Aus den Grauen Hörnern

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Von E. Imhof ( Section Ehätia ).

1. Ueber den Mastrilserberg nach Tättis.

Der 21. Juli war einer der wenigen schönen Tage des Sommers 1889, und da ich gerade Ferien hatte, so machte ich einen Einfall in 's Excursionsgebiet und zwar gleich in 's Centrum, das in tiefem Thalgrund zwischen Ringelspitz, Calanda und den Grauen Hörnern gelegene Vättis. Mein Weg führte mich von Landquart über Mastrils über ziemlich steile Grashalden und theilweise durch schönen Tannenwald hinauf zuerst auf den Piz Alun ( 1482 m ). Die oberste Spitze dieses Berges wird durch einen Felsenklotz gebildet, der nur wenigen Personen Raum gewährt und von unten, z.B. von Landquart aus, wie eine gewaltige Thurmruine aussieht. Sie lässt sich aber mit Hülfe einiger Stufen bequem besteigen und ist ein beliebtes Ausflugsziel der Kagazergäste und der umliegenden Schulen. Die Aussicht von hier aus ist reizend, namentlich auf das tief zu den Füßen ausgebreitete Rheinthal von der Churergegend bis über Sargans hinaus mit den dasselbe umstehenden Gebirgen. Mich interessirte der Punkt besonders deßhalb, weil er einen guten Ein- Zanayhörner 2825 Piz SolWildseehörnerWildseellicke 2849268626882515 i Aw >

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Piz Alun 1481 E. Boaaard del. 8. X 87.

Die Kette der Urauen Homer vom Faderastein ( 1167 m ) ob Malan«.

blick in die Grauen Hörner gewährt, namentlich in die Zanayhörner, die Seehörner und die Lasaköpfe, die in weitem Halbkreis den Hintergrund des Mtühle-tobels mit dem Val grausa und den Alpen Zanay und Lasa umgeben.

Von hier erreichte ich in 21k Stunden das Stelli ( 2055ni ), das westlich über Untervaz und über dem Val Cosenz steht. Da ich Zeit hatte und mir daran lag, so weit möglich auf der Kammlinie zu bleiben, so ließ ich mich das ohnehin meist nur mäßige Auf-nnd Absteigen nicht verdrießen und wanderte in aller Gemächlichkeit von Höhe zu Höhe, bald durch prächtigen Tannenwald, bald auf sonnigen Weiden. Auf der Linie über den Pürgglikopf ( 1386 m ), den Kamin-spitz ( 1817 m ) und den Zweienspitz ( 1863 m ) verursachte einzig der Aufstieg znm Kaminspitz einige Mühe, weil hier auf holperigem Waldboden circa 450 m zu ersteigen waren. Vom Zweienspitz über die Salazalp znm Stelli ging 's dann aber um so angenehmer über blumenreiche Alpenweiden mit schöner Aussicht nach beiden Seiten. Abgesehen vom Rheinthal und den Bündnerbergen ziehen namentlich. das aus tiefem Thalgrund heraufglänzende Vättis, die grünen Flächen von Vättnerberg, Vättnerälpli ( Ladils ), Gelbberg und Calvina mit den darüber thronenden Hörnern des Monteluna, der Vogelegg, des Großen Zanayhorns, des Aelplikopfs und des Drachenbergs die Aufmerksamkeit auf sich, besonders wenn man sich, wie das bei mir der Fall war, mit Eroberungsgelüsten trägt und also schon aus der Ferne die günstigsten Angriffspunkte zu erkennen sucht.

Es. war 3 Uhr Nachmittags, als ich das Stelli verließ, um auf sehr steilem, aber leicht zu findendem Weg über den Schröter und den Gnapperkopf in 's Taminathal hinunter zu steigen. In den Schutthalden vor den Bergwerksstollen über dem Gnapperkopf suchte ich nach allerlei Steinen und nach Silberbarren. Doch waren meine bergmännischen Bestrebungen ohne nennenswerthe Erfolge, und so zog ich denn unbe-reichert, einzig mit den mitgebrachten gemünzten Silberlingen und mit einigen Steinen und Pflanzen beladen, um 4 Uhr 15 Min. in der Lerche zu Vättis ein.

Vättis ist ein kleines, aber nettes Dorf inmitten einer gewaltigen, fast erdrückend großartigen Gebirgswelt; namentlich zeigt sich der Calanda hier von seiner imponirendsten, für manche Leute fast beängstigenden Seite. Im Sommer wird dieses Dörfchen auch von einigen Familien aus der untern Schweiz als Sommerfrische aufgesucht und Ragazergäste machen häufig Spazierfahrten hieher. Als Sommerfrische muß der Ort mit seiner Höhenlage von 950 m, seiner grandiosen Umgebung und seinen schönen Spazierwegen gegen den Kunkels, in 's Kàlfeusenthal und gegen Pfävers, Vasön und Valens sehr angenehm sein. Schöne Ausflugsziele bieten auch die umliegenden Alpen und Voralpen, die aber meist nur auf steilen, holperigen Wegen zu erreichen sind. Doch führen diese Wege oft lange durch Tannen- und Lärchen Waldungen und gewähren prächtige Ausblicke auf das Thal und auf die gewaltigen, vielgestaltigen Bergmassen. Ebenso gut, wenn nicht noch besser, eignet sich Vättis als Ausgangspunkt für mannigfaltige und interessante Berg- E. Imhof.

