Überschreitung des Massivs «La Seile» (2680 m) - Haiti

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VON DANIEL BESANCET MITGLIED DER SEKTION PRÉVÔTOISE DES SAC

Eine Gruppe junger Schweizer Volontäre arbeitet gegenwärtig in Jérémie und in Port-au-Prince, auf der Insel Haiti. Unter der Patenschaft des « Département missionnaire romand » müssen diese « Gais Vagabonds », wie sie sich nennen, in einem Lande mit sehr primitiven Verbindungswegen umherreisen, um sich des Unterrichts, der Landwirtschaft, der Evangelisation und der Krankenpflege anzunehmen. Das Nützliche mit dem Angenehmen verbindend, haben drei Mitglieder der Mannschaft von Port-au-Prince eine kleine Expedition zur Überschreitung des Massivs von La Selle, der höchsten Erhebung des Landes, organisiert.

Der südliche Teil der Insel Haiti im Karibischen Meer wird durch einen 250 Kilometer langen und 35 Kilometer breiten Gebirgszug gebildet. Dieses Land weist eine sehr starke Erosion auf und wird regelmässig von Wirbelstürmen heimgesucht. Unsre Route sieht die Traversierung dieser Region vor, von Port-au-Prince bis zum Meer der Antillen, über das höchste Massiv des Landes, dasjenige von « La Selle ».

Die normale Route umgeht dieses Massiv und überquert den Fluss etwa fünfzigmal; sie erfordert eine zwölfstündige Fahrt mit dem Jeep. Wir ziehen die direkte Route über steile Wege und durch Buschwälder vor. Wir haben den 20.Dezember; aber nichts lässt an Weihnachten denken. Die Hauptstadt bietet das übliche Bild einer Grossstadt von 400000 Einwohnern, farbenprächtig und sehr volksreich. Es ist so heiss und schwül, dass man beinahe erstickt. Wir machen unsre Einkäufe und fragen auf der Post nach Nachrichten aus der Schweiz; dann nehmen wir Platz in unserm Wagen, der uns rasch nach Kenscoff führt, einem Ferienort auf 1000 Meter Höhe, 20 Kilometer von Port-au-Prince entfernt. Kenscoff ist das Ende der Zivilisation. Schluss mit elektrischem Strom und asphaltierten Strassen, Beginn des Unbekannten für denjenigen, der sich mit einem Auto weiter vor-wagt. Pannen sind an der Tagesordnung; wir können froh sein, wenn wir ohne Plattfuss, durchlöchertes Benzinreservoir, abgerissene Ölleitung oder Achsenbruch zurückkommen! Unser VW-Bus, der schon drei Jahre Haiti hinter sich hat, hat offenbar beschlossen, uns auch dieses Mal wieder gut und ohne Unannehmlichkeiten ans Ziel zu bringen. In einer Stunde Fahrt im ersten Gang legen wir die acht Kilometer zurück, die uns von Furcy, dem Ziel unsrer ersten Etappe, trennen. Zwei Mädchen fahren mit dem leeren Wagen wieder hinunter, und wir nehmen die Säcke auf den Rücken für die letzte halbe Stunde.

Es gibt keine Clubhütten in diesem Land, so übernachten wir im Ferienhaus eines Missionars. Von hier aus werden wir die Reise teils zu Pferd, teils zu Fuss weiterführen. Wir treten in Verhandlungen mit Eingeborenen, um Pferde zu mieten und einen Führer zu engagieren. In einem Lande, wo man nichts ohne endloses « Markten » abschliesst, ziehen sich die Palaver endlos in die Länge. Schliesslich werden wir mit einem Schwarzen einig, der uns für zwei Dollars begleiten wird. Die Reise dürfte voraussichtlich vier Tage dauern. Wer von uns würde in einem tropischen Klima für Fr. 8.80 100 Kilometer barfuss zurücklegen? Und doch ist dieser Bauer ein Bevorzugter. Er gehört zu denjenigen, die einen « job»1 gefunden haben.

