Bergnacht

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Wäre er Bergsteiger, wenn er sich nicht wenigstens ein Stück weit als Romantiker fühlte? Die Naturverbundenheit, der Abenteuerhunger, das ungebunden Schweifende — woher nähme er sie sonst? Ein Bild aus seinen jungen Tagen überrascht durch die sanfte Schönheit des Ausdrucks. Mit Schnauz und Kinnbart und schattenden Locken über der Blässe des Gesichts mutet er in seiner verhaltenen Melancholie wie ein junger Heinrich Heine an. Da ist alles Gepflegtheit und Kultur — und der Gedanke an den Dichter liegt näher als der an den Bergsteiger.

Man mag sich fragen, schliesslich und endlich, worin er Bedeutenderes geleistet hat, in seinen Taten oder in ihrer Darstellung? Liesse sich das eine vom andern trennen, ich würde nicht zögern, seine « memories » über seine « expéditions » zu stellen. Andere haben seine Fahrten wieder- holt und sind darüber hinausgegangen.

Hat aber einer uns wieder so wahr und Geoffrey Winthrop Young.

tief vom Erlebnis der Berge zu sprechen gewusst? Young sagt irgendwo, er wäre bereit, Chinesisch zu lernen, wenn ihm die Kenntnis diese Sprache neue Aufschlüsse über das Bergsteigen und den bergsteigenden Menschen vermitteln könnte. Erhellt daraus nicht ein sehr wunderbarer Eifer, das Erlebnis zu ergründen, dem viele von uns, zu ihrem eigenen Unbegreifen, sich verschrieben haben?

Bergnacht.

Von Martin Schmid.

Abends baden hell Gestirne, blinkend, in den Gletscherseen, von der mondgekrönten Firne hallt der Wasser leises Wehn.

Silberglanz und Sterngefunkel füllt den weiten blauen Raum, aus der Bergnacht tiefstem Dunkel steigt der ewigen Schöpfung Traum.

( Fortsetzung. ) Dem Andenken an J. Coaz gewidmet.

Von Manfred Szadrowsky.

IV.

Die wehrhaften und arbeitslustigen Walser von Vals fanden natürlich den Weg talauswärts, trotz der felsigen Enge und Schlucht Hundschipfa oder Luchnera ( die wird auch später « eine harte, strenge Wildnuss » genannt ), schufen sich noch eine dauernde Heimat in St. Martin und setzten sich eine Zeitlang noch weiter draussen unter und über den Rätoromanen von Tersnaus im Lugnez fest. Die Lugnezer schoben dann einen Riegel: Grundbesitz im Tal erwerben dürfen nur Leute, die « von Vater stam romansch sind », so bestimmte ein Landesgesetz, das 1457 Graf Hans von Sax-Misox erliess.

Den starken walserischen Einschlag von Tersnaus zeigen zahlreiche Flurnamen.

Urkundliche Namen aus dem 16. und 17. Jahrhundert weisen darauf hin: da kommen Äcker und Höfe mit den Bezeichnungen ,Grütz, Walkring, Löchner, Under dem Biel' vor; in dem romanischen Namen ,Quadttra'( 1615 ) mutet die sehr anschaulich gemachte Verhärtung des d vor dem r walserisch an.

Mustert man im Rätischen Namenbuch die lebenden Flurnamen von Tersnaus, dann wird man erst recht über das walserische Namengut staunen und besonders den Zusammenklang mit St. Martin zu Herzen nehmen.

In Tersnaus gibt es zum Beispiel Wiesen und Äcker mit den Namen Plaun la Hella, Schmetla, Gruoba, Stein, SchnederSchnider ), FretliFridli ).

Hazersprûn ist eigentlich « Ketzersbrunn »: hazer, aus deutsch Chetzer, bedeutet « gross, mächtig ».

Das Maiensäss Baraböda in Tersnaus ist vielleicht, aber nicht sicher, ein Bäraboda gewesen: in St. Martin leben Bäraboda und Barbóda nebeneinander. Hinter dem ,Bären'kann freilich rätoromanisch baria« Heustall »stecken.

