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Notizen über Wirkungen des Blitzschlages auf Gesteine

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Prof. Dr. Albert Heim.

Notizen über Wirkungen des Blitzschlages auf Gesteine Von Schon in alter Zeit waren die „ Blitzröhren " aus sandigem Boden bekannt. Wenn der Blitz in Sandboden einschlägt, schmilzt er den Sand rings um seinen Weg herum zu einer inwendig glasigen glatten, außen von anklebenden Sandkörnern rauhen Röhre zusammen. Die Blitzröhren gehen 2 bis 10™ tief in den Boden hinab und verzweigen sich manchmal. Im oberen Theil sind sie weiter und stärker ausgebildet ( 2 bis 5cm im Durchmesser ), nach unten werden sie dünner und enger. Bald haben sie einen rundlichen oder vieleckigen Querschnitt, bald sind sie ganz flach zusammengedrückt. Beide Querschnittformen können an ein und derselben Blitzröhre wiederholt abwechseln. Leider sind die Blitzröhren so brüchig, daß sie immer nur in kleinen Stücken herauszubekommen sind. Die Entstehung derselben ist schon wiederholt im Gebiete der Lüneburgerhaide und im Oldenburger- sande direct beobachtet worden; die Blitzröhre wurde an der Einschlagsstelle gefunden und in noch heißem Zustande aus dem Boden gegraben. Auffallend ist die Erscheinung, daß sich die Blitzröhren auf manchen Landflächen sehr häufig finden, auf anderen, ganz ähnlich beschaffenen aber stets fehlen. Man kennt Blitzröhren aus Deutschland, Dänemark, England, Ungarn, Afrika, von Maldonado nördl. Rio de la Plata ( Darwin ). Fossil in älteren Schichten der Erdrinde sind sie bisher noch nicht gefunden worden. Aus dem Gebirge sind Einwirkungen des Blitzschlages erst viel später bekannt geworden. Saussure fand angeschmolzene Glastropfen an einem hornblende-haltigen Gestein des Mont-Blanc. An der gleichen Stelle sollen sie seither oft wieder gefunden worden sein. Die Sammlung des Polytechnikums in Zürich sowie die Sammlung in Bern besitzen Stücke mit der Etiquette „ Dôme du Goûté ", aus dem Nachlaß des Herrn Prof. Morlot stammend. Humboldt und Bonpland fanden auf dem Gipfel des Vulkans von Toluca das Gestein offenbar nachträglich durch Blitzschlag oberflächlich angeschmolzen; eine Fläche von über zwei Quadratfuß war oberflächlich verglast, und an einigen Stellen befanden sich mit Glasrinde ausgekleidete Löcher im Gestein. Ramont hat am Glimmerschiefer auf dem Montperdu und am Trachyt des Puy de Dôme ähnliche Verglasungen getroffen. Abich beschreibt dieselben vom Gipfel des Ararat, wo der dortige*'Andesitfels derart vom Blitzschlag durchlöchert und durchschmolzen ist, daß er dies Gestein mit dem Namen Fulguritandesit belegte. Die geolo- gische Sammlung des Polytechnikums besitzt einige sehr schöne Schmelzprodukte des Blitzschlages auf rostigem phyllitischem Gneiß, welche Arnold Escher v. d Linth am 12. September 1841 vom Gipfel des Düssistockes gebracht hat. Kleine Gesteinstrümmer-chen sind durch Anschmelzen und theilweises Zusammenschmelzen braunglasig verkittet in Formen,, welche an kurze Bruchstücke einer Blitzröhre erinnern. „ Mehrere, zoll- bis tellergroße Stellen waren völlig überglast. " Oswald Heer hat Stücke rothen Sernifit-schiefers vom Gipfel des Kärpfstockes gebracht, welche stark braun verglaste Stellen von 1 bis 2 Quadratdecimeter Größe zeigen. Der Verfasser selbst hat an den vorspringenden Felsecken des aus Hornblendeschiefer bestehenden Gipfels des Pizzo Centrale eine Menge glänzend grünschwarz angeschmolzener Glastropfen gefunden. Alle gehörten dem obersten Gipfel an. Schon 3 m unter dem höchsten Punkte war nichts mehr zu finden. Im Jahre 1868 habe ich alle diese Blitzspuren weggenommen, um sie geologischen Sammlungen einzuverleiben. 1875 fand ich wieder eine Menge solcher, die in der Zwischenzeit neu gebildet worden waren. Auch diese wurden mitgenommen. Unterdessen aber haben die Gott-hardbahningenieure für ihre Vermessungen auf dem Gipfel einen festen Steinmann mit einer eisernen Stange in der Mitte erbaut. Seither habe ich trotz mehrmaligem Besuch und aufmerksamem Auge keine neuen Blitzschmelzspuren mehr entdecken können. Auch im Sommer 1885 war durchaus nichts zu finden. Da es sehr unwahrscheinlich ist, daß Jemand anders jeweilen kurz vorher dieselben vollständig weggenommen habe, vermuthe ich, daß nun der Blitz stets in die Eisenstange statt direct auf die Steinflächen schlägt.

