Zwischen Fluela und Albula

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

VON FRANZ GRASSLER, MÜNCHEN

Mit 5 Bildern ( 75-79 ) Beinahe jeder Skiläufer kennt das Winter-Wunderland Davos-Parsenn; dieses wohl schönste Skigelände der Alpen bedarf keiner neuen Lobpreisung. Aber lohnen die Berge um Davos im Sommer einen Besuch? Lassen Sie mich erzählen, wie es zu unserm Sommerurlaub 1965 kam und was wir dort erlebt haben!

Wir hatten Ostern 1964 ein Häuschen im Sertig Dörfli gemietet, um nicht nur die - meiner Frau und mir längst bekannten - Pisten von Parsenn, Strela und Jakobshorn zu befahren, sondern auch, um vom Sertigtal aus einige schöne Touren zu machen. Aber die Wetter- und Schneeverhältnisse, insbesondere die grosse Lawinengefahr, zwangen uns, auf den Pisten zu bleiben. In diesen 14 Tagen ging keine Fellspur auf die Höhen über dem Sertig. Diese Berge hatten es uns jedoch angetan; schon damals belegten wir « unser » Häuschen für zwei Augustwochen 1965.

Sommer 1965! Nach einer bekannten Redensart handelte es sich bei diesem Sommer um einen ziemlich milden Winter. Als wir am 1. August in Landquart vom Rheintal abbogen, begann es in Strömen zu regnen. Kein Berg war zu sehen; doch gelegentlich blitzte es unerwartet weiss aus den düsteren Wolken hervor: Neuschnee! Mit etwas bangen Gefühlen bezogen wir am Nachmittag das « Hüsli » im Sertig Dörfli - und heizten zunächst einmal gut ein; denn wärmer als an Ostern 1964 war es bestimmt nicht!

Das war der Auftakt zu einem schönen, lohnenden Bergurlaub, den wir in bester Erinnerung behalten werden. « Wir », das sind meine Frau und ich und unsere drei Buben im Alter von 24, 18 und 9 Jahren. Das Mass des Möglichen richtete sich naturgemäss nach dem Jüngsten, doch konnten wir seinetwegen unbesorgt sein; seine Gipfelliste umfasste rund 100 Berge in Bayern, Österreich, der Schweiz und Italien. Wenn Kinder Freude am Bergsteigen mitbringen und sich schon Trittsicherheit und einen Blick für das Gelände erworben haben, kann der Kreis der Unternehmungen ziemlich weit gezogen werden - immer vorausgesetzt, dass sie nicht überanstrengt werden und dass durch entsprechende Pausen Rücksicht auf den noch unentwickelten Organismus genommen wird. Ein bequemer Weg wird vielmehr als langweilig empfunden und führt zu Zweifeln über den Sinn des Bergsteigens sowie bald zur Behauptung, müde zu sein; bei « spannenden » Anstiegen mit Stellen, bei denen Hand an den Fels gelegt werden muss, vergisst das Kind aus Begeisterung am « Klettern » jede Ermüdung. Im übrigen wächst mit der Zahl der Kinder auch die Erfahrung der Eltern, was mit Kindern in den Bergen unternommen werden kann. Die grossenteils weglosen Anstiege rund um Davos sind beinahe ideal für Kinder.

Das Tourentagebuch soll Ihnen zeigen, dass wir diese zwei Wochen gut genützt haben - und vielleicht Anreiz geben, ein im Sommer sehr stilles Gebiet aufzusuchen. Freilich mussten wir wegen der ungewöhnlichen Schneelage auf einige geplante Touren verzichten; Piz Kesch, Hoch Ducan und Alplihorn bleiben unsere Ziele für einen kommenden Urlaub.