E; Bossard. 81. VII 89.

Der Westabsturz des Calanda, von Calaadalnz ans.

touren in die Gebiete der Grauen Hörner, des Calanda, der Ringelspitze und der Sardona. Tüchtige Führer stehen'zu Diensten und die Lerche, sowie ein zweites Gasthaus bieten gute Unterkunft, Die Bevölkerung ist natürlich hauptsächlich auf Viehzucht, Alpwirthschaft und Waldarbeit angewiesen. Der Feld- und Gartenbau tritt sehr zurück und beschränkt sieb auf Rartoffel- und etwas Gemüsebau; zeitweilig hat auch der Bergbau am Gnapperkopf etwas Verdienst m's Land gebracht and seit einigen Jahren hat der Fremdenverkehr an Bedeutung gewonnen. Die Jugend ist sangeslustig und läßt manches schöne Lied erklingen, zum Theil alte Lieder, wie sie sich von Generation zu Generation durch münd-liehe Ueberlieferung forterben.

Daß das Leben in einem solchen Bergthal oft auch mit vielen Mühen und Gefahren verbunden ist, daran erinnern namentlich die großen Lauinenzüge, Aus den Grauen Hörnern.

( 17 Ragol E. Bosshard del. 11. IX 89.

Calanda von der Strasse hinter Dorf Pfäfers.

die vom Calanda herunterkommen und das Dorf bedrohen. Selbst im Hochsommer kann man am Fuß des Berges große Lauinenreste finden, die aber kaum errathen lassen, welche ungeheure Schneemassen im Winter und Frühling zu Thale fahren. Ein er-8chütterndes Beispiel von anderen Gefahren lernte ich im Gigerwaldgut, eine Stunde hinter Vättis kennen. Diese » Gut fällt im Süden durch einen steilen Felsrand in die tiefe, finstere Schlucht der Tamina. 1888 ist der einzigen dort wohnenden Familie ein prächtiges, dreijähriges Knäblein spurlos verschwunden. Die Mutter hatte es nur einige Minuten aus den Augen verloren, da sie etwas im Hause zu schaffen hatte. Wie sie wieder herauskam, um das Kind zu holen, war dasselbe nicht mehr da. Trotz allen Rufens und Suchens war und blieb es verschwunden und niemals hat man mehr eine Spur von ihm entdeckt. Es muß nach allgemeiner Annahme in die grausige Schlucht gefallen sein!

Endlich mögen zur weitern Charakterisirung dieser Gegend noch einige Angaben über die Steigungsver-hältnisse folgen. Der Weg vom Stelli mit 2055 m bis znin Thalgrund von Vättis mit 950"1 darf wohl als ein sehr steiler bezeichnet werden, denn auf eine Horizontalentfernüng von kaum 3000 * fallt derselbe um volle 1100 m, was einem Gefälle von etwa 37°/o oder 20° entspricht. Aber noch weit steiler ist der Absturz des Bergprofils vom Stelli nach dem nächsten Punkt der Vättiserstraße, da dieses auf eine Horizontalentfernung von nur 1300m um 1055 m oder um 88% =41° fällt. Auch zeigt dieser Absturz, wie nach diesen Zahlen nicht anders zu erwarten, mehrere fast senkrechte Felswände, so über und unter dem sog. Ghürst solche von je 300 bis 400 ». Der Absturz des Calanda ( 2808 " ) nach Vättis beträgt sogar rolle 100 °/o oder 45 °, der des Ringelspitz nach St. Martin im Kalfensenthal 63 °/o oder 32 °, der vom Sand des Vättnerälpli nach Gaspus bei Vättis 84 °/o oder 39 Va °. In diesem Absturz findet sieh eine Felswand von über 500 m Höhe. Der größtentheils felsige Absturz vom Gigerwaldspitz nach der Tamina beim Gigerwaldgut beträgt auf 1000 m Horizontalentfernung sogar 1100 m Tiefe oder also 110 °/o = 47 °.

