Alpine Unglücksfälle 1898

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Von den in der Litteratur als alpine Unglücksfälle verzeichneten Vorkommnissen des Jahres 1898 nehmen wir, wie gewohnt, die Unfälle aus, die keinen tödlichen Ausgang genommen haben, ferner einige beim Edelweißsuchen oder Blumenpflücken vorgekommene Todesfälle und Ähnliches. Es bleiben dann noch übrig 39 Unglücksfälle, welche Touristen und Führer in der Ausübung alpiner Thätigkeit betroffen haben. Die Zahl der Opfer beträgt zusammen 45, darunter nur 1 Führer, dagegen 17 Alleingänger. Von den 39 Fällen gehören nach Höhenlage oder Beschaffenheit des Unglücksortes 13 mit 18 Opfern dem Hochgebirge und 26 mit 27 Opfern dem Mittelgebirge an. Die Einzelheiten sind folgende:

A. Im Hochgebirge.

1 ) Cirka 13. Juli. Mont Blanc. Der 25jährige amerikanische Tourist H. N. Riegel verließ am 13. Juli Courmayeur allein und in mangelhafter Ausrüstung, um über die Aiguilles Grises den Mont Blanc zu besteigen, und wurde am 18. Juli unterhalb der Cabane du Dôme in einem kleinen Couloir als Leiche aufgefunden. Außer unbedeutenden Schürfungen zeigte er eine größere Wunde am Hinterhaupt. Vermutlich ist er auf der Suche nach der Hütte in den Felsen der Aiguilles Grises abgestürzt und dadurch ums Leben gekommen. R. A. L. 1898, pag. 249 ff.

2 ) 22. Juli. Zugspitze. Die beiden Professorssöhne Ernst und Curt Inner aus Berlin brachen führerlos von der Höllenthalhütte mit dem Bemerken auf, daß sie beabsichtigten, über die Riffelscharte an den Eibsee zu gehen. Sie wandten sich jedoch dem Aufstiege zur Zugspitze zu, passierten das „ Brett " und den Höllenthalferner und gelangten ungefähr mittags an die zum Ostgipfel der Zugspitze hinaufziehende Eisrinne. Dort stiegen sie — mit dem Taschenmesser Stufen in das Eis schneidend — ziemlich weit über den richtigen, auf den Grat zwischen dem Höllenthal und dem Bayrischen Schneekar führenden Einstieg in die Felsen empor. Als die Neigung der Eisfläche so stark wurde, daß eine Fortsetzung des Anstiegs in der Rinne ohne Hülfsmittel unmöglich erschien, versuchten sie, den obenerwähnten Felsgrat zu gewinnen. Dem altern Bruder gelang es, der jüngere ( Curt ) dagegen glitt aus, fuhr die Eisrinne hinab und stürzte über die an die Rinne anstehende, mehrere hundert Meter hohe Wand in das Bayrische Hochkar ab. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 205.

329. Juli. Monte Orsiera ( zwischen Val Susa und Val Chisone ). Der Student Daniele und sein Freund Livio Rosset waren um 5 Uhr von den Alpen von Selleries oberhalb Roure aufgebrochen, hatten den Südgipfel erstiegen, waren in die Scharte zwischen diesem und dem Nordgipfel hinabgeklettert und hatten den letztern um 9 Uhr erreicht. Um 10 Uhr trennten sie sich. Rosset stieg zum Einschnitt zurück und gelangte glücklich durch das Ostcouloir zum Lago Ciardonet hinab. Daniele dagegen verunglückte bei dem Versuch, über den Nordgrat und die Nordwestwand abzusteigen, die noch nie begangen worden waren, und wurde 14 Tage später am Fuß der Wände als zerschmetterte Leiche gefunden. R.M. 1898, pag. 305 ff.