Auf dem Gipfel des Bristenstockes habe ich 1872: vergeblich lange nach Blitzschmelzspuren gesucht. Das Gestein wäre ganz wohl geeignet, solche zu: bilden, warum fehlen sie dort?

Auf dem Gipfel des Piz Languard sind Fulgurite schon von verschiedenen Bergsteigern beobachtet worden.

Im vergangenen Sommer 1885 erhielt ich eine reiche Ausbeute von Blitzschmelzspuren, gesammelt und mir zugesendet durch meinen jungen Freund Herrn Ingenieur-Topograph S. Simon. Wer sich dafür interessirt, kann die schönsten Stücke seiner Sendungen* ausgestellt in der geologischen Sammlung des Polytechnikums in Zürich einsehen. Dieselben stammen vom Gipfel des Finsteraarhorns 4275 " ', wo sie auf Glimmergneiß entstanden sind vom Sattelhorn 3746 m westlich des Aletschhornes gelegen wo sie auf Hornblendegestein sich gebildet haben; der Inhalt einer dritten Sendung von „ Fulguriten " ist von Herrn Simon* auf dem Sparrenhorn 3O26 m nördlich von Belalp auf Gneiß entdeckt worden.

Zu dem Funde vom Sattelhorn berichtet Herr Simon: „ Eigenthümlicher Weise zeigte nicht die-„höchste Spitze die auffallendsten Spuren, sondern „ die ziemlich genau senkrecht darunter etwa x/2 „ tiefer liegenden Blöcke des wild zerrissenen Gipfels. „ Erst nach Wegräumen des obersten, etwa 80 kg- „ schweren Blockes, der nur kaum merkliche Blitz-„spuren zeigte, ergab sich die Ausbeute, die mitfol-„gend an Sie abgeht. " Alle diese Gipfel bestehen aus krystallinischen Silicatgesteinen. Auf den hellen Gneißen, Glimmerschiefern und Graniten sind die Schmelzkrusten selbst hellfarbig, oft weißlich schau-mig und deßhalb für ein ungeübtes Auge gar nicht leicht zu finden. Aeltere Schmelzprodukte sind durch nachträgliche Verwitterung wieder trübe und matt geworden. Schon mancher Clubist mag auf die schönsten Schmelzspuren sich gesetzt und auf solchen seinen Proviant ausgepackt haben, ohne diese merkwürdigen, für Sammlungen so werthvollen Dinger zu beachten; andere hat er mit den Füßen zertrümmert. Viel besser in die Augen fallend werden die Fulgurite auf Hornblendegesteinen, indem die letzteren beim Schmelzen ein glänzend grünschwarzes bis schwarzes Glas ergeben, das sich oft an der Oberfläche des Gesteines zu großen Tropfen zusammenzieht, die wie schwarze Perlen aussehen ( Pizzo Centrale, Sattelhorn ). Die Glaskruste ist meistens kaum lmm dick, nur einzelne Tropfen erreichen einen halben Centimeter Dicke. Es kommen zusammenhängende Glaskrusten bis zu der Ausdehnung einer ganzen Handfläche vor. Oefter ist die Gesteinsfläche nur mit einzelnen sich nicht berührenden Glasperlen besetzt. Manchmal erkennt man Linien oder Streifen auf derselben, welche durch winzig kleine Glaskügelchen in großer Zahl gebildet werden. Die Wirkung bleibt stets an der äußersten Fläche des Gesteins, sie dringt nicht hinein. Kleine Gesteinstrümmerchen sind manchmal zu verglasten Häufchen von bis zu einigen Kubikcentimetern Größe zusammengebacken. Das Glas ist gleich wieder erstarrt da, wo es sich gebildet hat, es ist nicht merklich weiter geflossen, denn schon Escher hebt hervor, daß bei Fulguriten auf Syenit jeweilen die Glasrinde über Feldspathkörnern weißlich, über Ilornblende-körnern grünschwarz ist. Es scheint, daß die verschiedenen Grade der Schmelzbarkeit der verschiedenen Mineralien bei der Bildung der Fulgurite kaum zur Geltung kommen. Ich finde dieselben an Gesteinen mit vorherrschendem Quarz und nur wenig Feldspath oder Glimmer gerade so vollkommen ausgebildet, wie an den weit leichter schmelzbaren Amphiboliten.

