Alpine Unglücksfälle 1889

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Alpine Unglücksfälle 1889 Die Zahl der alpinen Unglücksfälle mit tötlichem Ausgang ist glücklicherweise im Jahr 1889 etwas kleiner als im vorhergehenden Jahr. Das letztjährige Unfallverzeichniß ( s. Jahrbuch XXIV, pag. 397 u. ff. ) zählt 20 Unglücksfälle auf, die im Ganzen 24 Menschen ( 20 Touristen, 4 Führer ) den Tod gebracht haben; in dem nachfolgenden Verzeichniß für 1889 sinkt die Zahl der Fälle auf 18, diejenige der Opfer auf 20 ( 18 Touristen, 2 Führer ) und von diesen 18 Fällen gehören 12 oder wenigstens 11 zu denjenigen, die gerade so gut bei einem Spaziergang in der Ebene oder im Hügelland hätten passiren können, sei es in Folge zu starker Anstrengung oder plötzlichen Unwohlseins, sei es in Folge eines Mißtrittes auf einer steilen Treppe oder auf einem schmalen Pfade längs einer Bachschlucht. Bei diesen 12 Fällen, die zunächst aufgezählt werden sollen, steht also das Bergsteigen mit dem Unfall nicht in causaient Zusammenhang, sondern ist höchstens ein die Folgen desselben ver-schlimmerndes Moment.

Am 10. Januar verunglückte am Hohen Kasten ( Sentis-Gruppe ) Hr. Mayer, Zahnarzt in Buchs; er hatte am 9. mit zwei Gefährten vom Rheinthal aus den Gipfel bestiegen. Beim Abstieg nach dem Weißbad am 10. früh um 3 Uhr wurde die Gesellschaft von einem Schneesturm überrascht; Mayer glischte aus, rutschte einen steilen Abhang hinunter und wurde über ein Felsband hinaus in die Alp Goll hinuntergeschleudert, wo er tot aufgefunden wurde. Der Hohkasten ist ein leichter, voralpiner Berg mit gebahnten Pfaden. P. M.1 ) Am 29. April verunglückte an dem notorisch leichten Wendelstein ( bayr. Oberland ) der Stud. med. Graducewsky, der allein den Gipfel bestiegen hatte, von der Nacht überfallen den richtigen Weg verlor und abstürzte ( 8. A. Z. pag. 130 ). Am 22. Juni stürzte am Urlkopf ( Loferer Steinberge ) der österreichische Mappirungsofficier May in Folge Ausbrechens einer Felsplatte ab und blieb tot ( s. Oe. T. Z. pag. 163, Oe. A. Z. pag. 181 ).

Auf plötzliches Unwohlsein oder Entkräftung an kritischer Stelle sind zurückzuführen: der Tod Hrn. Fäßler's, 26. Juli, oberhalb der Wagenlucke am Sentis, der wahrscheinlich in Folge von Entkräftung beim Kampfe mit Sturm und Wetter eintrat ( S.A.Z. pag. 167 ), sowie der tötliche Sturz unseres Clubgenossen Bosch ( Section St. Gallen ), 4. August, an der Furglenfirst ( Sentisgruppe ), dessen Ursache wahrscheinlich in einem Anfall augenblicklicher Bewußtlosigkeit zu suchen ist ( S.A.Z. pag. 167 ); ferner die Unglücksfälle vom 6. und 21. August und vom 1. und 3. September, während bei den nicht hinlänglich aufgeklärten Fällen vom 22. August und 6. October wahrscheinlich die Unerfahrenheit der Touristen, die im Dunkeln oder im Nebel den richtigen Weg verfehlten, die Schuld trägt.