41. August. Parseierspitze. Herr Carl Lesehr hatte mit dem Führer Vincenz Platt den Gipfel erreicht, wurde beim Abstieg von einer Ohnmacht befallen, stürzte ab und blieb furchtbar zerschmettert als Leiche auf dem Gletscher liegen. Es war seine erste diesjährige Bergtour, und trotzdem er schon beim Aufstiege mehrmals Schwächeanfälle gehabt hatte, hatte er das Verlangen des Führers, sich ans Seil nehmen zu lassen, abgelehnt. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 192.

5 ) 6. August. Dreischusterspitze. Zwei Partien, bestehend aus Turnlehrer Dürbeck und Dr. Zott mit Führer Schranzhofer und Lehrer H. Buchenberg mit dem Rechtspraktikanten Victor Naager und ohne Führer, wollten aus dem Innerfeld den Berg nach dem Fischleinthal überschreiten. Beide Partien hielten sich, der Steingefahr halber, nahe hintereinander. Eben hatte Zott im großen Kamin ein sehr schweres Wandl mit Überhang glücklich passiert und stand, vom Seile losgebunden, oben, während Schranzhofer den Aufstieg des zweiten ihm anvertrauten Herrn sicherte. Gerade an der schwierigsten Stelle des Überhangs löste sich ein etwa */ » Centner schwerer Block, den Dürbeck als Griff benutzen wollte, und drückte ihn von der Wand ab. Dürbeck rief: Stein los, festhalten! und hing im selben Moment im Seil, das Schranzhofer nur mit äußerster Kraftanstrengung zu halten vermochte. Der Felsblock fiel etwa zehn Meter hinab und traf Naager, der sich dicht an den Felsen gelehnt hatte, in den Nacken. Lautlos brach er zusammen, fiel von dem schmalen Bande, auf dem er stand, und dann die Felswand hinunter. In weitem Bogen hinausgeschleudert, folgte dei; mit ihm durch das Seil verbundene Buchenberg, der bereits einige Meter emporgestiegen war. Auch dieser gab keinen Laut von sich. Das Unglück geschah vormittags 10 Uhr 30 Min. Die beiden wurden nachmittags 5 Uhr 30 Min. als Leichen am Fuß der Wand aufgefunden. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 205.

6 ) 12. August. Rochemelon. Sig1 L. Cibrario, L. Torretta, A. Gauthier und T. Roddolo hatten von der Casa d' Asti aus um 7 Uhr zusammen Alpine Unglücksfälle 1898.

den Gipfel erreicht. Um 8 Uhr trennte man sich; die einen kehrten auf dem nämlichen Wege zurück, während Cibrario und Torretta ohne Seil zum Gletscher abstiegen, in der Absicht, über den Colle della Resta nach Usseglio zu gehen. Der Abstieg ging ganz leicht vor sich über den Grat, welcher die Novalesa dominiert, und bald gelangten sie auf den Gletscher. Durch das Kamin hinab erleichterten ihnen die Fußstapfen einer Wall-fahrerpartie vom 5. August das Hinuntersteigen. Durch einige dieser Spuren auf dem Gletscher irregeleitet, schlugen sie eine falsche Richtung ein, am Fuß des Gipfelkegels hin, gegen die Font di Rumour, wo die das Malciaussiathal dominierende Gletscherzunge rasch gegen einen tiefen Abgrund abfällt. Stufenhauend stiegen sie über den Gletscher hinab, dessen Steilheit aber bald ein weiteres Vorrücken unmöglich machte. Sie versuchten daher, sich zu dem den Gletscher durchschneidenden Felssporn, dem Cugn di Rumour, hinüberzuhacken. Es war ungefähr 9 Uhr 15 Min. und der Felssporn nur etwa noch 20 Meter entfernt, als unter Cibrario eine Eisstufe nachgab und er etwa 200 Meter hoch zu Tode stürzte, trotz seiner Versuche, sich mit dem Pickel aufzuhalten. Torretta kehrte auf dem nämlichen Wege auf den Gipfel zurück und stieg mit den andern über den Colle della Croce di Ferro nach Malciaussia ab. R.M. 1898, pag. 308 und 309.

