Rundum ennet dem Gotthard - mit Veteranen unterwegs

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VON HANS REUSSER, BERN

Die Schulferien in den Städten waren vorüber, man näherte sich bereits der Nachsaison, und die meisten Wanderlustigen waren wohl schon wieder nach Hause zurückgekehrt.

So konnten wir 15 Mannen mit teilweise melierten, mit ganz weissen Haaren und auch solche mit biossliegenden Schädeln es wagen, nach Mitte August die alljährliche Wanderwoche in Angriff zu nehmen. Sie sollte uns diesmal rundum ennet dem Gotthard führen.

Die Teilnehmer waren keine Leichtgewichtler mehr, aber auch nicht allzu beleibte Posturen, denn Wanderungen und Touren vermögen immer noch mehr auszurichten als Pillen und all die vielgepriesenen Abmagerungsmittel.

Und Startlöcher brauchten wir auch keine, als wir in Bern zum Spurt auf den Luzerner Schnellzug ansetzten, denn die SBB hatten uns zuvorkommend im hintersten Wagen Platz reserviert.

Bei der Ankunft in Luzern gab der Lautsprecher Weisung zum raschen Umsteigen, und wir mussten einen 300-m-Rundlauf antreten, um auf den in Wirklichkeit nur etwa 15 m nebenan auf dem andern Perron stehenden vordersten Wagen des Gotthardzuges zu gelangen. In Göschenen entlasteten wir die Bahn und stiegen die immer wieder imposante Schöllenenschlucht hinauf nach Andermatt. Am frühen Nachmittag beförderte uns das Postauto zum Gotthardhospiz hinauf. Ohne uns hier inmitten des Autosalons mit den Schildern aus den verschiedensten Ländern aufzuhalten, schwenkten wir rucksackbeladen an die rechte Talseite der Tremolaschlucht ab. In zirka einstündigem Bummel, auf gleicher Höhe bleibend, erreichten wir die Nase oberhalb Pian Secco. Dabei bot sich ein einzigartiger Tief blick über all die Kehren der Strasse, auf welcher Kolonne um Kolonne von Autos und Cars sich ununterbrochen süd- und nordwärts schlängelten. Es ist nicht verwunderlich, dass das Verhalten der Automobilisten und namentlich der Carchauffeure in den engen Kurven Anlass bot zu mehr oder minder fachkundigem Gesprächsstoff.

Der Weg wendet dann westwärts und gab uns den Blick frei durchs ganze Bedrettotal. Tief unten erblickten wir das Dorf Fontana, dessen Häuser schön symmetrisch wie aus einem Baukasten geordnet scheinen. Schwach ab- oder ansteigend durch wider Erwarten noch üppige Flora ging 's an den Hängen der Fibbia und des Lucendro entlang, immer auf ungefähr 2000 m bleibend. Wo es uns gelüstete, schalteten wir Halte ein, bewunderten die Gegend und studierten die Karte. Wir wollten geniessen, nicht hasten. Als der Weg zum Pfade wurde, schwenkten wir nach einer Weile vorerst weglos über Weiden zum Tal ab, erreichten die Hütten der Alpe di Cavanna und von hier steil hinab durch Wald unser erstes Tagesziel: Villa-Bedretto. Ein Vergleich drängt sich hier auf. In rund vier Stunden begegneten wir ausser einem Sennen unmittelbar vor Villa keinem einzigen Menschen. Und auf dem Gotthard dieser Verkehr! Es kann einen nachdenklich stimmen. Das « Albergo Nufenen » in Ossasco ist eingegangen, und so hatten wir in Villa bei Orelli Quartier bestellt, wo wir in jeder Beziehung zuvorkommend und mit tessinerischer Gastfreundschaft bewirtet wurden. Auch der kleinste unter uns fand noch eine Liegestatt, ohne dass ein Kinderbett zurechtgemacht werden musste.

