Was ist Föhn?

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Eine alpin-meteorologische Studie.

P. Blumer-Zweifel ( Sektion Tödi ).

Von Motto: Nordwind ruft den Föhn, Föhn den Nordwind.

Wetterregel.

Die Theorien über den Föhn haben das Unglück, zu keiner Ruhe zu kommen und jeweilen bald wieder angefochten zu werden. Während zwei streiten, kommt ein dritter, der beiden Unrecht giebt, und ihm folgen andere, die ihre Vorgänger des Irrtums zeihen.

Es herrscht denn auch heute noch keine Übereinstimmung in dieser Frage, und wenn die Gelehrten auch mehr und mehr lokale Mitwirkung bei der Bildung annehmen und die bloße Translozierung der Wärme von der Hand weisen; wenn sie die Luftvorgänge wesentlich mit der geographischen Lage und der Höhe einer Gegend in Zusammenhang bringen, so sind doch die wissenschaftlichen Beweise für den einzelnen Fall erschwert, weil es für den höhern Luftraum an ständigen Beobachtungen fehlt und auch andere Drehpunkte, wie das Meer, zu wenig regelmäßig beobachtet werden können. Nimmt man aber auch an, daß der Föhn von naheliegenden Faktoren herrühre, so ist man doch vom Wie noch um so weiter entfernt, als ja gar keine Einigung darüber besteht, was überhaupt als Föhn zu betrachten sei. Hier stehn sich voraus Gelehrte und Laien gegenüber. Während die letzteren hartnäckig an ihrem Föhn festhielten, scheuten sie sich doch stets, ihren Standpunkt gegenüber den ersteren zu verfechten, und doch zeigt das Beispiel von Desor und Prof. Eisenlohr, die dieses Jahrbuch zum Organ ihrer Erörterungen machten * ), daß auch die Gelehrten wünschten, eine so eminent in die alltägliche Beobachtung eingreifende Frage Hand in Hand mit dem alpinen Beobachter zu prüfen. Leider fand der Wunsch keine Erfüllung, und heute noch klafft zwischen dem Föhn der Gelehrten und dem des Volkes eine Kluft, so weit und groß, daß beide Seiten Vgl. Jahrbuch S.A.C., Band II, pag. 407 ff., und Band IV, pag. 399 ff.

zur Überbrückung mitwirken sollten.Da ist zunächst der Standpunkt beiderseits klarzustellen. Denn während die Meteorologen den Föhn nur in so weit als solchen anerkennen, als sie glauben, ihn erklären zu können, und ihm daher eine enge, präcise Form geben, hält sich das Volk an letztere nicht, sondern stützt sich einzig auf seine Tradition und Erfahrung und erblickt den Föhn in den verschiedensten Formen. Es fühlt den Zusammenhang heraus, auch da, wo derselbe nicht an der Oberfläche liegt. Die Meteorologen stützen ihren Föhnbegriff auf die Beobachtung von Dr. Hann, daß der Föhn gewöhnlich in eine Depression einbricht, und haben deshalb angenommen, daß letztere überhaupt eine saugende Wirkung auf benachbarte, dichtere Luft ausübe. Sie haben diese Regel für die ganze Erde generalisiert und applizieren sie bei unserm starken Südföhn so, daß sie denselben z.B. aus einer vom Golf von Biscaya nach Schottland gehenden Depression herleiten. Diese saugt aber nicht nur aus den Alpen, sondern noch weit darüber hinaus vom Mittelmeer her. Auch den Umstand, daß ein solcher Windzug, wenn er einen Berg übersteigt, an Wärme gewinnt, was ja ein Hauptmerkmal des Föhns ist, haben sie erklärt. Diese Erscheinung rührt daher, daß die Luft vor dem Übergang feucht ist und infolge ihres Wasserdampfes beim Aufstieg viel Wärme behält. Sie hat sich also weniger erkältet, als es trockene Luft gethan hätte, erwärmt sich aber beim Fall wie trockene Luft. Indem sie also beim Fall mehr gewinnt, als sie beim Aufstieg verlor, wird sie wärmer. Nimmt man an, daß feuchte Luft bei 180 m Aufstieg sich um 1 ° C. kälte und bei 100 m Fall sich um 1° wärme, so verhält sich die Endtemperatur zur ursprünglichen wie 9: 5.

Es ist übrigens zu bemerken, daß feuchte Luft beim Aufstieg vielfach ausscheidet und dadurch sich dem Verhalten trockener Luft nähert. Nach dieser Auffassung ist also der Föhn ein einseitig gerichteter, angezogener Wind, der, von einem Berg herunterfallend, sich erwärmt und infolge seiner Wärme trocken erscheint.

Anders ist das Bild, das der Alpenbewohner vom Föhn giebt. Fr. v. Tschudi hat ein solches in schönen Farben im „ Tierleben der Alpenwelt " geliefert, doch ist er nicht bis an die Grenzen der dem FöhnDie Kluft zwischen dem Föhn der Gelehrten und dem Föhn der „ Laien " klafft nicht so weit, wie der Herr Verfasser glaubt. Seitdem die „ Gelehrten ", d.h. die Meteorologen von Fach, jeden Fallwind, gleichviel welchen Ursprungs und welcher Windstärke er sein mag, als Föhn bezeichnen, ist höchstens noch eine schmale Spalte vorhanden: Die Meteorologen nennen nämlich nur den Fallwind selbst Föhn, während die Bergbewohner auch die Vorboten und teilweise die Folgen des Föhns, alle Witterungserscheinungen, die mit demselben im Zusammenhange stehen, unter dem Namen Föhn zusammenfassen. Immerhin wird diese Erörterung der Föhnfrage vom „ Laien"-Standpunkt aus für die Leser des Jahrbuches viel Interesse bieten.Anm. d. Bed.

gestellten Aufgaben vorgedrungen. Denn dem Volk ist der Föhn das Reizmittel, das die Geister der Luft besänftigt oder entflammt, zurückweist oder in Aktion setzt. Es sieht ihn in der Windstille wie im Wind, im unmerklichen, allseitigen Fall der Luft und im Sturm, in der schweren Wolke wie im klaren Himmel. Die Hitze kommt ihm vom Föhn und der Schnee von ebendemselben; der Föhn trocknet heute und überflutet morgen; beschränkt sich heute aufs Bergthal und zeigt sich morgen am fernsten Horizont, dauert jetzt einige Stunden, ein andermal Wochen lang. Er setzt ein bei hohem Barometer und bringt Regen, oder bei tiefem und bringt schönes Wetter; er schließt sich jederlei Witterung an, geht aus jederlei hervor oder in jede über.

