Skifahrt von Matt nach Flums

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Skifahren, dieser neue Sport, gehört auch in das Gebiet der Alpinistik. Die Skier ( norwegische Schneeschuhe ) ermöglichen es, auch in der kalten Jahreszeit selbst hohe Gipfel zu besteigen oder lange Gebirgspässe zu befahren. Große, flachere Strecken durchläuft der Ski in relativ kurzer Zeit.

Wie man sich bis jetzt für Wintertouren im Hochgebirge verschiedener Sorten von Schneereifen, kanadischen Schneeschuhen etc. bedient hat, ist auch der Ski ein neues Mittel das Einsinken in den Schnee zu verhindern, nur mit dem Unterschiede, daß er gleitet, während die ersteren gehoben werden.

Sollen wir uns dieses Mittels begeben? Ist nicht der wahre Alpenclubist auch zur Winterszeit zu allen Thaten bereit? Versetzen wir uns zurück an einen klaren Wintermorgen. Hoher Schnee bedeckt Berg und Thal. Wenn dann das Gold der Morgensonne von den höchsten Spitzen winkt und sich allmählich herabsenkt in den Tannenwald, ruft eine innere Stimme: Oh, könnte ich doch hinauf aus dem düstern Thale in den glänzenden Sonnenschein, wo Herz und Blick sich weiten!

Um die praktische Verwendbarkeit der Ski im Gebirge klarzulegen, skizziere ich kurz die Fahrt von Matt ( Sernfthal ) nach Flums, deren Längenprofil in den verschiedensten Gefällen variiert. Die Grundzüge des Fahrens sind seit der großen Verbreitung der Schneeschuhe allgemein bekannt, übrigens verweise ich auf meine diesbezügliche Abhandlung in der Dezember-Nummer der „ Alpina " von 1893.

Am 2. Januar 1897 trafen in den Winkelhütten ( 1520 m ) im Krauchthal ( Siegfried-Blatt Elm ) acht Mitglieder der Sektion Tödi S.A.C. zusammen, die mit Skiern und Bremsstöcken bewaffnet in ihrer nordischen Ausrüstung und Kleidung einen fast komischen Anblick boten. Es waren die Herren Kaspar Hösli, alt Centralkassier, Staub-Iselin, Leuzinger-Böhny, Rudolf Greiner, Jacques Jenny, Jacques Bäschlin, Joachim Mercier und der Chef des Ski-Club Glarus, der ich selbst bin.

Das Wetter war wunderbar klar; kalt blies der Wind vom Spitzmeilen herunter. Die Schneelage zum Fahren war ausgezeichnet, staubig und dicht. Schon von Unter-Rieseten an leisteten die Skier gute Dienste. Mühsam arbeitete sich der uns begleitende Träger ( der Decken für das Nachtquartier hatte ) durch den meterhohen Schnee bis an die Brust einsinkend, während wir ohne Anstrengung, kaum 10 Centimeter einfallend, das Terrain durchfurchten.

Ein fidèles Hüttenleben entwickelt sich bald. Jeder hat sich seine Leibspeise selbst zu brauen. Dann Herumsitzen am behaglichen Feuer, Prosa und Poesie wechseln ab, auch lateinisch wird geredet. Endlich wird der Heustock aufgesucht und bis in den Morgen hinein geschlafen.

Aufbruch am 3. Januar 7 Uhr 30 Min. Wetter wundervoll. Temperatur — 15° Celsius. Richtung Werbenhütten zu hinterst im Thale. Einer hinter dem andern schleifend, sind wir schon um 8 Uhr bei der Vereinigung der Quellbäche und orientieren uns für den Aufstieg ins Stäfeli ( Siegfried-Blatt Schild ). Der Sommerweg ist zu steil, führt durch kleine Couloirs und ist lawinengefährlich. Der Skiläufer benötigt bequemen Anstieg, nicht zu steile, möglichst breite, nicht coupierte Fläche, um große Zickzacklinien ziehen zu können. Wir wählen den konvexen Hang im Norden des Bachtobeis, das beim „ b " des Wortes Werben in den Hauptarm des Krauchbaches ausmündet. Die Breite des Hanges gestattet, Serpentinen von 50 bis 100 Meter Länge anzulegen, und langsam, doch stetig rückt die Kolonne bis zum Felskopf vor, an dem das Bachtobel seinen Ursprung nimmt. 36 Kehren waren nötig, um sich auf diese Höhe ( 400 Meter ob der Thalsohle ) emporzuschrauben. Die Steigung der Bahn betrug durchschnittlich 15°, beim Seitwärtstreten bis 35°. Von Wichtigkeit ist es, das Kehren der Skier an einen möglichst ebenen Platz zu verlegen; dadurch werden die Beinmuskeln geschont.