Am zweiten Tag war die Capanna Cristallina unser Ziel. Über ein Brücklein konnten wir den noch jungen Tessin überqueren und zur andern Talseite gelangen. Dann stiegen wir durch Wald bergan und erreichten den Weg von Ossasco her. Weiter oben kamen wir zu den neuzeitlich gebauten, gut eingerichteten Sennhütten der Alpe di Cristallina und gewannen an Seite des schäumenden Bergbaches zusehends an Höhe.Von den gegenüberliegenden Hängen ertönten die Glocken des weidenden Viehs. Der Wald und auch die Heidelbeerstauden blieben nach und nach zurück; in den Gräben und Mulden mehrten sich die Schneereste. Dann schwenkten wir zwischen Piz Sella-Madone und Piz Folcra ins Val Torta hinein und kamen in Sichtweite der Hütte. Ein letzter Aufstieg, und kurz nach Mittag erreichten wir die für diesen Tag vorgesehene Unterkunft, vorerst etwas schief angesehen, denn es seien Schulen und ein Frauen-Alpenclub avisiert, und auf das Erscheinen unserer Gruppe sei man nicht gefasst. Schwarz auf weiss konnten aber der Nachweis unserer rechtzeitigen Anmeldung und die Empfangsbestätigung vorgelegt werden, und damit war die Sache im Blei. Der prächtige, wolkenlose Tag und die verfügbare Zeit lockte einige noch zu einem Abstecher auf die Cristallina, mit den prächtigen Ausblicken ins Basodinogebiet und auf die Berge rings herum.

Derweilen tauchten die Schulen auf und auch die Frauen, diese nicht nur gut ausgerüstet, bergsteigerisch und wohl trainiert, sondern auch schlagfertig. Das merkten wir nach der Abendverpflegung, wo von ihrer Seite ein Repertoire zum besten gegeben wurde, demgegenüber wir Berner uns noch unterentwickelt vorkamen. Zum Glück hatten wir wenigstens einen unter uns, der einigermassen konkurrenzieren konnte.

Die Sekundarschüler andererseits waren gegenüber uns wohl teilweise besser mit Sackgeld versehen, so um die Fr. 50. dürften einigen für die viertägige Schulreise zur Verfügung stehen, wie 4 Die Alpen - 1961 - Les Alpes49 mir der Lehrer anvertraute. Man kann sich auch hierüber seine Gedanken machen. Ohne neidisch zu werden, gab 's doch den AHV-Rentnern unter uns Anlass zu Diskussionen.

Um 10 Uhr wurde Ruhe befohlen, und wir legten uns auf die Pritschen.

Der dritte Tag zeigte sich wiederum wolkenlos. Erst stiegen wir etwas bergab, um in den Weg vom Val Torta her zum Naretpass zu gelangen, waren dann in ca. % Stunden auf der Passhöhe und legten die Säcke für den ersten Halt nieder. Dann entfalteten wir die Karten, suchten das vielgestaltete Gelände zu zerlegen und die Namen der Spitzen und der Laghi ausfindig zu machen. Daneben war Anlass zu Blumenstudien, und auch die Gesteine weckten unser Interesse. Es kann aber nicht abgestritten werden, dass die Einprägung der Namen in unsere runzligen Schädel Geduld erfordert und dass daher unser Botaniker fast bei jedem Halt und bei jeder Talstufe zum Repetieren gezwungen war. Seen hat es etliche, vom schönen, noch nicht angezapften Lago Naret an, dem schäumenden Bach entlang, die Schlucht hinab und talaus. Plötzlich kommt der Lago Sambuco in Sicht. Als ob er immer da gewesen wäre, so schön eingebettet, dunkel schimmernd, vom Wald eingerahmt, liegt dieser Stausee. Über 3 km zieht sich das zufolge der Stauung neu erstellte Strässchen dem See entlang und zuletzt durch einen Stollen zur Staumauer. Über 100 m hoch riegelt sie das Tal ab. Wenn auch eindrucksvoll, so zeigt sie sich doch von der Abschluss-seite her als Fremdkörper in der Landschaft. Sie ist zu mächtig, um getarnt werden zu können. Dagegen bildet sie für Ausflügler einen Anziehungspunkt, der vom Lago Maggiore her durchs Maggia- und Lavizzaratal aus leicht erreichbar ist. So begegneten wir die letzte halbe Stunde bereits wieder etlichen Motorfahrzeugen, ehe wir Fusio erreichten.

