Ueber den Bau von Clubhütten für den S. A. C

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Julius Becker-Becker ( Section Tödi ).

Von Wie dem Militärstaate Festungen und Waffenplätze unbedingt nöthig sind, ebenso nöthig sind für den S.A.C., die Schirmhütten.

Man wird diesem Argumente entgegenhalten, daß vor Erstellung der Clubhütten auch viele bedeutende Hochgebirgsexcursionen mit bestem Erfolge ausgeführt wurden. Aber jene Zeit kannte den S.A.C. in seiner jetzigen Ausdehnung und Wirksamkeit noch nicht und unsere Berge hatten damals einen im Vergleich zu jetzt sehr spärlichen Besuch. Zur Erreichung der Zwecke des S.A.C. sind die Schirmhütten ein absolutes Bedürfniß. Vom Jahr 1863 bis 1881 ist die Zahl der Schirmhütten auf 30 gestiegen. Eine wahrhaft schöne Leistung! Doch noch fehlt eine große Zahl, und was noch fataler ist, bei vielen der vorhandenen fehlt es an der richtigen Bauart und Anlage, Bei aller Hochachtung für die Pionnière des S.A.C. muß es gesagt werden, daß die ersten Schirmhütten nach heutigen Begriffen unzweckmäßig gebaut worden sind. Der Zweck der Schirmhütten ist die Ermöglichung, am ersten Tage einer Hochgebirgstour dem zu besteigenden Gipfel möglichst nahe zu kommen, um auf diese Weise 1 ) die Strapazen auf zwei Tage zu vertheilen und 2 ) Besteigung hoher oder weit entlegener Punkte auch weniger kräftigen Montanisten möglich zu machen. Zur Reduction der Strapazen gehört nun ein trockenes, nach Maßgabe der Lage der Hütte und der disponibeln Mittel möglichst bequemes, wirkliche Ruhe gewährendes Asyl. Nun waren aber die ersten Hütten des S.A.C. so primitiver Art, daß bei schlechtem Wetter von Trockenheit, Wärme und Ruhe keine Rede war und anstatt Erholung nach den Strapazen des ersten Tages in Wahrheit eine Vermehrung der letztem eintrat.

Auch für die Beständigkeit der Hütten war durch diese Bauten schlecht gesorgt, indem jeden Winter die Hütten sich vollständig mit Schnee füllten und das Holzwerk und das Lagermaterial vollständig durchnäßten, die Hohlräume der Trockenmauern sich mit Schnee und Eis füllten und so allmälig den an sich -selbst schlechten Verband der Trockenmauern durch Zerschieben lösten. Deshalb erforderten auch diese ersten Hütten, namentlich die Grünhornhütte am Tödi, rasch sich wiederholende, kostspielige Reparaturen.

Es war also in doppelter Beziehung irrig, die Schirmhütten im Hochgebirge in so geringer Bau-qualität herzustellen. Damit soll nicht gesagt sein, daß der S.A.C. in das Fahrwasser gewisser anderer Alpenvereine einlenken soll, wo für kleine Höhen wahre Hotels mit Betten und Damencabineten etc. erstellt wurden.

Nachdem ich mit diesen Zeilen gesagt, welche Mängel vielen der bestehenden Schirmhütten anhaften, übernehme ich damit auch die Pflicht des Versuches, zu zeigen, wie denselben abgeholfen werden kann.

Wenn die Frage des Baues einer Schirmhütte vor liegt, sind folgende Punkte in 's Auge zu fassen:

1 ) Lage der Schirmhütte.

2 ) Bauart.

3 ) Baumaterial.

4 ) Größe.

5 ) Ausstattung.

Es könnten als sechster und wichtiger Punkt noch die disponibeln Geldmittel angeführt werden. Ich unterlasse dies, weil nach meiner bestimmten Ansicht der Bau einer Schirmhütte niemals nur von den momentan disponibeln Mitteln bestimmt werden sollte. Eine Schirmhütte, nach dem unter Umständen im Momente höchst unzureichenden Capital ausgeführt, würde in Beziehung auf Qualität und Solidität, wie so viele der bereits erstellten, eine gefährliche Halbheit, und als vermeintlich etwas Besseres, denn gar keine Hütte, der schlimmste Feind des Guten sein. Wenn unten im Thale im Gebiete des Bauwesens die Halbheiten die theuersten Häuser sind, so ist im Hochgebirge dies in doppeltem Maße der Fall.

Diese Punkte werden wiederum einzeln durch Bedingungen fixirt.

1 ) Lage der Hütte. Diese bestimmt sich:

a. durch den zweckmäßigsten Weg vom Thal zum Excursionspunkt; h. durch die Nähe von Trinkwasser; c. durch die Sicherheit des Bauplatzes vor Lawinen, Steinschlag, und d. durch die Fernhaltung von Wildheuern, Jägern und Strahlern etc.

2Die Bauart bestimmt sich durch die wahrscheinliche mittlere Frequenz; zufällige außerordentliche Ansprüche kommen hiebei nicht in Betracht.

Die Hütte muß für die anzunehmende Anzahl Personen, welche sie im Maximum aufzunehmen im Stande sein soll, genügende Lagerstätte, und für einen Tisch, eine Bank und einen Ofen resp. Kochherd genügenden Raum bieten. Eigene Damencabinete einzurichten, will mich als in den meisten Fällen höchst unnütz bedünken. Wenn Damen Hochtouren ausführen wollen, so werden sie wohl auch das Schirmhüttenleben sans façon durchmachen können; 3 ) Die Baumaterialien bestimmen sich in erster Linie durch die Anforderungen an die Hütte in sam-tarischer Beziehung und in zweiter Linie durch die Kosten, welche aus deren Beschaffung erwachsen.

Trockenheit und genügende Wärme verlangen einen Holzbau; Feuersicherheit und Fernhaltung von Ungeziefer machen einen Steinbau wünschbar; niemals aber ist ein Bau aus Trockenmauern gut zu heißen.

Es kann zwar auch bei einem Holzbau durch einen mehrmaligen Anstrich mit verdünntem Zinkchlorid das Ungeziefer ziemlich fern gehalten werden. Auch lehrt uns die Erfahrung, daß trotz der großen offenen Herdfeuer sehr wenige hölzerne Alphütten verbrennen. Mithin ist bei einiger Vorsicht mit einem Feuer in einem geschlossenen Ofen auch in einem Holzbau keine große Gefahr. Wenn ein Holzbau irgendwie möglich ist, hat er den unbedingten Vorrang vor andern Systemen.

