Torres del Paine

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Esther Fuchs Torres del Paine 215 Friedrich Röthlisberger Die Eiszeittheorie - Geburt mit vielen Wehen 230 Annelise Rigo Wege zur Ferienzeit 232 Carole Milz Das Mondgebirge der Antike 190 Markus Aellen Die Gletscher der Schweizer Alpen im Jahr 1984/85 Herausgeber Redaktion Schweizer Alpen-Club, Zentralkomitee; Helvetiaplatz 4, 3005 Bern, Telefon 031 /43 3611, Telex 33 016.

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Piz Roseg von der Schneekuppe aus Photo: Othmar Wenk, Pontresina 238 Jean-Luc Amstutz Der Mount Kenya und seine Kletterrouten Preis Abonnementspreise ( Nichtmitglieder ) für Monatsbulletin und Quartalsheft zusammen ( separates Abonnement nicht möglich ): Schweiz, jährlich Fr. 42., Ausland, jährlich Fr. 58..

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Beglaubigte Auflage: 71176 Exemplare.

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orres del

Paine

Esther Fuchs, Tagelswangen Endlich in Patagonien Für mich ist es wie eine Heimkehr, als ich nach einem langen Stoppertag, verstaubt und todmüde, im reizenden, am Pazifikfjord Ultima Esperanza gelegenen Städtchen Puerto Natales ankomme. Der 182000 ha grosse chilenische Nationalpark Torres del Paine scheint mir bereits zum Greifen nahe. In aller Frühe verlasse ich Puerto Natales Richtung Nationalpark, gewillt, den anbrechenden schönen Tag zu nutzen, weiss man hier doch nie, ob es nicht allzubald wieder zu regnen beginnt. Das Wetter in dieser Gegend verhält sich in der Tat wie ein sehr launischer Mensch! Noch liegen 140 km vor mir, die es bis zu meinem nächsten Ziel, dem Torres del Paine-Park, zurückzulegen gilt. Dabei ist fraglich, ob heute überhaupt ein Fahrzeug des Weges kommt, um mich mitzunehmen. Nun, notfalls werde ich mein Zelt aufschlagen. Lange wandere ich, auf meine Skistöcke gestützt, auf der Schotterstrasse durch die mir unendlich erscheinende patago-nische Pampa. Vorbei an Tafelbergen und flechtenbehangenen, verkrüppelten, niedrigen Südbuchen, die sich vom ewigen Wind tief zur Seite neigen. Ein charakteristisches Bild, geprägt von der Weite, der Einsamkeit und Wildheit eines wahrhaft faszinierenden Landes.

Mich schmerzen die Füsse, und wieder halte ich Ausschau nach einem Fahrzeug. Diesmal endlich nicht vergebens, denn von weitem nähert sich eine Staubwolke. Glücklicherweise darf man auf diesen verlassenen Strassen mit Sicherheit rechnen, mitgenommen zu werden, allein schon weil ein Mensch, der sich zu Fuss in dieser beinahe feindlichen Gegend fortbewegt, erbarmungswürdig scheint.

Ich muss wohl anlässlich meiner beiden früheren Reisen nach Patagonien zu viele der schmackhaften Calafate-Beeren genossen haben, denn bereits 1985 zieht es mich wieder mit magischer Kraft in jenen schönen Teil am Ende der Welt zurück. Diesmal aber reise ich mit voller Bergausrüstung, was meinem Rucksack ein ganz beachtliches Gewicht verleiht.

Dabei kann ich nur hoffen, dass sich das Wetter von einer freundlicheren Seite zeigen wird; bin ich auf Feuerland diesbezüglich doch nicht eben verwöhnt worden: Scheusslicher Regen und stürmische Winde haben mir nämlich während zweier Wochen arg zu schaffen gemacht.

