Die topographischen Karten der Schweiz

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Von E. Imhof, Oberstlieutenant.

Die Uranfänge zu unserer grossen topographischen Karte reichen bis in das vorige Jahrhundert zurück, denn schon Ende der neunziger Jahre hat Professor Tralles die Triangulation einzelner Theile der Schweiz unternommen, zwei Grundlinien, die eine bei Aarberg, die andere auf der Thuner Allmend gemessen, und mit Hülfe derselben eine grosse Anzahl Bergspitzen der westlichen Schweiz bestimmt. Im Osten der Schweiz befasste sich der Astronom Fehr aus Zürich in den Jahren 1794 und 1797 mit der Messung einer Grundlinie im Sihl-

. ' ) Die folgende Arbeit war ursprünglich als Vortrag für das Clubfest in Lausanne bestimmt, fiel aber, da Herr Oberst Imhof durch eine militärische Sendung wegberufen wurde, aus den Traktanden. Obwohl ihr Inhalt theilweise derselbe ist, wie in General Dufour's „ Notice sur la carte de la Suisse " im letzten Jahrbuche, glaubte die Kedaktion doch vielen Wünschen zu entsprechen T wenn sie eine deutsche Arbeit über Geschichte und Plan unserer Karten der französischen nachfolgen liess.Anmerk. d* ßed.

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ImJiof.

feld, von welcher ausgehend er ein Dreiecknetz über die Kantone Zürich, St. Gallen, Appenzell und Thurgau bis an den Bodensee bildete, und im Jahr 1811 ertheilte die bernische Regierung dem Herrn Professor Trechsel den Auftrag zur Triangulirung des südlichen Kantonstheils.

In der östlichen Schweiz wurde ein Theil des Bezirkes Sargans aufgenommen und als Probeblatt für die künftige topographische Behandlung der Gebirgsgegenden im Jahr 1822 der h. Tagsatzung zur Genehmigung vorgelegt. Die Leitung aller dieser Arbeiten hatte diese h. Behörde dem damaligen eidgenössischen Generalquartiermeister Finsler übertragen, welcher bis zum Jahr 1828 mit grossem Eifer seine Zeit und Kräfte diesem Gegenstand widmete.

Nachdem nun so ein Dreiecksnetz erster Ordnung über die ebene Schweiz im Wesentlichen beendigt war, handelte es sich darum, in 's Gebirge vorzudringen, den trigonometrischen Alpenübergang zu bewerkstelligen und die schweizerischen Operationen mit denjenigen der Nachbarstaaten in Verbindung zu setzen, eine Aufgabe, die bei jedem Schritte zu ihrer Lösung auf neue unerwartete Hindernisse der verschiedensten Art traf. Die Standpunkte mussten die Bedingungen der Besteigbarkeit und der gegenseitigen Sichtbarkeit, letztere wenigstens je zu dreien erfüllten und überdies in grossen, möglichst regelmässig gebauten Dreiecken sich an die österreichischen Messungen anschliessen. Viele Berge wurden zu diesem Behuf ohne ein weiteres Resultat erstiegen, als die gemachte Wahrnehmung, dass irgend ein naher Gebirgsrücken jede geregelte Fort- Setzung des entworfenen Netzes unmöglich mache, und mithin ein anderes System der Dreiecksverbindung ausgemittelt werden müsse.

Mehrere Jahre wurden durch diese mühevollen Vorarbeiten in Anspruch genommen.

Im Jahr 1830 besorgte Oberst Burgwalder den Anschluss an die österreichischen Messungen im Tyrol und im Jahr 1833 geschah dasselbe durch ihn für den Anschluss an die französische Triangulation. Gestützt auf das vorhandene Material an Vorarbeiten beschloss sodann eine Konferenz im Jahr 1832, die einige wichtige die Triangulirung der Schweiz betreffende Punkte zu berathen hatte, der h. Tagsatzung folgende Vorschläge zu unterbreiten:

1 ) Nachmessung der Grundlinien bei Aarberg und Zürich.

2Entwurf der Karte der Schweiz nach Flamsteed's modifizirter Projektionsmethode.

3 ) Annahme der Sternwarte zu Bern als Fundamentalpunkt für die Längen- und Breitenbestimmung'und für die Orientirung der Karte.

4 ) Topographische Aufnahme der Karte im Massstab von

1: 25,000 für die ebene Schweiz, 1: 50,000 für das Hochgebirge, 1: 100,000 für den Stich der Karte.:

Im Jahr 1833 veranstaltete der damalige eidg. Oberstquartiermeister Dufour von Genf eine zweite Konferenz zu näherer Erörterung der besprochenen Fragen, insbesondere der Nachmessung der Grundlinien und ordnete die nöthigen Einleitungen zu der- selben an.