Herr S. Simon ist durch seine Erfahrungen zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Blitzverglasungen auf stark ausgesprochenen Gipfeln im Gebiete der krystallinischen Silicatgesteine ( Gneiß, Granit, Syenit, Glimmerschiefer, Sericitgesteine, Phyllite, Amphibolite etc. ) die Regel seien. Wir können hinzufügen, daß sie, wenn auch nur sehr selten und zufällig, auf Sätteln, Gräten und Abhängen gefunden werden.

Um so sonderbarer ist es, wenn es sich wirklich selbst durch das sorgfältigste Nachsuchen bestätigt, daß einzelne Gipfel beständig von Fulguriten frei-bleiben.

In einem Briefe vom 2. Februar 1886 schreibt mir Herr S. Simon, den ich vor einigen Jahren dringend ersucht hatte, auf Fulgurite zu achten, wie folgt:

„ Es scheint mir zweckmäßig, der Aufzählung von „ Gipfeln den allgemeinen Eindruck voranzustellen, den „ ich über die Blitzverglasungen erhalten habe:

„ Im Engadin, wo ich mit der Zeit sehr knapp „ bemessen war ( 1882 ), und wo ich in der Ueber-„zeugung herumkletterte, die Blitzverglasungen seien „ so alltägliche Erscheinungen, daß man nicht weiter „ darauf zu achten habe, forschte ich gar nicht nach „ solchen. Trotzdem liefen mir zufällig Gesteinsstücke „ in die Finger, die sehr schöne Blitzverglasungen „ zeigten. So auf dem Gipfel des Piz Julier und auf „ demjenigen des Piz Lagrev. Hütte ich nach Blitz-„verglasungen ( Fulguriten ) gesucht, so bin ich überzeugt, daß ich auf den sämmtlichen 28 Gipfelpunkten, „ die ich dort besuchte, solche gefunden hätte „ In der Finsteraarhorngruppe, wo ich in 48 Tagen „ 30 Hochgipfelbesteigungen und 15 Hoehpaßübergänge „ ausführte, achtete ich möglichst nach Blitzverglas-„ungen, und glaube, sagen zu dürfen, daß auf jedem „ Gipfel solche vorkommen. Der einzige Gipfel, auf „ dem ich umsonst längere Zeit darnach gesucht habe, „ war der Gipfel des Vieseherhorn-Bettmerhorngrates.

