Amateurphotographie im Gebirge

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Von Edwin Wyler.

Es gibt bekanntlich Bergsteiger und Bergsteiger. Ebenso gibt es unter ihnen Photographen und Photographen. Den grossen Haufen bilden die Knipser, welche inmitten der wunderbarsten Landschaft es fertig bringen, einmal ums andere Platten und Filme der Verherrlichung ihrer hohen Persönlichkeit zu opfern; und wenn sich zufällig einmal ein hübsches Bild auf die Platte verirren wollte, stellt sich unfehlbar ein zweibeiniger Naseweis möglichst ungeschickt mitten hinein. Das will nicht heissen, dass der Mensch unbedingt aus dem Landschaftsbilde zu verbannen sei; aber es kommt auf das Wann und das Wie an.

Wer mit offenen Augen durch unsere Alpenwelt wandert, der findet gewiss des Schönen genug, um daran seine Lichtbildkunst erproben zu können. Der Nurbergsteiger wird sich ja allerdings auf das Einfachste beschränken müssen. Er hat meist keine Zeit zu verschwenden, wenn er seinem Programm treu bleiben will. Er kann keine grosse Ausrüstung mit sich schleppen und muss sich mit dem zufrieden geben, was er in der Eile erhascht. Wer aber nicht nur um der Tur willen in die Berge zieht, sondern besonders auch ihre bildhaften Schönheiten geniessen will, dem winkt vielfacher Genuss, wenn er die Kamera zu handhaben versteht. Instinktiv sucht sein Auge nach offenen und verborgenen Schönheiten und lernt sie entdecken, wo mancher achtlos vorübergeht. Er wählt sich Pfade aus, welche ihm besonderen Genuss versprechen. Das Erlebte prägt er sich tief ins Gedächtnis ein, und wenn er später seine Bilder betrachtet, lebt er sich ganz in sie hinein. Doch wie mancher hat schon vielversprechende Ausflüge unternommen, von denen er die schönsten Bilder hätte nach Hause bringen können — wenn er gekonnt hätte. Er hat nicht können, da er geglaubt hat, das Aufnehmen sei « keine Kunst ». Das Aufnehmen ist aber eine Kunst; sie verlangt Bildsinn, Denken und Erfahrung.

Wie oft muss nicht der Apparat an einer missratenen Aufnahme schuld sein! Meist ist er es aber gar nicht. Ein guter Apparat ist besser als ein schlechter, gewiss. Der Hauptunterschied besteht aber darin, dass eine gute Kamera die zahlreicheren Gelegenheiten erreichbar macht, besonders wegen der grösseren Lichtstärke, der besseren Schärfe und der Möglichkeit, die Brennweite des Objektivs zu verändern. In der Regel ist aber der Aufnehmende selbst der Sünder. In erster Linie dann, wenn er einen Versuch gemacht hat, der gar keine Aussicht auf Gelingen bot. Nicht selten muss aber eine Aufnahme sorgfältig vorbereitet werden, soll sie ein gutes Ergebnis zeitigen. Sie muss zu einer geeigneten Tageszeit erfolgen. Die Wahl des Standpunktes ist keineswegs gleichgültig; auf eine halbe Stunde Suchens mehr oder weniger darf es dabei nicht ankommen. Damit zusammen hängt auch die Beachtung des Vordergrundes, woran die meisten Amateure gar nicht denken. Man vergesse ja nicht, dass die gewöhnliche Photographie nur aus hell und dunkel besteht. Die wunderbarsten Farben helfen nicht, wenn nicht der Wechsel von Licht und Schatten und die rein zeichnerisch erfassbare Gestaltung dem Bilde seine Wirkung verleihen.

Einiges Studium erfordert die Wahl der Expositionszeit. Für meinen Gebrauch ziehe ich aus einer guten Tabelle je nach der Jahreszeit einige Grundziffern aus, welche mir zusammen mit den gesammelten Erfahrungen in der Regel eine richtige Belichtung sichern. Optische Instrumente verwende ich nicht mehr, da die Empfindlichkeit des Auges je nach Umständen sehr verschieden ist und sich schnell verändern kann. Grosse Unklarheit herrscht bei vielen Amateuren über das Verhältnis der Expositionszeiten im Tale und in der Höhe.Viel weniger als auf die Höhenlage sehe ich hierbei auf den Charakter der Landschaft: Reine Felsenlandschaften verlangen auch im Hochgebirge eine verhältnismässig lange Belichtung ( etwa die Hälfte derjenigen in tieferen Regionen ). Wechseln Fels und Schnee ab, so muss darauf geachtet werden, dass Fels- wie Schneepartien auf dem Bilde genügend Zeichnung erhalten. Reine Schneelandschaften müssen am kürzesten belichtet werden, vor allem dann, wenn sie als Panorama, ohne wesentlichen Vordergrund, gedacht sind.