Der Aufbruch wird auf 4 Uhr morgens festgesetzt; das ist aber ein sehr dehnbarer Begriff, denn die Eingeborenen haben weder Uhren noch Wecker. Nur sehr selten findet man einen Besitzer einer Uhr, der die Bekanntgabe der genauen Zeit für 25 Rappen verkauft! Am Sonntag, wenn man rechtzeitig zur Messe kommen will, schliessen sich die Familien zusammen, um ein Kind « nach der genauen Zeit » zu schicken.

Morgens um vier rührt sich noch nichts. Wir gehen hinaus, um den Hahnenschrei nachzuahmen. Sämtliche Hähne in der Umgebung fangen einer nach dem andern zu schreien an, und schliesslich wacht der Führer auf. Wir laden ihn zum Frühstück ein und brechen erst um 6.30 Uhr auf. Unsre Karawane besteht aus Freddy Aegerter, einem Schlosser aus Gland, Jean-Claude Monnier, einem Schreiner und Zimmermann von Arnex-sur-Orbe, und mir selbst. Didier, unser Führer, ist ein Bauer aus der Gegend, schwarz wie Ebenholz. Er wird die ganze Tour barfuss zurücklegen, mit einer « macoute»2, deren Inhalt unsre Neugierde den ganzen Tag wachhält.

Wir haben drei Sattelpferde und dazu ein Lastpferd. Das ist eine gute Lösung: den ganzen Weg zu Pferd zurückzulegen, wäre viel zu ermüdend und zu aufreibend in diesem tropischen Klima. Wir machen keine eigentliche Bergtour, sondern unternehmen nur einen langen Fussmarsch in einer sehr gebirgigen Gegend mit viel Auf und Ab. Auf der ganzen Strecke werden wir sowohl von der Folklore als auch von den Naturschönheiten beeindruckt. Der Aufbruch mutet an wie ein Märchen: wir reiten durch einen Pinienwald auf einem ausgetretenen Weg. Auf beiden Seiten wachsen die « Christmas », jene roten Sternblumen, die in der Schweiz zu fünf Franken das Stück verkauft werden, hier aber wie Unkraut umherstehen.

Nach einer halben Wegstunde kommen wir für heute am letzten Spezereiladen vorbei:Zwei Frauen kauern hinter einer Reihe von Bananenblättern, auf denen die Waren in kleinen Häufchen liegen. Wir verproviantieren uns mit « cassave », einer Art Maniokkuchen, und mit « rapadou », einer aus Zuckerrohr hergestellten Süssigkeit. Von nun an werden wir auf kleinen, steilen und gefährlichen Pfaden marschieren, die an eindrucksvollen Hängen entlang führen. Die Berge sind abgeholzt und ausgewaschen. Von weitem betrachtet, erscheint die rotbraune Erde unbewohnt; 1 Einen « job » finden bedeutet für einen Haitianer: eine Beschäftigung finden, wenn auch nur von kurzer Dauer.

2 « Macoute »: Eine aus Stroh geflochtene Umhängetasche.

kommt man jedoch näher, so stellt man fest, dass jeder kleinste Hang bewohnt und jedes zugängliche Fleckchen Erde bebaut ist. Die Hütten mit aus Zweigen geflochtenen Wänden und Strohdächern sind eins mit der Erde und machen den Eindruck, hier wie Pflanzen gewachsen zu sein. Die Menschen, alles Schwarze, scheinen ebenfalls mit dem Boden eins zu sein, während wir, wir Zivilisierten, uns wie Flecke ausnehmen und oft Spuren in der Natur hinterlassen. Wir können die « mornes»1 nicht genug bewundern, jene kleinen Pfade, ausgetreten durch Hunderte von Frauen, die täglich barfuss ihr Gemüse auf den Markt tragen.

Die Einheimischen, einst als Sklaven aus Afrika importiert, sind seit ihrer Befreiung im Jahre 1804 sich selbst überlassen. Sie sind Analphabeten, haben keine Möglichkeit, ihre Kinder zur Schule zu schicken, sehen nie einen Arzt, und die meisten leiden an Malaria, Tuberkulose und Magengeschwüren. Die einfachsten hygienischen Massnahmen sind ihnen fremd. Allzu viele Neugeborene leiden an Nabel-Starrkrampf, denn das einzige Schneidewerkzeug ist das Buschmesser, das zu allem und jedem dient, sogar zum Pflügen. Die Religion, ebenfalls afrikanischen Ursprungs, ist das « Vaudou ». Die katholischen und protestantischen Missionen unternehmen grosse Anstrengungen in geistiger, sozialer und erzieherischer Hinsicht.

