Dufour-Karte und Siegfried-Atlas

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A. Oberli

Dufour-Karte

Topographische Karte der Schweiz i: iooooo Trigonometrische Arbeiten von 1785 bis 1864 An der Wende vom 18. zum ig.Jahrhundert war die Erkenntnis allgemein durchgedrungen, dass nur mit einer sorgfältig gemessenen Basis und einem darauf aufbauenden Dreiecksnetz auf wissenschaftlicher Grundlage eine Verbesserung gegenüber den vorhandenen Karten erzielt werden könne.

Schon während der Entstehungszeit des Meyer-Atlas ( i 796-1802, Karte a ) wurden, meist unabhängig voneinander, in Thun, in Suhr-Kölliken, im Grossen Moos und in Bern von J.G. Tralles und F. R. Hassler, in Zürich und im Rheintal von J. Feer Basislinien gemessen und von ihren Endpunkten aus gut sichtbare Erhebungen anvisiert. Mit den sich daraus ergebenden Dreiecken konnte die Lage der Geländepunkte im Raum genau festgelegt werden. Doch die politisch sehr unruhigen Zeiten erschwerten die Erstellung von topographischen Karten. Man erkannte, dass die Herstellung einer solchen über das ganze Land die Kraft einzelner Personen und die Mittel auch von Kantonen überstieg.

Einmal durch die kriegerischen Ereignisse, sodann durch den aufkommenden Reiseverkehr in die Alpentäler war aber die Nachfrage nach Karten gross. Der Meyer-Atlas erlebte eine Neuauflage. Kellers Reisekarten fanden guten Absatz und wurden zu seinem Leidwesen von allen kopiert. Aber das Fehlen einer geometrisch genauen Karte, wie sie umliegende Länder, besonders Frankreich, bereits hatten, machte sich vor allem bei militärischen Operationen unangenehm bemerkbar. Erstmals 1809 arbeiteten unter Oberstquartiermeister Hans Conrad Finsler einige eidgenössische Offiziere an der Vermessung; die entstandenen Kosten wurden von der Tagsatzung übernommen. In den nächsten Jahren baute Ingenieur H. Pestalozzi auf den Basen im Sihlfeld und im Grossen Moos ein Dreiecksnetz über das Mittelland und den Jura auf. Und um endlich den Behörden etwas vorlegen zu können, zeichnete er vom Seeztal ein Musterblatt 1:43300. Damit wurde 1822 erreicht, dass die Tagsatzung die Oberaufsicht über die trigonometrischen Vermessungen der eidgenössischen Militäraufsichtsbehörde und speziell die Leitung dem Oberstquartiermeister übertrug. Es ist dies höchst erstaunlich, wenn man bedenkt, dass man damals weder politisch noch konfessionell einig war, dass man noch kantonale Zölle und örtliche Gebühren erhob und es über 60 verschiedene Längenmasse und Gewichte sowie mehr als 300 Münzsorten in der Schweiz gab.

1832 versammelte Ludwig Wurstemberger auf Anregung Finslers, dessen Nachfolger er geworden war, alle an der Vermessung beteiligten Männer zu einer Kommissionssitzung. Es wurde das Projektionssystem vorgeschlagen und die Sternwarte von Bern zum Ausgangspunkt für das Gradnetz bestimmt. Die Aufnahmen im Flachland sollten im Massstab 1:25000 erfolgen, im Gebirge 1:50000, und die Karte sei im Massstab 1: iooooo zu stechen. Auf Ende des Jahres demissionierte Wurstemberger.

Als nun Guillaume-Henri Dufour ( 1787-1875 ) auf Anfang 1833 zum Oberstquartiermeister gewählt wurde, war noch nicht viel, aber doch immerhin etwas getan und auch beschlossen. Er hatte keineswegs bei Null zu beginnen. Den Fortschritt gegenüber dem Meyer-Atlas von 1802 ersieht man gut in einer Karte, die Dufour offensichtlich als Arbeits-Unterlage benützte. Sie hat die gleiche Gebietsabgrenzung, Blatteinteilung und Numerierung wie die geplante Karte sowie das Dreiecknetz 1. Ordnung und handschriftliche Eintragungen von Dufour. Es ist dies eine « Reise-Karte der Schweiz » im Massstab 1:400000, die 1830 in München erschien, sehr reichhaltig ist und viele Höhenzahlen aufweist. Im Gebiet Engadin—Veltlin ist sie noch ungenau; hingegen erkennt man, dass die mit geodätischen Grundlagen aufgebauten Karten von Neuenburg ( Osterwald ), des Berner Oberlandes ( Frey, Messmer ), des Grossher-zogtums Baden und der Nordostschweiz, von Savoyen und dem Wallis ( Französische Offiziere, Raymond ) und endlich die des alten Bistums Basel ( Buchwalder ) mitberücksichtigt sind.

Dufour erhielt seine Ausbildung an französischen Militär- und Ingenieurschulen. Auf Korfu zeichnete er 1811/12 als Hauptmann einen Höhenkurvenplan. 1817 wurde er Kommandant des Genfer Geniekorps, 1819 Instruktor bei den Thuner Offizierskursen. Von 1828 bis 1850 war er festangestellter Kantonsingenieur in Genf mit einem Jahresgehalt von zuerst 10000 florins und ab 1839 von 4616 Franken.

