Christian Almer

Hinweis: Questo articolo è disponibile in un'unica lingua. In passato, gli annuari non venivano tradotti.

Von W. A. B. Coolidge ( Sektion Bern ).

Zwei Gestalten waren es, die vor einigen Jahren in der Schweiz in hervorragender Weise die Aufmerksamkeit aller auf sich zogen, die sich für die Geschichte der Erforschung der Alpen interessieren, nämlich diejenigen von Gottlieb Studer und Christian Almer. Einen großen Teil ihres Lebens hatten beide damit zugebracht, verschiedene Alpengebiete zu durchwandern, und dies zu einer Zeit, als noch keine Alpenclubs bestanden und die Berge eher gefürchtet als geliebt, oder doch nur aus gehöriger Entfernung bewundert wurden. Ein Jeder trug in seiner Art dazu bei, die Kenntnis der Berge und damit zugleich die jetzt so weit verbreitete Liebe zum Besteigen und Erforschen derselben zu fördern. Einerseits war Herr Studer's thätige Laufbahn länger und begann und endete auch früher ( 1825-1883 ) als diejenige A1mers1843-1897 ); andrerseits war Almer in den nichtschweizerischen Teilen der Alpenkette viel weiter herumgekommen als G. Studer. Ferner waren Feder und Stift die Werkzeuge Studer's, dasjenige Almer's vorwiegend der Eispickel. In gewisser Hinsicht ergänzten sie sich gegenseitig in ihrer Arbeit, denn Maler und Schriftsteller können erst dann in die höheren Alpenregionen vordringen, wenn der Weg durch die Eisaxt gebahnt worden ist. In der That könnte man die beiden die Vertreter der zwei Seiten der Alpenerforschung nennen, denn G. Studer war vor allem der topographische Schriftsteller, Almer der Hochgebirgsführer. So viel ich ausfindig machen kann, führten sie nur eine einzige gemeinschaftliche Tour aus ( den Lauteraarsattel im Jahr 1859 ), ein sehr interessantes, historisches Ereignis, obschon zu jener Zeit sogar Herr Studer seine tüchtigsten Leistungen in den Alpen bereits hinter sich hatte, während Almer seine bergsteigerische Laufbahn noch kaum begonnen hatte. Diese beiden Männer nehmen daher in der Geschichte der Erforschung der Alpen, besonders bevor der Alpinismus seine heutige Allgemeinheit und Beliebtheit erlangte, eine hervorragende Stellung ein; und da nun im Band XXVI dieses Jahrbuchs Studer's alpine Laufbahn in den wichtigsten Umrissen geschildert worden ist, so ist es recht und billig, die gleiche Ehrung auch Almer zu teil werden zu lassen, damit das Andenken an die großen alpinen Thaten dieses berühmten Bernerpaares für folgende Geschlechter bewahrt werde.

Christian Almer wurde am 29. März 1826 zu Grindelwald geboren ( so lautet die amtliche Eintragung im „ Register ", für deren gütige Mitteilung, sowie für weitere die Familie Almer betreffende Auskunft ich der Zuvorkommenheit des „ Gletscherpfarrers ", Herrn Gottfried Straßer in Grindelwald, zu Dank verpflichtet bin ). Er war der älteste Sohn von Ulrich Almer ( 1794—1855 ), und dessen zweiter Frau, Katharina Grun-eisen ( f 1832 ), und hatte einen Bruder und drei Schwestern, alle aus zweiter Ehe. Der ersten Ehe Ulrich Aimer's ( 1816 ) entstammte ein Sohn Ulrich ( welcher jung starb, dessen Existenz aber wahrscheinlich der Grund war, weßhalb unser Almer nicht seines Vaters Vorname erhielt ) und eine Tochter, die nach Erlenbach heiratete; der dritten Ehe ( 1834 ) von Christians Vater entstammten drei Söhne und drei Töchter; einer der Söhne, Ulrich ( geb. 1845, nach Amerika ausgewandert ), begleitete gelegentlich seinen berühmten Halbbruder auf Bergbesteigungen, z.B. über die Nordwand des Silberhorns im August 1865 ( Alpine Journal II, p. 256 ), und meine Partie auf das Wetterhorn im Juli 1868. ( Ich erwähne hier diesen Ulrich, da er häufig mit seinem Neffen Ulrich, Christians ältestem Sohne, verwechselt wird, der seine alpine Laufbahn auch 1865 begann. ) Die Familie Almer scheint im Grindelwaldthale nie sehr zahlreich gewesen zu sein, denn im ältesten „ Burgerregister " ( 1759—1812 ) erreichten sie bloß die Zahl von 22, während jetzt ( abgesehen von Christians Söhnen und Großkindern, ungefähr 40 an Zahl ) nur eine einzige Familie dieses Namens besteht, die von Gottlieb, dem Bruder von Christians Vater Ulrich, abstammt, und nun im Weiler Mettenberg wohnt. Ich bin daher zur Annahme geneigt, die Ansiedlung der Familie in Grindelwald habe erst in verhältnismäßig neuerer Zeit stattgefunden. Doch kann ich weder diese Frage noch diejenige der Ableitung des Namens „ Almer " näher beleuchten. Was die letztere Frage anbetrifft, so könnte „ Almer " .von „ Alm " ( dem tirolischen Wort für „ Alp " ) kommen, oder steht auf irgend eine Weise in Verbindung mit dem Namen „ von Allmen ", der heute meistens in Lauterbrunnen vorkommt, obschon sich auch in Grindelwald selbst einige von Allmen angesiedelt finden, während vielleicht ein „ Hans von Allmen ", von Grindelwald, 1449 in den auf das Kloster Interlaken bezüglichen Urkunden erwähnt wird. Durch ein merkwürdiges Zusammentreffen lebte noch vor kurzem ein Monsieur Allmer, ein bekannter Gelehrter und Altertumsforscher, in Vienne im Dauphiné, gerade dem Alpengebiet, das sein schweizerischer Namensvetter so gründlich erforschte. Es sei auch bemerkt, daß in den Registern zu Grindelwald der Name öfter „ Almer " als „ Allmer " geschrieben wird; gewiß ist, daß Christian und seine Familie früher und auch jetzt noch nur ein „ 1 " schreiben, obschon in ihren Führerbüchern von den Beamten zwei „ 1 " geschrieben werden.

Es ist eine bekannte Thatsache, daß wir gewöhnlich nur wenig über das frühere Leben berühmter Männer wissen, ohne Zweifel deshalb, weil zn jener Zeit niemand sagen konnte, ob die spätere Berühmtheit auch dazu bestimmt war, berühmt zu werden. Aus dem nämlichen Grunde ist es nicht möglich, viele Einzelheiten aus Christian Almers frühen Jahren zu geben. Er heiratete früh ( 6. Juni 1846 ) Margaritha Kaufmann, die ihn überlebt, nachdem sie 1896 noch zusammen die goldene Hochzeit gefeiert. Doch starben seine altern Söhne in der Kindheit, so daß ( wie er mir selbst berichtete ) sein Vater darauf bestand, die spätem Kinder sollten nicht „ Christian " genannt werden, obschon es in Grindelwald üblich ist, daß der älteste Sohn den Namen seines Vaters trägt; daher kommt es, daß Christians ältester Sohn, der die Kindheit überlebte ( geb. 1849 ), Ulrich genannt wird, während der zweite ( geb. 1859 ) den berühmten Namen seines Vaters, Christian, erhielt. 1847, im Sonderbundskriege, machte unser Christian als Soldat der zweiten Jägercompagnie den Vormarsch auf Luzern mit. Denn schon früh hatte er sich, wenn die Käsebereitung auf den Alpen im Sommer ihm freie Zeit ließ, der Gemsjagd ergeben, und war ein ausgezeichneter Schütze und ein begeisterter und erfolgreicher Gemsjäger. Diese Beschäftigung trug auch dazu bei, ihn mit Fels, Schnee und Eis vertraut zu machen und ihn so auf seine spätere Thätigkeit als Hochgebirgsführer vorzubereiten. Ein anderer Faktor in seiner Erziehung als Führer war seine langjährige Stellung als „ Gletscherhirt " der Ziegen und Schafe auf der „ Gletscheralp ", d.h. dem „ Zäsenberg " weit hinten am Unteren Grindelwaldgletscher; denn da mußte er viel und häufig herumklettern auf der Suche nach verloren gegangenem Vieh, oder nur, um die Zeit totzuschlagen. Seiner Stellung als „ Gletscherhirt " ist es auch zuzuschreiben, daß er zuerst mit den seltenen Fremden, welche in den Vierzigerjahren in die Gletscherwelt einzudringen wagten, Touren ausführte.

Es braucht kaum darauf aufmerksam gemacht zu werden, daß der Beruf des Bergführens verhältnismäßig späten Ursprungs ist. In Grindelwald wurde das Führerwesen erst im Jahre 1856 organisiert, so daß wir erst von diesem Datum weg ( mit Ausnahme einer einzigen, dort eingetragenen Tour im Jahre 1855 ) mit Hülfe von Aimer's genau geführtem Führerbuch seine alpine Laufbahn mit den genauen Einzelheiten schildern können. In der Mitte der Vierzigerjahre hatte sich jedoch das ältere Geschlecht der Führer, die später Berufsführer geworden wären, in Grindelwald mehr oder weniger zurückgezogen, unter ihnen ihr Hauptvertreter, Peter Baumann ( welcher 1828 die Jungfrau bestieg ). Zu dieser Zeit war auch das Geschlecht der Haslithalerführer, die Desor und Agassiz begleitet hatten ( z.B. Leuthold, Bannholzer und Währen ), zurückgetreten oder gestorben. Aber ein neues Geschlecht wuchs heran, in Lauterbrunnen vertreten durch die Familie Lauener, in Grindelwald durch Peter Bohren. Nun war Peter Bohren ( der „ Gletscherwolf " ) ein leidenschaftlicher Gemsjäger ( noch 1855 zeichnet er sich auf dem der Gräfin Dora d' Istria ausgestellten Zeugnis ihrer geheimnisvollen Ersteigung stolz als „ Jäger " ) und, weil 1822 geboren, ein Zeitgenosse Aimer's, so daß die beiden in vielen frühen Besteigungen um Grindelwald herum in enger Verbindung standen. Ulrich Lauener von Lauterbrunnen ( geb. 1821 ) erinnerte sich mit Stolz daran, daß in seinen frühen Führertagen er oft seinen Sack dem „ Gletscherhirten " übergeben habe, der immer gerne bereit war, ihm seine Last abzunehmen, und dies war kein anderer als Christian Almer selbst.