Hinsichtlich der Bedachung kann ich mich mit Herrn Ingenieur v. Salis ( Jahrbuch XIH, pag. 582 ) nicht einverstanden erklären. Die Holzcämentdächer haben sich zwar in Bünden in sehr vielen Fällen gut bewährt, verlangen aber wegen ihres Mangels an Elasticität in kalter Witterung eine sehr starke Dachbalkenlage, andernfalls reißt der Holzcäment und der ganze Belag muß erneuert werden, währenddem ein Dach aus kleinen Schindeln vermöge seiner starken Gliederung bei allfälligen Einsenkungen durch starke Schneelast sich wieder hebt, ohne seine Dichtigkeit irgendwie eingebüßt zu haben. Auch sind die Schindeldächer, wenn von kleineren Steinen getroffen, sehr leicht zu repariren, währenddem solche Keparaturen an Holzcämentdächeni zeitraubend und kostspielig sind.

Der Steinbau hat beim Entwerfen eines Projectes für eine Schirmhütte in Bezug auf Sicherheit, Solidität und Billigkeit viel für sich. Aber derjenige Clubist, welcher bei seinem Berufsleben viel mit dem edlen Bauhandwerk zu thun hat und alsdann einmal das Glück genoß, sich in Clubhütten zu versuchen, wird mit Schrecken daran denken, welche anfangs ungeahnten Schwierigkeiten ihm der Transport von Kalk und Cäment, die Beschaffung eines genügend reinen Sandes, die Beschaffung des Wassers und das langsame Ziehen des Kalkes und des Cämentes wegen Schnee und Kälte darboten. Zudem lassen sich die Kosten zur Ueberwindung dieser Schwierigkeiten nicht so leicht ermessen und können in Folge dessen schreckenerregende Dirnen- sionen annehmen. Der arme Mann, welcher die Bauleitung einer Schirmhütte im besten Eifer für die Sache übernahm, ist weit von Hause, hoch über der letzt bewohnten Stätte allein mit seinen Maurern und Trägern. Hat er einmal angefangen, so gibt es für ihn Niemanden, mit dem er seine täglich wachsende Verantwortlichkeit theilen könnte. Schlechtes Wetter, renitente, frierende und hungernde Maurer, nicht erscheinende Kalkträger, verschwindende Wasserträger werfen ihm das Bauprogramm und den Kostenvoranschlag, welchen er zu Hause beim warmen Ofen so sauber und nett zu Papier brachte, den Herren des Sectionsvorstandes vorlegte und genehmigen ließ, erbarmungslos über den Haufen.

Die Maurer führen Erdbewegung, Sprengarbeit und Maurerarbeit im Accord aus. Die Kalkträger bleiben wegen entschieden schlechten Wetters aus, weil unter solchen Umständen während des Transportes Kalk und Cäment durch den eindringenden Regen in den Transportsäcken ablöschen und die Säcke verbrennen. Zu früh konnte man den Cäment und Kalk wegen allfälligem Ernässen nicht auf den Bauplatz schaffen. In dem Accord mit den Trägern sind richtig die nöthigen Strafbestimmungen, daß bei nicht richtigem Transport derselbe auf Kosten der Fehlbaren ausgeführt würde, aber woher soll man in diesem kritischen Moment diese Ersatzmannschaft hernehmen?

Die Maurer, für diese Arbeit in dieser Höhe schlecht mit Kleidern versehen, leiden durch Frost und wunde Hände wegen des ätzenden Kalkes und Cämentes, suchen alle möglichen Vorwände, um des Accordes ledig zu werden, und drohen mit Heimgehen. Nun 23 bleibt — welch ein herrlicher Vorwand für sieder Kalk, der Cäment aus; ihre Vorräthe an Lebensmitteln erlauben keinen längeren Aufenthalt. In der Noth sendet der Bauführer einen Mann in 's Dorf oder auf die nächste Alp, um dort für die Maurer das nöthigste an Lebensmitteln auf seine Verantwortlichkeit zu holen. Aus dem Regenwetter gibt 's Schnee oder Sturm, die armen Italiener leiden in dem ungenügenden Zelt sehr. Selbst hungernd und frierend, bedeutend abgekühlt steht der gehetzte Bauführer vor der Alternative: Entweder den Maurern, vielleicht auch den Trägern eine Zulage zu versprechen, oder die ganze Gesellschaft abziehen und den angefangenen Bau verlassen zu sehen. Aber darf er solch unerhörte Mehrkosten verantworten? Die Interessen der Section und seine Ehre, nicht unverrichteter Sache heimkehren zu wollen, sagen ihm gebieterisch: „ Es muss vorwärts gebaut werden !" Unter Ach und Weh ist der erste Sturm der Unzufriedenen vorbei und mit Geldopfern der Friede erkauft. Wohl dem geplagten Manne, wenn das Wetter sich bessert; weh ihm, wenn 's, schlimmer wird! Eine zweite Contribution wird auferlegt und muß, „ wollen oder nicht wollen ", bezahlt werden.

Endlich, mit unsäglichen Schwierigkeiten, ist der Bau fertig; der Bauführer kehrt mit seiner Mannschaft in 's Thal zurück. Wie ganz anders hatte er sich die Heimkehr vorgestellt! Als triumphirender Mann wollte er mit seiner Schaar heimkehren und Lob und Ehre dafür ernten, daß er sich diesen Strapazen für den S.A.C. unterworfen habe. Und jetzt?

Er zieht in 's Dorf ein; schon bei den nächsten Häusern beschnüffelt ihn ein Philister Wie kann man auf eine solche unverantwortliche Weise die Bauleute in dieser Wildniß zurückbehalten? Jetzt stecken einige Weiber die Köpfe zu den Fenstern heraus: „ Aber wie die aussehenwie Wilde, Räuber! Kein ganzer Fetzen, kein trockener Faden ist mehr an ihnen. Und wie schmutzig !" Leider nur zu wahr: denn mit der Toilette war es da oben mißlich bestellt!