Im « Albergo Svizzero » waren wir angemeldet, und jeder fand eine Liegestatt. Wir verbrachten hier zwei Nächte und einen Ruhetag. Sowohl die Gastgeber wie die zwei Servier-Graziellen waren sehr besorgt um unser Wohl. Der Aufenthalt wurde benutzt zur eingehenden Besichtigung des Dorfes mit seiner « Piazza Elvezia », den Winkeln und Gässchen, zu einer Partie Bocciaspiel, und mit Gesang klang der Abend aus.

Am fünften Tag wartete uns ein grösserer Ortswechsel: talaus nach Bignasco, Cevio und hinauf nach Bosco-Gurin, von da über die Guriner Furka ins italienische Val Antigorio beziehungsweise Val Formazza. Ein Extrakurs der Post führte uns frühmorgens aus Fusio an mächtigen, verknorpelten Kastanienbäumen vorbei über Peccia, wo mannsgrosse Marmorquader zum Abtransport lagerten, 900 m tiefer nach Cevio. Hier schwenkte der Postcar ab, um auf schmalem Strässchen in vielen engen Kurven über Linescio, Cerentino ins Val Bosco hinauf zu gelangen und da nach fast 1100 m Höhendifferenz Bosco-Gurin zu erreichen. Die blumengeschmückten Holzhäuser erinnern ans Wallis. Das Dorf ist auf 1500 m gelegen, und die Bewohner sprechen bekanntlich noch deutsch. Leider geht auch hier die Bevölkerung zurück, verschiedene höhere Alpen können deswegen schon nicht mehr bestossen werden. Nach längerem Hin und Her im Dorf und nachdem wir vom Grenzwächter Grüsse für seinen Kollegen auf dem Giacomopass und von einem Einwohner für einen Bekannten drüben in Valdo in Auftrag bekommen hatten, wandten wir uns der Höhe zu. Es hatte sich an diesem Tage auf ca. 2000 m eine dicke Nebelbank gebildet, so dass die Bergspitzen unsichtbar blieben. Wir kamen zu der auf 1900 m gelegenen Grossalp, einstmals ein Dörfchen von über 20 Hütten, heute zum grössten Teil verfallen und von den Gurinern an Auswärtige verpachtet. Weiter stiegen wir über Weiden und zum Teil weglos der Guriner Furka entgegen, dem Einschnitte zwischen Ritzberg und Pizzo Stella ( oder Martschenspitz ). Früher seien einmal im Jahr die Guriner ins Val Formazza gezogen und umgekehrt die Italiener nach Bosco-Gurin; doch sei dieser Brauch eingegangen. Nach einem Halt auf dem zügigen Sattel und im wirbelnden Nebel stiegen wir nicht direkt nach Foppiano ab, sondern querten unter dem Martschen- spitz nach rechts auf einen Kamm und lenkten dann unsere Schritte talwärts. So konnten wir uns rund 300 m Abstieg und ebensoviel Aufstieg ersparen. Zeitweilig verlor sich der Weg, und wir mussten etwas sondieren, um uns zurechtzufinden. Es ging sehr steil hinab, von Menschen keine Spur und noch weniger von einem Grenzwächter, obschon wir, von weitem, wie eine Schmuggler-kolonne hätten aussehen können.

Am späten Nachmittag gelangten wir bei Fondovalle ( Stafelwald ) auf den flachen, in Felsen eingebetteten Boden des Val Formazza ( Pomat ). Überall waren Frauen, Männer und Kinder auf den Matten mit Emden tätig. Unsern Gruss erwiderte man auf deutsch. Wir hatten mit den Bemühungen, in diesem Tal für Unterkunft vorzusorgen, von Bern aus keinen Erfolg gehabt. Doch waren wir zuversichtlich gewesen, und mit Recht. Denn kaum hatten wir mit den erst begegneten Leuten einige Worte gewechselt, konnten wir erfahren, dass der Grussempfänger von Bosco-Gurin sich nebenan auf einer Wiese betätigte. Wir suchten ihn auf, richteten den Gruss aus, luden ihn zu einem Glase Wein ein, und schon war das Unterkunftsproblem gelöst. Er erklärte, dass an seinem zirka eine Stunde entfernten Wohnort in Valdo ( Wald ) Schlafgelegenheit zu finden sei.Ein schöner Wiesenweg führte uns fast eben und an der Seite eines klaren Baches über Chiesa ( Andermatten)-S. Michele ( Tuffalt ) nach Valdo. Und schon erwartete uns der Berater, der mit dem Velo vorausgefahren war, an der Seite des Gastwirtes vom « Albergo Giove », der Name des dieses Gebiet beherrschenden Berges. Wir erhielten unsere Zimmer, und um iy2 Uhr war das Nachtessen bereit, das ziemlich strapaziös ausfiel, denn es hätte schon bei dem als Vorspeise servierten Risotto sein Bewenden haben können.

