Vergessenes Bergland

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Von Werner Lattmann.

Wenige Tagereisen von Zürich liegt ein Gebirge, das an landschaftlicher Grossartigkeit und Wildheit sich mit den Dolomiten messen kann, an Ursprünglichkeit und Unberührtheit jedoch seinesgleichen in Europa nicht hat. Seine Lage im nördlichsten Zipfel Albaniens trägt viel zu seiner Abgeschlossenheit bei, weil die das Gebirge von zwei Seiten einschliessende jugoslawische Grenze einen hermetischen Abschluss darstellt. Sämtliche Zugänge von Norden und von Osten her sind gesperrt; selbst harmlose Turisten werden nicht durchgelassen. Wehe dem, der es trotzdem versuchen sollte, über die Grenze zu gelangen! Unter scharfer Bewachung durch jugoslawische Grenzsoldaten mit geladenen Gewehren wird der ahnungslose Turist der ganzen Grenze entlang nach Süden geführt bis zu der dem Skutarisee entlang führenden Strasse, die in der Sprache der serbischen Grenzer « Zarisky put » heisst. An der ganzen albanisch-jugoslawischen Nordgrenze ist das der einzige offene Übergang. So ist es uns ergangen; durch den unerwünschten « Gefangenen-Transport » verloren wir zwei kostbare Tage.

Man erreicht die nordalbanischen Alpen am schnellsten von Süden her, wobei Skutari als Ausgangspunkt in Frage kommt. Von dort aus führt eine « Autostrasse » ( bei uns würde man « Bachbett » sagen ) nach Bcgë, einem primitiven und in den ersten Anfängen steckenden Kurort für albanische Sommerfrischler, das schon tief in den nordalbanischen Alpen drin liegt. Der Qafa o Pejës ( Qafa = Pass, Übergang ), der als Zentrum des gesamten Gebirgsmassivs angesprochen werden kann, ist in zwei kurzen Tageswanderungen von Böge aus erreichbar. Wenn man die günstigsten Verbindungen und Anschlüsse auszunützen versteht, kann man von Zürich in zweimal 24 Stunden nach Böge gelangen. ( Zürich-Bari mit Bahn, Bari-Durazzo mit Schiff und Durazzo-Skutari-Boge im Auto. ) Die erwähnte Autoverbindung von Skutari nach Böge ist bis heute die einzige Schnellverbindung nach den nordalbanischen Alpen geblieben. Die etwa 60 km lange Strecke wird bei einer Höhendifferenz von 900 m je nach Anzahl der Zwischenhalte, die nicht vorauszusehen ist, je nach Strassenbeschaffenheit und Zustand des Wagens in drei bis vier Stunden überwunden. Die äusserst holperige Fahrt ist jedoch nur seetüchtigen Personen anzuraten.

Die nordalbanischen Alpen werden von Schweizern selten begangen, wenigstens ist mir kein Fall bekannt. « Wir haben selbst Berge genug in der Schweiz! » höre ich den spiessbürgerlich veranlagten Alpinisten sagen. Die zahlreichen Hütten und Unterkünfte, die meistens auf bequemen Wegen erreichbar sind, haben unsere einheimischen Turisten derart verwöhnt, dass es sie manche Überwindung kostet, um den Erleichterungen, welche unsere eigenen Berge bieten, freiwillig entsagen zu können. Dafür spricht deutlich die Tatsache, dass turistische Expeditionen nach grossen ausser- europäischen Gebirgen in der Schweiz wenig Anklang finden, obschon die finanziellen Voraussetzungen dazu bei unsern alpinen Vereinen wohl nicht fehlen würden. Für kleinere alpine Unternehmungen innerhalb Europas kommt man heute sogar mit recht bescheidenen Mitteln aus. Diese Tatsache geht aus unsern Ausgaben deutlich hervor, weshalb ich dieselben hier nicht verheimlichen möchte. Unsere Reise, die wir zu zweit ausführten, galt eigentlich ganz Albanien. Sie dauerte insgesamt 32 Tage, wovon 10 für Turen in den nordalbanischen Alpen verwendet wurden. Sämtliche Kosten beliefen sich für jeden Teilnehmer auf rund Fr. 300. Der auf Hüttenpoesie eingestellte Turist findet freilich in Nordalbanien keinen Boden. Einsam ragen dessen stolze Kalkgipfel in den tiefblauen Mittelmeerhimmel; kein Hotelkasten, keine Gebirgsstrasse verunstaltet die Ursprünglichkeit und stört die stille Erhabenheit des schlummernden Gebirges, und es ist nur zu wünschen, dass diese Insel der Brandung der heranstürmenden westlichen Zivilisation noch lange standhalten möge.