Zu viert, eng gedrängt in der Führerkabine der Camioneta, komme ich mit meinen neuen Begleitern ins Gespräch. Es erstaunt sie, dass ich allein und dazu noch mit einem derart schweren Rucksack reise. Am Eingang des Parkareals angelangt, trennen sich dann unsere Wege bereits wieder. Kaum habe ich die Wagentüre geöffnet, erfasst mich der inzwischen aufgekommene Sturm, der ganze Büsche mit sich reisst und mich wie eine Betrunkene dahertorkeln lässt. Besorgt beobachte ich die sich jagenden, dunklen Wolken. Bis zum eigentlichen Zentrum des Parkes, wo sich die Administration samt Auskunftstelle befindet, werde ich heute bestimmt nicht mehr kommen. Mich fest gegen die heftigen Windböen stemmend, die mir pausenlos Sand ins Gesicht schleudern, mühe ich mich bis zur nahegelegenen Estancia, wo mich die zwei hier lebenden Huasos nach einer kurzen, neugierigen Musterung sofort gastfreundlich empfangen und ins Haus bitten. Die beiden verwalten das riesige Gut mit seinen vielen Schafen, Pferden und natürlich Hunden, den treuen Begleitern und Wächtern, praktisch alleine. Im ärmlich wirkenden, nur mit dem Nötigsten eingerichteten Raum sitzen wir bis spät in die Nacht gemütlich beisammen und trinken Mate, einen herb schmeckenden Tee, der mit einem ( Saugröhrchen ) aus einem meist kürbisartigen Gefäss entweder gesüsst oder bitter getrunken wird. Draussen tobt der Sturm erbarmungslos und peitscht den Regen an die Fensterscheiben. Wie sehr schätze ich die enorme Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft der Chilenen, die ich in keinem anderen Land so intensiv empfunden habe! Hier fühle ich mich wohl; sind mir doch diese einfachen Menschen, deren Ehrlichkeit, Güte und Lebenserfahrung sich aus ihrem wettergegerbten Gesicht ablesen lässt, immer mehr ans Herz gewachsen. Stets dem Wirken der Natur unterworfen, ist bei ihnen - im Gegensatz zu uns - der Urinstinkt noch sehr ausgeprägt. Allerdings sind sie auch auf ihn angewiesen, wenn sie in dieser rauhen Gegend überleben wollen.

Am nächsten Tag verabschiede ich mich von meinen Freunden, um mich nun endlich auf den Weg zur Park-Administration zu machen. Noch aber umlagern tiefe, dunkle Wolken die Berge, und es wird wohl kaum lange dauern, bis Petrus erneut die Schleusen öffnet. Glücklicherweise bewahrheiten sich diese Befürchtungen nicht, so dass ich schliesslich Gletscherabbruch ( Patagonien ) ohne weitere Verzögerung mein Ziel erreiche und meine alten Freunde, allen voran Brigitte Buhofer und Pepe Alarcon, begrüssen kann. Brigitte, eine Schweizerin, hat genau wie ich hier ihr Herz verloren und lebt nun bei Pepe in der Guarderia Grey. Von den Parkwächtern ist Pepe der einzige Bergsteiger und wohl auch derjenige Mann, der hier am meisten Initiative entwickelt.

Am Abend habe ich das Glück, an einem Diavortrag über den Park, der anlässlich des Besuches eines hohen Gastes aus Santiago gegeben wird, teilnehmen zu dürfen. Dabei werden die wild lebenden Tiere dieser Region vorgestellt, so u.a. Guanako, Grau- und Rotfuchs, Puma ( Silberlöwe ), Chilque ( Stinktier ), Mara ( Wildkaninchen ); dazu zahlreiche Vogelarten, wie Nandi ( Strauss ), Schwarzhals-schwan, Wildente, Wildgans, Carancho ( Falke ), und natürlich der König der Cordillera, der Kondor. Ein ebensolcher Reichtum findet sich in den zahlreichen Gewässern, wo Lachse und Forellen vorherrschen.