Um 11 Uhr sind wir auf dem Felskopf direkt unter Gipfel 2372 der Rinderhörner. Wir rasten. Welch bezauberndes Bild ist die gegenüberliegende lange Kette des Guider- und Fuckenstockes! Im Sommer eintönige, grüne Hänge von Runsen durchzogen, jetzt ein majestätisches Schneegebirge von Lawinenzügen zerrissen. Die sonst hellen Kalkwände scheinen jetzt schwarze Granitbänder zu sein, die mit dem Tiefblau des Himmels prächtig harmonieren.

Die Terrasse, welche sich von unserm Standort gegen das Stäfeli hinzieht, birgt unsern Weg. Sie ist sehr steil und bei warmem Wetter oder schlechter Schneelage lawinengefährlich, jetzt aber ohne Gefahr zu passieren, da der Föhnsturm von Mitte Dezember den Schnee derart an dem Boden festgekittet hat, daß auch an den steilsten Hängen keine Rutschungen vorkommen. Ein großer Zickzack noch bis zur doppelarmigen Runse unter dem Weißgandstöckli und dann in kühner Traversierung hinüber ins Stäfeli ( 2097 m ). Ankunft 11 Uhr 45 Min.

Jetzt, da alle Schwierigkeiten überwunden, dünkt uns das weitere nur ein Spaziergang. Über den flachen Schönbühl erreichen wir die Paßhöhe südöstlich des Spitzmeilen punkt 12 Uhr.

Die Paßhöhe ist ein reizender Punkt. Ringsherum blinken Kuppen und Zacken. Vom Hausstock bis Tschingelspitzen alles im strahlenden Winterpanzer.

Großartig nehmen sich die Rinderhörner, Risegg und Faulegg aus. Ganz nahe gerückt scheint die Ringelspitze und Trinserhorn. Davor liegt reliefartig die Obere Vans-Alp. Wie geben doch die im Winter so intensiven Schlagschatten ein kräftiges Bild von plastischer Wirkung! Photograph her! Herr Mercier ist bereits an der Arbeit und die erste Überschreitung des Schönbühlpasses auf Skiern ist für ewige Zeiten festgebannt.

Gar wohlig lagert sich 's auf den vom Winde trocken gefegten Stellen; verführerisch lockt der Kegel des Spitzmeilen zu einer Besteigung.

Doch vorwärts! Noch steht ein weiter Weg bevor. Das Angenehmste, die Abfahrt, in Minuten hinabzusausen frisch und keck, wo im Sommer halbe Stunden nötig sind, ist ein herrliches Vergnügen, das alle Mühen des Aufstieges vergessen macht.

In 10 Minuten sind wir schon drüben am Ostende der gleich hohen Schönegg, dann im Fluge hinab zu dem Hüttendörfchen Fursch ( 1734™ ). Hoch oben links im Abendsonnenschein die Kuppen des Spitz- und Weißmeilen und die lange, düstere Mauer des Mageren. Die Abfahrt nach Fursch ist so herrlich, daß wir nochmals ein großes Stück emporsteigen, um ein zweites Mal hinabzusausen. Die von Karrenlöchern sonst stark coupierten Plateaus des Madseeli und von Bell waren vom Föhnschnee-sturm fast ausgeebnet worden. Wunderliche Trichter hatten sich durch den wirbelnden Schnee ausgebildet; der Vorfahrer mußte wohl aufpassen, nicht hineinzugeraten. Gwächten von einigen Metern Dicke krönten die Abstürze, auch da war große Vorsicht am Platze. Die Schneehöhe im Mittel betrug 1,2 bis 2 Meter.

Den kleinen Aufstieg zu den Banüölhütten spüren wir ordentlich in den Beinen. Nach V* Stunde ist er überwunden und um 2 Uhr stärken wir uns vor den stattlichen Gebäuden sitzend, allen guten Vorsätzen zum Trotz, mit Veltliner.