Das Amt des Oberstquartiermeisters war damals noch keine Anstellung mit fixer Besoldung. Sein Inhaber war Mitglied der fünfköpfigen Militäraufsichtsbehörde, die sich in der Regel zu einer Frühlings- und einer Sommersitzung versammelte. Dufour war also normalerweise etwa 3 Monate im Militärdienst, wofür er reglementarisch besoldet und entschädigt wurde: Fr. 1500.bis Fr. 2500.. In Genf erledigte er die Korrespondenz; es waren jährlich durchschnittlich ioo eingehende und 85 abgehende Briefe sowie die übrige Arbeit für die topographische Karte, meistens mit 40 Tagen pro Jahr, berechnet.

Dufour liess sich zunächst über die bisherige Arbeit orientieren; dann erwirkte er eine Verdoppelung des Kredites, zahlte die angestauten Entschädigungen aus und erhöhte diese - als Anreiz zur Mitarbeit. Darauf liess er die wichtigsten Triangulationspunkte mit soliden Steinen versichern. Mit einer Nachmessung der Basislinien konnte die Differenz zwischen den westlichen und östlichen Dreiecksnetzen eliminiert werden. Ing. J. Eschmann, der keineswegs berggewohnt war, wäre 1835 am Piz Beverin an einer steilen, langen Schneehalde fast zu Tode gestürzt. Ihm gelang es dann, bis 1837 mit dem durch Buchwalder ergänzten Dreiecksnetz den Übergang über die Alpenkette und den Anschluss an die lombardische Vermessung zu schaffen. Im Wallis mass 1831-1837 Domherr Joseph Anton Berchtold Basis und Dreieckskette, die, als brauchbar anerkannt, miteinbezogen werden konnte.

Dufour und seine.Mitarbeiter befassten sich auch mit der Projektion, den geographischen Koordinaten und der Berechnung der Koordinaten für die Dreieckspunkte.Von besonderer Bedeutung für unser Gebirgsland waren die Höhen, die, früher mit Barometern bestimmt, oft sogar in sonst guten Karten fehlten. Die Franzosen hatten zweimal trigonometrisch die Höhe des Chasserais bestimmt. Dufour und Eschmann übernahmen den Mittelwert und leiteten die anderen Höhen trigonometrisch davon ab.

1840 erschien Eschmanns Buch « Ergebnisse der trigonometrischen Vermessungen in der Schweiz ». Damit war die grosse Vorarbeit, die « triangulation primordiale », abgeschlossen. Um nun aber die topographischen Aufnahmen machen zu können, war es notwendig, dieses weitmaschige eidgenössische Dreiecksnetz noch zu verdichten. Dies überliess man zunächst den Kantonen; nur im Gebirge wurde diese sekundäre Triangulation auch von eidgenössischen Ingenieuren ausgeführt.

Zu jener Zeit gab es noch keine Eisenbahnen; es wurde erst mit dem Ausbau der Strassen begonnen. Unsere Ingenieure konnten also von Genf aus mit der Postkutsche in die Ostschweiz reisen oder mussten zu Fuss über Furka und Oberalp wandern, um ins Bündnerland zu gelangen. Ihre Arbeiten erforderten unzählige Bergbesteigungen, denn zuerst musste die Lage eines Signals ausgekundschaftet werden, dann musste es auch aufgerichtet sein, und erst nachher konnten mit dem Theodolit die Winkel gemessen werden. Dabei aber genügte nicht einfach ein kurzer Gipfelbesuch, nein, das erforderte tagelanges Arbeiten, vielleicht bei Wind und Kälte, ja bei schlechter Witterung und ungünstigen Sichtverhältnissen sogar wochenlanges Warten und Belagern der Station ( Photo 1 ). Dazu bedenke man: dies geschah noch vor der heroischen Zeit der ersten Alpen-Clubisten, es existierten noch keine Clubhütten; also war nur Unterkunft in Alpstadeln oder Zelten möglich. Dazu wurden die Ingenieure oft von den Einheimischen als Spione betrachtet und abweisend behandelt. Oder es kam auch vor, dass z.B. die Träger, die man engagieren wollte, erklärten, die Lasten seien zu schwer, so dass noch weitere eingestellt werden mussten.

Topographische Aufnahmen 1817-1863 Man hatte nun, über das ganze Land verteilt, sehr viele Berggipfel, Kirchtürme und andere markante Punkte eingemessen und durch Berechnung ihre Lage auf einem Blatt Papier genau bestimmt. Dazwischen aber kannte man die Landschaft nur so, wie sie die damals schon vorhandenen Karten zeigten. Von diesen konnte Dufour die bereits erwähnten Aufnahmen, die einen grösseren Massstab als 1:100000 aufwiesen, direkt übernehmen, also die Karten vom Seezgebiet und von Neuenburg; beide wurden aber noch vor dem Stich der Karte wieder durch neuere Aufnahmen ersetzt. Sodann stand ihm jene vom alten Bistum Basel von Buchwalder und der Kanton Solothurn von Walker zur Verfügung. Im weiteren setzte sich Dufour mit den Kantonen in Verbindung, um sie zur topographischen Aufnahme ihres Gebietes zu bewegen. Vorerst waren es vier Kantone, deren Vorarbeiten schon sehr weit gediehen waren, bei denen aber die Geländedarstellung, den damaligen Anschauungen entsprechend, noch mit Schraffen erfolgte:

Appenzell Angeregt durch Pestalozzi und Finsler, topo-graphierte Oberstleutnant Merz schon ab 1815 jahrelang seine Heimat. Dufour war aber mit dem Inhalt der nach SSW orientierten Blätter im Massstab i :216oO'nicht zufrieden, erhielt jedoch später von L. Merz jun. verbesserte und ergänzte Reduktionen im Massstab 1125000, zuletzt vom Säntisgebiet sogar Zeichnungen mit Kurven.