Zwei Tage lang regnet es daraufhin ohne Unterbruch, was mich nun allerdings nicht mehr stört, habe ich doch -wie man hier so treffend sagt - todo el tiempo del mundo!

Dann endlich wieder Sonnenschein! Die Berge zeigen sich in fast unwirklicher Schönheit, beinahe als wenn sie sagen wollten:

Ich sitze mit Pepe und Brigitte in der Küche der Guarderia am Lago de Grey, weitab von jeglicher Zivilisation. Beide sind zufrieden an diesem idyllischen Ort, in vollkommener Einheit mit der Natur leben zu dürfen. Bereits hat wieder Regen eingesetzt. Und so warte ich bei meinen Freunden auf besseres Wetter, denn ich will zum Lago Pingo und von dort aus den Cerro Zapato besteigen.

Allein auf Bergtour Endlich klärt sich der Himmel auf, so dass ich zum Lago Pingo aufbrechen kann. Der Weg führt mich zuerst einem Fluss entlang, dann allmählich ansteigend durch einen wunderschönen Südbuchenwald. Nach etwa vier Stunden erreiche ich eine Anhöhe, und vor mir öffnet sich der Blick hinüber zum Lago Pingo und zum gleichnamigen Gletscher, dessen Zunge im Wasser ruht. Dahinter breiten sich die enormen Eismassen des weit nach Norden reichenden, ungefähr 22000 km2 umfassenden Hielo Continental aus - eine riesenhafte, von einer mächtigen Eisdecke überzogene Hochfläche. Pepe, der schon lange hier lebt und es eigentlich wissen müsste, hat mir einmal auf meine Frage, ob je schon ein Mensch diese unwirtliche Gletscherwüste von Norden nach Süden oder umgekehrt durchquert habe, geantwortet, dass ihm davon nichts bekannt sei. Zwar soll es eine französische Expedition vor ein paar Jahren versucht haben, doch hat sie des schlechten Wetters wegen aufgeben müssen. Ein derartiges Unternehmen wird sicher stets ein Wagnis sein, das nur den erfahrensten Bergsteigern vorbehalten bleibt. Um so mehr, als die hier immer wieder und zudem meist noch sehr plötzlich einsetzenden Schnee- und Hagelstürme, zusammen mit tückischen Gletscherspalten und dem rasch einfallenden Nebel, ein nicht zu unterschätzendes Hindernis bilden.

Nun entdecke ich auch das Refugio Pochongo. Pochongo, der bis zu seinem Tode vor ein paar Jahren hier lebte, wusste in der Tat, wo die Welt schön ist. Vor der Hütte breitet sich eine saftig grüne Wiese bis zum Fluss aus. Die Sicht auf das Paine-Massiv, deren Gipfel zum Teil bis 3000 m hoch aufragen, ist wahrhaft überwältigend.

Bald habe ich genug Brennholz gesammelt, so dass ich Zeit finde, mich gemütlich vor die Hütte zu setzen, um nochmals den Cerro Zapato zu betrachten, den ich morgen zu besteigen gedenke. Natürlich ist mir klar, dass ich hier ganz allein auf mich angewiesen bin und mit keiner Hilfe rechnen darf: Einmal abgesehen, dass Pepe für einige Tage nach Puerto Natales gereist ist, wüsste er ohnehin nicht, welchen Auf- und Abstieg ich wählen würde; auf den Cerro Zapato führt kein markierter Pfad - jeder muss sich seinen Weg somit selber suchen.

Langsam versinkt die Sonne hinter den Bergriesen, wobei sie nochmals die für die Patagonischen Anden so typischen Gipfeleispilze aufleuchten lässt. Rasch wird es kalt. Gerne ziehe ich mich in die Hütte zurück, die über einen Schlafraum und eine Küche verfügt, wobei sich vor allem letztere in einem erbärmlichen Zustand befindet. Bevor ich sie benützen kann, muss ich zuerst mit einem Wischer die Runde machen. Wie in allen Refugios haben auch hier die Mäuse ihre Spuren hinterlassen, und ich bin sicher, dass sie mich auch heute Nacht besuchen werden. Auf alle Fälle hänge ich meinen Rucksack für sie unerreichbar an einen Nagel, denn meine Esswaren sind ohnehin schon knapp bemessen.

