Protokoll der XXXIII. Delegiertenversammlung in Schwyz

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Samstag den 7. September 1895, nachmittags 2V2 Uhr, im großen Saale des Rathauses zu Schwyz.

Anwesend 6 Mitglieder des Centralkomitees, nämlich: Dr. Michel, yizepräsident; Flück, Kassier; G. Schlosser; Pfarrer Straßer; Ingenieur Äbi; Pfarrer Studer, Sekretär, und 86 Delegierte, welche 33 Sektionen vertreten.

Verhandlungen.

Der Vizepräsident, Herr Dr. Michel, heißt die zur heutigen Versammlung erschienenen Delegierten willkommen und gedenkt der letzten Winter verstorbenen Mitglieder des Centralkomitees, Präsident Pfarrer Baumgartner und Sekretär A. Züricher, mit warmen Worten. Auf seine Einladung erheben sich die Anwesenden zu Ehren der beiden Hingeschiedenen von ihren Sitzen. Für die infolge jener Todesfälle eingetretenen Störungen in der Geschäftsführung des Centralkomitees bittet der Präsidierende um Nachsicht und erklärt die 33. Delegiertenversammlung für eröffnet.

L Namensaufruf. Nicht vertreten sind die sieben Sektionen: Bernina, St. Gotthard, Monte-Rosa, Rhätia, Scesaplana, Unterengadin und Wildhorn.

II. Zu Stimmen Zählern werden gewählt:

Herr Mettler-Wolff, St. Gallen; Herr Courvoisier, La Chaux-de-Fonds. Zum Übersetzer wird gewählt: Herr H. Correvon, Genève.

Ili a. Herr Centralkassier Flück verliest die Jahresrechnung'pro Ì894.

1. Die Einnahmen betragen. Fr. 41,582. 45 2. Die Ausgaben betragen„ 40,859. 26 Aktivsaldo Fr. 723. 19 Vermögensverminderung pro 1894„ 13,027. 97 Vermögen auf 31. Dezember 1894 „ 20,723. 19 Die beiden Rechnungsrevisoren, HH. A. Bernoud ( Genf ) und A. Nägeli ( Zürich ), vermissen laut ihrem schriftlichen Bericht bei den Einnahmen einen Erlös aus verkauften Exkursionskarten und ersuchen das Centralkomitee, diesen Verkauf wieder aufzunehmen. Über einzelne Posten der Ausgaben stellen sie für die Delegierten Versammlung einen ausführlichen, mündlichen Bericht in Aussicht und unterbreiten ihr folgende Anträge:

1. Das Centralkomitee wird eingeladen, jeweilen der ordentlichen Delegiertenversammlung ein Budget über die im folgenden Jahre vorzunehmenden Clubhütten-Neubauten vorzulegen.

2. Die Subventionen der Centralkasse für diese Neubauten sollen, je nach den finanziellen Mitteln der betreffenden Sektionen, die Hälfte bis höchstens zwei Drittel der Baukosten betragen.

3. Es sei die Jahresrechnung pro 1894 unter bester Verdankung an den Herrn Rechnungssteiler zu genehmigen.

Nachdem dieser schriftliche Bericht der Rechnungsrevisoren samt Anträgen verlesen worden, erhält Herr A. Nägeli — Herr A. Bernoud ist wegen Krankheit abwesend — das Wort zu mündlichen Ausführungen, besonders über einzelne Ausgabeposten. Er beginnt mit einem Tadel zu Händen des Centralkomitees wegen zu später Einsendung der Rechnung und bespricht dann folgende Posten derselben:

Einnahmen:

Eintrittsgelder: Eine Anzahl ( 21 ) Diplomkarten wurde nicht eingelöst. Die Sektionsvorstände haben die Pflicht, zu sorgen, daß dies geschehe.

Jahresbeiträge: Es wird mit Freuden konstatiert, daß dieses Jahr keine Ausstände mehr in der Rechnung figurieren.

Erlös aus Drucksachen: ( Siehe oben Notiz aus dem schriftlichen Bericht über die Exkursionskarten ). Redner gedenkt des neuen Geschenks ( von Fr. 250 ) des belgischen A. C. für Clubhüttenzwecke.

Ausgaben:

Jahrbuch: Es sollte in Zukunft von Seiten der Verleger und des Centralkomitees Vorsorge getroffen werden, daß die teuern Nachdrucke unterbleiben. Die Verleger dürfen es wohl wagen, auf ihr eigenes Risiko jährlich ca. 200 Exemplare mehr drucken zu lassen, als der voraussichtliche Bedarf im ersten Jahre sein wird.

