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Aug. Neuber: Wissenschaftliche Charakteristik und Terminologie der Bodengestaltung etc

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Die Recension dieses umfangreichen Werkes, VII und 647 pag. ( Preis 12 Kr. = 10 Mk. ), setzt mich in einige Verlegenheit. Eine kahle Anzeige des Empfangs und der Existenz des Buches entspricht der Freundlichkeit nicht, mit welcher der Verleger uns das Werk zugestellt hat. Zu einer eingehenden Prüfung fehlt mir die Kompetenz, und ein ausführliches fachmännisches Urteil war in der Kürze der Zeit nicht zu finden, auch nicht in der Litteratur, soweit sie mir zugänglich ist. So begnüge ich mich denn damit, die Kritik eines jüngern Geographen, dem ich das Buch zur Beurteilung übergeben hatte, zum Abdruck zu bringen und meinerseits einige Bemerkungen an diese Kritik zu knüpfen.

„ Von dem Buche des österreichischen hohen Offiziers und Topographen, das Sie mir zur Besprechung überwiesen, habe ich im ganzen einen derart unerfreulichen Eindruck bekommen, daß ich es leider ablehnen muß, dasselbe den Lesern des Jahrbuches zu empfehlen. Wohl regt der Autor darin an zahlreichen Stellen interessante Diskussionen über die Terminologie der Bodengestalten an, wohl findet sich hie und da auch ein Vorschlag diesbezüglicher Art, der mir das Richtige zu treffen scheint, wohl ist endlich das ganze Werk das Ergebnis einer großen, Achtung gebietenden Arbeit; was soll aber der Fachmann von einem Buche halten, das seinen ganzen sachlichen Inhalt aus Citaten aufbaut, aus Werken, wie von Sonklars allgemeine Orographie, von Richthofens Führer für Forschungsreisende, Pencks Morphologie der Erdoberfläche etc., und dann doch diesen selben Werken durchaus unsympathisch, verneinend gegenüber steht, dabei kein einziges Citat durch Hinweisung auf Titel und Seitenzahl der Kontrolle zugänglich macht! Was soll aber gar der Laie aus einem Buche lernen, das sich in nicht endenwollenden Auseinandersetzungen über Begriffe ergeht, deren Inhalt hier doch keine wesentliche Bereicherung erfährt?

In dem Abschnitt über die Gletscher, pag. 525—573, wird ausgeführt, daß Heim den Gletscher erst als den aus dem Firngebiet abfließenden Eisstrom definiert, später dagegen vom Firnschrund als von dem Rande des eigentlichen Gletscherkörpers spricht, worin allerdings der Widerspruch liegt, daß das eine Mal der Gletscher unterhalb des Firngebiets, das andere Mal der ganze Gletscher ( Eisstrom plus Firngebiet ) gemeint ist. Das Buch belehrt uns aber nicht darüber, ob nicht Heim seit der Herausgabe der Gletscherkunde selbst seine Definition vom Gletscher umgestaltet hat, was doch wahrscheinlich ist. Am Schlusse seiner Erörterungen giebt Neuber eine lange Definition, die dann doch noch einen wesentlichen Irrtum enthält, den man nach dem vorausgegangenen am wenigsten erwartet hätte; denn er läßt die Gletscher Ströme sein, welche weit oberhalb der Schneegrenze aus Schnee bestehen etc. Aus den Stellen, wo Neuber ziemlich ausführlich über blaues und weißes Eis, Blaubänderstruktur etc. spricht, werde ich nicht klug, sehe auch nicht ein, was diese Dinge mit den „ Bodengestalten " zu thun haben in einem Buche, das doch sonst vor allem die äußere Erscheinung betont und darin seinen Hauptwert haben mag, daß es alle Termini zurückweist, die nicht in der äußeren Form eines Gegenstandes begründet sind. Immerhin scheint mir schließlich W. M. Davis eine sehr gute Bemerkung gemacht zu haben, als er einen gewissen Terminus damit verteidigte, daß derselbe ein Name und nicht eine Beschreibung sei. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, möchte ich Ausdrücke, wie Kar, Doline, Canon, nicht vermissen, trotzdem sie Neuber als unnötige Fremdlinge aus seiner Terminologie hinausweist. "

Hierzu bemerke ich zunächst, daß es nicht Sache des litterarischen Referates ist, unter allen Umständen ein Buch zu empfehlen oder zu loben, sondern nur, es ohne Vorurteil zu besprechen. Auch Widerspruch muß ein Autor ertragen können. Zur Sache möchte ich bemerken, daß der Verfasser selbst seine Arbeit als Vorbereitung auf eine methodische Behandlung angesehen wissen will und daher sich die polemische Auseinandersetzung mit bekannten Autoritäten nicht vermeiden ließ. Die Fachleute und selbst die Clubgenossen, welche den wissenschaftlichen Fragen des Alpinismus nicht aus dem Wege gehen, werden immerhin von diesem Buch Notiz nehmen müssen, weil es auf langjähriger Denkarbeit beruht, auch wenn die Resultate sie nicht befriedigen. Denn ich halte es mit einem der größten Leser des Altertums, dem Naturforscher Plinius, der zu sagen pflegte, kein Buch sei so schlecht, daß man nicht etwas daraus lernen könnte.

Redaktion.

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