Inzwischen war auch das Dreiecknetz zweiter Ordnung nicht unbearbeitet geblieben, denn ausser den schon erwähnten Arbeiten im Kanton Bern beschäftigten sich die Herren Osterwald mit der Triangulation des Kantons Neuenburg, Huber mit derjenigen von Basel, Merz im Kanton Appenzell, Sulzberger im Kanton Thurgau, de Saussure und Delarageaz im Kanton Waadt. Später d.h. zwischen den Jahren 1831 und 1837 fand auch die Triangulation des Kantons Freiburg durch Lüthardt und diejenige des Kantons Wallis durch Berchtold, Domherr in Sitten statt, und wurde dadurch das waadtländische Dreiecknetz mit demjenigen der centralen Schweiz in Verbindung gebracht. Eschmann sagt hierüber in den « Ergebnissen der trigonometrischen Vermessungen »:

« Die Erlangung dieser Resultate war indessen mit mannigfachen Gefahren und Entbehrungen verknüpft. Das Besteigen hoher Bergspitzen trifft zwar bis zu den obersten Alphütten auf kein erhebliches Hinderniss; von da an aber müssen Felsgräte erklimmt, Schneeflächen und Gletscher überschritten und der Muth der mit den Instrumenten und Zeltgeräthschaften schwer belasteten Träger aufrecht erhalten werden. Sind dann bei Ankunft auf dem Gipfel die Signale sichtbar, so muss sogleich, der körperlichen Müdigkeit ungeachtet, an die Winkelmessung geschritten werden; ist die Witterung ungünstig, so werden die Leute verabschiedet, das Zelt bezogen, und es tritt, binnen Kurzem ein unbehaglicher, Körper und Geist in hohem Grade erschlaffender Zustand ein. Alle Wechselfälle des schlechten Wetters und insbesondere die Nebel, in denen das Zelt oft Tage lang eingehüllt ist, vermehren noch das Traurige eines solchen Wohnortes.

Dessenungeachtet gewährt der Hinblick auf die erlangten Resultate zu reichlichen Ersatz, als dass dadurch nicht alle Beobachter sich stets zu neuen Anstrengungen ermuthigt gefühlt hätten. »

Erst mit dem Jahr 1833 wurde das grosse Werk eigentlich begonnen, und die Arbeit, aus welcher die topographische Karte entstehen sollte, mit der nöthigen Thätigkeit betrieben. Einerseits gab ihr die Dekretirung durch die h. Tagsatzung, anderseits die leitende Persönlichkeit des Oberstquartiermeisters Dufour einen neuen Impuls.

Die Signale, von frühem partiellen Triangulationen herrührend, waren theils verschwunden, theils nie gehörig versichert worden, so dass hierin Vieles nachzuholen war; endlich gab es noch immer einzelne Gebietstheile ganz besonders im Hochgebirge, wo überhaupt noch nie ein Dreieck angenommen worden war.

Um über dem ganzen Werk auch nicht den leisesten Zweifel oder Verdacht in Betreff der Zuverlässigkeit der Arbeit walten zu lassen, sah man sich gezwungen, Alles von neuem anzufangen und so zu operiren, wie wenn noch gar keine frühern Arbeiten gemacht worden wären von der Messung der Basis hinweg bis zum letzten Dreieck; denn es lag in der Absicht der Behörde sowohl, als in derjenigen des Leiters, ein Werk zu schaffen, das vollständig auf der Höhe der Zeit stünde und ebenbürtig den besten Arbeiten dieser Art, die in den Nachbarstaaten in Ausführung begriffen oder schon beendigt waren, und die zur Verbindung der grossen Triangulationen von Frankreich, Italien und Oesterreich dienen, an die Seite gestellt werden könne.

In erster Linie wurde nun die grosse Basis, die früher schon von Professor Tralles in der Ebene des grossen Mooses bei Aarberg gemessen worden, verifizirt; man konnte sich nicht unbedingt auf deren vollkommene Genauigkeit verlassen, s' ei es, dass die von ihm angewendeten Massstäbe nicht ganz mit den neuern identisch waren, sei es, dass die Reduktion auf die nämliche Temperatur von 13 ° R. nicht mit genügender Sorgfalt vorgenommen worden war. Zur grössern Sicherheit, und um ein Mittel der Verifikation und der Kontrolle zu besitzen, wurde eine zweite Basis in der Ebene des Sihlfeldes bei Zürich angenommen, und mit deren Messung zuerst begonnen, da sie kürzer war, als die erstere, und in einem leichter zugänglichen Terrain lag, wo daher auch die Ingenieure und ihre Gehülfen mit der Messüngsmethode und der Handhabung der Instrumente sich ganz vertraut machen konnten.

Als Massstäbe wurden dünne Eisenröhren gewählt, welche die Eigenschaft eines möglichst geringen Gewichts mit einem genügenden Grad von Steifigkeit vereinigen. Dieses Metall wurde dem Holze vorgezogen, obschon es gegen den Temperaturwechsel sehr empfindlich ist, weil die Ausdehnung, die jedem Grade des Thermometers entspricht, genau bekannt ist, und die Keduktion auf eine gegebene Temperatur sich sehr leicht und sicher bewerkstelligen lässt. Um Stösse zu vermeiden, sollten die Massstäbe bei der Messoperation sich nicht berühren,. sondern. einen kleinen Zwischenraum frei lassen, dessen Grosse dann mittelst eines kleinen stählernen, .;

mit einer: Eintheilung versehenen Keils gemessen wurde, und wodurch noch: Tausendstel von Linien; abgelesen werden konnten, Die Messung -der beiden Grundlinien geschah unter Leitung des Herrn Eschmann von Zürich und wurde mit aller Genauigkeit ausgeführt,.. ',.. '.