Excursionskarte und Itinerar: Nach Erscheinen des zweiten Blattes der Exkursionskarte wird die Centralkasse rund Fr. 18,000 für das Albula-Gebiet ausgegeben haben. Wahrscheinlich hätte auch mit weniger Geld der gleiche Zweck erreicht werden können.

Alpina: Es ist zu bedauern, daß die Kosten für das erste Halbjahr 1894 noch nicht in dieser Rechnung figurieren.

Clubhütten: Obschon die Betempshütte im August 1894 fertig erstellt war, findet sich in diesem Rechnungsjahre noch keine Schlußrech-nung vor. Herr Nägeli berechnet, daß ( inkl. Rest für den Bau der Betempshütte ) für Neubauten dieses Jahr ca. Fr. 19,000 verwendet sein würden. ( 1893 Fr. 10,000. ) Solche Freigebigkeit gehe zu weit.

Assekuranzen: Da immer noch nicht alle Hütten versichert sind, werden die Sektionen eingeladen, dies nachträglich noch zu thun; die Centralkasse vergütet die Auslagen.

Verwaltungskosten: Herr Nägeli bezweifelt, ob hier das Sparen ( es wurden nur Fr. 493 ausgegeben ) richtig angewendet war. Mit Fr. 1500 hätte man einem ständigen Gehülfen für täglich zwei Stunden Arbeit Fr. 5 geben können und dann wären Kassier und Sekretär entlastet und die unliebsamen „ Verschleppungen " verhütet worden.

Vermögens-Bilanz: Wäre der Rest der Bauschuld der Betempshütte,. sowie anstatt eines halben ein ganzes Jahr der Alpina bezahlt worden, so würde das Deficit Fr. 20,000 betragen.

Im „ Schluß " zu diesen Ausführungen weist Herr Nägeli auf die Unzuverlässigkeit des Centralkomitees in der Aufstellung des Jahresbudgets, besonders vor den Verhandlungen betreffend Montblanc-Karte- und »Pano-rama-Ankauf, hin. Er vergleicht dann einige Ausgabeposten, wie sie im Budget figurierten und wie sie nun in der Rechnung stehen; z.B. stehen für die Alpina im Budget Fr. 1500 pro 1 Jahr, in der Rechnung Fr. 1600 pro 1J2 Jahr. Für Verwaltungs- und Reisekosten im Budget Fr. 1000, in der Rechnung Fr. 2357. Für Hütten-Neubauten im Budget ( inklusive Fr. 5000 für die Bétempshütte ) für beide Jahre zusammen Fr. 19,000; 1894 wurden, ohne die noch restierenden ca. Fr. 5000 für die genannte Hütte, Fr. 13,800 verausgabt. Im Jahr 1895 dürfte also wirklich nichts mehr für Neubauten ausgegeben werden. Für den Unterhalt der Hütten, Assekuranzen, Wege, waren für beide Jahre zusammen Fr. Ì500 berechnet. 1894 allein wurden dafür Fr. .2344 ausgegeben. Aus dem bescheidenen Deficit von Fr. 1500 bis Fr. 3500, welches sich aus dem Budget des Centralkomitees pro 1894 — 95 ergab, sind heute schon, die Ausgabe für das Montblanc-Panorama abgerechnet, Fr.»9900 geworden. Referent begründet noch die von ihm und Herrn Bernoud gestellten Anträge. Zur Begründung von Antrag 1 weist er nach, wie gegenüber den ersten 25 Jahren des S.A.C. in den letzten beiden Jahren ein wahres Clubhütten-Baufieber Überhand genommen habe. Er empfiehlt „ einfache Diät " in diesem Falle. Werde der Antrag 1 angenommen, so seien difr Sektionen gezwungen, schon im Anfang des Sommers dem Centralkomitee ihre Projekte für das nächste Frühjahr einzureichen. Dem Centralkomitee bleibe dadurch mehr Zeit, sich über die Notwendigkeit eines Baues zu informieren, und die Delegiertenversammlung könne nach Gutfinden das eine oder das andere der vorgelegten Projekte auf die nächste Versammlung vertrösten. Es ermögliche dieser Antrag ferner, daß das Centralkomitee jeweilen im Januar ein genaues Jahres-Budget aufstellen könne, was bisanhin dadurch erschwert wurde, daß die Subventionsgesuche meistens erst im Februar bis März, ja noch später eingereicht wurden. Bei Begründung von Antrag 2 empfiehlt Referent, daß eine kleine Sektion, die eine Ciubhütte bauen wolle, sich mit einer Nachbar-Sektion verbinde und gemeinschaftlich mit derselben den Bau ausführe. Dann stellen sich beide mit einer Subvention von nur 60 °/o weit besser, als eine allein mit einer solchen von 75°/o. Zudem dürfe man sich denn doch fragen: Was bleibt denn noch von dem Verdienste übrig, eine Clubhütte erbaut zu haben, von der Ehre, sich Eigentümer einer solchen zu nennen, wenn ein anderer 75 % der Baukosten, alle in Zukunft YOr-kommenden Reparaturen, die jährlichen Assekuranzen und eventuell alle Jahre noch einen Beitrag bis auf Fr. 200 für Mobiliar-Unterhalt und Bewirtschaftung bezahlt? Die Grenzen der Subventionen müssen bestimmt werden, aber innerhalb derselben soll das Centralkomitee freien Spielraum haben. Der Antrag 3, schließt der Referent, bedarf keiner Begründung; er versteht sich von selbst.

