Los

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Über jede Tour musste ich Dir ausführlich berichten. Du kanntest die ganze Literatur und schenktest mir alle Bergbücher mit einer lieben Widmung. Du wusstest Bescheid über alle meine Berge und hast mich oft mit dem Fernglas auf meinen Touren beobachtet. Die Berge waren Deine Freunde, wie sie es mir sind.

Vieles hätte ich Dir noch zu sagen, aber Du kannst mir keine Antwort mehr darauf geben. Ich gehe nun zu Dir, meinem wunderlieben Bergkameraden « von unten », wie Du Dich oft scherzhaft nanntest, hinaus auf den Wald-friedhof. Dort schläfst Du nun unter hohen Tannen; Legföhren aus den Bergen umsäumen Dein liebes Grab, und ein Christbäumchen steht darauf.

Es ist in Deinem Sinne, Du herrlicher Kamerad, wenn ich all der lieben Frauen von Bergsteigern gedenke, die wie Du auf die glückliche Heimkehr des bergbegeisterten Mannes warten. Das sind stille Helden, tapfere Frauen-herzen, deren wir nicht oft genug gedenken können in Verehrung und Dankbarkeit — sie sind Kameraden wie Du!

Du sagtest einmal zu einem unserer lieben Schweizer Freunde, Dein Leben bestehe aus Warten. Und nun hast Du mich allein gelassen und wartest doch auf mich, bis ich zu Dir komme ins Reich der Harmonie. Bis dahin will ich, solange der liebe Herrgott mir diese Gnade schenkt, auf die lieben Berge steigen, denn dort oben bin ich Dir näher und will mit Dir Zwiesprache halten.

Dein einsamer Kamerad.

Los.

Verhallt ist Deiner Schritte Klang, Das Tor fiel zu im Garten. Der Tag ist grau, der Tag ist lang, Die Last, die drückt, heisst: warten.

Zu schwerem Kampfe gingst Du fort, Hinauf zu hohem Ziele, Zu warten hier am sichern Ort Ward mir als Los im Spiele.

Trag rinnt die Zeit, ich horche bang, Da fällt die Last hernieder, Gelöst von Deiner Schritte Klang, « Schwer... » Still! Ich hab Dich wieder.

Fritz Kurz ( München ).

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