Thurgau Mit Hptm Sulzberger, der hier an der Arbeit war, Schloss Dufour 1833 eine Konvention ab, in der von Darstellung, Grösse und Massstab der Blätter die Rede ist. Die Messtischaufnahmen sind auf 59 Blättern im Massstab I :21600 gezeichnet. Die Reduktion in 14 Blätter 1:25000 besorgte Johann Jakob Goll; sie wurden zur Freude Dufours 1835-1838 angeliefert. Damit hatte er die ersten Schraffen-Originalzeichnun-gen in Händen, um sie den Tagsatzungs-Abge-ordneten vorlegen zu können.

Basel Dufour veranlasste Strasseninspektor Baader, 20 vorhandene Gemeindepläne 1:5000 in den Massstab i: 25000 zu reduzieren und mit Geländezeichnung und Höhenzahlen zu versehen. Von 1836 bis 1845 lieferte Baader I Blatt von Basel Stadt und 3 grosse Blätter von Basel-Landschaft ab. An den beiden letzten Blättern arbeitete auch der Geometer Jakob Christen bei Aufnahme und Zeichnung mit. Die Schraffen zeichnete Christen noch mit selber zugeschnittenen Rabenfeder-chen.

Aargau Im Jahre 1837 übertrug man die topographische Aufnahme dem ehemaligen preussischen Hauptmann H. Michaelis. Bis 1843 dauerten die Feldaufnahmen, bei denen noch E. R.M.ohr und J.G. Steinmann mithalfen. Das Resultat ihrer Aufnahmen, in 42 kleinen Feldbüchlein festgehalten, waren 18 schön gezeichnete Blätter I :25 000, die viele Flurnamen enthalten.

Dass aber Dufour grundsätzlich etwas anderes vorschwebte, zeigen die von ihm veranlassten Arbeiten im Kanton Genf.

Genf Zunächst reduzierte man im Büro die über 200 Pläne des 1806-1818 entstandenen « Cadastre franc~ais ». Das waren Pläne in verschiedenen Massstäben, die Ortschaften sogar im Massstab 1:1250. Die Reduktion erfolgte in den Massstab I: 12500. Um genügend Angaben für die Höhenkurven zu haben, wurde allen grösseren Strassen und Wasserläufen entlang nivelliert. Dann erhob Ing. J. Ch. Wolfsberger ab 1837 mit Messtisch, Kippregel und Stadia ( Distanzlatte ) im Feld alle Änderungen sowie die Höhenkurven von 4 Meter Äquidistanz. Er hatte dabei auch zwei junge Burschen, A. F. Bétemps und J. Anselmier, einzuführen. Über den Winter zeichnete Wolfsberger die Reduktionen 1: 25000, einesteils als Stichvorlage für die Genfer Kantonskarte ( Karte 14 a ), andernteils als Unterlage für die Schweizer Karte ( Karte I b ). Diese Handzeichnungen sind ausserordentlich schön in ihrer Feinheit und farbigen Abgewogenheit. Dufour gelang es damit, Muster-aufnahmen zu erhalten und Personal für die eidgenössische Karte heranzubilden.

Neuenburg Eine eigenartige Stellung nahm damals noch das Fürstentum Neuenburg ein. Es gehörte zu Preussen, wurde aber als 21. Kanton zur Schweiz gezählt. Der König von Preussen bezahlte auch eine zweite, verbesserte Vermessung von J.F. Osterwald während der Jahre 1839-1845. Das Resultat war ein aussergewöhnlich anschauliches, natürliches Abbild des Landes. Auf 16 Blättern sind mit feinen Linien, grauen Schraffen und Schatten, roten Dörfern und verschiedenen zarten Farbtönen Geländerelief und Bodenbedeckung genau und auf künstlerische Art und Weise dargestellt.

Waadt Die topographischen Aufnahmen erfolgten von 1838 bis 1848. Die Gebiete im Jura und Flachland wurden mit Höhenkurven von 8 Meter Äquidistanz und im Massstab I :25 000 gezeichnet, die Aufnahmen I:50000 für Blatt XVII erhielten 30 Meter.