2. Anf das Grosse Zanaykorn 2825 ". Am Morgen des 22. Juli kämpfte das Wetter lange zwischen Regen und Sonnenschein hin und her, bis end- lieb letzterer die Oberhand erhielt. Ich brach deßhalb erst um 10 Uhr 30 Min. auf. Ein schöner Fahrweg führt in mäßiger Steigung durch Buchen- und Tannenwald am linken oder nördlichen Ufer der Tamina hin bis gegen den Ausgang des Tersoltobels. Dieses vom Kanton St. Gallen zur Ausbeutung seiner Wälder angelegte Sträßehen bietet prächtige Ausblicke auf den Hintergrund des Kalfeusenthals, auf die Ringelspitzkette und rückwärts auf den Calanda. In einer Stunde hatte ich das einsame Gigerwaldgut erreicht. Es fällt mir, wenn ich ans Graubünden in das Gebiet der St. Galler- und Glarneralpen komme, jedesmal auf, wie ungleich wilder es hier bei gleicher Höhenlage ist, als in unsern rhätischen Thälern und Alpen. So liegt das Gigerwaldgut nur 1237 m hoch und ist ein vereinzeltes, rauhes Gut, so daß man sich billig darüber verwundern muß, daß Jemand dasselbe ständig bewohnen mag. Der Wald kommt dort nur noch in kleinen Fetzen vor und reicht nicht weit über das Gut hinauf.

Beim Aufstieg nach der Alp Tersol ging 's erst noch ein kleines Wäldchen hinauf, dann aber folgten abwechselnd abschüssige Grashalden und von Runsen durchfurchte Felsenhänge, in denen der schmale, holperige, steil auf- und absteigende Fußweg oft für längere Zeit ganz verschwindet. Ist das ein Tobel! Rechts und links, über und nnter sich sieht man mit Staunen grandiose Felswände .von furchtbarer Steilheit und Höhe. Unten in der engen Schlucht, in der der Blick nur selten bis auf den Grund hinabdringt, tobt und stürzt der Bach von Stufe zu Stufe in einer fast ununterbrochenen Folge von vielgestaltigen Wasserfällen, von denen manche von großer Schönheit sind. Da und dort wölben sich prächtige Regenbogen über den tiefen Abgrund und tanzen den fröhlichen Reigen auf dem feinen Wasserstaub, der aus der schwarzen Kluft emporwirbelt. An manchen Stellen sieht man das Wasser in wildem Wirbel durch glattpolirte, runde Felsennischen jagen, um dann plötzlich mit gewaltigem Sprung in die Tiefe zu stürzen und weiter unten das gleiche Spiel von Neuem zu beginnen. Hoch oben an den Wänden aber reiht sich ein Aus-waschungskessel an den andern. Jetzt sind diese Erosionsnischen längst verlassen, aber sie sind Zeugen aus alter Zeit und verrathen das gewaltige Schaffen der Natur, die mächtige Kraft des erodirenden Wassers. Für den leicht bepackten Touristen mag nun freilich dieser Weg mit all' seinen Naturwundern trotz seiner Steilheit recht angenehm, wenn auch durchaus nicht mühelos sein. Aber die zwei Männer, die ich unterwegs antraf und die sich mit unendlicher Anstrengung abmühten, einen 6 bis 7 m langen und 120 m dicken Balken nach der Alp hinauf zu tragen, mögen die Schlucht mit ganz andern Augen und Gefühlen betrachtet haben als ich. Da hat nämlich im vorigen Winter ( 1888 89 ) eine Lauine eine Hütte zerstört und die muß nun wieder aufgebaut werden. Die Alp liegt aber 1995 m hoch und ist weit von allem Wald entfernt und so müssen denn die Alpbesitzer das Bauholz vom Gigerwald aus 6Q0 bis 700 m hoch hinauf tragen. Der Weg ist aber wohl der schlechteste Alpweg, den ich bis jetzt kennen gelernt habe. Ich habe absichtlich hier meinen Auf* stieg verlangsamt, um diesem Balkentransport zuzuschauen und einen Eindruck von den damit verbundenen Schwierigkeiten, Gefahren und -fast Obermenschlichen Anstrengungen zu gewinnen. Wo es anging, nahmen die Männer den Balken auf die Schultern, der eine am vordem, der andere am hintern Ende, und schritten behutsam über steile, glatte Grashalden oder über schmale Felsenbänder hoch über dem Abgrund hin. Von Zeit zu Zeit kam eine scharf vorspringende Felsecke und zugleich ging der Weg aus, also mußte der Balken niedergelegt und mit untergelegten Steinen vor dem Sturz in 's Tobel bewahrt werden. Dann wurde er an 's Seil genommen und von den Männern, die den Felsen umklettert hatten, heraufgezogen und auf der andern Seite wieder vorsichtig hinabgelassen. Dann wieder wurde der Balken ein Stück weit steil aufwärts getragen, bis etwa eine kleine, kramme Seitenrunse wieder die Anwendung des Seils mit Heraufziehen und Hinunterlassen oder mit Hin-und Herschieben nöthig machte. An manchen Stellen, an denen der Weg in scharfen Ecken um Felsen bog, waren die Männer in der höchsten Gefahr, durch den an den Felsen streifenden, unbiegsamen Balken in den Abgrund gedrückt zu werden oder den Balken fahren lassen zu müssen und sich um die ganze Arbeit betrogen zu sehen. Auch sollen den Männern wirklieh einige Balken entgangen und in der unzugänglichen Schlucht auf Nimmerwiedersehen verschwunden sein. Bei diesem Transport machten - die Männer einige Stationen und schafften also einen Theil des Holzes vom Gigerwald zunächst nach der ersten Station, später von dieser nach der zweiten und so weiter, bis sie oben bei der Hütte ankamen. Auf solche mühe- und gefahrvolle Weise mußten die Besitzer der Alp eine größere Anzahl Balken und Bretter in die Alp hinauf schaffen. Und dabei rauchten sie noch gemüthlich ihr Pfeifchen!