719. August. Ebenferner. Zwei Brüder, Professor B. und A. Kotula, brachen um 4 Uhr 30 Min. von der Franzenshöhe auf, um die Geisterspitze zu besteigen. Um 6 Uhr 45 Min. war die Dreisprachenhütte erreicht, und sie gelangten angeseilt über die Schneehänge hinauf zum Ebenferner. Nun sollte der Anstieg auf den Livriokopf folgen. Um eine dazwischenliegende Mulde zu umgehen, wandten sie sich gegen die Naglerspitze. Da trat B. Kotula in eine überschneite Gletscherspalte, fiel 25 Meter hinab und ertrank in dem angesammelten Eis wasser, nachdem sein Bruder in der Todesangst das Seil abgeschnitten hatte. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 216 und 217.

8 ) Cirka 22. August. Tofana di Mezzo. Herr S. Panzer hatte, nach glücklich durchgeführter Besteigung des Monte Cristallo, Cortina am 21. August verlassen, mit der unbestimmten Äußerung, Ausflüge in die Umgebung unternehmen zu wollen. Seit diesem Tage wurde er vermißt. Die durch seinen Bruder am 31. August veranlaßte Untersuchung führte am 2. September zu der Auffindung seiner fast ganz mit Schutt bedeckten Leiche unterhalb des Gipfelmassivs der Tofana di Mezzo. Panzer war im Aufstiege wenige Meter unterhalb des Gipfels auf einer cirka 60° geneigten, mit hartem Schnee erfüllten Rinne ausgeglitten und gegen 100 Meter abgefahren, wobei er, worauf die abgebrochenen Fingernägel deuten, vergebliche Versuche machte, sich aufzuhalten. Der sofortige Tod erfolgte infolge mehrfacher Schädelbrüche, sonst wies, einige Blutunterlaufungen am Nacken und der linken Schulter ausgenommen, die Leiche keinerlei Verletzungen auf. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 217.

9 ) 27. August. Petite Dent de Veisivi. Dr. J. Hopkinson mit seinem Sohne und zwei Töchtern verließ Arolla um 4 Uhr 30 Min. in der Absicht, den Gipfel auf dem gewöhnlichen Weg vom Col de Zarmine aus über den Grat zu erreichen. Sie scheinen ihren Plan geändert zu haben und stiegen, alle am gleichen Seil, direkt über die Südwand empor, stürzten aber, bevor sie den Gipfel erreichten, infolge eines nachgebenden Griffes oder eines Steinfalls, etwa 500 Meter ab. A.J. 1898, pag. 267.

101. September. Bellavistasattel. Die Herren Dr. M. Borchardt und Professor Nasse mit den Führern Karl Klimmer und Schnitzler kehrten von einer Palübesteigung zurück und gelangten zum Bellavistasattel, um über das „ Loch " westlich von der Fortezza nach Boval abzusteigen. Eine halbe oder vielleicht eine Stunde waren sie auf dem hier ziemlich steilen Gletscher abgestiegen, als, bei Überschreitung eines Bergschrundes, eine Schneebrücke einbrach und Nasse und Schnitzler lautlos in die Tiefe stürzten. Schnitzler band sich unten vom Seile los und arbeitete sich mühsam aus der Spalte heraus, um den andern, die oben am Seile zogen, zu Hülfe zu kommen. Nasse aber starb im Seil hängend an Erstickung oder Herzlähmung und konnte nur noch als Leiche herausgezogen werden. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 237/239.

