Wie unsere Clubführer entstehen

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Von Hans Raschle.

Wenn es lenzt, drängen sich mit den ersten Soldanellen immer wieder neue Clubführer an die junge Sonne. Auch sie sind kostbare alpine Gewächse. Sie kommen vereinzelt wie das Edelweiss und bleiben vielen Bergsteigern verborgen wie dieses. Sie wachsen bedächtiger und behäbiger als die Arve, denn oft verbrauchen sie beinahe geologische Wachstumszeiten.

Schon vor einem Dritteljahrhundert beschloss der S.A.C. das gewaltige Werk der Clubführer durch das ganze Gebiet der Schweizer Alpen. Unternehmungslustig griff man an allen Ecken des Landes zu. Zuletzt in Alt fry Rhätien. Dort hob man 1911 den Sammelnamen des « Clubführers durch die Bündner Alpen » aus der Taufe. Bis 1922 stiegen vier Bände dieses Familiennamens aus der Geschäftigkeit der Schöpferwerkstätten in die Regale der Buchhändler. Als Spätling folgte ihnen 1932 der fünfte Band mit dem Rufnamen « Bernina ». Im Frühjahr — das sich für Clubführergeburtstags-feste meistens bis Johannistag verlängert — werden sich diesen fünf Geschwistern noch « Silvretta-Samnaun », « Albula » und — wenn alles gut geht — auch noch « Rätikon » zugesellen. Wir werden uns aber noch längere Zeit gedulden müssen, bis wir auch die bündnerische Südostecke der Schweiz im Clubführerformat in unseren Rucksack verstauen können.

Als ich im Januar 1932, mit dem Federhalter als Bergstock und den Bürofinken als Kletterschuhen, auf die clubamtlichen Papierberge gehetzt wurde, leuchteten mir aus ihren schwarzen Spalten hoffnungsfrohe Farben entgegen. Mein sehr verdienter clubamtlicher Ressort-Grossvater vom C. C. Bern hatte 1925 auf einer Bündnerkarte alle Clubführergebiete gewissenhaft und aufschlussreich eingezeichnet. Die bereits bearbeiteten Teile erstrahlten in glühendem Rot, die « in Arbeit begriffenen » entzückten durch ihr hoffnungsvolles Grün. In diesem Festkleide der Hoffnung zierten sich damals vor nun bald zehn Jahren ausgerechnet Gebiete, auf deren clubführerische Beherrschung wir heute noch mit gebremstem Glauben harren.

Auch im Clubführerschicksal kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Aber wenn man überhaupt denkt, kann man begreifen, dass es oft anders kommen muss und dass das, was kommt, nur langsam kommen kann. Schon die Gewinnung der Haupbearbeiter für den künftigen Clubführer bildet meistens einen Roman von epischer Breite und voll lyrischen Schmerzes. Wenn der Publikationenchef den Auftrag des C. C, wieder mal einen neuen Clubführer herauszubringen, in der Hand hat, steht er zunächst verlassen und hilflos inmitten der dreissigtausend-köpfigen Familie S.A.C. Er tastet unsicher nach allen Seiten wie der Jüngling mit den verbundenen Augen beim Blindekuhspiel.

In dieser tragischen Situation wendet sich der ratlose Publikationenchef an einen jener hilfsbereiten älteren Clubkameraden, die wissen, in welche verborgenen Winkel der Idealismus der Tat sich vor der Gewinnsucht unserer aufgeklärten Zeit verkrochen hat. An der sicheren Hand dieses unschätzbaren Mentors wird man hin und wieder zu einem einzelnen, begeisterten, beherzten und uneigennützigen Clubkameraden geleitet, der sich als Hauptbearbeiter des Clubführers gewinnen lässt. Dieser begnadete Glücksfall ereignet sich aber meist nur dann, wenn dieser tapfere Mann der Tat die zähe Grösse der Aufgabe noch ebensowenig kennt wie der Publikationenchef, der dann im späteren kritischen Verlauf der Dinge seine Greiffinger in der Unschuld des Nichtgewussthabens wäscht. Die Last des Werkes muss aber meist schon auf halbem Wege auf mehrere Schultern verteilt werden, der Hauptbearbeiter muss diese Mitträger sich suchen, und diese müssen ihm billigerweise zugestanden werden. Sonst darf man sich nicht wundern, wenn sie noch unterwegs abgeworfen wird. Es gibt für viele Alpengebiete « Notizen » und angefangene Manuskripte zu Clubführern, die aus eigener schöner Initiative forscher Bergsteiger geboren wurden, aber in der fortschreitenden Mühsal der selbstgewählten Aufgabe abstarben; viele von diesen Fragmenten sind verloren gegangen, manche haben einem späteren Bearbeiter wertvolle Dienste geleistet.

