Winterlicher Berg

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sVon M. Oe.

Im steten Gleichmass schoben wir die Ski durch den frischen Schnee bergan. Schritt für Schritt. Die Stöcke gleich Helfern neben uns im gleichen Rhythmus vor- und zurückstellend, dass bisweilen im Glanz der leuchtenden Sonne die Kristalle dieses Wunders aufblitzten. Lange schon hatten wir den Wald hinter uns gelassen. Die Alphütte lag geduckt unter den Massen dieses winterlichen Teppichs, der nur die Firstkante des Daches sich noch zeichnen liess. Wo man im Sommer mit kurzem Schritt den kleinen Pfad zwischen Knieholz und Blöcken geht, da war nun der ausgeebnete Hang und liess uns den bequemen Aufstiegsweg selber wählen, hoch hinauf in langausgezogenem Zickzack, bis unter die Felswand, wo wir eine Weile unter schützender Balm rasteten. Nichts störte diese Stille, die allein im Hochland der Berge zu treffen ist und in den Weiten der Steppen und der Wüste, wenn der Mittag über ihnen ruht. In der Tiefe lag das Tal mit dem Dorf, in dessen Häusern hinter verschlossenen Fenstern die Menschen weilten, denn die Kälte der Nacht war noch nicht gewichen und hielt die weissblauen Rauchfahnen, die den kurzen Kaminen entstiegen, wie Nebelballen über den Dächern fest. Die Wälder, durch die vor Tagen der Föhn gestrichen war und die Schneelasten von den Ästen gestreift hatte, säumten schwarzgrün die Hänge und verloren sich aufwärts zu den Weiden, auf denen im Sommer die Herden mit ihrem Läuten und Bimmeln dieses feine Orgeln spielen, das von den Wänden widertönt und in die Fernen verklingt. Da und dort hatten Lawinen die Züge durch die Wälder gezogen. Wie Punkte zeigten sich die Hütten, die unter schützenden Nossen und Buckeln in Lichtungen stehen. Eine unendliche Stille hielt alles in Händen.

Und weiter stiegen wir, mühsam einem Steig folgend, die Ski bald quer, bald wieder in Länge gestellt. Bis zur Kanzel, wo der Weg endet und die Hänge sich in den steilen Felsenburgen verlieren. Und wo man Bretter und Stöcke und Sack zurücklässt, um unbeschwert weiterzusteigen, felsigen Pfad, der wie eine Leiter aufwärts führt, als gehe es mitten in den Himmel hinein. Zweihundert Tritte sind es!

Und dann standen wir auf dem Berg!

Weit, weit ringsum diese Hochwelt, die im Winterkleid voll wunderlichen Glanzes und Leuchtens ist, im Spiel von Licht und Schatten, von Gold und Blau. Und aus der Stille heraus sang ein Raunen zu uns her, das leise uns anfasste und in uns drang. Die Predigt der Berge!

Wir stiegen zurück.

Fuhren in erfrischender Fahrt über die weissen Hänge, dass der Schnee aufstäubte und zum Lichtspiel wurde. Erreichten Weide und Wald, folgten dem Hangweg und waren im späten Nachmittag wieder im Tal und im Dorf. Und schritten zur Arbeit mit jener Freude, die der Berg uns gibt in adelnder Stille.

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