Das Maiensäss Rita in Tersnaus ist nichts anderes als eine « Rodung », wie in St. Martin Rita neben Rüti steht.

Alpweiden mit dem Namen Buobatanz findet man ebenfalls in Tersnaus wie in St. Martin ( und andernorts ).

Heissen in Tersnaus Wildheuberge Vatertrós, so ist auf die Bergwiesen Wätterdrosbärg in St. Martin hinzuweisen und auf den Wätterwald in Valendas, die Wätterböda und die Wätterweid in St. Antönien, Wätterweid auch in Furna und andernorts.

Eine Alpweide von Tersnaus heisst Wissasträla. Die Erklärung findet man wiederum in St. Martin: da haftet derselbe Name an Felsköpfen, die wohl als « weisse Pfeile » oder « Blitze » bezeichnet worden sind. In Nufenen ist eine Weide Strata, in Medels eine Alpweide Strälboda, in Splügen sind ein Gut Sträla, ein Strälatobel und ein Strälabach.

Der Zemmeruaul von Tersnaus entspricht dem Zimmerwald von Obersaxen; die Grundbedeutung des Wortes Zimber, Zimmer war « Bauholz ». Das deutsche Wort Wald hat sich schon seit der fränkischen Zeit im ganzen rätoromanischen Gebiet als Lehnwort durchgesetzt; im Oberland heisst es uaul, im Engadin guad, god. Wald hat silva verdrängt und das westliche foresta und das südliche bosco nicht aufkommen lassen.

Trestel ist der in Graubünden sehr häufige und auch in der Innerschweiz verbreitete Name Tristel: zum Beispiel in St. Martin ist ein Tristel und Tristelwald, auch in Valendas ein Tristel, ebenso in Versam, Safien, Vals; in Obersaxen heisst das Maiensäss Tristel auch Treschlas. Das Wort ist eine Zusammensetzung aus Trist « Heuhaufe » und Stall « Stelle, Platz, Hütte, Stall » und schon im Mittelhochdeutschen nachzuweisen: dristal. Nach dem Schweizerischen Idiotikon, Bd. 10, 37 f., kommt es in der Schweiz auch noch als Appellativum vor: es bezeichnet im Wallis und im Berner Oberland ( also in der Heimat der deutschen Walliser ) einen ebenen Platz zur Errichtung eines Heustockes, im freiburgischen Jauntal ( dessen deutsche Siedler aus dem Simmental stammen ) einen durchs Los gewonnenen Anteil am Bergland, wo geheut werden darf.

Walserische Verkleinerungsformen auf -elti sind in Tersnaus die beiden Namen Reitelté und Mattelté. Mit Reitelté ist eine kleine Reiti gemeint; Reiti kommt zum Beispiel in Vals vor: reiten bedeutet « bereit machen ». Mattelté ( wir erinnern uns an das ^atthelte'von Stalla ) ist natürlich nichts anderes als ein Mattelli, Mättelti mit romanischer Betonung. In Obersaxen ist 1623 ,Metlelle'bezeugt. Mättelti als Name ist auch wiederum in St. Martin vorhanden, Mättelti in Avers, Versam, Davos, St. Antonien und auch sonst sehr häufig.

Nach Lumbrein, weit hinten im Lugnez, mögen Walser taleinwärts oder von Obersaxen herüber gekommen sein.

Da ist eine Wiese mit dem Namen Schluc. Im Schweizerischen Idiotikon, Bd. 9, 532, ist aus Arosa Schluck für eine Einengung der Plessur verzeichnet ( im Rätischen Namenbuch nicht ), Schluck auch als Name im Lötschental im Wallis. Vielleicht steckt aber Schlüch dahinter, was ebenfalls eine Enge und dergleichen bezeichnen kann ( Schweizerisches Idiotikon, Bd. 9, 10 f. ). Ähnlich ist auch der Name Schlücha in St. Antonien.

