Österreichische Alpenzeitung

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

Das Organ des Ö. A. C. hat wiederum Fahrtberichte aus der ganzen Länge des Alpengebirges aufzuweisen von den Julischen Alpen bis ins Dauphiné, und es sind zum Teil hervorragende Leistungen, und hauptsächlich führerlose, die hier geschildert werden. Unter diesen ragen durch Kühnheit hervor: „ Eine führerlose Ersteigung der Fünffingerspitze " von Hans Lorenz, „ Hochtouren im Dauphiné " von Robert Hans Schmitt, „ die Nordwand des Ödstein " von dem nämlichen, „ die Aiguille d' Arves méridionale " von Dr. C. Blodig, „ Kellerwand und Monte Coglians " von Georg Geyer. Aber auch die mit Führern unternommenen Besteigungen, wie „ der Jôf del Montasio aus der Seissera erstiegen " von Dr. J. Kugy, „ die Zillerthaler Hochtouren " von L. Grün, „ die Drusenfluh " von Oskar Schuster, die „ Touren in der Ortlergruppe " von A. Swaine, „ Aus den Berchtesgadener Alpen " von Joseph Ruederer, sind flotte Schilderungen flotter Fahrten. Ich übergehe einige andere Erzählungen, welche unsern Lesern etwas weit abliegen, wie „ Altes und Neues vom Schneeberg " von Julius Hossinger und „ Sorapis und Marmarole " von Joh. Premsel und die etwas düstern „ Skandinavischen Reiseerinnerungen " von Emil Terschack, um noch etwas näher auf die Abhandlungen einzugehen. Da treffen wir zunächst auf Dr. G. E. Lammers Aufsatz „ vom alpinen Stil ", der viel Staub aufgewirbelt hat und eine erregte Diskussion auch in der Ö. T. Z. und in den Mitteilungen D. Ö.A.V. verursacht hat. Obschon der Verfasser in etwelcher Erregtheit den Leitern der offiziellen Cluborgane eine große Schuld an der Verflachung der alpinen Litteratur zuschreibt, so hat mich wenigstens dieser Vorwurf ziemlich kalt gelassen. Es ist ja klar, schreibt ein Autor einen wirklich originalen Stil, so wird ihn ein sprachverständiger Redaktor ruhig gewähren lassen, selbst wenn er sachlich so kuriose Sprünge macht wie Herr Lammer; und was den Inhalt betrifft, so mußte ich bei der Diskussion über das Recht subjektiver Neubeleuchtung alter Themata immer an das Rezept zu einem Hasen-pfeffer denken: „ Ayez d' abord un lièvre !", das heißt in unserm Falle, man versuche nicht sein Kaninchen oder gar seine Katze für einen Berghasen auszugeben. Die pikanteste Sauce wird den Kenner über den Wert des Wildbrets nicht täuschen. Und wenn heute noch die Jngend-schriften der Weilenmann und Whymper sich lesen, wie wenn sie von gestern wären, so kommt das nicht nur davon, daß sie etwas Neues zu erzählen hatten, sondern daß sie es als etwas Hechtes empfanden und Freude an der Sache, nicht an ihrer Person, hatten, daß es ihnen um die Rose zu thun war, nicht darum, „ sich selbst an der Rose zum Ausdruck zu bringen ". Auch eine theoretische Frage, aber in viel nüch-ternerer und, wie es mir vorkommt, viel zutreffenderer Weise, behandelt Rev. W. A. B. Coolidge in dem Artikel: „ Was ist eine erste BesteigungMan wird vielleicht über die eine oder andere seiner Anwendungen mit dem Verfasser rechten können, aber seinen Prinzipien wird man im ganzen zustimmen müssen. Des nämlichen Artikel über „ die deutschredenden Gemeinden im Grauen oder Oberen Bunde " habe ich schon oben pag. 347 eingehend besprochen. Natürlich enthält die Ö.A.Z. neben den ausführlichem Schilderungen und Referaten noch eine Masse von Tourenberichten, z.T. erste Ersteigungen, und alpine Nachrichten aller Art, so daß sie den Charakter einer alpinen Zeitung und einer alpinen Zeitschrift geschickt kombiniert. Die Illustrationen: Jôf del Montasio, Pic Central de la Meije, Königsspitze, Zebru und Ortler, sind sehr gelungene Lichtdrucke; außerdem ist aus Simonys Dachsteinwerk ein Kunstblatt, „ die Abstürze der Kammspitze ", als Illustrationsprobe beigelegt. Der O. A. C. ist seit Ende 1892 hauptsächlich durch das Eingehen einer ganzen Sektion von 706 auf 605 Mitglieder reduziert worden. Diese Thatsache bietet aber bei der guten Qualität des Stammclub, der auch einen finanziellen Reservefonds besitzt, keinen Grund zu Besorgnissen.Red.

Feedback