Es handelt sich bei den nordalbanischen Alpen um ein ausgesprochenes Kalkgebirge. Auf relativ kleiner Fläche erhebt sich ein Wald von dicht gedrängten Gipfeln, die, was Schroffheit und Kühnheit der Formen anbelangt, unsern Kreuzbergen oder gar den Dolomiten nicht nachstehen. Sie erreichen allerdings keine grossen Höhen. Die Karte von Herbert Louis im Massstab 1: 200,000, heute die beste Albaniens ( Spezialkarten über das Gebirge selbst sind nicht vorhanden ), gibt den Maja e Hecuravè ( Maja = Berg ) mit 2600 m Höhe als den höchsten Gipfel der nordalbanischen Alpen an, während der 2580 m hohe Maja Jezercë auf der Rangliste der « Höchsten » an zweiter Stelle steht * ). Diese Karte vermittelt neben einem guten Gesamtüberblick über ganz Albanien auch mehr oder weniger genaue Einzelheiten über Weg-und Siedlungsverhältnisse und zeigt vor allem den geographischen Rahmen, in den die nordalbanischen Alpen hineinpassen. Für Bergturen leistet sie dagegen infolge ihres kleinen Massstabes nur geringe Dienste. Guter Orientierungssinn und bergsteigerischer Instinkt müssen das Fehlende ersetzen.

Dabei kommt einem das dauernd klare Wetter sehr zu Hilfe. Der trockene Mittelmeersommer wirkt sich hier noch in seiner vollen Stärke aus; von Mitte Juni bis Ende August herrscht meistens warmes und heiteres Sommerwetter, das nur über Mittag zur Zeit der grössten Sonnenstrahlung durch Wolkenbildungen, die infolge der starken Verdunstung über dem Mittelmeer und Kondensation des in der Luft sich anreichernden Wasserdampfes über dem Gebirge entstehen, vorübergehend getrübt wird. Die Bildung dieser Aufstiegswolken konnten wir tagtäglich beobachten. Aus kleinen Nebel-fetzchen, die sich gegen 11 Uhr über den höchsten Bergspitzen bildeten, wuchsen allmählich gegen Nachmittag grössere Haufenwolken heran, die sich oft noch weiter kondensierten, zusammenballten und dann zu kurzen Gewitterregen Anlass gaben. Diese Regen sind jedoch nicht ernst zu nehmen, da sie meistens nur auf kleine, scharf abgegrenzte Gebiete lokalisiert bleiben und überdies von kurzer Dauer sind. Den Vorzug haben die nordalbanischen Alpen unbedingt vor unsern Schweizeralpen, dass man im Sommer jederzeit eine Tur wagen darf, ohne vorher das Barometer konsultiert zu haben. Um so ausgiebiger sind die Niederschläge im Winter und Frühjahr. Der Winter ist kalt und streng; selbst in Skutari fällt im Januar oft Schnee, der längere Zeit liegen bleiben kann. In den höhern Gebirgslagen ( auf ca. 2000 m ) beträgt die Schneedecke gegen Ende des Winters regelmässig um 8 Meter herum. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn man Ende Juli auf 2200 m Höhe noch grössere Schneeflecken antrifft. Am Fusse eines besonders schattigen Nordhanges lagen sogar auf 1600 m noch Lawinenschneereste! Die grossem Dolinen und Kare oberhalb 2200 m sind das ganze Jahr hindurch mit Schnee erfüllt, und die Nordflanken der « hohen » Gipfel tragen stets grössere zusammenhängende Firnfelder. Diese sind es, welche dem relativ niedrigen Bergland den Charakter eines vollwertigen Hochgebirges verleihen. Die Gipfel dagegen apern im Sommer rasch aus. Die geringe Höhe über Meer und die südliche Lage des Gebirges ( wie Rom ) lassen es zu einer Gletscherbildung allerdings nicht kommen. Nicht nur der ausnehmend starke winterliche Schneefall, sondern auch das Fehlen eines unserm Föhn analogen Windes ist wesentlich mitverantwortlich an der tiefen Grenze der permanenten Schneeflecke ( 2200 m ).

