch an Ausdauer. Dazu kommen noch die besonderen Reize, welche den Gratfahrten eigen sind, im Gegensatz zu den Couloir- und Wandrouten. Auch ist die Aufstiegszeit von 9 Stunden nicht ungünstig, verglichen mit den Zeiten, welche der Bergellerführer für Cengalocouloir und Ostgrat angibt ( besonders für den Spätsommer !) Steinschlaggefahr ist keine vorhanden. Mauerhaken sind absolut unnötig. Gute Sicherung alle 20—40 m ( an einer Stelle 60 m ). Ein Frischauf unsern Kletterfreunden zu dieser grossartigen Bergfahrt im schönen Bergell!

F. L' Orsa und A. Roch.

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