Die Mannschaft wird vor der Hand abgedankt. Die Bauleitung kriecht müde und mißmuthig nach Hause, um sich gründlich zu reinigen, wieder einmal ordentlich zu essen und alsdann gut und lang zu schlafen. Aber es kommt anders!

Der Mann tritt in 's Wohnzimmer ein. Die Frau entsetzt sich ob dem unbekannten Wilden, die Kinder schreien. Natürlich schnelles Erkennen, aber zugleich auch Jammer und Klage über die arg mitgenommenen Kleider, das verwilderte Aussehen! Und hat endlich de£ Unglückliche sich mit vieler Mühe und Seife nothwendig wieder zum civilisirten Menschen umgewandelt, das erste ordentliche Abendbrod seit langen Tagen genossen und freut sich, nach mancher schlechten Nacht, die er mehr frierend als schlafend im schmutzigen Zelte häringartig eingepöckelt verbracht, endlich wieder seines Bettes, so lassen ihn böse Geister nicht einschlafen. Können die Mauern mit diesen nassen Steinen halten? War der Sand nicht gar zu schlecht? Wird kein großer Schneefall eintreten, bevor der Mörtel genügend erhärtet ist? Wird nicht eine starke Kälte die Mauern vor der Erhärtung durchfrieren machen u. s. w.? Endlich ist der Schlaf doch gekommen, aber plötzlich wecken kräftige Nervenzuckungen den Müden. Es sind die Apostel der Rheumatismen. Nachdem auch diesen schlimmen Erscheinungen durch eine Stunde Schlaflosigkeit das nöthige Opfer gebracht, kommt die süße Ruhe für den Vielgeprüften. In unruhigem Traume muß er vor der Section die enorme Kostenüberschreitung verantworten. Die Anklagen fallen hageldicht, der Unselige schwitzt im Schlaf den hellen Angstschweiß. Er will sich verantworten und findet die Stimme nicht. Er kann der Anklage nicht entfliehen; erbarmungslos wälzen sich Verläumdung und Schadenfreude auf der geänstigten Seele. Das ist der Triumph, welcher für ihn aus der Bauleitung einer Schirmhütte erwächst!

Leib und Seele ruhen schlecht in solcher Nacht und sind am Morgen milder und geplagter, als am Abend; schlaff und mißmuthig treten sie, freilich etwas späte, den Tagesdienst wieder an, um mit den Maurern abzurechnen. Alles Geschriebene ist durch mündliche Concessionen alterirt, die Fordernden sind die Mehrheit, er ist die Minderheit, unparteiische Zeugen gibt es keine.

Die Bauleitung wendet sich in der höchsten Noth an das Comité, um demselben alles Leid zu klagen — damit natürlich auch die Schuld zu beichten. Die Gesichter der Vorstände verlängern sich zwar; doch allmälig weicht der harte Sinn und mildes Erbarmen zieht in die Gemüther der Gestrengen. Die Maurer werden vorgeladen, der Streit mit ihnen nach langem Hin und Her geschlichtet und damit der Bauführer seiner Angst und Noth los.

Das ist das Facit seines erwarteten Sieges! Der verehrte Clubist wird sich sagen, daß diese Skizze der Noth eines Bauführers stark chargirt sei. Dem ist jedoch nicht so. Ich habe diese Leiden beim Umbau der Hütte am Grünhorn alle reichlich kosten müssen, und bei dem Umbau des Daches der nämlichen Hütte im Herbst 1873 in meinem Leben, das des Rauhen wahrlich Vieles bot, die schlimmsten Strapazen bestanden.

Seit mehreren Tagen von der dichtesten nassen Bise eingehüllt, waren wir durch Unwetter und Sturm am Arbeiten verhindert, unsere Kleider durchnäßt, unsere Nahrungsmittel sehr zusammengeschmolzen, der Holzvorrath ziemlich aufgezehrt. Wir krochen eines Abends mit den Eistrotteln an den Hosen in 's nasse Heu und in das feuchte Lager. Ich beauftragte einen Leidensgefährten, nach dem Barometer zu sehen. „ Es steht schlecht, der Barometer steht auf — Verfertigt ", war die Antwort. Mein Mißmuth ließ mich diesen Rapport anfangs nicht verstehen. Doch nach kurzer Zeit war mir die Sache klar. Das schlechte Wetter, natürlicher Weise noch mehr die Höhe von 2450 m, ließen das Quecksilber nur auf diejenige Höhe steigen, wo der edle Barometermacher seinen Namen verewigt hatte.

Nach dieser langen Abschweifung, welche mir der geehrte Leser gnädig verzeihen möge, zur Sache zurückkehrend, bemerke ich noch, daß der .Bau in Cäment und Kalk nicht total auszuschließen ist, jedoch nur seine Berechtigung hat, wo die Beschaffung des Holzes mit unverhältnißmäßigen Schwierigkeiten und Kosten verbunden ist und eine Verankerung mit dem Boden unmöglich ist. Man wird mir entgegnen, daß viele, vielleicht die Mehrzahl der Clubhütten zum Schutz gegen Lawinen und Runsen an und unter Felsen gebaut seien. Diese vermeintliche Vorsicht ist in vielen Fällen die Ursache der bedenklichsten Unwohnlichkeit und Unsolidität. der betreffenden Bauten ( vide Glärnischhütte ). Die Vortheile der Deckung der Hütten durch Felsen lassen sich ziemlich gut, allerdings nicht ohne Kosten, durch künstliche Wälle ersetzen, indem man in der Richtung der Lawinen ob den Hütten sogenannte Sporren, wie man sie oft hinter Alphütten sieht, erstellt. Auf diese Weise kann der Bau ganz in Holz erstellt und das höchst mißliche Anhängen an den Felsen, mit all den bekannten Unzulänglichkeiten, vermieden werden.

Es kann nicht geläugnet werden, daß die an die Sporren angebauten Holzwände, wenn solche nicht aus wetterbeständigem Holze erstellt sind, der Fäulniß stets unterworfen sind. Es werden jedoch in den meisten Fällen keine unverhältnißmäßigen Mehrkosten verursacht, wenn von Natur aus wetterbeständiges Holz oder imprägnirte Hölzer verwendet werden.

