Besuch in der höchstgelegenen Käserei der Welt

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An einem strahlenden Oktobertag 1957 stand ich auf dem Gangja La, dem vergletscherten Pass, welcher von Kathmandu her in das Langtrangtal führt ( Abb. 1, Karte ). Nach Norden erblickt man Dutzende von prachtvollen, unbestiegenen Sechs- und Siebentausendern, gekrönt von der Shisha Pangma, 8013 m ( Abb. 2 ). Tief unten, inmitten ausgedehnter Weiden, liegt das buddhistische Kloster Gyaltshan Gömpa und ganz nahe dabei das festgefügte Steinhaus der Käserei von Langtrang ( Abb. 3 ). Ein Abstieg von 2000 m trennt mich aber vorerst noch vom Talgrund. Meine 10 nepalischen Träger sind schon im Abstieg begriffen. Das oberste Felswändchen über dem Gletscher macht ihnen zu schaffen. Mit einem letzten Blick nach Süden nehme ich Abschied vom nepalischen Mittelland. Himmelhohe, gewitterschwangere Kumuluswolken steigen aus dem Tiefland auf, aufgetrieben von der immer noch sehr starken Insolation; die letzten Zuckungen des Monsuns. Im Langtrangtal herrscht eine ganz andere Atmosphäre: Der Übergang zum ariden Klima des Tibetischen Plateaus. Selbst während der Regenzeit fällt der Niederschlag hier meist nur noch in Form eines feinen Sprühregens.

Die Beschränkung der Niederschläge auf Juni-September bringt es mit sich, dass der « Bergfrühling » hier oben im Oktober anzutreffen ist. Nach Monaten trüben Wetters bricht die Sonne endlich wieder durch und treibt ganze Blumenteppiche von Edelweiss, Enzianen und Knaben-kräutern aus dem noch feuchten Boden.

Vieles hat sich geändert hier seit 1952, da ich zum erstenmal im Langtrang weilte. Neben dem schmucken Gebäude der Käserei winken mir einige Bauern und der nepalische Käser Sahila - alles alte Bekannte - freundlich zu. Man hat nicht mehr das Gefühl, in die Wildnis zu kommen wie vor wenigen Jahren. « Dubak Sahb » ( der Schweizer Käser Josef Dubach ) sei auf die Jagd gegangen, erklärt man mir. Als passionierter Jäger will er mich offenbar mit einem besonderen Jagdschmaus überraschen. Seine bisherige Beute ist beachtlich: 2 Bären, 3 Wildschweine, ein Dutzend Gemsen und zahllose Rebhühner. Mit der Beseitigung der Wildschweine hat er der Bevölkerung von Langtrang einen grossen Dienst erwiesen. Sie hausten verheerend in den Kartoffeläckern, und die einheimische Bevölkerung vermochte ihnen ohne Feuerwaffen nicht beizukommen Das Volk gibt seinem Hass Ausdruck, indem es die erlegten Wildschweine beschimpft und bespuckt!

Meine erste Expedition ins Langtrang 1952 galt der geologischen Erforschung und der Erkundung. Schon vor mir hatte der bekannte englische Himalayaforscher Tilman dieses Gebiet besucht, auf der Suche nach der Shisha Pangma, 8013 m, dem letzten damals noch unbekannten Achttausender. Tilman fand heraus, dass das Langtrangtal seinen Ursprung viel weiter nördlich nimmt, als auf der topographischen Karte des « Survey of India » angegeben ist. Die Shisha Pangma fand er jedoch nicht. Es war dann mir vergönnt gewesen, von Südwesten her bis an den Fuss dieses gewaltigen Gebirgsmassives zu gelangen, und die erste Kartenskizze dieses Gebietes aufzunehmen '. Peter Aufschnaiter hatte schon einige Jahre früher die tibetische Seite erforscht und kartiert. 1954 weilte er auch im Langtrang, und präzisierte die Kartierung und insbesondere die Namengebung.

Die von ihm beigegebene Karte ( Abb. 1 ) stellt das Resultat all der Erkundungsfahrten dar. Berg-steigerbesuch erhielt das Langtrangtal im Jahre 1954 durch Raymond Lambert. Nach einem vergeblichen Versuch auf den sehr schwierigen Hauptgipfel Gangchhen Ledrub ( 23 771 feet, 7245 m ) gelang ihm die Besteigung des « Dome Blanc » ( 22 410 feet, 6830 m ).