Herr Dr. Michel weist namens des Centralkomitees die demselben von Herrn Nägeli gemachten Vorwürfe, vor allem den der Nachlässigkeit in der Geschäftsführung, entschieden zurück und protestiert gegen den Ausdruck „ Verschleppungen ". Für die Betempshütte seien bis jetzt trotz dringender Mahnungen und Chargebriefen die Rechnungsbelege nicht er* hältlich gewesen. Gegenüber dem Vorwurf allzugroßer Freigebigkeit in der Subventionierung von Hüttenbauten giebt Redner zu bedenken, daß die Mitglieder des S.A.C. ihre Beiträge an die Centralkasse nicht zu dem Zwecke leisten, um Schätze zu sammeln, sondern damit sie nutzbringend für die Ziele des S.A.C. verwendet werden, nutzbringend? vor allem in rationellen Hüttenbauten, in der Förderung des KartenwesenS und in der Hebung des Fuhrercorps. Die lange Krankheit des Herr » Pfarrer Baumgartner, sein Tod und dann wieder der Verlust des Herrn Züricher haben lähmend und hemmend auf die Thätigkeit des Centralkomitees eingewirkt, um so mehr, als dessen Mitglieder weit zerstreut wohnen. Im übrigen will das Centralkomitee über seine Geschäftsführung ruhig das Urteil der Delegiertenversammlung gewärtigen.

Herr Kassier Fluch begründet die kleine Verspätung in der Vorlage. der Rechnung mit angegriffener Gesundheit infolge Überanstrengung und das Nichterscheinen des Ausgabepostens pro I. Semester 1894 der Alpina mit der verspäteten Rechnungslegung durch die Expedition, sowie mit dem Wunsche, die Rechnung bezüglich Alpina in Zukunft mit dem Kalenderjahr in Einklang zu bringen. Er stellt zu Antrag 2 der Rechnungsrevisoren den Zusatzantrag, daß durch die Annahme des Antrages 2 die Kompetenz des Centralkomitees zur Subvention von Hüttenbauten nicht beschränkt werden solle.

Herr ISägeli wendet den Ausdruck „ Verschleppungen " in den Ausdruck „ Verzögerungen " um und fügt bei, daß er jenen Ausdruck unterlassen hätte, wenn er hätte denken müssen, damit dem Centralkomitee so nahe zu treten.

Herr Franche ( Bern ) zeigt, wie die Neuauflage des Jahrbuchs nötig geworden sei.

Herr Festpräsident Bettschart beantragt, über die dem Centralkomitee gemachten Vorwürfe zur Tagesordnung zu schreiten und die gesamte Geschäftsführung des Centralkomitees unter bester Verdankung zu genehmigen.

Herr Pfarrer Straßer will den Rechnungsrevisoren das Recht zur Prüfung und Beurteilung der Rechnung gewahrt wissen, hätte aber gewünscht, daß auch das, was das Centralkomitee geleistet hat, von Herrn Nägeli gewürdigt worden wäre.