Wir müssen daher beim Schildern der frühesten alpinen Thätigkeit Aimer's auch Peter Bohren im Auge behalten und nicht vergessen, daß der „ Gletscherhirt " oft von Partien, die die Strahlegg überschritten ( dies geschah sogar noch 1865 durch meine eigene Partie ), als Extraträger angeworben wurde. Dann darf man nicht außer acht lassen, daß vor 1854 in der Nähe von Grindelwald nur sehr wenige Hochtouren bekannt waren oder ausgeführt wurden. Von den das Thal einschließenden Gipfeln waren die drei Spitzen der Wetterhörner 1844—1845 bestiegen worden, aber nur über den Unteraar- und Rosenlauigletscher; das Finsteraarhorn war 1812 besiegt worden, doch war nur der Weg von der Walliserseite bekannt, während die Schreckhornkette ( mit Ausnahme des Großen Lauteraarhorns, das 1842 von der Unteraargletscherseite erstiegen wurde ) wie auch Eiger, Mönch und die Fiescherhörner, noch unbetreten war. In der That waren vor 1854 nur zwei Hochgipfel in der Nähe von Grindelwald von Grindelwald aus bestiegen worden, der Mettenberg 1816 und die Jungfrau ( erste Ersteigung 1811 von der Walliserseite ) 1828 ( dritte Besteigung überhaupt ) durch Peter Baumann und seine Gefährten. Es-war daher für den unternehmenden Geist Aimer's Spielraum genug da, doch fehlten vor 1854 die Fremden, die ihm oder irgend jemandem Gelegenheit gegeben hätten, die kühnen Pläne auszuführen, welche sich noch unbestimmt in der Phantasie des Jägers und Hirten bilden mochten. Und wenn die meisten Grindelwaldnerberge damals dem ehrgeizigen Grindelwaldner unzugänglich blieben, so gilt dies in noch viel höherem Maße von den Gletscherpässen des Thaies. So viel ich weiß, waren damals nur die Strahlegg ( 1812 ), das Finsteraarjoch ( 1826 ), das Mönchjoch ( 1828 ), und die Alte Strahlegg oder der Mittelgrat ( 1835 ) bekannt; denn, obschon das Lauteraarjoch 1844—1845 wenigstens dreimal überschritten worden war, so wurde es doch nur als Zugang zu den Wetterhörnern vom Unteraargletscher aus benutzt und nicht als eigentlicher Paß nach Grindelwald.

Diese Liste zeigt sofort, wie beschränkt für einen ehrgeizigen Grindelwaldner vor dem großen Jahr 1854 die Gelegenheiten waren, sich auszuzeichnen, und führt uns auch dazu, unser Augenmerk auf die Strahlegg und die Jungfrau zu richten, als die wahrscheinlichsten Unternehmungen, bei denen man von Bohren und Almer zuerst etwas vernimmt.

Trotz all meinen Nachforschungen ist es mir aber nur gelungen drei, und zwar nur mögliche, Fälle ausfindig zu machen, in welchen Almer vor 1854 als Führer erscheint. Der erste Fall betrifft die Überschreitung der Strahlegg am 3. August 1843 durch Mr. A. T. Malkin ( Alpine Journal XV, p. 121 —123 ), welcher die vorhergehende Nacht mit seinen Führern, Peter Bohren und einen gewissen Kaufmann, am Zäsenberg zugebracht hatte. Die Partie nahm den „ Gletscherhirten " mit bis an den Fuß der berühmten Wand auf der Walliserseite, und sandte ihn dann mit einigen Mundvorräten und zwei Franken zurück. Diese Rückkehr über den Paß allein zusammen mit der Erwähnung von Peter Bohren ( dessen erste eingetragene Tour dies zu sein scheint, siehe Alpine Journal XI, p. 44 ) und dem Mitnehmen des „ Gletscherhirten " weist alles darauf hin, daß Almer der genannte Träger war. Etwas sicherer ist es vielleicht, daß Almer einer der zwei anderen Grindelwaldführcr war, welche am 7. Juli 1845 mit Peter Bohren ( einen Tag vor Mr. Speer's erster Besteigung des Mittelhorns und 24 Tage vor der ersten touristischen Besteigung der Hasli-Jungfrau durch die Partie von Agassiz ) und zwei Bernern, Dr. Gottfried Roth und Förster Fankhauser, einen Versuch auf das Wetterhorn machten und dem Gipfel bis auf weniger als 100 Meter nahe kamen ( vide G. Studer, „ Das Panorama von Bern ", p. 233, und die neue Auflage seines „ Über Eis und Schnee ", Band I, p. 420 ). Ende 1898 schrieb Herr Fankhauser in einem Brief an Dr. Dübi ( der mir in freundlicher Weise vorgelegt wurde ), daß er neben P. Bohren zwei andere Männer von Grindelwald bei sich hatte, wovon „ einer, ein besonders kräftiger und gewandter Wildgänger, Schafhirt in Grindelwald war ", Ausdrücke, welche auf Almer hinzudeuten scheinen. Eine nähere Prüfung der Papiere G. Studer's hat hingegen ergeben, daß Almer nicht einer der vier Grindelwaldführer ( unter welchen P. Bohren sich befand ) war, die mit ihm am 26. August 1845 die Besteigung des Mönchs über das Mönchjoch versuchten ( Studer I, p. 195 und „ Berg- und Gletscherfahrten " II, p. 72 ).

Erst von einer Hochtour Aimer's im September 1851 hat man sichere Kunde, obwohl aus dem Bericht hervorgeht, daß er schon andere gemacht und so eine gewisse Erfahrung erlangt hatte. Mr. C. A. Baumgartner und sein Freund B. mit Almer, und Christian ( geb. 1817 ) und Peter ( geb. 1827 ) Michel brachten ungefähr 14 Tage in den Zäsenberg- und Stieregg-hütten zu ( Alpine Journal XVI, p. 390—400 ). Sie machten einen Ausflug über die Strahlegg, worüber keine nähere Einzelheiten gegeben werden, und am 13. September versuchten sie, die Jungfrau zu besteigen, welche, wie es scheint, seit 1828 von Grindelwald aus nicht mehr und überhaupt bis 1851 nur fünfmal vorher erreicht worden war. Der Versuch mißlang, als die Partie um 4 Uhr 30 Min. den Rotthalsattel erreicht hatte, es aber zu spät war, weiter zu gehen. Wir lesen, Almer habe, wie die übrigen, auf dem Oberen Mönchjoch durch die verdünnte Luft zu leiden gehabt. Als der älteste, führte wahrscheinlich Christian Michel die Partie an, wie er es schon auf der Strahlegg gethan hatte; doch ist es hier gerade für uns sehr interessant ( Seite 398/99 ), zu erfahren, daß, auf dem Rückweg vom Unter-Mönchjoch, Almer als letzter ( bekanntlich der Ehrenposten ) einen sehr großen Schrund überschritt, über welchen man beiden Michel mit dem Seil oder quer übergelegten Alpenstöcken hatte helfen müssen; dies scheint zu beweisen, daß schon damals Almer jene Eigenschaften der Kaltblütigkeit und Selbstbeherrschung an den Tag legte, die ihn später so berühmt machten. Unweit der Stieregghütte, aber noch auf dem Eismeer, glitt B. über einen Eishang hinunter, wurde aber durch Almer vor dem Fall in eine Spalte bewahrt, indem dieser ihn mit seinem eigenen Körper aufhielt. Herr Baumgartner nennt seine drei Führer „ alles kühne und thätige Bergsteiger und Gemsjäger. Sie sind die besten Grindelwaldner, und die Grindelwaldner stehen hinter niemand in der Schweiz zurück. " Er fügt noch besonders hinzu: „ Almer arbeitete an diesem Tage wie ein ganzer Mann. " Dies war Aimer's erstes registriertes Auftreten als Hochgebirgsführer. Er war damals erst 25'/a Jahre alt, aber er zeigte eine viel größere Erfahrung, als man hätte erwarten können, und das zu einer Zeit, in welcher Hochtouren sehr selten und nur ausnahmsweise unternommen wurden.

Über seine Besteigungen in den Jahren 1852 und 1853 konnte ich nichts ausfindig machen. Wahrscheinlich setzte er seine Wirksamkeit als „ Gletscherhirt " fort. Doch war es vielleicht ungefähr um diese Zeit ( möglicherweise ein wenig später ), daß er eine kleine Hütte am Eingang zu einer Eishöhle in der Zunge des Untern Grindelwaldgletschers hatte, wie sie auf dem Plane von Prof. Baltzer's prächtiger Monographie über diesen Gletscher angegeben ist. ( Es sei hier bemerkt, daß der G. Almer, dessen Eishöhle vor 1855 auf dem nämlichen Plane eingezeichnet ist — wenn nicht ein Druckfehler für „ C " vorliegt — Christians Oheim väterlicherseits ist; Gottlieb ist das Oberhaupt der Mettenberg -linie der Familie. ) Wir kommen nun zum Jahre 1854, das in der alpinen Geschichte, besonders für Grindelwald, beinahe den Namen des „ annus mirabilis ", verdient. Aus irgend einem Grunde zeichnete sich dieses Jahr in Grindelwald aus durch einen merkwürdigen Aufschwung bergsteigerischer Unternehmungen, die hauptsächlich den drei Gipfeln des Wetterhorns galten, welche, obschon alle schon früher bestiegen, noch nie vom Grindelwald-thale, das sie so manches Jahrhundert beherrscht hatten, erreicht worden waren. Am 13. Juni 1854 war Almer ( und wahrscheinlich auch P. Bohren ) einer der vier Grindelwaldführer, welche Mr. Blackwell bis zu einem Punkt gerade unter der höchsten Gwächte der Hasli-Jungfrau begleiteten. Mr. Wills fand dort drei Monate später ihre eiserne Fahne, und berichtet uns ( pag. 302 ), die Junipartie sei dem Gipfel bis auf zehn Fuß nahe gekommen, konnte aber die letzte Gwächte nicht überwinden und wurde auch bei ihrem Versuch, das Ostende des Grates zu umgehen, abgewiesen und so zum Rückzug genötigt, ohne eine Ahnung zu haben, daß sie ihrem Ziele so nahe war. ( Die Thatsache, daß Almer mit von dieser Partie war, wird durch Pfarrer Straßer's „ Der Gletschermann ", 1888 —1890, p. 91, wahrscheinlich nach Aimer's Angabe, bestätigt; doch wird dort, wie in der alten Auflage von Studer I, p. 237, behauptet, der erreichte Punkt sei das Rosenhorn gewesen, ein Irrtum, der in der neuen Auflage von Studer I, p. 423, richtig verbessert worden ist; denn Mr. Wills, welcher nur die Hasli-Jungfrau erstieg, fand zweifellos Mr. Blackwell's Fahne. ) Hingegen waren Almer und Bohren im Sommer 1854 wirklich auf dem Rosenhorn mit Mr. Dupontave de Heussey ( Studer I, p. 425 ), wie auch am 20. August desselben Jahres auf dem Mittelhorn in Gesellschaft eines Mr. Pontamine, vielleicht identisch mit Mr. Dupontave ( siehe Studer I, p. 423, und „ Der Gletschermann ", p. 91 ). So war Almer, wie P. Bohren ( siehe Wills, p. 272 ), im Sommer 1854, mit größerer oder geringerer Vollständigkeit, dreimal auf den Wetterhörnern gewesen. Als daher am 17. September Mr. Wills seine berühmte Besteigung der Hasli-Jungfrau von Grindelwald aus ( die erste vollständig erfolgreiche von dieser Seite und die dritte Besteigung überhaupt ) ausführte, war es ganz natürlich, daß er zu seinen andern Führern Ulrich Lauener von Lauterbrunnen und Auguste Balmat und Auguste Simond, beide von Chamonix, noch Peter Bohren als Lokalführer mitnahm; aber nicht weniger natürlich war es, daß Almer sich beinahe gezwungen fühlte, an dieser Unternehmung teilzunehmen. Wenn uns daher Mr. Wills in seinem anschaulichen Bericht ( p. 290 und 291, 293 und 304 ), erzählt, wie, als sie auf dem Sattel rasteten, sie durch das plötzliche Erscheinen zweier Landleute, die auf dem nämlichen Wege emporgestiegen waren, in Erstaunen gesetzt wurden, so waren dies niemand anderes, als Christian Almer und sein Schwager Ulrich Kaufmann. Almer trug auf seinem Rücken eine junge, nicht ent-ästete Tanne. Die zwei versuchten als erste über den letzten Abhang emporzuklettern, warteten dann aber auf die andern fünf. Auf einer äußerst merkwürdigen, altertümlichen Abbildung ( p. 293 ) sehen wir die ganze Partie ( die zwei Jäger zuhinterst ), alle zusammengeseilt, die letzte Wächte überwinden. So wurde endlich die Hasli-Jungfrau durch die Grindelwaldner direkt von Grindelwald aus bezwungen, und Almer und Bohren waren ohne Zweifel von Stolz durchdrungen beim Gedanken, als erste Grindelwaldner direkt von Grindelwald alle drei Gipfel der Wetter- hörner, welche den Grindelvvaldgipfel par excellence bilden, erreicht zu haben. Sogar die Führer von Chamonix schlössen Freundschaft mit ihren Rivalen, sobald sie davon überzeugt waren, daß alle miteinander den Gipfel erreichen würden.