In Lumbrein sind ferner ein Wald Uaul Schleif und eine Alp Schleif ( in Obersaxen ein Wald in da Schleipfa ) und eine Wiese Rita ( in Obersaxen ein Maiensäss Riti, ein anderes Rittet ), eine Gadenstatt Bercli, was wohl Pirgli ist, und eine Wiese Sur il Hof.

Gir da Schluc kommt übrigens auch in Cumbels vor, ebenda auch Halta.

In Villa fallen die Verkleinerungsformen Russétli ( vielleicht zu Runs, Rüss « Wasserlauf, Bach, Rinnsal, Schlucht » ) und ,Bützeli'auf, dieses aber nur urkundlich bezeugt, wie auch in Degen ( Igels ) die Güter ,Deppli'und, Badstuben'( vielleicht nichts anderes als der Name Badstuda, der in St. Martin ein Erlengebiet bezeichnet ), sowie in Vignogn Vigens ) der Name ,Begli '. In Surcasti ( Oberkasteis ) lebt der Name Surdéngia, ein Siedlername auf -ingen ( wie Zisligen, Josigen ).

Dem Lugnez sehr nahe, aber schon im Kreis Glion ( Ilanz ), erweisen sich die Weiler Signina und Rie in als frühe Walsersiedlungen durch die Wiesennamen Trestel, Griebli, Rita, Vogelhüs, Rein. Rain « Abhang » als Name erscheint sonst zum Beispiel in^ Langwies und Davos, Vogelhüs, Vogel-hüscher in Schiers, Vogelberg und Caföghel in Waltensburg, Grüebli in Avers. Rita kann eine Rüti meinen, wieinTersnaus; daneben kommen hier und andernorts Ritt, Ritten, G'ritt « Erdrutsch, Schneeschlipf » mit in Betracht ( wozu das Schweizerische Idiotikon, Bd. 6, 1709 ff., zu vergleichen ist ).

Eine Rita ist auch in Pitasch. Der urkundliche Name ,Magistrenges'ist vielleicht zu den eng'ia-Namen des Bündner Oberlandes zu stellen, wie Surdéngia in Surcasti.

Dasselbe gilt für ein paar urkundliche Namen in Du vin: ,Sut mastrengs'( was dem eben erwähnten ,Magistrenges'entspricht ),, Tgscharlengsorengs'kann mit der Walliserform Loro, Lori des Namens Laurenz zusammenhangen, die auch im Obersaxer Flurnamen Lörischboda steckt, ist aber eher die rätoromanische Namensform Luregn.

Damit nähern wir uns der Gegend von Ilanz, dem Talbecken der Gruob, romanisch Foppa. Dort trifft der Walserweg aus dem Tal des Valserrheins mit dem Walserweg vom Vorderrhein zusammen, auch mit dem östlichen Alemannenweg aus dem Churer Rheintal.

V.

Für das Walsertum im obersten Bündner Oberland, im Tavetsch, ist ein sicherer Zeuge gleich unter der Oberalp Tschamut, urkundlich « Zmutt, Tzmut, Tschmûl, Tschamut », dasselbe wie Z'Mutt im Wallis, Namenfügung mit dem Vorwort ze, za wie zum Beispiel in Hinterrhein Zabrunna, Zahütta, Zappört ( in Medels heisst ein Grenztobel Bordtobel, und Bord ist häufiger Name ).

Nach den Forschungen des Disentiser Historikers Pater Iso Müller ( Zeitschrift für Schweizerische Geschichte, Bd. 16, S. 353 ff. ) geht « der deutsche, von Ursern und Wallis her in Beschlag genommene Teil » des Tavetsch bis Rueras hinunter. I. Müller zeigt « das lang dauernde walserische Deutschtum » dieser Gegend mit urkundlichem Namenvorrat, ebenso die deutsche Siedlung inMompé Medel, gegenüber Disentis, an der mittelalterlichen Lukmanierstrasse. Mit der Walsereinwanderung aus dem Oberwallis und aus Ursern verknüpft er einen grossen Teil der im Bündner Oberland vorkommenden Namen auf -ingen, rätoromanisch -enga,engia. Alemannische Siedler waren Träger der jetzigen Flurnamen Mutschnengia, Urlengia, Mascrengia im Medelsertal, Turtengia in Disentis, Marlengia in Somvix, Valtrengia in Brigels, Valvarengias in Waltensburg, Platenga ( Pal-tenga ), Misanenga im walserischen Obersaxen.

