Trifthorn-Obergabelhorn

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Von W. Kirstein

Mit 2 Bildern ( 151, 152London ) Die Wetterberichte, die wir in London aus den Alpen in diesem Sommer 1953 bekamen, waren nicht so gut. Freunde, die im Juli in die Schweiz gegangen waren, kamen zurück und klagten, dass es kaum möglich gewesen wäre, Hochtouren auszuführen. So kam es uns ganz gelegen, dass unser junger, aber langjähriger Freund Toni Biner ( aus St. Niklaus ) uns schrieb, er werde erst Ende August frei für uns sein.

Eine Woche braucht man, um sich zu akklimatisieren, wenn man aus dem so sehr verschiedenen englischen Klima kommt. So kamen wir am 18. August in Zermatt an und trafen uns mit Toni eine Woche später am Riffelhorn, um ein wenig zu üben und um das Programm festzulegen. Wir planten, am nächsten Morgen auf die Rothornhütte zu gehen und Trifthorn und Obergabelhorn zu versuchen.

Aber wir hatten nicht mit dem Wettergott gerechnet. Als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster sahen, war das Matterhorn verschwunden: alles war ein undurchdringliches Grau, rundherum, kaum zu unterscheiden von einem echten Londoner Nebel. Nach telephonischer Beratung mit Toni in St. Niklaus entschieden wir, noch einen Tag zu warten. Am nächsten Tage das gleiche Bild. Toni, dessen Urlaub zu Ende ging, beschloss, heim nach Bern zu fahren. Ungefähr eine Stunde später begannen die Nebel aufwärts zu steigen, und manchmal konnte man sogar durch Wolkenrisse Teile der frischbeschneiten Matterhornnordwand erkennen. Ich rief sofort Toni wieder an, der noch tiefen Nebel in St. Niklaus berichtete. Er versprach, uns am Abend auf der Rothornhütte zu treffen und einen Vetter, einen Zollbeamten, mitzubringen. Später sollte sich uns noch der Pfarrer von St. Niklaus anschliessen.

Schon beim Aufstieg durch die Triftschlucht brach die Sonne durch; beim Trifthotel trafen wir eine weitere Partie für das Trifthorn: Mrs. Erlanger aus New York mit ihrem Sohn und einem Furrer als Führer. Ich hatte sie vor vier Jahren auf dem Matterhorngipfel mit Otto Furrer als Führer kennengelernt. Zwei Jahre später hörte ich von Ottos tragischem Ende am Matterhorn und von Frau Erlangers Verletzung. Jetzt bewunderte ich den Mut Die Alpen - 1954 - Les Alpes24 dieser Frau, mit ihrem jungen Sohn wieder in die Berge zu gehen, nach all dem Schweren, das sie erlebt hatte. Zusammen gingen wir zur Rothornhütte, wo für unser leibliches Wohl aufs beste gesorgt wurde. Bezaubernd ist die Lage dieser Hütte. Man weiss nicht, was schöner ist, der Sonnenuntergang, wenn die Monte-Rosa-Kette rosig gefärbt wird, oder der Sonnenaufgang, wenn das Matterhorn vergoldet ist, während die anderen Berge noch im Schatten liegen und die Sonne selbst noch tief hinter der scharfen Silhouette der Mischabel verborgen ist. Alle Müdigkeit war bald verschwunden, als wir, meine Frau, unsere Tochter und ich, mit Toni und dem Zöllner am nächsten Morgen die Hütte gegen 6 Uhr verliessen. In sanftem Anstieg über den Triftgletscher erreichten wir bald den Bergschrund unterhalb des Triftjoches, den wir auf einer bequemen Brücke kreuzen konnten. Das Joch selbst schneidet tief in den vom Trifthorn zur Wellenkuppe führenden Grat ein und war in leichter Kletterei bald erreicht. Hier begann das ernsthafte Klettern. Die Verhältnisse waren ideal, die Felsen trocken und schneefrei. M. Kurz rät im Klubführer, eine Schulter in halber Höhe des Grates durch einen Kamin in der Mountetflanke zu umgehen. Toni hielt sich hingegen weiter rechts, er führte uns in die Zermatter Flanke des Trifthorns. Das brachte uns zu einer technisch etwas schwierigeren Stelle, wo in einer Verschneidung zweier Felswände ein Weg zum First zurück gefunden werden musste. Als wir den Grat wieder erreicht hatten, trafen wir einen Führer mit seinem Touristen schon auf dem Rückweg. Schön, aber luftig, nannte er den Grat.

Wenn wir nicht zu beschäftigt mit dem Klettern waren, genossen wir die wundervollen Fernsichten, die uns die klare Herbstluft erlaubte. Besonders eindrucksvoll waren die Rückblicke auf die Südflanke des Obergabelhorns, unseres Zieles für den nächsten Tag. Diese eisgepanzerte Fläche, begrenzt oben von riesigen, weissen Wächten, die sich scharf von dem tiefen Blau des Himmels abhoben, und unten von einem gigantischen Bergschrund, wird wohl jedem von uns in Erinnerung bleiben. Auf dem Trifthorngipfel hatten wir eine köstliche Ruhestunde. Eine kleine Mulde zwischen dem südlichen Felsgrat und der nördlichen Schneewächte war wie geschaffen zur Rast in der Sonne. Beim Abstieg kam uns der Grat noch luftiger vor; Toni verliess ihn in der unteren Hälfte, um durch die Triftflanke zum Gletscher hinunter zu traversieren. Eine kurze Glissade wurde rechtzeitig vor dem Bergschrund gestoppt.