Im Jahre 1855 wiederholte Almer die Besteigung der Hasli-Jung-frau mit Mr. Robert Chapman, der 1856 am Ende seiner Eintragung in Aimer's Führerbuch folgendes sagt: „ On ne peut trop dire de ses qualités: c' est un guide expérimenté et hardi; enfin tout ce qu' on peut dire en rapport d' un bon guide on peut dire de lui. " Dies ist sein erstes Führerzeugnis und mehr konnte auch am Ende seiner Laufbahn nicht gesagt werden. Im Juni 1855 nahm Almer als einer der Führer Teil an der bekannten Expedition der Gräfin Dora d' Istria in der Richtung gegen den Mönch. Dies berichtete Almer selbst ungefähr 1863 einem seiner „ Herren ". Er fügte noch hinzu, er habe sich geweigert, das merkwürdige, von den andern Führern der Gräfin ausgestellte Zeugnis zu unterschreiben ( siehe Facsimile in ihrem Buche ), weil die Partie den Mönch gar nicht erreicht hätte, sondern ( in sehr nebligem Wetter ) nur bis zu einer Erhebung auf dem Grate des Eigerjochs gekommen seien. Auf dem Zeugnis steht noch der Name „ Johannes Almer ", ohne Zweifel Christians erster Vetter und ein Glied des Mettenbergzweiges der Familie. Almer berichtete auch demselben „ Herrn ", daß, geraume Zeit vor der ersten englischen Besteigung des Finsteraarhorns ( welche am 13. August 1857 stattfand ), er und andere das Oberaarjoch überschritten und damals den Gipfel in Angriff genommen hätten, aber durch schlechtes Wetter zurückgeschlagen worden seien; dieser Versuch wurde wahrscheinlich vor 1856 gemacht, da er in seinem „ Führerbuch " nicht erwähnt wird, obschon dort angenommen wird, er habe 1856 mit Dr. Porges das Oberaarjoch überschritten.

Am 12. Mai 1856 wurde vom Regierungsrat des Kantons Bern das „ Reglement für die Bergführer und Träger des Kantons Bern " angenommen, und am 4. Juli desselben Jahres erhielt Almer eines der damals autorisierten „ Führerbücher " ( Nr. 78 ). Auf sorgfältige Führung desselben war er stets bedacht, so daß es, gemeinsam mit dem am 6. Mai 1891 verabreichten zweiten Führerbuch, von nun an die Hauptgrundlage für unsere Schilderung seines Lebens bilden wird, da ( soviel wenigstens bekannt ) nur drei bis vier von ihm unternommene Expeditionen darin nicht eingetragen sind. Im Jahre 1896 wurde ( ohne Almers Erlaubnis ) in London eine Facsimileausgabe seines ersten Führerbuches veröffentlicht. Ich darf noch hinzufügen, daß mich Almer zu mehreren Malen versicherte, er sei früher einmal im Besitz eines noch früheren Buches ( wahrscheinlich eines bloßen Notizbuches ) mit Eintragungen seiner früheren Besteigungen gewesen; doch hätten es seine Kinder im Spiele vernichtet; unglücklicherweise war eine Nachforschung in seinen Papieren nicht von Erfolg begleitet.

Wir können daher von nun an nur Aimer's wichtigste Unternehmungen erwähnen, fügen aber ein vollständiges Verzeichnis seiner neuen und bemerkenswerteren Hochtouren am Schlüsse dieses Lebensbildes bei. Für den eigenen Gebrauch habe ich ein ziemlich vollständiges Verzeichnis aller seiner Touren, samt ihrer Bibliographie, zusammengestellt.

Die erste Eintragung in seinem Führerbuch ist eine ziemlich lange, französische von Mr. Robert Chapman, mit welchem Almer in Begleitung von Peter Bohren 1856 die Besteigung der Jungfrau ausführte. Die Partie übernachtete in der Eigerhöhle, und am nächsten Tage ( 26. Juli ) gelangte sie am späten Nachmittag auf den Gipfel, da sie den Rotthalsattel erst um 4 Uhr 10 Min. erreicht hatten. Auf der Spitze pflanzten sie ein Bäumchen auf, eilten dann zurück und brachten eine zweite sehr kalte Nacht am Fuße des Mönch zu: das Wetter scheint bei dieser Expedition sehr ungünstig gewesen zu sein. Diese Tour ist von ziemlicher, historischer Bedeutung: sie scheint die sechste Besteigung des Gipfels überhaupt zu sein, von Grindelwald aus aber war sie die zweite, da, seit Peter Baumann und seinen Kameraden im Jahre 1828, niemandem mehr auf dieser Route eine Besteigung geglückt war. Auf diese Weise wurde die Jungfrau für praktische Zwecke ein Grindehvaldgipfel, und wurde im Jahr 1856 von Almer noch zweimal erstiegen, am 1. August mit Dr. Porges aus Wien und am 11. August mit Mr. Eustace Anderson und Mr. D. W. Williams. Dr. Porges berichtet uns, daß sein erster Versuch am 21. Juli durch schlechtes Wetter vereitelt wurde, und fügt ( in englischer Sprache ) bei: „ Beim Abstieg im Nebel zeigte Almer so ausgezeichnete Eigenschaften, daß ich mich entschloß, ihn beim nächsten Versuch auf diesen Berg als Hauptführer mitzunehmen, und diesmal ist es mir recht gut gelungen. " Wie es scheint, waren die andern Führer am 1. August die beiden Michel, so daß 1851 und 1856 die drei gleichen bei einander waren, aber 1856 wurde Almer ( wahrscheinlich zum erstenmal ) als Hauptführer anerkannt. Beim Abstieg entließ Dr. Porges seine andern Führer und Träger, und ging allein ( ein sicherer Beweis seines Vertrauens ) mit Almer über den Großen Aletschgletscher hinunter, obschon dieser ihm gesagt hatte, er habe diesen Gletscher noch nie betreten. Unterwegs fiel Dr. Porges in eine Spalte und mußte von seinem treuen Gefährten wieder herausgezogen werden. Die beiden übernachteten in der Faulberghöhle ( wo sie Messrs. J. B. Lightfoot und F. J. A. Hort vorfanden; der letztere schildert dieses Zusammentreffen in einem den 8. August datierten Briefe — siehe seine „ Life and Letters " I, p. 332—333 ), und erreichten am nächsten Tage ( scheinbar noch immer allein ), die Grimsel über das Oberaarjoch. Dr. Porges schließt seine lange Eintragung folgendermaßen: „ Während der ganzen Expedition war ich mit Almer in jeder Beziehung zufrieden, und kann ich seine ausgezeichneten Eigenschaften als Führer und angenehmen Gefährten nicht genug loben. "

Im August 1856 hatte Almer auch die Hasli-Jungfrau dreimal bestiegen, einmal mit Dr. Porges, der ihn wiederum auf das wärmste empfiehlt: „ er vereinigt in sich ungewöhnliche Kraft und Unerschrockenheit mit der größten Vorsicht. "

Im Jahre 1857 wurden von Almer drei bemerkenswerte Touren ausgeführt — am 7. August die erste Besteigung und Traversierung des Kleinen Schreckhorns ( mit Mr. Eustace Anderson ); am 15. August die erste Besteigung des Mönch ( mit Dr. Porgesund am 22. August der erste vollständige Übergang über den Lauteraarsattel ( von Grindelwald nach der Grimsel ) mit Captain Campbell, Dr. Porges und Mr. Stern. Fast 20 Jahre verflossen, bevor Almer und Dr. Porges wieder zusammenkamen. Im Sommer 1876 erhielt Almer von ihm plötzlich ein Telegramm, nach welchem er ihn irgendwo treffen sollte. Almer war damals von mir engagiert und konnte sich natürlich Dr. Porges nicht anschließen, der übrigens gar nicht zu wissen schien, daß sein Führer von 1856—57 bis zum Jahre 1876 eine Berühmtheit geworden war. Ein glücklicher Zufall wollte es, daß wir in Zermatt mit Dr. Porges zusammentrafen. Erklärungen wurden vorgebracht und angenommen, und Dr. Porges war dann von der Partie ( 16 Mann stark ), welche am 27. Juli 1876 das Mischabeljoch überschritt.

1858 war die hauptsächlichste Besteigung Aimer's die erste des Eigers am 11. August mit Mr. Charles Barrington, einem begeisterten Irländer, der, viele Jahre später, einen köstlichen Bericht seiner Unternehmung veröffentlichte ( Alpine Journal, XI, p. 172 — 174 ). Zu jener Zeit galt,~nach der allgemeinen Meinung, der Eiger wie das Matterhorn für unersteigbar.

Am 15. Juli 1859 führte Almer Miss Lucy Walker und ihren Vater über den Tschingelpaß; dies scheint seine erste Expedition mit einer Dame gewesen zu sein, obschon er in spätem Jahren ( 1868—75 mit meiner Tante Miss Brevoort ) ganz ein Damenführer wurde. Aber die historisch interessanteste Unternehmung Almers im Jahre 1859 war die Überschreitung des Lauteraarsattels am 2. August mit den Herren Gottlieb Studer und Bucher, und mit seinem Schwager Ulrich Kaufmann als zweitem Führer. Wie ich am Anfang dieses Lebensbildes bemerkt habe, ist dies die einzige bekannte Tour, welche die zwei berühmten Berner Bergsteiger G. Studer und Almer, zusammen unternahmen. Merkwürdigerweise genug findet sich in Aimer's Führerbuch keinerlei diesbezügliche Eintragung, doch hat zum Glück Herr Studer einen ausführlichen Bericht in Band II, p. 60 — 87 der „ Berg- und Gletscherfahrten " veröffentlicht. Herr Studer erzählt zwar von Almer nicht viel, doch beschreibt er ihn ( auf Seite 66 ) als „ ein kräftig aussehender Mann, der nicht viel Worte macht, aber als einer der besten und kundigsten Gletschermannen bekannt ist ", und fügt dann noch die Namen einiger von Almer schon bestiegenen hohen Berge bei.

