Bericht über die Vermessungsarbeiten am Rhonegletscher im Jahre 1885

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J. Coaz ( Section Bern ), Mitglied des Gletscher-Colleginms.

Bericht über die Vermessungsarbeiten am Rhonegletscher im Jahre 1885 Von Die Vermessungsarbeiten am Rhonegletscher wurden im Jahr 1885, als der X. Campagne, nach dem vom Gletscher-Collegium in seiner Sitzung vom 26. Mai 1885 genehmigten Programm, unter Anschluß einer neuen, größeren Einmessung, gleich wie im Vorjahr fortgesetzt. Dem Leiter der Vermessungen, Herrn Ingenieur L. Held, wurde wieder Herr A. Ringier, Topograph, als Mitarbeiter beigegeben und als Gehülfen 5 Männer von Oberwald verwendet.

Die Arbeiten wurden vom 18. Aug. bis 1. Sept ., somit während 15 Tagen, bei fast anhaltendem Nordwind und unterbrochen von Schneegestöber und Regen ausgeführt. Gletscher und Firn wurden seit 1881 nie mehr so schneefrei wie letztes Jahr gefunden; auf dem Gletscher, soweit er regelmäßig jährlich aper wird, zeigte sich in der Spaltenbildung nichts Ungewöhnliches, wogegen im Firngebiet zahlreiche neue Spalten zu Tage getreten sind.

J. Coaz.

Ergebnisse der Controlmessungen.

i. Nivellement der Querprofile.

Von den acht Profilen liegen sieben noch auf dem Gletscher und zeigen wieder eine mittlere Abnahme gegenüber dem Stande des Vorjahres, womit ungefähr der Stand von 1882 wieder erreicht ist, d.h. die Abnahme der letzten zwei Jahre hebt die Zunahme des Jahres 1882 83 wieder auf. Eine Ausnahme bildet das tiefliegende grüne Profil, welches im Mittel um 4°'tiefer steht als 1882.

Das achte ( unterste ), schwarze Profil läuft nicht mehr über Eis.

Die Längen der Profile in den Jahren 1884 und 1885 und ferner die Abnahme der Eis- und Firnmassen im Profil und nach durchschnittlicher und Maximalhöhe sind aus folgender Zusammenstellung ersiehtlich:

Das untere Thäliprofil durchschnitt 1884 nur 1 Spalten, 1885 deren 12; das untere Großfirnprofil 10 im Jahr 1884 und 21 1885 und endlich das obere Großfirnprofil 14 im Jahr 1884 und 29 im letzten .lahr.

Die sehr starke Abschmelzung im Ober-Thäliprofil rührt ohne Zweifel von der bedeutenden Wärme-austrahlung der Felsen her.

Am absolut höchsten Punkt des grünen Profils ( 280 m vom linken und 180 m vom rechten Ufer entfernt ) beträgt die Abnahme nur 0,5 m. Daraus ergibt sich gegenüber den früheren Profillinien eine Ausbauchung im größten Stromstrich. Die Messungen an den Abschmelzstangen des gleichen grünen Profils zeigen beinahe gleich große Abschmelzung ( S. 395 ).

L2. Einmessung der Steinreihen und der Firnsignale.

Schwarze Steinreihe. Ist schon seit 1884 ganz gestrandet.

Grüne Steinreihe. Diese ist seit 1880 durch den Einschnitt der Rhone in zwei Hälften getheilt; 1885 sind sämmtliche Steine der rechten Seite gestrandet.

Bei der Einmessung am 1. September 1884 oder 361 Tage vor derjenigen vom 28. August 1885 wurden 8 Nummernsteine auf dem Eise gefunden, von welchen seither 2 Steine gestrandet sind. Die größte Bewegung betrug 8 m. Die Art und Größe der Eisbewegung ist an den vorhandenen Steinen nicht mit großer Zuverlässigkeit zu constatiren, indem die Steinreihe größtentheils in einer Kehle liegt, durch welche viel Schmelzwasser abläuft, das einzelne Steine mitreißt.

Durch diese Kehle geht auch der größte Verkehr der den Gletscher besuchenden Fremden, welche die grün angestrichenen Steine, in Unkenntniß ihres Zweckes^ aufheben und dann wieder wegwerfen.

Gelbe Steinreihe. Am 29. August 1884 wurden 22 sichtbare Nummernsteine ( 43 °/o ) eingemessen, im August 1885 39 Steine, 84 °/o der 1874 gelegten 51 Nummern. Neu aufgefunden wurden 20 Nummern, wovon 14 Nummern unter dem Sturz eingemessen. Nicht eingemessen werden konnten 3 Nummern, die in Spalten gefallen oder in den Gletschersturz gerathen waren. Die Gesammtlänge der anfänglich 996 ro messenden Reihe belief sich zur Zeit der Einmessungen auf 3414 ".

