Die Nachführung

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M. Gurtner Gletschervorstoss in Grindelwald! Neues Teilstück der N 12 eröffnet! Solche Schlagzeilen machen uns darauf aufmerksam, dass im Gelände ständig Veränderungen vor sich gehen, seien sie nun natürlichen Ursprungs oder durch den Menschen hervorgerufen. Das neue Waldsträsschen auf dem Randen, ein Felssturz am Wildstrubel, der geänderte Weg zur Rottalhütte, der von einer Lawine umgelegte Wald im Meiental: vielleicht weniger spektakuläre Tatsachen, die aber doch nach einer Änderung des Kartenbildes rufen, damit den Benutzern möglichst aktuelle Grundlagen zur Verfügung stehen.

Die Landeskarten werden in einem Zyklus von 6 Jahren gebietsweise nachgeführt. Die Übersicht zeigt das grobe Flugprogramm des zweiten Nach-führungsdurchganges ( Einteilung nach ioo 000erBlattgrenzen ):

Das Zusammentragen der Daten für die Nachführung aller topographischen Karten ( i: 25000, 1:50000 und 1:100000 ) geschieht im Massstab 1: 25000. Die folgende Schilderung der Arbeiten bezieht sich darum zunächst nur auf diesen Massstab und auf den Fall einer Gesamtnachführung, d.h. der konsequenten Überprüfung des ganzen Karte ninhalts.

Topographische Arbeiten Die neuen Flugaufnahmen werden in einer ersten Phase unter einem Stereoskop betrachtet, mit der « alten » Karte verglichen, und jede Änderung wird von Hand eingetragen. Diese Vorbereitung dauert ungefähr zwei Wochen. Verschiedenes lässt sich aber aus dem Luftbild nur schwer oder gar nicht ablesen ( Photo 14 ):

- Fusswege im Wald,grosses Dach: Festhütte oder Bauernhaus?,neues Strässchen: mit Lastwagen befahrbar?,liegt unter dem Geröll noch Eis? Während etwa drei Wochen pro Blatt ist deshalb der Topograph im Gelände unterwegs. Er identifiziert die neuen Elemente, d.h. er klärt ab, ob sie in die Karte aufgenommen werden müssen, und klassiert die Strassen und Wege. Dazu soll auch der übrige Karteninhalt kontrolliert werden; das grösste Gewicht liegt dabei auf dem Verkehrsnetz, also dem Zustand der Strassen und vor allem auch der Fusswege. Die Anforderungen an ein Objekt für die Darstellung in der Karte sind normiert; so ist für eine einheitliche Beurteilung gesorgt.

Für diese Feldbegehung steht dem Topographen ein kleiner Personenwagen zur Verfügung. In den Alpen stellt diese Arbeit an die körperliche Leistungsfähigkeit teilweise recht hohe Anforderungen, gibt es doch Tage, wo man bei der Kontrolle der kleinen Fusswege ( z.B. im Tessin ) am Morgen auf der einen Talseite 1000 Meter aufsteigt und am Nachmittag auf der andern Seite noch einmal soviel. Der Kampf gegen Brombeerranken und meterhohes Farnkraut auf der Suche nach alten Alpwegen ist dabei nicht minder kräfteraubend. Natürlich wird man auch die Bevölkerung um Auskunft angehen; es hat sich aber gezeigt, dass für eine einheitliche Beurteilung doch meist noch ein eigener Augenschein nötig ist. Oft wird der Topograph sehr misstrauisch angesehen, wenn er sich so ungemein für alles interessiert. Kommt er wegen einer neuen Strasse? Wegen der Steuern? Ein Bauführer sagte, nach dem neuen Skilift befragt, unaufgefordert zu einem L + T-Mitarbei-ter: « D'Baubewilligung chunnt morn ganz bestimmt! »...

