Wunderliche Wortwesen in Gebirgsmundarten, II

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Von Manfred Szadrowsky

( Sdtluu ) l'Chur ) Freche Sträucher, muntre Bäume Nach einem schweizerischen Tierbuch von 1563 soll ein Geisshirt, hurtig, frech, fröudig sein und frefen ', d.h. « mutig keck ». Die erforderliche « Frechheit » des Geisshirten weckt Zweifel an der Unzweideutigkeit des Wortes frech. Es hat nicht nur den tadelnden Sinn « tollkühn, unverschämt », sondern auch den lobenden « herzhaft, keck », der meist auch im Mittelhochdeutschen gemeint ist. Darf-i so fräch si und ech frage? sagt man z.B. im Bernischen., Frech und fröhlich'wurde in der altern Sprache oft zusammengespannt. ,Förcht dir nit, bis muotig und fräch'ist aus dem 16. Jahrhundert überliefert. In einer Quelle von 1701 erscheint .Herzog Carl aus Burgund, der Frech genannt ', und ebenda die lobende Wertung von Tells Schuss auf den Vogt:, Ein freches G'müt zu g'rechten Sachen, wie kann es nicht so viel ouch machen 1'Eine andere Bedeutungsseite von fräch ist « frisch, gesund, lebenskräftig, gross und stark, blühend, schön, wohlgewachsen, wohlbeleibt, fett »: Gottlob, er wird alii Tag frächer! oder si isch hübsch u fräch u g'sung; es frächs Wibervolch, « ein stattliches Weib »; er chnellt enzwei vor Frächi, « er platzt vor strotzender Gesundheit ». Kein Wunder, dass auch frächi Bäum, frächi Strücher wachsen, d.h. üppig treibende, nach dem Idiotikon im Emmental und im Aargau ( auch bei Hans Sachs ist die Natur im Frühling, frech und grün ' ). Nach einem schweizerischen Ratgeber von 1639 .soll der Baum freche Schoss haben '. Auch blühende Gesichtsfarbe als Zeichen von Gesundheit ist frech: ,Wie der Magen ganz geschändt, sich die freche Färb gewendt'( 1701 ). Auch Töne können frech sein, d.h. lebhaft, munter:, Macht ein freches Gesanggetümmel und ein frölichs requiem1676 ). Das Idiotikon lehrt, bei fräch liege einer der seltenen Fälle vor, wo sich aus geistigem Begriff sinnlicher entwickelt habe, hebt aber diese offenbar irrtümliche Auffassung selber auf :, Der Grundbegriff muss... der von grosser Lebenskraft gewesen sein, die sich unter anderm darin äussert, dass sie um sich greift, Nahrung sich anzueignen sucht. ' Das Gotische, Altnordische und Althochdeutsche weisen auf die Grundbedeutung « gierig ». Der ganz unethische Begriff von grosser Lebenskraft ( der .moralinfreie ' ) steckt darin, ein Begehren, Wollen, der, Wille zum Leben ', der .Wille zur Macht ', nichts von tadelnswerter « Frechheit ».

Ein sinnverwandtes Wort des Schweizerdeutschen ist fruetig. Von Menschen, früher auch von Tieren,bedeutet es « munter, frisch, rüstig, tapfer, entschlossen »: sich fruetig mache, « lebhaft in Gebärden sein ». ,Am Morgen ist huldselig studieren, da der Mensch fry, lustig und fruetig ist ', stellt Johannes Kessler ( 16. Jahrhundert ) fest; er erzählt über Vadian ,Und wiewol der Herr Doctor gross und feisst, schwer und lästig, doch war er, über die Häg zu klimmen, durch die Studen zu schliefen und Berg zu steigen, gar ring und fruetig. ' WUNDERLICHE WORTWESEN IN GEBIRGSMUNDARTEN En fruetige Gang ist ein schneller. Aber auch Pflanzen, Saatfelder, Wiesen können fruetig sein, d.h. « frisch und grün, üppig wachsend, fruchtbar »: De Same stat fruetig, « die Saat steht üppig ». Im Hasletal sagt man auch von einem Brunnen, der stark und reichlich fliesst, er sei fruetig. Nach dem Idiotikon wurde die Grundbedeutung « verständig », die aus mittelhochdeutschen Anwendungen von vruot, vrüetic erschlossen wird, zunächst übertragen auf geistige Frische und Regsamkeit überhaupt, dann auf die entsprechenden Eigenschaften der Seele, von hier aus auf den mit ihr in lebendigem Zusammenhang stehenden Leib und zuletzt sogar auf das Pflanzenleben. Dem gegenüber drängt sich doch eine sinnliche Grundbedeutung auf, der Begriff gesunden Lebens und Wachsens; sie führt dann ganz natürlich auch zu frischer Art im Charakter und im Denken und also zu der halb und ganz moralischen Bedeutung « verständig, tüchtig »; die steht in mittelhochdeutschen Wörterbüchern bei vruot am Anfang der Reihe, welche mit « frisch, munter, gesund » schliesst. Gerade die schweizerische Anwendung von fruetig auf Pflanzen, Wiesen, Brunnen weist da die Wortdeutung, wie in andern Fällen, zum ,mütterlichen Grund' zurück.