Alpengebiet Es wurde beschlossen, dass im ganzen Alpengebiet, d.h. bei allen finanzschwachen Kantonen, die Eidgenossenschaft allein die topographischen Aufnahmen ausführe und damit auch die Kosten trage. Die Schweizerische Naturforschende Ge- Seilschaft unterstützte das Unternehmen mit 3000 Franken und wünschte, dass dieser Betrag speziell für die Gebiete auf Blatt XVII eingesetzt würde. 1838 arbeitete Dufour für beide Aufnah-memassstäbe je eine Instruktion aus. So begannen 1839 Wolfsberger, Bétemps sowie die neueinge-stellten Ingenieure Stryienski und A. Müller mit den Aufnahmen in den Freiburger, Waadtländer, Berner und Walliser Alpen ( Karte 2 ). Der Messtisch war für diesen Zweck leichter und kleiner; durch graphische Triangulation wurden pro Blatt 400-500 Punkte bestimmt. Im Feld wurde nur mit Bleistift gezeichnet; erst während des Winters erfolgte im Büro die Reinzeichnung in durchschnittlich 8 Farben. Damit begann ein neues Zeitalter der Gebirgskartographie. Wolfsberger war ein scharfer Beobachter und vorzüglicher Zeichner. Seine Messtischblätter, die das Wesentlichste der Geländeformen in klaren Linien festhielten, wurden wegweisend für die Topographen während den 25 Jahre dauernden Aufnahmen.

J. W. F. Coaz, der spätere Oberforstinspektor, der von 1844 bis 1852, also noch vor Gründung des SAC, in seiner Bündner Heimat topogra-phierte, hatte während der Arbeit mehrere Erstbesteigungen ausgeführt, so z.B. Hoch Ducan, Piz d' Esen und Piz Bernina. Er trug dabei rindsle-derne Pechschuhe; zusätzlich zu einem Hufeisen am Absatz waren links und rechts der Sohle je zwei « Guspen » angebracht; das sind gestählte, V2 Zentimeter über den Rand der Sohle vorstehende Eisenspitzen. Für eine Wohnung in Laret musste er im Monat Fr. 3.40 bezahlen. Er bezog im Jahr um Fr. 1800. Lohn. Vergleichsweise verdiente damals ein Aufseher in einer Kattundruk-kerei Fr. 700. bei täglich 14 Stunden Arbeit.

Gleichzeitig machten auch die Aufnahmen im Mittelland Fortschritte, so im Kanton Freiburg und in Schaffhausen. Besonders erwähnen möchte ich noch die Kantone St. Gallen und Zürich.

St. Gallen Der frühere Geodät Joh. Eschmann leitete 1841-1846 die topographische Aufnahme des Kantons. Eine von ihm verfasste Spezialinstruk-tion beschreibt unter anderem das Verhalten beim Besteigen eines Gipfels: « Die vorzüglichsten und oft die einzig möglichen Arbeitsstunden auf den Bergspitzen sind des morgens früh bis um 8 Uhr und des abends vor Sonnenuntergang. Wenn daher nicht eine Hütte ganz in der Nähe ist, so muss man ein Zelt mitnehmen und sich mit einigen Decken und etwas Wasser, Brod, Ziegen- käs und Kirschwasser versehen; andere Lebensmittel taugen nicht auf die Dauer, Milch jedoch ausgenommen, wo sie zu bekommen ist. Beim Hinansteigen dagegen ist Wein und Fleisch die zweckmässigste Nahrung. Man soll ferner nie zu rasch gehen, aber auch nicht zu häufig Rasten halten; im Hinaufgehen leicht, oben aber warm gekleidet sein. Nach der Ankunft wird eine gute Viertelstunde ausgeruht, damit die Organe sich erholen und die Hand sicher wird. Das Rauchen einer Pfeife Taback leistet zu herbeiführen dieses Zustandes gute Dienste. » Zürich Die topographische Aufnahme wurde Ing. Joh. Wild übertragen. Wild hatte schon 1842 unter Agassiz den Lauteraargletscher vermessen und einen genauen Plan 1:10000 gezeichnet. Die Aufnahmearbeiten für die Topographische Karte des Kantons Zürich erfolgten mit grosser Sachkenntnis, Sorgfalt und Gründlichkeit in den Jahren 1844-1851. Dörfer wurden sogar im Massstab 115000 vermessen. Die Kopien, die anschliessend für das Eidgenössische topographische Bureau in Genf erstellt wurden, enthalten bedeutend weniger Lokalnamen.

Die Reproduktion erfolgte 1852-1865 in Stein-gravur-Lithographie. Sie ist bekannt als Wild-Karte, zählt mit ihren 4 Farben — Schwarz, Blau, Braun und Hellgrün - zu den schönsten und war dadurch mitbestimmend für den Wunsch, ein ähnliches Werk über das Gebiet der ganzen Schweiz zu erstellen ( Karte 3 b ).

Neben eidgenössischen Aufnahmen in der Innerschweiz und im Wallis waren es vor allem die Kantone Luzern und Bern, die zuletzt, also in den Jahren 1854-1862, ihr Gebiet kartierten und damit die noch klaffenden Lücken für die eidgenössische Karte füllten.