Erklärt man den Leuten seine Aufgabe und zeigt die Karte und die Luftaufnahmen, so kommen oft echtes Interesse und Bewunderung zum Vorschein. Eine Frau, die den Topographen aus dem Regen zum Mittagessen hereingeholt hatte, fand es zu gefährlich, wenn er so allein unterwegs sei in diesen entlegenen Winkeln, und forderte ihren Mann mit den Worten auf: « Alfons, du geisch de hütt Namittag mit däm Herr! » ij: Ausschnitt aus einer Gravurplatte: Graphisch ausgearbeitetes Bild der Situation, Blatt 128g Brig 18a: Kupferstich: Reproduktionsmethode bis 1953Photo m. Ries l + t 18 b: Kartograph beim Gravieren einer StrassePhoto M. Ries L + T ig a: Gravur gerate: Ring, Dreifuss, Schaber und NadelnPhoto m. Ries l + t ig b: Felsgravur: Plastisches Schraffenbild, nur mit einer Dreikantnadel erarbeitetPhoto m. rìcs l + t 20a: Reliefherstellung mit Spritzpistole, Pinsel und BleistiftPhoto m. rìcs l + t 20 b: Rastern des Reliefs bei der Aufnahme in der KameraPhoto m. Ries l + t Oft stellen diese Leute die Frage, warum nicht die Gemeinden und die Kantone verpflichtet werden können, solche Änderungen zu melden? Zu Beginn der Kartennachführung wurde dieses System erprobt, aber bald fallengelassen, weil die Meldungen nie einheitlich und vor allem nicht genügend rasch zur Verfügung standen. Heute sind es interessanterweise die Kantone, die vom Nachführungszyklus der L + T für die Nachführung ihrer Übersichtspläne profitieren möchten.

Meldungen von aussen und Feststellungen oder Bemerkungen von Mitarbeitern werden laufend auf einem neuen Blatt festgehalten, damit sie bei der nächsten Revision berücksichtigt werden können. Diese Sammlung heisst Revisionsatlas. Sollte sich trotz aller Bemühungen noch ein Fehler in der Karte finden, so sind wir um eine kurze Mitteilung an die Abteilung Topographie dankbar. Vergessen Sie aber nicht, dass seit den Flugaufnahmen ( Datum auf der Karte ) schon wieder verschiedene Änderungen eingetreten sind und dass nie alle Elemente in der Karte dargestellt werden können ( Generalisierung ).

Ausländisches Gebiet kann nur nachgeführt werden, wenn neuere ausländische Karten vorliegen. Luftaufnahmen jenseits der Grenze sind uns nicht gestattet. Das vertraute Kartenbild darf also nicht darüber hinwegtäuschen, dass dort Grundlagen unterschiedlicher Qualität und teilweise beträchtlichen Alters verwendet werden mussten. Immerhin versuchen wir, unter Zuhilfenahme von Wander- und Strassenkarten wenigstens die schlimmeren Fehler zu korrigieren. Der Gerechtigkeit halber muss aber auch gesagt sein, dass von gewissen Gebieten um die Schweiz herum sehr gute und auch nachgeführte topographische Karten existieren.

Des weiteren werden für die Revisionen manchmal auch Projektpläne gebraucht, z.B. wenn bei einer neuen Strasse die Bauarbeiten schon begonnen haben, das Trassee aber noch nicht klar ersichtlich ist. Die Strasse wird in diesem Fall als « im Bau », mit unterbrochenen Linien, angegeben. Hier ist allerdings Zurückhaltung am Platz, denn schon oft hat sich bei einer späteren Auswertung erwiesen, dass die Ausführung gegenüber dem Projekt bis zu einigen hundert Metern verschoben war! Bleibt zu hoffen, dass die angefragten öffentlichen und privaten Büros Verständnis zeigen und uns die Pläne prompt für kurze Zeit zur Verfügung stellen...

Nach der Rückkehr des Topographen vom Feld kann mit der photogrammetrischen Auswertung ( Photo 13b ) begonnen werden, d.h. die neuen Elemente werden geometrisch richtig in das bestehende Kartenbild eingetragen. Die Triangulationspunkte sind nicht signalisiert, der Photogrammeter orientiert die « Modelle » anhand von Wegkreuzungen, kleinen Häusern und den Höhenpunkten der bisherigen Karte. Photo 16: Auf der Glasplatte ist das einfarbige ( totale ) Bild der « alten » Karte aufkopiert ( grau ), darüber ist die rote Gravurschicht aufgegossen. Der Auswerter am Autographen weiss anhand des Feldkar-tons genau, welche Elemente er mit der Messmarke abfahren muss; gleichzeitig werden sie mit einem feinen Stichel auf dem Zeichentisch graviert und erscheinen dadurch weiss auf dem Bild. Für diese Arbeit hat sich das von einem früheren L + T-Mitarbeiter erdachte, patentierte Kontrollsystem bewährt: In einem Zusatzokular kann der Auswerter den Stift auf dem Zeichentisch und die Kartengrundlage betrachten und die Lage von bestimmten Objekten und den Stand der Auswertung kontrollieren. Der Zeitaufwand für die Auswertung eines Blattes beträgt ungefähr drei Wochen.