Auch die Anwendung von geil auf Pflanzen beruht keineswegs auf Übertragung vom schriftsprachlichen üblen Sinn aus. Sie ist sicher ganz sinngemäss und ursprünglich ( « sich reckend » ist wahrscheinlich die Grundvorstellung ). Gesunde Lebenskraft und Frische steckt dem Wort im Leibe, natürlich auch noch im üppigen Aufschiessen und Auswachsen von Pflanzen, im starken Aufflackern des Feuers: ,Im Anfang sollt du das Fewr nit allzu geil und hitzig machen, sonder allein lind brünnen lassen'( 1608 ). Im St. Galler Oberland zum Beispiel braucht man geil auch im Sinne von « lustig », das Zeitwort geilen für « herumspringen », beides von Tieren ( schon im Gotischen des vierten Jahrhunderts heisst gailjan « erfreuen » ); auch von Menschen meinte und meint geil einfach « munter, gesund ». ,Wol uf mit rychem Schalle und sind all frisch und geil', so ermuntert ein Lied aus dem 15. Jahrhundert. Manchmal liegt im altern Schrifttum der weniger günstige Sinn « übermütig, mutwillig, närrisch » vor: die Gesellen ,sind jung, fröhlich all und geil und zugind gern an Venus Seil', heisst es bei Hans Rudolf Manuel: man meint die neuhochdeutsche Bedeutung herausspringen zu sehen. Hans Salat, ebenfalls im 16. Jahrhundert, sagt über Bern:,Der Bär ward frevel, frisch und gail. ' Hauptwörtliches Geil ist soviel wie « Narr »: O du dumme Geil, bist mer lang scho feil. Zum schriftsprachlichen Sinn führt auch das Zeitwort geilen im Sinne von « gelüsten, jucken » ( Tschappina ), das sonst « Freude, Mutwillen empfinden und äussern » bedeutet und daneben, sicher nicht minder ursprünglich, « üppig wachsen und wuchern ».

Die Eigenschaft travel oder fräven, die Hans Salat dem Bären, den Bernern zuschreibt, ist an sich ebenfalls etwas Löbliches, nämlich « mutig, keck » ( die Grundvorstellung ist « kräftig, stark » ): Das darf i fräve säge oder tue, d.h. ohne Furcht. Nach einem Vogelbuch von 1557 ist der Falke ,ganz fräfen, güetig, milt und hantsam '. Freilich ist e fräfne Burst auch ein dreister, verwegener, gewalttätiger, und fräfeni Chinder sind freche Kinder. Als Umstandswort bedeutet frävel im Appenzellerland und Toggenburg « plötzlich »:

Er ist fräfel g'storbe. Freches erfolgt eben oft rasch und plötzlich; bei gäch liesse sich Ähnliches beobachten.