Offenbar besteht ein großer, ja ein grundsätzlicher Unterschied zwischen dem Föhn der Meteorologen und dem unsrigen. Während erstere denselben an Ansaugung und Depression binden, sehen wir in demselben eine alltägliche Wettererscheinung, etwa wie Regen, Gewitter etc. Er kommt aus denselben und geht beliebig in dieselben über, je nach dem lokalen Zustand der Luft. Nach unserer Ansicht entsteht er also frei und überall, und wenn er die verschiedenartigsten Erscheinungen hervorbringt, so erklärt sich dies daraus, daß er einerseits selbst in Dichte, Temperatur und Feuchtigkeit variiert, anderseits mit unendlich verschiedenen Variationen der Luft zusammentrifft. Er beeinflußt also verschieden und wird verschieden beeinflußt. So ist es ja beispielsweise bekannt, daß ein starker Föhn den Nordwind verdrängen resp. zurückhalten und so die Wärme halten kann, während eine schwächere Abstufung desselben mit dem Nord Trübung, Regen und Schnee geben wird. Hierin sollte also kein Hindernis liegen, die anscheinend widersprechenden Erscheinungen bei Föhn von einheitlichem Gesichtspunkte aus zu betrachten und denselben als einen Ausdruck des lokalen Luftzustandes aufzufassen. Damit ist für uns die Frage der Herkunft aber ebenfalls entschieden; der Einheitlichkeit im Ausdruck liegt wohl eine ebensolche in der Ursache zu Grunde. Wenn wir jederzeit die Erwärmung der untern Schichten durch den Fall der obern beobachten können, in der Nacht, welche die am Tag aufgestiegene Luft senkt, wie am wärmern Tag, wo der raschere Aufstieg einen sofortigen Fall provoziert, wenn wir die unzähligen Übergänge vom schwachen zum starken Fall, oder vom schwachen zum starken Föhn mit Gefühl und Auge verfolgen, können wir an eine grundsätzliche Differenz zwischen denselben nicht recht glauben und halten uns für berechtigt, den einen einfach für ein vergrößertes Bild des andern zu halten. Selbst ein Bergbewohner will ich nun diese Ansicht der Bergbewohner zu rechtfertigen suchen und der Vollständigkeit halber gesondert auf die Entstehung der Winde, ihr Verhalten zum Föhn und endlich auf letztern selbst eingehen.

Es ist bekannt, daß die durch Erwärmung gelockerte, aufsteigende Luft sich bei uns nach dem Süden wendet ( ich spreche der Einfachheit wegen nur von der nördlichen Halbkugel ) und daß dieser Aufstieg nach Süden zu an Intensität und Konstanz wächst, und nicht weniger bekannt ist, daß die steigende Luft oben eine Verdichtung hervorbringt, die dort eine der untern Zufuhr entsprechende Luftabdrängung zur Folge hat. Es entstehen also Kreisläufe mit steter Zirkulation; die abgehende Luft nimmt entgegengesetzte Richtung zur zuströmenden und sucht den von letzterer gebildeten verdünnten Raum wieder auszufüllen. Den wichtigsten dieser Kreisläufe bilden die Passate.Von diesen führt der Äquatorialstrom oben die leichte Luft der heißen Zone nach Norden, derart, daß sie, der geographischen Lage entsprechend, successive schwerer wird und sinkt, und der Polarstrom bringt die schwer gewordene Luft wieder nach Süden, so daß sie mit Annäherung an diesen leichter wird und steigt.

Der Einfluß der geographischen Breite wird aber reduziert oder aufgehoben durch die Fallwärme oder die Aufstiegskälte. Die Fallwärme entsteht daraus, daß die Luft beim Fall unter immer höhern Druck kommt und sich dabei verdichtet; die Aufstiegskälte dadurch, daß die Luft, indem sie successive unter geringern Atmosphärendruck kommt, expandiert und zu dieser Expansion, die den Atmosphärendruck überwinden muß, Arbeit leisten, d.h. Wärme brauchen muli. Die Fallwärme hebt nun die Verdichtung, die Expansionskälte die Verdünnung in den entsprechenden Grenzen wieder auf.

Am meisten werden Fall wärme und Expansionskälte natürlich fühlbar, wenn Fall und Aufstieg plötzlich erfolgen, etwa durch Stauung an einem Berg, an einer undurchlässigen Luftschicht. Die Steilheit der Bewegung konzentriert sie auf einen engen Raum, und das mechanische Hindernis vermindert die Verwindung. Die Berge wirken also nach unten wärmend, nach oben kältend, und da kalte Luft die Feuchtigkeit ausscheidet, warme sie absorbiert, wirken sie nach oben absolut, nach unten relativ trocknend. Es geht daraus hervor, daß der Aufstieg in mehrfacher Weise oben abdrängend wirkt; zunächst also durch die unmittelbar gestiegene Luft, dann durch deren Expansion, endlich durch die Expansionskälte, welche sich der vorhandenen und benachbarten Luft mitteilt, sie schwerer macht und zum Fallen bringt. Und umgekehrt wirkt die fallende Luft unten auftreibend, sowohl durch das eingeführte Volumen, als durch die Erwärmung und Lockerung der vorhandenen Luft. Aufstieg bringt also Fall, Fall Aufstieg; kalt oben macht warm unten; kalt unten warm oben. Je nach Zahl und Wirkungsgrad der thätigen Faktoren steigt und fällt der Wechsel in Luft und Temperatur; an den Bergen ist er ständig und am ausgeprägtesten. Wenn aber ein Strom an sich einen Gegenstrom hervorruft, so muß der eine den andern kontinuierlich erneuern. Der Äquatorial fällt und macht seinen Rückstrom steigen, dieser fällt wieder den Äquatorial und sofort. Die fallende Luft wird immer wärmer und relativ lockerer; die steigende immer kälter und relativ dichter; beide entfernen:

sich in entgegengesetzter Weise von der ihrer Höhenlage entsprechenden Dichtigkeit, und verstärken successive die Zirkulation der obern Luft nach unten und der untern nach oben. Wir haben also die relativ leichte Luft unten, die relativ schwere oben, oder, da Fall und Aufstieg sich auf große horizontale Distanzen verteilen und die Lockerheit auf der einen, die Dichtigkeit auf der andern Seite sich der ganzen betreffenden Luftsäule mitteilen, hier Depression, dort Pression. Es ist begreiflich, daß die zwei Ströme bei ihrer Kreuzung sich abdrängen und daß der Rückstrom der ausweichende Teil sein wird. Wenn also der fallende Strom, die Depression, fortschreitet, so wird sie zwar nach vorwärts einen Druck ausüben; sie wird Luft aufwärts befördern, die dann in der Höhe zurückgeht; sie wird die vorhandene Luft aber voraus auf die Seite drängen. Die Pression bildet sich schon an ihrer Seite und geht dann erst rückwärts. Der nach vorn gehende Druck hat uns hier wenig zu beschäftigen, da er ja nur vorübergehend ist und fortwährend ausgelöst wird. Von Bedeutung ist aber sofort der Rückstrom in der Höhe. Denn als kalter scharfer Strom in den Fall des Äquatorial eintretend, fällt er denselben um so energischer und anhaltender, so daß er die Depression verlängert oder erneut. Infolge seiner schneidenden Gegensätzlichkeit bringt er die ausgeprägtesten Wettererscheinungen hervor, Schnee und Gewitter, je nach der Temperatur; in den Bergen Föhn, so lange der Zusammenstoß sich hauptsächlich auf trockene Luft und obere Regionen beschränkt und damit die untern erwärmt. Er bringt ferner die Kälte, wenn er, einer Depression nachfolgend, die untern Lagen überflutet, was sich im Winter am meisten fühlbar macht. Aber auch eine verlängerte Depression muß ja schließlich dazu dienen, die Seitenpression zu verstärken, und wir erhalten also Depression und Pression nebeneinander, die eine im Norden, die andere im Süden, oder die eine im Westen, die andere im Osten, je nach dem Gang der Depression.