Es mag vielleicht überraschen, dass auch die Schrift gewissen Veränderungen unterliegt: Glet-scherkoten, Grössenänderungen wegen Zunahme oder Abnahme der Einwohnerzahl, Anpassung ans PTT-Ortsverzeichnis, Verschiebungen wegen neuer Elemente, auch neue Namen von Siedlungen usw. Diese Änderungen werden auf einer separaten Folie angegeben.

Dazu gehört auch die Deklination, nämlich der Winkel zwischen der magnetischen Nordrichtung ( Kompassnadel ) und Kartennord. Sie ist abhän- 17

ri »? '

j. y,19a

ff ri

19b .*> 21: Nachgeführte Platte: Grüne Gravurschicht, graue Anhaltkopie; milchige Stellen:

Ätzung, ganz weiss: neu gravierte Elemente: Nachführung igj2 Bellinzona 22a: Aufgiessen der Kopierschicht in der Tournette 22b: Druck der Karten in Bogen-Ofjsetmaschinen 2^a: Zur Karte gehören im Gebirge auch Kompass und Höhenmesser 2g b: Das Gebäude der Eidgenössischen Landestopographie in Wabern 24:... und wer möchte hier nicht mit dabei sein?

gig von Ort und Zeit; dank einer guten Zusammenarbeit mit dem Observatoire Cantonal in Neuenburg können wir diesen Winkel und seine Änderung unten rechts auf jedem Blatt 1125000 und 1: 50000 für die Blattmitte und das Ausgabejahr angeben.

Westliche Deklination für igyg Jährliche Abnahme 7'( a,i%o ).

Bei gewissen Kompassen ist es möglich, die Deklination zu korrigieren. Diese Einstellung soll aber von Zeit zu Zeit und bei einem Wechsel des Aufenthaltsortes anhand der Karte ( und evtl. im Gelände ) kontrolliert werden.

Reproduktion Zuerst werden die neuen Namen einzeln auf kleinen Filmen auf eine Glasplatte geklebt; als Grundlage sind die bisherige Karte und die Nachträge in blassen Farben aufkopiert. Dank einem besonderen, patentierten Verfahren können zuerst die neue Schrift und anschliessend das bleibende Kartenbild geätzt werden; Elemente, die ändern oder ganz verschwinden, sind dabei durch eine Maske geschützt und werden nicht geätzt. Auf die Glasplatte ( a ) wird zuerst eine milchige Grundschicht ( b ) aufgetragen, darauf werden 24 hellgrau das bestehende Kartenbild ( e ) und Photo M. Rirs L + T Phulo M. Rirs L+T Photo M. Rirs L + T Photo M. Rirs L+T Photo S. UullMhk-Kcr L+T dunkler die ausgewerteten Nachträge ( d ) aufkopiert. Darüber wird anschliessend die grüne, ätz-und gravierbare Schicht gegossen und geschleudert ( Photo 22 a ).

Auf diese grüne Schicht wird die lichtempfindliche Chromgummischicht aufgetragen. Zuerst mit dem bestehenden Kartenbild und der Maske belichtet und dann entwickelt, gibt sie die untere Schicht an jenen Stellen frei, die unverändert bleiben. Jetzt wird geätzt - es versteht sich, dass es gerade auch bei diesem Vorgang darum geht, die ursprüngliche Strichstärke auf den Hundertstel-millimeter zu erhalten - und die Chromgummischicht abgewaschen.

Bei der Gravur ( g ) ( Photo 18b ) der neuen Elemente ( h ) kann der Kartograph direkt an die bestehende Situation ( f ) anschliessen; er hat also am Schluss die vollständige, neue Schwarzplatte vor Augen ( Photo 21 ). Die weiteren Strichfarben werden entsprechend behandelt; wie bei der Neuerstellung sind die vorangehenden Farben ebenfalls in der Grundlage einkopiert.

Was hier relativ einfach tönt, schliesst in Tat u nd Wahrheit über 70 Kopierschritte ein, die von der Reprophotographie erledigt werden. Bei der Nachführung wird nur noch am ganzen Blatt gearbeitet. Der kleine Helligkeitsunterschied zwischen der Neugravur ( h, bis auf die Glasplatte durchgeschnitten ) und der Ätzung ( f, die milchige Grundschicht bleibt, Photo 21 ) erlaubt es, die neu gravierten Elemente separat auf eine Glasplatte für weitere Verwendungen zu kopieren ( selektionieren ).

a Glasplatte b Grundschicht c Gravurschicht d Nachträge

e Löschungen f geätzte Elemente g Gravurstichel h neue Elemente Nach dem Druck ( Photo 22 b ) werden die Bogen rundum geschnitten, und ein Teil der Auflage wird ungefalzt aufbewahrt, um für Planungen, Orientierungen oder als Wandschmuck verkauft zu werden. Die andern Karten kommen in die Falzmaschine und von dort ins Verkaufslager. Jetzt werden die offiziellen Verkaufsstellen orientiert. Nach der Auslieferung der neuen Karte können die Buchhandlungen, Papeterien oder Kioske allfällig noch vorhandene Exemplare der alten Ausgabe an die L +T zurücksenden.