Die weiblichen Mitglieder unserer Partie stiegen noch am gleichen Tage nach Zermatt ab, wo sie in tiefer Dunkelheit anlangten. Dagegen wurden wir verstärkt durch den Pfarrer, der mit einem unwahrscheinlich schweren Rucksack bei Einbruch der Dunkelheit eintraf.

Ein klarer Abend versprach uns einen idealen Tag für das Obergabelhorn. Um halb 5 Uhr brachen wir auf. Keine Laterne ist nötig heute. Der sternenklare Himmel gibt uns genügend Licht auf dem Gletscher. Die kühle Nachtluft lässt uns mühelos steigen, und bald können wir das bezaubernde Farbenspiel des werdenden Tages beobachten. Leichte Felsen bringen uns zu einem Schneehang, über den wir zum Gipfel der Wellenkuppe ansteigen ( 7 Uhr ). Ein kurzes Verschnaufen, und dann geht es ein wenig abwärts, bis an den Fuss des grossen Gendarmen, der den Weiterweg auf dem nun sehr schmalen Grat zum Obergabelhorn zu sperren scheint. Glücklicherweise - für mich wenigstens - ist ein festes Seil dort vorhanden. Aber trotzdem habe ich gehörig zu schnaufen, ehe ich auf der Spitze des Felsturmes stehe.Von hier aus werden gewöhnlich Steigeisen angelegt. Aber heute finden wir Spuren im festen Schnee, Tritte, die uns sicher genug erscheinen. So lassen wir die Eisen im Sack, und höher geht es, dem steiler und schmäler werdenden Grat entlang. Hier, vor 75 Jahren, sprang Ulrich Almer einen Meter hinunter auf der Eisflanke und hielt alle drei Kameraden, die mit einer Wächte nach der Zermatter Seite durchgebrochen waren.

( The Victorian Mountaineers, Ronald Clarke. ) Auf der linken Seite können wir nicht ganz bis zum Rand gehen, der Grat ist zu überwachtet. So hält man sich auf der steilen rechten Seite, vorsichtig prüfend, ob der Pickel nicht in einer der schmalen Spalten versinkt, die hier parallel zum Rande des Grates laufen. Manchmal scheint es fast, als ob man durch einen Spalt im Eis nach der Zermatter Seite hindurchsehen könne, so schmal wird der Grat.

Wir sind uns klar, dass wir am oberen Rand des Zuckerhutes entlang spazieren, den wir gestern vom Trifthorn bewundern durften.

Hier musste ich auf die schönste Aufnahme der Tour verzichten: rückblickend sah ich die « Wellen » der Wellenkuppe silbern leuchtend in der Morgensonne unter uns; aber Toni erlaubte keinen Halt hier. Er wollte so schnell wie möglich vom Schnee auf den Fels des Arbengrates, weil an diesem steilen und ausgesetzten Eishang die Sicherung ungenügend war. Um 9 Uhr 15 fanden wir auf dem Gipfel einen bequemen Ruheplatz, wie gestern zwischen der Wächte und den beginnenden Felsen. Wir genossen das herrliche Panorama, von den Saaser Bergen über das nahe Matterhorn und Dent d' Hérens bis zum Mont Blanc.

Im Abstieg hatten wir eine andere Partie vor uns, einen Zermatter Führer mit seinem Touristen. Oft, wenn der Grat zu steil wurde oder Gendarmen in der Westflanke über steile und griffarme Platten umgangen werden mussten, sicherte sich der Führer, ein sicherer und vorsichtiger Kletterer, am Doppelseil. Klemmte sich das Seil ein, so warf ich es ihm hinunter. Toni, in seinen Vibrams, schien keine Schwierigkeiten zu spüren. Aber an diesen Stellen warnte er mich, dass ich mich zu sichern hatte, bevor er ungesichert nachkam. Unsere zwei Gefährten kamen uns langsam nach. Es dauerte etwa drei Stunden, bis wir auf dem ausgesetzten und steilen Arbengrat so weit heruntergeklettert waren, dass wir, kurz vor dem Arbenjoch, den Grat verlassen und in der Südwand nach Osten zu den ersten Schneefeldern hinübertraversieren konnten. Nach einer Stunde leichteren Kletterns waren wir auf dem Schnee. Auf dem Grat war es angenehm kühl gewesen, hier wurden wir fast gebraten in der Sonne. Wir waren froh, dass eine längere Rutschfahrt uns bald zum andern Rand des Schneefeldes brachte. Nicht mehr lange, und wir marschierten auf der staubigen Moräne dem Zmutt-Tale zu.

In Kalbermatten stillten wir unseren Durst, und dann wanderten vier glückliche Bergsteiger talabwärts. Welch ein Genuss, an solchem Abend die würzige Bergluft mit vollen Zügen einzuatmen. Das Zermatter Tal war mir noch nie so schön erschienen. Das helle Grün der Wiesen, die Pracht der Blumen, die dunkleren Farben der Wälder gaben ein wunderbares Bild in der Abendsonne.

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