Nun muß aber in Rechnung gezogen werden, daß infolge der größern Geschwindigkeit der Luft am Äquator der Äquatorial bei uns Südwest und im Norden Westwind wird, während der Nordpassat bei uns Nordost und im Süden Ostwind ist; und ferner ist zu berücksichtigen, daß aus gleichem Grunde die Winde sich im Sinn des Uhrzeigers von West über Nord und Ost drehen. Die Depression nimmt also ihren Weg nach Osten und führt neben sich eine Pression nach Westen. Ist die Depression südwestlich, so bildet sich die Pression mehr im Norden; ist erstere nordwestlich, so kommt letztere südlich. Jede Pression hat aber die Tendenz, sich mit der benachbarten Depression auszugleichen. Die nördliche sendet also einen Nordwind nach Süden, die südliche einen Südwind nach Norden. Findet dieser Übergang über den Alpen statt, so daß die Luft in die Thäler heruntergedrückt wird, so stellt er einen Föhn her. Die südliche Pression giebt also den Südföhn, die nördliche den Nordföhn. Dieser Föhn bildet den Teil des Übergangs, der sich über die Alpen vollzieht; er bildet aber nur einen Teil des allgemeinen Übergangs und ist deshalb an eine größere Depression gebunden. Starkfallender Föhn zeigt an, daß eine Gegend in Depression ist; es geht also der Südföhn mit der westlichen Depression Hand in Hand, der Nordföhn mit einer südöstlichen. Die föhnige Depression kennzeichnet sich stets durch ihre Fallwärme, die sie befähigt, die vorhandene Feuchtigkeit aufzulösen; sie hat aber mit der gewöhnlichen das gemein, daß das durch die Wärme aufgenommene Wasser beim Übergang in kälteres Gebiet abgeschieden wird. Der Unterschied im trocknen oder feuchten Gang der Winde wird wesentlich durch die Verteilung von Land und Meer gefördert, indem dieselbe die Luft ungleich in-fluenziert. Auf dem Lande ist die untere Luft warm, die obere kalt; auf dem Meere ist es, wenigstens in der warmen Jahreszeit, anders. Durch Wasserverdampfung entzieht dasselbe den untern Schichten die Wärme und schickt sie mit dem Dampf, der 70 mal mehr Wärme absorbiert und leichter ist als Luft, in die Höhe. Die obere Luft wird leichter, die untere schwerer, und alle gesättigter, so daß geringe Erkältung eine Entleerung herbeiführt. Da also hier der Fall seine Wärme, der Aufstieg seine Kälte verliert, vermindert sich die Gegensätzlichkeit; anstatt sich gegenseitig zu heben oder zu fällen, treten Süd- und Nordstrom infolge gleichartiger Dichtigkeit in innige Mischung, die nun als Kraftdiagonale mit dem Passat nach Osten abgeht. Das Meer bringt also die Südwest- und die Nordostwinde in gleiches Niveau, und zwingt die Mischung zu seitlicher Ablenkung; es ist bekannt, daß die fortgesetzte Einwirkung dieselbe übersättigt und Regen nach Osten führt. Aber auch der Winter begünstigt die Depression auf dem Meere, nur sind es jetzt die untern, mehr als die obern Luftschichten, welche gewärmt und gelockert werden. Denn in dieser Jahreszeit bildet das Meer ein Wärmereservoir, das Wärme abgiebt, anstatt aufzunehmen, und damit eine Zirkulation nach oben und zurück herstellt.

Es ergiebt sich so von selbst, daß der Äquatorial auf seinem Vormarsche verschiedenen Charakter annimmt, je nachdem er im Westen, also über Meer, oder im Osten, über Land, fortschreitet, und daß der Regen ersten Orts beginnen und sich nach Osten nach Maßgabe fortgesetzter Kältung der hier trocknern Luft ausdehnen wird. Immerhin ist nur das Äußere, der nasse oder trockne Mantel, bei der nassen oder trocknen, föhnigen Depression verschieden. Der Kern ist der nämliche; es ist der mehr oder weniger verdeckte Kampf mit seinem Gegenstrom, der den Äquatorial zu Boden geführt hat. Infolge dieses Gegenstromes wird die nasse Depression gehindert, die durch den Regen gebildete Erwärmung zu ihrer Temperaturerhöhung zu benutzen, und wird diese Wärme je vom Gegenstrom aufgenommen, und ebenso wird der föhnigen Depression nur die Wärme gelassen, die durch den Gegenstrom nicht absorbiert wird. Auf den Bergen, wo sich die Ströme treffen, ist der Föhn kalt, seine volle Wärme gewinnt er erst im engen Thal, so lange er durch seine Kraft den Gegenstrom abweisen kann.

Zuweilen ist die Depression nur lokal, also Teilminimum. Dieses kann den engen Charakter behalten oder der Ausgangspunkt einer größern Depression sein. Es liegt auf der Hand, daß Gegenden mit ausgeprägten Gegensätzen, wie Küsten, Binnenmeere, sich für engere Depressionen voraus eignen, weil sich hier der wärmende oder kältende Einfluß des Meeres sofort geltend macht. Das Teilminimum leitet eine größere Änderung ein, wenn es der ausgeprägteste Teil einer allgemein überhandnehmenden Spannung ist; andere Male bleibt es aus einer größern Depression lokal zurück, oder verbindet auch letztere, wenn sie getrennt ist. Dasselbe ist wohl den Nebelzügen in den Sätteln der Berge zu vergleichen, die ebenfalls zuerst oder zuletzt die verschiedenen Ströme vereinen und zur Reaktion bringen, und die deshalb eine Hauptänderung gewöhnlich einleiten oder abschließen.

Die Eigenschaft der Winde, je einen Gegenstrom hervorzurufen, ist für uns äußerst wichtig. Sie ist es, die die Extreme nivelliert, Temperatur, Dichtigkeit, Feuchtigkeit ausgleicht, die Stöße und Geschwindigkeiten mäßigt. Der Aufstieg regliert den Fall, der Nordwind den Südwind, und umgekehrt; der Süden wärmt den Norden, der Tag die Nacht; der Norden kühlt den Süden, die Nacht den Tag etc.

Nord- oder Nordostwind und Föhn.