Nach Antrag 3 der Revisoren wird die Rechnung unter bester Verdankung an den Rechnungsgeber genehmigt. Desgleichen wird ohne Widerspruch der Antrag Bettschart angenommen.

a. Als Rechnungsrevisoren pro Ì895 werden gewählt: Die Herren Preiswerk-Ringwald ( Basel ) und Ch. Robert ( La Chaux-de-Fonds). b. Als Suppleanten: Die Herren Denzler ( Winterthur ) und P. E. Dutoit ( Diablerets). c. Behandlung der Anträge i vnd 2 der Rechnungsrevisoren:

Herr Prof. Graf ( Bern ) stellt die Ordnungsmotion, die beiden Anträge dem Centralkomitee zur Berichterstattung und Antragstellung für die nächste Delegiertenversammlung zu überweisen. Herr Mettler-Wolff wünscht sofortige Behandlung der Anträge. Die Ordnungsraotion des Herrn Prof. Graf wird mit 32 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Die beiden vom Centralkomitee unterstützten Anträge der Rechnungsrevisoren, mit dem Amendement Flück, bleiben unbestritten und sind zum Beschluß erhoben.

IV. Das Centralkomitee, in Ausführung eines bezüglichen Beschlusses der letztjährigen Delegiertenversammlung in Baden, beantragt die Aufstellung folgenden Finanzregiententes ( siehe Alpina, Jahrgang III, Nr. 3^ pag. 23 und 24, und Alpina, Jahrgang III, Nr. 12, pag. 93 und 94 ):

Art.'/. .»Das Centralkomitee sorgt bei der Amtsübernahme unter seiner Verantwortung dafür, daß der Centralkassier die Wertschriften des S. A. O. ohne Verzug einer sichern ( womöglich staatlichen ) Bank in Depot giebt.

„ Der Rückzug einzelner Titel oder des ganzen Depots darf nur auf schriftliches Verlangen des Centralkomitees, unterzeichnet vom Centralpräsidenten und Centralsekretär, erfolgen.

Art. 2. „ Das Barvermögen legt der Centralkassier in Kontokorrent bei einer Bank an. Die eingehenden Gelder sollen successive, sobald sie die Summe von Fr. 300 erreichen, der Kontokorrentstelle abgeliefert werden.

Art. 3. „ Alle drei Monate hat der Centralkassier dem Centralkomitee einen Rechnungsauszug vorzulegen.

Art. 4. „ Die Jahresrechnung wird nach erfolgtem Abschluß durch das Centralkomitee einläßlich geprüft und hierauf den von der Delegiertenversammlung gewählten Rechnungsrevisoren vorgelegt.

Art. 5. „ In der Delegiertenversammlung hat der Centralkassier jeweilen über die Einnahmen und Ausgaben des laufenden Jahres Bericht zu erstatten.

Art. 6. „ Dieses Reglement tritt auf 1. Januar 1896 in Kraft. "

Herr Centralkassier Flück hat zu diesen Anträgen des Centralkomitees nichts beizufügen. Herr Hoffmann-Burckhardt ( Basel ) findet die in Art. 2, Alinea 2, genannte Summe von Fr. 300 außerordentlich klein und beantragt Streichung des Zwischensatzes „ sobald... erreichen ", ferner in Art. 3 Ersetzung des „ Alle drei Monate " durch „ Alle sechs Monate ". Herr Barbey ( Diablerets ) verlangt Weglassung von Art. 2, Alinea 2. Herr Mettler-Wolff ( St. Gallen ) beantragt Streichung von Art. 2, Alinea 2, und Art. 3. Herr Dr. Michel erklärt sich namens des Centralkomitees einverstanden mit Streichung von Art. 2, Alinea 2.

Aus der nun folgenden Abstimmung ergiebt sich:

Art. 2, Alinea 2, wird gestrichen. Art. 3 wird aufrecht erhalten ( gegen den Antrag Mettler-Wolff ), aber mit der Fassung: „ Alle sechs Monate " ( nach Antrag Hoffmann ).

Das Finanzreglement, wie es aus der Diskussion und Abstimmung hervorgegangen, wird von der Versammlung genehmigt.

V. Persönliche Anregung des Herrn Prof. Walder ( Uto ), an der Delegiertenversammlung in Baden gemacht und damals dem Centralkomitee zur Prüfung überwiesen: ob nicht die Fassung von 12, Alinea 2, der Statuten dahin abgeändert werden solle, daß in Zukunft einer Sektion, statt einer bestimmten Anzahl Delegierter, die betreffende Anzahl Stimmen zugeteilt würde, die dann von einem Delegierten abgegeben werden könnten. ( Siehe Alpina, Jahrgang III, Nr. 3, pag. 22. ) Der Antrag des Centralkomitees geht dahin, es sei diese Frage in ablehnendem Sinne zu entscheiden.