Nach zweistündigem Marsch kommen wir auf einen kleinen, kahlen Gipfel. Ein Strohdach ist errichtet worden, und etwa dreissig Personen drängen sich darunter. Sollte es, so weit ab von der Welt, in diesem Lande doch eine ABC-Schule geben? Oder handelt es sich um ein Gericht, eine Versteigerung? Wir treten näher und hören, wie von Sankt Matthäus gesprochen wird. Ohne Zweifel handelt es sich um einen schwarzen Prediger. Gleichgültig ob Katholik, Protestant oder Sektierer, das Resultat ist praktische dasselbe: die Leute kommen mit ihren Sorgen und Freuden zusammen, sie singen und beten mit einer Inbrunst, deren wir Europäer nicht mehr fähig sind. Sie leben nicht mehr in ihrer heidnischen Angst, sondern sind befreit und glücklich...

Etwas weiter begegnen wir ungefähr zwanzig Frauen, die Wäschekörbe auf dem Kopf tragen. Sie singen einstimmig ein kreolisches Lied mit einer sehr schönen Melodie. Sie sind auf dem Weg zum Bach, um ihre Wäsche zu waschen. Welche Armut, welche Verlassenheit! Und doch welche Lebensfreude, die wiederzufinden man vielen Europäern wünschen möchte!

Das Gelände ist so uneben, dass wir unsre Pferde über ein Drittel des Weges am Zaume führen, um sie zu schonen. Wir müssen über Bäche und Baumstämme springen und felsige Stellen erklettern. Während der ganzen Tour sind wir über die Behendigkeit und Ausdauer dieser kleinen, mageren Pferde nicht aus dem Staunen gekommen Nie hätten wir ihnen soviel « Klettertalent » zugetraut. Mehr als einmal mussten wir die Lasten selbst tragen. Die Pferde erhoben sich dann auf die Hinterläufe und hüpften in drei, vier Sprüngen nach Gemsenart.

Nach dreistündigem Marsch erreichen wir den Pass zwischen dem « Mont La Brouette » und dem « Mont La Visite ». Nebel hüllt uns ein. Ich gehe einige Schritte in Richtung des eine halbe Stunde entfernten Mont La Brouette. Ein Dickicht von Schlingpflanzen, hohem Gras und Kakteen versperrt den Weg. Ich halte es für nutzlos, mir mit dem Buschmesser einen Weg zu bahnen, um schliesslich nichts zu sehen, um so mehr, als wir noch einen weiten Weg vor uns haben. Wir sind auf einer Höhe von über 2000 Metern und möchten noch heute nacht das Meer erreichen.

Viele Frauen benutzen diesen Passweg, um ihr Gemüse nach Kenscoff und Port-au-Prince auf den Markt zu tragen. Um ein paar « gourdes»2 zu verdienen und damit einige unentbehrliche Waren wie Salz, Seife, Zucker und Öl zu erstehen, zaudern sie nicht, einen Weg von zwölf Stunden zurückzulegen. Wir schwatzen einen Augenblick mit ihnen und helfen ihnen dann, zu ihrem grossen Erstaunen, ihren Korb wieder auf den Kopf zu heben; diese Körbe können bis zu 50 kg wiegen.

1 « Mornes » bedeutet in der kreolischen Sprache: Berge.

2 Eine « Gourde »: haitische Münze im Wert von */5 Dollar.

Wir schwingen uns in den Sattel und schlagen den Weg zum langen Abstieg nach dem Meer der Antillen ein. Da Gras und Wasser äusserst rar sind, befürchten wir, unsre Pferde würden die Strapazen ohne Futter nicht aushalten. Es erscheint uns vorteilhaft, so weit als möglich abzusteigen. Wir durchqueren einen Pinienwald und erreichen das erste grosse Dorf des heutigen Tages: Séguin. Es ist 16 Uhr. Wir gehen zum Polizeiposten und weisen unsre Reiseerlaubnis und unsre Aufenthaltsbewilligung vor. Eine lärmende Menge umringt uns. In dieser Gegend, wo der Tourismus nicht existiert, ist ein Weisser eine Rarität. Nur die Missionare kommen sonst in diese Regionen; aus diesem Grunde nennt man uns ohne weiteres « mon père », « pasteur » oder « missionnaire blanc ». Die beiden bewaffneten Polizisten mit Stahlhelm sind stolz, ihre Rolle spielen zu können. Es sind wahrscheinlich die einzigen Personen, die französisch sprechen und lesen können. Um ihnen Freude zu bereiten, vermeiden wir es, uns in kreolischer Sprache auszudrücken.

