Steine aus Korsika

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Gust Schumacher, Küsnacht

GEDANKEN NACH DER CC-WOCHE Mit meinen Kameraden liege ich auf dem Deck der « San Pierro » auf meiner Luftmatratze, eingewickelt in den Schlafsack. Hell leuchtet der Mond. Vor einer halben Stunde haben wir uns in Ajaccio eingeschifft, um über Nizza und die Calanques in die Schweiz zurückzukehren.

Meine Gedanken gehen zurück an den Strand von Tropriano. Während einer Woche habe ich mit 24 Kameraden die unverbrauchten Naturschönheiten von Korsika genossen. Wir haben bei der Ile Rousse im tiefklaren Wasser gebadet, in den Wäldern von Tartagine und Carozzica sowie auf der wunderbaren Passhöhe Bavella gezeltet, sind hinaufgestiegen auf einige Höhen, geklettert; ein Grossteil ist sogar beim Bavella-Pass - Korsikas grossartigster Landschaft - durch die Vierer-und Fünfer-Scharte zum Turm I ( Tour de l' Oiseau ) aufgestiegen. Ich als alter Knabe befand mich selbstverständlich nicht bei dieser Gruppe, sondern vergnügte mich mit einigen Kameraden am Turm II. Von den felsigen Höhen der Bavella schweiften unsere Blicke zur Ostküste. Eine herrliche, unvergessliche Woche ist vorüber.

Am frühen Samstagmorgen fuhren wir von der Bavella hinunter ins mittelalterliche Städtchen Sartene und liessen uns über die Mittagszeit am Strand von Propriano nieder. Im kristallklaren Mittelmeerwasser fühlten wir uns wie neu geboren, in jugendlicher Freude jauchzten wir auf. Der Strandsand leuchtete in allen Farben. Auf dem Ufersand lagen kleine Steine; hin und wieder steckte ich einige schöngeformte ein. Schliesslich bekam ich aber Lust, eine grössere Anzahl mit nach Hause zu nehmen.

Vom Schiffsdeck aus gehen nun meine Gedanken zurück zu jenem Strand und zu meinen Steinen. Sie sind für mich nicht nur eine Erinnerung an das sonnenwarme Korsika, sondern erscheinen mir als Symbole der Menschen und der menschlichen Gesellschaft. Wie die Steine verschiedenar- tig, verschieden farbig und verschieden geformt sind, so unterscheidet sich jeder Mensch vom andern. Und wie sich die Steine aus Korsika unter der Arbeit des Hin- und Hergeschobenwerdens gegenseitig abgeschliffen haben, so müssen sich die Menschen während der Dauer ihres Lebens auch gegenseitig abschleifen; ihre « Kanten » werden rund gefeilt.

Unter meinen Steinen befinden sich auch noch ungeschliffene. Ein vielformiger, gesprenkelter Klotz springt da heraus. Er scheint aus härterem Material zu sein und ist mir Symbol für Menschen, welche « kantig » sind - und bleiben, welche deshalb im Leben hart anstossen und sich oft in den Schwierigkeiten des Lebens nur schwer zurechtfinden.

Und doch sind Schwierigkeiten des Lebens nicht dazu da, dass wir vor ihnen kapitulieren, sondern dass wir mit ihnen fertig werden und nachher neuen Bedrängnissen gereift gegenüberstehen.

Du und ich Wir gleichen zwei Steinen voll Unebenheiten und reiben und stossen uns rund allerseiten und werden zu Kieseln im Flusse der Reiten.

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