Die höchsten Gipfel sind fast durchwegs leicht erreichbar, wenigstens von einer Seite, brechen aber oft nach der andern in steilen bis senkrechten Wänden ab. Die markantesten unter ihnen sind mit « Steinmannli » bewehrt und tragen das Signal von der italienischen Vermessung her. Auf der kühnen Spitze des Maja i Pejès fanden wir das Gipfelsignal in Form vieler Splitter am Boden herumliegen, als Folge eines heftigen Blitzschlages, welche auf den isolierten Gipfeln der nordalbanischen Alpen nicht selten sind. Wir sammelten die Spaltstücke sorgsam und benutzten sie in unserm Standlager auf dem Qafa e Pejês als Brennholz zum Kochen. Viele der abweisendsten Spitzen und Zacken, die allerdings nicht zu den « Höchsten » gehören, sind noch von keines Menschen Fuss betreten worden; in den nordalbanischen Alpen schlummern somit noch manche grossartigen Probleme.

Als Ersatz für die fehlenden Schutzhütten können die allerdings sehr primitiven Alphütten, die in den nordalbanischen Alpen kaum die Grenze von 2000 m überschreiten, dienen. Sie stellen auf alle Fälle wichtige Stützpunkte für die Verproviantierung dar. Von den gastfreundlichen Älplern wird man in liebenswürdiger Weise mit Landesprodukten bewirtet, nämlich mit grobkörnigem Maisbrot, jungem Käse, saurer Milch, oft sogar mit frischer Milch. Zahlen muss man nichts, wenn man nicht nach dem Preis fragt. Mit kleinen Gebrauchsgegenständen, wie Nähnadeln, Sicherheitsnadeln, Zündhölzern, Taschentüchern etc., ist den Leuten besser gedient als mit Geld. Auch Rauchwaren sind bei den Älplern sehr beliebt ( vor allem Schweizerstumpen 1 ). An einigen Orten mussten wir sogar als Medizinmänner auftreten 1 Einer nach dem andern kam zu uns gelaufen; jeder mit einem kleinen Übel, wie Halsweh, Magenbeschwerden usw., behaftet. Wir hatten keine andere Möglichkeit, als den Kranken das Allerweltsheilmittel Aspirin anzubieten, da wir eine grössere Menge davon mitgenommen hatten. Wir wollten zum mindesten den guten Willen zeigen, um nicht in der Achtung dieser einfachen Menschen, die im Westeuropäer gleich den Universalkünstler sehen, allzu tief zu sinken. Schaden haben wir den Leuten damit jedenfalls nicht zugefügt.

