Auf der Silbern

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Die Stunden entfliegen; das Werk ist getan. Des Stumpens Räuchlein kringeln langsam auf, so ruhig ist die Luft. Und Sonne — Sonne! Und Einsamkeit, lautlose Stille. Dort vom Bächistock herunter kramsein winzige schwarze Pünktlein; ein schwerer Stampf ist 's wohl im tiefen Weichschnee. Gewiss läuten jetzt dem bald achtzigjährigen Hüttenwart und Bergführer Kubli drüben in der Glärnischhütte die Ohren, dieweil ich sein Bergheim im Blockrevier zu erspähen suche. Faulenzend blinzle ich den duftigen, weissen Wölklein nach, die ruhig durch die tiefe Bläue segeln, sich auflösen, neu bilden und sich vereinen. Mir ist, als sei da droben meine rechte Heimat, und selig träumend, wie ein Kind, liege ich am Herzen der Natur. Die Verse von Hermann Hesse sagen es so schön:

Miss keine Schuld an andrer Schuld 1 Miss dich und deinen Schritt an der Natur unendlicher Geduld; sie trägt dich mit.

Bei ihr sei du zu Haus, und Abend trifft und Morgen dich fährdelos geborgen im Vaterhaus.

Ich muss zu Tal, so wundersam der Abendsitz da oben wäre. Mehrere Rutschgelegenheiten bringen mich rasch hinunter gegen den Kratzerngrat, wo ich einer Schar Gemsen zuschauen kann, die stets den gleichen Steilhang herabschlitteln. Wohl Skischule? Im Weiterwandern muss ich zwei-, dreimal die Karte hervorziehen, bevor ich endgültig feststellen kann, dass ich mich im Kalberloch befinde. Bei den noch tiefverschneiten Drecklochhütten ist wohlbekanntes Gelände erreicht. Aber der Zeinenbach hätte mir fast noch einen schlimmen Streich gespielt, denn er wälzte tosend ein wildes Gewoge in seinem Felsbett. Der Steg fehlte. Nur ein gewaltiger Teilensprung rettete mich aus der Falle.

Wie gestern röten sich wieder die Berge, und ich schlendere glückselig talauswärts, denn der Gang zur Silbern wird goldige Erinnerung bleiben.

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