Sollten die Kosten in einzelnen Fällen wirklich unverhältnißmäßig ansteigen und deswegen nur Holz aus den nächst gelegenen Waldungen benutzt werden, so kann die Wand gegen den Sporren in Mauerwerk, aber nur in solidem Mauerwerk in magerem Kalk ausgeführt werden, wobei der Verband' zwischen Mauerwerk und Holzwänden in den Ecken vermittelst Schlaudern sorgfältig durchzuführen ist.

Fig. 1 ( Taf. I ) zeigt die Disposition einer Schirmhütte auf einer Berghalde von 50 °/o Gefäll. Es ist für diesen Fall angenommen, daß sehr unwahrscheinlich und im schlimmsten Falle nur kleine Lawinen die Hütte treffen können. Dieser Voraussicht zufolge ist die Längsrichtung der Hütte parallel mit dem Gefäll der Halde angenommen; das Terrain, wenn solches nicht gesunder Fels ist, wird durch Abstufung für die Aufnahme des Sporns und der Auffüllung versichert. Unter der Auffüllung liegen möglichst starke Ankerschwellen, welche mit der Hütte durch schmiedeiserne Bänder verbunden sind, um das Abstoßen der Hütte durch Schneelast oder Sturm zu verhüten. Der Eingang ist auf der Giebelseite, die zwei kleinen Fenster auf den beiden Längsseiten.

Fig. 2 ( Taf. I ) zeigt eine Schirmhütte, welche stärkerem Lawinenstoß unterworfen sein soll, und deshalb mit ihrer Längsseite im rechten Winkel zum Gefälle liegt. Die hinter, der Hütte befindliche Auffüllung liegt in gleicher Linie mit dem Dach, so daß das letztere vom Schnee nur überfahren, nicht aber gestoßen wird.

Die beigelegte Zinkographie zeigt dem verehrten Clubgenossen eine Skizze der Schirmhütte am Grünhorn, welche, von mir in zwei Malen, 1870 und 1873, umgebaut, nun in diesem Zustande besteht. Der erste Gedanke einer Clubhütte am Grünhorn ist das Verdienst unseres verehrten Mitgliedes, Herrn Rathsherr C. Hauser. Den Plan entwarf der verstorbene Herr Dr. Simmler. Er begnügte sich mit einem Viereck von Trockenmauern und einer Blache von Wachstuch ( Eisenbahnwagen-bedeckung ) und überließ es wohlgemut! » den jeweiligen Bewohnern, dieses primitivste aller Dächer bei einem Besuche über die vier Mauern zu ziehen und so Schutz vor Nässe zu finden: eine Einrichtung, die bei aller Achtung vor dem verstorbenen Gelehrten doch eine höchst unpraktische genannt werden muß.

War auch die Blache mit Steinen beschwert, um deren Davonfliegen zu verhindern, so kümmerten sich Sturm und Wind nicht viel um diese Hindernisse, rissen die Blache weg und warfen die Steine dem Gaste, wie weiland der Bär dem St. Gallus, auf den Schädel. Kamen Schnee und Regen, so hielt die Blache genau so lange, als das Gewicht des angesammelten Wassers demjenigen der Steine entsprach; ein kleiner Ueberschuß und — Blache, Wasser und Schnee lagen auf dem armen Gebirgswanderer. Man sah, daß es so nicht gut war, und ließ durch ein Mitglied der Section Tödi die Mauern ausbessern, erhöhen und ein eisernes Dach darauf setzen.

Trotz der bereits verwendeten vielen Mühe und des vielen Geldes entsprach die Hütte keineswegs bescheidenen Ansprüchen. Schnee, Regen und Sturm drangen durch die Mauern und durchnäßten in* kürzester Zeit den kleinen Bau. Das eiserne Dach als guter Wärmeleiter verursachte bei gutem Wetter in der Hütte eine drückende Hitze und bei schlechtem Wetter ein constantes Schwitzen. Die tieferen Stellen des Daches gaben mit ziemlicher Regelmäßigkeit große Tropfen ab.

Diese Unzulänglichkeiten veranlaßten die Section Tödi, sich Bericht und Antrag über einen dritten Umbau der Hütte einreichen zu lassen. Ich hatte die Ehre, zum ersten Mal in Clubhüttenbau zu arbeiten.

Ich legte ein Bauprogramm und einen Kostendevis vor und erhielt den Auftrag, nach denselben die Trockenmauern durch solche in Wetterkalk und Cämentbestich zu ersetzen, das eiserne Dach aber trotz meines dringenden Hinweises auf dessen üble Eigenschaften zu belassen. Zu Folge der denkbar mißlichsten Witterung wurden die Mauern mit etwelchem Ueberschreiten des Kostenvoranschlages ausgeführt. Meine Befürchtungen, daß das eiserne Dach den Trockenmauern bald werde folgen müssen, erwahrten sich, und bereits nach drei Jahren ersetzte ich im Auftrage der Section das eiserne Dach durch ein Schindeldach mit 75 mm Sprengung und 500 mm langen Schindeln. Mit Ausnahme einer kleinen Beschädigung des Daches durch einen auf dasselbe gefallenen Stein und der daraus entsprungenen Kosten von Fr. 3. 95 hat der Bau bis dato zu keinem Rappen Reparaturkosten Anlaß gegeben. Währenddem früher das Lagerheu wegen des eisernen Daches jeden Sommer mit bedeutenden Ausgaben vollständig durch frisches, trockenes ersetzt werden mußte, kann nun das Stroh in der Hütte während dreier Sommer belassen werden. Dabei ist zu bemerken, daß sich Stroh bedeutend besser bewährt, als Heu, und trotz seiner anfänglich größeren Beschaffungs- und Transportkosten sich billiger stellt, als Wildheu.

Ich lasse nun hier zwei Entwürfe von Clubhütten mit den bezüglichen summarischen Kostenvoranschlägen fertigen.

