Piz Rondadura und Piz Blas

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Im Jahrbuch S.A.C. XXXI, pag. 367, macht Herr Robert Helbling, Sektion Bachtel, auf die ziemlich vernachlässigte Gegend zwischen Val Tavetsch und Val Piora aufmerksam und empfiehlt namentlich den Piz Ravetsch ( 3010 m ) von Val Maigels aus mit Abstieg zum Lago Ritom und nach Airolo. In der That wird der östliche Teil des Gotthardmassivs selten aufgesucht, trotzdem es daselbst an bequemen und lohnenden Zugängen nicht fehlt. Als zwei weitere, in letzter Zeit wenig zu Ehren gezogene Gipfel möchte ich Piz Rondadura und Piz Blas nennen, von denen hauptsächlich der erstere eine prächtige und abwechslungsreiche Wanderung, sowie eine wunderschöne Aussicht bietet.

Piz Rondadura und Piz Blas.

Der direkteste Zugang zum Piz Rondadura führt von Sta. Maria her auf dem rechtsseitigen Bachufer der Val Rondadura zuerst über Grashänge, dann über Felsköpfe zum Gletscher und schließlich an einer steilen Firnhalde zur felsigen Spitze. Dieser Weg wurde auch vom ersten Besteiger, alt Centralpräsident Albert Hoffmann-Burckhardt aus Basel, eingeschlagen ( vide Jahrbuch VIII, pag. 16 ) und erfordert cirka 3 Va Stunden. Ein zweiter Zugang findet sich auf der Südseite und wird benützt, wenn der Aufstieg durch Val Cadlimo erfolgt, sei es direkt vom „ Hotel Piora " aus durch die Lücke zwischen Taneda und Punta nera, sei es von der Uomo-Paßhöhe her.

Neu dürfte der Anstieg von Norden sein, den ich mit Clubgenosse Franz Senglet und Führer Jori Basilio aus Airolo am 10. Juli 1897 ausführte. Wir verließen Sta. Maria um 3 Uhr 40 Min., stiegen die Grashänge zum Laiblausee hinauf und erreichten, nachdem wir mehrere Felsköpfe überklettert oder umgangen hatten, in 23k Stunden die Ron-dadura-Paßhöhe. Südlich derselben legt sich ein von West nach Ost laufender Bergrücken, der in Punkt 2899 gipfelt, in den Weg und scheint dem weiteren Vordringen Halt zu gebieten. Dank dem vielen noch aufliegenden Winterschnee konnten wir ihn östlich umgehen und betraten alsdann den obern Firn. Es mag sein, daß man im Hochsommer, wenn die Felsen zum Vorschein kommen, bei diesem Bergrücken auf erhebliche Schwierigkeiten stößt. Wir überquerten hernach das spaltenlose Firnbecken in südwestlicher Richtung, gelangten an den Fuß der felsigen Gipfelpyramide, welche infolge der Schichtung des Gesteins eine interessante, wenn auch kurze Kletterpartie darbietet, und erreichten den Gipfel um 8 Uhr 40 Min. Sind die Schneeverhältnisse günstig, so kann der Aufstieg auch an der steilen Firnhalde, welche bis nahe zum Gipfel führt, bewerkstelligt werden.

Die großartige Fern- und Rundsicht dürfte derjenigen des benachbarten Scopi ebenbürtig sein. Prächtig ist der Blick auf die dunkelblauen Seen der südlichen Abdachung, speciell auf Lago Ritom, an dessen Ende das „ Hotel Piora " sichtbar ist. Merkwürdigerweise wird der Piz Rondadura daselbst für den Piz Blas gehalten; aus den wenigen vorhandenen Gipfelkarten geht auch hervor, daß die meisten früheren Besteiger der Meinung waren, sie befänden sich auf Piz Blas. Wie wir uns später überzeugen konnten, ist von letzterem aus weder der See noch das Hotel sichtbar. Herr E. A. Türler, Verfasser des interessanten Führers „ St. Gotthard, Airolo und Val Piora ", der zweimal den Piz Blas bestiegen haben will, verfiel in den gleichen Irrtum. Seine Beschreibung des Piz Blas auf pag. 147 des genannten Büchleins paßt genau für den Piz Rondadura, auf welchem wir auch seine zwei Gipfelkarten vom 9. August 1889 und 10. Oktober 1890 vorfanden, währenddem auf dem wirklichen Piz Blas keine von ihm vorhanden waren.

Bei herrlichem Sonnenschein und einer Temperatur von 19 ° an der Sonne rasteten wir eine volle Stunde im Genuß der bezaubernden Rundsicht. Wir stiegen alsdann in den Felsen südwärts cirka 100 Meter ..LJ,-.;--.

ab und zogen uns an der südöstlichen Abdachung des zerrissenen Gipfelkammes auf wüsten, zum Teil rutschenden Felstrümmern um den Vorgipfel 2917 herum bis zu einem Couloir westlich des letzteren, das uns in hübscher Rutschpartie zur obersten Firnmulde des Nalpsgletschers und sodann zur Höhe des Nalpspasses führte. Der Grat von da weg bis zum Fuße des Piz Blas ist unschwierig zu begehen; er bietet eine wundervolle Höhenwanderung mit fortwährender Aussicht nach Nord und Süd und wird durch einige Felsköpfe unterbrochen, die leicht umgangen werden können. Mühsamer ist die Erklimmung der Gipfelpyramide selbst, des abrutschenden Gesteins wegen, das sorgfältig auf seine Festigkeit geprüft werden muß.

Die Rundsicht vom Piz Blas, dessen Gipfel wir um 12 Uhr 10 Min. erreichten, ist weniger frei und weniger großartig als von seinem östlichen Nachbarn; auch fehlt ihr der liebliche Blick zum Ritomsee; trotzdem wird sie jedermann höchst befriedigen.

Nach 13148tündigem Aufenthalt nahmen wir den Abstieg in den Felsen auf dem gewöhnlichen Wege zu den gewaltigen Trümmerfeldern, die sich an der Südseite des ganzen Massivs herumziehen. Sie waren noch mit gutem Winterschnee bedeckt, was uns das Vorrücken durch mehrere Rutschpartien wesentlich erleichterte. In der Sohle von Val Cadlimo angekommen, zogen wir uns zwischen Lago Lisera ( 2344 m ) und Lago Taneda ( 2359 m ) durch, stiegen die stark geneigten Grashänge südöstlich des Taneda zu einer sehr steilen, noch mit hartem Lawinenschnee ausgefüllten Kehle ab, die auf Blatt 503 ( Faido ) deutlich eingezeichnet ist und direkt zu den Hütten von Cadagno führt. Dieser Weg ist jedenfalls bedeutend näher als die übliche Route via Lago scuro und Tanedapaß ( westlich von Taneda ) und hat den Vorteil, daß er die tote Steigung vermeidet, welche beim Aufstieg zum Lago scuro unvermeidlich ist. Der ganze Abstieg vom Piz Blas bis zum Hotel Piora erfordert via Cadagno cirka drei Stunden.

Bud. Kummer-Krayer ( Sektion Basel ).

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