11 ) 10. September. Fünffingerspitze. Herr L. Norman-Neruda verließ mit seiner Frau und Herrn Theodor Dietrich um 8 Uhr 15 Min. die Langkofelhütte, um den Gipfel durch den sehr schwierigen Schmittkamin zu ersteigen. Sie hatten bereits die schwierigsten Stellen überwunden, als Herr Norman-Neruda etwas vor 2 Uhr nachmittags, nach Überwindung des schwierigsten Teils, der sogenannten „ Schmittwand ", welche, cirka 25 Meter hoch, aus dem Kamin in die freie Wand hinausführt, plötzlich, wahrscheinlich in einem Anfalle akuter Herzschwäche, mit den Händen losließ und, rückwärts kopfüber herabstürzend, mit dem Hinterhaupte an die gegenüberliegende Kaminwand geschleudert wurde und cirka 8 Meter unterhalb der beiden Begleiter in einem Kaminabsatz am Rande eines Überhangs liegen blieb. Die Höhe des Sturzes dürfte cirka 30 Meter betragen haben; ein weiteres Abstürzen wurde von Herrn Dietrich durch das eingezogene Seil verhindert. Der am Hinterhaupte Schwerverletzte wurde von Herrn Dietrich, der zu ihm hinabstieg, vom Rande des Überhangs zurückgezogen und mit einem zweiten Seil versichert. Herr Normann-Neruda starb am untern Ende des Kamins, bis wohin man ihn abgeseilt hatte, am folgenden Tage, nachmittags 3 Uhr, nach 25stündiger Bewußtlosigkeit. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 229 ff.

1215. September. Aiguille des Charmoz. Mr. Frank Aston-Binns mit Xaver Imseng hatte am 14. September, um 7 Uhr 20 Min. abends, den Plan de l' Aiguille erreicht. Am folgenden Tage brachen sie um 3 Uhr 50 Min. auf in der Absicht, die fünf Spitzen der Aiguille zu traversieren. Um 9 Uhr 30 Min. wurden sie auf den ersten Gendarmen auf dem Nordostende des Grates gesehen. Die höchste Spitze erreichten sie um 11 Uhr 10 Min. Um 2 Uhr 30 Min. sah man sie ( vom Plan de l' Aiguille aus ) durch das Couloir absteigen, das zu dem Vereinigungspunkt der Grépon-und Charmozrouten führt. Da sie jene Nacht nicht nach Chamonix gelangten, forschte man nach und fand ihre Leichen in einer großen Eis- Alpine Unglücksfälle 1898.

spalte nahe den oberen Séracs des Nantillongletschers in einer Tiefe von 20 Fuß. Soviel man erkannte, waren sie jedenfalls etwa um 3 Uhr nachmittags beim Abstieg ausgeglitten und über den harten Eishang etwa 20 Meter abgefahren und hatten so den Tod gefunden. A.J. 1898, pag. 268 und 269.

13 ) 19. September. Südliche Aiguille d' Arves. M. Joseph Roche verließ das Refuge Lyon-Républicain, um auf dem gewöhnlichen Wege den Gipfel zu ersteigen. Er gelangte zum Mauvais Pas, und es ist sehr wahrscheinlich, daß er beim Erklettern der Felsen zur Linken des versteinerten Wasserfalls das Gleichgewicht verlor und auf den Arvesgletscher hinabfiel, wo man seinen zerschmetterten Leichnam auffand. Ob das Unglück sich beim Auf- oder Abstieg ereignete, bleibt dahingestellt. R. A. D. 1898, pag. 102.

B. Im Mittelgebirge.

12. Februar. Brunnsteinköpfe.Vermutlich beim Abstieg verunglückte hier der zwanzigjährige F. Klein. Seine Leiche wurde erst im Mai in der Scharnitz aufgefunden. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 129.

212. Februar. Raxalpe. Auf dem sonst guten Weg von Edlach nach dem Erzherzog Otto-Schutzhause wurde Elmo Ritter von Bischoff alleingehend von einem Schneesturm überrascht und erfror unweit des Hauses. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 48.

3 ) 10. April. Schneeberg ( Kaiserstein ). Infolge der durch die ungewöhnlich ungünstigen Schneeverhältnisse und einen schon bei Antritt der Tour herrschenden furchtbaren Schneesturm hervorgerufenen Erschöpfung starb auf dem Gipfel Franz Schlichting. M. D. ö. A. V. 1898, pag. 101.