Wenn sich keiner jener idealistischen Alleingänger finden lässt, pirscht sich der Publikationenchef mit einer Maschinengewehrserie von zuerst ängstlich bittenden, dann immer eindringlicher werdenden Gesuchen an S.A.C.- oder A. A. C. Sektionen heran. Sofern dieses knallende Flehen schliesslich das Musikgehör gelockert hat, bildet die Sektion meist eine besondere Clubführerkommission mit einem Obmann als verantwortlichem Chefredaktor.

Ausnahmsweise bleibt der Einmann mit dem uneigennützigen Idealismus ungefunden und versagt sich auch der sektionsmässige Arbeitskollektivismus. In dieser Enttäuschung « engagiert » man für ein Gebiet, das man um keinen Preis als farblosen Schandfleck sich ewig vorwurfsvoll aus der Bearbeitungs-karte entgegengähnen lassen darf, einen ganz- oder halbprofessionellen Spezialkenner. Eigentlich nur in dieser Notlage vereinbart man « Bedingungen », die nach Kaufmännischem wenigstens einigermassen duften.

Ist der nach aussen verantwortliche Hauptbearbeiter, « der Verfasser », auf die eine oder andere dieser Arten gesichert, geht es an Organisation und Durchführung der turistischen Arbeit.

Die Arbeit wird praktisch in allen Fällen nach Teilgebieten gegliedert und den verschiedenen Mitarbeitern zugewiesen. Diese Mitarbeiter auszuwählen, ihnen ihre eigenste Bergregion anzuvertrauen, sie stets für ihr anspruchsvolles Unternehmen anzufeuern und ihnen immer wieder mit Rat und Tat beizustehen, ist die erste schwere Pflicht des nach aussen Verantwortlichen. Nicht leichter ist seine Aufgabe, schon während der Arbeit alle diese Teilunternehmen zum Zusammenspiel zu zwingen. Ganz und gar nicht einfach aber ist die Schlussrolle des Hauptbearbeiters, als verantwortlicher Generalredaktor die turistischen Manuskripte in rechtzeitiger Reihenfolge zu erhalten und sie endlich nach Gerippe und Stil zur Einheit zusammen-zuschweissen. Diese Kunst ist um so schwieriger, weil schon am turistischen Teil eines Clubführers oft über ein Dutzend Mitarbeiter, nach Ansichten und Temperament verschieden, aber in der Hingabe an die Sache geeint, wirken.

Solches Zusammenwirken so vieler Mitarbeiter ist durch Grösse und Ernst der Aufgabe gefordert.

Grundsatz ist, dass alle Beschreibungen im Clubführer auf persönlicher Erfahrung beruhen müssen. Die Kontrolle von Route und Gipfel mit Bergschuh und Klettergerät verlangt Zeit und Kraft und Mut und offene Augen und einen Opfersinn, der nur durch wahre Liebe zu Bergen und S.A.C. dauernd erhalten bleiben kann. Die Niederschrift des Selbstbeobachteten und Selbsterrungenen verlangt nochmals Zeit und Fähigkeit und Geduld. Dazu kommt, dass der turistische Bearbeiter auch die Unterlagen für die Routenzeichnungen mit seinem Schnappkästchen einzufangen hat.