2. August: Der Regen hat aufgehört; gelegentlich kommt die Sonne durch und beleuchtet ein merkwürdiges Bild: blendend weisse Hänge bis fast herab zur Talsohle. Trotz der Gewissheit, nasse Füsse zu bekommen, hält es uns nicht im « Hüsli ». Wir folgen dem Felabach und steigen im Neuschnee durch das Dörfji-Augstberg an, bis wir die Hochfläche oberhalb des Sertigtales erreichen und unser Ziel vor uns liegen sehen: das Gfroren Horn ( 2746 m ). Heute macht es seinem Namen Ehre! Der Gipfelanstieg ist ziemlich unangenehm, denn auf dem steilen NW-Rücken treten wir immer wieder durch den lockeren Neuschnee auf glitschiges Gras. Jeder Felsblock, jeder Stein gibt willkommenen Halt, bis der Grat sich zurücklegt und der vollkommen überwächtete Gipfel erreicht wird. Voller Freude pflanzt Walter, unser Jüngster, ein Schweizer Fähnchen dort auf, das er unterwegs gefunden hat. Die Aussicht ist nur teilweise frei, aber allein der Blick auf die gerade gegenüberliegende Ducan-Kette im Winterkleide lohnt die Mühe des Aufstiegs. Die Sonne hat sich durchgesetzt, und die talnahen Hänge finden wir beim Abstieg schon schneefrei. Am Abend werden die Bergschuhe zum Trocknen malerisch um Küchenherd und Stubenofen drapiert.

3. August: Vormittags bei Regen nach Davos zum Einkaufen. Nachmittags klärt es wieder auf. Ich gehe mit meiner Frau in den Talhintergrund, am Fusse des Dreigestirns Mittaghorn - Platten-flue - Hoch Ducan. Wir besichtigen den schönen Wasserfall und folgen dann dem Steig ins Ducantal bis über die Steilstufe. Rings herum leuchten die Alpenrosen. Hier, zwischen den grossen Blöcken und einzelnen Arven mit dem schönen Blick das Sertigtal hinaus, könnte man stundenlang liegen und fast vergessen, dass wir die Berge nicht nur ansehen, sondern auch besteigen wollen.

4. August: Ein strahlend schöner Tag muss gebührend genützt werden. Die Schneelage lässt uns ein Ziel wählen, bei dem wir vielleicht nicht allein spuren müssen. Wir entschliessen uns für den einzigen der hohen Berge im Umkreis von Davos, auf den ein Steig führt und der viel besucht ist: das Flüela-Schwarzhorn ( 3146 m ). Rasch geht es über Davos ins Flüelatal. Jenseits der Passhöhe, auf der Engadiner Seite, bleibt der Wagen dort stehen, wo ein Wegweiser die Abzweigung des Weges anzeigt. Dieser liegt bald schon unter Schnee; aber wir haben uns nicht verrechnet, wir haben eine Partie vor uns. Leider lassen wir uns verleiten, ihr auch noch zu folgen, als sie schon in der Nähe der Schwarzhornfurgga ( 2883 m ) rechts über schneebedeckte, brüchige Schrofen steil zum Südgrat aufsteigt, anstatt dem unter dem Schnee liegenden Sommerweg bis zur Furka und dann unmittelbar dem Grat nachzugehen; hier wäre es wesentlich müheloser und teilweise schneefrei gewesen, wie wir später beim Abstieg feststellen können. Das letzte Stück zum Gipfel müssen wir erst spuren, da sich unsere Vorgänger auf trockenen Blöcken ein Stück tiefer niedergelassen haben. Zweieinviertel Stunden benötigen wir von der Strasse bis zudem unerwartet geräumigen und erstaunlicherweise völlig schneefreien Gipfel ( eine Rast unterwegs abgerechneteine fast unermessliche Aussicht öffnet sich vor uns. Über die nahen Albula-, Silvretta- und Plessur-Berge schweift der Blick von dieser Aussichtswarte ersten Ranges auf Bernina und Ortler, Tödi und Rätikon, Berner und Walliser Alpen. Zwei Stunden lang räkeln wir uns auf den warmen Felsen und können nicht genug davon bekommen, mit dem Glas die fernen Gipfel zu bestimmen. Nun herrscht auch ein ständiges Kommen und Gehen, und beim Rückweg haben wir einen festgetretenen Weg, der uns rasch zur Strasse zurückführt.