Oft hört man den Rat: « Photographiere nicht gegen die Sonne. » Dieser Satz trifft nicht für alle Fälle das Richtige, muss aber doch meistens befolgt werden. Die Sonne darf natürlich nicht auf der Platte erscheinen, und schlechte Objektive weisen bei gewissen Einfallswinkeln der direkten Sonnenstrahlen störende Reflexe auf. Die gegen das Auge scheinende Sonne bewirkt aber auch, dass die Luft, vor allem in den Tälern, dunstig erscheint. Das Bild wird dann unklar und erhält einen milchigen Ton; es fehlt ihm der kräftige Wechsel von Licht und Schatten, welcher ihm Leben und plastisches Aussehen verleihen sollte.

Nicht immer braucht unklare Luft ein unüberwindliches Hindernis zu sein. Der bläuliche Dunst, welcher sich oft auf grössere Entfernungen bemerkbar macht, lässt sich mit Hilfe einer Gelbscheibe teilweise oder ganz eliminieren. Je stärker der Filter, desto deutlicher und näher erscheinen die Gegenstände des Hintergrundes. Nützlichkeit und Wirkung dieses wert- vollen Hilfsmittels werden noch häufig verkannt. Schon hie und da habe ich rühmen hören: « Mit meinem Apparat brauche ich keine Gelbscheibe. » Mögen sich die Besitzer dieser Apparate glücklich schätzen. Mir persönlich ist heute noch nicht klar, welche besondere Einrichtung eine solche Kamera besitzen soll. Ich habe auch schon sagen hören, dass man gar keine Gelbscheibe brauche, wenn man nur genügend abblende. Auch diese Ansicht beruht auf Einbildung. Die kleine Blende verlangt eine lange Expositionszeit, mit welcher stärkere Kontraste und eine feinere Durchzeichnung der Details erzielt werden können. Der Gelbfilter hat aber den Zweck, die blauen Strahlen zugunsten der gelben und grünen zurückzuhalten. Man wird ihn deshalb in erster Linie dann verwenden, wenn sonnenbeschienene Schneepartien oder helle Wolken sich vom blauen Himmel abheben sollen, wenn man frischgrüne Wiesenflächen nicht zu dunkel erhalten, das dunkle Blau eines Sees hervorheben, grosse Firn- und Gletscherflächen und weit entfernte Berge klar und plastisch herausarbeiten will. Meistens unangebracht ist die Gelbscheibe bei Felslandschaften, da die Bromsilberschicht die Felsen, verglichen mit dem Himmel, in der Regel dunkler empfindet als das menschliche Auge. Ein dunkel getonter Himmel sieht auch über sonnigen Felsen oft einfach unmöglich aus. Sonst aber ist die Gelbscheibe für den ernsthaften Amateur ein unentbehrliches Hilfsmittel. Ihre grösste Wirkung zeigt sie bei der Verwendung stark orthochromatischer Platten oder Filme. Bei einer nicht besonders hierzu präparierten Bromsilberschicht verlängert sie unnötig die Expositionszeit, ohne die Skala der Empfindlichkeit der Schicht gegenüber den verschiedenen Farben zu beeinflussen.