Am 6. August verunglückte Hr. C. Jellinghaus, ein rüstiger Sechziger, beim Abstieg vom Dachstein an ganz ungefährlicher Stelle, indem er plötzlich vornüberfiel, den vorangehenden Führer mitreißend bergab kollerte und gleich darauf verschied. ( M. D. Oe. A. V. pag. 182. ) Am 21. August wurde beim Abstieg vom Hochiss ( östlich vom Achensee ) Stud. jur. Willmann ebenfalls an unschwieriger Stelle, vielleicht in Folge von Uebermüdung, von Ohnmacht befallen, stürzte ab und blieb tot ( M. D. Oe. A. V. pag. 210 ); am 22. August verunglückten beim Uebergang über das Tuxerjoch ( Zillerthaler Alpen ) zwei Brüder Skorpil, Gymnasiasten aus Innsbruck, nach der einen Version, indem sie in der Dunkelheit den richtigen Weg verloren, nach der andern, indem sie beim Edelweißpflücken abstürzten, jedenfalls aber auf einem Passe, der sonst als ganz harmlos gilt und in der Regel keinen Führer erheischt. ( Oe. T. Z. pag. 213. ) Am 1. September verlor unser Club einen seiner Gründer, Hrn. Aug. Raillard ( Section Basel ), welcher, nachdem er noch in voller Rüstigkeit und Heiterkeit am Clubfest in Zürich theilgenommen, auf einem Spaziergang bei Amden, oberhalb Weesen, wahrscheinlich in Folge plötzlich eintretenden Unwohlseins, verunglückte. ( S.A.Z. pag. 191. ) Raillard war einer jener Veteranen des S.A.C., die durch ihre schlichte Anspruchslosigkeit bei höchst bedeutenden Leistungen und ihre jugendfrische Begeisterung für die Alpen so recht dazu angethan sind, den jüngeren Generationen des Clubs als Vorbild zu dienen. Die Liebe zu den Bergen war bei ihm kein Strohfeuer, das nach blendendem Aufflackern rasch in sich zusammensinkt, sondern eine stete klare Flamme, die im Greisenalter nicht weniger hell und warm erstrahlte, als in der Zeit der Jugend und der vollen Manneskraft. Trotz seines Alters — er war 1821 geboren — und eines Unfalls, der ihn 1873 am Abgschütz ( Hochstollen ) betroffen hatte, war Raillard noch ein tüchtiger Berggänger, der kein Jahr ohne einen Ausflug in die Alpen verstreichen ließ. Noch 1889 bestieg er den Pilatus und, zwei Tage vor seinem Tode, den Speer; im Jahr zuvor machte er mit dem Schreiber dieser Zeilen u. A. einen Morgenausflug auf den Bonderspitz ( 2545 m ) bei Adelboden, und Niemand hätte sich damals träumen lassen, daß der rüstige, ausdauernde Bergsteiger, der, trotz der Ungunst der Witterung, nie seinen guten Humor verlor, so früh von seinen lieben Bergen Abschied nehmen müßte, Abschied für immer. „ Dem von uns genommenen Freunde aber wollen wir ein liebendes und gutes Andenken bewahren, er bleibe uns ein leuchtendes Vorbild, nicht nur eines tüchtigen Bergsteigers und hervorragenden Clubisten, sondern auch eines gemüthvollen und treuen Gesellschafters und Vereinsgenossen. " ( A. H. B.: „ August Raillard als Clubist und Bergsteiger. " Vortrag in der Section Basel, 3. Januar 1890. ) Am 3. September starb auf der Flegère bei Chamonix Mr. Bottomley-Firth am Herzschlag ( A.J. pag. 479 ), und an demselben Tage stürzte in Folge eines Schlaganfalls Pfr. K. Stach nach der Einweihung der Aggensteinerhütte ( Allgäuer Alpen ) bei der Besteigung des Aggensteins ab und blieb tot. ( M. D. Oe. A. V. pag. 210/1. ) Am 6. October verunglückte oberhalb Novel ( Chablais ) Dr. Hadlich, der allein, bei Nebel, einen Berg ( Grammont ?) besteigen wollte und nicht zurückkehrte. Der Vermißte wurde, da Schneefall eingetreten war, lange vergeblich gesucht. Erst am 5. Nov. wurde die Leiche oberhalb Novel am Fuße eines 300—400 m hohen Absturzes gefunden. ( Feuille d' avis de Vevey etc. vom 30. Oct., 8. u. 13. Nov. ) Neben diesen 12 mit dem Bergsteigen nur zufällig und local zusammenhängenden Unglücksfällen finden wir 6 andere, die mit demselben in ursächlicher Verbindung stehen, und zwar beginnt die chronologische-Reihenfolge derselben an der Raxalpe1 ), an demselben Punkte, wie letztes Jahr.