„ Herr Hecht, der vielverdiente frühere Präsident „ der Section Oberland, veranlaßte seiner Zeit die „ Oberländer Führer dazu, ebenfalls nach Blitzverglasungen zu fahnden. Er kam auf diesen Gedanken „ dadurch, daß er den Führern es zur Pflicht gemacht „ hatte, Gipfelgesteinsproben von den Hochgipfeln zu „ bringen, um davon in Interlaken eine Sammlung anzulegen. Die Sache gehörte zwar nicht zu den Liebhabereien der Führer, aber eines Tages kam doch „ einer derselben mit einem schönen Handstück vom „ Gipfel des Schreckhornes, und dieses zeigte zufällig „ sehr schöne Blitzverglasungen. Diesem Umstände „ verdankt nun Interlaken eine kleine Sammlung von „ solchen Fulguriten. Es mag dies wiederum belegen, „ wie allgemein verbreitet die Blitz verglasungen in der „ Zone der Centralmassive ( Gebirgszonen aus krystal-„linischen Silicatgesteinen bestehend ) sind. "

Hiezu ist zu bemerken, daß nach den mir von Herrn Dr. Ed. von Fellenberg gemachten Mittheilungen gerade bezüglich des angeblichen Fundes vom Schreckhorngipfel eine Verwechslung mit unterlaufen sein muß, indem dasselbe verglaster Gneißgranit ( Protogin ) sei, während das Schreckhorn nicht aus solchem, sondern aus braunglimmerigem grauem Gneiß besteht. Immerhin handelt es sich bei dem fraglichen Stücke ohne Zweifel um eine achte Blitzverglasung.

Ingenieur Simon fährt fort: „ Der treffliche Hoch-„gebirgsphotograph Sella von Biella endlich verwunderte sich förmlich darob, daß ich nach Blitz-„verglasungen suchte. In der Matterhorngruppe, überhaupt in der Hauptkette südlich der Rhone, seien sie „ so häufig, daß man sich gar nicht darnach umsehe „ Am Matterhorn allein könnten sie hundertweise gesammelt werden.

„ Aber nicht nur auf Gipfeln kommen Blitzver-glasungen vor, sondern sogar auf Sätteln, die mit „ kleinen Felsaufsätzen gekrönt sind. So fand ich am „ Beichgrate bei circa 3200 m auf einem Felskopf eine „ typische Blitzverglasung, trotzdem der Grat allseitig „ von um circa 600 m höheren Gipfeln umgeben ist.

„ Nach dem Gesagten glaube ich kaum nöthig zu „ haben, eine lange Aufzählung meiner Besteigungen „ zu geben, denn ein Aufzählen dieser käme so ziemlich „ dem Aufzählen der Blitzverglasungsfundstätten gleich. „ Wo ich keine Stücke mitnahm, war gewöhnlich der „ Umstand schuld, daß sie so ungeschickt saßen, daß „ ich sie, nur mit dem Pickel bewaffnet, nicht los-„bringen konnte. Nebenbei wirkte auch oft der Umstand mit, daß die vorgerückte Zeit neben unseren „ anderen Arbeiten kein gründliches Absuchen mehr „ gestattete.

„ Einige bestimmte Fundstellen von sehr schönen „ Blitzverglasungen, ähnlich wie ich Ihnen viele solche „ gesendet habe, sind: Schreckhorn, Finsteraarhorn, „ Sattelhorn, Weißhorn, Lötschenthaler Breithorn, „ Schienhorn, Oberaarhorn, Setzenhorn, Sparren-„horn, Grisighorn, Beichgrat, Trugberg, nördliches „ Walliser Viescherhorn, Piz Julier, Piz Lagrev etc. "

Herr Ingenieur Imfeid berichtet mir, daß er die Ketten am Matterhorn vom Blitze angeschmolzen getroffen hat.