Ob der Weidename Plauncas Tiidéstgas mit den .deutschen'Wallisern und Waisern zu tun hat?

Als Bezeichnung für die unterste der zwei oder drei Alpstufen hat sich das deutsche Wort Maiensäss neben alteinheimischen Ausdrücken eingebürgert: Misés. In Dutzenden von Namen des Oberlandes kommt es zur Geltung. Nach den Belegen des Schweizerischen Idiotikons, Bd. 7, 1371 ff., haben Berner Oberland und Wallis den Ausdruck Vorsass, Vorsäss; doch ist Maie(n)sas für Urseren bezeugt. Mit tiefgehenden wirtschaftlichen Einwirkungen vom Wallis her auf die surselvischen Gadenstätte rechnet auch das Dicziunari Rumantsch Grischun I, 82 bei der Behandlung des Wortes acla « Gadenstatt », das auch die Bedeutung « Maiensäss » angenommen hat.

Im Tavetsch kommt der Name Rizli vor. Das könnte auf ein .Chrizli'zurückgehen ( wie man zum Beispiel auch rizzer « Kreuzer » sagt ); Chrüzli als Name kommt zum Beispiel in Avers, Safien, Versam, Valendas vor; es kann sich um ein Kreuzlein als Grenzzeichen handeln ( in Obersaxen ist der Chritzstein ein Grenzstein, in St. Martin die Chrüzplatte ein Fels und Markstein ). Das Gelände weist aber einen andern Weg: das Rizli ist eine Weide mit Felsen. Im Schweizerischen Idiotikon, Bd. 6, 1928, findet man Ritz, Ritzli als Bezeichnung für steile, aber begraste Berghänge, für Furchen, grüne Grasbänder, die zwischen Felsen hinauf dem Bergkamm zulaufen. Das Wort gehört, wie schon J. Coaz beobachtet hat, dem Berner Oberland, Wallis und bündnerischen Walsergegenden an, ist also ein währschafter Walzerzeuge. Massenhaft kommt das Wort in den genannten Teilen der Schweiz als Name vor. In Graubünden ist zum Beispiel in Vals eine Alpweide in der Ritzi, in Langwies eine Alp in da Ritzen; in Klosters sind eine Schafweide in da Ritzen und eine Bergwiese Sädelsch Ritz; in der Landschaft Davos sind eine Alpweide Chilbiritza, also Chilber-Rüza im Dischmatal ( für Chilber « weibliche Lämmer » ), eine Weide uf em Galla Ritz in Sertig ( galt bedeutet nicht nur « keine Milch gebend », sondern auch « mager, unfruchtbar » ), eine Weide Büelrüza ( und Büelwis ) und eine Senetritzfurgga ( in Senet- steckt vielleicht Sennlum « Herde, Sennereigenossenschaft, Sennerei, Alp » oder Senneta, was ungefähr dieselben Bedeutungen hat, s. Schweizerisches Idiotikon, Bd. 7, 1006 ff. ).

Fantauna da Ris ( Quelle ) lässt mehrfachen Anschluss an deutsche Wörter zu. Es kann Runs, Rüs « Wasserlauf, Bach » darin stecken ( Ris heisst bei den Waisern von Pomatt ihr Talfluss ), oder Ris, Risi, Risa « Bergschlipf, Erdschlipf, jäher Abhang, Schleif bahn », oder Riss, G(e)riss « umgrenzter Bezirk, Waldbezirk » ( alle diese Wörter und ähnliche sind im Schweizerischen Idiotikon, Bd. 6, 1329 ff., behandelt ). In Walsergegenden erscheinen zum Beispiel folgende Namen: uf da Riser ( Alpweide, Geröll ) in Davos, Ris ( Streuland ) in Klosters, Risii ( Magerwiese ) und in da Rlsstöck ( Magerwiese ) in Fideris, Ris ( Schutthalde ) in St. Antonien, Ris ( Holzschleife ) in Küblis.