Das Übernachten in den nordalbanischen Alphütten gestaltet sich nichts weniger als angenehm. Die äusserst primitive Bauweise, die darin besteht, dass man einfach unbehauene Steine zu Mauern aufeinanderschichtet, welche man dann mittels kleiner Brettchen oder gar mittels dürrer Zweige überdacht, gestattet dem leisesten Windhauch fast überall Durchzug. Zudem ist über der Herdstelle, wo ein ewiges Feuer prasselt ( Streichhölzer sind hier eine Seltenheit !), noch eine grössere Öffnung ausgespart, um dem Rauch bessern Abzug zu gewähren. Oft wohnen fünf- bis achtköpfige Familien zusammen in einem solchen Raum, dem einzigen ihrer « Villa Durchzug ». Da die Unreinlichkeit, die man in solchen Hütten antrifft, und der üble Geruch ihrer Bewohner den Aufenthalt daselbst bei winddichten Mauern bald unausstehlich machen würden, so nimmt man den dauernden Durchzug als das kleinere Übel gerne in den Kauf. Da man ausserdem noch Flöhe und andere anhängliche « Haustierchen » zu gewärtigen hat, biwakiert man am besten ganz im Freien. Auf dem Grunde der zahlreichen Kessel und Wannen, die das Gebirge auch oberhalb 2000 m noch beherbergt, findet man genügend grosse ebene Rasenplätzchen, wo man im Schlafsack auch ohne Zelt übernachten kann, ohne gerade mit den Zähnen zu klappern! Ein einziges Mal mussten wird den Boden einer solchen Doline mit kleinen Legföhrenzweigen auspolstern, um eine weiche Unterlage zu schaffen, auf welcher sich dann wie auf einer Rosshaarmatratze schlafen liess. Gegen Morgen sinkt die Temperatur immerhin so beträchtlich, dass eine starke Taubildung zustande kommt. Auf etwa 2200 m beobachteten wir morgens 6 Uhr jeweils Temperaturen von 8—10 Grad C.

Die allgemeine Erfahrungstatsache, dass Bergvölker unrein sind, gilt für die Nordalbaner in ausgesprochenem Masse, hat aber auch hier seinen tieferen Grund. Woher sollen die Leute das Wasser hernehmen, um sich reinzuhalten? Es gehört mit zum Charakter jenes zerklüfteten Kalkgebirges, in der heissen Jahreszeit fast völlig auszutrocknen. Wohl finden sich in dessen höhern Regionen grosse Schneeflecken; ihre Schmelzwasser können jedoch nicht oberflächlich abfliessen, sondern sickern durch unzählige Spalten und kleine Ritzen in die Tiefe, entziehen sich dadurch der Oberfläche und treten tief unten am Rande der ausgedehnten Talsohlen als grosse Bäche zutage. In den nordalbanischen Alpen ist dieses « Karstphänomen » sehr ausgeprägt. Die Älpler behelfen sich mit Schneedepots, die sie im späten Frühling, wenn sie nach ihrem Winteraufenthalt im Tiefland die Alpen wieder beziehen, anlegen. Grössere Lawinenschneereste, die sich in der Nähe ihrer Alphütten befinden, werden durch Überdecken mit Zweigen vor direkter Sonnenbestrahlung geschützt, um den Schmelzprozess hintanzuhalten. Von diesen Depots werden nun alle Tage Blöcke herausgehackt, die an der Sonne rasch zum Schmelzen gebracht werden; das Schmelzwasser wird dann in einem Trog gesammelt und muss für Mensch und Vieh ausreichen. Die Knappheit der Schneevorräte zwingt natürlich die Leute gleich von Anfang weg zu einem recht sparsamen Wasserverbrauch, weshalb sie während ihres Aufenthaltes in den Bergen auf das Waschen und auf andere Reinigungsarbeiten zugunsten der allernotwendigsten Wasserbedürfnisse verzichten müssen. In den grossen Tälern und Tiefebenen, wo genügend Wasser vorhanden ist, zeigt es sich, dass der Albaner im allgemeinen keine Wasserscheu kennt. Jeden Nachmittag konnten wir die Bauern in den Flüssen sich tummeln sehen; ja es schien mir, als ob sie mit dem nassen Element vertrauter wären als viele unserer einheimischen Bauern. Ich sah nämlich nur gute Schwimmer; die Frauen allerdings mussten zu Hause bleiben!