Für die Projektion der Karte wurde, wie oben bemerkt, diejenige gewählt^ welche unter dem, Namen « modifizirte Projektion: Flamstëed .» bekannt ist; als Mittelpunkt derselben wurde die \ Berner Sternwarte angenommen, .obschöii dieselbe .nicht dem; Mittelpunkt des Landes entspricht, sondern zu viel.nach JWesten liegt; allein ihre'Läge d.h. geographische'.Länge und Breite war ganz genau bekannt und es fand: sich keine andere Sternwarte vor, die eine centralere Lage hatte, üebrigens war; diese Lage. ohne merklichen Einfluss auf die Genauigkeit der entferntesten Punkte bei dem für die Karte gewählten Massstabe von 1: 100^000. Dieser letztere wurde; für ein so gebirgiges Land, wie die Schweiz, als geeigneter erachtet, als derjenige von 1: 80,000, der, für die Generalkarte von Frankreich adoptirt worden ist. Zudem wollte die Leitung grundsätzlich, das Bezimalsystem nicht verlassen, und wählte den Meter als Längen-Eiiiheitsmass. Die ganze Karte würde in .25. Blätter eingetheilt, und zwar fünf Blätter in der Länge von Ost nach West und fünf in der Höhe, Jedes Blatt, sollte'«70 m Länge und 48cm Breite haben, somit eine Fläche von 33,6 Quadrat decimetern enthalten. Allein von dieser: ganzen Fläche gehören 812Inihof.

nur etwa zwei Drittel zur Schweiz, der Rest ist fremdes Land; in der zerrissenen Gestalt der Landesgrenze liegt der Grund, warum die Blätter an der Peripherie der Schweiz nicht, mehr mit Zeichnung angefüllt sind, als wir es sehen, so dass die Ecken mit passenden Erläuterungen, die eigentlich nicht zur Topographie gehören, ausgefüllt werden mussten. Dieselben enthalten den Titel der Karte, die Eintheilung der Blätter, ein Yerzeiehniss von Höhen, von Ortsnamen und die Grossen der Kantone. Jedes Blatt wurde mit zwei Massstäben versehen, der eine rein metrisch, der andere für die Angabe der Schweizerstundenlänge.

Für die topographischen Aufnahmen wurden zwei verschiedene Massstäbe gewählt, nämlich derjenige von 1: 25,000 für den ebenen Theil der Schweiz und derjenige von 1: 50,000 für das Hochgebirge; dieser letztere schien noch gross genug für das so sehr coupirte und schwach bevölkerte Terrain; immerhin ist er noch doppelt so gross, als derjenige der Reduktionen, die für den Stich der Karte bestimmt wraren.

Die Aufnahmen sollten so genau als möglich nicht nur alle bewohnten Orte, die Flüsse und Bäche, Strassen und " Wege umfassen, sondern auch die Gestaltung des Terrains, dessen richtige Auffassung und Darstellung in einem Lande, wie die Schweiz, mit nicht geringen Schwierigkeiten verbunden war, wieder geben.

Für die Darstellung der Terrainformen wurde die Methode der äquidistanten Kiveaucurven, trotz ihrer schwierigen Anwendung bei den hohen Gebirgen vorgeschrieben, indem eine Aequidistanz von 10 m für den Massstab von 1: 25,000 angenommen wurde.

Die topographischen Karten der Schweiz. 31&

Die Ausgangspunkte dieser Curven wurden durch ein Nivellement von grösser Genauigkeit bestimmt, allein die Höhenzahlen ( in Metern ausgedrückt ) nur in ganzen Zahlen mit Weglassung der Bruchtheile, in die Karte eingetragen; eine grössere Genauigkeit schien nicht nothwendig zu sein.

In Betreff der Landesgrenzen begnügte man sich mit der Angabe der Grenzen der Kantone gegen das Ausland und unter sich, indem die Eintragung weiterer Unter abtheilungen, als Bezirke, Kreise und Gemeinden als zu weit gehend angesehen wurden; ebenso abstrahirte man von der Angabe der genauen Waldgrenzen, da dieselben durch neue Kulturen und Schläge von einem Jahr auf das andere dem Wechsel unterliegen.

In den eidgenössischen Archiven waren schon einige Karten einzelner Landestlieile vorhanden, auf deren Genauigkeit man sicher rechnen konnte; es waren dies die Karten des Bisthums Basel von Oberst Buchwalder, diejenige des Fürstenthums Neuchâtel von Osterwaid, und des Kantons Solothurn von Walker. Die Leitung der topographischen Karte beabsichtigte, dieselben zu Nutzen zu ziehen, nachdem sie mittelst einiger Nachtragungen ergänzt und mit den erforderlichen Höhenquoten versehen sein würden, um sie mit dem übrigen Ganzen der Karte in Einklang zu bringen. Das nämliche war der Fall mit den noch nicht herausgegebenen Karten von Baselstadt, Thurgau und Appenzell. Auch der Kanton Genf stellte seine Kartenaufnahmen im Massstab von 1: 12,500 mit Niveaukurven von 4 m Aequidistanz zur Verfügung.