Maiensäss Riéda und Mises da 1a Rieda können als ein mit Rieden, das heisst Sumpfpflanzen, bewachsener Grund bezeichnet sein ( Riet, Ried « Riet-pflanzen », « Riet, Moor » ) oder als Besitz von Leuten, die ihrerseits von einem ,Riet'den Namen Riet, dekliniert Rieten, hatten. Am wahrscheinlichsten sind es aber walserische « Rodungen »: also mittelhochdeutsch ried « aus-gereuteter Grund, Ansiedelung darauf » ( über dieses Wort handelt das Schweizerische Idiotikon, Bd. 6, 1732 ).

Ein Sumpf hat den Namen Paliu Murdstg: die walserische Bezeichnung Murast, zum Beispiel in Obersaxen als Appellativum Merdscht bodenständig,

I

haben die Walliser aus dem Romanischen ihres Heimattales übernommen ( altfranzösisch marasc, maresc, französisch marais ). Den Rätoromanen war es nichts als ein Name: sie setzten paliu davor, ihr Wort für « Sumpf », also Paliu Murdstg.

Bletschs als Name sumpfiger Weiden stimmt zum rätoromanischen Eigenschaftswort bletsch « nass », das aber wohl aus solchen walserischen Namen ins Romanische gedrungen ist.

Der Tobelname Foppa da Schlaz lässt Anschluss an Schweizerdeutsch Schiatz zu, was unter anderem eine Menge Schnee oder Wasser bezeichnet, und zwar auch in Walsergegenden, zum Beispiel in Obersaxen. Das Schweizerische Idiotikon, Bd. 9, 799 f., nimmt eine ursprüngliche Bedeutung « weggeschleuderte, ausgegossene Flüssigkeit » an.

Eine Weide heisst Glingld. Tai vergleichen sind vielleicht in Avers Glingatûrra für einen Felskopf und das Glingaiurrabächli ( vom Bächlein hat aber auch der Turm, der Felskopf, seinen Namen ), Glinga als Name einer tiefen Stelle im Rhein, ferner Klinga in Nufenen. Das Schweizerische Idiotikon, Bd. 3, 657, verzeichnet Chlinge(n ) « tiefe Stelle in fliessendem Gewässer » und « Schlucht, Tobel ». Schon im Alt- und Mittelhochdeutschen ist das Wort bezeugt.

Mira im Rätischen Namenbuch ist wohl ,Müren'oberhalb von Tschamut, nach Iso Müller, a. a. O. S. 363 urkundlich 1456 ,Muren '. Damit wäre der Weiler in den Muren in Klosters zu vergleichen, Mura in Vals, Avers, Safien, Valendas, St. Antonien, Schiers, Seewis, Mira in Obersaxen. In Scharans heisst Val da Mir auf Deutsch Müratobel.

Der Weidename Huss in Tavetsch hat den Gefährten Hüs in Avers, Mutten und andernorts.

Hoff entspricht dem häufigen Namen Hof, zum Beispiel in Nufenen, Davos, in fast allen Prätigauer Dörfern.

Der Wiesenname Winkelméss sut VAua hat mehrere Entsprechungen in Graubünden ( auch Triangel ist sehr häufig als Flurname ): Winkelmess, Wihelmess zum Beispiel in Conters, Jenaz, Seewis im Prätigau.

Rotenbérg, eine Weide in einer Alp, war vielleicht der ,Berg ', das Berggut eines ,Rot Rotten'( der Name kommt zum Beispiel im Wallis vor ), oder es ist ein ,roter Bergauch in Vals kommt die Bezeichnung uf em Rota Barg vor.

Die Weide Plaz 1a Maidia erinnert an den Meitlastutz und das Meiila-tobel in Tschappina: die Form Maidja lebt im Wallis und in Walsergegenden. Übrigens kann Plaz in dergleichen Namen zum Teil das deutsche Wort Blätz sein, das in Berner und Walliser Namen vorkommt ( s. Schweizerisches Idiotikon, Bd. 5, 264 ff. ).