Den neueren Rapporten eines Hauptbearbeiters, der sich eine Zeitlang ausschliesslich seiner Clubführeraufgabe widmen konnte, ist zu entnehmen, dass er trotz sehr ungünstiger Witterung in nur zwei Monaten 26 Turen mit insgesamt 64 Routen ertrotzte. Dabei galt diese gewaltige Leistung lediglich einer nochmaligen Revision eines Clubführerteilgebiets, das der Bearbeiter schon seit langem genau kannte. Über 200 Photos holte er für die Routenzeichnungen zwischen Nebel und Wolken heraus. Als dieser rastlose Arbeiter am Werk das Ergebnis seiner turistischen Mühen zu einem über dreissig Zentimeter hohen Berg von Schreibmaschinenfolioseiten vor meinen unschuldigen Publikationenchefsaugen aufschichtete, glaubte ich plötzlich zu wissen, was Erarbeitung eines Clubführers heisst. Aber ich wusste noch nicht, dass ich es noch nicht wusste! Denn: wenn das turistische Manuskript in vier- bis sechsfacher, sauberer Ausfertigung vorliegt, beginnt erst die Arbeit der Spezialisten:

Zurzeit setzen sich immer mindestens ein halbes Dutzend hervorragende Fachmänner hinter das vollendete Manuskript der turistischen Bearbeiter, um es mit ihren Spezialitäten zu würzen.

Für diese wissenschaftlichen Aufhellungen des strengen turistischen Textes benötigen wir doppelt geeichte Fachleute. Das wissenschaftliche Rüstzeug allein genügt nicht, ihm muss sich bergsteigerische Erfahrung verbinden. Beides muss durch die Liebe zu Bergen und Heimat geadelt und durch Uneigennützigkeit beseelt sein, denn auch diesem doppeltbegabten Geologen, Botaniker und Namenforscher vermögen wir den Wert seiner besonderen Gabe nicht wirklich und voll zu honorieren.

Ganz besondere Aufmerksamkeit wird in den letzten Jahren den Ortsnamen geschenkt. Der S.A.C. leistet in diesem Gebiet mit seinen Clubführern für das Land Pionierarbeit. Wir sind mit der Eidgenössischen Landes- topographie übereingekommen, dass wir bei Anlass unserer Clubführer-bearbeitungen die topographischen Bezeichnungen auch für die eidgenössischen Landeskarten zutreffend taufen helfen.

Auch mit der Eidgenössischen Postverwaltung, mit Privatbahnen und mit dem Schweizerischen Automobilclub haben wir uns für unsere Clubführer zu freundschaftlicher Zusammenarbeit gefunden. Sie gewähren unseren emsigen Bearbeitern weitgehende Vergünstigungen, die wir mit der Aufnahme von Bahnanschlüssen, Bergpostanschlüssen und S. O. S.Telephon-stationen in unsere Clubführer verdanken.

So ist der textliche Inhalt unserer gewissenhaft aufgebauten Clubführer immer mannigfaltiger geworden. Mit dem Text ist auch die Illustration immer reichhaltiger und wegweisender geworden. Wir hatten das Glück, dafür Meister zu finden, die topographische Genauigkeit und turistische Zuverlässigkeit mit künstlerischer Auffassung und technischer Klarheit zu wahren Kunstwerken zu vereinen verstehen.

Wenn alle diese Spezialisten ihre Beiträge abgeliefert haben, muss der Hauptbearbeiter diese Spezialmanuskripte aufteilen und jedes Stück davon an der passenden Stelle in sein turistisches Manuskript einordnen. Schlussendlich hat er überdies noch jenen belesenen Mann zu erforschen, der die Literatur für das ganze Clubführergebiet zusammensucht und zusammenstellt.

Die Hauptbearbeiter und der Publikationenchef im Hintergrund sind herzensfroh, wenn sie auch für die Gewinnung der Spezialmitarbeiter und für die Auswertung ihrer interessanten Beiträge auf die Beihilfe erfahrener Clubkameraden bauen können. Solche gibt es glücklicherweise immer noch. Ich habe hier bisher keine Namen genannt, weil die Namen aller Mitarbeiter jeweilen Verdientermassen im Vorwort zu jedem Clubführer aufgeführt sind. Einen Namen aber darf ich nicht übergehen: Carl Eggerling, Präsident der Sektion Rätia S.A.C. in Chur, ist seit langen Jahren schon der nachgerade unerlässliche Obergeburtshelfer für alle bündnerischen Clubführer. Er hilft Mitarbeiter finden, er gibt Ratschläge für die Textgestal-tung, er überprüft den Zusammenklang des Textes, er bietet Wegleitungen für den Druck, er überwacht den Druck. Er hat trotz seiner mannigfaltigen Beanspruchung immer ein rasches und befreiendes Wort.