25. März, Raxalpe ( Niederösterreichische Kalkalpen ). Dr. R. Kanitz f und F. Zilzer mit Führer J. Wurzl. Beim Abstiege vom Rat-Plateau gegen die Teufelsbadgtalwr .glitt Kanitz in tSner steilen Schneerinne aus, stürzte ab und blieb tot auf der Geröllhalde im Höllengraben. Er hatte beim Betreten der Rinne es abgelehnt, sich wie die Andern durch das Seil zu sichern. ( Oe. T. Z. pag. 94. ) 14. Juli, Sonnblick ( Hohe Tauern ). HH. Der-natschek ( v. ) und A. Klein ( t ) mit Führer Pichler ( t ). Dieselben wollten vom Sonnblickhans längs des Grates dem Hochnaar zusteuern; auf einer steilen Firnhalde unterhalb des Goldzechkopfes rutschte Pichler während des Stufenschlagens aus und glitt, die beiden angeseilten Touristen mit sich reißend, in die Tiefe, bis sie unten auf die Moräne stießen. Pichler war sofort tot,. Klein gab nach kurzer Zeit den Geist auf, Bernatschek kam mit Contusionen davon. Die Schuld an dem Unglück wird dem Führer zugemessen, der gegen sachkundigen Rath und ohne Vorwissen der Touristen " einen neuen gefährlichen Weg einschlug. ( Oe. T. Z. pag. 174 u. 213. ) 7. August. Wild Freiger - Ferner ( Stubai ). Stud. jur. Hertz t, Concertmeister Blankensee mit Führer Maier. Dieselben hatten von der Nttrnberger-liütte bei Nebel die Maierspitze bestiegen, verloren im Abstieg auf den Wild Freiger-Ferner den Weg-und erreichten nach langem Suchen den Bach unterhalb des Gletschers. Hier ging Maier voraus, um den Weg zu suchen. Als er nach einer Viertelstunde zurückkehrte, fand er Blankensee allein. Hertz hatte sieh, nach Blankensee's Aussage, auf eigene Faust entfernt. Nach vergeblichem Rufen und Suchen verfolgten die Beiden ihren Weg zur Dresdenerhütter verloren denselben aber bald wieder und kehrten am 8., nachdem sie die Nacht im Freien zugebracht, zur Nürnbergerhütte zurück. Von da an scheint sich Keiner, der Beidenum den Vermißten weiter gekümmert zu haben, der erst am 4. September mit ge^ brôchenen Gliedmaßen und Schädelknochen gefunden wurde. ( M. D. Oe. A. V. pag. 226/27. ) 13. August. San flmrongletscher ( Diablerets ). Mr. R.M.orel mit Führer Gaudin f. Bei einem Versuch, die Diablerets zu besteigen, fiel Gaudin in eine Gletscherspalte. Morel konnte ihn nicht herausziehen und eilte, nachdem er das Seil mit dem Pickel versichert hatte, zurück, um Hülfe zu suchen. Des schlechten Wetters wegen wurde, trotz wiederholter Versuche, der Verunglückte erst am 16. erfroren und erstickt aufgefunden. Vermuthlich hatte der Führer, wie das bei unerfahrenen Gletschergängern nicht selten vorkommt, das Seil nicht mit einem festen Knoten unter den Armen, sondern mit einer Zug-schlinge um den Leib gebunden ( S.A.Z. pag. 179, A.J. pag. 474 ).

29. September. Planspitze ( Hochthorgruppe ). HH. Hans Wiesler f und Karl Dominigg und St: Hefele, ohne Führer. Dieselben wollten^bei schlechtem Wetter die Planspitze über den Paternpfad besteigen. Am Fuß der Wände gab Hefele die Partie auf, die beiden Andern stiegen weiter, obwohl Wiesler erschöpft war. Der unter allen Umständen schwierige Anstieg war vereist. Unter der Scharte vor der letzten Wand konnte Wiesler nicht weiter und Dominigg stieg allein zur Scharte auf. Als er auf seinen Zuruf von Wiesler keine Antwort erhielt, kehrte er zurück, fand Wiesler nicht mehr, und stieg nach vergeblichem Suchen allein zur Koinzenalm ab. Am nächsten Morgen fand er Wiesler erschöpft im Schnee, brachte denselben in die Hütte und stieg ab, um Hülfe zu holen. Als dieselbe, des schlechten Wetters wegen erst am 1. October, eintraf, war Wiesler nicht mehr in der Hütte, und am 3. wurde derselbe tot gefunden. ( M. D. Oe. A. V. pag. 23940. ) 24. November. Altmann ( Sentisgruppe ). HH. Seiler ( S.A.C. Section St. Gallen ) t, Bodenmann und Dörig, Solin des Maglisalpwirths. Nach gelungener Besteigung des Altmanns stiegen dieselben gegen die Toggenburgerseite ab. In einem vereisten Kamin glitt Seiler beim Schlagen der ersten Stufe aus, fuhr 300—400 m tief hinab und wurde tot aufgehoben. Die Partie war nicht angeseilt und ohne eigentlichen Führer. ( S.A.Z. pag. 239 und Neue Zürch. Ztg. Nr. 342, 2. Blatt. ) Von sämmtlichen 18 Fällen kommen 4 auf Alleingeher; in den 6 speciell hochalpinen 4 mit 5 Toten <3 Touristen, 2 Führer ) aufgeführte, 2 mit 2 Toten auf führerlose Partien. Das Eesultat der Statistik ist also für die letzteren günstiger als letztes Jahr; aber bei dem Falle au der Raxalpe wurde der Rath des Führers von <len></len>

34 „ Das Führerpatent macht eben noch nicht den tüchtigen Führer aus. Gerade darüber, worauf es hauptsächlich ankommt, über physische und moralische Energie, Sicherheit des Urtheils in schwierigen Lagen, über Pflichtgefühl und Takt läßt sich kein Examen ablegen. Das bewährt sich Allea erst in der Praxis,, und diese spiegelt sich am genauesten in den Zeugnissen der Führerbüeher wieder. " ( Jahrb. XXIII, pag. XI. ) So wenig Erfolg bisher die mehrfach ausgesprochenen Wünsche des Unterzeichneten in dieser Hinsicht erzielt haben, so kann er doch nicht umhin, als „ ceterum censeo " zu wiederholen: e » möchten die Vorstände der Gebirgssectionen jeweilen Führerlisten mit summarischer Angabe der bisherigen Leistungen auf Grundlage der Zeugnisse in den Führerbüchern zusammenstellen und dem C. C. einsenden, behufs Erstellung eines einheitlichen und kritischen Führerverzeichnisses für die ganze Schweiz.

Red.

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