Fast immer werden die Fulgurite nur an den Gesteinseeken des äußersten Gipfels gefunden. Schon 2 bis 3 m tiefer als der höchste Punkt sucht man gewöhnlich vergeblich. Nicht selten sind die äußeren Flächen der „ Steinmannli " Träger von Blitzschmelz-spuren, was uns zugleich zeigt, daß der Blitzschlag ein gut gebautes Steinmannli gewöhnlich nicht umwirft. Schon viele Bergsteiger haben Gelegenheit gehabt, Erfahrungen zu machen, welche die Erklärung für die Lage der Fulgurite fast nur am obersten Theil des Gipfels geben. Ich selbst bin schon mehrmals in der Lage gewesen, zu beobachten, wie rasch die elektrische Spannung während eines Gewitters vom höchsten Gipfelpunkte nach unten abnimmt. Dem entsprechend muß der Blitz -ungleich häufiger in den obersten Gipfel schlagen, als in irgend eine Ecke am tieferen Gehänge. Herr Simon bestätigt dies ebenfalls,, indem er mir von einem Gewitter, das er 1885 auf dem Bettmerhomgrat erlebt hat, berichtet: „ Die „ zahlreichen Spitzen des in Blöcke aufgelösten Grates „ strömten lebhaft Elektrizität aus, während die Gewitterwolke darüber strich, ebenso unsere Pickel. „ Die einzelnen Fünkchen aus denselben folgten sich „ so rapid, daß dadurch ein Geräuch entstand, als „ würde ein Stück Zeug zerrissen, Die drei Pickel „ sausten gleichzeitig mit dem obersten Block, und „ man hatte es ganz in seiner Gewalt, die Funken ..mehr oder weniger energisch springen zu machen: „ hob man einen Pickel nur einige Centimeter höher, „ so wurde die Ausströmung viel energischer, und hob „ man versuchsweise den Pickel so hoch über den „ Kopf, als man es vermochte, so zog man unwillkürlich denselben rasch wieder zurück, um nicht „ Blitzableiterrolle zu spielen Es geht daraus hervor, „ daß schon ein geringes Ueberragen des gewöhnlichen „ Niveau's genügt, um einen Gipfel für Blitzverglas-„ungen, gegenüber den umliegenden um weniges tieferen „ Grattheilen, sehr zu disponiren.

„ Ein anderes Gewitter erreichte uns auf dem „ Grate, den der Lauistock nach Osten entsendet. Die „ Schrauben meines Meßtischstatives begannen gewaltig „ zu schnurren, desgleichen die Pickel, und schließlich „ kam das Gewitter zum großartigsten Ausbruch.Natürlich wollte ich mein Instrument nicht im Stiche „ lassen und trug es deshalb wenige Meter unterhalb .„den Grat. Dies genügte, um sofort das Schnurren -„verstummen zu machen. Dagegen sausten die Spitzen -„des Grates lebhaft weiter, und wenn ich, bei meinem „ nicht mehr schnurrenden Instrument stehend, den „ Pickel hoch empor hielt, so begann er sofort gewaltig „ auszuströmen. Wir befürchteten jeden. Moment eine „ Entladung, ich verzichtete auf weitere Versuche. Wir „ mußten an den Rückweg denken, derselbe führte uns „ leider zuerst auf den Gipfelpunkt des Grates zurück „ und dies nicht allzu bequem: Wegen der Blitzgefahr „ durften wir nicht auf dem Grate selbst marschiren, „ sondern schritten etwa 3 m unter der Gratfirst, wo „ dann die Pickel nicht mehr schnurrten, vorwärts. "

Es gibt Blitzschlage der verschiedensten Intensitäten. So gut wie oft Menschen von Blitzen auf dem Gebirge getödtet, in anderen Fällen aber nur schwach und ohne Schaden zu nehmen getroffen werden ( verglichen die Beispiele in Dr. E. Zsigmondi, die Oefahren des Bergsteigens ), so gut werden auch nicht -alle Blitzschläge Verglasungen zu erzeugen vermögen.