Fig. 3, 4, 5, 6 und 7 ( Taf. I ) zeigen im Maßstab 1:100 Grundriß, Längs- und Querschnitt, Front- und Seitenansicht einer kleinen Schirmhütte für 6-8 Mann, die in der Nähe des Muttensees auf dem sog. Hühner-bühl ( 2546 m ) zu erstellen wäre, um die Ersteigung des Bifertenstockes, Selbsanftes, des kleinen und großen Rüchi, des Hausstockes, Nüschen- und Scheidstockes und der Muttenberge zu erleichtern und die Bereisung des wunderschönen Kistenpasses angenehmer zu machen. Die Gegend des Muttensees ist unbedingt das Großartigste, was speciell die glarnerische Gebirgswelt bietet, somit nach dem Gesagten eine kleine Schirmhütte an geeignetem Ort gewiß genügend motivirt. Dâ nun aber alle diese genannten Höhen nicht der Tummelplatz von größeren Karawanen, sondern nur das erkorene Ziel kleinerer Gesellschaften sind, ist ein Bedürfniß für ein Asyl für mehr als 6-8 Mann nicht vorhanden. Der Ort selbst ist vor Lawinen sicher und es ist daher nur mit dem Sturme zu rechnen. Bei einem Maximal-Winddruck von 180 Kilo per Quadratmeter bietet die Construction mit der vorgesehenen Verankerung noch vollkommen genügende Sicherheit. Die Dimensionen sind des Winddruckes, der Schneelast und der Kosten wegen auf das Nothwendigste beschränkt.

Aeußere Länge4,00 m Aeußere Breite3,00 m Innere Höhe2,00 m Für den Fall, daß sich nicht an genügend gesunden Felsen eine Verankerung durch schmiedeiserne Bänder erstellen lassen sollte, ruht die Hütte auf einer Auffüllung, in welcher die zwei Ankerschwellen liegen, um die leichte Hütte vor dem Umwerfen durch Sturm zu bewahren.

Mit Ausnahme der Schindeln ist alles Holz als imprägnirtes und im Thale abgebundenes Tannenholz angenommen. Wenn auch die Transportspesen wesentlich erhöht werden, so ergibt sich dafür eine wenigstens vierfache Dauerhaftigkeit und die Möglichkeit des sehr raschen Aufrichtens. Die Umfassungswände sind mit einer äußeren Verkleidung von vertikalen Brettern mit Leisten und mit einer innern Verkleidung von horizontalen genutheteten Brettern, mit eisernen Federn versehen. Der Zwischenraum wird mit imprägnirtem Sägemehl möglichst dicht ausgeflillt.

Diese Bestimmung hat den Zweck, dem kleinen Bau 1 ) durch die doppelte Verschalung möglichst große Versteifung, 2 ) durch die Auffüllung mit Sägemehl möglichst viel Wärme und Schutz gegen das Eindringen von Ungeziefer zu geben.

Erfahrungsgemäß meidet das letztere alle anti-septisch behandelten Hölzer.

Das Dach besteht aus hohen dünnen Rafen, welche auf fünf Pfählen aufliegen, aus einer Verschalung von genutheten, mit eisernen Federn versehenen Brettern und aus einem Schindelbelag von 500 mm Schindellänge und 80 mm Sprengung, so daß die Schindeln fünf Mal über einander greifen. Das Vordach ist, um dem Sturm möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, sehr klein angenommen, vermehrt dadurch freilich das Ansehen des Häuschens nicht.

Die Pritsche ist so weit vom Boden, daß deren tiefste Stelle als Bank dienen kann. Der Fußboden " ist außerhalb der Pritsche aus einer ganz dünnen -364J. Becker-Seeker.

Schicht Cämentguß erstellt, um die nöthige Reinlichkeit zu erreichen. Die dadurch vermehrten Mehrkosten betragen Fr. 28. 80. Die zwei kleinen Fenster, die Fensterladen und die Thüre sind von außen und innen verschließbar. Die Fensterscheiben sind alle gleich groß und es ist dafür gesorgt, daß der das Schirmhtttten-wesen besorgende Sectionsvorstand diese Maße kennt.

Ausrüstung der Hütte.

a. Ein Ofen, ein Tisch, eine Bank, ein Tabouret.

b. Ein kleiner, an den Enden eisenbeschlagener Scheitklotz, ein Beil, eine Sage, eine Schaufel, ein Pickel, ein Besen, ein Lichtstock, eine Laterne.

c. Zwei Pfannen, ein Wasserkessel, acht emaillirte Gamellen, acht emaillirte Teller, zehn Gabeln, zehn Löffel, eine Anrichtkelle, zehn Gläser, ein harthöl-zernes kleines Anrichtbrett, sechs Aufwaschlumpen.

d. Zehn kleine Decken, zwei große Decken, acht Paar Endenschuhe.

e. Ein Beobachtungsbuch, ein Visitenbuch, eine Bücherbüchse von Blech.

Nach genauem Voranschlag würden sich die Kosten einer solchen Hütte auf Fr. 2000 belaufen, eine Summe, die sich folgendermaßen repartirt:

a. Kosten der Hütte fertig aufgerichtet Fr. 556. 45 b. Kosten des Transportes.... „ 657. 05 c. Kosten des Mobiliars, Ofens etc.. „ 392. 80 d. Bauleitung„ 100. e. Taglöhne„ 50. f. Unvorhergesehenes„ 243. 70 Total Fr. 2000. Hinsichtlich des Ofens ist nach zu bemerken, daß für denselben die gleiche Construction vorgesehen, wie sie für die Clubhütten am Spannort und Grünhorn in Anwendung gekommen und sich an beiden Orten trefflich bewährt hat.

Die Fig. 8, 9,10 und 11 ( Taf. II ) zeigen den Ofen für Grünhorn in Vao natürlicher Größe. Derselbe hat zwei Feuerthüren, zwei Feuerplatten und zwei Klappen.

Fig. 9 zeigt die Anwendung des Ofens, wenn rasch gekocht werden soll; hier liegt das Feuer auf der oberen Feuerplatte und geht durch die obere offene Klappe in 's Kamin, währenddem die untere Feuerthüre und die untere Klappe geschlossen sind.

Fig. 10 zeigt die Anwendung des Ofens, wenn nebst dem Kochen zugleich geheizt werden soll. Hier zieht das Feuer von der oberen Feuerplatte nach unten und durch die untere Klappe in 's Kamin; dabei sind die untere Feuerthüre und die obere Klappe geschlossen.

Fig. 11 zeigt den Gebrauch des Ofens, wenn während einer kalten Nacht zum Warmhalten der Hütte geheizt werden und eine möglichst gute Ausnutzung des Feuers stattfinden soll. Hier liegt das Feuer auf dem Boden des Ofens, die Feuerplatten sind um 180° gedreht, das Feuer zieht nach oben, durch die obere offene Klappe in 's Kamin, währenddem die obere Feuerthüre und die untere Klappe geschlossen sind. Bei dieser Anwendung kann, wenn auch langsam, ebenfalls gekocht, Wasser zum Sieden gebracht oder Speise warm erhalten werden.