Das Jahv 1860 zeichnet sich im Leben Aimers durch zwei Ereignisse aus. Mit Mr. Leslie Stephen überschritt er den untern Teil des Oberen Grindelwaldgletschers ( was im „ Führerbuch " als „ ein sehr schwieriger und gefährlicher Übergang " bezeichnet wird ); unterwegs verließ Almer seinen „ Herrn ", um den Weg zu suchen, es wurden ihm dabei durch ein herabstürzendes Eisstück zwei Rippen gebrochen ( Alpine Journal, I., pag. 100 ) und dies war der einzige Unfall, der ihm bis zu seinem schrecklichen Unglück im Januar 1885 in den Bergen je passierte. Das zweite Ereignis ist seine dreiwöchentliche Reise mit Mr. W. E. Forster im August. Dies scheint seine erste längere Anstellung gewesen zu sein, und ist von besonderem Interesse, weil er damals den Theodul überschritt, den Monte Rosa und die Becca di Nona bestieg und den „ Tour du Mont Blanc " machte. Bis dahin hatte Almer nur die heutzutage als gewöhnliche „ grandes courses " des Oberlandes betrachteten Touren ausgeführt, aber dies war die erste Reise, welche er außerhalb des Oberlandes unternahm, und welche schon auf seine spätem Wanderungen fern von seinem Heimat-thale hindeutete.

Das Jahr 1861 brachte einen Wendepunkt im Leben Aimer's. Wie Mr. H. B. George gezeigt hat ( Alpine Journal, XIX, pag. 201 ), wurden er und Almer in diesem Jahre zufällig miteinander bekannt, eine Bekanntschaft, die durch manche späteren gemeinsamen Reisen befestigt wurde, während Almer durch Mr. George Mr. Moore und so einen ausgedehnten Kreis englischer Bergsteiger kennen lernte. Seine Hauptbesteigung in diesem Jahre mit Mr. George war die Ersteigung des Mont Blanc: die beiden Reisenden waren Neulinge, während keiner von den Führern ( der zweite war Peter Perren von Zermatt ) vorher auf diesem Berge gewesen war; dennoch führte sie Almer direkt, ohne Benutzung alter Spuren, hinauf, zum großen Mißfallen des Bureau des Guides in Chamonix. Später, im gleichen Sommer, ging er auf den Monte Rosa und die Cima di Jazzi, und überschritt das Weißthor, so daß ihm nun das Gebiet von Zermatt wie von Chamonix vertraut war.

1862 reiste er fünf Wochen lang mit Mr. George ( in Begleitung von Mr. A. W. Moore, der später einer der beständigsten „ Herren " Aimers werden sollte ). Im Verlauf dieser Reise machte die Gesellschaft drei schöne neue Übergänge ( Sesiajoch, Jungfraujoch und Mischabeljoch ) und außerdem die erste Besteigung des Groß Fiescherhorns ( für welches der Name „ Almerhorn " vorgeschlagen wurde ), einen Versuch auf den Mönch von der Wengernalp aus und eine Besteigung des Lyskamms ( eine neue Tour für die ganze Gesellschaft ). Über das Sesiajoch schreibt Mr. George: „ Almer führte während des ganzen Übergangs, ohne jemals fehl zu gehen, obschon er den Berg zwei Tage vorher nur zehn Minuten lang durch eine Lücke in den Wolken gesehen hatte, und unser Weg bis an den Fuß der Parrotspitze ganz von Wolken verhüllt war. " Almer sollte Mr. George verlassen, um zu Mr. Latham zu stoßen, der ihn nicht persönlich kannte. Ein Sprichwort sagt, Nachahmung sei die aufrichtigste Schmeichelei, und so zeigte es sich auch in diesem Falle; denn ein gewisser Christian von Allmen von Lauterbrunnen trat mit Erfolg als Almer auf, und wurde auch von Mr. Latham engagiert, der dann durch Bergsteiger, die den wahren Almer kannten, über den Betrug aufgeklärt wurde ( Alpine Journal, I., pag. 48 ). Aimer's Ruhm muß schon weit verbreitet gewesen sein, daß man es der Mühe wert hielt, sich eine so niederträchtige Handlungsweise zu Schulden kommen zu lassen.

Im Jahre 1863 war Almer wieder fünf Wochen lang mit Messrs. George und Moore, überschritt mit ihnen den Clariden- und den Sardonapaß, den Col de Miage und den furchtbaren Col du Tour Noir ( wahrscheinlich eine der gefährlichsten und schwierigsten von ihm ausgeführten Unternehmungen ) und machte einen Versuch auf den unbestiegenen Piz Roseg. Auf dem Col du Tour Noir wurde ihm Melchior Anderegg beigesellt; dies war jedenfalls die erste Gelegenheit, bei der diese zwei berühmten Führer zusammen arbeiteten, während sie eine Woche später mit Mr. R. J. S. Macdonald den Mönch bestiegen ( die erste glückliche Besteigung seit derjenigen Aimer's mit Dr. Porges im Jahre 1857 ). Im August reiste Almer zum erstenmal mit Messrs. Hornby und Philpott, wiederholte die Besteigung des Mönch, überschritt ( unter anderem ) den Col du Sonadon und bestieg das damals selten erklommene Weißhorn.

Ich habe an anderer Stelle ( in meinem Lebensbild Aimer's in „ Pioneers of the Alps " ) gesagt, daß, nach meiner Ansicht, die Jahre 1864 und 1865 den Höhepunkt in Aimer's bergsteigerischer Laufbahn darstellen, und ein näheres Eingehen auf diese Frage hat mich in meiner Meinung nur bestärkt. Im Juni und Juli 1864 besuchte er mit Mr. Moore zum erstenmal die Alpen des Dauphiné, machte die erste Besteigung ihres Hauptgipfels, der Pointe des Ecrins1 ), und zwei prächtige neue Übergänge, die Brèche de la Meije und den Col de la Pilatte; mit Mr. Moore, allein, ging Almer vom Pavillon Bellevue über die Aiguille und Dôme du Goûter auf den Mont Blanc und ins Chamonixthal hinunter in einem Tage; später machten sie die ersten Übergänge über den Momingpaß und die Wetterlücke und traversierten das Wetterhorn an einem Tage von Grindel wald und zurück über Rosenlaui und Gr. Scheidegg. Im August 1864 entdeckte Almer mit Messrs. Hornby und Philpott das Schallijoch, machte die erste Traversierung des Aletschhorns und den ersten Abstieg vom Jungfraujoch nach der Wengernalp.

Die Saison des Jahres 1865 war für Almer, wenn möglich, noch glänzender. Fast vier Wochen war er im Juni und Juli mit Mr. Whymper ( seine einzige Reise mit diesem Bergsteiger, welcher mit Michel Croz im Jahre 1864 die Partie Mr. Moore's auf verschiedenen Expeditionen begleitet hatte ), und machte die erste Besteigung des Grand Cornier, der niedrigeren oder Westspitze der Grandes Jorasses, der Aiguille Verte und der Ruinette, die dritte Besteigung der Dent Blanche und den ersten Übergang über den Col du Mont Dolent und den Col de Talèfre — eine wunderbare Liste. Die hohe Achtung Mr. Whymper's für Almer ist zu wohlbekannt, um hier wiederholt zu werden. Almer verließ Mr. Whymper am 7. Juli, da er anderwärts engagiert war, und man gerät in Versuchung, sich zu fragen, was wohl geschehen wäre, wenn Almer bei der Partie gewesen wäre, die am 14. Juli die erste Besteigung des Matterhorns ausführte, und ob in diesem Fall das Unglück sich überhaupt ereignet hätte. Mit Messrs. Hornby und Philpott gelang Almer die erste Besteigung des Lauterbrunnerbreithorns und die gewaltige Erklimmung des Silberhorns über die Nordwand; mit Mr. George sodann machte er die erste Besteigung der Jungfrau von der Wengernalp aus, und diejenige des Großen Nesthorns. Diese Reise mit Mr. George ist besonders bemerkenswert, weil dabei Aimer's ältester Sohn Ulrich ( im gleichen Monat, wie ich selbst ) als Bergsteiger debütierte und weil Almer vom Lötschenthal einen Hund zurückbrachte, der, Tschingel mit Namen, später berufen war, ein berühmter Bergsteiger zu werden.

Glücklicherweise besitzen wir aus dieser Zeit, dem Höhepunkt in Aimer's Laufbahn, von ihm eine vortreffliche Photographie, welche, im Jahre 1865 von Mr. E. Edwards ( dem Begleiter von Mr. George ) aufgenommen, im Alpine Journal XIX, pag. 204, reproduziert wurde und auch in Holzschnitt von Mr. Whymper ( pag. 341 der vierten Auflage seines Buches ) erschienen ist. Er wird da ohne Bart dargestellt, zum Erstaunen vieler, die ihn nur in späteren Jahren kannten, aber gewiß begann er erst spät im Leben, den Bart zu tragen.

Im Jahre 1866 reiste er mit Mr. F. F. Tuckett im Tirol und andern Gebieten der Ostalpen: unter seinen dortigen Besteigungen figurieren der Dachstein ( sein östlichster Berg in den Alpen ), der Großglockner, der Groß Venediger ( bis auf die letzten hundert Meter, durch heftigen Schneesturm zum Rückzug gezwungen ) und der Schrankogel, dann zwei neue Gipfel in der Ortlergruppe ( Punta Taviela und Monte Rosole ) und die zweite Besteigung des Monte Cevedale. Diese so erfolgreiche Reise fand ihren Abschluß durch die Auffindung eines neuen Weges auf den Piz Bernina vom Crast'agüzzasattel aus. Zwei heitere Abenteuer erlebte Almer auf dieser Reise. Er und Mr. Tuckett rasteten nach dem Abstieg vom Großglockner in einem kleinen Wirtshaus in Kais; sie waren staubig und von der Reise beschmutzt, und trugen eine große Rolle Seil bei sich. Eine freundliche kleine Kellnerin brachte einen großen Laib Brot heraus und bot ihn Mr. Tuckett an, worauf Almer ausrief: Wir sind keine Bettler, das ist ein Herr, und die verblüffte Kellnerin zurückschickte, nachdem sie ihnen auseinandergesetzt, daß sie beim Anblick des Seils sie für umherziehende, arbeitsuchende Strickmacher gehalten habeSiehe hierüber Miss Tuckett's „ Pictures in Tyrol ", pag. 109 und 110, wo diese komische Scene in einer Skizze wiedergegeben ist. ) Einige Tage später erreichte die ganze Partie beim Abstieg vom Monte Cevedale die Hütten von Gampenhöfe, ein wenig oberhalb der Kirche von St. Gertraud im Suldenthal ( Ortlergruppe ). Der Krieg zwischen Österreich und Italien war gerade erklärt worden, und sie waren von einer verdächtigen Seite herübergekommen. Sie wurden daher in der Mitte der Nacht von österreichischen Soldaten festgenommen und unter Bedeckung ins Fort Gomagoi gebracht, wo sie durch einen Beamten, der zum Glück merkte, wer Mr. Tuckett war, wieder in Freiheit gesetzt wurden. Es ereigneten sich während dieser Gefangenschaft noch eine Reihe komischer Zwischenfälle, die von Mr. Tuckett selbst im Alpine Journal, II, pag. 341—347, sehr anziehend erzählt worden sind und deren Interesse im Abdruck dieses Artikels in „ Pictures in Tyrol " ( pag. 161—177 ) durch einige köstliche Skizzen noch erhöht wird. Dieses Ereignis machte einen tiefen Eindruck im Suldenthal, welches zu jener Zeit nur selten von Fremden besucht wurde ( obwohl es heute zu einem tirolischen Grindelwald geworden ist ), und als ich 1898 dort war, entdeckte ich viele Leute, die sich noch an dieses „ Nachtabenteuer " erinnerten, und unter diesen sogar solche, die Augenzeugen der nächtlichen Verhaftung gewesen waren.