Ein wunderbarer Beweis dafür, dass Saft und Kraft des Erdengrüns zu seelischer Gesundheit und wackerm Wesen führt, bietet das erdennahe Eigenschaftswort chrütig, eigentlich was viel Chrüt hat, z.B. chrütigs Heu, oder was chrütet, d.h. ins Kraut schiesst. Chrutig ist auch sonst, « was im Saft steht, was gesund, munter, wohlgemut ist »: es chrütigs Chlosterrössli. An einem Festgelage sollen Leute sich mit den angere go chrütig mache, « sich lustig machen ». Auch « jung » kann gemeint sein, dazu « wacker » und « schnell, leicht »: Da mag-i chrütig, « den werfe ich leicht zu Boden ». Natürlich kann solche Lebenskraft auch « grob, trotzig, aufgeblasen » werden: sich chrütig mache, « sich überall keck vordrängen, wichtig tun », so schon im 16. Jahrhundert: ,Wo hat der Bâchant das g'leert? Macht's üch nit so krütig! Hast du vergessen dyn Harkummen? ' Auch « nicht geheuer, gefährlich » ist chrütig, z.B. vor einem Hochgewitter im Gebirge hed 's chrütig usg'sch. Nach der misslichen Seite geht auch chrütig von Sachen: es bedeutet « bunt durcheinander », « wie Kraut und Buben ».

Dass « gesundes, kräftiges Leben » zugleich « rechtes, wackeres Leben » ist, das lehrt, wie vruetig, frech, auch das Wort munter. « Regsam, frisch zur Tätigkeit » ist wahrscheinlich der Bedeutungskern. Im Althochdeutschen bedeutet muntar « frisch, lebhaft, eifrig, wach ». Das Schweizerdeutsche hat daneben den sinnlich leibhaftigen Sinn « von blühendem Aussehen, fett »: e munters Chind. En montre Bueb ist bei den Appenzellern ein kerngesunder, beleibter. Dort wächst denn auch en montre Baum, « ein kräftiger Baum » ( die Schriftsprache kennt keine .muntern Bäume ' !). Daraus entspringt eine ethisch wertende Anwendung ( die geistig wertende aus der leiblich wertenden ): munter ist « recht, gehörig, wacker »: därigi montri Manne, wie die Appenzeller bei Novarra; monter und brav ist « in jeder Beziehung recht und redlich »; bis munter! ermahnt man einen kleinen Schreihals, d.h. « führe dich ordentlich auf »; da ist jetz e tollsLied, e monters Lied! ein Lied, wie es sein soll. Man kann auch monter schlafe, « wacker schlafen », munter piare, « wacker schreien »! Bist z'f rede? Jo, monter und brav, d.h. « sehr wohl ».

Tolle Kühe, kluge Schweine, die schön fressen Zum .tollen Lied' ist zu sagen: eine Geistesverwirrung ist mit toll im Schweizerdeutschen nicht gemeint: e tous Mensch ist ein hübsches Mädchen, e tolli Chue eine wohlgewachsene, schöne, auch eine grosse. Im Althochdeutschen bedeutet lol « töricht, unsinnig »; auch andre Sprachen weisen durchweg auf « Betörung, Täuschung, Torheit » als eigentlichen Sinn hin. Zum anerkennenden toll lässt sich ein Weg denken wie etwa bei steigerndem verruckt: Es ist verruckt schö g'si, oder bei g'narret: e g'narrets Glück, « ein sehr grosses »; die Gegenbewegung von « üppig, stark » zu « mutwillig, närrisch » zeigt ja zum Beispiel geil.

E tolli Chue, also eine stattliche, ist in Graubündner Gegenden en chluechi Chue, dem Wortlaut nach eine « kluge »; denn chluech ist eine alte alemannische Entsprechung zu klug, mittelhochdeutsch kluoc, das « fein, schmuck, stattlich, gewandt, schlau » bedeutet. En chlueche Purst ist in Bünden ein grosser, starker ( auch im Mittelniederländischen bedeutet cloec unter anderem « behend, stark » ), e chluechi Töchter ein schön gewachsenes Mädchen, e chluechi Maitja auch ein gewecktes, verständiges Mädchen, e chluechi Sach ist « etwas Gescheites ». Auch eine Speise kann chluech sein, d.h. schmackhaft. Das leibhaftige « Klug-sein » des stattlichen Schweines, e chluechs Schwin, ist wohl ursprünglicher als die « Klugheit » eines geweckten Menschen.

Der klugen Kuh sei gerade die holdselige zur Seite gestellt: mit dem lieblichen Wort holdselig rühmt der Prättigauer an der Kuh nichts anderes, als dass sie g(e)f räss ist, Fresslust zeigt.

