Über den Wert der Alpenstrassen

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In seinen « Bemerkungen auf einer Alpenreise » ( Bd. II ) schrieb Anno 1825 Oberförster Karl Albrecht Kasthofer ( 1777-1853 ), als er den « Weg von Maloya nach Chiavenna » ging, in sein Tagebuch:

« Die Strasse von Sils über den Maloya nach Casaccia ist nicht fahrbar, wird aber ohne Zweifel es bald werden, da die Regierung von Bünden wirklich die Strasse von Sils über den Julier, durch das Oberhalbsteinthal und die Parpanheide nach Chur fahrbar machen lässt, und mithin nur die kurze, unfahrbare Strecke über den sanft ansteigenden Maloya, die kürzeste Handelsverbindung zwischen Chur, dem Engadin, und den südlichen Ausläufern der Splügen- und Bernardinstrasse unterbricht. Bei den Hemmungen des Handels, mit denen die Schweiz umgeben ist, wird jede fahrbare Strasse wünschenswerth, welche im Innern der Alpenthäler unter sich und mit angrenzenden Staaten in leichte Verbindung setzt... Dass in ungestörter Betriebsamkeit, in freier Berührung, in freiem Austausch der Erfahrungen und Hülfsleistungen, der Erzeugnisse und Bildungen, ein Nationalsinn sich gestalte, der einst gut mache, was seit Jahrhunderten der Lokalsinn verdorben: dafür sind fahrbare Strassen im Innern der Schweiz ein unerlässlicher Bedarf, selbst dann, wenn diese Sperren aller Staaten gegen alle noch lange fortdauern sollten. Es giebt in der Lehre der Ursachen des Wohlstandes der Völker eine Wahrheit, die älter ist und fester steht, als zufällige Begrenzungen und Finanzspekulationen; eine Wahrheit, die in unsern Tagen sich allgemein zu verbreiten scheint, und wohl am ersten geeignet ist, diese tiefen Wunden eines zwanzigjährigen Völkerkrieges zu heilen; die Wahrheit nämlich: dass nur die Freiheit des Verkehrs zwischen allen Völkern, zum Heile aller gereichen könne. Der einzelne Mensch soll ja nicht an die Erdscholle, auf der er geboren, gefesselt seyn, nicht nur zu seinen Füssen den Boden aufwühlen, um in stumpfsinniger Genügsamkeit die wenigen Bedürfnisse von den wenigen Erzeugnissen zu befriedigen, die diese Erdscholle ihm trägt; eben so wenig, als der einzelne Mensch dürfen Geschlechter, Gemeinheiten, Staaten sich von einander abschliessen. In unendlicher Mannigfaltigkeit sind über die ganze Erde Kräfte und Erzeugnisse verbreitet, und so weit diese Erde von vernünftigen oder der Vernunftbildung fähigen Menschen bewohnt ist, so weit sollen diese jeden Mangel und Bedarf durch Austausch ausgleichen können... Überall über die ganze bewohnte Erde soll darum der Handel seine Kreise ziehen, und nicht nur einzelne, zufällig sich naheliegende Gemeinheiten, sondern in allen Richtungen die nächsten und entferntesten mit den nächsten und entferntesten in Verbindung setzen, und wie Moses Zauberstab durch Berührung Quellen aus dem dürren Gestein der Wüste entband, sein irrendes, verschmachtendes Volk zu retten, so soll der Genius des Handels alle Völker berühren, und einen Kreis schliessen, der zugleich die ganze Erde in sich fasse, auf dass der Menschen Tätigkeit, ihre Erfindungsgaben und Geisteskräfte belebt, der Erde Erzeugnisse, dem Menschen Bildungen entlockt werden.Solchen Betrachtungen hatten wir uns von Maloya heruntersteigend, in Erinnerung des Julierpasses und seiner zu hoffenden Vorteile hingegeben, in Erinnerung auch der rührenden Klagen, die uns im Unterengadin von Tyrolischen und Bündischen Landleuthen, über die Lähmung alles Verkehrs zu Ohren gekommen. »

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