Im Juli 1866 unternahm Almer seine erste Reise mit Mr. J. H. Kitson, einem sehr schnellen Gänger, der später oft mit ihm reiste. Im August finden wir ihn wieder bei Messrs. Hornby und Philpott, mit denen er die vierte Besteigung des Großen Schreckhorns ( 10 Stunden, Rasten inbegriffen, für den Auf- und Abstieg von und zum Kastenstein ) ausführte, und drei schöne neue Übergänge im Berner Oberland machte — das Ebnefluhjoch ( eine der schwierigsten von ihm je ausgeführten Unternehmungen, die seither nie wiederholt wurde ), das Schmadrijoch und das Agassizjoch.

Im Jahre 1867 sah ich Almer zum erstenmal, obschon aus einiger Entfernung. Am 9. Juli kehrten er und seine Partie von der zweiten Besteigung des Gr. Nesthorns zurück, unserer, vom Beichgrat kommenden, Partie weit voraus. Einige Tage später war Almer mit Messrs. Morshead Christian Almer.

und C. E. Mathews ( mit denen er das Jägerhorn und Jägerjoch, sowie einen neuen Weg auf den Lyskamm über den Südwestgrat gemacht hatte ) im Riffelhaus. Meine Partie war auch dort, und ich erinnere mich, meinen damaligen Führer ( F. Dévouassoud von Chamonix ) gebeten zu haben, uns den berühmten Almer zu zeigen, den er persönlich kannte; doch waren wir bitter enttäuscht, als François sich weigerte, unsere Neugierde zu befriedigen, unter dem Vorwand, Almer sei auf dem Jägerhorn so sehr von der Sonne verbrannt worden, daß es für uns besser sei, ihn nicht zu sehen.

Einer kurzen Reise mit Mr. T. S. Kennedy im August folgte eine fünfwöchentliche Tour mit Mr. George, auf welcher die Gesellschaft die zweite Besteigung der niedrigeren oder Westspitze der Grandes Jorasses ausführte, und Versuche auf das damals unbestiegene Gspaltenhorn und die Blümlisalp machte.

Endlich, 1868, wurde mir die Freude zu teil, die Bekanntschaft Almer's zu machen, und von da an datierte unsere ungetrübte dreißigjährige Freundschaft. Dévouassoud war von seinem alten Freunde Mr. Freshfield nach dem Orient und dem Caucasus engagiert, so daß meine Tante und ich ( voll alpinen Eifers ) ohne Führer waren. Wir wagten uns an Almer heran und waren so glücklich, ihn für den Monat Juli als Führer zu gewinnen. Wie gut erinnere ich mich noch unserer ersten Begegnung. Wir hatten abgemacht, ihn in Lauterbrunnen zu treffen; doch er sandte uns seinen Sohn Ulrich ( damals 19jährig ) entgegen, um uns zu sagen, er sei für einige Tage mit Mr. George, doch werde er uns am folgenden Abend, am 1. Juli, in Grindelwald treffen. Und dieses Versprechen hielt er auch, indem er die Partie Mr. George's bis auf die Höhe der Alten Strahlegg führte, und dann, sie dort unter der Obhut Hans Baumann's zurücklassend, allein nach Grindelwald abstieg, um zwei Reisende zu treffen, welche ihm damals persönlich gar nicht bekannt waren.

Dies war die erste seiner zahllosen Beweise der Hingebung und Treue, die wir noch an ihm erleben sollten. Ein Brief meiner Tante an meine Mutter gerade von jenem Abend liegt vor mir, welchem ich die Beschreibung Almer's entnehme: „ er ist ein kurzer, kleiner Mann, mit einem ehrlichen, intelligenten Gesicht, und sehr gesprächig".1 ) Am folgenden Tag machten wir unsern ersten Spaziergang nach dem Zäsenberg, und am B. Juli bestieg die ganze Partie Almer's Lieblingsberg, das Wetterhorn; es wurde am gleichen Tage von Mr. Elliott ( im nächsten Jahr am Schreckhorn verunglückt ) bestiegen, mit welchem wir jene Nacht in der Glecksteinhöhle zubrachten.

Am 11. Juli mißlang uns, infolge vereister Felsen, die Besteigung des Eiger; und es ist ein guter Beweis von Aimer's Gutherzigkeit, daß er mir ( ich war damals nicht ganz 18jährig ), um mich zu trösten, seinen Hund Tschingel gab, dessen alpine Laufbahn eine Woche später mit einer Besteigung der Blümlisalp begann. Almer war in jenem ersten Sommer einen Monat mit uns im Oberland; von da an reiste er jeden Sommer bis und mit 1884 ( meine Tante machte nach 1875 keine Besteigung mehr mit ihm ) mit mir, immer einen, bisweilen drei Monate, in fast allen Teilen der West- und in vielen Teilen der Centralalpen westlich vom St. Gotthard. Nur einmal ( 1876 ) gingen wir weiter östlich zum Tödi, Adamello und den Dolomiten des Süd-Tirol; aber 1874, 1876 und 1879 führte ich mit ihm einige Winterbesteigungen aus ( Wetterhorn, Jungfrau, Grand Plateau du Mont Blanc, Gr. Schreckhorn ), das erste Mal, an dem jene erhabenen Gipfel in jener Jahreszeit bestiegen worden waren. Im Anhang finden sich die hauptsächlichsten Touren Aimer's von 1868 an angegeben. Sehr wenige wurden ohne mich ausgeführt. Unter diesen waren die folgenden: Erste Besteigung des Weißhorns vom Biesgletscher aus ( mit Mr. Kitson im August 1871, und einen Monat später von uns, und nachher nie mehr wiederholt ); drei sehr schnelle Touren im Jahre 1872 ( alle mit Mr. Kitson ), die Jungfrau, Auf- und Abstieg von und zum Faulberg in 7'/2 Stunden, Rückkehr zum Eggishorn um 11 Uhr morgens ( ich erinnere mich, daß wir als Witz in Tschingels Namen von Beialp aus telegraphierten:... Ich auf meinen vier Beinen hätte diese Besteigung noch schneller ausgeführt ); eine eintägige Expedition von der Kl. Scheidegg auf den Mönch und nachmittags über das Jungfraujoch zurück, und eine fernere eintägige Tour von der Kl. Scheidegg auf den Eiger, von der Höhe des Eigergletschers über den Südwestgrat ( unser Weg von 1871 ) und von da über Eigerjoch und Mönchjoch am gleichen Nachmittag nach Grindelwald. Im Jahre 1875 ( mit Mr. Wethered ) gelang Almer die Besteigung des Mönch über den Südwestgrat und der erste Abstieg von diesem Gipfel zur Kl. Scheidegg ( eine schwierige und gefährliche Unternehmung ), und 1876 ( mit Mr. James Jackson ) fand er einen neuen Weg auf das Täschhorn vom Mischabeljoch aus.

Der Raum erlaubt uns hier nur die Namen von einigen der wichtigsten Touren zu geben ( Einzelheiten finden sich im Anhang ), welche ich zwischen 1868 und 1884 ( beide Jahre inbegriffen ) mit Almer ausführte; aber beim Niederschreiben der bloßen Namen tanchen frohe Erinnerungen vergangener Tage vor mir auf, zugleich mit Beispielen seines vorsichtigen Wagemutes, seiner unbesiegbaren Herzhaftigkeit und väterlichen Sorge für mich in allen kritischen Lagen.

1868. Wetterhorn; Blümlisalp ( dritte Besteigung ); Balmhorn und Zagenpaß; Aletschhorn; Nesthorn ( dritte Besteigung ).

1869.Abstieg ( neu ) vom Mont Blanc über den Bossesgrat; Col de Béranger ( die erste wirkliche „ neue Tour ", die wir zusammen ausführtenGrandes Jorasses ( vierte BesteigungGrand Combin; Sesiajoch; Versuch anf das Matterhorn von der italienischen Seite ( schlechtes Wetter verhinderte uns daran, über die alte Hütte an der ^Cravate " hinaufzugelangen ).

1870.Mittelgipfel der Meije ( neu ); Pointe des Ecrins; Ailefroide ( neu ); Pelvoux; Mont Blanc vom Brenvagletscher ( zweite Besteigung ); Dent Blanche.

1871.Eigerjoch; Eiger ( neue Route ); Silberhorn und Jungfrau ( mit freiwilligem Übernachten in der Silberlücke ); Weißhorn vom Biesgletscher; Matterhorn ( vierte Traversierung ); Dent Blanche; Bietschhorn ( Traversierung. ) 1872.Gr. Schreckhorn; Mönch von der Kl. Scheidegg; Abstieg vom Jungfraujoch nach der Kl. Scheidegg; Unterbächhorn und Agassizhorn ( beides neue Besteigungen ); Biwak zwischen Hasli-Jungfrau und Mittelhorn ( Ansicht des Sonnenaufgangs auf dem ersteren, des Sonnenuntergangs auf dem letzteren und, auf dem Abstieg nach Rosenlaui, Besteigung des WellhornsGspaltenhorn; Groß Doldenhorn.

1873.Râteau; Montagne des Agneaux; Grande Ruine ( alles neue Besteigungen im Dauphiné ) mit erstem Abstieg ( auf der Südseite ) vom Col de la Pilatte.

1874. Wetterhorn und Jungfrau ( beide im WinterMont Pourri; Mont Thuria ( neu ); Mittlere Aiguilles d' Arves; Pic de la Grave ( neu ); Fiescherjoch und Ochsenhorn.

1875.Pointe Marguerite ( nach meiner Tante benannt ); Roche de la Muzelle; Mont Blanc ( mit TschingelAiguilles Verte und de Blaitière ( bei einem früheren Versuch auf die Aiguille Verte nötigte uns Almer klugerweise zum Rückzug, als wir nur noch 30 Meter vom Gipfel entfernt waren, da es zu gefährlich war, das Überschreiten eines auf einer sehr steilen Felsplatte aufliegenden Neuschneehanges zu versuchen [dieser Schneehang glitt einige Minuten später ab und rechtfertigte so vollständig Aimer's unfreiwilligen Rückzug] ).

1876.Grand Plateau du Mont Blanc ( im Winterunsere erste Saison ohne meine Tante ); Aiguille du Plat; Col des Sellettes; Aiguille des Arias; Pointe de Charbonel; Moming Rothorn ( TraversierungTödi; eine Anzahl Gipfel in den Ostalpen ( siehe Anhang ).