Und die Belohnung?

Sofern man nicht zu einem Notengagement eines Halb- oder Ganz-professionals gezwungen ist, tun alle Bearbeiter ihre opferreiche Pflicht um des gemeinsamen Ideals willen. Man vergütet ihnen nur die tatsächlichen Auslagen, und wenn nach vielen Jahren seit Beginn der Arbeit alles wohlgetan und unverlierbar in den Kunstlederband eingeklemmt ist, erhalten sie ein bescheidenes Ehrengeschenk, das den gebührenden Dank für das Geleistete just anzudeuten vermag.

Selbst wenn ein Halb- oder Ganzprofessional verpflichtet werden muss, kann die Arbeit niemals nach Schwierigkeit und Wert bezahlt werden. Sonst müsste der S.A.C. für seine Clubführer grössere Kaufpreise fordern, als sie für jene teuren wissenschaftlichen Werke verlangt werden, deren schwerstes äusseres Gefahrenrisiko meist darin besteht, dass das Tintenfass auf dem Studiertisch sich in der Wut der Arbeit bäumt und die schön hingeschriebenen Gedanken in seinem schwarzen Blut ertränkt.

Das druckfertige Manuskript ist deshalb in der Regel mit Ausgaben nicht allzustark belastet. Das eigentlich Kaufmännische beginnt auf der Ausgabenseite erst mit Druck und Einband des Clubführers:

Nun hat der Publikationenchef die Materialien zu bestimmen, die Offerten einzuholen und dem C. C. die Vorschläge zu unterbreiten, damit dieses über die Vergebung beschliessen kann.

Dabei werden folgende allgemeine Richtlinien befolgt:

Soweit das möglich ist, sollen nur solide schweizerische Erzeugnisse verwendet werden. Hin und wieder muss man nach solchen suchen. Seinerzeit hiess es, das zähe Dünndruckpapier eines bewährten Musterbandes sei nur aus dem Ausland erhältlich. Erst die zufällige Bewerbung einer Firma, die noch einen Rest jenes Papiers auszunützen den Wunsch hatte, klärte uns dann darüber auf, dass schon jenes angebliche Auslandspapier biederes Schweizer-papier gewesen war. Wir haben seither einer bewährten schweizerischen Papierfabrik den Auftrag zur Gesamtanfertigung solchen Spezialpapiers für mehrere Clubführerauflagen erteilt. Ähnlich ist es mit dem Einbandmaterial gegangen. Man hat gemeint, das sogar wasserabstinente Kunstleder zeige sich in dieser feuchten Welt nur mit deutschem Heimatschein. Wir haben auch für diese Spezialität schliesslich eine Schweizerfabrik entdeckt, der wir ebenfalls eine Gesamtanfertigung für mehrere Clubführerausgaben übertrugen.

Noch enger sind wir in der Druckvergebung. Es ist üblich geworden, dass der Druck einer Firma anvertraut wird, die ihren Sitz womöglich in dem Gebiete hat, das der Clubführer behandelt. Dadurch wird der Verkehr zwischen Druckerei und ansässigen Bearbeitern erleichtert, und der eingeborene Setzer wird mit den Lokalnamen am besten fertig.

Für alle Arbeiten werden im Rahmen dieser Hauptgrundsätze mehrere sich kontrollierende Offerten eingeholt. Regelmässig werden dabei nur leistungsfähige Geschäfte begrüsst, deren Leitung einen Stamm von C. Kameraden aufweist. Bisweilen liegen die eingelangten Preise trotzdem weit auseinander. Wir vergeben aber stets nach soliden Mittelpreisen, bei denen Auftraggeber und Beauftragter gedeihen und mit denen beide gleicherweise Freude an der Leistung haben können.

