Schweizerisches Archiv für Volkskunde

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

Alfred Tobler: Sang und Klang aus Appenzell. Zürich 1899.

Beide Publikationen aus dem Volksleben berühren sich in einigen Punkten mit unsern Interessen, und ich möchte diese Punkte hier hervorheben.

In der Vierteljahrschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde findet sich diesmal nur wenig für uns, indem der Hauptbestand des Jahrgangs größeren Arbeiten, namentlich den Luzerner Akten zum Hexen und Zauberwesen gewidmet ist. Aber unter den Miscellen ist doch manches für uns lesenswert, so die Schilderung: Eine Sennen-Kilbe in der Urschweiz, mitgeteilt von Kaspar Waldis in Schwyz; ferner La fée de Cleibe von Correvon; eine Volkssage von der Alp de Thion bei Sitten; das Referat des Herausgebers über einen Vortrag von Prof. Socin in Basel über Ortsnamen und Siedelungsgeschichte; eine Miscelle von Stückelberger über Entstehung von Familiennamen ( die „ Christen " in Andermatt wollen von den Christiani, d.h. von der Thebäerlegion abstammen, was immerhin auf den uralten Zusammenhang zwischen Wallis und Urseren deutetder nämliche berichtet auf Grund eines hinterlassenen Manuskriptes von F. A. Nüscheler über Glockensagen aus der Schweiz ( z.B. die Glocke in Lauterbrunnen soll vermittelst eines cirka 1830 wieder aufgefundenen Gerüstes aus dem Lötschthal über den Tschingelgletscher nach Lauterbrunnen gebracht worden sein, und die Lötschthaler sich vergeblich angeboten haben, sie mit Gold aufzuwiegen. Die Bernhardsglocke von San Carlo im Puschlav verhindert böse Hexen, einen Felsblock auf das Dorf zu wälzen. Die Mauritius- und Antoniaglocke von Naters verhindert zwei Berggeister, den Fuchsgufer auf das Dorf zu stoßen u.a. ). Besonders interessant ist der Beitrag von B. Reber in Genf: Sagen aus dem Saasthal im Wallis. Dieser konstatiert bei Resti hinter Stalden einen ( prä-historischenSkulpturenstein, ähnlich den sogenannten Teufelstritten im Turtmannthal, den Gotwergistein auf „ den Bielen " der Feekinn, das Bozen-loch auf dem Wallfahrtsweg zur Hohen Stiege, die Aushöhlung „ zur Schüssel " auf Wengertschen unterhalb der Mittagsfluh, das Haus mit dem Zauberstein in Moos, das Gotwergigrab zwischen Almagell und Mattmark, das Gotwergiloch auf dem Meilig, die Heidengräber oder Heidenfriedhof am Monte Moropaß und erzählt die bezüglichen Traditionen oder Legenden.

Anhangsweise füge ich bei, daß Dr. Ernst Haffter in der Januarnummer des Bündnerischen Monatsblattes, 1899, unter dem Titel Volkstümliches aus dem Rheinwald fünf kleine Mitteilungen veröffentlicht hat, die sich zum Teil mit obenerwähnten Legenden decken, es sind: Die Sagen von den verwunschenen Kräutern Cyprian und Ritz, von der durch falschen Eid von den Nufenern erschlichenen Misoxeralp Areue, der Tri-wülsch = Trivulzio, der Pestreiter und das „ Arenest " im Bachtobel der Stutzalp, woher die kleinen Kinder kommen sollen. Ich bedaure auch hier, daß so interessantes Material nicht an einem zugänglicheren Orte gesammelt wird, womit ich das Verdienstliche dieser Lokalzeitung; nicht bestreiten will.

Das Liederbuch von Alfred Tobler, dem bekannten Sänger, der sich nun auf das Sammeln von ( gesungenen ) Volksliedern geworfen hat, ist eine Fortsetzung und Erweiterung der von ihm früher herausgegebenen Sammlung: Kuhreihen oder Kuhreigen, die nur Jodel oder Jodellied im Appenzell betraf. Jetzt sind zu diesen „ die einst und jetzt noch im appenzellischen Volke lebenden Gesänge, gleichviel ob appenzellischen oder in einzelnen wenigen Fällen nicht appenzellischen Ursprungs, in möglichst erschöpfender Weise " hinzugekommen. Es sind also wirkliche Volkslieder nach Text und Melodie ( in letzterer Beziehung ist es sehr anzuerkennen, daß Tobler im „ Ustig " und andern Huber'schen Kompositionen auf die Originalpartitur zurückgegangen ist ), und es ist darum fast unverständlich, wie der Verleger in dem Begleitzettel die Leistung seines Autors für das Lied im appenzellischen Volkston mit Koschats Kärntnerliedern hat vergleichen können. Nein wahrhaftig, gerade wer diese „ Salon-Kärntner " nicht mag, der greife zu Toblers Buch, er wird hier Volkslied und -lust, echte Schnadahüpfel, „ Kühdreckeler ", überhaupt Erdgeschmack und Alpenluft finden.

Redaktion.

Feedback