Wenn der Nordwind am Südabhang der Alpen in eine Depression hineinfällt, so wird sein Fall beschleunigt; er wird zum Nordföhn, wenn er nicht selbst feucht ist, und heitert auf. Geht er feucht hinüber, so wird er die jenseitige Ausscheidung vermehren. Aber in weit bedeutendem Maße wirkt der Nordwind auf unserer Alpenseite Föhn bringend. Voraus entsteht der starke Südföhn, der Föhnsturm, unter Mitwirkung des Nordwindes. Wenn eine Depression nördlich der Alpen um sich greift, wirft sie die verdrängte Luft nach Süden, wo sich eine Pression bildet, und diese Bereicherung von Nord oder Nordwest her, die in den schweren Föhnwolken zum Ausdruck kommt, dauert an, bis die Pression sich zum Teil durch das Mittel des Föhns nach Norden entlastet, der Druck der Nordseite überwiegt und den Föhn verdrängt.

Bei Beurteilung des Nordwindes müssen wir uns klar machen, daß derselbe wie jeder andere Wind in seinen Wirkungen voraus von seiner Intensität und Kompaktheit abhängt. Wir müssen also den geschlossenen Nordwind, der die Luftsäule einnimmt und eine Pression darstellt, und die durch Wärme gelockerte, freiaufstrebende Nordströmung unterscheiden. Wenn der erstere sich durch Sonnenwirkung erwärmt und expandiert, so bewirkt er einen Fall innerhalb seiner Masse, der ihn etwas lockert, befeuchtet, wohl ein Gewitter hervorbringt, aber die Pression noch nicht aufhebt. Die während des Tags ausgedehnte Luft zieht sich nachts wieder zusammen und erhält ihre Dichtigkeit wieder. Wir haben hier ein hübsches Beispiel des Gegensatzes zwischen dem Fall am Tage, der ein Ersatz der aufgestiegenen durch leichte obere Luft ist und das Barometer fällt, und dem Fall der Nacht, der eine Kontraktion ist und das Barometer hebt. Wenn wir uns erinnern, daß ein Aufstieg vom Meer auf Montblanc-Höhe das Luftvolumen verdoppelt, können wir uns von der Verdrängung auch in kleinern Verhältnissen leicht ein Bild machen, und in der That zeigt sich in südnördlich gerichteten Alpenthälern jeden warmen Nachmittag ein leichter Föhn. Wenn ein geschlossener Nordwind rasch vordringt und in feuchte, leichte Luft eintritt, so entleert und verdrängt er dieselbe. Da in den Alpen der Föhn der Thäler viel Feuchtigkeit enthält, ruft also der Nord trotz der günstigen Wetterberichte zunächst eine starke Ausscheidung hervor; diese ist aber nur kurz, oft von Schnee begleitet und bringt den Wetterbericht nachher zu seinem Eecht. Tritt der Nordwind als isolierter Windzug auf, der am Boden keinen festen Fuß hat, sei es infolge lokaler Erwärmung, sei es durch Abdrängung, so wird er die entgegenstehende leichtere Luft kälten und entleeren, ohne sie zu ersetzen.

Wenn also der Nordwind nicht so geschlossen fortschreitet, daß er den Süd wind in die Höhe drängt, ihm den Eintritt verwehrt und den Fall verunmöglicht, ist er kein Gutwetterwind, sondern im Gegenteil ein Regenbringer. Dies zeigt er, wenn nicht sofort, doch bald. Hat er z.B. durch Berührung mit dem Südwind Feuchtigkeit aufgenommen, ohne gesättigt zu werden, so tritt diese Sättigung bei nachherigem Aufstieg ein. Allerdings führt aber dieser Aufstieg wieder einen Fall herbei, und es wird nun von äußern Faktoren, Höhe, vorherrschender Windströmung etc., abhängen, ob die ausgeschiedene Wolke sich beim Fall wieder löst oder nicht. Feuchter Zustrom läßt die Kondensation nach unten wachsen, trockner Zustrom und Erwärmung läßt sie abnehmen, was bekanntlich als Wetterzeichen benutzt wird. Am unmittelbarsten wirkt die Expansionskälte in den Bergen auf das Wetter, ähnlich wie in umgekehrtem Sinne der Föhn. Da hier der Aufstieg nicht Folge von Erwärmung ist, sondern durch Stoß erfolgt, wird äußere Wärme nur gelegentlich die Feuchtigkeit gelöst behalten, in vielen andern Fällen wird diese austreten. Es werden deshalb heute die Mehrzahl der Bergregen diesem Aufstieg zugeschrieben, und man beobachtet leicht, daß bei einer Aufheiterung aus Nordwind die Berge derselben zuletzt teilhaftig werden. Wenn sich dieser nicht zu erheben vermag, so kondensiert er die verdampfte Feuchtigkeit der Ebene oder die Feuchtigkeit eines schwachen Südstroms zu Nebel, oder er trägt sie als Bise fort, wenn er in lebhafterem Zuge ist. Der Nebel muß der Sonne vielfach weichen, während die Bise die Wärme verwindet. Ist der Nebel so entstanden, daß die Feuchtigkeit der in der Nacht fallenden gewärmten Luft unten kondensiert wird, so begreift sich leicht, daß die Bergthäler demselben nicht ausgesetzt sind. Sie sind eben noch im Fall-gebiet und die Kondensation tritt erst ein, wo dem Fall durch die dichtere Unterlage Schranken gesetzt sind.

Je schärfer der Gegensatz von Nord- und Südwind, um so ausgeprägter sind die aus der Berührung hervorgehenden Wettererscheinungen. Vorherrschen der. Kälte beginnt mit Niederschlägen und endet mit Aufheiterung; Vorherrschen der Wärme beginnt mit Aufheiterung, ruft aber Niederschläge hervor. Allerdings hängt dies auch von der Quantität aufgenommener Feuchtigkeit ab. Ein Bindeglied der Gegensätze bildet der Föhn. An sich das Produkt eines kalten und trocknen Zusammenstoßes, nimmt er nachher Wärme und Feuchtigkeit auf; da aber erstere überwiegt, giebt es Aufheiterung. Aber diese warme Luft dringt nun in große Höhe und wird um so kälter, so daß sich die Feuchtigkeit unten mit Regen, oben mit Schnee ausscheidet. Ein Extrem in der Wärme läßt die Luft in Höhen gehen, deren Temperatur weit unter 0 ° liegt, und die dann leicht das Wasser zu Hagelstücken gefrieren und zusammenfrieren lassen. Eine solche Hagelbildung wird natürlich durch einen obern kalten Strom unterstützt. Die Gewitter sind ebenfalls Folge der Gegensätze und im wesentlichen auf den Sommer beschränkt. Dieselben sind zur Sammlung der Elektrizität an feuchte Luft gebunden und haben deshalb auch die untern Regionen als Hauptschauplatz. Sie entstehen aus dem schroffen Zusammenprall ungleich gerichteter Ströme und kommen z.B. in großer Verbreitung vor, wenn eine Depression sich allmählich durch zugeführte Luft in Pression umsetzt.

Süd- oder Südwestwind und Föhn.

