Bericht über die Arbeiten am Rhonegletscher 1884

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

Prof. Dr. L. Rütimeyer ( Section Basel ).

Von Nachdem in den Jahren 1882 und 1883 die großen Hauptaufgaben der Rhonegletscherunternehmung zum Abschluß gelangt waren, blieben für das Jahr 1884 nur die jährlichen Nachmessungen auszuführen.

Dem entsprechend nahm die diesjährige Campagne, an welcher sich außer dem Führer der Unternehmung, Herrn Ingenieur Held, noch Herr Topograph Ringier und sieben Gehülfen ( letztere meistens schon früher verwendete Leute aus Oberwald ) betheiligten, nur 17 Tage in Anspruch, vom 17. August bis 3. September, wovon in Folge günstiger Witterung der größte Theil zu Arbeiten im Freien benutzt werden konnte. Erst am Tag der Abreise trat Schneefall ein, der weitere Arbeit für einige Zeit würde verhindert haben.

Eingeleitet wurde diesmal die Campagne durch den Besuch seitens des Centralcomites des S.A.C. und des Gletschercollegiums, welches beschlossen hatte, statt der üblichen Sitzung im Frühjahr zum Zwecke der Besichtigung der Arbeiten eine Conferenz mit dem Centralcomite am Rhonegletscher selbst abzuhalten. Am Abend des 19. August trafen in Folge hievon im Hôtel Belvédère an der Furkastraße ein: Vom Centralcomite dessen Präsident, Herr Prof. E. Rambert, nebst den Herren Professor Cart, Dr. Cérésole und Em. Dutoit: vom Gletschercoüegium dessen Präsident, Herr Prof. Rütimeyer, nebst den Herren Prof. Hagen-bach-Bischoff und F. A. Forel. Die Herren Oberst Lochinann, Chef des eidgenössischen topographischen Bureau, und Coaz, eidgenössischer Forstinspector, hatten ihr Ausbleiben entschuldigen lassen.

Nach einer vorläufigen Besprechung am Abend des Ankunfttages, in welcher Herr Held über die letzten Arbeiten referirte und das Programm für die auf den folgenden Tag angesetzte Besichtigung der Arbeiten festgesetzt wurde, fand der 20. August bei günstiger Witterung vollauf Verwendung zur Begehung des Gletschers bis zu der Quote von 2850 m im Fim-gebiete. Aufbruch Morgens n Uhr, Rückkehr zum Hôtel Belvédère Abends 5 Uhr. Unter Leitung des Herrn Ingenieurs Held wurde das Revier der gelben und rothen Steinreihe auf dem obern Gletscher besucht, wobei die mitgeführten graphischen Arbeiten der Gesellschaft vorgelegt und von ihr besprochen wurden. Durchgehend wurde auch den physikalischen Erscheinungen und besonders der Gletscherstructur, so weit dies bei einem so kurzen Besuche möglich war, volle Aufmerksamkeit gewidmet. Im Firngebiet besichtigte man die zur Messung der Firnbewegungeu in den Jahren 1883 und 1884 gelegten Steine und eingesetzten Stangen. Auf der Rückkehr wurde der Gletscher zweimal in seiner Quere überschritten zum Besuch der Morainenbucht am rechtseitigen Ufer, sowie zur Besichtigung der für Ermittelung der Sommer-bewegungen angelegten Steinreihen und der zur Messung der Abschmelzung eingesetzten Pfähle.

Am 21. August, Vormittags von 7 bis 12 Uhr, fand dann im Hôtel Belvédère eine Sitzung statt, in welcher außer dem Programm der Feldarbeiten für 1884 vornehmlich die zum dereinstigen Abschluß der gesammten Unternehmung noch erforderlichen Aufgaben und dann namentlich die Frage der Publication erörtert wurde. In Bezug auf den ersten Punkt wurde allgemein die Erwartung ausgesprochen, daß auch über den Abschluß der Vermessungsarbeiten hinaus die dann mit keinerlei nennenswerthen Ausgaben mehr verknüpften jährlichen Controlirungen vom topographischen Bureau und vom Alpenclub soweit als nöthig fortgesetzt werden möchten. Die Frage der Publication gab zu weiteren Erörterungen Anlaß, welche erst in einer spätere, im Beisein der Herren Oberst Lochmann und Coaz am 21. November in Bern abgehaltenen neuen Conferenz zwischen Gletschercollegium und Centralcomite die Form eines von allen Seiten gebilligten Vorschlages zu Händen des S.A.C. ge- wannen, worüber hier nicht zu berichten ist.

Am Nachmittag desselben Tages begingen sodann die Mitglieder des Gletschercollegiums auf ihrer Heimreise, wiederum unter Begleitung der Herren Held und Ringier, noch den untern Theil des Gletschers unter- halb des Sturzes, sowie die gegenwärtige Gletscherzunge und das vom Gletscher verlassene und jetzt mit den künstlichen Morainenlinien der letzten Jahre besetzte Gletscher-Delta. Sie verließen den Rhonegletscher, wie dies das Centralcomite auch seinerseits ausgesprochen hatte, mit dem lebhaften Eindruck, daß die ganze Unternehmung — das Ergebniß so erheblicher Opfer und so vielfältiger Ausdauer von verschiedenen Seiten — unter der kräftigen und gewissenhaften Führung von Herrn Held eine Form gewonnen habe, die nicht nur innerhalb der vorausgesehenen Frist und Hülfsmittel einen ehrenvollen Abschluß, sondern auch den allerdings mit der Andauer der Beobachtungen steigenden wissenschaftlichen Gewinn in sichere Aussicht stelle.