4 ) 10. April. Raxalpe ( Katzenkopfsteig ). Neben anderen Partien hatten die jungen Herren Brunner, Raups, Moser, Stark, Pötsch, Preßler und Zink einen Raxalpaufstieg im Höllenthal unternommen. Heftiger Sturm verursachte starken Steinschlag, weshalb die Herren Brunner und Raups umkehrten. Zink kletterte voran, Pötsch und Preßler, durch das Seil verbunden, folgten. Plötzlich stürzte Preßler und riß Pötsch mit hinab auf eine Schutthalde im oberen Teil der Wände, wo er nach einer Stunde seinen Verletzungen erlag. Unmittelbar nachher stürzte auch Zink in die Tiefe, ob aus Schrecken oder infolge des Sturmes, ist nicht zu ermitteln. Er wurde mit zerschmettertem Kopf als Leiche aufgefunden, während Pötsch mit leichten Verletzungen davonkam. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 102.

5 ) 10. April. Casque de Néron. Bei einer von ihm allein ausgeführten Besteigung fand hier der 27jährige François Gondard durch Absturz seinen Tod. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 70.

615. Mai. Dent de Valerette. Beim Aufstieg zu diesem Gipfel mit einigen Freunden verunglückte nahe unter der Spitze ein Student Clare aus Dresden, indem er auf einem Schneehang ausrutschte und auf seine Eisaxt fiel, welche ihm den Leib durchbohrte. Er verschied nach einigen Minuten. Alp. 1898, pag. 80.

7 ) 29. Mai. Monte Chegul. Der 22jährige Vittorio Dante verirrte sich im Nebel, stürzte vom Gipfel ab und war alsbald eine Leiche. M. D. Ö.A.V. 1899, pag. 70.

819. Juni. Karlspitze ( Kaisergebirge ). Herr Schieber verließ mit einem Begleiter um 4 Uhr das Hinterbärenbad in der Absicht, durch die „ Steinerne Kinne " den Gipfel zu erreichen. Zwischen der ersten und zweiten Wandstufe der Rinne verunglückte Herr Schieber durch Ausbrechen eines Griffes; er wurde auf einem Absatz der untersten Wandstufe der Einne mit zerschmettertem Kopf und sonstigen schweren Verletzungen tot aufgefunden. Die Herren waren durch zu weites Rechtshalten, also durch Verfehlen der richtigen Route, in schwieriges Terrain geraten. M. D. O.A. V. 1898, pag. 192.

9 ) 24. Juni. Monte Orsaro ( Apenninen ). Beim Abstieg vom Gipfel auf einer Sektionstour kletterte Sig. A. Pasini mit den andern durch den Kamin in der Westflanke des vom Gipfel zum Passo dell' Orsaro sich ziehenden Grates hinunter. Einige Minuten vor dem Passe, da, wo die Grashänge steiler und von Felsvorsprüngen unterbrochen werden, wurde er von einem Unwohlsein befallen, stürzte über einen Felsabsatz hinunter und rollte, den Kopf aufschlagend, in die untenliegende Mulde hinab. Er wurde von seinen Begleitern bewußtlos und schwer verletzt in das Rifugio del Lago Santo gebracht und erlag am 26. Juni seinen Ver-letzungen- R.M. 1898, pag. 303.

10Juni. Dole. Bei einem Ausflug des Deutschen Jünglingsvereina zu Genf stürzte ein Teilnehmer Namens Schmid ab und blieb sofort tot. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 170.

1117. Juli. Hochthor ( Gesäuse ). Herr Ludwig Konrad hatte mit mehreren Begleitern das Hochthor auf dem Wege über den Guglgrat erstiegen, den Abstieg aber allein durch das „ Schneeloch " in der Richtung nach Johnsbach genommen, und wurde von da an vermißt. Am 19. Juli wurde seine Leiche aufgefunden. Nähere Einzelheiten fehlen. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 183.