Der Südwind entsteht, wie wir gesehen, aus dem Äquatorial dadurch, daß dieser durch seinen Gegenstrom successive gefällt wird. Die Fan-wärme wird im freien, hohen Luftraum zum Teil verwindet, zu einem Teil durch den Gegenstrom absorbiert, so daß der Südwind keineswegs die Temperatur annimmt, die seinem Fall entspricht. Anders ist es, wenn Verwindung und Gegenwirkung beschränkt werden; dann kann die Fallwärme hervortreten, dann geht aber der Südwind in Föhn über. Hiezu sind nun die Berge ein Mittel. Es ist klar, daß ein Südwind, der sich vom Berggrat herunter in ein Thal begiebt, nicht nur von aller seitlichen Verwindung geschützt ist, sondern daß er zusammengedrückt, erwärmt wird, und daß er eine Stoßkraft erhält, die das Eindringen eines Gegen-stroms verwehren kann. Kämpfen also auf Bergeshöhe zwei Ströme gegeneinander, so werfen sie die abgedrängte Luft herunter- diese gewinnt mit dem Fall an absolutem Gewicht und an Kraft und läßt den Gegenstrom bis zu dessen weiterer Erstarkung nicht mehr ins Thal, so daß dem Fall die Wärme erhalten bleibt. Der Unterschied zwischen dem Südwind und dem Südföhn ist nur ein gradueller, und in der That nehmen besonders die Franzosen den einen für den andern. Eine Grenze läßt sich nicht jeden Augenblick ziehen, da der Föhn weit über die Berge hinaufreicht; immerhin ist der letztere ein bestimmt begrenztes Glied des Südwinds. Seine Markierung liegt darin, daß er ungesättigt ist. Wenn die Fallwärme ausgeprägt vortritt, haben wir föhnige Aufheiterung: mit der Annäherung an West tritt sie zurück und Sättigung und Ausscheidung in den Vordergrund. Indem die Berge beim Aufstieg trocknen und beim Fall wärmen, machen sie den gleichen Strom zu Föhn, der, über Meer gehend, Landregen giebt. So wird ein Südwind, der bei Algier den Boden erreicht hat, wenn er sich über die Alpen wendet, hier trocken und föhnig abfallen, wenn er über dem Atlantischen Ocean seinen Fortgang nimmt, seine Feuchtigkeit nicht mehr lösen.

Im Sommer geht der Fall gewöhnlich nicht so tief, daß er uns als Föhn spürbar wird; die Wärme der Jahreszeit hält die Winde in großer Höhe und beschränkt die Eeaktion auf diese kalten Gebiete. Auf dem Meer wird dieser Einfluß durch die Wasserverdampfung paralysiert und die Fällung bewerkstelligt. Im Herbst und Frühling nehmen die Depressionen infolge der scharfen Temperaturkontraste große Dimensionen an und geben dementsprechende Föhnstürme. Die vielfache Berührung von Kälte und Wärme macht diese Jahreszeiten überhaupt föhnig. Im Winter sind die Ströme leblos, der Fall ist vertikal und lokal und damit der Föhn. Während aber bei uns sich die kälteste Luft am Boden festsetzt und dem Eindringen wärmerer von oben einen Widerstand entgegenstellt, werden in England auch die untern Lagen vom Meer aus erwärmt. Man ersieht aus dem Gesagten, daß der Charakter des Südwests als Wetterwind von der Lage abhängt, d.h. davon, ob er seinen Durchzug mehr im Westen oder mehr im Osten, also ohne Berührung des Meeres oder mit solcher hält. Er ist also für die einen Regenwind, für die andern nicht. Wenn er mehr den erstem Namen hat, so ist es, weil er meistens ein Übergangsstadium zum regenbringenden West ist, und ja an sich mit der Annäherung an Norden kälter wird. In seiner ersten Phase aber, wo er den leicht gefallenen Äquatorial darstellt, wiegt die Fallwärme und damit das aufheiternde Element vor.

West- oder Ostwinde und Föhn.

West- und Ostwinde gehen bekanntlich auf zweierlei Weise aus Süd- und Nordwind hervor; einmal durch die Rotation der Atmosphäre, also durch unmittelbare Drehung, anderseits durch Mischung. Die Drehung befördert die Mischung, indem sie den Weg verlängert, die Berührungs- punkte vermehrt und den Ausgleich ruhiger gestaltet. Im einen und andern Falle haben wir die Folge, daß die Windzüge nun Europa nach der Länge, anstatt nach der Breite, durchqueren, so daß die Meerwinde auf das Land, und die Landwinde auf das Meer gehen. Derart bringen die einen dem Boden die benötigte Feuchtigkeit und kehren zurück, sich wieder zu sättigen und den fruchtbringenden Lauf wieder zu beginnen. Bei uns ist die atmosphärische Rotation erst bis Südwest, beziehungsweise Nordost vorgeschritten, dagegen haben England und Dänemark vielfach Westwinde, weil hier der Rotation günstige Dichtigkeitsverhältnisse für die Mischung hinzukommen. Wiegt in der Mischung der Südwind mit hoher Lage noch vor, haben wir natürlich Südwest; überwiegt der Nordwind, so resultiert der tiefe naßkalte Nordwest, der bald einer Kehrung des Windes in Nord vorausgeht, bald sich direkt nach Südost zieht. In sehr vielen Fällen setzt sich eine auf dem Atlantischen Ocean gebildete Depression der Passatbewegung entsprechend nach Osten fort und trägt also auch den Eegen nach Osten. Und so wie die Depression entstanden, aus dem Kampf der zwei Hauptströme, setzt sie sich als fortdauernder Kampf fort; der Regen wird also nicht sozusagen fertig von Westen gebracht, sondern konstant neugebildet. Dieser Regen dauert, bis der Rückstrom die Luft so verdichtet, daß die leichte Luft, die Depression, verdrängt wird und einer Pression Platz macht. Die konstante Neubildung und Speisung von zwei Seiten erklärt die großen Wassermengen, die eine Querung von Europa absetzt. Westwind mildert das Klima, was sich an der westlichen Küste Irlands deutlich zeigt; Irland zeigt aber auch, daß Westwind, verbunden mit etwas nördlicher Lage, einen Herd für Niederschläge bildet. Treibt die Nordströmung den West in Nordwest über, so erfolgt rascher Niederschlag; Irland hat deshalb manchmal Nordwest mit Regen, wo Süd-England noch West, wir noch wolkenlosen Südwest haben. Eine Depression, die sich nach Osten zieht, veranlaßt nördlich oder südlich den Bückzug der verdrängten Luft als Pression; Nordwest giebt die Pression mehr südlich, Südwest giebt sie mehr nördlich. Geht die Depression von Südost nach Nordwest, so bildet sie im Westen eine Pression. Wir haben schon gesehen, daß diese Pressionen, kaum gebildet, sich in das Depressionsgebiet zu entlasten beginnen und von den Alpen herunter Föhn geben. Die fallende Luft fällt auch das Barometer, obschon sie das Wetter klärt; nmgekehrt steigt das Barometer, wenn eine Depression sich dem Norden nähert, obschon die Niederschläge sich vermehren. Das Barometer gibt eben nur die Dichtigkeit, aber nicht Wärme und Feuchtigkeit an; es zeigt nur die Tendenz der Luft, dichter, d.h. kälter und trockner, oder dünner, d.h. wärmer und feuchter zu werden. Es steht aber in letzterer Beziehung wieder auf falscher Basis, da ja warme Luft die Feuchtigkeit löst, und kommt hier nur dadurch zu einer gewissen Berechtigung, daß die Wärme zur Lockerung des kalten Gegenwindes aufgebraucht wird, was eine Entleerung herbeiführt. Gewöhnlich wird den Winden ihre Richtung und damit ihre spätem Eigenschaften schon in größter Höhe gegeben; die Reaktion setzt sich nach abwärts, der Stromrichtung entsprechend, fort. Ein hoher östlicher Cirrus wird beim Fall etwa in Südost oder Süd übergehen und uns föhnige Trockenheit geben; während der westliche Cirrus nach abwärts sich mit Feuchtigkeit speist und zur Regenwolke mit Landregen auswächst.