Für den sechsten Tag bedeutete die Capanna Corno unser Ziel. Die Strassenwanderung hätte uns Stunden gekostet. Dank unserem Helfer hatte vereinbart werden können, mit zwei Autos nach dem Rifugio V. Toggia ( Marieluise ) zu fahren, und es gelang, alle Mann mitsamt den Säcken einzupferchen und loszufahren. An braun gewordenen, mit Blumen geschmückten Walliser Häusern vorbei ratterten wir über Ponte ( Zumsteg ), Canza ( Fruttwald ) an den Fuss der Frutt und rechts davon in steilen Kehren bergan zum Hotel des Tosafalles. Die Maschinen erheischten einen Halt, und auch wir wollten etwas von diesem berühmten und im Baedeker mit einem Kreuz bezeichneten Naturwunder sehen. Wir waren aber nicht angemeldet, daher rieselte nur ein mageres Bächlein über die mehr als 100 m hohen Felsabsätze. Während der Hochsaison und an Sonntagen wird der Fall angeblich eingeschaltet! Unsere Fahrt ging weiter über die steinige, ausgefahrene, schlecht unterhaltene, zur Zeit Mussolinis gebaute Strasse. Bei einer der vielen Kurven gab 's nochmals einen Verschnauf halt zugunsten der Wagen. Beim Rifugio V. Toggia auf nahezu 2200 m entliessen wir unsere Chauffeure. Dann warfen wir noch rasch einen Blick in die Hütte und zogen einen Vergleich mit unseren Unterkünften, der glücklicherweise zu unsern Gunsten ausfällt. Nicht wegen zuwenig, sondern wegen zuviel... bekommt dieses Rifugio eine schlechtere Note.

Wir wählten zuerst den Weg zum Lago Castel hinauf, stiegen dann auf eine Anhöhe nebenan, legten die Säcke ab und genossen in aller Ruhe den Rundblick. Vor uns im Tal lag der Lago di Morasco mit der mächtigen Staumauer, dahinter das Banhorn, daneben die Sabbia, Lebendun, Nefelgiu und noch weiter talabwärts Gloggstafel, alles merkwürdige Namen. Dann blickten wir in das Bettelmattgebiet, in das Gemsland, wo das Rifugio Città di Busto sichtbar ist und dahinter das Gletschergebiet vom Hohsandhorn und Blinnenhorn. Im Rücken hat man die Westflanken des Basodino, des Pizzo Cavergno, des Kastei- und Marchhorns, dazwischen die Übergänge der Kastellücke und der Bocchetta di Maggia, welche nach Robiei zur Basodinohütte führen. Nach dem Aufbruch bummelten wir dem ebenfalls gestauten Fischsee entlang, linksufrig und weglos über etliche Bäche, manchmal etwas Schuhwasser fassend. Auf dem Giacomopass verifizierte ein junger italienischer Zöllner beim Grenzübertritt unsere Ausweise. Den Gruss des Grenzwächters von Bosco-Gurin an seinen Berufskollegen hefteten wir an die Türe des Zollgebäudes, da niemand zugegen war. Dann wandten wir uns westwärts der Flanke des Helgenhorns entlang auf dem schönen Höheweg der Cornohütte zu, immer mit prächtigem Ausblick ins Bedrettotal und auf die Berge des Gotthardgebietes. Auch in der Cornohütte waren wir gut aufgehoben.