Ergebnisse der Controlmessungen.

Nivellement der acht Querprofile.

Sämmtliche Querprofile zeigen eine Abnahme gegenüber den letztjährigen. Uebereinstimmend ist diese Abnahme am größten gegen die linken Ufer hin.

Von dem schwarzen Profil liegen nur noch 22 m auf Eis, einem Rest der Gletscherzunge, der durch Lage und durch Schuttbedeckung vor Wegschmelzen geschützt ist. Mittlere senkrechte Abnahme 0,822 m.

Grünes Profil, von ungefähr gleicher Ausdehnung wie im Vorjahr. Mittlere Abnahme 1,428 m. Größte Abnahme am linken Ufer, wo die Eisbewegung am langsamsten ist, 8 m. Gesammte Abnahme an dieser Stelle seit 1874 55 m, während sie am rechten Ufer, wo die Eisbewegung am stärksten ist, nur 37,7 m beträgt.

Gelbes Profil ( 1164 m auf Eis ). Mittlere Abtragung 0,578 » '.

Rothes Profil ( 1069 m auf Eis ). Mittlere Abtragung 0,422 m.

Unteres Thäliprofil, Firngebiet ( 674 m ). Mittlere Abtragung 0,900 m.

Unteres Grossfirnprofil ( 1453 m ). Mittlere Abtragung 1,646 m.

Oberes Thäliprofil ( 742 m ). Mittlere Abtragung 0,594 m.

Oberes Grossfirnprofil ( 2544 m ). Mittlere Abtragung 2,046 m.

Steinreihen and Firnsignale.

Die schwarze Steinreihe ist, wie schon im vorigen Bericht erwähnt wurde, vollständig gestrandet.

Grüne Reihe, 8 Steine noch auf Eis. Größte Jahresbewegung 10,6 m. Rechterseits beginnt die regelmäßige Function dieser Steinreihe ebenfalls zu erlöschen, da die Steine an der steilen Böschung des nun in den Bereich dieser Reihe gelangten Eisrandes in 's Gleiten kommen.

Gelbe Reihe, 22 Steine von ursprünglich 51 sind noch am Tage; die andern sind in den Eissturz gerathen oder in Spalten gestürzt. Größte Bewegung 100,7 m.

Rothe Reihe, 23 Steine von 53 am Tag. Größte Bewegung 116,2 m. Ein guter Theil der Reihe liegt in dem Spaltensystern des hier nun in Kreuz und Quer zerklüfteten Gletschers.

Firnsignale. Die Vorwärtsbewegung der noch auf-zufindenden Stangen betrug für das untere Thäliprofil 6— 26 m, für das untere Großfirnprofil 45—123™, für das obere Thäliprofil 7—9 m, für das obere Großfirnprofil 22—63 m.

Abschmelzen der Gletscherzunge.

In 370 Tagen sind 13,850 m2 Strandboden biosgelegt worden. Obschon auf einer kurzen Strecke, wo früher der Rhoneausfluß den Gletscher unterwölbt und eingeschnitten hatte, das Eis nunmehr vorgerückt ist, um seine Front der Eisbewegung entsprechend wieder regelmäßig zu formiren, so ist doch von einem Vorstoßen der Gletscherzunge kein Anzeichen zu notiren.

Specialbeobachtungen.

Zum Zweck der Controlirung der Soiiimerbeweguug wurden wie schon im letzten Jahr bei Beginn der Campagne im rothen und im gelben Profil je 5 Steine in 20 m Abstand gelegt und eingemessen, und am Tag der Abreise die Einmessung wiederholt. Ferner wurden zum Behuf der Abmessung des Abschinelzens im Frühjahr 1884, sobald es die Schneeschmelze erlaubte, durch einen intelligenten Gehülfen von Oberwald je 3 Stangen von 3Länge im grünen, gelben und rothen Profil, und noch längere im Firngebiet eingesetzt und eingemessen und im August, sowie wieder im Spätherbst durch denselben Mann eontrolirt. Aus dem Berichte des Herrn Held über die Ergebnisse dieser Versuche scheinen einstweilen noch keine sichern Schlüsse abgeleitet werden zu können.

Das Inventar der Unternehmung ist durch ein Geschenk von Herrn Ingenieur Gösset, bestehend in einer ansehnlichen Sammlung von Photographien verschiedener Gletscher aus verschiedenen Zeiten, vermehrt worden. Die Rechnung stellt sich, obwohl sie auf Ende Januar 1885 mit einem Passivsaldo von Fr. 389 schließt, dem indeß ein Guthaben von etwa Fr. 750 an noch nicht verkauften Photographien entgegensteht, günstiger als sie büdgetirt war, und voraussichtlich wird auch dieser momentane Passivsaldo im letzten Vertragsjahr 1885 getilgt werden.

Anm. Da dieser Bericht infolge unvorhergesehener Umstände sehr spät eingesendet werden konnte, so mußte derselbe statt neben Prof. Forel's „ Variations périodiques " am Schlüsse der Abhandlungen eingereiht werden. D. Red.

IV. Kleinere Mittheilungen.

Feedback