Salbitschijen-Südgrat

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Von Emmy Odermatt

Mit 2 Bildern ( 138/139Stans ) Salbitschijen! Ein toller Vorschlag, den uns Kamerad Escher zum Aperitif macht. Unser Führer Imseng ist sofort einverstanden. Wir haben einige schöne Touren hinter uns: Arête de Bertol, Aiguille de la Tsa und Aiguilles Rouges d' Arolla. So glaube ich, dass ich mich auch noch auf dieses Abenteuer einlassen darf. Also rasch das Köfferchen, worin Schuhe und Kletterhosen ruhen, wieder ausgepackt, umgezogen, und schon rollt das Auto Eschers durch das herbstliche Goms, der Furka entgegen.

Kurz nach Göschenen, Richtung Gesehener Alp, verlassen wir das Auto und besteigen eine etwas luftigere Kabine, die Benne der ( für den Personentransport verbotenen !) Seilbahn zum Regliberg.

Nach dreiviertelstündigem Marsch erreichen wir bei einbrechender Dunkelheit die heimelige Salbitenhütte. Wir sind die einzigen Touristen und schwelgen so beim Schlafen in den warmen Decken, die wir alle für uns beanspruchen dürfen.

Am Morgen hat der Föhn allen Nebel fortgeschafft. Die Salbitentürme erstrahlen im rötlichen Sonnenlicht. Um halb 6 Uhr starten wir, zuerst über Gras und Geröll und dann durch einen taunassen, schlüpferigen Kamin zum Einstieg. Kamerad Escher hat ein gutes Tempo, so dass wir in zwei Stunden am Fusse des Müllerturmes stehen.

Ein zirka 15 Meter hoher Kamin, zwischen glatten Granitplatten, ist das erste Hindernis. Escher schafft sich darin empor und sichert uns mit einem Haken. Führer Imseng, der mit seinen 62 Jahren immer noch leidenschaftlich an seinem Métier hängt und die längsten und schwersten Touren noch spielend überwindet, folgt rasch nach. Für mich dauert die Sache etwas länger; sie ist ermüdend und nicht so leicht, wie sie sich ansieht.

Weitere Platten und Risse sind zu überwinden, ehe der erste Turm erreicht ist. Schnaufend und pustend komme ich hinauf. Die Abseilerei in die Scharte ist auch nicht ganz nach meinem Geschmack und vermag mich nicht recht zu begeistern. Dann aber geht es erst richtig los! Eine lange Kante, die fast keinen Halt bietet, macht mir allerhand zu schaffen. Ich hatte meine Fähigkeiten doch etwas überschätzt! Es folgt der « Elefantenbauch ». Feine, vertikal laufende Risse bieten nur für die Hände Halt. Also fest anpacken und die Füsse anstemmen. Ein Stück weit geht das ganz gut. Doch dann verlässt mich die Kraft, und ich lande höchst unsportlich auf den Knien. « Hopp, hopp! », ermuntert mich Escher. Da es aber nicht gehen will, zieht er am Seil und hisst mich wie einen Mehlsack auf, bis ich, ich weiss nicht wie, irgendwo wieder Halt finde.

Weiter geht es zur Schlüsselstelle. Imseng und Escher ermuntern mich, besser zu schauen, wie sie es machen. Das sieht wohl einfach aus, aber wenn ich es ihnen nachtun will, gelingt es einfach nicht. Ich bewundere die Geduld der beiden. Wie eine Katze klettert Escher zur Schlüsselstelle empor. Mehrere Haken sichern das Seil und reduzieren einen eventuellen Sturz auf ein Minimum. Aber es ist schon ratsamer, nicht zu fallen. In einer Standschlinge kann der Fuss ein wenig rasten. Imseng macht mir aus seinem Seil eine weitere Schlinge, und damit komme ich endlich über die schräge Kante hinüber, die mir einfach unüberwindlich schien. Statt zu danken, schimpfe ich drauflos: « Ihr seid ja verrückt, mich hier hinauf zu schleppen! » Köstliches Lachen der beiden ist die Antwort. Der Gipfel scheint nahe, und Escher tröstet mich, das Schwierigste sei überwunden. Ich bin müde und mutlos. Noch weitere Platten, Risse und Kamine, meine Hände sind wund und blutig, meine Arme schmerzen und sind fast kraftlos. Wie froh bin ich, als es endlich so weit ist! Kein bisschen lockt mich die Gipfelnadel, die die zwei Männer mit Hochgenuss erklimmen.

Wir sollten zeitig in Göschenen sein; wir haben nicht lange Zeit zu rasten. Über den Firnschnee kann man ein Stück abrutschen, der Abstieg bietet keine Schwierigkeiten. In der Hütte wird, allem Föhndruck zum Trotz, ein Feuer angefacht, und ein heisser Tee verleiht uns wieder neue Kräfte.

Im Göschenen schlägt die Abschiedsstunde. Meine Walliser Freunde besteigen das Auto. Ich muss allein im Schnellzug Richtung Luzern fahren. Zwar sind meine blutigen Hände für mehrere Tage eine recht schmerzliche Erinnerung, aber im Herzen bin ich doch glücklich über diese schöne Tour.

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