Der Föhn.

Wir haben denselben nun schon in mehrfachem Gewände getroffen und gesehen, daß er entsteht, wenn eine Pression sich über die Alpen herunter entlastet, oder wenn die obere Luft durch Kontraktion oder neue Zufuhr gefällt wird. Die Alpen begünstigen denselben, indem sie in mancherlei Weise das Wasser der Luft ausscheiden oder als Eis unschädlich machen, und ferner, indem sie den Fall konzentrieren, seine Geschwindigkeit vermehren. Ihre Wirksamkeit liegt aber ganz wesentlich darin, daß sie die sonst übereinander hingehenden Ströme zusammenführen und so eine Stauung herstellen, die sich entlasten muß. Wenn es richtig ist, daß eine sich nach Südost bewegende Depression die vorgefundene Luft wesentlich nach Süden drängt und dort eine Pression erzeugt, so werden sich über den Alpen der Druck aus der südlichen Depression, die nun allmählich in Pression übergeht, und der gegen Süden gerichtete aus der abgedrängten Luft, begegnen, und in der That zeigt sich hier dem Thalföhn vorausgehend eine bedeutende Luftansammlung, die sich durch die bekannte weiße Wolkenkondensation weithin bemerklich macht und sich nach Maßgabe der Zufuhr steigert. Die Depression im Norden wirft immer mehr und höher Luft nach Süden, je mehr sie durchgreift, und diese Zufuhr dauert oben noch fort, wenn die so gebildete Pression schon begonnen hat, sich nach unten zu entlasten, d.h. den Föhn ins Thal zu drücken. Dieser Druck von oben ist es, welcher der untern Entlastung die große Stoßkraft giebt, die Heftigkeit des Südföhns veranlaßt. Da der letztere sich beim Fall wesentlich wärmt, steigert er die Depression, und erst wo die Wärme sich verliert, also zunächst im Norden, kommt seine ausfüllende Wirkung zur Geltung. Dies nun aber um so mehr, als die Tiefe der Depression eine starke Entleerung des Südens und dementsprechend eine starke Pression im Norden zur Folge hat. Bekanntlich kehrt diese nun als Nordwind zurück. Die südliche Pression entleert sich aber nicht nur über die Berge, sondern sie geht der Passatrichtung entsprechend auch nach Westen, um auch von hier aus den Norden zu füllen. Wir haben jetzt Pression im Norden, Depression im Süden, und es sucht erstere sofort wieder in letztere einzubrechen. Soweit dies über die Alpen geschieht, giebt es den Nordföhn für den Südabhang derselben. Teils auf diesem Weg, teils durch Kreislauf um dieselben herum, bildet sich also wieder eine südliche Pression, und so geht das Spiel weiter.

Die ersten Anzeichen des Südföhns sind die einer Depression, die Südwest- und West-Europa umfaßt; er bleibt denn auch Bestandteil derselben und endet mit ihr. Ich will, um die Kontrolle der hier zu Grunde gelegten Erklärung zu erleichtern, den Verlauf eines solchen in die ihm eigentümlichen Phasen zerlegen und jede von diesen gleich zu begründen suchen. Dabei handelt es sich aber nur um den starken Südföhn, der übrigens auch den Ausgangspunkt der Föhntheorien überhaupt gebildet hat.

Erste Phase. Weiße Trübung am fernen südwestlichen Himmel, die bis zum folgenden Tag wieder verschwindet. Sonst klarer Himmel. Merk-barer Fall des Barometers, besonders in Irland. „ Eine vom fernen Südwesten sich nähernde Depression nimmt den Westen rascher ein als unsere Gegend. Da sie sich noch auf die höchste Atmosphäre beschränkt, ist die Ausscheidung sehr fein krystallinisch und trübt den südwestlichen Himmel, um so mehr als die Projektion die Ausscheidung dichter erscheinen läßt. "

Zweite Phase. Die Trübung ist verschwunden; Mond und Sonne zeigen Höfe; die Sterne glitzern und flimmern, die Luft ist windstill und wird immer milder, das Barometer ist im Fallen. Dauer zwei Tage. „ Die Depression ist uns näher getreten. Die Eiskrystalle sind tiefer gegangen, größer und durchsichtig geworden; sie geben durch ihre Reflexe die farbigen Erscheinungen. Unvermerkt fällt der Äquatorial am Gegenstoß der vorhandenen Luft steil hernieder, die untern Lagen erwärmend; der Stau von Strom und Gegenstrom hindert die horizontale Beweglichkeit und giebt der Luft den windstillen Charakter. "

Dritte Phase. An den südlichen Gräten setzen sich die weißen, bauschigen Föhnwolken an, türmen sich auf und bleiben, nach der Höhe heller werdend, mit oben horizontalem Abschluß zwei Tage über den Bergen liegen. Sie kennzeichnen sich im Innern durch ein Hin- und Her-stürmen der Winde, die die Formen auch äußerlich ändern und die Temperatur tief halten. Dauer cirka 2 Tage. „ Die Depression hat den Norden der Alpen eingenommen und sendet die verdrängte Luft als Gegenstrom über die Alpen zurück, um im Süden und Südosten derselben eine Pression zu bilden. Auf den Gräten kreuzen sich die fallende Luft der Depression und der Gegenstrom. Da letzterer aus der Tiefe aufgestiegen, ist er kalt und bringt die wolkige Ausscheidung in dem etwas angewärmten Fall hervor. Indem der Gegenstrom an den südlichen Abhängen herunterfallt, bringt er hier zuerst einen schwachen Föhn hervor, der aber successive die Luft verdichtet und Pression herstellt. Der steigende Druck auf der Südseite zeigt sich in der Erhöhung der Föhnwolke; in dieser gleichzeitig aber auch die Vertiefung der Depression auf der Nordseite, welche die leichter gewordene Luft höher senden kann. Und je höher die Föhnwolke wird, um so ferner ist auch ihre Speisequelle zu suchen. Denn die obern Teile haben nicht mehr die bauschigen Formen eines aufsteigenden Stromes, sondern die langgestreckten einer Schichtwolke, der Kreuzung eines horizontal anrückenden Nordstromes mit dem Südstrom. "