Die Bewohner einer Walliser Gemeinde äusserten über ihren leutseligen Pfarrer: Wier hei en tollu, schenu Her; wenn-er aber no länger bi isch blibt, so si-mer ali z'samu ds Tifelsch. Mit schön ist da « leutselig, freundlich » gemeint, wie in der Prägung eim schö(n ) tue. Ein Pommater Bauer, der vom Geistlichen wegen seiner Arbeitsunlust zur Rede gestellt wurde, sagte: I hätti e schone Her g'gä, d.h. einen Geistlichen von der richtigen Beschaffenheit. Ein Walliser sagt: Jetz hornot 's doch schi,n, « jetzt stürmt es sehr stark » ( nicht « schön » ist gemeint ). Man kann auch schon ässu und tr'ichu, das heisst « wacker essen und trinken ». Auch in der Sammlung « Bärndütsch » ist über Guggisberg zu lesen, gewisse Kühe frässe am Abed ärstiger u schöner weder im Vormittag. So behauptet denn auch ein Zuger: D'Söüw frässid schön. Im Bernischen kann man sogar hören: War am schönste cha wüest tue, überchunnt es Feufi! und am schönste ist da nicht etwa « ironisch » gebraucht. Die schriftsprachliche Bedeutung steckt eben nicht ursprünglich in dem Wort schön, sondern der Sinn « beschaubar, sehenswert, ansehnlich ». Der macht sich geltend, wenn man mit schön « von der richtigen Beschaffenheit » und auch « wacker » meint.