Seit dem Jahre 1879, als die Keihe noch weit ob dem Sturze lag, wurden nie mehr so viele Steine aufgefunden, wie dies Jahr. Dies Verhältniß wird sich in Zukunft noch besser gestalten, weil die Reihe immer mehr gegen die spaltenärmeren Ufer rückt.

Zeichnet man in den Plan der gelben Reihen den Weg ein, welchen die Nummernsteine über den Sturz hinunter mit Wahrscheinlichkeit zurückgelegt haben, so ergibt sich für die letzten vier Jahre eine durchschnittliche Jahresbewegung von 179™ im Minimum und 210 m im Maximum.

Der großen Regelmäßigkeit der Steinbewegung-entspricht notwendigerweise eine solche der Eismassen. Das Einstürzen der Eiswände hat die Steine nicht so sehr zerstreut, wie man dies glaubte annehmen zu müssen, wohl deßhalb nicht, weil die »Steine schon ob dem Sturze in tiefen Spalten lagen.

Wir können nun mit Sicherheit sagen: das Eis bewegt sich in dem mittleren 300 m breiten Stromstrich ( Ge-sammtbreite 500 m ) in 4 Jahren über den 800 m langen Eissturz.

Rothe Steinreihe. Am 22. August 1884 wurden 23 Nummernsteine ( 43 °/o der Gesammtzahl von 53 ), 1885 deren 34 eingemessen; 7 Steine liegen unter Schnee, 12 in Spalten. Die anfänglich 1035 m lange Reihe hat sich bis auf 2637 m ausgedehnt.

Zum ersten Male seit 1874 konnten am rechten Ufer einzelne Steine, die früher immer unter Schnee lagen, eingemessen und damit die Curve abgeschlossen werden.

Die größte eingemessene Bewegung beträgt 105 m. Gefäll und Bewegung der Eisoberfläche sind im größten Stromstrich seit 1881 stätig kleiner geworden. Im Jahr 1886 wird die Spitze der rothen Reihe in das Gebiet der gelben gelangen.

Bewegung der Firnstangen 1884/85.

Von den 16 1883 zur Messung der Bewegung und Abschmelzung im Firngebiet errichteten Firnstangen ist 1884185 eine verloren gegangen, so daß jetzt im Ganzen 4 Stangen außer Beobachtung fallen. Die Erhaltung der Stangen ist eine sehr schwierige Aufgabe und verlangt mehrmalige Untersuchungen und Richtig-stellungen der Stangen im Laufe des Jahres.

Mit Ausnahme einer einzigen Stange ( VI des untern Großfirns ) weisen sämmtliche Signale eine kleine Verminderung der Bewegung gegenüber dem Vorjahre auf. Die größte Bewegung zeigt Signal V und VI im untern Großfirn mit 86 m, die geringste beträgt 2,1 m, nur 45 m vom linken Ufer entfernt.

3. Messimg der Sommerbewegung im Vergleich zur Jaliresbeivegung im gelben und rothen Profil.

In gleicher Weise wie in den Vorjahren wurde wieder im größten Stromstrich des rothen und gelben Profils die Eisbewegung während der zweiten Hälfte August gemessen, um sie mit der Jahresbewegung: vergleichen zu können.

Im gelben Profil ergaben die Messungen der Bewegung in 15,2 Tagen ( 18. August bis 2. September 1884 ) von 3,83™ bis 4,14™. Bis zum 19. August hatten die Steine 103,6™ bis 106,3 m zurückgelegt.

In 14,8 Tagen erzeigte sich im rothen Profil eine Bewegung von 3,54 m bis zu 3,73 m, und bis zum 18. August 1885 96,8™ bis 98,6 m.

Es ergibt sich durch Berechnung wieder, wie letztes Jahr, daß die mittlere tägliche Bewegung der zweiten Hälfte August kleiner ist, als die mittlere tägliche Bewegung des ganzen Jahres.

Ferner zeigt sich auch hier, wie bei den Firn-stangen, daß die Jahresbewegung 1884/85 kleiner ist, als die Jahresbewegung von 1883/84, und zwar durchschnittlich um 6,5 m, und ferner eine sehr gleichmäßige.

In Ausführung des Beschlusses der Conferenz vom " 26. Mai 1885 sind nun im rothen, gelben und grünen Profil, in je 40 m Abstand, nummerirte Steine gelegt worden, um an denselben die Jahresbewegungen'der ganzen Gletscherbreite vergleichen zu können. An den beiden obern Profilen ist auch eine 12tägige Sommer-bewegung beobachtet worden.