Bevor mit dem Stich der aufgenommenen Gebiets- SUImhof.

theile begonnen werden konnte, war noch eine wichtige Frage zu lösen, nämlich diejenige der zu wühlenden Darstellungsart; es entstand die Frage, soll der vertikalen Beleuchtung oder der schiefen Beleuchtung der Torzug gegeben werden. Wenn auch für Anwendung der vertikalen Beleuchtung für ebenes oder hügeliges Terrain gewichtige Gründe sprechen, so ändert sich die Sache vollständig, wenn es sich darum handelt, diese Beleuchtungsart bei der Darstellung eines stark gebirgigen Landes anzuwenden, wo dieselbe unvermeidlich in der Zeichnung zu einem vollkommenen Schwarz führen müsste und das Verständniss der Karte, sowie deren Benutzung sehr erschweren würde. Da nun aber das Hauptverdienst einer Karte, ausser in einer grossen Genauigkeit, in der Klarheit und Deutlichkeit des Bildes liegt, so schien die Anwendung der schiefen Beleuchtung geeigneter, um die hohen Berge, mit denen das Land bedeckt ist, hervortreten zu lassen, und den Charakter der Terrainformation möglichst deutlich und rasch dem Auge zum Verständniss zu bringen. Bei einer mathematisch genauen Bestimmung des Gerippes der Karte konnte man füglich zu einer mehr, malerischen Zeichnung Zuflucht nehmen, um ein Kunstwerk zu schaffen, das Jedermann verständlich sei ;; indem man noch die Höhenangaben in zweckuiässiger Weise vermehrte, verband man gleichzeitig eine geometrische. Oenauigkeit in der Planimetrie der Karte mit. einer schönen Zeichnung.

Wenn nun auch im Allgemeinen die schiefe Beleuchtung gewählt wurde, um die hohen Berge recht fasslich hervortreten zu lassen, und sie auch den un- geübtesten Augen verständlich zu machen, so hat sich doch für die ganz ebenen Gebietstheile nicht strikte daran gehalten, da die vertikale Beleuchtung ( oder Lehmann'sche Methode ) für dieselben vorzuziehen ist, indem sie sich dazu eignet, auch die kleinsten Bodenunebenheiten sichtbar zu machen.

Im Jahr 1845 wurden die ersten Kartenblätter im Stich veröffentlicht, es waren diese das Blatt XVI, enthaltend den Genfersee, den Kanton Genf und einen Theil des Kantons Waadt, und das Blatt XVII, enthaltend Theile von Waadt, Freiburg und Wallis. Dieses letztere Blatt wurde so viel verlangt und musste in so starker Auflage nachgedruckt werden, dass die betreffende Kupferplatte vor Vollendung der ganzen Karte abgenutzt worden ist und neu in Stahl hat erstellt werden müssen.

Die ersten erschienenen Blätter haben sofort den Vorzug der schiefen Beleuchtung für ein Land, wie die Schweiz, vor der vertikalen Beleuchtung dargethan, so dass bei der ersten Weltindustrieausstellung in Paris der Schweiz für die ausgestellten Kartenblätter die goldene Medaille zuerkannt worden ist. Wahrend den nachfolgenden Jahren sind die Blätter successive erschienen, und die Platten derselben sind der Ver-stählung unterstellt worden, welche Operation sie so zu sagen unzerstörbar macht.

Wie bereits erwähnt, beträgt die Zahl der Blätter, das Titelblatt inbegriffen, fünfundzwanzig; werden dieselben alle zusammengefügt, so bilden sie ein Ganzes von 3,5.0 m Länge und 2,40 m Breite, das ein gewisses Interesse darbietet, indem es ein schönes Gesammtbild der charakteristischen Topographie unseres Landes gibt.

Nachträglich sind in die Kartenblätter die ausgeführten Eisenbahnlinien eingetragen worden, da dieselben der Vollständigkeit und ihrer Wichtigkeit wegen unbedingt zur Karte gehörten.

Als Ergänzung wurde auch die zunächst der Schweizer grenze liegende Terrainzone der angrenzenden Staaten beigefügt und die Zeichnung derselben den besten Karten der betreffenden Länder entnommen. Von den conventioneilen Karlenzeichen wurde Umgang genommen, von der Ansicht ausgehend, dass eine gute Topographie, verbunden mit einer grossen Genauigkeit, vollständig genügen werden.

Vor der Veröffentlichung der Blätter wurden dieselben einer genauen Prüfung durch competente Fachmänner unterstellt, um sich der Richtigkeit der Ortsnamen und ihrer Schreibart zu vergewissern. Man hat mit einem Wort nichts versäumt, um der eidgenössischen Karte den möglichst hohen Grad von Genauigkeit zu geben, worin wohl ein Grund der etwas verspäteten Veröffentlichung der Kartenblätter liegen mag; altein das Ergebniss war dafür desto befriedigender. Die von der Eidgenossenschaft auf dieses Werk verwendeten Kosten betragen in runder Summe Franken 1,000,000; ein für unsere Verhältnisse bedeutender Betrag, der aber, auf eine grosse Zahl vertheilt, keine unerschwinglichen Opfer kostete. Der vom Direktor der Karte im Jahr 1837 aufgestellte Voranschlag lautete sogar auf Fr. 1,130,000, und trotzdem hat sich die hohe Tagsatzung dadurch von der Dekretirung des Werkes nicht abschrecken lassen.

Ausser der grossen topographischen Karte soll in Folge Bundesbeschluss noch die Anfertigung einer reduzirten Karte stattfinden, welche im Massstab von 1: 250,000 mehr für die gewöhnlichen Bedürfnisse berechnet ist. Diese Karte besteht aus vier Blättern, von denen jedes genau so gross ist, wie ein Blatt des Atlas, und wird in reduzirter Form die Hauptbewe-gungen des Terrains angeben, ohne in die nämlichen Details einzutreten, wie solches bei der grossen Karte geschehen konnte. Die bewohnten Orte sind in derselben mehr durch geographische als durch topographische Zeichen dargestellt. Von derselben sind zur Stunde drei Blätter erschienen.