Herr Pfarrer Straßer begründet den Antrag besonders mit Rücksicht auf die Stimmen aus der Sektion Rhätia in Nr. 13 der diesjährigen Alpina. Er hält dafür, daß eine Sektion sich durch Mitglieder einer andern Sektion vertreten lassen könne, aber eine Vereinigung von mehreren Stimmen auf einen Delegierten wäre vom Übel, weil dies leicht die Einführung eines imperativen Mandates an die Delegierten zur Folge hätte. Es liegt im Interesse des S.A.C., daß die Delegiertenversammlungen möglichst zahlreich besucht werden.

Herr Prof. Walder ( Uto ) ist nicht dafür, daß ein Delegierter für sich und die übrigen Delegierten einer Sektion die Stimme abgeben soll. Seine Anregung habe nur bezweckt, bei Gelegenheit der in Baden beschlossenen Statutenänderung ( Vermehrung der Zahl der Delegierten bei größerer Mitgliederzahl ) die Frage zu prüfen, ob nicht vielleicht im Abstimmungsmodus eine Änderung Platz greifen könnte. Der Redner betont, daß es durchaus nicht im Interesse der Sektion Uto liege, der Anregung Folge zu geben; dagegen glaubt er, es sei gegenüber den entfernt wohnenden Sektionen ein Akt der Billigkeit, wenn wenigstens die Sache zur Sprache komme. Man sollte daher solchen Sektionen, wenn sie es wünschen, die Stimmabgabe erleichtern. Dies könnte geschehen in dem Sinn, daß ein Delegierter auch noch die Stimme eines andern abgeben kann, aber hauptsächlich nur in den Fällen, wo es sich um Statutenänderung und um Beschlüsse von großer finanzieller Tragweite handelt.

Herr Pfarrer Straßer hat die Anregung Walder nicht in dem Sinne verstanden, daß ein Delegierter mehr als eine Sektion vertreten könnte. Herr Bettschart unterstützt den Antrag des Centralkomitees. Herr S Uff 1er ( Davos ) stellt und erläutert folgenden Antrag: Von jeder Sektion haben die jeweiligen anwesenden Delegierten das Stimmrecht für sämtliche berechtigte Abgeordnete der betreffenden Sektion auszuüben. Herr Dr. Michel bemerkt, dieser Antrag, der übrigens als Anregung zu behandeln sei, würde eine Statutenrevision bedingen.

Der Antrag wird abgelehnt und der Anregung für den Moment keine Folge gegeben.

VI. Aufnahme weiblicher Mitglieder in den S.A.C.

Antrag des Centralkomitees: Es sei in authentischer Interpretation des 3 der Statuten des S.A.C. zu beschließen: Es können auch weibliche Mitglieder in den S.A.C. aufgenommen werden.

Herr Dr. Michel erinnert zunächst daran, daß diese Frage nicht etwa vom Centralkomitee, sondern von den Sektionen Tödi und Bernina angeregt worden sei. Das Centralkomitee stehe ihr jedoch freundlich gegenüber; der Wortlaut von 3 der Statuten schließe die Damen von der Mitgliedschaft des S.A.C. nicht aus; Damen können derselben so gut als Herren würdig werden, sobald sie von Kraft und Mut für Bergbesteigungen erfüllt sind und ein richtiges Verständnis und lebhaftes Interesse für die Zwecke des S.A.C. haben. Redner fürchtet darum noch keine Invasion von weiblichen Kandidaten.