Im Osten drüben, schön beleuchtet, erhebt sich der Rätikon und einige ferne Vorarlberger gucken daneben hervor; im Norden in kühn geschwungenen Linien der Sichelkamm und dessen Trabanten bis Gonzen.

3 Uhr Abfahrt nach Prod ( 1570 m ), links und rechts vom Sommerweg abweichend, Serpentinen ziehend, den hochstämmigen Tannenwald durchstreifend, über Steine und kleine Absätze hinwegspringend wie Gemsen.

Prod, das wäre der richtige Ort für eine Skiläuferkolonie. Auf den flachen Alpen sich herumzutummeln, die entzückende Rundsicht vor Augen, wäre ein Hochgenuß. In schönen Proportionen steigt das Silvrettagebirge empor, Kätikou und Hochwang dienen ihm als Piédestal. Dieses scharf perspektivisch wirkende Bild werden wir nie vergessen, coulissenartig schieben sich die einzelnen Ketten hintereinander und bauen sich zugleich amphitheatralisch bis zum Piz Buin auf.

Da blieben wir, bis die hereinbrechende Nacht uns zwang, Abschied zu nehmen. Auf den Skiern sitzend, ging 's in lustiger Fahrt nach Flums, von wo wir noch gleichen Abends per Dampf zu unsern Penaten gelangten.

Die befahrene Strecke von Winkel bis Flums mißt rund 30 Kilometer. Wir brauchten also, 2'/a Stunden Rast abgerechnet, 9 Stunden, gewiß eine hübsche Leistung, wenn man noch berücksichtigt, daß einer der Teilnehmer noch Anfänger im Skifahren war und seine häufigen Purzelbäume uns zwangen, oft zu warten.

Geübte Skiläufer werden ( ohne Rast ) 6 Stunden brauchen, 4 für den Aufstieg und 2 für die Abfahrt. Wer aber genießen will, kommt unter 9 Stunden nicht weg.

Die Erfahrungen aus dieser und vom Ski-Club Glarus ( Mitglieder des S.A.C. ) seit 1892 ausgeführten Touren über den Pragel, Klönthal-Ober-see, Klönthal-Wäggithal, Glarus-Frohnalpstockfurkel-Obstalden, und Besteigungen des Schild und des Altenorenstockes sind sehr mannigfaltige. Ich will versuchen, dieselben in einige kurze Sätze und Winke zusammenzustellen.

1 ) Der norwegische Schneeschuh ( Ski ) eignet sich gut für die flachern Teile des Hochgebirges, als Alpenweiden, Paßübergänge, Firnfelder etc.; das Terrain soll offen, nicht coupiert und nicht zu stark accentuiert sein.

2 ) Mit großem Kraftaufwand können auch steile Hänge im Zickzack oder durch Seitwärtstreten genommen werden. Schneereifen sind hier im Durchschnitt vorzuziehen. Mit den Skiern soll nicht geklettert werden.

3 ) Vor Antreten einer Gebirgstour soll die Beschaffenheit der Schneelage bekannt sein. Bei ganz durchweichtem Schnee hat man Grundlawinen, bei trockenem, staubigem Schnee, der mit dem hartgefrorenen Boden nicht verbunden ist, Staublawinen zu befürchten oder kann solche durch sein Gewicht verursachen. Nach Schneefall muß man 1 bis 2 Tage mindestens warten, bis sich der Schnee konsolidiert hat. Die beste und sicherste Bahn giebt die mit dem Boden fest verbundene ( angefrorene ) Schicht, auf der eine Lage staubigen Schnees von 10—20 Centimeter liegt. Harter Schnee taugt gar nichts, der Aufstieg ist sehr mühsam, die Abfahrt gefährlich.

4 ) Die Ausrüstung soll sich auf das notwendigste beschränken. Der Skiläufer soll sich nicht zum Träger erniedrigen. Wollene Kleider mit Reserve sind zu empfehlen. Als Fußbekleidung haben sich die russischen Gummischneeschuhe, die über die andern Schuhe angezogen werden, sehr bewährt. Ein 2 Meter langer Bambusstock mit Stahlscheibe ist notwendig.

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