Wenn man jetzt an die grossen Schwierigkeiten jeder Art zurückdenkt, welche die Natur unseres Landes einem solchen Unternehmen entgegengestellt hat, so kann man der Schweiz das Verdienst nicht versagen, ein Werk geschaffen zu haben, das nicht nur den verschiedenen Verwaltungen Nützliches leistet, sondern das vollständig auf der Höhe der Wissenschaft steht und dem Besten, was in den angrenzenden grossen Staaten in dieser Beziehung geleistet worden, wrürdig " an die Seite gestellt werden kann. Die damit beschäftigten Ingenieure haben in der Lösung ihrer schwierigen Aufgabe alle mögliche Sorgfalt und Genauigkeit angewendet, um ein so schönes Kesultat zu erzielen; mit einer lobenswerthen Hingebung haben sie Entbehrungen mancher Art ertragen, indem sie ganze Sommef hindurch in den entlegensten wildesten Gegenden der Erde zubrachten und oft sogar ohne irgend ein Obdach allen Witterungseinflüssen sich preisgaben.

Mehr als einmal waren sie grossen Gefahren auf den Gletschern und auf den hohen Bergspitzen ausgesetzt; Einer von ihnen, mit Namen Glanzmann, ist durch einen Sturz von einer steilen Höhe elendiglich zu Grunde-gegangen, und ein Anderer, der jetzt noch lebende Oberst Buch walder, ist auf dem Säntis in seinem Zelt vom Blitz getroffen und auf der einen Seite des Körpers gelähmt, der neben ihm liegende Gehülfe aber getödtet worden. Entbehrungen und Gefahren wurden den Ingenieuren zu Theil, welche für eine bescheidene Besoldung die besten Jahre ihres Lebens dem Zustandekommen des eidgenössischen Atlas gewidmet haben. Aber dieses von allen Kennern hoch gepriesene Werk hat auch schon seine Früchte getragen; die Originalaufnahmen sind schon oft zu Rathe gezogen, und für die Entwürfe von Strassen-projekten und von Eisenbahnanlagen mit Vortheil benutzt worden; sie haben den Geologen und den Freunden der Naturwissenschaften namhafte Dienste geleistet und zu gewissen militärischen Arbeiten sind sie geradezu unentbehrlich geworden. Sprechen wir endlich von unserm Alpenclub, so muss zugestanden werden, dass das rasche Wachsen desselben gewiss auch zum Theil der vortrefflichen Karte zu verdanken ist, mit Hülfe deren das Eindringen in die verborgensten Falten und Thäler'des Hochgebirgs möglich geworden ist; überhaupt ist sie vermöge ihrer genauen Aufnahmen und der getreuen Darstellung des Terrains der sicherste und zuverlässigste Führer. Auch auf den Berggipfeln gibt sie ii^er die Rundsicht oft weit bessere Auskunft, als die mitgenommenen Führer und Träger sie zu geben im Stande sind.

Die Geologen besitzen sowohl im grossen Atlas, als in den Blättern der Originalaufnahmen eine sichere Grundlage für ihre Forschungen, die sie früher entbehren mussten, da sie nur durch die Eintragungen der Ergebnisse ihrer Studien in eine genaue Karte zu einem zuverlässigen Endresultat gelangen können; auch ist in der That der im " Werden begriffenen schweizerischen geologischen Karte die Dufour'sche Karte zu Grunde gelegt.

Durch Erlass eines Bundesgesetzes vom 18. December 1868 ist ein weiterer Schritt zur Entwicklung der schweizerischen Kartographie gethan werden. Gemäss demselben soll nämlich die topographische Yermessung und Aufnahme des Gebietes der Eidgenossenschaft in denjenigen Kantonen und Kantonstheilen fortgesetzt werden, in denen bis jetzt noch keine regelmässigen topographischen Aufnahmen stattgefunden haben, nämlich in den Kantonen Neuenburg, Baselstadt und Baselland, Solothurn, Aargau, Thurgau, Appenzell Ausser-und Innerrhoden " und in einem Theil des Kantons Bern. Die Aufnahmen werden von der Eidgenossenschaft im Massstab von 1: 25,000 ausgeführt, und deren Kosten vom Bunde und den Kantonen zu gleichen Theilen getragen. Sodann sollen die Aufnahmen publizirt werden und zwar mit Beibehaltung des Original-Massstabes; die Publikation geschieht nach einem einheitlichen Plane und der Herausgabe jedes einzelnen Blattes hat die Revision, Ergänzung oder Umarbeitung der Aufnahmen voranzugehen. Die Reihenfolge der Publikation wird durch die abgeschlossenen Verträge geregelt.

Durch dieses Gesetz über die Fortsetzung der topographischen, Aufnahmen und die Publikation der- selben ira Original-Massstabe ist der Fortschritt für die schweizerische Topographie gesichert.

Die Landestheile, deren Kartenblätter auf ungenügenden Vermessungen beruhten, werden neu vermessen, die etwas mangelhaften frühern Aufnahmen beseitigt und durch neue ersetzt, und sämmtliche brauchbare Aufnahmen vor der Publikation revidirt. Dadurch wird nicht nur dem sich interessirenden Publikum ein detaillirtes Bild unseres Landes geliefert, sondern der geschätzte topographische Atlas im Massstab von 1: 100,000 vor dem Veralten gesichert und auf dem Standpunkte der jährlichen Fortschritte und Verbesserungen erhalten. Dieses ist von grösser Wichtigkeit, selbst für topographische Karten, da wenigstens das Nachtragen neuer Eisenbahnen, Strassen etc. unbedingt nothwendig ist, um sie auf der Höhe der Brauchbarkeit zu erhalten; so werden auch die Dufour'schen Blätter stetsfort vervollständigt und verbessert.