Vierte Phase. Heftig stürzt sich nun der noch kalte Föhn aus den Wolken, indem er beim Fall sofort sein Nebelkleid abwirft und, immer wärmer und heftiger werdend, durch das Thal braust. Mit der Höhe und Steilheit des Falls, mit der Verengung, Umbiegung der Thäler wächst seine Intensität; auch die Nachtkälte befördert dieselbe. Er hebt die Thal-temperatur um 6—8 ° C, macht sich noch jenseits des Bodensees fühlbar, trägt aber die Aufheiterung viel weiter. Auch der Sturm dauert etwa zwei Tage, bald anhaltend, bald stoßweise, aber schließlich mehr und mehr von kältenden Nordstößen unterbrochen und beherrscht. „ Die Extreme von Pression und Depression haben sich so weit zugespitzt, daß erstere sich nun mit Macht in letztere entladet. Über die Alpen herab fällt die Luft herunter, unten Wärme und Depression steigernd, so lange sie warm bleibt, dagegen eine Verdichtung herbeiführend, wenn sie, nach Norden oder in die Höhe gehend, erkältet wird. Die Luftsäule, die sich dem Fall entgegenstellt, wird immer höher und ihre Widerstandskraft tritt dem Berg immer näher. Aber während sie unten vom intensiven Fall noch abgestoßen wird, wirkt sie oben immer stauend und fällend, bis eben alle Luft am Nordfuß des Berges so weit verdichtet und gekältet ist, daß sie den weitern Fall des Südwindes verhindert und nun eine nördliche Pression mit Nordwind darstellt. Der Föhn oder die südliche Depression wird so successive nach Nordosten gedrängt. "

Fünfte Phase. Der Norden hüllt sich in Regen, der Föhn löst seine Feuchtigkeit nicht mehr, sondern verteilt ebenfalls unten Regen, oben Schnee. Diese Niederschläge sind aber kurz und leiten kalte Aufheiterung ein, die denn auch bereits durch die Wetterberichte avisiert wird. „ Da der Nordwind hohe und tiefe Regionen in Besitz nimmt, muß er nach der Höhe mehr und mehr kälten, also oben Schnee entleeren. Indem er so einen trocknen, kalten und schweren Strom, eine Pression, darstellt, wird er fähig, gegen den Eintritt leichter Luft widerstandsfähig zu sein. Er weist den Südwind oder die Depression ab und verspricht schönes Wetter. "

Starke Föhnstürme sind nicht häufig und wiederholen sich im Jahr wenig. Ihre Zeit ist Frühling und Herbst, etwa in den Winter eingreifend, und stimmt mit der der Äquinoktialstürme im Mittelmeer.

Je geringer die obere Pression, um so schwächer auch der Föhn; er stuft sich herunter zum milden „ Lüftchen " oder erwärmt das Thal auch ohne Windzug. Erfolgt die Luftverdichtung in der Höhe durch einen schwachen trocknen Zustrom, so bildet sich keine Wolke, sondern es herrscht eine mit Aufheiterung verbundene Fällung vor. Dabei ist für den Kontinent die große Höhe am günstigsten, weil hier die Luft am trockensten ist und die weitestgehende Wirkung erlangt.

Wie wir gesehen, bewirkt eine Pression im Norden und besonders im Nordwesten der Alpen am Südabhang derselben den „ Nordföhn ", also einen nach Süden gerichteten Föhn. Derselbe entsteht analog dem Südföhn, nur in umgekehrter Richtung, wenn die Depression von Südost nach Ost geht und durch Seitenpressung etc. eine Pression nördlich und nordwestlich der Alpen herstellt. Diese entlastet sich unten als Nordföhn nach Italien, indem sie bestrebt ist, das südliche Depressionsgebiet wieder auszufüllen. Da dieser Weg der Depressionen ein nicht häufiger ist, tritt auch der Nordföhn viel weniger auf als sein Gegenstück, und mangels weittragendender Intensität derselben ist auch seine Kraft viel beschränkter. Dadurch wird aber der Stoß weniger in die Thäler getrieben; er verschont diese mit Stürmen, und er wärmt durch höhern Fluß auch die Vorberge. Natürlich wird auch seine Bildung durch eine vorgängige Entleerung des Zufuhrstroms gefördert. Da der Nordföhn in ohnehin warmes Klima einfällt, ist seine Mäßigung für die Gegend wichtig; ein Föhnsturm würde dieselbe aussengen. In der gemäßigten Form dagegen ist er sehr ersprießlich; denn da die Südwinde beim Alpen-aufstieg viel Wasser abgeben, ist ein zeitweiliger Unterbruch für Menschen und Boden eine Notwendigkeit. Der Nordföhn gleicht hier aus, und durch die energischere Austrocknung macht er den Boden für weitere Entleerungen zugänglich.

Eine weiter zu besprechende Form des Föhns ist die, welche wir fast täglich, sei es aus Wechselwirkung von steigender und fallender Luft, sei es von Nord- und Südwind, beobachten. In die erstere Reihe gehört der Mittagsföhn. Derselbe ist in engen, von Süd nach Nord gerichteten Thälern stets etwas zu spüren, wenn der Vormittag einen Aufstieg gestattete. Hier wird die gewöhnliche mittägliche Depression direkt als leichter Südwind fühlbar. Auch windstille Tage rufen den Wechsel der untern und obern Luft hervor, wenn das Thal erwärmt wird; stärker wird er natürlich bei Nordwind. Dieser ruft den Föhn nicht nur hervor, sondern tritt dann noch in Kampf mit demselben. Treibt der Nordwind Schneestaub von den Gletschern, so wissen wir, daß wir bald Föhn haben werden; je lebhafter der eine, um so rascher der andere. Und je nach den quantitativen Verhältnissen wird der eine unterliegen oder sich neben dem andern halten. Es kann dieses Hin- und Herziehen der Winde im engen Thalkessel um so länger dauern, als ja jeder den andern nicht nur schwächt, sondern in anderer Weise auch stärkt. Wenn die Vermischung schwächt, so führt der Rückstoß stets neue Luft für die abgegangene ein, ;::.:* j :..

und wieder ins Gefecht. Ein solcher Kampf, der die tiefern Regionen der Atmosphäre zur Geburtsstätte und zum Operationsfeld hat, der also an sich wenig Wärme bringt und diese verwindet, der nur durch die beidseitige Stoßkraft unterhalten wird, erhöht die Temperatur nicht und läßt dieselbe kühl. Nichtsdestoweniger ist er Föhn, und wenn wir beim Wechsel der Windzüge mitten in einer Nordströmung stehen, so sind wir doch im Föhn; die hin- und hergehenden Windzüge sind nur Spielzüge eines und desselben Spieles. Es ist bekannt, daß Gebiete, die diesem Föhnregiment ausgesetzt sind, unbeständiges Klima, rasche und häufige Wetterwechsel haben und daß mit der Höhe die Häufigkeit derselben zunimmt. Das Thal hat zahlreiche und ergiebige Regen, die Höhen häufigen Schnee. Man geht wohl nicht fehl, wenn man es dem Föhn zuschreibt, daß die Schweiz eine größere Sterblichkeit hat als England, und es geht deshalb die allgemeine Tendenz dahin, Sanatorien in mehr föhnfreie Thäler, deren wir ja verschiedene besitzen, zu verlegen.