Ohne weitere Zeit zu verlieren, machen wir uns wieder auf den Weg, und plötzlich erblicken wir das Meer der Antillen. Es ist 17.30 Uhr, die Sonne geht unter, und um 18 Uhr wird es Nacht sein. Die Tage sind im Winter nicht kürzer als im Sommer, und während des ganzen Jahres bricht die Nacht innert einer halben Stunde plötzlich herein, was im Gebirge eher unangenehm ist. Am Anfang sind wir sehr überrascht. Glücklicherweise leuchtet uns der Mond und erlaubt uns, den Weg weiter zu finden. Wir machen einen Halt, nehmen etwas ein und ruhen eine Stunde lang aus. Das Geplauder der vielen Gemüse- und Wäscheträgerinnen ist jetzt durch das Gezirp der Grillen abgelöst worden. Die Pferde schleppen sich dahin, sie fühlen sich mehr zu Hause auf den steilen Hängen als auf diesen steinigen Wegen mit Karrengeleisen und Löchern. Wir steigen alle ab und gehen zu Fuss, um die Tiere bei Kräften zu halten. Wir fragen uns, ob wir bei den Einheimischen Unterkunft suchen sollten; aber die Behausungen sind nichts als allerkleinste Laubhütten, bewohnt von zahlreichen Familien. So ziehen wir ein Biwak vor. Alles lädt uns dazu ein: die milde Temperatur von 28 Grad, der Sternenhimmel, der Mondschein, die Trockenperiode, während der wir absolut keinen Tropenregen zu gewärtigen haben. Dies wäre wirklich schrecklich, denn wir haben diesen Regen schon erlebt.

Wie alle « Vaudou » ist unser Führer sehr abergläubisch und gar nicht bereit, die Nacht draussen zu verbringen, denn er hat Angst vor bösen Geistern, vor denen ihn die bescheidenste Laubhütte bewahrt. Da wir aber darauf bestehen, schickt er sich drein und murmelt auf kreolisch: « So Gott will! » Wir sind zuversichtlich: die Geister wären uns willkommen, denn wir haben noch nie welche gesehen. Was aber noch wichtiger ist: wir werden weder Flöhe noch Wanzen haben und kommen nicht in Kontakt mit Aussätzigen und Tuberkulösen. Um 22 Uhr halten wir an, laden die Pferde ab und binden sie an langen Leinen fest. Wir entdecken die Silhouette eines halbverfallenen Baues, gehen hin und finden eine Betondecke, die uns gelegen kommt Wir strecken uns in unseren Schlafsäcken aus und schlafen sofort ein. Trotz des harten Bodens tut uns diese Ruhe gut. Das Wohlbefinden ist jedoch von kurzer Dauer, denn sehr bald werden wir wieder aufgeschreckt durch Schreie, Weinen und Wehklagen. In der Umgebung ist soeben jemand gestorben, und die nahen Verwandten und Nachbarn beklagen seinen Hinschied. Diese eigentümliche Sitte, obschon wir sie schon kennen, lässt uns kalte Schauer über den Rücken fahren. Das Jammern hört erst bei Tagesanbruch auf. Wie wir am Fluss Wasser holen, erfahren wir, dass es sich um ein seit langem krank gewesenes Kind handelt.