Steife Mädchen liebt man Freilich nicht überall, aber doch tatsächlich im Bernbiet, im Freiburgischen, im Aargau, auch im Luzerner und Zuger Land. Stil bedeutet in diesen Gegenden nämlich « schmuck, hübsch, schön, einnehmend, zierlich, nett ». J. R. Wyss lobt Tänzer als di sufste Chnabe, das heisst Bursche von hübschem Aussehen. Auch im Wörterbuch der Landschaft Hasli von K. Gysier steht e stiff a « ein hübscher », e sti ffa Pirstel, « ein hübscher Bursche », e suffi Jumbfer, « eine hübsche Jungfrau »; auf Schritt und Tritt begegnet einem im Bernischen es stifs Meitschi, verwandt es stifs Meitelti, es cheibisch es stifs Meitli, es cheibisch es stifs Chröitli, es stifs Wibervolch: die alle sind hübsch, ja nicht etwa steif! Manchmal weiss man nicht recht, ob äussere oder innere Anmut gemeint ist. Oft ist beides beisammen, oft aber besonders oder ausschliesslich Genauigkeit im Dienste, Treue, Ordnungsliebe gemeint, auch umgängliches, leutseliges Wesen. E stile Bursch kann also « ein braver » sein, e stifi Jump f ere, e stifi Frou « eine tüchtige », e stile Zisma « ein zuverlässiger Zinsmann ». Bei Gotthelf sagen Leute im Gespräch über Pfarrer: ,Wenn der ihre sich in nichts mischen und kürzer predigen... würde, so hätten sie daneben nichts wider ihn, er sei daneben ein steifer Herr. ' Auch einem Schulmeister wird nachgerühmt, er sei so-ne stile u ne freine g'si, und einem Mädchen, WUNDERLICHE WORTWESEN IN GEBIRGSMUNDARTEN ,das sei doch das steifst und freinst Meitschi, das man weit und breit antreffe '. S. Gfeller erzählt, Luiseli sei esö-nes manierligs, stifs Meitschi, un es g'ivixts. In einem bernischen Liedlein tönt 's: O heie, war 's M eie und d'Chriesi rif und alii wüeste Buebe stif! Einem Hüterbuben wird das Lob zuteil: Er isch stif im Hirte. Der Gegensatz wäre u(n)süf « unzuverlässig ». Auch Haustiere können in löblichem Sinne stif sein: e stifs Ross ein braves, schmuckes, wackeres Ross », es Tonners es stifs Chueli « ein überaus hübsches Kühlein ». Ei Zit hätt-me es stifs Chueli ubercho der für, für den Preis, der jetzt für eine Lämmerne verlangt wird, schreibt S. Gfeller. Einer vertrat den Standpunkt ,'s war g'schider, me gab ds Galt für e stile Stier, anstatt an die Besoldungs-erhöhung des Pfarrers. Gotthelf schreibt: ,Es hätt es stifs Säuli g'gä, was er versöffe het'und dafür dann ,es schöns Säuli '. Auch wenn stif von Dingen ausgesagt wird, darf man nicht an Steifheit denken. Du hest iez noch-nen stile Huet: das war kein Zylinder, sondern ein Schlapphut, aber eben ein « schöner ». En Bergstiger mit-eme stile Huet! Es stifs Gringli ist ein « hübsches Köpfchen ». Ne stifs Chleid, süfi Schueh, e süfs Wägeli, bei Gotthelf ,ein steifes Schesli ', ,ein verflümeret steifes SchlittlV: das alles ist nicht « steif », sondern « hübsch ». Einer braucht e stifs Gütterli, « ein gutes, bequemes, artiges Fläschchen ». Möglichst süfi Schilli wählt man für d'Bigi an der Sonnenseite des Hauses. Der Berner trinkt gern es stifs Wïnli: ,Der Wein war nicht hochgelb, sondern schön grau und ein styfes Wynli, das einem recht wohl machte'( Gotthelf ). Man liebt es süfs Hüs oder Hüsi, e süfi B'hüsig, es süfs Heimet. Man singt es rächt stifs Liedeli. Eine der Kirchenbesucherinnen hat zum Glück es g'stifts Stimmli. Dr Pfarrer het hüt e süfi Bredig g'ha, wohlverstanden eine « schöne, gute »! Auch von stifem Wälter liest man bei Gotthelf immer wieder; das ist beständiges, schönes Wetter. Giger, mach fri e stife! verlangen die Bursche beim Tanz. Ein Kind soll süf ässe, « ordentlich, anständig essen ». Ein Mädchen ist gäng cheibisch stif und züchtig a(n)g'leit. .Gestern hätte er ihm nachge-rechet beim Grasen und d'Sach recht steif g'macht'( Gotthelf ). E's ist besser, wenig machen u das de süf wan vil u schlächt. Es ist begreiflich, dass einem reichen Mädchen die Bursche stif tuen, « schön tun ». Säg fetze das rächt süfi ermuntert man ein Kind, das eine Aufgabe gelernt hat. He wol, dir tanzet g'wüss no rächt süf! lobt ein Mädchen den Tänzer, der bei der Aufforderung zum Tanz um Geduld gebeten hat mit der Begründung, er sei kein Meister im Tanzen. Einer kann süf maije, stif fare mit Pferd und Wagen. Einem andern ist der Wagen süf holet. Der Weg ist süf trochnet, « schön getrocknet ». D'Dorfeta war ganz süf vorb'i g'gange, « der Besuch wäre ganz schön vonstatten gegangen ». De muest süf lauffe, wenn du das Ziel noch rechtzeitig erreichen willst. Eine Kuh hat stif'trüet, « schön zugenommen ». Es het no doli, es het no stif Usg'gä bei der Ernte. Es het-em g'süft g'lugget, einem Kranken nach der Behandlung. Einer verdient es süfs Lönli und erbt es stifs Vermögen oder nes g'stifts Hämpfeli Gäld. Bei Gotthelf lässt einer der Trümmel hange, das-me e stife Säustall druf abstelle chönnti.

Natürlich kommen allenthalben auch im landläufigen Sinn « steife » Dinge und Wesen vor, sogar in Bern nach R. v. Tavel verchnorzeti, herti, rücksichtslosi, türlistocksüfi G'setzeshüeter.

Hinter der Reihe lobender Anwendungen von sfi f steckt der Sinn « fest ». ,Sitze steif f, lieber Herre Gott, oder er wirdt dir auch deinen Thron besitzen ', soll der Bischof von Basel gesagt haben als Rudolf von Habsburg römischer Kaiser wurde. Recht hat eine Hausinschrift in Montenach: ,Das Feld mit Fleiss wohl anbauen, auf Gottes Segen steif vertrauen. ' Vom Landammann und den Geschworenen fordert das Davoser Landbuch, dass sie ,stei f f und stet blibend bey diesen Satzungen '. Die Männer von Nufenen im Rheinwald wollen 1609 ein Versprechen ,steif, stett und ungeweigerV halten. ,Starke, steif f e und standhafte Herzen'( 16. Jahrhundert ) können auch Bergsteiger brauchen.

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