Alle die genannten Erkundungen, Forschungen und Besteigungen fallen aber nicht ins Gewicht, verglichen mit der Bedeutung, welche mit dem Namen Langtrang für die Entwicklung von Nepal verbunden ist. Von meiner ersten Expedition 1952 nach Kathmandu zurückgekehrt, traf ich den Schweizer Molkereifachmann Werner Schulthess, der soeben von der Landwirtschaftsorganisation der UNO nach Nepal gesandt worden war, um Wege zu finden, die nepalische Milchwirtschaft zu verbessern. Ich erzählte ihm von den grossen, saftigen Weiden im Langtrangtal und von den grossen Yak- und Tsauriherden, welche ich dort oben angetroffen hatte. Das Langtrangtal liegt zudem verkehrstechnisch ausserordentlich günstig für nepalische Verhältnisse, nämlich « nur » 8 Tage Fussmarsch von der Hauptstadt entfernt! In Nepal fehlen Strassen ausserhalb der Hauptstadt vollständig, und auch die Wege sind zu schlecht und gefährlich, als dass selbst Saumtiere benutzt werden könnten. Grössere Distanzen werden demzufolge ausschliesslich per « Tage Fussmarsch » gemessen.

Im nächsten Sommer machte sich Werner Schulthess auf den Weg ins Langtrang. Er brauchte nicht lange, um sich selbst zu überzeugen, dass das Langtrangtal geeignet sei für einen ersten Versuch der Käseherstellung. Gleich zu Beginn stellten sich aber die für Nepal üblichen Schwierigkeiten und Hindernisse in den Weg. Zuerst einmal war es durchaus nicht leicht, von den Bergbauern die Yakmilch zu erhalten. Bei seinen Versuchen stiess er geradewegs auf das zentrale Problem der landwirtschaftlichen Entwicklung so vieler asiatischer Länder, nämlich auf die Verschuldung der Kleinbauern.

Die Geschichte dieser Schuld beginnt oft mit der Heirat. Eine nepalische Hochzeit, wie auch in andern Ländern, ist eine Prestigefrage. Man lässt sich das Hochzeitsfest deshalb etwas kosten. Bargeld ist aber ein extremer Mangelartikel bei nepalischen Bergbauern. Wohl hat der nepalische Kleinbauer als Selbstversorger meist genug zu essen, und auch die nötige Kleidung verfertigt er -namentlich in höheren Lagen - noch weitgehend selbst. Der Export landwirtschaftlicher Produkte verschafft ihm ein bescheidenes zusätzliches Einkommen. Die Exportmenge ist aber infolge der langen Marschwege bis zu den Märkten an der indischen oder tibetischen Grenze gering ( oft bis zu drei Wochen Fussmarsch nur Hinweg ), da der nepalische Bauer seine eigene Verpflegung für den wochenlangen Fussmarsch von zu Hause mitbringen muss. Der grösste Teil des Exporterlöses wird zudem in Salz umgesetzt, das dann auf dem ebensolangen Rückmarsch von den einzelnen Bauern in ihre Heimstätten getragen werden muss. Es besteht kein organisierter Handel in Nepal ausserhalb der Hauptstadt, weil eben die Wegverhältnisse dazu zu schlecht sind. Jeder Haushalt muss selbst für den Salznachschub sorgen. Als Folge davon sind nach meinen eigenen statistischen Erhebungen auf sämtlichen Hauptrouten jährlich mindestens 25% der gesamten Bevölkerung von 8,4 Millionen zwischen 1 und 2 Monaten unterwegs, um ihre Produkte auf den Markt zu bringen und dafür Salz zu erhalten. Der durchschnittliche Barerlös eines nepalischen Bauern beträgt zwischen 30 und 50 Franken pro Jahr.

Es ist klar, dass mit diesem bescheidenen Einkommen ein Hochzeitsfest, zu welchem das halbe Dorf eingeladen werden soll, nicht finanziert werden kann. Der Bräutigam nimmt deshalb bei einem der über das ganze Land verstreuten Geldverleiher eine Anleihe auf, deren Betrag 150 sFr. kaum übersteigt. Er hat dafür dem Geldverleiher einen Zins bis zu 35% zu zahlen und ausserdem die Bedingung einzugehen, seine landwirtschaftlichen Produkte ausschliesslich dem Geldverleiher zu verkaufen, und zwar zu einem Preise, den dieser dem armen Bauern von Fall zu Fall diktiert. Als Folge davon hat ein verschuldeter Bauer nicht die geringste Chance, je wieder frei zu werden, sondern bleibt sein Leben lang in der Schuldknechtschaft des Geldverleihers. Wie eng der Griff dieser Geldverleiher ist, musste ich selbst mehrmals erfahren, als ich nach längeren Expeditionen und ausgehungert nach Früchten, wieder im Tiefland den endlosen Kolonnen nepalischer Bauern mit schweren Lasten der köstlichsten Orangen begegnete. Um keinen Preis konnte ich sie dazu bewegen, mir etwas zu verkaufen. « Contracter » ( Geldverleiher ), erklärten sie immer nur achselzuckend.