Nachdem ich einige Zeit dieser harten Arbeit zugesehen hatte und mir nicht die mindeste Lust kommen wollte, mich an derselben zu betheiligen, schwang ich den Hut, eilte wieder schnelleren Schrittes aufwärts und erreichte die Hütte der Alp Tersol um 2 Uhr 10 Min.

Es ist das eine sehr rauhe, von hohen zackigen Felshörnern umschlossene Galtvieh- oder Jungviehalp. Unter den Spitzen ragen namentlieh die drei höchsten der Grauen Hörner hervor: Piz Sol im Norden, Sazmartinhorn im Westen und Großes Zanayhorn im Osten. Die Alp gehört 5 oder 6 Geschwistern aus Vasön und kann an 100 Stück Jungvieh und eine größere Anzahl von Schafen sommern. Früher soll die Alp für die doppelte Stückzahl genügt haben. Infolge fortdauernder Verschüttung durch den von Jahr zu Jahr sich mehrenden Bergschutt nimmt aber ihre Ertragfähigkeit fortwährend ab. Immerhin ist sie auch jetzt noch eine, wie es scheint, nicht ganz zu verachtende Verdienstquelle für ihre Besitzer, indem dieselben außer ihrem eigenen Jungvieh auch noch fremdes gegen Entgelt auf derselben sommern können. Aber wie lange wird es noch gehen, bis wir auch hier eine „ todte Alp B haben werden?

* Tersol hat zwei Zugänge, von denen der eine schlechter ist als der andere. Der eine ist der eben beschriebene, der andere führt von Vasön über Vindels, Calvina und die 2577 m hohe Furggla. Auf diesem letztern wird das Vieh hergetrieben, weil der erste für dasselbe ungangbar ist. Nachdem das Vieh zur angesetzten Zeit von verschiedenen Orten her in Vasön sich versammelt hat, wird es mit Rufen und Johlen, Schreien und Fluchen, Stockschlägen und allerlei Hantirung der Furggla zugetrieben, um dann von dort wieder fast 600 m abwärts zu steigen. Dabei ist dieser Weg meistens sehr rauh, steinig und steil und besonders der oberste Theil desselben für das Vieh nicht ohne Gefahr, so daß bei regnerischem Wetter, wenn der Boden vielfach schlüpfrig wird, manchmal einige Stück „ erfallen u. Da mag denn auch die Poesie der Alpfahrt an einem kleinen Ort sein! Auf der Alp residirt den Sommer über ein Hirt mit ein oder zwei Unterhirten oder Knechtlein. Er ist den Alpbesitzern für richtige Wartung des Viehes verantwortlich, erhält aber auch von ihnen einen wahrhaft fürstlichen Gehalt von, wenn ich nicht irre, Fr. 200, woraus er auch seine Beamten besoldet und dieselben wie sich selber beköstigt. Das Residenz-palais ist eine aus Steinplatten gebaute, kleine, niedrige Hütte ohne Fenster, aber mit einem fast viereckigen Loch als Thüre, durch das man, wenn man sich genügend bückt, ohne Anschlagen des Kopfes eintreten kann. Drinnen kann man, wenn man nicht zu groß ist und sich in die Mitte stellt, aufrecht stehen, und findet in einem Raum Küche, Schlafzimmer, Speise- zimmer und Salon vereinigt. Das Bett besteht aus einer Pritsche mit etwas Heu und einigen ehemaligen Roßdecken, der Herd aus einigen Steinplatten. Die Pritsche dient zugleich als Stuhl und Canapé, die Kniee des Sitzenden als Tisch. Der Bauch entweicht, nachdem er zuvor den Raum in allen Theilen gehörig desinficirt bat, gelegentlich durch das Thttrloch, wenn er nämlich dort nicht durch den Wind zurückgetrieben wird. Der Wirth empfing mich freundlich, reichte mir eine Schale Milch und bot zur Herberg mir sein Haus. Da ich wirklich hier zu übernachten gedachte, nahm ich das Anerbieten dankbar an.