Blitzverglasungen entstehen auch auf unreinen kieselig-thonigen Kalksteinen, doch sind sie an Deutlichkeit nicht mehr mit denjenigen der Silicat-gesteine zu vergleichen. Arnold Escher v. d. Linth hat solche an den Gaultschichten nahe unter dem Gipfel des Vättiskopfes im Kalfeuserthale gefunden. Ingenieur Fridolin Becker erinnert sich, im Kalkgebirge häufig mehr oder weniger deutliche Schmelzspuren gesehen zu haben, so z.B. auf dem Hügel nördlich Schwarenbach an der Gemmi. Ingenieur X. Imfeid berichtet mir, daß er eine Art Blitzröhre von etwa 15 bis 2Ocm Länge im Jahr 1870 am Feuerstein etwa 100 bis 200m unter dem Gipfel gefunden habe. Das Stück scheint leider nicht aufbewahrt worden zu sein. Auf Sandsteinen und Thonschiefern sind mir bisher außer dem Stück vom Kärpfstein noch keine Ver-glasungen zu Gesichte gekommen, doch läßt sich nicht einsehen, warum sie nicht auch dort sich häufig bilden sollten. Ganz verschieden aber von den Verglasungen, wie wir sie auf der Oberfläche der zu Glasflüssen schmelzenden Silicatgesteine finden, sind die Wirkungen des Blitzschlages auf reinem Kalkstein. An freier Luft ist der Kalkstein unschmelzbar. Ein oberflächliches Brennen des Kalksteines wird, wenn es auch vielleicht vorkommt, kaum beobachtet werden können, weil die Witterungseinflüsse die Spuren davon rasch verwischen werden. In manchen Gegenden findet man in den Kalksteinen verschiedenen Alters und verschiedener Zusammensetzung Kugeln oder unregelmäßige Knollen von Pyrit ( Eisenkies, Schwefeleisen ), deren Werden die Bevölkerung oft dem Blitzschlag zuschreibt, und die dann mit dem Namen „ Blitzsteine " belegt werden. Allein diese Sage beruht auf Irrthum. Niemals vermöchte der Blitzschlag Schwefeleisenkugeln im Kalkstein oder Thonschiefer zu bilden; im Blitze fahren auch keine materiellen Geschosse dahin wie in den Sternschnuppen. Die Pyritknollen in den Kalksteinen sind vielmehr eine ursprüngliche Bildung, die bei der Entstehung des Kalksteines schon vor sich gegangen ist. Nicht selten enthalten diese Knollen Versteinerungen; es 23 sind dies dann die gleichen Thierreste, welche auch ohne Pyrit in dem umgebenden Kalksteine sich finden. Manchmal steckt eine gut erhaltene Versteinerung ( Thierrest ) halb im Kalkstein, halb im Pyritknollen. Noch manches Andere wird oft vom Volke als Wirkung des Blitzschlages gezeigt, was mit dem Blitze keinerlei Zusammenhang hat. Daß das, was ein nicht speciell naturwissenschaftlich gebildeter Tourist als Blitzspuren bezeichnet, wirklich solche sind, kann nach meinen Erfahrungen nur festgestellt werden, wenn derselbe ein kleines Belegstück mitbringt.