Die Föhnwolken gehen aber nicht immer einem Föhn voraus, sie bleiben zuweilen bloße Bilder einer in der Höhe vor sich gehenden föhnigen Strömung, und werden dann wohl auch „ Schonwolken " genannt. Jedermann kennt die weißen Wolken, die bald zusammenhängend, bald lose über den Bergen schweben und die von weitem selbst das Aussehen solcher haben. Dieselben sind natürlich den früher besprochenen verwandt. Während aber letztere, als Folge einer westlichen Depression, noch etwas feucht sind und sich den Bergspitzen ankleben, sich auftürmen ohne den Fuß abzuheben, sind die Schonwolken Folgen der Erwärmung der nördlichen Ebene, die nun einen Strom leicht gewordener Luft hoch über die Berge weg nach Süden sendet. Infolge ihrer Trockenheit und Höhe wird diese Luft von den Gletschern noch nicht kondensiert, dagegen kondensiert sie in größerer Höhe den ihr entgegenkommenden Südstrom zu den luftigen, weißen, freischwebenden Wolkengebilden. Auch diese sind also Föhnwolken, Mischungsprodukte sich begegnender Ströme, aber auf einer trocknen Unterlage sitzend, und der Ausfluß des guten, nicht des schlechten Wetters. Und auf dieser Unterlage beruht auch der Charakter als Schonwolke. Eine Verstärkung des obern Südstroms würde sie lösen, aber damit das Wetter neuerdings halten -, eine Gefahr kommt also nur von unten, von Erkältung her. Und gegen diese bieten die untere ruhige Wärme, welche nordische Stöße mildert, und die Trockenheit, welche Ausscheidungen verlangsamt, Schutz. Die Schonwolken sind also Feinde einer raschen Änderung, und verdienen ihren Namen als Schönwetterwolken.

Eine eigentümliche Form zeigt der Föhn im Winter: hohen Barometerstand bei windstiller Atmosphäre; Wärme auf den Bergen, Kälte auf der Thalsohle. Die Kälte der Jahreszeit hat die obern Schichten fast senkrecht gefällt und der Fall setzt sich unter Erwärmen nach unten fort. Aber noch tiefer als die erwärmten, fallen die kalt gebliebenen Luftteile, die nun die Thalebene einnehmen und, weil sie von der kalten Erde jetzt keine genügende Wärme empfangen, nicht mehr steigen können. Das Thal gleicht also dem Fußboden eines geheizten, aber nicht venti-lierten Zimmers, das auch die Wärme nach oben, die Kälte nach unten verteilt. Ein hübsches Beispiel dieses Unterschiedes sehen wir, wenn wir von der Alphütte zum Thalhäuschen heruntersteigen. Während auf der Alp, wo die kalte Luft ständig abfließen kann, das Wasser morgens vom Dache trauft, sendet das Thalhäuschen Eiszapfen vom Dache herab. Hier ist aber die schlechte Ventilation ein Glück. Denn die Dachtraufe speist die Quellen und treibt im Thale die Räder, die uns das Brod in die Hand geben; die Eiszapfen aber geben dem Thalboden die Ruhe, die er benötigt, um neue Ernte hervorzubringen.

Es ist früher hervorgehoben worden, daß der Föhn manchmal an eine Windstille geknüpft ist. Diese kann ihm vorausgehen oder nachfolgen. Ein Beispiel der ersten Art haben wir beim Föhnsturm getroffen, wo die Windstille die anrückende Depression anzeigte. Ein solches der zweiten Art ist die Stille vor dem Gewitter. Wenn an heißen Nachmittagen der starke fallende Strom an ebenbürtigen Aufstieg prallt, entsteht eine Stauung, die in schwüler Windstille von der einen Seite her ständig Wasser aufnimmt, von der andern es in halb flüssiger Form wieder ausscheidet und so ein dunkles Wolkengebilde baut, das sich in intensiver Weise mit den entgegengesetzten Elektricitäten laden kann. Indem der Abend diesem Bau die Wärme nimmt, entreißt er ihm das Fundament und löst ihn in Regen, Blitz und Donner auf.

Schlußbemerkung.

Wir haben nun den Föhn generell und einzeln betrachtet und stets gefunden, daß Verdichtung und Verdrängung in den obern Schichten einen Fall hervorrufen, der zum Föhn wird, wenn die Fallwärme die Feuchtigkeit zu lösen vermag und in deutlich ersichtlicher oder fühlbarer Weise hervortritt. Der Föhn kann aber in Temperatur, Dichte, aufgelöster Feuchtigkeit, Geschwindigkeit variieren, sei es, daß diese Unterschiede schon vor Bildung desselben vorhanden waren, oder infolge davon, daß die abdrängende Kraft bei Kontraktion, Stoß, Stauung verschieden ist, oder auch dadurch, daß die Umgebung den Föhn weiterhin modifiziert. Da der Einfluß desselben auf die Umgebung und umgekehrt der der letztern auf ihn von seiner Intensität abhängt, also seiner Temperatur, Dichte oder besser Lockerheit und Feuchtigkeitsgehalt, werden die entgegengesetztesten Wetterzustände eintreten, je nachdem er siegt oder unterliegt, mit andern Winden sich mehr oder weniger umsetzt. Da dem Alpenbewohner das Zusammenspiel aus Erfahrung bekannt ist und er seine Kraft aus dem eingetretenen oder angekündigten Auftreten ableitet, taxiert er seine Wirkungen und macht ihn vielfach zum Herrn über Regen und Sonnenschein. Und dieser Herr wird bekanntlich auch vom Clubisten zuweilen gefürchtet, zuweilen ersehnt. Hoffentlich hat meine kleine Arbeit wenigstens den Erfolg, zu zeigen, daß er kein launischer Kobold oder ungeregelter Geselle, sondern ein streng geregelter Gefährte ist, der zwar nicht gerade unsern Willen thut, wohl aber vielfach den seinen zum voraus anzeigt und uns ermöglicht, uns darnach zu richten. Und auch den Herren Meteorologen möchte ich eine Anregung geben; es ist die, sich zu erinnern, daß der Begriff des Föhns aus dem Volke herausgewachsen ist und sich in demselben stets erhalten hat. Wenn man denselben ausmerzen wollte, müßte man erst seine Unrichtigkeit beweisen; solche Beweise sind aber meines Wissens nicht einmal versucht, geschweige denn gebracht worden. Wenn ich gegen-teils gesucht habe, diesen Volksbegriff zu begründen, so habe ich selbstverständlich nicht die Meinung, daß nun derselbe von meinen Anschauungen abhänge; der Begriff kann richtig, meine Begründung aber unrichtig sein. Und dies um so mehr, als all diese Anschauungen in ständigem Fluß sind und im besten Fall dem Augenblick genügen können. Ohne Zweifel ist aber ein Versuch angemessen, alle, die sich um die Frage interessieren, auf dem gleichen Baugrunde zu vereinen; wenn dies gelingt, werden zur Klärung der Föhnfrage Beobachtung und Studium sich mehr als bisher vereinen und die Resultate den Nutzen beweisen.

Jahrbuch dea Schweizer Alpenclub. 30. Jahrg.

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