Wir haben gut ausgeruht und uns gestärkt, ohne dass die Pferde daran teilhaben konnten. Langsam machen wir uns wieder auf den Weg. Je näher wir dem Meeresstrand kommen, um so ver-wüsteter wird die Gegend. Es war Zweck unsrer Reise, einen Landstrich zu besichtigen, der vom kürzlichen Wirbelsturm « Inès » besonders heimgesucht worden war, um dann ein Programm für eine technische Hilfe aufzustellen. Des Nachts hatten wir nichts Ausserordentliches bemerkt, jetzt aber sehen wir, dass wir über eine Erde gehen, die zu nichts mehr taugt. Die Kokospalmen haben alle Blätter verloren, die Hälfte liegt am Boden, die Bananenbäume sind verschwunden, die Ernten sind vernichtet, und die Bewässerungskanäle lassen ihr schönes, klares Süsswasser ungenützt ins Meer hinausfliessen.

Marigot bei Jacmel ist eine kleine Stadt von 3000 Einwohnern, in welcher nur von sieben Häusern das Dach nicht abgerissen wurde. Die Bewohner sind ratlos, empört, ohne Kraft und finanzielle Mittel, sie haben keinen Mut mehr, den Wiederaufbau zu beginnen. Die Männer verlassen ihre angestammte Erde, um ihr Glück anderswo zu versuchen. Die Frauen und Kinder bleiben zurück, ohne irgendwelche Mittel, ohne Feldbestellung, ohne Unterkunft.

Marius Lafont, der schwarze Pfarrer der Gegend, den wir nicht so schnell vergessen werden, empfängt uns sehr herzlich. Er gibt Anordnungen, um für uns alles einrichten zu lassen: ein Zimmer, einen Tisch, ein Fass mit Wasser, damit wir uns nach dem Bad im Meer duschen können.

Wir verbringen den ganzen Tag in seiner angenehmen Gesellschaft und diskutieren über die Hilfe, die wir bringen könnten. Die « Gais Compagnons » werden für die Primarschule metallene Tabourets und Tische herstellen. Daraufhin machen wir eine Runde in der Pfarrgemeinde, besichtigen die Ruinen und nehmen ein - trotz des dreissiggrädigenWassers - erfrischendes Bad im Meer.

Am nächsten Tag macht sich unsre Karawane auf den Rückweg; es ist der 23. Dezember, und für Weihnachten haben wir noch verschiedenes vor. Es wäre sehr schön, unsren Aufenthalt zu verlängern in dieser wundervollen Bucht, wo es weder Hotels noch Autos, noch Touristen gibt. Trotzdem würde uns das Elend der Bevölkerung sehr bald bedrücken. Vor Sonnenaufgang machen wir uns auf denselben Weg, auf dem wir gekommen sind. Wir haben vier frische Pferde; unsre drei müden folgen uns ohne Sattel. Der Pfarrer war so liebenswürdig, uns vier Reitpferde zur Verfügung zu stellen, damit wir bis Séguin reiten können; das sind sechseinhalb Marschstunden. Von dort aus folgen wir unserem Weg mit den Pferden, was uns erlauben wird, noch am gleichen Tag nach Furcy zu gelangen. Der ganze Tag verläuft ohne Zwischenfall, und wir marschieren sozusagen ohne Zwischenhalt. Nur auf einigen kleinen, leichteren Wegstücken können wir uns ein bisschen erholen.

Es ist 20 Uhr. Bei Mondschein erreichen wir unsre Hütte, wo uns der lang ersehnte Komfort erwartet. Die Tour hat 33 Stunden gedauert, der Führer hat 100 Kilometer barfuss zurückgelegt, bis auf einige wenige Kilometer vor und in Marigot, wo er zu unserm grossen Erstaunen ein Paar miserable Sandalen aus seinem Sack hervorholte und sie anzog. Damit war endlich das Geheimnis dieses « macoute » gelüftet: Schuhe, das ist ein Zeichen von Reichtum und Würde, und mit einem einzigen Paar kommt man, bewahrt man sie für die grossen Ereignisse auf, sein ganzes Leben aus. Wir hatten eine Entlohnung von zwei Dollars ausgemacht, aber spontan geben wir ihm angesichts der Länge und Schwierigkeit der Tour deren drei. Unser Didier ist entzückt. Wir verabschieden uns von ihm, indem wir ihm das Geld und dazu noch ein Stückchen Kerze sowie den Rest des Reises und des Zuckers überreichen. Er rennt davon, um seiner Familie die frohe Nachricht mitzuteilen. Einer mehr, der fröhliche Weihnachten erleben wird!

( Aus dem Französischen übersetzt von Nina Pfister ),

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