Auf dem Gipfel der großen Mythe entstanden während eines entsetzlichen Gewitters, das ich dort im Herbst 1866 erlebte, mehrere Löcher im Kalkstein, welche trichterförmige Gestalt und etwa 2 bis 3dm Tiefe hatten. Das Gestein zeigte sich im Loche frisch zersplittert und die Bruchstücke lagen zerstreut rings herum. Ich habe an anderen Orten schon oft nach heftigen Blitzschlägen Steine poltern hören, ohne die Einschlagsstelle zu kennen. Die schönsten Spuren des Blitzschlages beobachtete ich den 16. August 1882 auf dem Grate östlich des Frohnalpstockes, der das Muottathal vom Riemenstaldenthale trennt. Vom Hauserstock bis gegen den Klingenstock wiederholten sich diese Spuren vier Mal in Meerhöhen von ca. 1850 bis 1930™. Alle Blitzschläge, deren Wirkungen wir hier sehen konnten, trafen die Kanten-linie des Grates, aber keineswegs nur die Culminationspunkte, sondern auch die Einsattlungen oder den schief ansteigenden Grat. Beiliegende Zeichnung stellt « inen solchen „ Blitzstern " oder Schrammenstern dar, der etwa 100 m östlich des Hausevstockes auf dem dort ganz berasten Grat an einer Stelle zu sehen war, wo der Grat aus Seewerkalkplatten besteht. Im Mittelpunkt findet sich eine noch ganz frisch aufgeschlagene Wunde. Der Rasen ist weggeschlagen, der Kalkstein zersplittert und zertrümmert, die hand- Blitzstern vom Hauserstock ( Ct. Schwyz ) großen und kleineren Trümmer liegen zum Theil herausgeschlagen herum, zum Theil sind sie in dem 3dm breiten und lm langen, circa rechteckigen Loche geblieben. Von dieser Schlagwunde aus gehen nach verschiedenen Richtungen tiefe Schrammen, welche den unbeschädigten Fels entblößt und den Rasenboden wie mit einem Pfluge durchfurcht seitlich übergelegt zeigen. In einiger Entfernung von der Centralwunde verzweigen sich die aufgerissenen Furchen baumförmig und werden zugleich schwächer, so daß man den Fels an ihrem Grunde nicht mehr sieht. Allmälig verlaufen sie sich. Der Durchmesser des ganzen sternförmigen Gebildes beträgt in der Längsrichtung des Grates auf der Wasserscheide volle 18 bis 20 mr in der Querrichtung nur die Hälfte. Mein Begleiter, der seither vom Blitze getödtete damalige Wirth auf dem Gipfel der Frohnalp, erzählte mir, daß diese „ Blitzsterne " bei einem Gewitter Mitte August 1880 entstanden seien, und zuerst noch größer, die Schrammen im Rasen weiter aufgerissen gewesen seien, und daß seither Schneedruck und Pflanzenwachsthum bereits das ursprüngliche Bild in diesen nun bald zwei Jahren wieder merklich verwischt hätten. Er versicherte mich, daß hier diese Blitzsterne recht oft entstehen, daß sie aber nach 5 bis 8 Jahren gewöhnlich wieder ganz verwachsen und unsichtbar werden. Das letztere mag denn auch die Erklärung dafür bieten, daß so selten von denselben berichtet wird, denn die Erscheinung selbst ist so auffallend, daß kein Wanderer dieselbe übersehen könnte, wenn sie noch einigermaßen frisch ist. Ich selbst habe sie außer diesem einen Mal noch nie gesehen, so zahlreich auch die dem Blitzschlag ausgesetzten berasten Gräte sind, die ich schon begangen habe. Gibt es auch hier Orte, wo der Blitz sehr häufig einschlägt, andere, die er stets verschont, ohne daß wir bis jetzt den Grund für dieses Verhalten einsehen könnten?

Aus den Blitzsternen am Hauserstock — Klingen-stockgrate geht hervor, daß unter Umständen der Blitzschlag harten festen Fels auf einzelnen Stellen zertrümmern kann, ferner, daß er sich im feuchten Rasenboden rasch in allen Richtungen zertheilt. Es ist zu erwarten, daß diese Form der Blitzspuren auch im krystallinischen Silicatgebirge sich wiederholt. An denjenigen Stellen, wo ich dort Verglasungen beobachtet habe, war von Zerschlagen des Gesteines nichts Sicheres zu beachten. Auch hier kann wiederum nur das Sammeln vieler Beobachtungen allmälig weitere Aufklärung bieten. Der Beobachter skizzire und beschreibe genau und unabhängig von seinen Erklärungs-gedanken, was er gesehen hat, und bringe Proben allfällig veränderter Gesteinsstücke mit.

Die Narben, welche der elektrische Funke an den Bergen zurücklässt, sind so eigenthümlich, daß sie von dem sorgfältigen Beobachter stets leicht von den zahllosen anderen Schrammen unterschieden werden können, die durch andere Einflüsse erzeugt worden sind. Man irrt sich, wenn man meint, die Auflösung ganzer Berggipfel in Trümmer dem Blitzschlage zuschreiben zu sollen. Da arbeiten, zwar weniger polternd, aber viel ausdauernder und wirksamer, ganz andere Faktoren. Der Blitz verglast Gesteine, schlägt Löcher und Schrammensterne, vielleicht erzeugt er auch noch andere, noch nicht bekannte Formen von Wunden, aber seine Wirkungen sind doch im großen Ganzen fast bedeutungslos für die Gestalt der Berge. Die Berge sind stärker als der Blitz!

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