Herr Festpräsident Betischart befürwortet lebhaft den Antrag des Ceritralkomitees. Herr Pfarrer Lavater ( Uto ) beantragt Nichteintreten auf die Frage. Wird der Antrag des Centralkomitees angenommen, so verliert der S.A.C., seinen bisherigen Charakter total. Herr Prof. Graf ( Bern ) verweist auf die naturforschende Gesellschaft und auf den Umstand, daß dort gegenwärtig das Quästorat einer Dame anvertraut sei. Angesichts >der Stellung, welche heutzutage die Frau im gesellschaftlichen Leben einnimmt, dürfen wir keinen Zwang ausüben. Lassen wir den Sektionen Freiheit in der vorliegenden Frage. Herr Mettler-Wolff ( St. Gallen ) wendet sich in längerem Votum gegen die Aufnahme von Damen. Ebenso Herr E. Dutoit ( Lausanne ). Auch er, wie überhaupt seine Sektion, glaubt, daß die Aufnahme von Damen den Charakter der Vereinigungen, besonders der Touren der C. Mitglieder verändern würde. Redner glaubt nicht, daß man in dieser Beziehung der Sektion Freiheit lassen könne, da ein Sektionsmitglied zugleich dem ganzen Alpenclub angehöre. Es handelt sich nicht um eine Frage der Auslegung, sondern um eine Modifikation der Statuten; denn als der S. A..C. gegründet wurde, dachte man keines^ wegs, daß ihre Bestimmungen auf Damen angewendet werden könnten. Herr Preiswerk-Ringwald ( Basel ) spricht im Sinne der HH. Dutoit und Lavater und stellt den eventuellen Zusatzantrag zu 3 der Statuten: Das Stimmrecht soll den Damen nicht gewährt werden. Herr Dr, Michel: Die Statuten des S.A.C. kennen Mitglieder ohne Stimmrecht nicht. Herr Dr. Schneeli ( Uto ): Die Frage wurde schon 1880 behandelt und entschieden. Bei diesem Entscheide soll es bleiben, da sich die Verhältnisse seither nicht geändert haben. Herr Fluch tritt für den Antrag dee Centjal-komitees ein. Herr Prof. Graf betont, daß auf irgend eine Weise dem Verlangen nach Gewährung der Mitgliedschaft an Damen Rechnung getragen werden müsse. Es wird Schluß verlangt. Die Abstimmung ergiebt: Für den Antrag des Centralkomitees ( im Sinne der Sektionen TÖdi und Bernina ) 22 Stimmen; gegen den Antrag des Centralkomitees 55 Stimmen.

Die Aufnahme von Damen in den S.A.C. ist also abgelehnt.

VII. Motion der* Sektion Diablerets betreffend Wildschütz ( auf Anregung des Vereines „ Pianaünterdrückung der Wilddieberei, ganz besonders von Seiten der Führer. ( Siehe Alpina ìli, Nr. 12. ) Das Centralkomitee beantragt Zustimmung zu diesen Anträgen mit Ausschluß des letzten ( Ziff. 2, litt, c ); ferner:

Die Delegiertenversammlung erteilt dem Centralkomitee den besondern Auftrag, mit einem Gesuche im Sinne von Ziff. 2, litt. b. an die Kantonsregierungen zu gelangen und sie zu ersuchen, sie möchten eine bezügliche Warnung in die Führerreglemente aufnehmen.

Herr Pfarrer Straßer begründet die Anträge des Centralkomitees, Es muß zum Schütze des Wildes etwas gethan werden. Was geschehen kann und soll, das erhellt aus den Anträgen der Sektion Diablerets, die keiner langen Begründung bedürfen. Das Centralkomitee ist mit diesen Anträgen einverstanden; nur der letzte, Ziff. 2, litt, c, geht seiner Ansicht nach zu weit, weil schwer durchführbar.

Herr Dr. H. Vermi ( Diablerets ), Präsident der Diana, von dem die Anregung ausgegangen, findet, die Motion sei in der Alpina nicht in ihrem richtigen Wortlaute wiedergegeben, giebt die nötigen Erläuterungen zu den Anträgen und verteidigt den Antrag Ziff. 2, litt. c. Er acceptiert immerhin dessen Streichung. Herr Pfarrer Studer, Centralsekretär, erwidert dem Vorredner, daß der Wortlaut der Motion genau der vom Vorstande der Sektion Diablerets eingesandte sei. Herr Mettler-Wolff stellt den Antrag, die Erledigung der Frage auf die nächste Delegiertenversammlung zu verschieben. Die HH. Vernet und Straßer sind gegen Verschiebung.

Nachdem der Verschiebungsantrag abgelehnt worden, werden, entgegen dem neuen Antrage Mettler-Wolff auf Nichteintreten, die Anträge des Centralkomitees, Redaktion vorbehalten, angenommen.

VIII. Motion der Sektion Uto betreffend Herausgabe eines Verzeichnisses der patentierten Bergführer:

„ Dem Centralkomitee des S.A.C. wird die Aufgabe gestellt, ein Verzeichnis der von den Sektionen des S.A.C. oder von den Kantonsregierungen patentierten Bergführer anzulegen und dasselbe genau revidiert alle zwei Jahre im Drucke herauszugeben. "

Das Centralkomitee beantragt Zustimmung zu dieser Motion.