Der Atlas der Aufnahmen erscheint in Lieferungen von je zwölf Blättern. Die erste Lieferung ist vom Jahr 1870 auf 1871 erschienen; sie umfasst Bern nebst Umgegend bis Laupen im Westen und Emmenthal im Osten; ferner Interlaken mit einem Theil des Berner Oberlandes bis Rosenlaui, Schreckhorn, Eiger, Wengernalp, Lauterbrunnen, Staubbach, im Norden bis zum Hohgant, Rothhorn, Brünigpass, Meiringen, also gerade einen der schönsten und besuchtesten Theile der Schweiz.

Die zweite Lieferung ist im Laufe des vorigen Sommers ebenfalls erschienen und enthält vier Blätter aus der Umgebung von Bern und acht Blätter aus dem Bernischen Jura, welehe auf ganz neuen Aufnahmen Die topographischen Karten der Schweiz.

beruhen. Im Jahr 1873 können die Lieferungen IIIund IV fertig werden. Die dritte Lieferung für den 8. A. O., ganz besonders interessant, wird nur Blätter aus dem Hochgebirge enthalten Und zwar: zwei Blätter Binnenthal, vier Blätter Gotthardt, drei Blätter Hinter-Rhein, Mesocco und Olivone und drei Blätter Oberland, nämlich Adelboden, Jungfrau und Lenk. Die Lieferung IV enthält wieder Blätter aus dem Kanton Bern und einige aus dem Kanton Waadt und zwar aus den Umgebungen von Lausanne und Bière.

Zu weiterer Publikation liegen in Vorbereitung:

1 ) Sämmtliche den Kanton Bern enthaltenden Blätter, die Neuaufnahmen im Bernischen Jura und Seeland bis zur Emme, d.h. aus Blatt Nr. VII des Dufour-Atlas.

2 ) Die Neuaufnahmen aus den Kantonen Neuenburg, Baselland und Aargau.

3 ) Die Blätter des Kantons Graubünden und zwar zunächst diejenigen aus dem Blatt XIV des Dufour-Atlas.

Die Revision umfasst die Vervollständigung der Triangulation, Versicherung der Signale, Ergänzung und Korrektur der Hypsometrie und der Terraindarstellung, Aufnahme und Nachtragung aller Veränderungen in Strassennetzen, Ortschaften, Eisenbahn- und Kanalanlagen u. s. w. Häufig sind ganz neue Aufnahmen erforderlich. Im Durchschnitt kömmt ein Blatt auf Fr. 1500 zu stehen; es gibt aber einzelne Blätter, deren Kosten bis auf Fr. 3000 ansteigen.

III ist inzwischen erschienen.Red.,d. Red. Ueber das ganze Kartenwerk äussern sich die geographischen Mittheilungen von Petermann wie folgt:

« Die vor sechs Jahren im Stich vollendete eidgenössische oder Duföur'sche Karte in 25 Blättern und im Masssttab von 1: 100,000 vereinigt eine genaue Aufnahme mit meisterhafter naturgemässer Zeichnung und schönem geschmackvollem Stich in so ausgezeichneter Weise, in einem so harmonischen Ganzen und gibt ein so naturwahres Bild der imposanten Alpennatur, dass wir sie unbedingt als die vorzüglichste Karte der Welt ansehen.

Mit Rücksicht auf die wesentlichen Vorzüge, welche die Originalaufnahmen vor der Kartenausgabe unstreitig haben, soll nun die ganze Schweiz in den Massstäben dieser Originalaufnahmen publizirt werden, was 546 Blätter erfordern wird. Eine Lieferung von 12 Blättern ist bereits erschienen, und da jedes Jahr eine weitere Lieferung erscheinen soll, dürften freilich etwa 45 Jahre nöthig werden, um das ganze Werk zu vollenden; nach der ausserordentlichen Thätigkeit, die jedoch in dieser Arbeit entfaltet iwird, dürfte dieser Zeitpunkt wohl noch.etwas abgekürzt werden.

Jedenfalls wird die Schweiz hinsichtlich der offiziellen Karten'durch dieses. Unternehmen von Neuem, an die Spitze der Staaten treten, da kein anderes Land ihr etwas Aehnliches an die Seite. zu setzen hat. Aber nicht bloss wird die neue Karte die Originalaufnahmen erschöpfend wiedergeben, sondern viele neue Verbesserungen, Zusätze, Nachträge bringen und zum Theil auf ganz neuen Aufnahmen beruhen. »

Die Einteilung des Atlas der Aufnahmen schliesst Die topographischen Karten der Schweiz.

sieh in der Weise an die Eintheilung des Dufour'schen Atlas an, dass ein Blatt der letztern 16 Blätter im Massstab von 1: 50,000 und 64 Blätter in demjenigen von 1:25,000 für die neue Publikation ergibt. Der Inhalt eines jeden Blattes beträgt 9,11 Quadratstunden im Massstab von 1: 50,000 und 2,28 Quadratstunden in demjenigen von 1:25,000.