Zeichnung 1838-1864 Schon mehrmals war die Rede vom « Eidgenössischen Topographischen Bureau ». Dieses wurde anfangs 1838 von Dufour in Genf gegründet. Damit verbunden war ein Bericht, den er 1837 an die Tagsatzung richtete. Darin legte Dufour dar, wie immens und zeitraubend die Arbeit sei, wieviel Zeit und Mühe man mit mehr Personal sparen könnte, und verlangte anstatt nur Fr. 7000. den doppelten Jahreskredit. Dies wurde ihm zugesagt, und so konnte er auf Neujahr 1838 unter anderen den Zeichner J.J. Goll anstellen, der zuletzt bei Sulzberger im Thurgau beschäftigt gewesen war. Golls Aufgabe war es, die hereinkommenden Kartenaufnahmen in den Massstab i: 100000 als Stichvorlage zu reduzieren. In vielen Ländern, auch in Frankreich, wurde das Gelände nach der Methode Lehmann, also mit senkrechter Beleuchtung, dargestellt. Im Flachland war dies gut, im Gebirge jedoch führte es zu unklaren, schwarzen Kartenbildern. Es gab aber ältere französische Karten, die eindeutig zeigten, dass im Gebirge die Schrägbeleuchtung bessere Resultate ergab, nämlich eine Karte von Elba und von Korsika. Dufour bevorzugte deshalb für das Gebirge die Schrägbeleuchtung. In diesem Sinne entstanden 1838/39 die Stichvorlagen i :1, also 1:100000, für Blatt XVI durch Goll und für Blatt XVII von Stryienski. Ein Blatt wuchs stückweise, indem jede fertig aufgenommene Sektion 24 X 35 Zentimeter sofort mit Hilfe eines Quadratnetzes, auf 12 X 17,5 Zentimeter reduziert, zuerst mit Bleistift, dann mit Stahl-Zeichnungsfe-dern in höchster Feinheit gezeichnet wurde.

Vermutlich zu gleicher Zeit erstellten Wolfsberger 2A und Stryienski und Bétemps je Vi des Blattes XVII als Musterzeichnungen im Massstab 1:50000 ( Karte 3 a ). Diese Darstellungen von Gebieten, die sie in der Natur kennengelernt hatten, zeigen eine hervorragende Schräg-Ter-rainmodellierung mit Schraffen und blieben nicht ohne Einfluss auf die weitere künstlerische Gestaltung der Karte durch Zeichner und Stecher. Wurden anfänglich komplette Stichvorlagen mit Schraffen gezeichnet, so genügten später solche mit Höhenkurven. Von den letzten Blättern fehlen die Vorlagen sogar ganz.

Kupferstich 1841-1864 Obwohl die Lithographie schon sehr vielseitig angewendet wurde, kam für die Reproduktion einer Landeskarte damals nur der Kupferstich in Frage. Bei diesem Tiefdruckverfahren wird das Kartenbild mit Sticheln, Nadeln und Punzen vertieft in eine ebene Kupferplatte graviert ( Photo 18a ). Werden die Vertiefungen durch Ätzung erreicht, so spricht man von einer Radierung. Danach wird die Platte eingefärbt, die Platten-oberfläche aber wieder sauber gewischt. Beim Druck in der Kupferdruckpresse werden Druck-tisch, Platte, Papier und Filz zwischen zwei festen Walzen durchgetrieben und somit die Farbe aus den feinen Gräben auf das Papier übertragen.

Dufour konnte Rinaldo Bressanini, einen Süd- tiroler, der schon die Thurgauer Karte gestochen hatte, für den Stich gewinnen. Zuerst übernahm er den Stich der vier Platten für die Genfer Kantonskarte, deren Eleganz und Feinheit auch heute noch bewundert werden. Schon 1841 arbeitete er abwechselnd an den beiden Blättern XVI Genfersee und XVII Unterwallis der eidgenössischen Karte ( Karte 4 ). Die Übertragung der Vorlage und Stich erfolgten mit Werkzeugen und von Hand.

Schon 1841 trat Heinrich Müllhaupt bei Bressanini als Lehrling ein. Müllhaupt hat den grössten Anteil am Stich der Dufour-Karte, denn er blieb dem topographischen Bureau bis zu seinem Tod im Jahr 1894 treu.

Kupferdruck Die Kupferplatten hatten die Grösse 78,5 x 57,5 Zentimeter; für das Papier wurde das Format 88 x 67 Zentimeter gewählt. Um dieses Format noch gut drucken zu können, brauchte es eine respektable Kupferdruckpresse mit 70 Zentimeter langen Walzen. Damals bestanden sie noch fast ausschliesslich aus Holz; der Antrieb erfolgte mit einem langarmigen Stern von Hand und erforderte erhebliche Kraft. Die ersten Probedrucke von Blatt XVI und XVII wurden 1842 in Genf erstellt. 1845 druckte Foppert in Zürich davon die erste Auflage. Im April 1846 kaufte der Kriegsrat in Genf für Fr. 1200. eine eigene Presse, die vom Drucker H. Koegel bedient wurde.Von 1842 bis 1875 wurden zusammen rund 58000 Exemplare gedruckt. Ein Bogen Kupferdruckpapier kostete 18 Rappen und der Druck 50 Rappen.

Verkauf und weitere Entwicklung Als die ersten beiden Blätter 1845 erschienen, wurden sie grösstenteils begeistert aufgenommen. Aber es gab auch Kritiker, darunter C.J. Durheim und Gottlieb Studer, die fehlende oder unrichtige Ortsnamen und unleserliche Zahlen beanstandeten. Studer zeichnete auf seinen Bergfahrten unzählige Panoramen und war einer der besten Kenner des Berner Oberlandes und des Wallis. Schade nur, dass die Blätter nicht schon vorher solchen Personen unterbreitet worden waren, schade aber auch, dass sich die Kritiker mit ihren Einwänden direkt an die Zeitungen anstatt an Dufour wandten.