1877.Cime du Vallon; Pic d' Olan ( alle drei Gipfel ); Sirac; Cime de Clot-Châtel; Pic Coolidge ( von Franzosen so benannt ); Col des Avalanches ( eine sehr gefährliche, seither nie wiederholte Tour ); Pointe de la Grande Sagne.

1878.Meije ( zweite Besteigung ); Les Bans und südliche Aiguille d' Arves ( beide neu ); Aiguille de Péclet; Grande Casse; Grande Motte; Tsanteleina; Dent Parrachée; Pic du Thabor; Aiguille de la Grande Sassière; Gabelhorn ( nach einem Versuch, bei welchem wir einige Minuten vom Gipfel umkehrten, da es uns unmöglich war, den überwächteten Schneekamm des letzten Couloirs auf dem Südostgrat zu überwinden ).

1879.Gr. Schreckhorn ( im Winter ); Pavé; Pointe Haute de Mary; Aiguille und Brec de Chambeyron; Punta dell' Argenterà ( erste Besteigung des Königs der Seealpen ); Mont Clapier ( sehr schwieriger Abstieg über die Nordostwand, erst 1898 wiederholtMonte Viso von Nordwesten ( zweite Besteigung auf diesem Wege ).

1880.Pic Gaspard; Südliche Aiguille d' Arves ( zweite BesteigungBrèche Giraud-Lézin; Flambeau des Ecrins und Pointe de la Mariande ( an diesem letzten Gipfel geriet Almer in großen Zorn, da der Weg anfangs nicht sichtbar war, und schlug thatsächlich den Berg mit seinem Pickel, bis das Rätsel des Weges zum Aufstieg gelöst war ).

1881.Le Fifre; Pointe des Ecrins ( TraversierungPelvoux ( neue Route ); Pointe des Henvières; Panestrel; Monte Viso von Nordosten ( ein schwieriger und gefährlicher und seither nie wiederholter Weg; Visolotto ( neu ).

1882.Col de Gros Jean; Roche d' Alvau; Dôme des Ecrins; Sco-lette; Schienhorn; Baltschiederjoch.

1883.Tète du Rouget; Albaron; Bessanese; Rochemelon; Dent und Roche d' Ambin; Levanna ( alle drei GipfelCiamarella ( erste Traversierung ).

1884.Col de la Girose; Pointe de Ronce; Punta Francesetti; Dômes de la Sache, de Chasseforêt et de Polset.

Die Traversierung des Dôme de Polset von Pralognan nach Modane vom 31. Juli 1884 war meine letzte Besteigung mit Almer als Führer, obschon damals keiner von beiden hiervon eine Ahnung hatte. Am 7. Januar 1885 versuchte Almer mit einem englischen Herrn, und einer großen Gesellschaft von Führern und Trägern die Besteigung der Jungfrau. Der „ Herr " ( glücklicherweise war ich es nicht ) hatte den tollen Einfall, auf dem Gipfel übernachten zu wollen; aber bei ihrer späten Ankunft auf dem Gipfel machte der Wind diesem Vorhaben ein Ende und zwang die Gesellschaft zum Rückzug. Sie wanderten die ganze Nacht hindurch über die Gletscher auf ihrem Rückwege zur Berglihütte; mehrere von der Gesellschaft erlitten Frostschäden, aber keiner ärger als Almer, welcher schließlich sich alle Zehen des rechten Fußes amputieren lassen mußte.

Ich erinnere mich noch gut des Unglückstages, an dem mir diese traurige Kunde wurde, denn wie jedermann, fürchtete ich damals, seine alpine Laufbahn sei jetzt ganz zu Ende, und obschon er seinen zweiten Sohn, Christian, seit 1876 unser beständiger Begleiter, zu seinem einstigen Nachfolger erzogen hatte, so fiel mir doch, nach so langem Zusammensein mit dem Vater, dieser Abbruch unserer gemeinsamen Besteigungen sehr schwer. Doch hatte ich, trotz meiner langen Bekanntschaft mit Almer ( wie auch andere ), seine eiserne Entschlossenheit und nie versiegenden Mut unterschätzt. Schon 1886 bestieg er wieder Cima di Jazzi, Wetterhorn, Mönch und Eiger, und 1888 den Mont Blanc auf dem Aiguille du Goûter-Weg und die Jungfrau vom Rotthal, während er im Jahre 1889 das Eigerjoch überschritt und, was noch wunderbarer klingt, außerordentlich rasche Besteigungen des Weißhorns ( 43 4 Stunden von der Hohlichthütte, oder 8 Stunden 35 Min. für den Auf- und Abstieg ) und der Dent Blanche ( 5 Stunden 20 Min. vom Stockje, oder 8Va Stunden für Auf- und Abstieg ) ausführte, so daß sein „ Herr ", Mr. Chichester Hart, mit Recht schreiben konnte: „ Er ist 63 Jahre alt und für sein Alter ein wunderbarer Mann. Er kommt an Schnelligkeit und Kraft jedem seiner jüngeren Genossen gleich und besitzt ein mutiges Selbstvertrauen, wie nur wenige von ihnen. " Von da an, kann man beinahe sagen, nahm er in ausgedehntem Maße seine frühere Thätigkeit mit Energie wieder auf, obschon er natürlich zwischen seinen einzelnen Touren der Ruhe bedurfte und daher seinen Sohn und mich in unseren ununterbrochenen Besteigungen nicht mehr begleiten konnte. 1890 ging er über Gr. Fiescherhorn und Ochsenhorn vom Bergli nach Grindelwald, bestieg die Jungfrau von der Wengernalp und traversierte das Finsteraarhorn von der Schwarzegg zur Concordia; 1891 ging er ( mit Mr. Davidson ) an einem Tage von der Schwarzegg aus über Fiescherjoch, Ochsenhorn, Agassizhorn, Agassizjoch und Finsteraarjoch zur Schwarzegg zurück — eine Rundtour, welche sogar junge Leute mit Verblüffung und mit aufrichtiger Bewunderung betrachten dürften.

Im Jahre 1892 bestieg er neben andern Oberlandgipfeln zweimal das Gr. Schreckhorn. Im späten September war er am nämlichen Tage auf dem Wetterhorn, wie ich mit zweien seiner Söhne, und es war wirklich wunderbar, den alten Mann ( allein mit der Oberkellnerin des Hotel Eiger ) die ihm so wohlbekannten Felsen hinanklettern, und noch dazu seiner „ Frau " hülfbereit zur Seite stehen zu sehen. Das war das letzte Mal, an dem wir auf einem Berge zusammentrafen, und zufällig war es der nämliche Berg, auf den wir, 24 Jahre vorher, unsere erste gemeinsame Tour gemacht hatten. In den Jahren 1893 und 1894 bestieg er noch viele Gipfel im Oberland und besuchte sogar Arolla und die Tosafälle. Doch, wenn die Jahre 1864 und 1865 den Höhepunkt seiner frühen alpinen Laufbahn darstellen, so stehen die Jahre 1895 bis 1896 nicht hinter ihnen zurück. 1895 beendigte er eine Reihe von Besteigungen im Oberland durch eine Traversierung des Bietschhorns ( mit Mr. Davidson ), jenem gefürchteten Berg, in Bezug auf welchen Mr. Davidson sich folgendermaßen ausspricht: „ In der Besteigung des Bietschhorns führte Christian Almer auf dem ganzen Wege, und, obschon er früher nur einmal auf dem Berge gewesen ( und das etwa 24 Jahre vorher ), so ging er keinen Augen- blick fehl "; dann fügt Mr. Davidson noch hinzu: „ Bei diesen beiden langen und ermüdenden Expeditionen ( die andere betrifft das Schmadrijoch ) ging er in einem Tempo, um das ihn Männer, die nur halb so alt wie er, beneiden könnten; nach keiner dieser Touren war er müder als die andern Teilnehmer. " Doch war 1896 der „ annus mirabilis ". Am 22. Juni brachte er seinen kühnen Plan zur Ausführung, mit seiner treuen Gattin, die nie zuvor einen Hochgipfel erstiegen hatte, auf dem Wetterhorn die „ goldene Hochzeit " zu feiern. Begleitet waren sie von einer Tochter und zwei Söhnen. Diese That war gewissermaßen der dramatische Abschluß seiner alpinen Laufbahn, welche sich ( wie ich ihm oft lachend sagte ) um seinen Lieblingsberg, seinen ersten Hochgipfel, das Wetterhorn, als Mittelpunkt, drehte. Später im Jahre ( so berichtet uns Mr. George ), nach einer Woche, in welcher er vier Hochgipfel des Oberlandes bestiegen hatte, machte er mit Mr. George's Gefährten eine Rundtour auf Eismeer und Zäsenberg, in einem Tempo, in „ welchem nur wenige halb so alte Männer zu folgen begehrt hätten " ( Alpine Journal, XIX, pag. 202 ). Und endlich, am 19. August, setzte er seiner letzten Reise im Dauphiné ( mit Mr. H. J. Heard ) durch eine Besteigung der furchtbaren Meije, die er früher nur einmal, 1878, erklommen hatte, die Krone auf.

Glücklicherweise besitzen wir, wie von 1865, so auch von 1896 ein ausgezeichnetes Bild von Almer. Es ist dies das Porträt von Herrn Ch. Flach, das als Thermogravure vorliegendem Lebensbild beigegeben ist. Es ist ein bewunderungswürdiges, treffendes Bild, obschon nichts die wunderbaren Augen Aimer's vollständig wiederzugeben vermag, welche, einst blau, durch die Sonne nach und nach grau geworden waren, aber ihre erstaunliche Fertigkeit, den richtigen Weg auf einen Gipfel oder einen Berghang hinauf, den sie früher nie gesehen, ausfindig zu machen, nie verloren hatten.

Anfangs August 1897 geleitete Almer eine englische Dame auf das Wetterhorn, und dies war der Abschiedsbesuch bei seinem Specialberge, den er 43 Jahre vorher als erster Grindelwaldner bezwungen hatte. Später, im August, war er drei Wochen lang mit Messrs. T. Davis und Turton im Gebiet des St. Gotthard und der Lepontischen Alpen. Wie es scheint, machte die Partie keine bedeutenderen Besteigungen, doch dankt ihm Mr. Davis ganz besonders für seine Höflichkeit den beiden Damen der Gesellschaft gegenüber und sagt: „ er bewährte seinen großen Ruhm, nicht nur als König der Führer, sondern als angenehmen Gefährten und Freund ", und Mr. Turton pflichtet diesem Urteil in einigen Zeilen bei. Dies war Aimer's letzte Reise in fremdem Gebiet und die letzte Eintragung in sein Führerbuch, und ich werde es immer bedauern, daß ich und sein Sohn ein oder zwei Tage zu spät kamen, um ihn in Binn noch zu treffen. Im Herbst 1897 überschritt er den Lauteraarsattel ( ich weiß nicht, mit wem ); dies war seine letzte Expedition, und eine, welche er 40 Jahre vorher als erster gemacht hatte. Seine bergsteigerische Laufbahn hatte in Wirklichkeit mit den Wetterhörnern und ihrer Nachbarschaft begonnen, und diese Gipfel blieben immer seine Lieblinge, und in diesem Gebiet, in welchem er 43 Jahre früher so glänzend debütierte, beschloß er auch seine alpine Thätigkeit. Über seine Tüchtigkeit als Bergsteiger, Pfadfinder, Gesellschafter und Freund brauche ich hier kein Wort zu verlieren. Diejenigen, welche ihn in irgend einer dieser Beziehungen kannten, werden ihn nie vergessen, und diejenigen, die nicht so glücklich waren, können nicht hoffen, aus bloßen Worten zu erfahren, was er auf seinen geliebten Bergen war. Es genüge hier zu sagen, daß er einer der erfolgreichsten Erforscher der Alpen, einer ihrer treusten Freunde und würdigsten Söhne war.