Selbstverständlich waren die Geldverleiher überall die erklärten Feinde von Werner Schulthess. Der einzige Weg für ihn, die Bauern auf seine Seite zu bringen, war der des Angebots eines bedeutend bessern Milchpreises. Als aber Werner Schulthess den besseren Milchpreis offerierte, wusste er noch keineswegs, ob ihm die Herstellung eines hochwertigen Käses aus der Yakmilch überhaupt gelingen würde. Es war immerhin das erste derartige Experiment.

Yakmilch ist besonders fettreich, nämlich mit einem Durchschnitt von 6-8% bedeutend höher als der schweizerische Standard von rund 5%. Dagegen ist aber der Anfall pro Stück Vieh mit höchstens 2 Litern sehr gering. Zweifellos könnte durch zweckmässige Züchtung und bessere Fütterung der Ertrag bedeutend gesteigert werden.

Die Schwierigkeiten waren vielgestaltig: Sabotage der Geldverleiher, Obstruktion eines lokalen Gouverneurs, der unter einer Decke mit den Geldverleihern steckte ( welche einmal sogar bis zur Verhaftung der Mitarbeiter von Schulthess führte ), Verschmutzung der Milch, und nicht zuletzt die schwierigen klimatischen Verhältnisse infolge der Höhenlage. Mit allem wurde man schliesslich fertig. Den Fall des korrupten Gouverneurs brachte der Verfasser durch einflussreiche Freunde direkt vor den König. Werner Schulthess erbrachte den Beweis, dass man aus Yakmilch einen erstklassigen Käse herstellen kann. Den Kampf gegen die Verschmutzung führte er erfolgreich durch gestaffelte Milchpreise ( Abb. 5 ). Durch persönliches Vorbild und praktisches Handanlegen überall, wo es not tat, gewann er die Bevölkerung für sich. Als z.B. der schwere Firstbalken für die höchstgelegene Käserei von Tsergo auf 4800 m getragen werden sollte, weigerten sich die nepalischen Träger. Werner Schulthess schuf sich einen legendären Ruf, als er die Nepali Schwächlinge schimpfte, und den Balken kurzerhand selbst auf seine Schultern nahm.

Nach zwei « Käsesommern » wandte Werner Schulthess sich neuen Aufgaben in Nepal zu. Das Schweizer Ehepaar Ernst und Hanny Siegenthaler - ebenfalls im Auftrage der FAO - mit ihrem zweijährigen Söhnchen Peter setzte die Pionierarbeit im einsamen Hochtal fort, konsolidierte das bisher Geschaffene und gewann neue wertvolle Erfahrungen für den Ausbau. Nach weiteren zwei Jahren waren die ersten Schwierigkeiten so weit überwunden, dass die Anwesenheit eines hoch-schuldiplomierten Fachmannes nicht mehr nötig schien. Das Schweizerische Hilfswerk für aussereuropäische Gebiete sandte auf eigene Rechnung den Käser Josef Dubach. Im gleichen Pioniergeist führt er nun die Arbeit weiter.

So sitze ich nun mit Josef Dubach am Lagerfeuer vor der Käserei. Die Abendsonne taucht die umliegenden Gipfel in tiefes Rot. Von den Weiden tönen die Glocken der Yakherden. Der Talgrund versinkt allmählich in kristallklarem, tiefem Stahlblau. Man könnte sich in ein Alpental versetzt denken. Fremdartig muten nur die lustig flatternden Gebetsfahnen der nahen Gömpa ( Kloster ) und die rot gekleideten Lamas an unserm Lagerfeuer an. Das Fremdartige bezieht sich aber auch hier nur auf die Kleidung und vielleicht noch auf das buddhistische Rosenkranz-gemurmel, jedoch gar nicht auf die Menschen. So vertraut sind einem die freundlichen tibetischen Typen. Ich frage Josef Dubach, ob er nie Heimweh hätte. Er weilt nun schon seit fünf Monaten in der Einsamkeit hier oben. « Oh nein », sagt er treuherzig, « nur gerade heute ein wenig », weil nämlich heute Chilbi sei in seinem Heimatdorf Reiden. Während andere Experten der technischen Hilfe oft kaum aus der Nestwärme der Hauptstadt Kathmandu herauszubewegen sind, bringt man Josef Dubach kaum aus seinem Langtrangtal herunter. Das Stöhnen des schwerkranken nepalischen Käsereigehilfen Tsakali aus dem nahen Haus versetzt uns dann allerdings rasch wieder in die Wirklichkeit. Dubach wird sehr ernst und sagt, alle Medikamente seien aufgebraucht, da er auch die ganze Talschaft « verarzten » müsse. Dies erstaunt mich gar nicht, weiss ich doch aus meiner eigenen achtjährigen Erfahrung, dass jeder Weisse in Nepal als ein « Doktor Sahb » betrachtet wird und um Hilfe angegangen wird. Ich weiss aber auch aus meiner Erfahrung, dass die Berichte von den « gesunden » Naturvölkern ins Reich der Märchen zu verweisen sind. Schätzungsweise 20% der Bevölkerung sind stets irgendwie krank. Treten in Nepal doch fast alle bekannten Seuchen auf wie Pocken, Tuberkulose,Typhus, Cholera, Lepra, Malaria, Ruhr, Syphilis, infektiöse Gelbsucht usw.