Die Wasserarmut des Gebirges erschwert natürlich dessen Begehbarkeit beträchtlich. Der Turist ist auf die Schneereste angewiesen, die sich je höher, je zahlreicher vorfinden. Das Wasserproblem wird so zum Brennstoff-problem. Da wir überall auf unsern Wanderungen durch die nordalbanischen Alpen auf mehr oder weniger dichte Wälder gestossen sind, die sich, allerdings in stark aufgelöster Formation, bis gegen 2000 m hinaufziehen, waren wir mit Brennstoffen nie in Verlegenheit. Denn wo Bäume waren, da gab es auch dürres Holz in Menge. Die dadurch gebotene Erleichterung der Turentätigkeit ist nicht hoch genug einzuschätzen, wenn man bedenkt, dass man sich weder mit Meta noch mit flüssigem Sprit auszurüsten braucht. Im Gegensatz zu Meta lässt sich mit Hilfe eines Holzfeuers das Schneeschmelzen rasch bewerkstelligen; dem flüssigen Sprit haften die Nachteile der leichten Flüchtigkeit und des umständlichen Transportes an, ganz abgesehen davon, dass derselbe in den Talsiedlungen der nordalbanischen Alpen nirgends erhältlich ist. Die Wahl des Lagerplatzes richtet sich bei diesen Verhältnissen allerdings nach der Baumgrenze, eine Tatsache, die sich jedoch bei der geringen Höhe der Gipfel nicht nachteilig auswirkt.

Die Panzerkiefern nehmen die höchste Waldzone ein, wenn man von den niedrigen Legföhren absieht, die bisweilen noch oberhalb 2000 m gedeihen. In einer Zone zwischen 1000 m und 1600 m trifft man noch zahlreiche zusammenhängende Buchenbestände, die als eigentliche Urwälder anzusprechen sind. Das sind Wälder, die weder von forstwirtschaftlichen Massnahmen betroffen noch sonstwie von Menschenhand verunstaltet worden sind. ( Forstwirtschaft gibt es in Albanien überhaupt noch nicht. Glücklicherweisel ) Man glaubt sich da oft mitten in einem tropischen Dschungel zu befinden und ist dann nicht wenig erstaunt, aus all dem Dickicht lauter Buchenstämme emporragen zu sehen. In der Nähe menschlicher Niederlassungen zeigen diese Buchen allerdings ein jämmerliches Aussehen. Sie besitzen keine Kronen; man sieht nur dicke Stämme mit kurzen seitlichen Ästen, deren äussere Zweige von den Bauern abgezwackt und zur Streckung des Viehfutters verwendet wurden. Das spärliche Gras, das während der trockenen, heissen Sommermonate zu einem braunen Filz verdorrt, reicht eben für ihre grossen Herden nicht aus. Wir kamen oft an ganzen Beständen solcher verstümmelter Buchen vorbei, welche wie kleine Pappeln aussahen und der Landschaft ein ganz eigenartiges, fremdländisches Gepräge verliehen. In den tiefern Talsohlen geht der Hochwald allmählich in gemischten Buschwald über ( Macchia ), in welchem die Eiche vorherrscht. Die Alpweiden über der Baumgrenze hatten noch Ende Juli ein frisches, saftiggrünes Aussehen und prangten im schönsten Blumenschmuck; viele unserer Alpenblumen erkannten wir wieder: Fingerhüte und Glockenblumen, Leinkräuter, Adlerblumen, gewisse Enzianarten und vor allem Königskerzen. Nach Alpenrosen und Edelweiss dagegen suchten wir vergebens. Das Gedeihen dieser Pflanzen in der trockenen Stein-und Felswüste wäre nicht erklärlich ohne das öftere Auftreten von Gewitterregen und ohne die jeden Morgen zu beobachtende Taubildung.

Vor nicht gar langer Zeit wurde Dalmatien « entdeckt » und turistisch erschlossen; heute wird jene Küste von luxuriösen Vergnügungsdampfern bestrichen, auf denen schweizerische Salonturisten dominieren. Auch im Süden liegt ein viel besuchtes Reiseland, das durch die Überbleibsel seiner grossen Vergangenheit die Besucher in Massen anlockt: Griechenland. Dazwischen liegt eine Insel, umbrandet, aber gänzlich unberührt von der grossen Turistenwoge, das einzige Stück Wildwest, das Europa noch verblieben ist: Albanien. Wie das Land, so sind seine Menschen: natürlich, unverfälscht und unverdorben.

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