4. Gletscherzunge.

Seit 1874 war die Fläche des vom Gletscher in einem Jahre bloßgelegten Bodens nie so klein und die neu übergletscherte Fläche nie so groß, wie dies Jahr.

Es wurden 1884 85, während 362 Tagen, 7,325ln2 Strandboden bloßgelegt und vom Gletscher 1,650 m2 überdeckt, somit 5,675 mi mehr bloßgelegt als überdeckt.

Die gleichen Factoren, welche bewirkten, daß die Fläche des 1884/85 bloßgelegten Bodens so klein war, können so mächtig werden, daß schon nächstes Jahr der Vorstoß der Eismassen das Abschmelzen überwiegt. Der Gletscherrand böscht sich immer steiler ab.

ö. Messung der Abschmelzung von Eis und Firn.

Diese Messungen, welche den Zweck haben, das absolute Maß des weggeschmolzenen Eises und Firns zu bestimmen, wurden, wie letztes Jahr, theils an den Firnstangen, theils an besonders zu diesem Zwecke in das Eis versenkten Stangen von 3'Länge vorgenommen.

Die Hauptresultate sind folgende:

Abschmelzung.

1Grünes Profilin 110 Tagen 7,81 bis 8,19 m 2Gelbes ,,70 „ 3,58 „ 4,35342 10 m 3Kothesl1„ 46 „ 2,10 „ 2,62 » Abschinelzung.

Ar ) Unter-Thäliprotil in 859 Tagen 2,20 bis 2,62 "'5 )., Großfirnprotil., 350 „ 0,20 „ 3,05™ ( j ) Ober-Thäliprofil., 358,, 1,00 „ 2,40™ 7Großfirnprofil „ 361 „ 0,08 „ 0,60™ Die außerordentliche Abnahme im untern Großfirnprofil rührt sehr wahrscheinlich von dem Einsturz des dort sehr zerklüfteten Firns her, und das obere Thäli ist von hohen Felsen halbkreisförmig umschlossen und nur gegen Süden offen. Noch muß. bemerkt werden, daß das Zu- oder Wegwehen von Schnee störend auf einen regelmäßigen Gang des Abschmelzens einwirkte.

6. Messung der Eisbewegung im Innern des Gletschers.

Die im Jahre 1882 im rothen Profil 16,7 m tief versenkten Gegenstände sind noch nicht an die Gletscheroberfläche getreten, hingegen konnten die an zwei Orten des gelben Profils versenkten Gegenstände 1885 an der Oberfläche eingemessen werden. Sie haben ihre Entfernungen unter einander und von den Begleitsteinen so ziemlich beibehalten. Die Abschmelzung von 12 m in drei Jahren entspricht den bisher beobachteten Abschmelzungen beim gelben Profil.

Die Eisbewegung bis in eine gewisse Tiefe des Gletschers ist hier jedenfalls gleich derjenigen an der Oberfläche. Dies Verhältniß wird sich da ändern, wo der Eisstrom die obere Kante des Sturzes überschreitet.

In der Gletscherzunge wird jährlich von Specu- lanten ein schachtartiger Gang in das Eis ausgehauen und den Besuchern des Gletschers gezeigt. Derjenige des Jahres 1885 wurde im Monat Juni und zwar nicht in einer geraden Linie, sondern mit zwei scharfen Wendungen ausgehauen und hatte eine Sohlen-breite von 1™, eine Höhe von 2 m und war 72 m lang. Am 29. August, also nach ungefähr zwei Monaten, zeigten sich die Wände derjenigen Gangstrecken, welche nicht in der Richtung der Gletscherbewegung verliefen, mehr oder weniger geneigt. Es entspricht dies der früher schon gemachten Beobachtung, daß die Bewegung der Gletscher sich von ihrer Oberfläche nach dem Grunde hin verlangsame. Nahe am Grunde der Gletscher scheint diese Differenz in der Bewegung schon bei geringen Höheunterschieden merklich zu sein.

Um bei allfälligem Wiederanwachsen des Gletschers die abschleifende Wirkung desselben an den Felsen messen zu können, wurden 1 ) die Tiefen der Versicherungszeichen mehrerer trigonometrischer Signale gemessen; 2 ) beim Gletschersturze zwei Bohrlöcher in den Fels geschlagen. In das obere der letztern wurde ein thalergroßes Stück Blech mit dem eingeprägten Datum gelegt und beide Löcher sodann mit Blei ausgegossen.

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