Auf einen weiteren, nicht minder beachtenswerten Punkt sei noch hingewiesen, auf das Problem des Bildausschnittes. In den meisten Fällen wird ein Bild in der Grösse kopiert, in der man es auf die Platte bekommen hat. Man hat nicht gerne grössere und kleinere Formate in einer zusammengehörigen Bildersammlung. Hie und da ist leider etwas nicht mehr ganz « drauf ». Häufiger ist zuviel mitgekommen, wodurch die Wirkung des Bildes beeinträchtigt wird. Will man nicht verschiedene Formate in Kauf nehmen, so hilft als nachträglicher Ausweg nur die Vergrösserung, und dies nur im zweiten Falle. Nun ist das Vergrössern nicht jedermanns Sache, und das Ergebnis befriedigt aus verschiedenen Gründen auch nicht immer. Da bleibt die Veränderung des Objektivwinkels bei der Aufnahme das Gegebene. Kommt das gewünschte Stück nicht ganz auf die Platte, so verkürzt man die Brennweite vermittels einer Vorsatzlinse, wobei der Bildwinkel sich vergrössert, also mehr Gegenstände umfasst. Viel häufiger ist das Umgekehrte nötig. Der Bildwinkel des normalen Objektivs ist grösser als derjenige des Auges und liefert daher eine stärkere perspektivische Verjüngung. Dies macht sich besonders unangenehm bei der Aufnahme von Panoramen geltend. Imposante Gipfel werden, wenn sie nicht ganz aus der Nähe aufgenommen werden können, enttäuschend klein wiedergegeben. Man kann nun die Vergrösserung direkt auf das Negativ entweder mit Hilfe einer Vorsatzlinse oder, bei erstklassigen Objektiven, durch Verwendung einer einzelnen Objektivhälfte erreichen. Da aber der Auszug der Kamera sich in der Regel nicht mehr als verdoppeln lässt, kann man die Vergrösserung auf diese Art nicht über das linear Zweifache ( quadratisch Vierfache ) hinaus treiben. Hier setzt die Verwendbarkeit des Teleobjektivs ein. Bei verhältnismässig kurzer Brennweite besitzt es einen kleinen Bildwinkel. Es eignet sich vorzüglich dazu, aus einer Reihe von Gipfeln die schönsten einen nach dem andern herauszuholen, wobei man manchmal Bilder von verblüffender Wirkung erhält. Bei Aufnahme weit entfernter Gipfel empfiehlt es sich, eine kräftige Gelbscheibe zu verwenden, um das Bild möglichst klar zu erhalten; der Himmel bleibt am tiefen Horizont immer hell. Es ist aber nicht so einfach, mit dem Teleobjektiv umzugehen. Vor allem muss man über genügend Zeit verfügen. Schon das Aus- und Einschrauben der Linsen ist zeitraubend. Die Aufgabe, den gewünschten Gegenstand richtig auf die Mattscheibe zu bekommen, gestaltet sich gerne ziemlich schwierig; nur eine kleine Verschiebung der Kamera, und er ist weg! Analog müssen auch während der Belichtung Erschütterungen aufs peinlichste vermieden werden; wo es angeht, suche man sich eine feste Unterlage zurecht zu machen. Hieraus ergibt sich ohne weiteres, dass man das Teleobjektiv nur auf kleineren und mittleren Ausflügen, nicht aber auf eigentlichen Hochturen verwenden kann. Besondere Befriedigung verschafft es dann, wenn man einen schönen Gipfel, den man bezwungen hat, von einem günstigen Aussichtspunkt aus ganz für sich aufs Korn nehmen und sich später zu Hause an seinem Bilde immer wieder von neuem freuen kann.

Bemerkungen.

Die zu diesem Aufsatze gehörenden Bilder sollen als Beispiele für die wichtigsten der gegebenen Anregungen dienen.

Blümlisalpgruppe und Blümlisalphorn: Der Vergleich der beiden vom selben Standpunkt aus aufgenommenen Bilder veranschaulicht die Wirkung des Teleobjektivs. Beide Aufnahmen liefern auch ein gutes Beispiel für die Verwendung der Gelbscheibe.

Märjelensee: Mit Hilfe einer kräftigen Gelbscheibe wird das Blau des Wassers und einzelner Eispartien in Gegensatz zum Weiss des übrigen Eises gebracht.

Gotthard zu Pfingsten: Die Wirkung des Bildes beruht in erster Linie auf dem absichtlich gewählten und in richtige Entfernung gebrachten Vordergrund; sie wird durch das Hervorheben der Wolken mit Hilfe der Gelbscheibe erhöht.

Fachliteratur: Als allgemeines Lehrbuch ist sehr zu empfehlen: David, Ratgeber im Photographieren, für Anfänger und Fortgeschrittene. Es enthält nebenbei ein reiches Literaturverzeichnis, aus dem besonders « Die Hochgebirge- und Winterphotographie » von Dr. Kuhfahl hervorzuheben ist. Interessantes kann man auch in periodischen Publikationen finden, wie in « Photographische Rundschau und Mitteilungen » der Photographischen Verlagsgesellschaft in Halle oder in der schweizerischen Zeitschrift « Camera », Verlag C. J. Bucher, Luzern.

Xilografia di A. Pat occhi, Lugano.

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