Nach kurzer Ruhe und angenehmer Unterhaltung mit meinem Wirth über die damals brennende Wohl-gemuthfrage und den darauf folgenden Notenwechsel machte ich mich um 3 Uhr auf eine Recognoscirung gegen das Große Zanayhorn. Diese Recognoscirung war von so gutem Erfolg, daß aus ihr gleich eine Besteigung des Horns noch am selben Nachmittag wurde.

Ich stieg nämlich auf dem Furgglaweg bis zu etwa 2400 m, ging dann dort in nordsüdlioher Richtung hin und her und untersuchte genau die Abhänge des Horns und die gegen dasselbe hinaufführenden Runsen. Zwei Stellen schienen mir für die Ersteigung günstig: die eine vom p im Wort Crisp der Karte durch eine Schuttrunse gegen das zweite a des Namens Zanayhörner, die andere vom Hügel 2410 m ebenfalls durch eine Runse gegen die Ziffern 82 in der Zahl 2825 ». Ich wählte sofort den ersteren Weg, um, wenn mich derselbe nicht an 's Ziel führen sollte, am PHP folgenden Tag nur noch den zweiten versuchen zu müssen. Am linken Rand der Schuttrunse, wo dieselbe von einem herabsteigenden, verwitterten Felsenriff begrenzt wird, aufsteigend, kam ich trotz des rutschigen Bodens rasch aufwärts, da- mir das genannte Riff gute Stützpunkte für die Füße und gute Angriffspunkte für die Hände bot. Die Runse führte mich gegen eine Einsenkung im Kamm, die, von unten gesehen, als geradlinige, kurze Schneide erscheint und von zwei hornartigen Spitzen begrenzt wird, von denen das nördliche das Große Zanayhorn ist. Fast in der Höhe der Schneide angekommen, stellte sich mir ein Felsband entgegen. Ohne den Versuch zu machen, dasselbe zu übersteigen, traversirte ich nun, weil mir das leichter schien, unter und lange demselben die Schutthalde nach Norden und kam so auf den Grat, der mich in wenigen Minuten und ohne weitere Schwierigkeiten auf die Spitze führte, die ich um 4 Uhr 45 Min. betrat.

Die Aussicht geht nicht gerade in die Weite. Im Norden und Nordwesten ist sie beschränkt durch den Hauptzug der Grauen Hörner ( Piz Sol, Seehörner ), im Westen durch die äußerst zerrissene, zackenreiche Kette des Sazmartin, von Südwesten bis Südosten durch die Ketten der Ringelspitze und des Calanda. Doch sieht man den ganzen Rhätikon und Theile des Plessurgebirges und der Silvrettagruppe, dann Gonzen und Alvier. Dagegen eignet sich der Punkt sehr gut zum Ueberblick über das Excursionsgebiet: Graue Hörner, Calanda, Ringelspitzkette mit allen ihren Spitzen und Hörnern. Besonders prächtig erscheint E. Imhof.

von hier aus die Kette der Ringelspitze und der wilde Geselle, das Sazmartinhorn. Tief zu Füßen liegen unter schauerlichen Schieferwänden die Zanay- und die Calvinaalp, getrennt durch den Zug der Vogelegg und des Monteluna. Weiter unten glänzen die grünen Terrassen von Vättnerälpli, Vättnerberg und Vindels, der Zanayalp gegenüber die Lasaalp unter den gerundeten Lasaköpfen. Von Tersol sieht man nur den obern Theil sammt Crisp, aber nicht die Hütten. Im Rheinthal lag Nebel.

Spuren von früherem Besuch fand ich keine. Da auch Führer David Kohler in Vättis nichts von einer frühern Besteigung dieses Horns weiß, so bin ich wohl der erste Tourist, der das Vergnügen hatte, dort oben zu stehen. Steinmännchen konnte ich keines bauen, da es mir an Zeit und naheliegendem Material dazu gebrach. Ich hinterließ also nur einen Zeddel mit meinem Namen und einigen Notizen über die Besteigung, den ich zwischen zwei Schieferplatten legte. Ich durfte schon deßwegen nicht lange hier oben weilen, weil ein scharfer Westwind ging und das Wetter sich verschlimmerte1 ). Ueberall mehrten sich die Wolken und immer näher rückten dicke Nebelmassen. Nach einem Aufenthalt von 15 Minuten trat ich um 5 Uhr den Rückweg an und zwar auf derselben Linie, auf der ich gekommen war. Um 5 Uhr 35 Min. war ich wieder im Crisp und um 6 Uhr in der Tersolhütte. Da das Wetter für den folgenden Tag nichts Gutes erwarten ließ, so entschloß ich mich, sofort nach Vättis zurückzukehren, um für alle Fälle freie Hand zu haben.

Um 6 Uhr 15 Min. verabschiedete ich mich vom Hirten und eilte, so rasch ich konnte, thal- oder eigentlich schluchtauswärts, um wo möglich vor Eintritt völliger Dunkelheit im Gigerwaldgut anzukommen. Trotzdem mir der Nebel an mehreren Stellen in den Weg trat und mich öfters in ein Gefühl der Unsicherheit brachte, kam ich doch überall gut und schnell durch und war schon um 7 Uhr 15 Min. im Gigerwaldgut und um 8 Uhr in Vättis.