Im Weidenamen Stgélla Crap, mit merkwürdiger Wortfolge, mag auch etwas Deutsches stecken.

Zwei Weiden mit einem grossen Stein heissen Crap Morder und Crap Luther. Es lässt sich kaum entscheiden, ob in jenem das Wort .Mörder'oder ,Mord' als Ausdruck des Grossen in anderem Sinne vorliegt. Der zweite Name kann einen hellfarbigen Stein meinen: lüter in diesem Sinne kennen Walliser- und Walsermundarten; auch « freiliegend, schwindlig » kann lüter bedeuten ( s. Schweizerisches Idiotikon, Bd. 3, 1513 ff. ). ,Lutterenga ', 1480 in Neukirch bezeugt weist immerhin auf einen Personennamen ,Luter ', der seinerseits wieder auf jenem Eigenschaftswort beruhen kann ( die Lüteren unterscheidet man in Graubünden von den Düchlen das heisst die Blond-haarigen von den Dunkelhaarigen ).

In Crestas Parvéchel darf man, eine ganz rätoromanische Deutung vorbehalten, einen walserischen Wichel « Winkel » vermuten, Parvéchel demnach als « Wiesenwinkel » oder « Winkelwiese » deuten. Wichel haben die Walsergegenden massenweise, zum Beispiel Davos, Klosters, Conters, Saas, St. Antonien, Luzein, Fideris, Jenaz.

Vom Wort Feder im Namen Plaun dal Feder ist eingangs die Rede gewesen.

Medel hat einen Wald Lattas. Das deutsche Wort Latta ist als Lehnwort im Surselvischen eingebürgert. Im Waldnamen kann eine besondere Bedeutung des Wortes vorliegen, die nach dem Schweizerischen Idiotikon, Bd. 3, 1482, zum Beispiel in Obersaxen lebendig ist: « hochaufgeschossener, sehr dünner Baum mit wenig Ästen », oder Latta für das « Querholz an Verzäunungen »; der Name könnte einen Zaun, auch eine Grenze betreffen.

Entsprechungen zum Waldnamen Blau bietet das Schweizerische Idiotikon, Bd. 5, 243: Blau in Flur- und Siedlungsnamen, in Namen von Gewässern und von Bergen, zum Beispiel von bewaldeten. Auf Wald deuten denn auch mehrfach im Rätischen Namenbuch die Geländeangaben bei Namen mit blau. In Conters ist eine Bläwi Rüfi mit Wald, in Luzein gehört zur Blaurüfi ebenfalls ein Blaurüfiwald, in Maladers ist in der Blaua Rüfi eine Aufforstung, in der Bläui von Maienfeld sind Felsen und Wald.

Ein dritter Wald hat den Rodungsnamen Reäda.

Im Weidenamen Bless kann das deutsche Wort Blass, Bloss, Bless « Blässe, weisser Flecken oder Streifen » stecken, das das Schweizerische Idiotikon, Bd. 5, 149 f., behandelt: den Walsermundarten ist es sehr vertraut, zum Beispiel in Obersaxen in der Form Pless. In St. Antonien ist eine Weide Plassegga.

Nah verwandt damit ist vielleicht der Weidename Blasch; das Schweizerische Idiotikon, Bd. 5, 161, weist auf den im Wallis und in Graubünden häufigen Wandel von s zu seh hin. Vals hat eine Alpweide Bläscha. Möglich wäre auch Zusammenhang von Blasch mit Platsch, Platsch, Pleisch, was unter anderm einen platschenden Wasserschwall bezeichnet.

Urkundlich kommt 1520 ,die Hallten'vor.

In Muster ( Disentis ) kann der Flurname Matten zum Wort Matta « Matte » gehören oder zum Personennamen Matt ( Kurzform zu Mathias ).

Alp dils Buobs erinnert an Buobatanz in Tersnaus und St. Martin.