Aber schon vor der Vergebung von Druck und Binden bedrängt uns eine ernste rechnerische Gewissenspflicht:

Was darf man für einen Clubführer wagen, wie hoch darf man die « Gestehungskosten » im ganzen anschwellen lassen?

Diese Gestehungskosten summieren sich für den Clubführer aus Entschädigungen für die Textbearbeiter, aus den Honoraren für die Routen-skizzenzeichner ( plus Klischeekosten ), aus den Druckkosten, aus den Buchbinderkosten und aus den stets mitlaufenden Nebenkosten ( Porti, Schreib-arbeiten, Kartenmaterial, Photobedarf etc. ).

Davon sind alle Honorare und Nebenkosten absolute Grössen: sie bleiben sich im ganzen gleich, ob die Auflage grösser oder kleiner gewählt wird, aber bei einer grösseren Auflage verteilen sie sich entsprechend mehr und belasten das einzelne Exemplar entsprechend weniger. Die Druckkosten wachsen im Total mit der Grösse der Auflage, aber sie vermehren sich nicht im selben Verhältnis wie diese, weil die Herstellung des Drucksatzes gleichviel kostet, ob er für nur 3000 Exemplare oder aber für 4000 Exemplare dienen muss. Die Buchbinderkosten gehen praktisch im Verhältnis der Auflageziffer, denn das Einbinden eines Exemplars kostet ziemlich gleichviel, ob es einer Auflage von 3000 oder einer Auflage von 4000 Stück angehört.

Ineinander gerechnet kommt aber das einzelne Exemplar bei einer grösseren Auflage wesentlich billiger zu stehen als bei einer kleineren Auflage. Das soll an einem etwas vereinfachten praktischen Beispiel gezeigt werden:

bei Auflage 3000: bei Auflage 4000:

Die Kosten betragen:total pro Expl. total pro Expl.

Fr.Fr.Fr.Fr.

Textbearbeitungshonorare.. .4,2001.404,2001.05 Skizzen und Klischees 1,4000.471,4000.35 Druck6,4002.107,1001.77 Einbinden1,6000.532,1000.53 Nebenspesen4000.134000.10 Zusammen 14,000 4.63 15,2003.80 Nach Abrechnung der Freiexemplare .4.893.94 Jeder, der hier sieht, wie ein Clubführer bei einer Auflage von 4000 Exemplaren 95 Rappen weniger kostet als bei einer Auflage von nur 3000 Exemplaren, wird ausrufen: also möglichst grosse Auflagen, damit das einzelne Stück billiger kommt! In diesen Ruf nach Billigkeit stimmen jeweilen auch der kaufmännisch rechnende, geschäftsgewandte Herr Centralkassier und der Publikationenchef unisono mit ein. Denn die Verkaufskosten sollten doch mindestens die Selbstkosten des S.A.C. decken.

Ein Clubführer nach obigem Beispiel pflegt zu Fr. 6 an die Mitglieder des S.A.C. verkauft zu werden. Von diesen Fr. 6 erhalten Verlag und Buchhändler für ihre Mühen, die mit grossen Spesen verbunden sind, zusammen ca. 35 % « Rabatt ». Von den runden Fr. 6 kommen also dem Verlag und dem Buchhändler zusammen Fr. 2.10 zu, dem S.A.C. noch Fr. 3.90.

Diese Fr. 3.90 Anteil am Verkaufserlös vermögen beim S.A.C. die Gestehungskosten von Fr. 3.94 nicht zu decken. Es ist, kaufmännisch betrachtet, ein glattes Verlustgeschäft. Wenn man aus einer Auflage von nur 3000 Exemplaren statt aus einer Auflage von 4000 Exemplaren heraus verkauft, steigt dieser Verlust auf jedem Band sogar von 4 Rp. auf 99 Rp. Rechnet man in die Gestehungspreise noch die üblichen 20 % Risikozuschlag ein, so steigt der Verlust für jeden Band auf 83 Rappen bei einer Auflage von 4000 Exemplaren und auf Fr. 1.96 bei einer Auflage von nur 3000 Exemplaren.