5. August: Diesmal wollen wir Parsenn im Sommer kennenlernen, aber ohne Ski fühlen wir uns auf der mit der Bahn mühelos erreichten Weissfluh ( 2834 m ) fehl am Platz; dazu trägt wohl auch die Tatsache bei, dass der Gipfel noch fast ganz unter Schnee liegt. Am Nordgipfel ist es etwas ruhiger, aber allzu lange hält es uns trotz schönsten Wetters und der prächtigen Aussicht nicht im bunten Trubel der Bergbahngäste, die mit Stöckelschuhen über den Schnee spazieren. Am Weissfluhjoch trennen wir uns: die beiden grossen Söhne wollen den langen Südgrat zum Schiahorn ( 2709 m ) überklettern, während meine Frau und ich mit Walter das noch ganz schneegefüllte Hauptertäli zum Strelapass absteigen und von dort aus das Steiglein über den ziemlich eintönigen Nordrücken zu diesem wenig besuchten Gipfel verfolgen. Lange sitzen wir dort oben und schauen immer wieder den hier wild zerrissenen Südgrat hinab—aber niemand kommt. Wirgehen zurück zum Strelapass und über die wohlvertrauten Skihänge hinab zur Schatzalp und weiter nach Davos. Unten findet sich die Familie wieder zusammen; wir erfahren, dass die beiden ihren Gratweg am Schafläger ( 2681 m ) abgebrochen haben, weil die vorsichtige Kletterei bei dem brüchigen Gestein viel Zeit erfordert und wenig Freude gemacht hat.

ó.August: Einmal wollen wir bei dem anhaltend schönen Wetter unserm Grundsatz untreu werden und über unser eigentliches Urlaubsgebiet hinausgreifen. Wir fahren über den Flüelapass ins Engadin und talaufwärts bis Pontresina. Der Sessellift erspart den Anstieg zur Alp Languard ( 2274 m ), von der ein guter Steig auf den Piz Languard ( 3262 m ) führt, einen der schönsten Aussichtspunkte Graubündens. Schon während des insgesamt zweistündigen Aufstiegs können wir den Blick kaum von der gegenüberliegenden Bernina wenden - nur gut, dass wir hier einen ausgebauten Weg haben, der trotz der Höhe, infolge der Südlage der Hänge, fast schneefrei ist; nur das letzte Stück, von der wegen Umbaues geschlossenen Georgihütte bis zum Gipfel, erfordert etwas Aufmerksamkeit. Wir sitzen in den Felsen unter der grossen Holzpyramide und staunen hinüber zur weissen Pracht der Nordwand des Piz Palü, des Biancograts, des Piz Scerscen und Roseg. Wie Spielzeuge schweben am Horizont die Gondeln der Corvatsch-Seilbahn auf und ab, fahren die Autos über den Berninapass.

Als « Festsaal der Alpen » präsentiert sich hier eine grandiose Landschaft. Die Sinne sind so gesättigt von diesem Blick, dass die neuen Eindrücke bei der Heimfahrt über den Albulapass kaum aufgenommen werden.

7.August: Diesmal bleiben wir in der Nähe; es gilt heute dem Bergkamm, der sich zwischen Sertig- und Dischmatal vom Jakobshorn nach SSE erstreckt und mit dem Chüealphorn endet. Da wir den grossen Höhenunterschied von Davos zum Jakobshorn ( 2590 m ) mit Hilfe der Seilbahn überwinden, wird der Weg über die Gipfel zum genussreichen Bummel. Nur wenige Minuten von der Bergbahnstation entfernt, umfängt uns Ruhe und Einsamkeit. Auf das Jatzhorn ( 2682 m ) führt noch ein deutliches Steiglein, dann geht es recht kurzweilig Trittspuren und oft auch nur der eigenen Nase nach den Kamm entlang, bald schlendern wir behaglich dahin, bald klettern wir über steile Felsstufen und Schrofen. Hinter dem felsigen WitiAMreli ( 2635 m)erreichenwirdieTällifurgga, einen - wohl selten begangenen - Übergang zwischen beiden Tälern. Das Tällihorn ( 2684 m ) war eigentlich als Ziel gedacht, aber der Weiterweg über das unbedeutende Feiahorn ( 2729 m ) zum beherrschenden Wuosthorn ( 2814 m ) gibt Rätsel auf und reizt daher; an Ort und Stelle findet sich immer wieder eine Durchstiegsmöglichkeit. Ein steiler Abstieg bringt uns unmittelbar in das zu unseren Füssen liegende Sertig Dörfli zurück.