Früh am nächsten Morgen schäle ich mich aus dem warmen Schlafsack.

Über dem Inlandeis liegt dichter Nebel, doch bin ich optimistisch und glaube, dass er sich im Laufe des Tages auflösen wird. Frohen Mutes und voller Überzeugung, dass sich mir keine grossen Schwierigkeiten bieten werden, folge ich zunächst einem breiten Wildbach, immer in der Hoffnung, einen günstigen Übergang zu finden, um ( meinem Berg> näher zu kommen. Aber abwechslungsweise sperren Dickicht oder steil ins Wasser abfallende Felsen den Weg entlang des Ufers. Doch ich muss nun endlich über den Bach! Also hänge ich mir die Schuhe um den Hals, und die Hose ziehe ich auch gleich aus. Mit den Skistöcken das Gleichgewicht wahrend, taste ich mich Schritt für Schritt durch das eiskalte, bis zu den Oberschenkeln reichende Gletscherwasser und versuche nicht an den sich allmählich einstellenden in den Waden zu denken. Wenigstens sind meine Füsse wieder einmal gewaschen. Glücklich auf dem Trockenen angelangt, schlüpfe ich in meine Sachen und beginne sehr vorsichtig über die brüchigen Felsen emporzuklettern. Was aber von unten betrachtet wie ein langgezogener, gleichmässig ansteigender Bergrücken erschien, entpuppt sich hier oben leider als ein beinahe unaufhörliches Auf und Ab. Besonders zu schaffen machen mir dazu noch die manchmal bis zum Bauch reichenden und entsprechend mühsam zu durchquerenden Dornbuschge-hölze. Doch endlich erreiche ich die ersten aufgeweichten Schneefelder. Mit Erschrecken stelle ich fest, dass die Sonne schon im Zenit steht, ich aber noch bestimmt zwei Stunden bis zum Gipfel benötige. Ich beschleunige meine Schritte, so gut es geht, und allmählich scheint mir das Ziel doch zum Greifen nahe. Jetzt, am vergletscherten Gipfelhang, schnalle ich mir die Steigeisen an, denn meine Schuhe greifen auf dem mit eisigen Stellen durchsetzten, beinharten Schnee nicht mehr genügend.

Überglücklich stehe ich schliesslich auf dem 1480 m hohen Cerro Zapato und lasse meine Augen über die unendliche Weite des Festlandeises schweifen. Direkt unter mir erstreckt sich der enorme Eisstrom des Tyndall, der sich weiter nördlich mit den Gletschern Sicht vom Cerro Zapato auf Pingo- und Grey-Gletscher Pingo, Grey und anderen vereint. Einige aus dem Eis ragende Berge laden direkt zu Skitouren ein. Ob soviel Naturschönheit vergesse ich sogar die vorgerückte Stunde wie auch die bissige Kälte. Auf einmal muss ich feststellen, dass die Zeit drängt, und so entschliesse ich mich, direkt zum Lago Pingo abzusteigen. Zunächst verlangt der steile Gipfelhang Vorsicht, wo eine trügerische Neuschneeschicht verschiedenerorts die klaffenden Spalten verdeckt. Ich atme deshalb auf, als ich den Gletscher hinter mir lasse. Aber noch habe ich mich zu früh auf einen problemlosen Rückmarsch gefreut. Denn als ich nach mühsamem Waten in unergründlichem Nassschnee meine fast gefühllosen Füsse endlich auf aperes Gelände setze, versperrt mir eine riesige Felswand den weiteren Abstieg. Auf die Uhr brauche ich schon gar nicht zu schauen; die Sonne, die noch knapp über dem Horizont hinter den Bergen zu sehen ist, sagt mir genug. Zu gerne hätte ich mich einen kurzen Moment ausgeruht, doch statt dessen bleibt mir nichts anderes übrig, als erneut ein Stück aufzusteigen, um so in einem grossen Bogen diese Felsen umgehen zu können. Kaum habe ich dieses Hindernis hinter mich gebracht, gerate ich wieder in den Südbuchenwald mit seinem fast undurchdringlichen Unterholz. Halb kriechend muss ich mich hier durchzwängen.