Herr Zimmermann, der Wirth zur Lerche, machte mir nachträglich fast die Haare zu Berge stehen durch ein Geschichtchen, das ich hier wiedererzählen will, weil es zeigt, in welche Gefahren der Wanderer im Gebirge manchmal kommen kann, auch an Orten, wo er von Schwierigkeiten oder Gefahren keine Ahnung hat. Der Wirth meinte nämlich bedeutungsvoll zu'mir, ich werde doch nicht etwa im Tersoltobel über die große Lauine marschirt sein. Ich merkte nun schon, daß ich etwas verbrochen hatte, da ich wirklich diese Lauine, d.h. den von einer solchen im Tobel liegen gebliebenen Schnee passirt hatte. Der Wirth erschrak fast ob dieser Meldung, obwohl er mich unversehrt vor sich sah, meinte, ich könne von Glück reden, daß mir nichts zugestoßen sei, und erzählte mir nun Folgendes:

Vor einigen Jahren kam ein Mann — dessen Namen und Wohnort er mir nannte und den ich recht wohl kenne — auf der Suche nach einem verlornen Schaf nach Tersol. Den Rückweg nahm er durch 's Tobel und passirte die Lauine. Plötzlich brach die trügerische Decke unter ihm zusammen und er stürzte in die unheimliche Tiefe, wo er in dem mit ihm gefallenen Schnee stecken blieb. Es gab keine Möglichkeit, sich wieder hinauf an 's Tageslicht zu schaffen; auch im Flußbett war es unmöglich, fortzukommen, denn in beiden Richtungen, nach oben und unten, war dieses durch Wasserfälle unterbrochen. Ja, es lag die Gefahr nahe, daß der wüthende Bach den Mann sammt dem Schnee wegspülen und über den nur wenige Schritte weiter unten befindlichen Wasserfall hinauswerfen könnte. Der Mann war in furchtbarer Noth, erschöpft sank er nach langen, vergeblichen Anstrengungen zusammen und glaubte sich dem Tode geweiht. Da wollte es ein glücklicher Zufall, daß der Hirte von Tersol an diesem Tag mit seinen Arbeiten früher fertig wurde als gewöhnlich. Um für den folgenden Tag vorzuarbeiten, ging er gegen Abend auf die Holzsuche in dem Erlen- und Legföhrengebüsch des Tobeis. Dabei kam er in die Nähe der Lanine und vernahm von dort her ein anhaltendes Rufen und Stöhnen. Zuerst meinte er, es komme von einem verirrten Menschen. Wie er aber dem Rufen nachging, kam er an das Loch in der Schneedecke. Nun wußte er wohl, um was es sich handelte, konnte aber doch nicht sogleich Hülfe schaffen, sondern mußte vorerst in der Alp ein Seil holen. Mit diesem konnte er endlich unter eigener Gefahr den Verschütteten aus seiner qualvollen Lage befreien, der schon vor Erschöpfung, Kälte und Angst dem Tode nahe war. Der Mann lebt noch, wird aber nicht so bald wieder über alten Lauinenschnee gehen, von dem man eben nicht wissen kann,wie weit er schon unterhöhlt ist. Auch Andere mögen sich daraus eine Lehre ziehen1 ).

3. Ein Längsmarsch über die Grauen Hörner.

Dienstag und Mittwoch, der 23. und 24. Juli, waren regnerisch und erlaubten keine Bergtouren; man mußte die Zeit mit Lesen und kleinen Spaziergängen in der nächsten Umgebung ausfallen. Am Donnerstag endlich hellte es wieder auf, aber für mich war die Zeit, die ich diesmal den Grauen Hörnern widmen konnte, zu Ende. Ich mußte an 's Heimgehen denken und die Erfüllung meiner Wünsche auf später verschieben-. Für den Heimmarsch wählte ich eine etwas ungewöhnliche Route.