8. August: Der fünfte Tag mit schönem Wetter! Er beschert uns eine sehr interessante Tour im Hintergrund des Sertigtales. Dort gabeln sich Chüealptal und Ducantal, die über Sertigpass bzw. Ducanfurka Verbindungen zwischen Davos und dem Albulatal herstellen. Wir steigen auf gutem Weg in zweieinviertel Stunden durch das Chüealptal zum Sertigpass ( 2739 m ) auf; im oberen Teil haben wir schon grosse Schneefelder zu queren. In beinahe winterlichem Kleid baut sich nun der gewaltige Piz Kesch vor uns auf, der mit Übernachtung in der Keschhütte von hier aus zu erreichen wäre. Wir steigen über weglose Grashänge und steile Schrofen, dem Kamm folgend, nach Osten auf eine Erhebung mit mächtigem Steinmann, die wir zunächst für das Passhöreli halten. Oben müssen wir jedoch feststellen, dass uns noch ein Felsgrat vom Hauptgipfel trennt, der einfacher durch Umgehung unseres Vorgipfels und des Grates über Schneefelder zu ersteigen gewesen wäre. Wir überklettern den recht hübschen, manchmal etwas ausgesetzten, aber nie schwierigen Grat und freuen uns sogar der unfreiwillig angetretenen Fleissaufgabe. Der schmale, 2965 m hohe Hauptgipfel bietet sehr lohnende Aussicht. Eine « Abfahrt » über steilen Schnee und eine Querung bringen uns rasch zum Sertigpass zurück. Von hier aus folgen wir nach NW und W dem aussichtsreichen Höhenrücken, der oberhalb der einsamen Ravais-ch-Seen über den P. 2841 m ( « Gross-boden » ) zur Bergüner Furgga(2743 m ) führt. Dort glaubten wir ( laut Clubführer ), einen Passweg zu finden; doch scheint dieser alte Übergang seit langem nicht mehr begangen zu werden. Wir « fahren » wieder über Schneefelder ab und steigen dann, dem Bach folgend, über steile Grashänge ins Chüealptal ab, das wir bei der grossen Alp erreichen.

C. August: Das Wetter droht umzuschlagen. Wir fahren über Davos in das parallel zum Sertigtal laufende Dischmatal und in diesem bis zum Talschluss Dürrboden ( 2007 m ). Von hier aus war ich vor Jahren mit meiner Frau zu schönen Frühjahrsskitouren nach Grialetsch aufgestiegen; diesmal folgen wir dem Saumweg zum Scalettapass ( 2606 m; l]/4 Std. ). Nebel ziehen über das Dischmatal herein, während wir von der Passhöhe nach Osten zum Rand des Scalettagletschers aufsteigen, diesen spaltenlosen Firn queren und dann schon nahe dem Gipfelaufbau die Scharte östlich Punkt 2934 im NW-Grat des Scalettahorns ( 3068 m ) erreichen. Dieser Zugang dürfte kürzer und angenehmer sein als die beiden im Clubführer zur Wahl gestellten Anstiege ( Sommer- und Winterweg ). Den steilen, sehr brüchigen Gipfelaufschwung packen wir allerdings falsch - in der Fallirne - an, anstatt das unangenehmste Steilstück rechts zu umgehen. Zum einzigen Mal in diesem Urlaub ist es hier oben zu kalt für eine gemütliche Rast. Gerade gegenüber stehen die Grialetsch-Berge, insbesondere der markante Piz Vadret; in den Tälern lagert ein Nebelmeer, in welches wir, nach rascher « Abfahrt » über die grossen Schneefelder und nach dem Rückkehr zum Scalettapass, im unteren Teil des Abstieges tauchen, um die Heimfahrt anzutreten.

10. August: Wechselhaftes, aber trockenes Wetter. Wir fahren mit der Bergbahn über die Schatzalp zum Strelapass und fühlen ob dieser Erleichterung nicht einmal Gewissensbisse. Wir begnügen uns heute mit zwei nicht sehr bedeutenden Bergen, dem Strela ( 2636 m ) und der Chüpfenflue ( 2658 m ), die durch einen langen Grat miteinander verbunden sind. Auf den Strela führt von der Bergstation ( 2352 m ) ein Steig über den sogenannten Strelagrat, während Pfadspuren die Chüpfenflue mit der Latschüelfurgga verknüpfen. Die Begehung des aussichtsreichen Felsgrates macht Spass, ohne allzu grosse Kletterfertigkeiten zu erfordern; das Seil bleibt im Rucksack.