Doch trieb uns dicke, schwere Luft vor abgemachter Tagwache ab den Pritschen. Nach dem Frühstücke verabschiedeten wir uns vom freundlichen Hüttenwart. Auch an diesem letzten und siebenten Tag wölbte sich ein blauer Himmel über uns. In gemütlichem Morgentrapp wanderten wir der Südflanke des Nufenenstocks entlang zum Cornopass. Links an den Schattenhängen leckte der Schnee teilweise noch bis zu unserem Pfad und bildete Seelein, darin sich ganz scharfe Spiegelungen zeichneten. Auf der Passhöhe bot sich uns ein prächtiger Anblick. In der Morgensonne glänzte der Griesgletscher in seiner ganzen Länge mit dem Blinnenhorn und Merezenbachschije als Abschluss und links begrenzt vom Bettelmatthorn und Rothorn. Noch weiter links guckte die runde Kuppe des Ofenhorns herüber, und davor lag wieder das Gebiet von Bettelmatt und Gemsland. Dazu grüssten nochmals die obersten Berge des Formazzatals, welche wir am Vortage ermittelt hatten. All das veranlasste uns zu ziemlich langem Verweilen; zudem mussten wir zum letztenmal unserem Fachkundigen Blumennamen repetieren und auch noch dem verschiedenen Gestein Aufmerksamkeit schenken.

Als wir um die Nase des Nufenenstocks abschwenkten, erweiterte sich das Gesichtsfeld auf die Berner Alpen, von der Grimsel nach links, wo Schreckhorn, Finsteraarhorn, die Wetterhorngruppe und weitere Gipfel erkennbar wurden. Steil stachen wir dann ins Aeginental hinab. In absehbarer Zeit wird hier ein Fahrweg zum Griespass führen, denn unten war ein Trax schon stark an der Arbeit, den Hang hinauf einen Weg zu schaffen. Leider ist auch dieses Gebiet als Opfer der Kilowatt vorgesehen. Ein Stausee soll auf der Höhe gebildet werden. Bereits steht ein Barackenlager auf dem obersten Boden des Aeginentals. Mächtige summende Mäste und flimmernde Schlangen von Kraftleitungen werden später dem Wanderer als Wegweiser und Begleiter dienen... Der Bergbach, welcher in starkem Gefälle rauschend und sprühend vor Übermut in seinem selbst geschaffenen Bette dem Goms zueilt, wird am Lebensnerv amputiert werden und alsdann als ver- kümmertes Glied zu Tale tröpfeln. Seine vieltausendjährige Freundin, die Rhone, wird er nur noch in bescheidener Weise begleiten können. Die Hauptader des Baches wird ohne sein Mitspracherecht gefasst, und mit andern Gefährten wird er durch Stollen und Rohre anderswohin geleitet und landet später nach langer Wanderschaft mit dem Po in der Adria statt bei Marseille ins Meer...

Noch zeigte sich bei Ladstaffel, wo der Weg zum Nufenenpass abzweigt, ein Maultier, wahrscheinlich das letzte in dieser Gegend. Aus dem Geröll schrillten Warnungspfiffe von Murmeltieren, aber weiter unten wurden sie vom Lärm der Bagger übertönt.

Ob wirklich all die Stauungen, die Ableitungen durch kilometerlange Stollen in andere Täler oder Gebiete und teilweise andere Meere keine Einwirkungen auf die Grundwasserbildung, auf Quellen und Wasserversorgung haben werden? Und ob nicht die künstlichen Seen in den Bergen Temperatur und Witterung und weiss was alles beeinflussen? Das war das Thema, als wir durch den Wald wanderten. Zuunterst machten wir am zahm gewordenen, ruhig dahinfliessenden Bach einen Retablierungshalt. Nach den sieben Tagen suchten wir wieder etwas « salonfähiger » zu werden, einige sogar unter Mithilfe ihrer zerknitterten Krawatte. Bei der Station Ulrichen erreichten wir die Furkabahn, die uns durch das immer wieder schöne Goms über Münster, Fiesch nach Brig führte, und über den Lötschberg ging 's wieder Bern zu, dankbar, dass wir mit 60 bis 70 und mehr Jahren an derartigen Wanderungen noch teilnehmen konnten.

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