Um 8 Uhr verließ ich Vättis und stieg auf steilem Fußweg den Wald- und Felsenhang hinauf über Sutters-boden nach dem Vättnerälpli, dessen Hütte bei 1896 m ich um 9 Uhr 45 Min. erreichte. Ich hatte eigentlich hier vorbeigehen wollen, allein der Senn, ein älterer, freundlicher Mann, nöthigte mich, ein wenig in die Hütte zu kommen, und setzte mir dort eine gehörige Gebse Milch, sowie Brod und Käse vor. Dafür mußte ich vom Wohlgemuthhandel und von unserm Conflict mit Deutschland erzählen. Da hätte man sehen sollen, mit welchem Interesse diese einfachen Männer von der Alp dem Bericht über den Gang der Ereignisse und Verhandlungen folgten! Am meisten freute die Leute die kernhafte Note des Bundesrathes Droz an die deutsche Regierung. Recht so! meinten meine Zuhörer beim Verlesen dieser Note aus der Zeitung und schoben mir die Milch näher, damit ich einen kräftigen Schluck thun könne, indessen sie aus ihren Pfeifen Rauchwolken aufsteigen ließen, als wäre es Pulverrauch! Ausgesprochen wurde es nicht, aber es schien mir doch fast, als ob wenigstens die jungem unter diesen Sennen und Hirten es am liebsten gehabt hätten, wenn es zum „ Marschiren " gekommen wäre! Im Nu waren 40 Minuten verflogen, und ich mußte mich wieder auf den Weg machen. Für die freundliche Bewirthung wollten die Aelpler absolut nichts annehmen, aber sie waren sichtlich erfreut, als ich ihnen einige neuere Zeitungsnummern, darunter die mit der bundesräthlieben Note, zurückließ. Ueber Calvina erreichte ich in genau zwei Stunden die Furggla 2577 in. Der Weg da hinauf ist stellenweise sehr steil und steinig, führt Einen aber so recht in das Gebiet der Zanayhörner und zeigt die wilde Zerrissenheit derselben. Gerade vor sich hat man fortwährend die Furggla und das Große Zanayhorn, rechts und links die zackigen und schroffen Felsenkämme, die vom Großen Zanayhorn nach der Vogelegg und zum Aelplikopf gehen. Auf der Paßhöhe genießt man eine prächtige Aussicht, besonders auf die Ringelspitzkette mit ihren großartigen, nach Norden fallenden Wänden. Für den Touristen, der sich um die Be- Aus den. Grauen Hörnern.

schaffenheit der Wege nicht viel kümmert, ist das ein ganz interessanter Paß, für 's liebe Vieh dagegen ist er unter aller Kritik.

Ueber Crisp und das Graukies erreichte ich beim Punkt 2767 m den Grat zum zweiten Mal um 1 Uhr 45 Min. Von hier an erforderte es einige Kletterei durch Werk verwittertes Felsengetrümmer, durch steile, enge Schuttrunsen und über zerrissene Felsenstufen, um auf den Punkt 2791 m ( Hinteres Zanayhorn ) zu kommen. Stellenweise war diese Passage, namentlich für einen Sologänger, nicht ganz leicht und gefahrlos. Doch kam ich überall gut und ziemlich rasch durch. Vom Hintern Zanayhorn war 's dann nur noch ein angenehmer Spaziergang hinüber nach dem Piz Sol, den ich diesmal von der Südseite her ge- wann. Um 3 Uhr war ich oben.

Ich traf s mit der Aussicht gut und konnte das ganze weite Panorama wieder einmal mit Muße genießen. Doch brauche ich dasselbe hier nicht zu beschreiben, da dies schon mehrmals geschehen ist, unter Anderm auch im 2. und 24. Band des Jahrbuch des S.A.C.1 ) Nur so viel sei erwähnt, daß man von den Gebirgen des Bündner Oberlandes nicht gerade viel sieht wegen der davorstehenden Kette des Ringelspitz, die aber selber einen herrlichen Anblick gewährt. Nur über die Trinserfurka ist ein Theil des Bündner Oberlandes sichtbar. Den Piz Beverin und die Kette des Stätzerhorns sieht man noch, aber nicht l ) Vergl. Jahrbuch S.A.C., II, pag. 251-254; XXIV, pag. 69—70.Anm. d. Red.

6 mehr den Heinzenberg, dagegen Alles, waB weiter östlich ist.

Nach halbstündigem Aufenthalt stieg ich durch die Kehle auf der Ostseite des Berges, durch die am 28. October 1888 Herr Zwicky und ich aufgestiegen waren, hinunter auf den Gletscher und dann wieder hinauf auf den Punkt 2649 m. lieber den von Südwesten ansteigenden Grat kommt man ganz leicht auf diesen südlichsten Punkt der Seehörner. Ieh habe also jetzt alle Spitzen dieser Kette gewonnen, wie Dr. Gröbli, mit Ausnahme der zweitletzten oder fünften von Norden her gezählt, die auf der Karte nicht als besondere Spitze zu erkennen ist. Da ich allein war, so habe ich gar keinen Versuch gegen diese Spitze gewagt; war ja doch auch Dr. Gröbli bei seinerSolo-tonr davon abgestanden 1 ).

Nach kurzem Aufenthalt auf der neu gewonnenen Spitze nahm ich gleich noch eine zweite, für mich neue, in Angriff, indem ich über den Gletscher und am. Wildsee und Schottensee vorbei auf die Lücke bei 2547Schottenseefurke ) und auf den Punkt 2647.« ( nördliches Schottenseehorn ) stieg, wo ieh am 5 ühr 45 Min. ankam. Den Punkt 2650 m umging ich, weil ich ihn voriges Jahr schon mit Herrn Zwicky bestiegen hatte und darum heute keine Zeit damit verlieren wollte. Während meines Umherstreifens in diesen prächtigen Höhen war ich nämlich zum Entschluß gekommen, die Grauen Hörner ihrer ganzen Länge nach zu durchwandern und nachMels hinunterzusteigen.