Protislein ( Wald ) entspricht vielleicht dem Davoser Namen in da breita Steina ( Weide ).

Die Alpweide Stocs teilt den Namen mit vielen andern, zum Beispiel in da Stegg in Obersaxen, Stock in Versam, Safien, Stocka in Vals, Avers. Baumstrünke haben die Namen veranlasst ( andernorts Berge ).

Der Feldweg Via dil Stoc hat mit irgendeinem .Stock'zu tun, vielleicht mit einem Strunk. Auch Stuck kann vorliegen, wie zum Beispiel in Avers, Hinterrhein, Vals.

Halba kann mit Halb « Seite » zu tun haben, wie etwa der Safier Hof Enthalb, das heisst « jenseits » ( des Flusses ), in Davos die Talseite Sunnihalb, das Seegelände Seewer Litzihalb.

Die Wiese Plaun de Heida, in der Nachbarschaft der Wiese Falingia, hat Gegenstücke in Walsergegenden, etwa im Prätigau: Heid in Klosters, in da Heidabüela in Conters, Heidegga in St. Antonien, Heid, Heidbühel, Heidwäldli in Seewis; in Obersaxen sind ein Heidabärg und Heidbiel.

Ausser einer Wiese Frust Winkelmés ist in Disentis ein Frust Lincarmés. ( rätoromanisch f rust heisst « Stück, Wiese, Acker ». ) In Sumvitg ( Somvix ) kommen unter anderm die Namen Loch, Hetla, Falla, Gruoba, Rossboden ( auch Drausboden ) vor.

Surfésti ( Wiese ) hat Gegenstücke im Namen Festi ( Anhöhe ) in Fanas oder im Namen Fästi ( Wiese ) in Jenaz, oder es kann Feissti « Fettwiese » sein.

Tresch ( Wiese ) ist kaum der im Maderanertal häufige Familienname Tresch, sondern wohl Trist « Heustock »: das Wort erscheint zum Beispiel in den Namen Tristbett in Safien und Valendas, Trischpöda in Tenna und im häufigen Tristel, Triststall.

Crist, Name einer Gadenstatt, ist vielleicht G'rist, G'rüst. In Klosters kommen Grüstboden, Grüstivald vor, in Luzein Grüsltobel, in Langwies Grüsti-wald, in Jennisberg als Waldname Grüsti.

Die Gadenstatt Rintgenbértg ( auch Lintgembérg ) kann das Berggut eines ,Ringg'gewesen sein.

Alp Glivers war, so versichert mir G. Gadola, eine Alp der ,Livers ', das heisst der Frien der Walser.

InTrun ( Truns ) kommen die Namen Bielti, Lochli, Velschalóch ( Wald ), Boden, Hetta, Schmalzetta ( also .Schmelzhütte* ) vor.

Der Colpldtz diente ursprünglich walserischen Köhlern, wie der Chol-platz in Vals, Tenna, Davos, Fideris, Seewis im Prätigau.

Steile Hänge heissen Halavdngs: in Obersaxen ist auch ein halbroma-nisierter Halawdng, in Avers ein ganz walserischer Häla Wang und ein Häl Wengli, ein solches auch in Versam und Safien, ein Hêl Wang ferner in Davos, Klosters und andernorts.

Mettahorns als Bergname ist wohl ein Mittaghorn wie in Sufers, Nufenen, Splügen, Hinterrhein und andernorts.

Die Alp weide Epli war vielleicht ein Älpli.

Rost erklärt sich vielleicht durch das Wort Rost im Sinne von « Rahmen für ein Wuhr, für eine Wildbachverbauung ».

Ranscha hat vielleicht mit dem Pflanzennamen Rams, Ramsa « Bären-lauch » zu tun. In Avers sind ein Dorf Ramsa, eine Bergwiese uf Ramsa und eine andere Ramsabärg.

Urkundlich erscheinen in Truns ,Rüti ', ,Alte Schmeltzen ', ,Bieren Tobell' .Granerà im buchly ', ,Krapffenberg'.Schiuss folgt. )

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