Die ersten Drucke der 25 Blätter sind ausseror- dentlich schön und kräftig im Relief. Die meisten Eisenbahnen fehlen noch, ebenso die Schraffenzeichnung im Ausland. Bahnen und Schraffen wurden in den fünfziger Jahren ergänzt, allerdings ohne dass unten links ein Nachtragsvermerk gestochen wurde. Als 1865 alle Blätter fertig waren, gab man den ganzen Atlas auch gebunden heraus, wobei die früheren Blätter z.T. schon einen Aufstich nötig hatten, denn es waren teilweise schon über 2000 Abzüge von unverstählten Platten gemacht worden.

Bereits in diesen Jahren begann man für die Waffenplätze und für Manöverkarten Umdrucke auf Stein zu erstellen. Von 1908 bis 1910 erfolgte die Farbtrennung in Schwarz und Blau. Alle Auflagen wurden nunmehr in Stein-, später in Offsetdruck ausgeführt. Etwa ab 1936 kam für militärische Zwecke ein rotes Kilometernetz als Überdruck hinzu, das während des Zweiten Weltkrieges auf Violett wechselte. Anstelle von schwarz druckte man dunkelbraun und fügte noch einen grünen Waldton bei. Mit z.T. über 20 Nachträgen sahen die vierfarbigen Dufourblätter i960 nicht mehr gleich aus wie vor 100 Jahren. Aber dank einem speziellen Übertragungsverfahren war es möglich, wenigstens die Feinheit und Schärfe des Kupferstiches zu erhalten; die samtene Sattheit eines Original-Kupferdruckes hingegen kann mit keinem andern Druckverfahren erreicht werden.

Siegfried-Atlas

Topographischer Atlas der Schweiz Vorgeschichte Wir haben schon vernommen, wie sich der SAC 1865-1868 nicht nur unentwegt dafür eingesetzt hatte, dass der Bund auch die Originalaufnahmen 1:25000 und 1:50000 publizieren sollte, sondern überdies in vorbildlicher Weise selbst Gebirgskarten für seine Mitglieder lithographieren liess. Dass aber schon seit längerer Zeit ein allgemeines Bedürfnis nach grösseren Kartenmassstäben vorhanden war, zeigen klar die über 60 verschiedenen Blätter, die zwischen 1840 und 1867 erschienen. Vor allem waren es Kantonskarten, so die von Genf, St. Gallen, Basel, Freiburg und Aargau mit Schraffen und die von Zug, Glarus, Zürich und Luzern mit Höhenkurven. Gerechterweise muss auch erwähnt werden, dass J.M. Ziegler und A. Escher von der Linth schon 1858 und die Geologen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft 1859 mit Eingaben an den Bundesrat eine 50000er Karte für die ganze Schweiz forderten. Oberst Hermann Siegfried ( 1819-1879 ), der seit 1866 dem Eidgenössischen Stabsbureau vorstand, war als Nachfolger Dufours auch zugleich Chef des Topographischen Bureaus geworden. Im Jahre 1867 war er zur Überzeugung gelangt, dass der Bund selbst die Publikation der Aufnahmeblätter an die Hand nehmen sollte. Einen entsprechenden Plan legte er 1868 dem Bundesrat vor. Eine topographische Kommission prüfte, änderte und verbesserte diesen Vorschlag, so dass bereits Ende 1868 zwei Gesetze erlassen werden konnten: 1. Das Bundesgesetz betreffend die Fortsetzung der topographischen Aufnahmen und 2. das Bundesgesetz betreffend die Publikation der topographischen Aufnahmen.

Trigonometrische Arbeiten Im Zusammenhang mit der Europäischen Gradmessung begann die Eidgenössische Geodätische Kommission 1863 Arbeiten für das Dreiecksnetz 1. Ordnung mit einem neuen Alpenübergang im Gotthardgebiet. Zu diesem Zwecke mass man 1880 drei neue Grundlinien in Aarberg, Weinfelden und Bellinzona ( Photo 5b ). Sodann erfolgten weitere Detailvermessungen auf Grund des Forstgesetzes von 1876. Gleichzeitig überprüfte man auch die Höhen. Vom « Pierre du Niton » ( Findling im Genfer Hafen ), dem Nullpunkt der schweizerischen Höhenmessung, aus entstand den wichtigsten Strassen entlang ein Präzisions-Nivellement bis nach Martinsbruck und Chiasso.