Fig. 12 und 13 zeigen in V20 den Ofen der Hütte am Spannort, welcher im Auftrage der Section Uto nach meinen Vorschriften von Herrn Schlossermeister Milt in Glarus ausgeführt, bedeutend größer und für eine Pfanne und zwei kleinere Kochgeschirre zugleich zu heizen eingerichtet, sonst nach dem gleichen Prinzip gebaut ist. Diese Oefen bieten den Vortheil bedeutender Holzerspamiß und der Möglichkeit, mit einem mäßigen Quantum Holz bei rauher Witterung die Hütte ordentlich warm zu halten. Im Verzeichniß des Mobiliars sind ein Scheitklotz und zehn Paar Endeschuhe verzeichnet. Ersterer, an den Enden mit Eisen beschlagen, damit er nicht zu Brennholz verwendet werden kann, ist nöthig, um den Gebrauch von Thürschwelle und Pritsche als Scheitklotz zu vermeiden. Die Schuhe von Tuchenden sind für die Nacht ein gar nicht hoch genug.zu schätzender Artikel, weil sie die Fuße warm und somit den Körper gesund erhalten, ohne wesentliche Kosten zu verursachen. Emaillirtes Geschirr hat sich bis dato in den beiden Hütten am Tödi und Glärnisch sehr gut bewährt.

Banprogrumm für diese Clubhütte.

Die Hütte sammt ihrem Mobiliar wird gegen Feuerschaden versichert. Mitte August werden die Bestandtheile der Hütte und das nöthigste Mobiliar vom Thierfehd ( Linththal ) nach Alp Baumgarten Oberstafel gebracht ( 1726 m ). Zu gleicher Zeit wird an genau bezeichneter Stelle von einer Partie Accordarbeiter die Auffüllung unter die zu erstellende Hütte und die Placirung der Ankerschwellen nebst ihren Zustangen so weit ausgeführt, daß mit dem Aufrichten der Hütte begonnen werden kann. Hierauf folgt der Transport der Hüttenbestandtheile und des nöthigsten Mobiliars von Oberstafel Baumgarten bis zur Baustelle ( von Punkt 1726 bis 2546 ). Das Gewicht von Cäment, Brennholz, Lagerstroh, Sägemehl wird dort vermittelst einer Federwage controlirt. Um den Transport und den Gebrauch eines Zeltes als vorläufige Unterkunft für die Bauleute zu ersparen, wird. nun mit Zuhülfenahme möglichst zahlreicher Mannschaft Morgens thunlichst früh mit dem Aufrichten der Hütte begonnen, so daß das Riegelwerk, die Dachverschalung und die äußere Verschalung bis Abends aufgestellt und die Hütte vorläufig für die Bauleute bewohnbar ist. Der Schindelbeschlag, die innere Verschalung, die Ausfüllung mit Sägemehl,. die Aufstellung der Pritsche, des Ofens und zuletzt die Legung des Cämentbodens folgen nach, so daß, ordentliches Wetter vorgesehen, die Hütte innert vier Tagen vollständig erstellt sein kann. Auf diese Weise ist der Baumannschaft die Strapaze erspart, wegen des Hüttenbaues einige Nächte in einem schlecht schützenden Zelt zuzubringen, welches, zudem, besonders in steinigem Grund, sehr schlecht zu befestigen und dem Davonfliegen ausgesetzt ist; daß der kleine Bau zu diesem Zwecke beim Abbinden genau gezeichnet werden muß, ist selbstverständlich. Die Vortheile der kurzen Bauzeit treten beim Holzbau gegenüber dem Mauerbau natürlich in ganz hohem Maße zu Tage. Schließlich folgt der Transport des Restes des Mobiliars und die Collaudation.

Die Imprägniranstalt der HH. Gebrüder Schießer in Linththal übernimmt, mit Ausnahme der Transportkosten, die Lieferung solcher Clubhütten zu billigen Preisen.

Fig. 14, 15, 16 und 17 ( Taf. II ) zeigen den Entwurf ( Grundriß, Längsschnitt, Längen- und Giebel- ansicht ) einer neuen Clubhütte am Glärnisch. Die für diesen Entwurf vorgesehene Baustelle ist eine Stunde höher als die jetzige Clubhütte, auf dem Plateau, bevor man das sog. Firnband ( letzte Wasserstelle ) betritt ( 2300 m ). Es ist dies eine freie, aussichtsreiche, vor Lawinen sichere Fläche mit felsigem Grund, für die Erstellung einer Schirmhütte wie geschaffen. Die Bedingungen für den Bau einer Hütte am. Ruchenglärnisch sind vielfach und schwierig; um den Räubereien und der bübisch rohen Beschädigung der Hütte und ihres Mobiliars durch gewisse Leute los zu werden, ist, auch wenn die Hütte erheblich mehr kosten sollte, eine Baustelle auszuwählen, wo jene Gesellschaft nicht mehr hinkommt. Eine Clubhütte. im Reviere dieser Störefriede ist der Gegenstand unvermeidlicher Unordnung und vielen Verdrusses, welch letzterer sich so weit steigern kann, daß auch der beste Wille für die Erhaltung guter Schirmhütten vollständig erstirbt. Ein noch schwierigeres Capitel als die Platzfrage ist die Logirfähigkeit. Der Ruchenglärnisch mit seiner leichten Zugänglichkeit und seiner wunderherrlichen Aussicht sieht oft Karawanen von fünfzig und mehr Personen auf seinem Gipfel. Nicht für die Bewohner des Kantons Glarus in erster Linie, sondern für die Fremden, die weit her gereisten Clubisten muß Sorge getragen werden, daß sie, wenn auch unter Umständen kein bequemes Nachtlager, doch ein Unterkommen in der Hütte finden, wenn dieselbe bereits stark mit Leuten aus der benachbarten Gegend besetzt ist. Diese Leute zu Gunsten der Fremden aus der Hütte weg-zuweisen, gehört zur Unmöglichkeit; somit muß Sorge getragen werden, daß im schlimmsten Fall, besonders bei schlechtem Wetter, genügendes Obdach vorhanden ist* ). Es ist mir bei früheren Anlässen betreffend diesen Entwurf vorgeworfen worden, Wirthschafts-speculationen zu betreiben. Ich weise diesen Vorwurf entschieden zurück. Meine leitende Idee war und ist: „ an die Stelle des höchst Unzulänglichen nicht wieder eine viel Geld verschlingende Halbheit, sondern etwas den Verhältnissen und Anforderungen Entsprechendes zu setzen. " Aus diesem Grunde mußte eine bedeutend erhöhte Logirfähigkeit angenommen werden.