Während des ganzen Winters 1897/93 gab seine wunderbare Gesundheit und Kraft nach und nahm unter vielen Leiden allmählich ab. Es war mir daher beinahe eine Erleichterung, als ich die Kunde von seinem am frühen Morgen des 17. Mai 1898, inmitten seiner Kinder erfolgten friedlichen Hinscheiden erhielt. Drei Tage später, am Tage nach Auffahrt ( eine sehr passende Zeit ), wurde er zu seiner letzten Ruhestätte im kleinen Gottesacker zu Grindelwald hinausgetragen. Ein langer Zug von Verwandten und Freunden folgte seinem Sarge.Vom Mettenberg herunter donnerten die Lawinen, als der Zug das Trauerhaus verließ und wiederum, als seine irdische Hülle durch den Gletscherpfarrer der Erde übergeben wurde, so daß die Anwesenden glauben mußten, es sei dies der Abschiedsgruß der gewaltigen Berge an den tapferen Mann, der sein ganzes Leben lang mit ihnen im friedlichen Ringen gelegen war. Außer seiner treuen Gattin, seinen fünf Söhnen ( alles wohlbekannte Führer ) und einer seiner drei Töchter ( zwei sind in Amerika ) und einigen seiner 31 Großkinder, waren noch viele Grindelwaldführer mit Vertretungen der Führer von Lauterbrunnen und Meiringen und allen zurzeit im Dorfe anwesenden Fremden um das Grab versammelt. Dann ging die Menge auseinander und überließ ihn seiner letzten Ruhe im Schatten der gewaltigen Berge, welche uns hier auf Erden einen Abglanz der nie erlöschenden Herrlichkeit der „ ewigen Berge " darstellen.

Verzeichnis der hauptsächlichsten Hochtouren Aimer's 1851—1897.

Dieses Verzeichnis umfaßt: 1. Alle neuen Hochtouren ( d.h. erste Besteigungen oder Überschreitungen oder neue Routen ), welche von Almer zuerst ausgeführt wurden. Namen, die nur mit einer Jahrzahl näher bezeichnet sind, bedeuten Erstlingstouren. 2. Andere bedeutende, von ihm gemachte Hohtouren. Alle Touren sind alphabetisch geordnet innerhalb der verschiedenen Gebiete, in welche die Alpen hier zerlegt werden.

W. A. B. Coolidge.

1. Seealpen ( Alpes Maritimes ).

Argenterà, Punta dell', 1879.

Clapier, Mont, 1879 ( erste Traversierung der Nordseite, Almer's westlichster Punkt in den Alpen ). Clapier, Col Est du Mont, 1879. Fous, Colle della, 1879. Gelas, Cima dei, 1879 ( erster Abstieg nach dem Malediagletscher ). Gelas di Lourousa, 1879 ( dritte Besteigung und neue Route von N.W. ). Matto, Monte, 1879 2. Cottische Alpen.

Ambin, Dents d', 1883.

Bouchet, Bric, 1881 ( erste Traversierung der Westseite ).

Chambeyron, Aiguille de, 1879.

Chambeyron, Brec de, 1879 ( zweite Besteigung ).

Cléry, Col des Rochers, 1883.

Dents d' Ambin, Col des Trois, 1883.

Etiache, Rognosa d', 1883 ( zweite Besteigung und Traversierung der zweiten Spitze ).

Ferrant, Punta, 1873 ( zweite Besteigung und erste durch Fremde ).

Font Sancte, Pointe de la, 1879 ( zweite Besteigung und neue Route von Maljasset aus ).

Henvières, Pointe des, 1881.

Laugier, Col du Vallon, 1879.

Mary, Pointe Haute de 1879.

Panestrel, und Col de, 1881.

Pelvat, Pic du, 1881.

Pénibles, Col des Rochers, 1883.

Rostan, Aiguille de Jean ( oderPic Signalé ), 1881.

Scolette, Aiguille de, 1882 ( dritte oder vierte Besteigung ).

Thabor, Col und Pic du, 1878.

Viso, Col du, 1879 ( halb ) und 1881 ( andere Hälfte ).

Viso, Monte, 1879 ( zweite Besteigung von N.W. ) und 1881 ( erste und bisher einzige Besteigung von N.O. ).

Visolotto, 1881 ( erste Besteigung der höchsten Spitze, dritte der zweiten Spitze und erste Traversierung der Südseite des Berges ).

Visolotto, Col du, 1881.

3. Da,uphiiiéalpen.

Agneaux, Montagne des, 1873.

Aiglière, Pointe de l', 1880 ( zweite Besteigung ).

Aiguille,Grande, 1882 ( dritte Besteigung ).

Aiguilles, Col des ( zweite Überschreitung ).

Ailefroide, 1870 ( erste Besteigung ), und 1880 ( dritte Besteigung ).

Aillot, Col d', 1877 ( erste Überschreitung durch Fremde ).

Alvau, Roche d', 1882 ( zweite Besteigung ).

Areas, Les, 1878 ( zweite Besteigung ).

Argentière, Pointe de 1 ', 1883.

Arias, Aiguille und Col des, 1876.

Arves, Aiguille Centrale d', 1874 ( zweite Besteigung ).

Arves, Aiguille Meridionale, 1878 ( erste Besteigung ) und 1880 ( zweite Besteigung ).

Arves, Aiguille Septentrionale ( die zwei Spitzen ) 1873 und 1878.

Arves, Col des Aiguilles d', 1864 ( erste Überschreitung ) und 1870 ( zweite Überschreitung ).

Avalanches, Col des, 1877 ( erste und bisher einzige Überschreitung ).

Bans, Les, 1878.

Berches, Les, 1875 ( erste Überschreitung durch Fremde ).

Blanc, Col du Glacier, 1873 ( dritte Überschreitung ).

Bœufs Rouges, Col des, 1880 ( zweite Überschreitung ).

Bœufs Rouges, Crête des, 1877 ( höchste Spitze ) und 1880 ( dritte Besteigung der zweiten Spitze ).

Canard, Bec du, 1883 ( dritte Besteigung ).

Casse Deserte, Col de la, 1873.

Chamois, Col des, 1875.

Chardon, Col du, 1877 ( erste Überschreitung durch Fremde ).

Charrière, Tête de ( zweite Besteigung ), Chéret, Col und Tête de, 1882 ( zweite Überschreitung und Besteigung ).

Clot-Châtel, Cime und Col de, 1877.

Cochette, Col de la, 1874.

Coolidge, Pic, 1877.

Ecrins, Dôme des, 1882 ( zweite Besteigung ).

Ecrins, Flambeau des, 1880.

Ecrins, Pointe des, 1864 ( erste Besteigung und Traversierung von O. nach Christian Ahner.

W., 1870 ( dritte Besteigung auf neuer Route ), und 1881 ( zweite Besteigung von der Südseite und erste Traversierung von S. nach N. ).

Encoula, Rocher de 1 ', 1883 ( zweite Besteigung ).

Entraigues, Col d\ 1880.

Entrepierroux, Aiguille d', 1883; Col d', 1876.

Epaisseur, Aiguille de V, 1878 ( erste Besteigung ) und 1884 ( zweite Besteigung ).

Etages, Pointe des, 1878 ( zweite Besteigung ).

Etret,Tête de 1 ', 1879 ( zweite Besteigung ).

Faurio, Col de la Roche, 1880 ( dritte Überschreitung ).

Faurio, Roche, 1880 ( zweite Besteigung auf neuer Route ).

Faviel, Pointe de Conte, 1878.

Félix Neff, Pic, 1880.

Fendue, Col de Pierre, 1878.

Fétoules, Col des, 1883 ( zweite Überschreitung ).

Fétoules, Tête des, 1879 ( dritte Besteigung ).

Fifre, Le, 1881.

Galibier, Roche du Grand, 1882 ( neue Route auf der O. Seite ).

Gandolière, Tête de la, 1880 ( zweite Besteigung auf neuer Route ).

Gaspard, Pic, 1880 ( zweite Besteigung ).

Gioberney, Mont, 1873.

Giraud-Lézin, Brèche, 1880 ( zweite Überschreitung ).

Girose, Col de la, 1884.

Grave, Pic de la, höchster Punkt 1874, zweiter Punkt 1880.

Jean Gauthier, Col, 1882 ( zweite Überschreitung ).

Jean, Col de Gros, 1882 ( erste und bisher einzige Überschreitung ).

Lauranoure, Tête de, 1880 ( zweite Besteigung ), 1881 ( Besteigung der zweiten Spitze ).

Lavey, Col de la, 1879 ( zweite Überschreitung ).

Lombard, Col, 1877 ( erste Überschreitung durch Fremde ).

Loup du Valgaudemar, Col du, 1877 ( erste Überschreitung durch Fremde ).

Marguerite, Pointe, 1875.

Mariande, Pointe de la, 1880.

Meije, Brèche de la, 1864 ( erste Überschreitung ) und 1872 ( dritte Überschreitung ).

Meije, Pic Central, 1870.

Meije, Pic Occidental ( höchste Spitze ), 1878 ( zweite Besteigung ) und 1896 ( als Siebzigjähriger ).

Muzelle, Roche de la, 1875.

Olan, Aiguille d',1880 ( dritte Besteigung ).

Ulan, Pic d', 1877.

Pavé, 1879.

Pelvoux, Mont, 1881 ( neue Route von W. ).

Pilatte, Col de la, 1864 ( erste Überschreitung ) und 1873 ( zweite Über-schreitungi.

Pinier, Grand, 1880 ( erste Besteigung durch Fremde ).

Piaret, 1879 ( dritte Besteigung ).

Plat, Aiguille du, 1876 ( zweite Besteigung auf neuer Route ).

Pointes, Col des Trois, 1876.

Râteau, 1873.

Râteau, Brèche du, 1874.

Replat, Têtes du, 1874.

Rif, Le, 1878 ( zweite Besteigung ).

Rochail, Col und Rocher du, 1877.

Rognons, Col de, 1880.

Rouget, Tête du, 1883 ( zweite Besteigung auf neuer Route und zweite Traversi erung ).

Rouies, Sommet des, 1873 ( zweite Besteigung ).

Rousse, Aiguille, 1881.

Rousses, Grandes.Nordspitze, 1874 ( vierte Besteigung ); Südspitze, 1877 ( dritte Besteigung mit neuem Abstieg ).

Ruine, Grande, 1873.

Ruine, Col de la Grande, 1874.

Sablât, Pic du Grand, 1877.

Sagne, Grande, und Col de la, 1877.

Sans Nom, Pic, 1880 ( dritte Besteigung ).

Saussaz, Aiguilles de la; Aiguille Centrale, 1880, Aiguille Méridionale ( zweite Besteigung ), 1882, Aiguille Septentrionale, 1883.