Topographische Aufnahmen und Revisionen Schon 1869 Schloss Siegfried mit dem Kanton Bern einen Vertrag ab über die Neukartierung des Juras, denn dieser gehörte — gleich wie Basel, Solothurn, Aargau, Thurgau und Appenzell -noch zu den Gegenden mit Schraffenaumahmen. All diese Gebiete, aber auch schlechte oder alte Blätter im Gebirge wurden nun in den folgenden 30 Jahren neu topographiert und mit Höhenkurven versehen. Neuere Blätter wie im Berner Oberland oder gute Aufnahmen wie im Kanton Zürich revidierte man nur mit einer Nachtragspause, in der Änderungen, wie z.B. Gletscherstände, Strassen, Eisenbahnen usw., eingezeichnet wurden. Die Arbeit einiger der fähigsten Gebirgstopographen wurde bereits gewürdigt; doch nicht alle In- genieure waren so begnadete Felszeichner wie Imfeid, Held, Becker oder Charles Jacot-Guillar-mod. So kam es, dass in den achtziger Jahren bei schlechten Felszeichnungen sogar der Kupferstecher Hans von Steiger ins « Feld » geschickt wurde, um seine Felsstich-Vorlagen in der Natur selbst zu zeichnen. Die meisten dieser Gebirgstopographen waren Schüler des Geologen Albert Heim gewesen. Ihre Kartenblätter sind deshalb nicht nur geometrisch genau aufgenommen, sie zeigen darüber hinaus— besonders in der Felsdarstellung - geologisches und morphologisches Einfühlungsvermögen. Diese Gebirgsblätter sind es denn auch, die den Siegfried-Atlas weltberühmt gemacht haben ( Karte 6 ).

Nach und nach vermass man die zehnfache Anzahl von Punkten, ja die Blätter erhielten soviel Details, dass sie eher als zu überladen bezeichnet werden mussten. Nach den Feldaufnahmen erstellte der Kartograph ein « Calk », d.h. eine Kopie auf Pauspapier, als Vorlage für den Kupferstecher oder Lithographen.

Reproduktion Mit dem Stich der Blätter 1125000 im Jura und Mittelland wurde vorerst das Kupferstich-Atelier H. Müllhaupt und Sohn betraut; nach 1880 stellte das Topographische Bureau auch eigene Kupferstecher an. Die Gebirgsblätter 1:50000 übergab man dem Lithographen R. Leuzinger, der schon auf Grund der SAC-Karten als guter Felsgraveur bekannt war.

1870 erschien die erste Lieferung von 12 Blättern; bis 1901 waren es 49 Lieferungen. Jedes Jahr wurde ungefähr ein Dutzend Blätter fertig, und 1926 waren es insgesamt 604.

Bis i goo erfolgte der Druck der Auflagen direkt von den Kupferplatten, zunächst nur bei H. Müllhaupt und Sohn, später auch bei M. Girardet. Die Gravuren auf Stein wurden schon fast von Anfang an bei der Firma Kümmerly auf Um-drucksteine übertragen und damit auf einfachere Art vervielfältigt.

Wandel des Siegfried-Atlas im Laufe der Jahre Platten sowie Steine wurden ungefähr alle zehn Jahre nachgeführt. Bei den Kupferplatten geschah dies seit 1899 auf galvanischem Wege, wobei die Kupferplatten keinerlei Schaden litten. Bei den Original-Lithographiesteinen hingegen konnten die herausgeschliffenen Vertiefungen nicht ergänzt werden und bereiteten beim Druck mehr und mehr Schwierigkeiten. Daher begann man bereits 191 oGebirgsblättervon SteinaufKup-fer umzulegen. Für grössere Auflagen von Zusammensetzungen, Manöver- oder Exkursionskarten benützte man schon von Anfang an den Umdruck auf Stein, später auch den Offsetdruck, wobei in Zusammensetzungen oft der Wald einen grünen Ton erhielt. Siegfried-Karten wurden bis 1952 gedruckt.

Weitere Arbeiten des Topographischen Bureaus bis igoo Die Arbeiten an der Generalkarte 1:250000 gehen noch auf Dufour zurück; schon 1853 begann Goll mit Proben. Er hatte von allen vier Blättern die Schrift in Stahlplatten gestochen, als er i860 starb. Müllhaupt übernahm die Arbeit und machte die Schraffenkarte bis 1873 fertig, aber auf Kupfer. Eine Übersichtskarte 1:1 Million entstand 1878 in Steingravur. Diese Karte - verschiedentlich nachgeführt — ist heute noch im Verkauf. Sie wird durch die jetzt neu in Bearbeitung stehende « Landeskarte 1:1 Millionen » ersetzt werden.

Einem grossen Teil der Kartenbenützer waren die nüchtern technisch wirkenden Blätter des Siegfried-Atlas zu wenig anschaulich; man vermisste die plastische Wirkung der Dufour-Karte. Auch 1883/84, also 18 Jahre nach der Greina-karte ( Photo 8 ), war es wieder der SAC, der zusammen mit Leuzinger den Anfang machte und die sehr gut gelungene Reliefkarte der Stockhorn-Niesen^Gegend herausgab. Das Topographische Bureau liess dann die gleiche Karte 1886 neu er-scheinen'und begann damit eine Reihe von Reliefkarten, an denen R. Leuzinger H. Kümmerly mitarbeiteten: 1887 Berner Oberland I, Thun Jaun, 1889 Oberengadin, Albula, 1890 Gotthard, 1891 Prättigau, Frauenfeld, 1892 Säntis, Evolena-Zermatt-Monte Rosa. In diesem Zeitraum wurden auch alle grösseren Schweizer Seen ausgelotet, was im Siegfried-Atlas das Eintragen der Tiefenkurven ermöglichte. In diesem Zusammenhang erschien 1896 eine Bodenseekarte 1:50000.