11. August: Kinder klettern gern, aber ein langer Aufstieg über steiles Gras ohne Weg und Spur erweckt an Meuterei grenzenden Missmut. Das stelle ich fest, als ich unmittelbar vom Sertig Dörfli aus einen Anstieg zum Rinerhorn ( 2528 m ) im Grenzkamm zwischen Sertig und Monstein suche und - sicher nicht den besten—finde. Oben und auf dem Weiterweg über den Grat zum March-hüreli ( 2578 m ) gefällt es trotz des trüben Wetters wieder allen. Wir sehen über das Landwassertal hinüber auf uns unbekannte Berge und erblicken in der Nähe eine Gemse und ein Murmeltier - die einzigen Bergtiere dieses Urlaubs ( ein trauriges Ergebnis für Bergsteiger, die an den Wildreichtum der meisten Gruppen der Nördlichen Kalkalpen gewohnt sind ). Beim Abstieg finden wir gute Alpwege hinab ins Tal.

12. August: Der gnädige Wettergott beschenkt uns nochmals mit zwei prächtigen Tagen, die mit zu den schönsten des Urlaubs zählen. Heute fahren wir wieder Richtung Flüelapass, lassen aber diesmal den Wagen schon unterhalb der Passhöhe beim « Wägerhus » ( 2207 m ) stehen. Wir folgen zunächst dem schmalen Weg, der nach NNE über die Jöriflüelafurgga nach Vereina führt, verlassen ihn aber bald, rechts abzweigend, und gewinnen auf einem Steiglein die Winterlücken ( 2787 m; 11/2 Std. ). Schon von hier aus bietet sich ein lohnender Blick über die reizvollen Jöriseen hinweg auf die vom Piz Linard beherrschte Silvretta, in deren Bereich wir uns bereits befinden. Nach der Rast turnen wir etwa eine Stunde lang über die Blöcke und Platten des NW-Grates zum Vorgipfel und über den fast ebenen, ebenfalls nicht schwierigen, aber etwas exponierten Verbindungsgrat zum Hauptgipfel des Flüela-Wisshorns ( 3085 m ). Jenseits des Flüelapasses sehen wir das etwas höhere Schwarzhorn, das wohl die umfassendere Aussicht gewährt, während die reizvolle Kletterei den Anstieg auf das Wisshorn abwechslungsreicher und anregender macht — und für Einsamkeit sorgt. Wir empfinden übereinstimmend diesen Tag am Flüela-Wisshorn als den schönsten des an Eindrücken reichen Urlaubs.

13. August: Viel weiter als zum Flüelapass ist von unserm Stützpunkt aus die Fahrt zum nur wenig niedrigeren Albulapass ( 2312 m ). Zum Urlaubsabschluss wollen wir noch von hier aus einen Berg besteigen, der uns neue Landschaftsbilder bietet. Als nächstes lohnendes Ziel über der Passhöhe finden wir einen selten besuchten Gipfel mit dem schönen Namen Igl Compass ( 3016 m ). Wir steigen vom Hospiz in etwa zwei Stunden meist ohne Weg über die edelweissreiche Terrasse nördlich des Passes und durch ein langgezogenes Tälchen hinauf zur Fuorcla Zavretta ( 2890 m ), von der aus ein breiter Rücken mühelos zum weit über dem Albulatal vorgeschobenen Gipfel führt. Der ganze Berg besteht aus Schiefertafeln, und riesige Steinmänner zeugen von der Freude der Besucher, sich hier als Baumeister betätigen zu können. Piz Ela und Piz Ot ziehen in einer mir grossenteils fremden Gipfelreihe den Blick auf sich, während der sonst stets beherrschende Piz Kesch verdeckt ist. Tief unter uns sehen wir das weisse Band der Albulastrasse, neben der wie ein matter Spiegel der Lai da Palpuogna schimmert An seinem Ufer unterbrechen wir die Heimfahrt und blicken nochmals zurück zum letzten Berg dieses Urlaubs. Am nächsten Tag regnet es fast ohne Unterbrechung, und am 15. August verlassen wir das liebgewonnene Sertigtal und die Bergwelt um Davos, zutiefst befriedigt von diesem - beinahe - sommerlichen Urlaub in einem weltberühmten Skiparadies.

Literatur und Karten: Die SAC-Clubführer Albula, Plessur und Silvretta; die Blätter der Landeskarte 1:50000, Prättigau, Bergün, Julierpass, und die entsprechenden Blätter der Landeskarte 1:25 000.

Feedback