Taschenbüchlein für Bergsteiger

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Alleingängerei in den Bergen ist verpönt und sollte bestraft werden. Daß sie doch auch ihre guten Seiten hat, beweist das vorgenannte Büchlein, welches der sich in bescheidenes Inkognito hüllende Verfasser auf seinen einsamen Gängen ausgedacht hat.

Da erscheint gleich am Anfang eine umfangreiche Tabelle über Proviant und Ausrüstungsgegenstände; nicht daß der Verfasser der Meinung sei, alle diese Sachen müssen auf die Bergtour mit, sondern der Tourist treffe seine Auswahl. Liest er aber das ganze Verzeichnis herunter, so kann ihm nicht die Unannehmlichkeit passieren, irgend etwas zu vergessen. Große Beruhigung bedeutet es sicherlich, die Notizen über Notsignale und erste Hülfe bei Erkrankungen und Unglücksfällen im Gebirge im Taschenbüchlein mit sich zu tragen.

Originelle Auffassung und ein großes Geschick, technische Dinge knapp und klar zu erörtern, verraten die Kapitel über Amvendung des Seils, Touristisches Höhenmessen ( mit Tabellen für Aneroidmessungen ), über die Sichtbarkeit von Gipfeln ( mit Tabelle über Erdkrümmung und Refraktion ). Die Sonnentafel und der dem Büchlein beigegebene Klinometer sind höchst originell. Letzteren wünschte ich speziell derjenigen Kategorie von Alpinisten, welche eine Felswand überhängend nennen, welche kaum senkrecht ist und die von 60gradigem Hang sprechen, wenn er 45 Grad Neigung mißt.

Der Abschnitt über Orientierung ließe sich bei einer Neuauflage noch durch Angaben über Orientierung im Nebel vervollständigen: die wichtigsten Handgriffe für Wanderungen auf weiten Flächen, Gletschern oder Plateaus nach Karte und Kompaß allein, nebst einer eventuellen Reproduktion einer Kartenskizze für Marsch im Nebel nach Bilgeri. ( Der alpine Skilauf, München 1910. ) Für die Ermittlung des Zeitbedarfs bei Gebirgsmärschen wird eine im „ Echo des Alpes " 1880 publizierte Formel zitiert, die erfahrungsgemäß recht gute Resultate liefert. Da aber viele Menschen gerade deshalb in die Berge gehen, weil sie sich dort nicht mit Formeln plagen müssen, hat der Autor in liebenswürdiger Weise auch hier eine Tabelle zusammengestellt, welche auf den ersten Blick den mittleren Zeitbedarf herauslesen läßt.

Wie man sieht, alles sehr hübsche, praktische Ideen dieses sich übrigens „ Sempresolo " nennenden originellen Alleingängers. Bei dem famosen Kapitel über Alpine Kochrezepte hege ich allerdings einen kleinen Zweifel an der Selbständigkeit des Autors; denn fast möchte ich glauben, daß er die Redaktion dieses Teils einer SempresoZ« überlassen habe.

Dem Büchlein ist ein auswechselbarer Teil beigegeben, der einen Kalender, Mondkalemler, ein Verzeichnis der alpinen Rettungsstationen und Notizblätter enthält. Er erscheint jedes Jahr neu und ist zu 50 Cts. vom Verlag erhältlich.

Das Büchlein gehört in die Kartentasche eines jeden Touristen, sei es als erfahrener guter Kamerad, als Helfer in der Not oder als Kampfmittel gegen die Tücken des Objektes, als da sind: vergessener Hausschlüssel, Zündhölzer oder Büchsenöffner, angebrannte Mehlsuppe oder versalzene „ Stierenaugen ". Das Format ist ein äußerst handliches; das Ganze wiegt 100 g., also etwa so viel wie zwei oder drei Siegfriedblätter.Hans Bubi.

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