Böser Faulen

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Dieser wilde Glarner Gipfel, dessen Ersteigung in Tschudis Tourist, wie in Büß'Führer für das Glarnerland als sehr schwierig bezeichnet wird, ist in unseren Jahrbüchern nur an zwei Orten kurz erwähnt.

Herr Professor A. Heim sagt im Itinerarium für 1876 und 1877 ( Jahrbuch XII, pag. 319 ), daß der Böse Faulen, der einen überwältigenden Blick in Felseinöden und sehr lohnende Fernsicht biete, im Jahre 1868 von Glarner Clubisten von der Nordseite erstiegen worden seidie-selben vermuten, daß die Ersteigung von Süden weniger schwierig wäre ".

Herr R. Wäber knüpft daran im Jahrbuch XIII ( pag. 74 ) die Bemerkung, daß, da die Südwand sehr bös und unnahbar aussehe, dann die Nordseite rauh und schwierig genug sein müsse.

In der Alpina 1897, Nr. 7, pag. 76, hat Herr F. Denzler, Sektion Uto, seine mit Führer H. Schießer im Herbst 1896 ausgeführte Besteigung beschrieben. Von der Karrenalp aus, wo in der Schäferhütte Erixmatt bei 2096 m Nachtlager bezogen worden war, wurde der Weg gegen das auf der Siegfriedkarte ( Blatt Lintthal ) eingezeichnete Firnfeld am Südfuß des Bösen Faulen eingeschlagen. Über dieses Firnfeld, dann teils auf apern, steilen Felsen, teils auf gehauenen Firnstufen, Vorsicht erfordernd, ging es dem tiefen, weithin sichtbaren Risse zu, der den Griesetstock vom Bösen Faulen trennt. Von der Stelle aus, wo das von dieser Scharte sich herunterziehende steile Couloir auf der Südostseite der Wand verflacht, wurde auf schmalen, mit Schnee bedeckten Bändern nach Osten traversiert; dann ging es steil durch einen kurzen Kamin hinauf und später über schneefreie, abschüssige Kalkplatten von der Nordostseite auf den Gipfel.

Nach mündlicher Aussage von Führer H. Schießer in Lintthal scheint dies der von Glarner Führern bei den spärlichen Besteigungen gewöhnlich eingeschlagene Weg zu sein. Auch das vom Firn gegen Punkt 2744 sich hinziehende Felsband ist wiederholt benutzt worden; von dort dürfte der Gipfel über den Grat schwierig zu erreichen sein.

Eine andere Route wurde bei einer am 10. Juli 1897 unternommenen Erklimmung des Bösen Faulen benutzt, wobei dieser Gipfel seinen ersten Damenbesuch erhielt. Dieser Weg ist vor einigen Jahren von Zürcher Clubisten aufgefunden worden und ist anscheinend die kürzeste und leichteste Anstiegslinie über die Felsen der Südostwand und auf den Gipfel überhaupt. Angaben darüber könnten daher erwünscht sein.

Von Lintthal, oder noch bequemer von Rüti, gelangt man in etwa lVa Stunden auf gutem Sträßchen, das namentlich in seinem obern Teile hübsche Baum- und Felspartien zeigt, auf die Terrasse der Braunwaldberge. Der Weg ist auf der Karte ( Blatt Lintthal ) eingezeichnet; er führt zu dem neuen glarnerischen Lungensanatorium. In dem kleinen Kurhaus Niederschlacht beim Sanatorium findet man Nachtlager. Über Sackberg steigt man durch die mi.t schönen Ahornen besäten Matten empor gegen den Unterstafel und durch eine romantische Felskluft, bei Punkt 1660, nach dem Oberstafel der Braunwaldalp ( 1745 m ).

Von da führt ein auf der Karte angedeuteter Pfad, der nicht überall gut sichtbar ist, auf das karrendurchfurchte Hochplateau. Beim Bützi wendet man sich in nordwestlicher Richtung möglichst direkt dem Gipfel des Bösen Faulen zu, gegen das Firnfeld am Fuße der Felswand. An der Stelle, wo dieses Firnfeld am höchsten in die Felsen hinaufreicht, zieht sich ein tiefes Couloir gerade auf den Gipfel ( 2804 m ) zu. Dasselbe ist in seinen oberen Teilen ungangbar und steinschlägig. Dieses große Couloir läßt man rechts liegen und wendet sich einer kleineren, engen Kehle zu, die sich davon links ( westlich ) abzweigt. Zur Zeit unserer Besteigung war der Einstieg in die Kehle durch eine Art Kamin nicht ganz leicht, im übrigen aber bietet dieselbe keinerlei besondere Schwierigkeiten, so daß sie ohne Seil begangen werden kann. In einer Höhe von 64 Metern über dem Firn ( nach zwei übereinstimmenden Messungen mit einem Goldschmid'schen Aneroidbarometer ) läuft diese Kehle flach aus; man gelangt auf eine Halde mit Schuttbedeckung, auf der ein weithin sichtbarer Schneefleck liegt, der wohl nie ganz verschwindet. Von da ab hält man sich zunächst einige Meter gegen Westen ( links ), dann ohne Schwierigkeiten über Geröll und Kalkplatten dem Gipfelgrat zu, den man etwa zehn Meter westlich vom Steinmann erreicht.

Es will mir scheinen, daß die Schwierigkeiten der Besteigung erheblich wachsen, wenn man von der oben beschriebenen Route abweicht, da links und rechts davon die Wand viel steiler und „ plattiger " ist. Es dürfte daher empfehlenswert sein, beim Aufstieg den Weg über die oberste Halde durch Papierstücke, die mit Steinen beschwert werden, zu markieren, da er im Abstieg von oben her nicht so gut zu übersehen ist.

Die gesamte Höhe der Wand, vom Firnfeld am Fuß der Felsen bis zum Gipfel, beträgt 158 Meter. Davon kommen, wie oben bemerkt, 64 Meter auf die Kehle und 94 Meter auf die zum Gipfel führenden Felshalden. Die Kletterei dauert daher nicht lange, unsere etwas zu große Kolonne brauchte dafür 50 Minuten; sie erschien uns allen leichter als die am Ruchen-Mürtschen. Der ganze Aufstieg, vom Sanatorium bis zum Gipfel, dauerte 6Va Stunden, Rasten inbegriffen.

Von der großartigen Aussicht ist namentlich bemerkenswert der Blick auf die Felswüsten der Karrenalp und die tausend Meter tiefen Abstürze zur Bösbächi- und zur Drecklochalp.

Dr. E. Bosshard ( Sektion Winterthur ).

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