Inzwischen ist es dunkel geworden. Ich bin jetzt auf der Ebene nahe dem Lago Pingo, stecke jedoch noch immer im Dickicht. Immerhin sehe ich von Zeit zu Zeit den markanten Gipfel, der mir als Orientierungspunkt dient. Dann aber merke ich, dass ich in diesem Wald im Kreise herumirre: Das Bächlein, das ich mehrmals quere, ist immer dasselbe. Meine Selbstsicherheit sinkt jetzt fast auf den Nullpunkt. Ich befinde mich mitten in einem Sumpfgebiet, durch das ich mich mit triefenden Schuhen durchkämpfe. Doch endlich erreiche ich den grossen, reissenden Wildbach und bin somit dem gespenstischen Wald entronnen. Nirgendwo sonst habe ich einen so sternenübersäten Himmel gesehen. Wäre mir im Moment danach gewesen, ich wäre bestimmt ins Träumen geraten. sporne ich mich energisch an, denn Mut habe ich kaum mehr. Irgendwie erreiche ich aber trotzdem das andere Ufer und nach geraumer Zeit auch das Refugio. Jetzt habe ich nur noch einen Wunsch, schlafen, schlafen - es ist ja auch schon 22 Uhr.

Ausklang Am nächsten Morgen sind die Berge und Gletscher dick in Wolken verpackt. Schade, hätte ich doch zu gerne meinen Abstiegsweg gesehen, der bestimmt nicht zu empfehlen ist. Geblieben sind mir ein erlebnisreicher Tag und unzählige Kratzer an Armen, Beinen und im Gesicht.

Gemütlich wandere ich zurück zur Guarderia Grey, zu Pepe und Brigitte, worauf Pepe und ich uns noch entschliessen, den jungfräulichen, 1590 m hohen Cerro Ferrier zu besteigen. Ebenfalls ein mühsames Unterfangen, aber auch lehrreich, weil man sich seinen Weg selber suchen muss und nicht bloss Trampel-pfaden zu folgen braucht, um den Gipfel zu erreichen. Welch imposante Rundsicht belohnt uns doch für die Mühe! Wie viele Berge warten hier auf ihre Erstbegeher! Dabei weisen aber manche dieser Gipfel vor allem wegen der aussergewöhnlichen klimatischen Verhältnisse grösste alpinistische Schwierigkeiten auf.

Man sagt: Wer von den Calafate-Beeren isst, kehrt wieder zurück. Obwohl ich sie sehr gerne esse, benötige ich sie keineswegs als 189 Ausblick vom Cerro Ferrier gegen den Seendistrikt Lockmittel, denn ich liebe die Menschen, Tiere, Berge und die Einsamkeit so sehr, dass ich baldmöglichst wieder hierhin zurückkehren werde.

Nachwort Vor kurzem hat wiederum ein grosser Waldbrand in diesem Park gewütet. Und erneut ist dieser Brand auf die Unvorsichtigkeit von Touristen zurückzuführen. Es scheint, dass sich diese Leute gar nicht bewusst sind, was für einen Schaden sie mit ihrem Leichtsinn anrichten. Jedermann sollte doch wissen, dass hier die Natur schon genug mit den extremen Witterungsverhältnissen zu kämpfen hat und uns Menschen bestimmt nicht noch zusätzlich als Feinde benötigt.

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