Bei den Aufnahmen im 1f-2:>ooo ist der gewöhnliche Messtisch, die Alhidade mit Höhenkreis, die Orientirboussole und die Stadie im Gebrauch, während bei den Yermessungen im Hoehgebirg, wo im Y50000 gearbeitet wird, ein kleinerer Messtisch mit Alhidade und Höhenkreis, die Orientirboussole, in der Regel aber keine Stadie zur Anwendung kommt.

Für die neuen Aufnahmen haben die Ingenieur-Topographen die Instruktion, sämmtliche Signale zu versichern, entweder durch Setzen von Signalsteinen, oder durch Einmeissein von Zeichen, und darüber ein Versicherungsprotokoll mit einer geometrischen Zeichnung und Beschreibung anzufertigen. Die Gemeinde-und Bezirksgrenzen werden vermessen und an Ort und Stelle im Massstab der Aufnahmen eingezeichnet. Da die Waldgrenzen und die Ortschaften in den Aufnahmsblättern des 1/äouoo meistens nicht mit der erforderlichen Genauigkeit vermessen und gezeichnet sind, so haben die Ingenieure jedes Blatt in dieser Beziehung sorgfältig zu revidiren.

Die Hypsometrie wird soweit ergänzt, dass überall Höhenzahlen vorkommen, wo es erforderlich ist, nämlich an den Côhfluenzpunktën der Flüsse, an Brücken und an Zwischenpunkten, so dass das Gefälle durch die Zahlen genügend ausgedrückt ist;

bei allen Ortschaften, an Strassenknoten und an Zwischenpunkten, damit die Steigungen herausgelesen werden können; auf den Kuppen, den Sätteln und Uebergängen der Gebirgsrücken, in den Thalwegen und auf dem ge-sämmten Terrain an auffallenden Punkten, immer* jedoch nach der Beurtheilung, dass der betreffende Punkt auf dem Terrain erkenntlich sei.

Da die Ortsbenennung in den Aufnahmsblättern meistens ungenügend ist, so hat der aufnehmende Ingénieur jedes Gemeindegebiet mit einem Delegirten der Gemeinde zu begehen, um die richtige Benennung der " Wohnorte, der Flüsse, der Wälder, der Alpen, der Berge, Gletscher u. s. w. zu ermitteln und an Ort und Stelle in die Karte einzutragen. Die örtlichen Benennungen werden jedoch nur aufgenommen, insofern sie topographischen Gebieten, wie Thälern, Schluchten, Ebenen, Plateau, Erhebungen u. s. w. angehören; ebenso wird die am Orte selbst gebräuchliche Schreibart ermittelt, wozu überdiess stets noch eine Berathung mit einer sachkundigen Person stattfindet.

Die Zeichnung der Blätter ist eine kaum abgeänderte Copie der Originalaufnahmen. Die Schrift, die Höhenzahlen einzelner Punkte, das Strassennetz, die Ortschaften und einzelne Gebäude, die Grenzen, die Wälder und die Felspartien sind in Schwarz, die Terrain-Curven in Braun, die Gewässer und Gletscher in Blau gedruckt.

Das Bodenrelief und die Formen des Terrain-Mantels sind in der Regel durch die braunen Niyeau-Curven dargestellt; es finden jedoch hier einige Aus- nahmen statt:

Die kleinen Böschungen und Einschnitte, die Erdrisse und Schlipfe, d.h. Formen, welche die gewählte Aequidistanz nicht erlaubt, durch Curven auszudrücken, werden durch braune Schraffur bezeichnet; der von Erde und Vegetation entblösste Felsboden wird durch schwarze Horizontal-Curven dargestellt, insofern es der Böschungsgrad noch gestattet, während die Felsmassen und Felswände, die wegen ihrer Steilheit die Zeichnung der Curven in der gewählten Aequidistanz nicht gestatten, durch schwarze Schraffuren ausgedrückt werden, mittelst welcher die durch Messung in ihren Umrissen bestimmten Formen der Felspartien unter Anwendung der schiefen Beleuchtung künstlerisch zur Darstellung gebracht werden.

Bei der regelmässigen Darstellung des Terrains ist je die zehnte Curve punktirt und an passender Stelle mit ihrer Höhenzahl in brauner Farbe bezeichnet. Punktirte Curven werden überdiess angewendet, um den Anfang und das Ende von Böschungen zu markiren; ferner als Zwischen-Curven, um kleiner« Terrainbewegungen noch zum Ausdruck bringen zu können.

Die Darstellungsweise des Terrains mittelst äquidistanter Niveau-Curven wurde von General Dufour von Anbeginn der Aufnahmen vorgeschrieben und seither stets angewendet; denn um später mittelst vertikaler Schraffur in der topographischen Karte im Massstab von 1 :100,000 das Boden-Relief darstellen zu können, war die Gurvendarstelhmg als Grundlage durchaus erforder-lieh. Biese beiden Darstellungsmethoden dürfen nicht als Gegensätze einander gegenüber gestellt werden, vielmehr haben Beide ihre volle Berechtigung neben einander.

" ImJwf.

Die im Atlas angewendete Schraffur in schiefer Beleuchtung passt für kleine Massstäbe, wie derjenige von 1: 100,00.0 und noch kleinere; sie soll ein sofort in die Augen springendes Bild der Erhebungen und Vertiefungen des Bodens geben, und entspricht diesem Zweck vollkommen; allein für grössere Massstäbe, wie derjenige von 1: 50,000 und 1: 25,000 liefert die Schraffur nicht mehr ein so schönes Bild.