12 ) 20. Juli. Nuvolau. Der 17jährige Karl Rieder hatte mit Vater und Schwester den Gipfel bestiegen. Auf der Rückkehr entfernte er sich bei der Sachsendankhütte von den Seinen, um die Aussicht zu genießen, während jene nach Cortina zurückkehrten. Am 21. Juli fand man seine Leiche unter den Wänden des Nuvolau. Er hatte wahrscheinlich bei der Besteigung eines Felsens, der „ Gusella ", auf brüchigem Gestein den Halt verloren und abstürzend sich im Falle ein Loch in das Schläfenbein geschlagen. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 192.

13 ) 29. Juli. Orsirorapaß. Herr W. Kali war mit seinem Sohne vom Gotthardhospiz aufgebrochen, um Realp über diesen Paß zu erreichen.

Etwa 3i4 Stunden vor Realp stürzte er über eine steile, vom Regen schlüpfrig gewordene Grasplanke, wobei er einen Beinbruch und drei Wunden am Kopf erlitt. Er verschied auf dem Transport nach Realp, wahrscheinlich infolge eines Bruches der Wirbelsäule. Schuld am Unglück war der dichte Nebel. Alp. 1898, pag. 101.

14 ) 30. Juli. Köglerhorn. Herr Stein verunglückte an diesem Berg durch Abstürzen; die verstümmelte Leiche wurde in der Mariasteineralpe aufgefunden. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 192.

15 ) 31. Juli. Salève. An diesem Berge stürzte der 22jährige Apo-thekersohn Belli zu Tode. Einzelheiten fehlen. Alp. 1898, pag. 101.

161. August. Brienzer Rothorn. Beim Anstieg vom Sörenberg aus machte Herr J. Schmidhauser eine Abkürzung und stürzte ab, ob infolge Ausgleitens oder eines Ohnmachts- oder Schlaganfalles, ist nicht zu ermitteln. Er wurde von seinen Begleitern eine halbe Stunde weiter unten mit zerschmettertem Schädel tot aufgefunden. Alp. 1898, pag. 102.

172. August. Salève. Der 17jährige Georges Golay erstieg allein von le Coin aus über die Felsen bis zum „ Pas du Cliché " empor, wo er infolge schlechten Schuhwerks zu Falle kam und 200 Meter tief abstürzte. E.d.A.. 1898, pag. 267.

18 ) 3. August. Stanserhorn. Beim Abstieg nach Staus auf dem gefahrlosen Wege auf der Ostseite des Berges trennten sich Moriz Guggenheim ( 22 Jahre alt ) und Eugen Bloch ( 21 Jahre alt ) von ihren Begleitern, um, allen Warnungen zum Trotz, den Weg zu verlassen und dem Grat entlang zu gehen, um abzukürzen. Von einem Gewitter waren die Planken hier sehr glatt, und da die beiden nicht einmal genagelte Schuhe hatten, war der Abstieg für sie beschwerlich. Dabei stürzte Guggenheim 60 Meter tief in das „ Katzenloch " ab und blieb tot liegen, während sein Begleiter, welcher sich in der ersten Zeit des Rutschens zu halten vermochte, bald aus seiner gefährlichen Lage befreit werden konnte. Alp. 1898, pag. 102.

19 ) 6. August. Oltschikopf. Herr Walter Moser war mit seinem Bruder und einem jungen Freiburger auf dem richtigen Wege auf den Gipfel gelangt. Beim Abstieg nach rechts, westlich, aber gerieten sie an die Stelle, die dort dem Volk als eigentlicher Oltschikopf bekannt ist. Sie waren zu weit vom Sattel ab nach rechts gegangen. Wahrscheinlich beim Versuch, über die Felsen umzukehren, griff Moser nach einem Stein, der ausbrach und fiel. Er stürzte ihm 150-200 Meter tief nach in der Richtung gegen die Alp Urserli. Alp. 1898, pag. 102.

