Wetterhorn

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Von H. R. Conrad

Mit Y Bild ( 123 ) ( Zürich ) Viele Gipfel erheben sich stufenweise aus dem unbestimmten Spiel der Berge und Grasrücken, das sanfte Grün ihrer Bekleidung abstreifend, um dafür eine felsige Nacktheit oder den reinen Schneemantel einzutauschen. Nicht so das Wetterhorn. Dort, hinter Grindelwald fängt es an und springt unmittelbar empor in einem tollen Ansturm von grauen Klippen, allein, ein Ding für sich.

Aber es hat andere und nicht weniger vollkommene Aspekte. Denn zur Schneepyramide von Rosenlaui, erdentbunden in ihrer hohen Zurückgezogenheit, gibt es ein ebenso formschönes, wenn auch ernsteres Gegenstück. Dieses zu erblicken, müssen die Getreuen des Berges dem Gegenstand ihrer Liebe untreu werden. Sogar Gleckstein, jene zauberhafte Atempause in der erbarmungslosen Steilheit der Schafweiden am Oberen Gletscher, kann hier nicht helfen und bietet nur eine lächerliche Karikatur des Wetterhornes dar, ein formloses, finsteres Fragment, bis zur Hässlichkeit verzerrt.

Erwache dann in aller Frühe, zünde deine Laterne an und stolpere, deinen Weg suchend, über Graspolster, Steine, plötzliche Platten, Felsen und Schutt, hinauf und hinab, hinein und heraus, unter Wasserfällen hindurch und über Bäche, um Vorsprünge und an Gesimsen entlang, bis in der grauen, herzzerreissenden Stumpfheit des Vormorgens die letzten Felsen dich heraus-spucken in das geordnete Chaos des jungen Eisfalls. Wenn du einmal, ein sorgfältiger Steuermann, die Willkür von Zug und Druck überlistet hast, welche den Gletscher mahlen in seinem schrecklichen majestätischen Lauf, wenn die Spalten sich vom komplexen zum einfachen Bruch auflösen und sterben in abnehmenden Wellen, wenn — sage ich dir— das Grau des Schnees, der sich zu deinen Füssen ausbreitet, trotz seiner Grauheit jenes unbestimmbare, mehr gefühlte als gesehene Rosa und Gold annimmt, dann wirst du dich erst umkehren und das Wetterhorn sehen, gestern noch ein formloses Wrack, jetzt in einen Zauberberg verwandelt, seine frühere Grobheit des Umrisses nunmehr geschmolzen in eine Harmonie von flüssigen Gräten, die bereits in den ersten Strahlen des Morgens aufflammen. Unterdessen stehen die Séracs, die deinen Weg säumen, und die Felsen der westlichen Wasserscheide in der vollen Pracht des himmlischen Feuers. Eile weiter, jener Grenze zu begegnen, die auf den Firnfeldern dir entgegenkommt, und, wie du mit dem letzten Trompetenstoss von leuchtender Herrlichkeit zu einem neuen Tage neugeboren dastehst, schaue nochmals zurück zum Gipfel, der dich gestern duldete, denn er ist jetzt gemalt mit Licht und Schatten, mit Firn und Fels zu einem Glanz kontrastreicher Schönheit.

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