Da die vermehrte Länge und Höhe der Hütte dem Sturme eine Fläche bieten würde, welche den Bau in Riegel ausschließt, ist hier der reine Blockhüttenbau angewendet. Zudem tritt der für eine allfällig später eintretende Ausführung des Baues angenehme Umstand ein, daß der löbliche Gemeinderath von Glarus derEin zweischneidiges Argument, das eher gegen als für den Neubau der Glärnischhütte durch den S.A.C. spricht. Wenn der Glärnisch sich eines so starken Besuches aus seiner nächsten Umgebung erfreut, daß eine Schirmhütte von ungewöhnlich großen Dimensionen errichtet werden muß, damit neben den Leuten aus der benachbarten Gegend allfällig auch einige Clubisten Unterkunft finden, so ist der Bau einer solchen Hütte jedenfalls in erster Linie die Sache des betreffenden Landestheiles, und erst in zweiter diejenige des S.A.C. Die Kosten der Alvierhütte, bei der die Verhältnisse ähnlich liegen, wurden bis auf Fr. 400, welche von der Centralcasse und den Sectionen Uto und Alvier geleistet wurden, durch freiwillige Beiträge hauptsächlich aus der zunächst interessirten Gegend aufgebracht. Anm. d. Bed.

24 Section Tödi in sehr verdankenswerther Weise gestattet hat, aus dem Hochwalde auf Werbern das für den Bau nöthige Holz zu schlagen. Die Bohlen, bei einer Dicke von 70 mm und circa 200 mm Breite, sind genuthet und mit eisernen Federn versehen. Nur die untersten drei Schichten der Bohlen sind aus imprägnirtem Holze angenommen. Höhere Gewalt vorbehalten, sollte auf diese Weise in Anbetracht der gesteigerten Haltbarkeit des Hochwaldholzes die Hütte 35—40 Jahre erreichen, eine Zeit, welche genügt, um die weiteren Pflichten und Lasten wohlgemuth anderen Generationen zuzumuthen.

Fig. 14 ( taf. II ) zeigt den Grundriß der Hütte. Der Fußboden des Wohnraumes und der Schlafräume B und C besteht aus imprägnirten Brettern von 30 mn> Stärke. In der Mitte ist Koch- und Eßraum ( A ). Links und rechts ist ein Schlafraum, für je sechs Personen ganz bequemes Nachtlager bietend. Anstatt nun den Dachraum direkt über die drei untern Räume A, B und C zu setzen, ist derselbe so weit in Form eines Kniedachstuhles erhöht, daß in demselben bequem à-\-i-\-6-\-i=18 Personen Lagerstätte finden. Freilich ist die Höhe dieses Raumes gegen die Wände hin gering, jedoch zum Schlafen genügend.

Mit diesem Kniedachstuhl kann nun die Logirfähigkeit ga"nz bedeutend gehoben werden, ohne die Kosten verhältnißmäßig zu vergrößern. Die Zunahme der Lagerstätten verhält sich zu den Mehrkosten ungefähr so, daß bei einem nicht benutzbaren Dachraum eine Lagerstätte auf Fr. 250 und bei einem benutzbaren Dachraume eine solche auf Fr. 133 zu stehen kommen wurde. Wegen Mangel an Zeit war es mir nicht möglich, meine Skizzen selbst in 's Reine zu zeichnen, deshalb hat nun die Zeichnung dem Entwürfe den Charakter des Luxuriösen gegeben. Wenn sich nun der verehrte Leser das zu große Vordach, die Fensterverzierungen und das Panner wegdenkt, so entspricht die Zeichnung meinen Skizzen.

Bei einer Schirmhütte mit einer größeren Anzahl Lagerstätten muß der Wohn- und Kochraum im Interesse der Feuersicherheit und der Reinlichkeit getrennt werden. Während in den hoch gelegenen und schwierigeren Touren gewidmeten Hütten das Feuer von zuverlässigen Führern oder gewiegten Clubisten besorgt wird und deshalb für die Hütte und ihre Bewohner keine Gefährde bietet, kommen hier große Trupps junger Leute und Touristen ohne Führer an, welche öfters mit erstaunlichem Leichtsinn in der Hütte hausen. Es muß also diesem Umstände Rechnung getragen werden. Der Fußboden des Kochraumes ist aus einer dünnen Betonschicht gebildet. Der Kochraum ( Fig. 14, F ) enthält einen Kochofen der bereits erwähnten Construction, derselbe ist jedoch nicht rund, sondern rechteckig, in Anbetracht der Größe der Hütte für zwei Pfannen und zwei kleinere Kochgeschirre eingerichtet. Das Rauchrohr ist zur Erwärmung des großen Raumes für den Fall rauher Witterung verlängert, kann aber durch zwei eingeschaltete Klappen den Rauch auch direkt in 's Freie abführen. An den Wänden sind genügende Stellen zur Aufbewahrung des Koch- und Eßgeschirres.

Der Wohnraum ( A, Fig. 14 ) enthält einen Tisch, an welchem 14 .Personen bequem Platz finden, zwei transportable und drei an den Wänden angebrachte Klappbänke. Koch- und Wohnraum sind durch vier Fenster erhellt.