Diese trübe Rechnerei entspricht leider der Wirklichkeit. Man muss versuchen, sich mit zweiten und dritten Auflagen, bei denen wenigstens die Honorare klein bleiben, von diesen Erstlingsverlusten etwas zu erholen.

Diese Erholungsmöglichkeit durch spätere Auflagen eines Werkes ist aber so bescheiden, dass in der Tat auch die verantwortlichen Stellen des S.A.C. mit dem Clubführerkäufer ein gewaltiges Interesse an möglichst hohen Auflagen haben. Nur bei möglichst hohen Auflagen können die Preise des einzelnen Bandes so niedrig gehalten werden, dass der Käufer seinen Band billig bekommt und zugleich der S.A.C. keine allzuschmerzlichen Verluste aus seinem arbeitsreichen Werk der Schaffung von Clubführern erleiden muss.

Diesem vernünftigen Wunsch stellen sich aber entmutigende Tatsachen entgegen.

Wir hatten am 1. Januar 1933 insgesamt 30,500 verkaufsbereite Clubführerbände im Lager, die einen Verkaufswert von rund Fr. 150,000 haben dürften. Von diesen 30,500 Bänden sind im ganzen Jahre 1933 nicht einmal 7 % abgesetzt worden. Der Anteil des S.A.C. am Verkauf betrug etwas über Fr. 7000. Mit diesem Ergebnis müssen wir es wagen, in diesem Frühjahr für die drei neuesten Clubführer ( Silvretta-Samnaun, Albula, Rätikon ) wiederum schätzungsweise zusammen Fr. 30,000 bis Fr. 35,000 neu auszugeben! Es braucht wahrlich echten Bergsteigermut, nach den 1933er Erfahrungen das vom S.A.C. seinerzeit voll hoffnungsvollen Idealismus beschlossene Gesamtwerk der Clubführer unverzagt weiterzuführen.

Noch entmutigender ist es, wenn man in die Einzelheiten geht. Da haben wir von zwei Clubführerausgaben des Jahres 1916 nach nun 18 Jahren immer noch je über hundert Stück auf dem Hals. Von den 2000 Bündnerführern I, die im Jahre 1925 erschienen, liegen heute noch 1370 im Lager, also beinahe 70 %, usw. usw Von 17 unserer 22 Clubführer verkauften wir im ganzen Jahr 1933 nur je 7—99 Stück, für drei andere Führer liegen die Verkaufszahlen zwischen 137 bis 181 Stück, nur für drei neuerschienene Clubführer übersteigen sie die bescheidene Zahl 200.

Es fehlt noch viel, bis wir höhere Auflagen riskieren dürfen! Solange aber ist auch die Hoffnung der Käufer auf noch billigere Preise gehemmt.

Der S.A.C. will und wird mit seinen Clubführern nie « ein Geschäft » machen. Der enorme Aufwand an geistigem Opfermut und körperlicher Mühsal der Bearbeiter wird nie auch nur annähernd bezahlt werden können. Die Reichhaltigkeit und Zuverlässigkeit der Clubführerbände des S.A.C. werden nie einen Preis fordern, auf den sie Anspruch hätten. Über dem Geschäftlichen wird stets jener Idealismus der Tat stehen, der das einzigartige Gesamtwerk der Clubführer durch die Schweizer Alpen schuf und der die Vollstrecker dieses mannhaften Willens erfüllte, erfüllt und weiter erfüllen wird.

Aber dürfen diese hohen Eigenschaften von Begründern, Ausführenden und Werk nicht wenigstens auf kameradschaftliche Beachtung und auf tätige Anerkennung rechnen? Nur die Bereitwilligkeit zur materiellen und ideellen Unterstützung auf allen Seiten wird die Arbeitsfrohen und Opferfreudigen im Kreise des S.A.C. ermutigen, das prachtvolle Clubführerwerk weiterzuführen und zu vollenden zu einem Ehrenmal unseres S.A.C.

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