Herr Pfr. Straßer befürwortet namens des Centralkomitees die Motion Uto. Seit mehrere Sektionen des S.A.C. das Führerwesen organisiert haben, sollte ein Führerverzeichnis herausgegeben werden. Damit könnte auch die Aufstellung der Führertarife verbunden werden. Vielen Clubisten, Mitgliedern oder Nichtmitgliedern des S.A.C., wäre ein solches Verzeichnis ein willkommenes Hülfsmittel zur Anstellung von zuverlässigen Führern, und der Zudringlichkeit von unpatentierten Führern würde damit wirksam entgegengetreten.

Herr Prof. Walder: Im Führerwesen können wir nie zu viel thun. Ein Führerverzeichnis ist sehr wünschbar. Ein solches sollte zugleich die Angaben enthalten, wer die Führer patentiert habe, ob der Führer einen Führerkurs durchgemacht. Das würde da und dort Anlaß geben zur Organisation des Führerwesens, wo eine solche noch nicht besteht. Redner ist auch für Beifügung der Führertarife. Herr Bahnmayer ( Randen ) beantragt die alljährliche Herausgabe des Führerverzeichnisses inklusive Führertaxen zugleich mit dem Jahrbuch. Herr Barbey ( Diablerets ): Behufs Herausgabe eines Führerverzeichnisses inkl. Führertaxen müßten diese erst von den verschiedenen Sektionen revidiert werden. Die Verbindung des Führerverzeichnisses mit dem Jahrbuch ist nicht thunlich, weil dieses zu spät erscheint. Jenes müßte früher herausgegeben werden. Herr Dr. Garot ( Neuchâtel ) und ein anderer Delegierter unterstützen das Votum des Herrn Barbey. Herr Pfarrer Straßer bemerkt, daß die Herausgabe bezw. Aufstellung eines Führerverzeichnisses viel Arbeit erfordere. Er spricht aus Erfahrung, da die Sektion Oberland bereits einen Versuch gemacht habe.Von ihm wird daher der Antrag gestellt, das Führerverzeichnis nur alle zwei Jahre herauszugeben und Zustimmung zur Motion der Sektion Uto. Herr Franche ( Bern ) beantragt, zu sagen: „ periodisch nach Bedürfnis " solle das Verzeichnis erscheinen. Herr P. Christen ( Burgdorf ) schließt sich dem Antrag Straßer an und wünscht erstmalige Aufstellung des Verzeichnisses auf 1. Juni 1896. Herr Franche läßt seinen Antrag zu gunsten desjenigen von Herrn Pfr. Straßer fallen.

Es erfolgt Abstimmung. Für den Antrag des Centralkomitees bezw. des Herrn Pfarrer Straßer, das Führerverzeichnis alle zwei Jahre, jedoch mit den Führertaxen, herauszugeben, ergiebt sich große Mehrheit. Der Antrag Bahnmayer auf alljährliche Herausgabe ist also abgelehnt.

IX; Auf die Entgegennahme des Hüttenberichts wird nach Antrag des Herrn Dr. Michel verzichtet, da er einen wesentlichen Bestandteil des morgen vom Centralkomitee abzulegenden Jahresberichtes bilden wird.

X. Bericht über die Landesausstellung in Genf. Da der Berichterstatter, Herr Bernoud, Präsident des Ausstellungskomitees pro Gruppe 43 ( S.A.C. ), wegen Krankheit abwesend ist, so beantragt Herr Dr. Scherrer ( St. Gallen ), die Verlesung des Ausstellungsberichtes für die morgen stattfindende Specialversammlung in Sachen Ausstellung zu verschieben. Wer sich dafür interessiert, ist eingeladen, den Bericht anzuhören. Der Antrag Scherrer wird angenommen.

Herr Pfr. Delétraz, Sekretär des Ausstellungskomitees in Genf, teilt mit, daß die Sektion Genf des S.A.C. eine Subvention von Fr. 300 bewilligt habe auszurichten an eine Sektion des S.A.C., welche geneigt wäre, eine Clubhütte zu bauen und dieselbe auf 1. April 1896 dem Ausstellungskomitee in Genf als Ausstellungsobjekt zur Verfügung zu stellen, bevor sie an ihren definitiven Bestimmungsort gebracht würde. Die Gruppe 43 der Ausstellung würde die Transportkosten übernehmen.

