Aiguille du Géant

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Aiguille du Géantx Von Carl Eggert Die berühmte Bergsteigerin liess sich von dem jungen X. in bedenklicher Weise den Hof machen. Der tatenglühende Jüngling war ihr ja in jeder Beziehung überlegen, aber er liess sich nichts anmerken, sondern umschwärmte und bewunderte das rassige Frauenwesen, als wäre es ein direkt vom Olymp herabgestiegenes Götterkind. Sie hatten schon mehrere Touren miteinander gemacht, als der Bergfreund eines Tages plötzlich mit dem kalten Wasserstrahl übergössen wurde:

« Morgen kommt mein Verlobter. » Und er kam, ein Monstrum, und wurde mit vier Führern auf den Col du Géant geschleppt. Dort langte er sehr reduziert an und verzichtete auf alles, ausser auf ungezählte Flaschen Asti. Am andern Morgen gingen « sie » und der Bergfreund denn allein auf die Aiguille. Im Rifugio sass unterdessen der Verlobte krampfhaft am Fernrohr und verfolgte Schritt für Schritt, wie sie die Seile hinaufhangelten und an den Wänden klebten. Oben auf der Nadelhöhe war der Platz natürlich klein, und sie mussten nahe beieinandersitzen, o so nah!

Nun begab sich etwas, wie schöner nicht im Kino. Der dicke Mann am Fernrohr wurde rot vor Aufregung, und der Schweiss perlte ihm an der Stirn. Was enthüllte das verräterische Rund? Er sah, wie sich - Teufelein Arm immer fester um eine Taille legte, wie sich zwei Köpfe immer näher gegeneinander neigten, wie sich sogar ein Lippenpaar zum Kusse spitzt — in diesem Moment wurde alles grau. Ein Nebelchen stieg und wallte, gütig das Unvermeidliche verdeckend, oben um die granitene Spitze des Géant, und ein Fleischkoloss unten knirschte aus Wut vor der leeren Bildfläche.

1 Aus: Aiguille.Verlegt bei Orell Füssli, Zürich, 1924.

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