Gedichte aus den Bergen

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Von Max Geilinger.

In den Voralpen.

Ein Quell entblüht dem Fels, kornblumenblau, Und rundet sich zum Bergsee, tief und klein; Tannen um ihn, gewürzt von Duft und Tau; Die blicken nach dem engen Trichterlein.

Ein blaues Wunderbares zu erspähn, Den See, der nur nach innen überquillt; Doch glauben sie des Rätsels Grund zu sehn; Eins gibt er lächelnd her, ihr Spiegelbild.

Bergkirchlein.

Lichtgrüne Lärchen und ein Kirchlein steht Wie betend still davor im Wiesenmeer; Es horcht dem Wind, der von den Höhen weht. Er weht von grossen, weissen Schroffen her, Die schweigend nach den stummen Halden schaun, Den engen Häuschen mit den kleinen Zimmern, Von grossen Schroffen, die im Abendgraun Steil wie gespannte Engelflügel schimmern.

Bergwald.

Der Bergwald geistert an den Hängen Und tastet scheu, wie eines Blinden Hand; Er hält den Felsenbrocken halb umspannt, Sehnend, zur Höhe sich emporzudrängen, Die er nicht schaun kann, da in seinem Haupt, Dem wipfelgrünen, dumpfe Augen sind; Doch endlich hat er an sich selbst geglaubt Und lauscht den eignen Stimmen und dem Wind, Der wie ein Adler hängt in seinen Kronen Und weit hinausschwingt, licht- und sonnenwärts. Und Orte birgt der Wald, wo Blumen wohnen, Orte, verschwiegen wie ein Menschenherz.

Gipfel sieht.

Stürme, die das Felsenhaupt umsprühten, Schwanden; doch der Berg trägt tiefre Schluchtenwunden, Und sein weisses Herzblut, lang behütet, Rauscht erfahrend durch die Narben; ganze Stunden Klingt es schauernd in die Tiefe nieder, Nun, da laute Stürme ausgegrollt.

Weite Tale dämmern blaue Flieder, Und die Sonne geht gelöst ins Gold.

Anmerkung. Aus dem feinsinnigen Gedichtebüchlein « Rauschende Brunnen », verlegt bei Orell Füssli, Zürich.

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