) Vergi, pag. 27 des letzten und 10 dieses Jahrbuchs.

Anm. d. Bed.

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Also mußte ich meine Zeit zusammennehmen. Vom Punkt 2647 m ging ich über den Schwarzplangggrat weiter. Der letztere ist eine ganz eigenthümliche orographische Erscheinung. Er stellt ein kurzes und breites Plateau dar, das sich von Südosten nach Nordwesten zieht, im Südosten gegen die Schottenseehörner ansteigt und auf drei Seiten, nämlich auf der nordöstlichen und südwestlichen Langseite und auf der nordwestlichen Kurzseite, mit steilen und hohen Felswänden und Felsenstufen abfällt. Das Plateau selbst liegt nicht horizontal, sondern senkt sich nach Norden und Nordwesten, so daß es dem Tobel von Vermol seine tiefere, dem Thal des Schwarzsees seine höhere Kante zukehrt und im Ganzen einen pultförmigen Klotz darstellt, dem auch das grüne Tuch auf der Pultfläche nicht fehlt. Längs der obern Kante dieses Pultes marschirte ich nun über die Punkte 2639, 2548 und 2484 m und dann durch Felsbänder, kleinere Schutthalden und steile Grashänge hinunter zum Sebwarzaee und zur Hütte von Obergamidauer. Es war 6 Uhr 40 Min., als ich hier ankam. Seit dem Vättnerälpli hatte ich keinen Menschen mehr gesehen, seit Calvina auch kein Vieh mehr, ausgenommen einige Ziegen beim Schottensee. Gerne kehrte ich darum hier für ein Viertelstündchen ein und fand dieselbe freundliche Bewirthung, dasselbe Interesse für die damals brennende Tagesfrage und dieselbe Freude an der bundesräthlichen Antwort, wie bei den Sennen des Vättnerälpli. Nach kurzer Rast eilte ich Mels zu. Auf dem Weg zur Gami-dauerspitze fielen mir die „ Schanzen« auf, d.h. lange Erd- und Steinwälle und Mauern, die am Nordwestrande E. Imbof.

der Alp aufgeführt sind und mit dem Terrain mehrfach auf- und absteigen und ein- und ausbiegen, wie eine chinesische Mauer en miniature, um das Vidi vor dem Sturz über die hohen Wände gegen TJnter-gamidauer zu bewahren. Von der Gamidauerspitze 2313 m genoß ich noch einmal einen prachtvollen Ausblick auf die Gebirge rings umher und auf das Rhein-und Seezthal mit zahlreichen Ortschaften, Alles von der untergehenden Sonne auf 's Wundervollste beleuchtet und wie von Gold und Purpur übergössen. Aber schon war es 7 Uhr vorbei und noch immer stand ich 500 m höher als die gegenüberstehende Spitze des steilwandigen Gonzen, also galt es jetzt sozusagen im Sturmschritt der Tiefe zuzueilen. Auf der Südostseite der Spitze stieg ich gegen den kleinen See hinunter, der auf der Excursionskarte unterhalb Baseggla ohne Namen angegeben ist, und von dort östlich und nordöstlich vom Gamidauerspitz durch nach der Ober-vermialp ( bei Vermi wird die zweite Silbe betont, etwa wie die zweite Silbe in Partie ), deren Hütte eigenthümlicherweise auf der Karte nicht verzeichnet ist. Dieselbe steht in einer Höhe von etw* 1800 m in der Mulde zwischen Gamidauergrat und Garmil, westnordwestlich von letztem Punkt und in gerader Linie etwa 1 Kilometer davon entfernt an einem kleinen Bächlein 1 ). Ohne einzukehren, eilte ich an dieser Hütte, wie dann auch an derjenigen von Untervermi, vorbei, bald über Weiden, bald durch prächtigen Tannenwald, auf dem auf der Karte angegebenen Weg, den ich trotz der bald eintretenden Dunkelheit gut finden konnte. Dieser Weg führte mich ohne weiteres Suchen hinunter auf die Straße, die von Weißtannen nach Mels geht. Um 9 Uhr 20 Min. langte ich auf der Station Mels an, gerade recht, um noch die Bahn nach Landquart nehmen zu können. Von hier aus hatte ich dann noch das zweifelhafte Vergnügen, die zwei letzten Stunden meines heutigen Marsches auf der Landstraße zurückzulegen; ich war aber von meiner heutigen Tagestour, auf der ich ein volles halbes Dutzend Gipfel, darunter vier für mich neue, bestiegen hatte, so erfreut, daß ich mich durch diesen langweiligen Abschluß des kurzweiligen Tages wenig anfechten ließ.

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