Vom Zeitpunkt der Flugaufnahmen bis zum Druck vergehen in der Regel zwei Jahre. Die Karte ist also bei der Herausgabe in gewissem Sinne schon « veraltet ». Die L + T ist bestrebt, diesen Zeitraum in Zukunft noch zu verkürzen, was allerdings wegen der Personalsperre ein schwieriges Unterfangen sein wird. Dank der konsequenten Bearbeitung jedes Blattes alle 6 Jahre hat die Schweiz aber doch eines der wirksamsten Nachführungssysteme.

Einzelnachträge Wird bei einer Nachauflage ausserhalb des normalen Zyklus noch eine wichtige Seilbahn oder ein neues Autobahnteilstück eingetragen, so spricht man von einem Einzelnachtrag. Auf der Karte erscheint dann eine doppelte Jahrzahl, z.B. 1975(78 ), d.h. die Gesamtnachführung 1975 wurde mit Einzelnachträgen 1978 ergänzt.

Beispiele Als Beispiel für die Veränderungen in der Landschaft und der dadurch bedingten Nachführung der Karten haben wir einen Ausschnitt aus der Landeskarte t :25000 Blatt 1301 Genève gewählt: Karte 14. Oben ist zum Vergleich derselbe Ausschnitt aus der « topographischen Karte des Kantons Genf » ( aufgenommen unter Dufour 1837 ) wiedergegeben. Auf dem unteren Teil ist grau gedruckt das einfarbige ( totale ) Bild der Karte von igjg ( erste Ausgabe 1956 mit Einzelnachträgen 1959 ), daraufsind blau die Nachträge von igßy und rot die Elemente, die bei der Revision von igj4 noch hinzugefügt werden mussten.

Wenn Sie den Ausschnitt Gemmi auf den verschiedenen Kartenbeilagen ( im Massstab 1 :50000 von 1841 Karte 2, 1935 Karte 6, 1940 Karte 7 und 1974 Karte 9 ) vergleichen, werden Sie nebst Unterschieden in der Aufnahme- und Reproduktionstechnik auch in diesem alpinen Gebiet recht bedeutsame Veränderungen feststellen können. Der Rhonegletscher ( Photos 2 a und b ) ist wohl eines der bekanntesten Beispiele für den Rückzug eines Gletschers. Sollte er dies nur getan haben, um einem Stausee Platz zu machen?...

1 :50000 und 1:100000 Sobald die entsprechenden vier Blätter 1:25000 ausgewertet sind, kann mit der Nachführung eines Blattes / :50000 begonnen werden. Die Auswertungen müssen dabei photographisch verkleinert werden. Der Topograph zeichnet dazu eine Redaktion, wo festgelegt wird, welche neuen Elemente auch in diesem Massstab noch nachgetragen werden sollen. Der Kartograph graviert die neuen Elemente so, dass sie noch den gleichen Eindruck ergeben, aber immer noch gut lesbar sind ( generalisieren ). Die reproduktionstechnische Bearbeitung ist genau dieselbe wie bei der Nachführung 1:25000.

Die Nachführung der Blätter r:100000 kann erst in Angriff genommen werden, wenn je vier Blätter i :50000 fertig graviert sind. Hier wird nämlich die Selektion, d.h. der Auszug der neu gravierten Elemente, verwendet. Aus diesem Grund verzögert sich die Herausgabe der Blätter dieses Massstabs um etwa 4 Jahre nach den Luftaufnahmen.

Kleine Massstäbe Die Landeskarten 1:200000 und 1:500000 werden besonders behandelt, weil ihre Blattgren-zen über die Nachführungsblöcke hinausgehen. Die Detailänderungen werden auf Grund der Erhebungen für die topographischen Karten eingetragen, die in einem Zyklus von 6 Jahren gebietsweise anfallen. Wichtige Bauwerke werden in kürzeren Intervallen als Einzelnachträge eingefügt.

Inhalt und Gebrauch der Karte

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