Arbeiten der Eidgenössischen Landestopographie Neben der ständig sich wiederholenden Nachführung aller Kartenwerke begannen nun grundlegende Arbeiten für neue Karten unter der zielbewussten Leitung des neuen Direktors Leonz Held. Zuerst wurde 1902 nach einer Untersu- :«Ingenieure im Gebirge », Gemälde von R. Ritz 186g 2a: Der Rhonegletscher im Jahr i8gg, und zum Vergleich:

2 b: Rhonegletscher 1978: Landschaftsveränderung im Gebirge 3a: Bietschhorn: Topographen-Handzeichnung von X. Imfeid 1880 ( Original farbig ) jb: Signal und Station Wasenhorn ( Wallis ) 4 :Aufstieg zum Finsteraarhorn 1914 chung von Dr. J. Hilfiker die Höhe des Fixpunktes am « Pierre du Niton » ( Photo 7 b ) auf 373,600 Meter ü.M. also 3,26 Meter niedriger als der alte Wert - festgelegt. Dann schlug Ing. M. Rosenmund 1903 für alle Vermessungen einheitlich die winkeltreue, schiefachsige Zylinderprojektion vor. Bis 1916 wurde das Dreiecksnetz I. Ordnung mit meist kürzeren Strecken neu gestaltet und innert 5 Jahren gemessen. Gutes Wetter, eine verstärkte Beobachtungsmannschaft, die auch berggewohnt war, und zahlreiche inzwischen gebaute Clubhütten erlaubten dies in solch kurzer Zeit ( Photos 3 b, 4, 5 a ). Durch das neue Zivilgesetzbuch 1907 wurde das eidgenössische Grundbuch eingeführt. Als Folge der Verordnung über die Grundbuchvermessung von 1910 erneuerte man auch alle Dreiecksnetze 2. und 3. Ordnung sowie das Landesnivellement. Von der darauf aufbauenden Triangulation 4. Ordnung, der Grundbuchtriangulation, führte die Eidgenössische Landestopographie etwa ein Drittel selber durch, die Hauptsache aber wurde von den Kantonen mit Hilfe der Privatgeometer erledigt.

Die Ansichten über Massstab und Aussehen neuer Karten waren sehr unterschiedlich. Noch vor 1900 verlangte man allgemein eine Karte 1:50000 mit Reliefton über das ganze Land. Dann aber glaubten die Militärs, dass der Massstab 1: 100 000 die richtige taktische Karte für die Armee ergäbe. Noch vor dem Kriege, 1913, erfolgte von der Geologischen Kommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft eine Eingabe an den Bundesrat, auch in den Bergen die Kartenblätter im Massstab 1:25000 zu erstel- Photo T + B Photo M. Gurtner L + T Photo L + T Photo L + T len. Durch den Ersten Weltkrieg wurden all diese Vorhaben und Studien unterbrochen, dafür aber kam die schon vorher begonnene Umstellung in der topographischen Vermessung in Fluss. Die Stereophotogrammetrie begann den Messtisch zu verdrängen. Nach verschiedenen Versuchen war dann die Landestopographie 1924 genügend ausgerüstet, um die Aufnahmen für eine kommende Landeskarte auf photogrammetrischem Wege zu beginnen.

Die Landschaft wurde damit gleichsam ins Büro genommen. Der grösste Teil einer Karte konnte von nun an mit Hilfe von Photographien aufgebaut werden. Chemie und Technik traten teilweise anstelle von Fussmärschen und Naturbeobachtung. Unzählige Kartenproben in den verschiedensten Massstäben entstanden von 1900 an bis zum Erlass des Kartengesetzes über die Erstellung neuer Landeskarten im Jahre 1935.

Als die Landeskarten dann erschienen, wurden Dufour- und Siegfried-Karten beiseite gelegt, ja oft sogar als « alter Plunder » vernichtet. Heute aber sind diese Blätter gesucht, nicht nur von Sammlern, sondern auch für wissenschaftliche, statistische und historische Studien und Arbeiten. Für solche Zwecke kopiert man heute Dutzende von Siegfried-Blättern. Die alten Karten werden demnach als historische Dokumente bewertet. Es ist darum wichtig, auch bei neuen Karten, dass der Inhalt mit der Jahrzahl übereinstimmt. Ein Kartenblatt ist also keineswegs unbrauchbar und tot, wenn es durch eine Neuausgabe ersetzt wird. Es behält seinen Wert als Zeit-, Kultur- und Arbeitsdokument bis in die fernste Menschheitsgeschichte.

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ja:Triangulationsmessungen Cima della Bondasca igi6PhoioL + T 5 b: Basismessung Aarberg 1880 unter General lbahezPhoto t + B 6a:Winkelmessung Bütschelegg ( Rüeggisberg ) igy6Photo M. Riesi. + t 6b: Elektronische Distanzmessung Pta. Gnifetti ig68i'hoto ECubu-r l+t Ja: Nivellement in der Schöllenen igj2Photo iwviiiimann 7 b: Der « Pierre du Niton » im Hafen von GenfPhoto l + t 8:Exkursionskarte des SAC für 1865: Lukmanier-Greina ( Die ganze Karte, Format 40 X50 cm, ist zum Preis von Fr. w.bei der L+ Terhältlich. )

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