Die zwei Parterreschlafräume B und C ( Fig. 14 ) sind mit dem Wohnraum durch zwei Thüren und durch vier mit Klappladen verschließbare Fensteröffnungen E verbunden; durch die letzteren kann die Ofenwärme von Raum A nach den Räumen B und C eintreten, wenn solches verlangt wird. In den Außen-ecken der Räume B und C sind schmiedeiserne Ankerstangen angenagelt, welche, durch die kleine Auffüllung durchgehend, im Felsen eingelassen sind, um die Hütte gegen das Umwerfen durch Stürme zu schützen. Der Schlafraum im Dachraum ist nicht vom Innern der Hütte, sondern nur von Außen durch eine Leiter erreichbar. Dadurch ist Ordnung und Reinlichkeit besser zu erhalten, der Dachraum erhält über dem Wohnraum A sechs, über dem Raum B vier, über dem Raum C vier und über dem Kochraum vier, somit im Ganzen achtzehn Schlafstellen. Selbstverständlich können in B und C und dem Dachraum D im Falle der Noth nicht nur dreißig, sondern vierzig Menschen Nachtlager, jedoch wahrscheinlich keine Ruhe finden. Auch ist bei schlechtem Wetter die. Nacht im Räume A auf den Bänken und Tischen noch besser zuzubringen, als im Freien. Somit können wenigstens fünfzig Personen, wenn auch kein gutes Nachtlager, wohl aber bei schlechtem Wetter gutes Obdach und Schutz vor Sturm und Regen finden.

Die Räume B und C sind getrennt, damit bei rauher Witterung nicht ein großer Schlafraum, sondern nur die Hälfte desselben zu erwärmen ist, wenn eine kleine Gesellschaft hier haust. Zudem ist durch eine Zwischenwand mehr die Tragkraft des Daches und die Stabilität der Hütte bedeutend verstärkt, auch sind keine zu langen Balken auf dem steilen Wege zur Baustelle zu tragen. Schließlich ist der öfters vorkommenden Besteigung des Glärnisch durch Damen Rechnung getragen, ohne die Baukosten zu erhöhen.

Die Räume B und C sind durch je zwei Fenster erhellt. Sämmtliche Fenster und Fensterladen der Hütte sind von Innen und Außen schließbar; sämmtliche Fensterscheiben von genau gleicher Größe, welche dem über das Clubhüttenwesen gesetzten Vorstand bekannt ist. Für das Ablegen von Gegenständen sind genügende Stellen und Wandhaken angebracht.

Die Kosten würden betragen:

1 ) FuhrleistungenFr. 20. 2 ) Taglöhne„ 50. 3 ) Bauleitung„ 80. 4 ) Brunnen„ 50. 5 ) Baukosten > inclusive Holzfällen, Sägen, Ausarbeiten und Aufrichten, exclusive Transport... „ 1545. 6 ) Transportkosten„ 1885. 50 7 ) Unvorgesehenes„ 369. 50 Summa Fr. 4000. Mobiliar für eine neue Schirmhütte am ( Harnisch.

1 ) Dreißig kleine Decken, acht große Decken, zwanzig Paar Endeschuhe.

2 ) Zwei Wasserkessel, zwei Pfannen, zwei Anricht-kellen, zwanzig emaillirte Schüsseln, zwanzig emaillirte Teller, zweiundzwanzig Gabeln, zweiundzwanzig Löffel, zweiundzwanzig Trinkgläser, eine Gewürzbüchse, eine Partie Aufwaschlumpen, ein Aufwaschkessel.

3 ) Ein Scheitklotz, ein Beil, eine Sage, eine Schaufel, zwei Kehrichtschaufeln, zwei Besen, ein Hand-wisch, zwei Lichtstöcke, drei Laternen.

4 ) Ein Minimalthermometer, ein Beobachtungsbuch, ein Visitenbuch, eine Bucherbüchse.

5 ) Ein Tisch, zwei Bänke, ein Tabouret.

Banprogramm für diese Hütte.

1 ) Wenn genügende Kälte eingetreten, wird im Walde unter Werben das nöthige Holz geschlagen, an einen zum Abbinden geeigneten Platz transportirt, dort gerüstet und nach den entsprechenden Dimensionen gesägt und schließlich möglichst gut abgedeckt.

2 ) Die Hütte sammt Mobiliar wird im vollen Werth brandversichert.

3Anfangs Mai des folgenden Jahres wird die Hütte abgebunden, provisorisch aufgerichtet und mit einem möglichst einfachen Schindelbelage, welcher mit kurzen Stiften provisorisch angeheftet ist, bedeckt. Auf diese Weise wird das Holz für den Transport leicht und ist die Anzeichnung der einzelnen Stücke gut durchzuführen. Der. Bedarf an Schindeln wird gerüstet und in der provisorisch aufgerichteten Hütte unter dem Dache möglichst dürr gemacht.

4Ende Juli wird an genau bezeichneter Stelle -der Untergrund der Hütte im Accord hergerichtet und die Löcher für die vier Ankerstangen gebohrt. Zugleich wird an der in der Nähe der Baustelle befindlichen Wasserstelle vermittelst Cäment ein kleines Wasserreservoir von circa 0,3 Kubikmeter Inhalt erstellt. Die Accordarbeiter logiren während dieser Zeit in der alten Clubhütte.

5 ) Anfangs August beginnt der Abbruch der Hütte .auf dem Abbindplatz, der Transport des Holzes nach der Baustelle von 1400 m bis auf 2300 m Höhe. Zu gleicher Zeit beginnt der Transport alles desjenigen Baumaterials, welches vom Thale ( Vorauen ) bezogen werden muß, ebenso der Transport des nöthigsten Mobiliars, des Ofens etc.

6 ) Mitte August beginnt das Aufrichten der Hütte; die Baumannschaft logirt zum Theil in der alten Clubhütte, zum Theil in einem Zelt in der Nähe der Baustelle. Ordentliches Wetter vorbehalten, sollte die Baumannschaft am fünften Tage die Dachverschalung vollenden und « Abends in der Hütte logiren können.

4 7 ) Die Pritschen werden erstellt, Fenster und Fensterladen angebracht, der Ofen und das Schutz-blech aufgestellt, die Stellen und Spannhaken angebracht, schließlich der Cämentboden gelegt. Unterdessen erfolgt der Transport des übrigen Mobiliars und die Ausführung des Schindelbelages.

8 ) Ende August Collaudation der Hütte, welche nun sehnlichst auf eine freigebige Pathin in der Gestalt einer reichen Schwestersection der Section Tödi wartet. Möge es der letzteren vergönnt sein, als Gebirgssection hinsichtlich einer Schirmhütte am Glärnisch ihre Pflicht ebenso gut zu erfüllen, wie am Tödi!

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