Für die Publikation der Aufnahmen wurde die Darstellung mittelst Curven aus folgenden Gründen gewählt:

1weil die Aufnahmen in dieser Weise vorhanden sind

2weil eine Publikation der Aufnahmen in den Originalmassstäben, ldie in Schraffur ausgeführt würde, in Bezug auf die erforderliche Zeit und die Kosten geradezu unmöglich wäre; und

3weil die Curvenkarten manche Vorzüge vor andern Karten haben.

Die Wissenschaft liefert zur Zeit keine andere geometrische Darstellungsart des Terrains, als die mittelst äquidistanter Niveau-Curven. Wie der Architekt durch Grundrisse, Ansichten und Schnitte, die in verschiedenen Richtungen geführt werden, seinen Bau in allen Details geometrisch darstellt, so gibt der Topograph mit seiner Darstellungsweise ein Bild, das dem Relief des Bodens bis in alle Einzelheiten mathematisch ähnlich ist, und je kleiner die Curvenftbstände genommen werden, desto mehr eignet sich die Methode zur Darstellung auch der kleinsten Details. Nach der Ourven-Aufnahme kann Jemand, der das dargestellte Die topographischen Karten der Schweiz.

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Terrain nie gesehen hat, ein Relief ausführen, das einen der Natur geometrisch ähnlichen, verjüngten Körper bildet, und aus der Cur Yenzeichnung können alle geometrischen Eigenschaften des dargestellten Terrains entnommen werden, z.B. die Neigung der Oberfläche, die Concavität und Convexität in vertikalem und horizontalem Sinne, Profile, Ansichten in jeder beliebigen Richtung, die - Ueberhöhung der- eiuzelnen Theile, das Volumen des Gänzen und einzelner Theile u. s. w.

Das Bild der Erhebungen und Vertiefungen fällt zwar nicht so unmittelbar in die Augen, wie bei den schraffirten und mit schiefem Licht beleuchteten Karten; es bedarf einer gewissen Verstandesthätigkeit, um die Karten zu lesen, was jedenfalls nicht als ein Nachtheil, sondern geradezu als ein besonderer Vortheil dieser Darstellungsweise zu betrachten ist. Die Schraffur ist ein sehr ungenügendes geometrisches Mittel und schraffirte Karten lassen daher eine Menge geometrischer Fragen ungelöst; dennoch herrschen noch viele Vorurtheile gegen die Curven-Karten; man wirft ihnen namentlich vor, sie seien schwer zu verstehen. AHeifa es genügt eine geringe Thätigkeit, um zu jedem Verständniss derselben befähigt zu- sein; man /Versuche z.B. auf quadrillirtem Papier einige Querprofile des Terrains aus der Curven-Karte zu zeichnen, was bei der bekannten Aequidistanz sehr leicht ist, oder man versuche, mit Graphit eine schiefe Beleuchtung des Reliefs hervorzubringen, Uebungen, mittelst welchen in unsern militärischen Unterrichtskursen das Verständniss dieser Karten in der kürzesten Zeit gewonnen wird.

In einigen Schulen der Kantone Zürich und Bern werden solche Karten sogar beim Jugendunterricht angewendet, und es zeigt: sich dabei nicht die entfernteste Schwierigkeit für deren; vollständiges Verständniss.

Topographische Curven-Karten werden ausser der Schweiz in Belgien, Dänemark und in neuerer Zeit auch in Italien publizirt; dagegen werden Oesterreich und Preussen keine solchen Kartenwerke publiziren^ wohl aus dem einfachen Grund, weil sie keine derartigen Aufnahmen besitzen und weil eine neue Aufnahme in diesen Ländern wohl ein halbes Jahrhundert erfordern würde.

Die Darstellungsweise mittelst Curven schliesst durchaus nicht aus, dem Auge ein unmittelbares Bild der Erhebungen des Bodens zu geben; wenn auf einen besondern Stein das Reliefbild in Kreide gezeichnet und dann, auf das Curvenblatt gedruckt wird, so erhält das Bild eine vollkommene Deutlichkeit; die Beilagen zu unserm Jahrbuch enthalten eine ganz gelungene Probe dieses Verfahrens, das gleichzeitig die geometrische Curyenzeichnung und das unmittelbare .Reliefbild des Terrains liefert. Wir verweisen einfach auf die Karte über die Gebirgsgruppe zwischen Lukmanier und La Greina, welche das Exkursionsgebiet für das Jahr 1865 enthält.

Der S.. A. C. dürfte sich daher füglich die Aufgabe stellen, diese Richtung verfolgend, die Kartenproduk-tion mehr zu cpncentriren; er würde sieh um ein Verfahren verdient machen, dem ohne Zweifel eine schöne Zukunft in der Kartographie angehört.

Wünschen wir uns Glück und zollen wir dem Verdienste den Tribut der Anerkennung. Wir verdanken es der so einsichtsvollen Leitung des Herrn General Dufour, unter welcher ausschliesslich die Darstellung mittelst äquidistanter Niveau-Curven bei den Aufnahmen zur Anwendung kam, dass wfr jetzt in dieser rationellsten Weise ein Bild unseres schönen Lande* ausführen können.

Benutzte Materialien:

Eschmann, Ergebnisse der trigonometrischen Vermessungen

in der Schweiz.

Dufour. Notice sur la carte de la Suisse. Notizen des eidg. Stabsbureau.

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