Ich helfe aus meinem eigenen Vorrat an Medikamenten so gut als möglich aus, doch muss ich selbst etwas zurückhaltend sein, da ich mich erst am Anfang einer sechsmonatigen Expedition in den Himalaya befinde ( Abb 7 ) Immerhin gelingt es mir, Tsakali mit einer gehörigen Dosis Terra-mycin zu retten. Ich denke mit einem bitteren Gefühl an die zahlreichen Bergsteigerexpeditionen, welche mit Gratismedikamenten geradezu überflutet werden, und an die Medizinkisten, welche auf Gletschern ruhen, nur zur Ersparung des Rücktransportes nach Kathmandu, und sehe gleichzeitig den jungen Käser Josef Dubach vor mir, der in Kathmandu aus eigener Tasche Medikamente kauft, um der armen Bevölkerung seines Langtrangtales zu helfen.

Dubach erzählt mir dann leuchtenden Auges vom Erfolg seiner Arbeit. Im Jahre 1956 wurden total 1250 kg feinsten Käses hergestellt ( eine Art Gruyère sowie Rahmtilsiter ). 1957 erreichte die Produktion 1400 kg Käse plus 500 kg völlig wasserfreie Butter. Dabei war das Jahr 1957 nicht von besonderem Glück gesegnet, weil der aus der Schweiz gelieferte Starter zum Teil versagte. Dubach rechnet mit einer Produktion von mindestens 2500 kg in einer normalen Saison ( Juni bis Oktober ).

Die Produktionskosten pro Kilogramm Käse beliefen sich im Sommer 1957 auf rund sFr.2.50 In diesem Betrag sind die Löhne für 10 Verbindungsleute und Träger, einen nepalischen Käser, Salzkauf, Transport von 8 Tagen Fussmarsch nach Kathmandu sowie ein Milchpreis von 40 Rappen inbegriffen. Der Verkaufspreis in Kathmandu erreichte Fr. 5-7 pro kg Käse oder Butter. Im Export nach Indien kann noch ein wesentlich höherer Betrag gelöst werden, denn seit den indischen Importrestriktionen gegenüber Europa und Neuseeland besitzt Nepal praktisch das Käsemonopol in Indien.

Durch den guten Milchpreis von 40 Rappen pro Liter ( gegenüber 18 Rappen von den lokalen Geldverleihern ) werden die Bergbauern schlagartig besser gestellt. Etliche konnten sogar ihre Schuld abbezahlen und sind so zu wirklich freien Männern geworden.

Die « Konkurrenz » ist zwar noch immer tätig in Langtrang. Es ist eine Gruppe von Bauern, welche lokalen Lamas und Geldverleihern zu stark verschrieben ist. Diese betreiben einen schwunghaften Handel mit tibetischen Klöstern. Durch schmutzige Kübel produziert man eine ArtYoghurt und daraus eine ranzige Butter. Diese wird absichtlich mit Dreck und Wasser angereichert, um das Gewicht zu steigern. Die Butter, nach Tibet exportiert, speist in den Klöstern und Tempeln die zahllosen Opferlampen.

Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg: Während Werner Schulthess für die erste Käserei noch eigene Geldmittel investieren musste, hat der Erfolg jetzt ein wenig die Türen geöffnet für den Ausbau der Milchwirtschaft in Nepal. Eine ausserordentlich zweckmässige Zusammenarbeit zwischen internationalen Organisationen ( UNO und Colombo-Plan ), Nepal und der Schweiz hat sich ent- wickelt. Die FAO ( Landwirtschaftsorganisation der UNO ) stellt in Werner Schulthess weiterhin den « spiritus rector », Neuseeland gibt durch den Colombo-Plan Geldmittel für die Beschaffung von Einrichtungen und Maschinerien, die Regierung von Nepal zahlt lokale Arbeitskräfte für Bauten, und das Schweizerische Hilfswerk für Aussereuropäische Gebiete sendet Molkereifach-leute und Handwerker. Durch diese fruchtbare Zusammenarbeit ist es möglich geworden, in Kathmandu eine grosse Zentralmolkerei mit Kühlanlagen zu erstellen und weitere drei Milchsammel-stellen und Käsereien auf dem Lande einzurichten. Basierend auf den Erfahrungen von Langtrang war der jüngst in Thodung erstellten Käserei von Anfang an ein grosser Erfolg beschieden.

Die Mitarbeit der Schweiz an dieser sogenannten « technischen Hilfe an unterentwickelte Länder » ist ein zwar bescheidener, aber doch wirksamer Beitrag zum weltweiten Kampf gegen Knechtschaft und Elend, wie er von den SpezialOrganisationen der UNO und zahlreichen Einzelstaaten, vor allem der USA, geleistet wird.

Die Dankbarkeit des Volkes von Langtrang kommt jeweilen in einer Art « Erntedankfest » am Schluss der Saison zum Ausdruck. Ich hatte es so eingerichtet, dass ich bei dem diesjährigen Fest anwesend sein konnte ( Abb. 9 ). Nach zweistündigem Marsch über üppig blühende Matten erreichen Josef Dubach und ich das Dorf Langtrang, 3600 m. Es liegt direkt unter den Hängegletschern der Nordwand des über 7000 m hohen Gangchhen Ledrub. Mit seinen Chalets und steinbeschwerten Schindeldächern erinnert es sehr an Dörfer des Berner Oberlandes. Die Bevölkerung ist rein tibetisch und widmet sich der Landwirtschaft und dem Butterexport nach Tibet. Der für die Hochtäler sonst übliche Salzhandel zwischen Tibet und Nepal fehlt hier vollständig, da Langtrang nicht an einer Hauptroute liegt, sondern in einem Tal ohne Ausgang nach Norden. Auch die Verbindung nach Süden erfolgt über die hohen Pässe des Gangja La und des Gosainkund, welche nur während der Sommerzeit geöffnet sind. Der Talweg führt durch das fieber-verseuchte Trisulital und ist mühsam und beschwerlich.

Josef Dubach scheint Erfolg zu haben bei den Dorfschönen. Aus allen Häusern rufen und winken sie ihm neckisch zu. Er fällt aber auch auf mit seinen blonden Haaren und dem langen, schmalen, roten Bart.

Zuerst besuchen wir den Rinchen Lama in seinem stattlichen Hause, das geschützt unter einem Felsüberhang über dem Dorf thront. Der Rinchen Lama ist das Dorfoberhaupt und der Freund Dubachs ( Abb. 8 ).

Die Frau des Rinchen Lamas blickt zuerst mich an, dann ruhen ihre Augen wohlgefällig auf Josef Dubach. Nach einigen vergleichenden Blicken meint sie schliesslich, Dubach sei schöner als ich. Sein roter Bart gefalle ihr besser als meine Stoppeln, und ich sei ihr auch zu dickIch war erst vor zehn Tagen nach sechsmonatigem Aufenthalt in der Schweiz nach Nepal zurückgekehrt. ) Unterdessen hat sich das Langtrangvolk auf der Festwiese versammelt. Jeder Haushalt bringt den Changvorrat mit ( hausgemachtes Bier ). Nach einigen rituellen Handlungen, wobei der Lama die ersten Tropfen den Göttern weiht, beginnt das Zechen. Alles macht mit, Männer und Frauen; selbst Säuglinge lecken gierig nach den Bechern. Zögernd bilden sich Tanzgruppen und langsam heben die tibetischen Tänze an, zu denen gesungen wird. Mit fortschreitendem Changkonsum werden die Bewegungen gelöster und schliesslich rasanter. Oft dauern solche Feste ganze Nächte. Am Höhepunkt verabschieden wir uns jedoch: Dubach muss noch den Abtransport des Käses nach Kathmandu organisieren ( Abb. 10 ), mir selbst steht eine sechsmonatige Expedition in den Himalaya bevor, welche den Abschluss meiner Feldarbeit bringen wird. Dubach schultert sein Gewehr, und mit einem echten tibetischen Jodel schreitet er rüstig talaufwärts, verfolgt von den dankbaren Blicken des Langtrangvolkes.

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