Says, Pic du, 1879.

Séguret Foran, Col de, 1878 ( zweite Überschreitung ).

Sélé, Pointe du, 1881.

W. A. B. Coolidge.

Sellettes, Col des, 187G ( erste Überschreitung ) und 1877 ( zweite Überschreitung ).

Signalé, Pic ( 3263 m ), 1880 ( zweite Besteigung ).

Sirac, 1877.

Soreiller, Aiguilles du; Aiguille Centrale, 1883 ( zweite Besteigung ); Aiguille Orientale, 1884 ( zweite Besteigung ).

Vallon, Cime du, 1877.

Vallon de Lanchâtra, Col du, 1875 ( erste Überschreitung ) und 1881 ( zweite Überschreitung ).

Verdonne, Col de, 1880.

4. Grajische Alpen.

Albaron, 1884 ( neuer Abstieg nach Bonneval ).

Bassac Déré, Col de, 1878 ( erste Überschreitung durch Fremde ).

Bellecôte, Sommet de,1878 ( zweite Besteigung und erste Traversierung ).

Bessanese, 1883 ( erste Besteigung durch Fremde ).

Bouchet, Col du, 1878.

Casse, Grande, 1878 ( fünfte Besteigung ).

Charbonel. Pointe de, 1876 ( zweite Besteigung durch Fremde, auf neuer Route ).

Ciamarella, 1883 ( erste Traversierung ).

Francesetti, Punta, 1884.

Gébroulaz, Col de, 1878.

Gura, Uja della, 1884.

Levanna Centrale, 1883 ( dritte Besteigung von der N. Seite ); Orientale, 1883 ( neue Routen von N.W. und 0. ).

Méan-Martin, Pointe und Signal de, 1883 ( zweite Besteigung ).

Mezzenile, Punta, 1884 ( zweite Besteigung und erste durch Fremde ).

Motte, Grande, 1878 ( dritte Besteigung ).

Péclet, Aiguille de, 1878.

Piatou, Pointe de, 1884.

Polset, Aiguille de, höchster Punkt, 1878 ( zweite Besteigung ), Ostspitze oder Dôme, 1884 ( zweite Besteigung und erste Traversierang ).

Pourri, Mont, 1874 ( zweite Besteigung über den N. Kamm ) und 1878 ( neuer Abstieg nach den Sevolierehütten ).

Rossa, Croce. 1883 ( neue Route ).

Sassière, Aiguille de la Grande, 1878 ( neue Route über den O. Kamm und erste Traversierung ).

Solliette, Pointe de, 1884 ( erste Besteigung und Traversierung ).

Thorens, Col de, 1878.

Thuria, Mont, 1874 ( erste Besteigung und Traversierung ).

Tsanteleina, 1878 ( zweite Besteigung auf neuer Route von Norden ).

5. Mont Blanc-Kette.

Béranger, Col de, 1869.

Blaitière, Aiguille de, 1875 ( zweite und dritte Besteigung ).

Blanc, Mont, 1864 ( allein mit Herrn Moore über den Goûter-Kamm ), 1869 ( erster Abstieg über den Kamm der Bosses ), 1870 ( zweite Besteigung vom Brenvagletscher aus ).

Dolent, Col du Mont, 1865.

Droites, Les, 1876 ( erste Besteigung der zweiten Spitze ).

Jorasses, Grandes, Westspitze, 1865 und 1867 ( erste und zweite Besteigung ), Ostspitze ( die höchste ) 1869 ( dritte und vierte Besteigung ).

Plateau, Grand, 1876 ( erste Winterreise ).

Talèfre, Col de, 1865 ( erste Überschreitung ) und 1870 ( zweite Überschreitung ).

Tour Noir, Col du, 1863.

Verte, Aiguille, 1865.

6. Penninische Alpen.

Biesjoch, 1864 ( zweite Überschreitung ).

Blanche, Dent, 1865 ( dritte Besteigung ), 1870 ( fünfte Besteigung ), 1871 ( achte Besteigung ), und 1889 ( als 62jähriger ).

Bouquetin oder Steinbock, 1864.

Cornier, Grand, 1865.

Cornier, Col du Grand, 1865 ( zweite Überschreitung ).

Jägerhorn und -joch, 1867.

Lyskamm, 1867 ( neue Route über den W. Kamm ).

Matterhorn, 1865 ( Versuch über die Ostflanke ), 1869 ( bis zur Cravattehütte auf der italienischen Seite ) 1871 ( vierte Traversierung und erste mit einer Dame ).

Mischabeljoch, 1862.

Christian Almer.

22:5 Moine, Col du, 1869.

Morning Paß, 1864 ( erste Überschreitung ), 1866, 1868 und 1869 ( dritte, vierte und fünfte Überschreitung ).

Nord End, 1872 ( dritte Besteigung ).

Ruinette, 1865.

Schallijoch, 1864 ( erste Überschreitung ), 1866 ( zweite Überschreitung ) und 1876 ( dritte Überschreitung ).

Sesiajoch, 1862 ( erste Überschreitung ) und 1869 ( dritte Überschreitung ).

Täschhorn, 1876 ( neue Route vom Mischabeljoch aus ).

Wandfluhjoch, 1871.

Weißhorn, 1863 ( dritte oder vierte bekannte Besteigung ), 1871 ( erste und zweite Besteigung, vom Biesgletscher aus, die einzigen bisher ), und 1889 ( wahrscheinlich die schnellste bekannte Besteigung, 43/* Stunden von der Hohlichthütte aus ).

7. Berner Oberland.

Agassizjoch, 1866 ( erste Überschreitung ), 1872 ( zweiter Abstieg durch das große Couloir ).

Aletschhorn 1864 ( erste Traversierung ).

Bietschhorn, 1871 ( dritte Besteigung und zweite Traversierung ), 1895 ( Traversierung als 69jähriger ).

Blümlisalp, 1868 ( dritte Besteigung ).

Breithorn, Lauterbrunner, 1865.

Doldenhorn, Groß, 1872 ( zweite Besteigung ).

Ebnefluhjoch, 1866 ( erste und bisher einzige Überschreitung ).

Eiger, 1858 ( erste Besteigung ), 1871 ( neue Route über den W. Kamm ).

Eigerjoch, 1871 ( zweite Überschreitung ).

Fiescherhorn, Groß ( Almerhorn ), 1862.

Gspaltenhorn, 1872 ( fünfte Besteigung ).

Jungfrau, 1851 ( Versuch ), 1856 ( dreimal, die sechste, siebente und achte bekannte Besteigung und die zweite, dritte und vierte von Grindelwald aus ), 1865 ( erste Besteigung von der Wengernalp aus ), 1874 ( erste Winterbesteigung ), 1885 ( Unglück während Versuches im Winter ), 1896 ( als 7Ojähriger ).

Jungfraujoch, 1862 ( erste Überschreitung ), 1864 und 1872 ( erster, zweiter und dritter Abstieg nach der Wengernalp ).

Lauteraarsattel, 1857 ( erste Überschreitung von Grindelwald aus ), 1897 ( letzte Exkursion ).

Mittelhorn, 1854 ( zweite Besteigung und erste von Grindelwald aus ), 1872 ( Sonnenaufgang von der Spitze ).

Mönch, 1857 und 1863 ( erste, zweite und dritte Besteigung ), 1875 ( Besteigung über den W. Grat und erstes Herabsteigen nach der Wengernalp ).

Nesthorn, Groß, 1865, 1867 und 1868 ( erste, zweite und dritte Besteigung ).

Rosenhorn, 1854 ( zweite Besteigung, und erste von Grindelwald aus ).

Schienhorn, 1882 ( dritte Besteigung ).

Schmadrijoch, 1866.

Schreckhorn, Groß, 1866 ( vierte Besteigung ), 1879 ( erste Winterbesteigung ), 1892 ( als 66jähriger ).

Schreckhorn, Klein, 1857 ( erste Besteigung und Traversierung ).

Silberhorn, 1865 ( zweite Besteigung, erste und bisher einzige von der N. Seite aus ).

! Strahlegg, alte, 1868 ( erste Überschreitung durch Fremde ).

Unterbächhorn, 1872.

Wellhorn, 1872 ( zweite Besteigung ).

Wetterhorn ( Hasli-Jungfrau ), 1854 ( Versuch von Grindelwald aus, und erste Besteigung — dritte im allgemeinen — von Grindelwald aus ), 1855 und 1856 ( viermal von Grindelwald aus ), 1864 ( von Grindelwald nach Rosenlaui und zurück nach Grindelwald in einem Tage ), 1865 ( neue Route durch das Schnee - Couloir ), 1868 ( direkte Besteigung von Grindelwald aus ), 1872 ( Sonnenuntergang von der Spitze ), 1896 ( goldene Hochzeitsfeier ), 1897 ( als 71jähriger, sein letzter Gipfel). i Wetterlücke, 1864 ( erste touristische Überschreitung ). | Zagen-Paß, 1868 ( zweite Überschreitung ).

8. Tödigebiet.

Claridenpaß, 1863 ( eine der ersten bekannten Überschreitungen ). Sardonapaß, 1863 ( idem ).

W. A. B. Coolidge.

Tödi, 1876 ( beide Spitzen traversiert von der Grünhornhütte aus, und Abstieg über Porta da Spescha nach Disentis ).

9. Berninagruppe.

Crest'agüzza-Sattel, 1866 ( zweite Überschreitung ).

Bernina, Piz, 1866 ( neue Route vom Crest'agüzza-Sattel aus ), 1869 ( in einem Tage mit dem Piz Zupo ).

Scalino, Pizzo, 1866 ( erste oder zweite Besteigung ).

10. Ortlergruppe.

Rosole, Monte ( vorher Fornaccia genannt ), 1866.

Taviela, Punta ( vorher Saline genannt!, 1866.

Vioz, Colle, 1866.

11. Ostalpen.

Adamello, 1876 ( erster Aufstieg vom Val Miller aus ).

Aquapendente, Passo di, 1876.

Dachstein, 1866 ( Aimer's östlichster Punkt in den Alpen ).

Pala, Cimon della, 1876 ( dritte Besteigung ).

Cevedale, Monte, 1866 ( zweite Bestei-gung)- Außer diesen Exkursionen in den Ostalpen hat Almer in jenem Gebiet auch die folgenden ausgeführt:

1866: GroGlockner, Groß-Venediger ( mit Ausnahme der letzten hundert Meter ), Schrankogel, Schwarzenbergjoch und Eisseepaß.

1876: Antelao, Bocca di Brenta, Cima Tosa, Passo di Canali, Presanella ( traversiert in einem Tage von Pinzolo, hin und zurück, in zehn Stunden, zehn Minuten Halte nicht inbegriffen 1, Marmolada ( höchster Punkt der Dolomiten ), Pelino, und Tiersalpljoch.

Anm. Wie es scheint, hat Almer folgende Gebiete in den West- und Centralalpen niemals besucht: Grand Paradisgruppe, Dent du Midi-Tour Sallières-Buet-gruppe, Diablerets-, Wildhorn-, Wildstrubelgruppe, Adula-, Albula- und Silvrettaalpen, Bergellerberge, und Ofenpaß -Piazzigruppe; in den Lepontischen Alpen hat er keinen der Hauptgipfel bestiegen.

Feedback