20 ) 6. August. Kreuzlipaß. Herr Albert Müller war von zwei Hirtenknaben auf die Höhe des Passes geführt worden, wo er die größte Ermattung zeigte. Da bei den Nachforschungen seine Leiche unversehrt in einer Höhe von 2000 Metern auf Graubündner Seite gefunden wurde, so wird angenommen, er habe sich dort niedergelegt und sei über Nacht erfroren. Alp. 1898, pag. 102.

21 ) 7. August. Heustock ( Kt. Glarus ). Bei einer Abkürzung über eine glatte Grashalde stürzte der 20jährige Heinrich Reusch zu Tode. Alp. 1898, pag. 101.

22 ) 14. August. Rochers de Naye. Am Fuß der Rochers de Naye, gerade unter dem Signal, fand man am 16. August den zerschmetterten Leichnam eines seit dem 14. August vermißten französischen Kurgastes von Caux. Alp. 1898, pag. 103.

23 ) 15. August. Traunstein. Beim Abstieg über den Kampberg stürzte Herr Johann Kaßhofer über eine mehrere 100 Fuß hohe Wand ab, an deren Fuß der schrecklich verstümmelte Leichnam gefunden wurde. Alp. 1898, pag. 114.

24 ) 30. August. Leutasch. In der Leutasch wurde von einem Hirten eine Leiche aufgefunden. Da der Kopf mit einem Tuche verbunden war, so scheint der Verunglückte durch einen Sturz Verletzungen am Kopf erhalten und noch eine Zeit lang gelebt zu haben. Alp. 1898, pag. 116.

25August. Muottas Muraigls ( am Morteratschgletscher ). Frau Bial stieg ohne irgendwelche besondere Ausrüstung auf die Muottas Muraigls hinauf und stürzte infolge Ausgleitens in die Tiefe, wo die Leiche zerschmettert aufgefunden wurde. Alp. 1898, pag. 116.

26 ) 5. Oktober. Scheibenstoll ( Kurfirsten ). Die Herren Alb. Forrer und Hans Bernold gingen von Wallenstadt durch Weißenberg hinauf und traversierten den Scheibenstoll, auf der Südseite, beim „ Schnürli " ( was als ziemlich schwierig gilt ), gingen dann auf den Gipfel von hinten und hinunter, um die „ Schnur " nach rechts zu nehmen. Um abzukürzen, vermieden sie den bessern Abstieg. Forrer, zwei Meter voraus, wollte in schief abwärts gehender Richtung mit der linken Hand den Körper, der schief sich nachschob, an einem kleinen felsigen Vorsprung sichern, während die Rechte nach rückwärts sicherte. Diese muß er zu früh losgelassen haben; die Linke glitt ab und der Körper hatte den Halt verloren. Er fiel 4—5 Meter rücklings auf, und so in mehreren Absätzen, 50—60 Meter tief, wo er tot liegen blieb. Alp. 1898, pag. 126.

27 ) 27. November. Patscherkofel. Der Postbeamte Müller machte einen Ausflug nach Heiligwasser. Dieses verließ er abends 5 Uhr und wird seitdem vermißt. Da dort schon viel Schnee liegt, so ist es möglich, daß er unter einer Schneedecke liegt oder aber in der Sillschlucht verunglückt ist. M. D. Ö.A.V. 1898, pag. 289.

28 ) 25. Dezember. Schneeberg. Der 17jährige Schriftsetzer Joh. Frosch hatte mit seinen wenig altern Gefährten W. Macha und K. Bari, alle drei sehr mangelhaft ausgerüstet und mit auffallendem Mangel an bergsteigerischer Erfahrung, den Schneeberg erstiegen. Beim Abstieg durch die Bockgrube, auf markiertem, aber verschneitem Wege, stürzte Frosch, der voranging, in die Bockgrube ab und wurde dort am folgenden Tage von einer aus dem Thal heraufgesandten Rettungskolonne tot aufgefunden.

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