Das Präsidium verdankt noch dem Ausstellungskomitee seine bisherige intensive Thätigkeit namens des S.A.C. aufs beste.

XL Vorschläge zu Händen der Generalversammlung.

a. Wahl des Centralpräsidenten für den Rest der gegenwärtigen Amtsperiode.

Herr Hoffmann-Burckhardt ( Basel ) erachtet den Vorschlag der Wahl des bisherigen Vizepräsidenten, Herrn Dr. Michel, als selbstverständlich und beantragt, diesen mit Acclamation zur Wahl vorzuschlagen. Dies-geschieht.

Herr Mettler-Wolff stellt die Motion, daß bei einer Statutenrevision der vorliegende Fall auch in dem Sinne berücksichtigt werden sollte, daß der Vizepräsident ohne weiteres zum Präsidenten vorrücke.

b. Wahl der CentrÖlleitung pro 1896—1899.

Herr Dr. Michel weist an der Hand eines Verzeichnisses der Sektionen, die seit dem Bestehen des S.A.C. die Central-Leitung gehabt^ nach, daß diese nunmehr in die französische Schweiz gehöre. Das Centralkomitee schlägt als nächste leitende Sektion die Sektion Neuchatel vor und als Centralpräsidenten Herrn Ständerat und Staatsrat Monnier.

Die Versammlung erklärt sich mit diesem Vorschlage einverstanden* c. Bestimmung des nächsten Festortes und Wahl des Festpräsidenten.

Herr Dr. Michel teilt mit, daß sich für Übernahme des nächsten Festes keine Sektion definitiv gemeldet habe, nur die Sektion Oberland eventuell, d.h. wenn wirklich keine andere Sektion zur Übernahme bereit sei. Redner bemerkt, daß die Reihe wieder an einer Sektion der französischen Schweiz wäre. Er beantragt darum namens des Centralkomitees, der Generalversammlung Verschiebung der betreffenden Wahl bis zur nächsten Delegiertenversammlung vorzuschlagen.

Mit großer Mehrheit wird dieser Antrag zum Beschluß erhoben.

d. Exkursionsgebiet pro Ì896I97.

Herr Ingenieur Abi, Mitglied des Centralkomitees, zeigt, wie das gegenwärtige Exkursionsgebiet bei weitem noch nicht erschöpft sei. In Anbetracht dieses Umstandes und der bedeutenden finanziellen Opfer, welche die Herstellung der betreffenden Karten erfordert habe, beantragt Referent namens des Centralkomitees, der Generalversammlung Beibehaltung des gegenwärtigen Exkursionsgebietes auf weitere zwei Jahre vorzuschlagen.

Herr Dr. Bubi ( Bern ) unterstützt den Antrag. Derselbe wird nicht bestritten und ist somit angenommen.

e. Ernennung von Ehrenmitgliedern.

Herr G. Schlosser, Mitglied des Centralkomitees, begründet in längerer Darstellung die vom Centralkomitee empfohlenen Vorschläge der Herren Dr. Edm. von Fellenberg in Bern und Vallot, Direktor des Montblanc-Observatoriums, derzeit in Paris. Die Ernennung des letzteren empfehle sich auch dadurch, bemerkt der Referent, daß der S.A.C. schon Männer der deutschen, englischen und italienischen, nicht aber der französischen Nation zu seinen Ehrenmitgliedern zähle.

Herr H. Correvon ( Genf ) spricht ebenfalls zu gunsten des Herrn Vallot.

Eine Diskussion wird nicht gewünscht. Nachdem separate Abstimmung verlangt und mit Mehrheit beschlossen worden, entscheidet die Versammlung für offene Abstimmung. Durch dieselbe werden der Generalversammlung zur Ernennung von Ehrenmitgliedern vorgeschlagen: Herr E. von Fellenberg, einstimmig, und Herr Vallot mit großem Mehr, XII. Mit Rücksicht auf die vorgerückte Zeit wird die Genehmigung des Protokolles dem Centralkomitee übertragen.

Schluß der Versammlung 6V2 Uhr.

Vorstehendes Protokoll wurde dem Centralkomitee in seiner heutigen Sitzung vorgelesen und von ihm genehmigt.

InterlaJcen, den 18. Oktober 1895.

Namens des Centralkomitees, Der Präsident:Der Sekretär:

Dr. Michel. R. Studer, Pfr.

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